…und gestern hatte ich wieder einen sehr schönen Tag. Nachmittags stieg ich auf mein Rad, zur Stadt ist es nur ein Katzensprung, ich stellte mein Rad ab und gönnte mir was Leckeres, als ich dann weiter wollte, war dann der schöne Sommerregen da. Eigentlich wollte ich Richtung Süden, doch dann entschied ich mich für den Westen, nach einigen Kilometern besuchte ich in einem kleinen Dorf einen mir schon sehr lange Zeit vertrauten Menschen. Der Besuch war gut und schön und Kaffee trank ich auch. Ich fuhr dann weiter in westliche Richtung, nach einigen Kilometern änderte ich spontan wieder meine Richtung, eine steile Rampe hinauf und hinter dem oben am Berg gelegenen Friedhof hatte ich auch schon den höchsten Punkt erreicht. Das Wetter war launisch und die Abfahrt schön. Durch ein paar kleine Winz-Dörfchen hindurch fuhr ich dann so schön leicht, bis ich später auf den über die alte Bahntrasse führenden Radweg stieß. Eine ganze Weile fuhr ich auf dieser flachen Strecke. Unterwegs zogen mir die Gedanken so leicht und so klar und so schön durch den Kopf, dass es mir Freude und Wohl war. Da passiert so viel unterwegs in mir, einfach so, das ist mir ein schönes und bemerkenswertes Phänomen, es kommt hervor und aus mir. Das ist so gut so. Auch die Beine sind locker und weich und mein Schmerzbein ist frei von Schmerz. Das ist gut. Mittlerweile war ich also bereits im benachbarten Bundesland angekommen und in einer kleinen Stadt, dem äußersten Punkt meiner gestrigen Tour, da hielt ich an, trank einen Kaffee, aß ein Eis. Das war schön. Auf der über eine andere Strecke verlaufenden Zurück-Hälfte meiner Tour begleitete mich ein langer und schöner Sommerregen. Das war schön. Die Gedanken zogen leicht und klar und schön durch meinen Kopf. Aber ich sah auch ganz viel gestern und unterwegs. Den Bussard im Sturzflug beispielsweise. Aus einer Entfernung von vielleicht zehn Metern sah ich dann, wie er einen Meter über dem Feld seine Geschwindigkeit herausnahm, fast stand in der Luft, seine Richtung kurz änderte und den Angriff vollzog. In einer schönen Leichtigkeit startete er seinen Flug zurück in die Luft, in seinen Krallen eine Maus.
Im letzten Fünftel meiner schönen Tour machte ich noch eine längere Pause, aß was, trank einen Kaffee, und als ich draußen so stand und mich umschaute, ergab sich eine neue Perspektive. Eine alte Fabrikhalle, schon hundert Mal dran vorbeigefahren, immer beachtet, doch diese Perspektive war neu. Ich fotografierte aus dieser Perspektive heraus und freute mich. Später dann nahm ich mir noch einmal einen Foto-Stopp, wieder mal Brückenfotos, doch auch diesmal mit etwas anderer Perspektive. Dazu der Abendhimmel. Das war schön.
Auch auf den letzten Kilometern waren meine Beine leicht und meine Seele auch. Zurück in der Stadt zeigte sich mir eine weitere Köstlichkeit. Es war eine Art Straßenmalerei auf einer großen Fläche über vielleicht 6000 Quadratmeter. Ganz viele, schöne Motive und ich fotografierte und fotografierte.
Als ich dann zufrieden und voll schöner und bunter Eindrücke gerade meinen Drahtesel in seinen Stall gebracht hatte, klingelte es in meiner Tasche und ich hatte dann noch ein schönes und langes Gespräch bis in die Nacht hinein mit einem wunderbaren Menschen.
Nachts las ich dann noch einen wunderbaren Text, der ist nicht nur schön, sondern auch weise und wahr und klar und reich.
Der Schlaf war gut und das Wetter ist es heute hier auch. Vormittags werde ich noch dringende Gänge gehen und am Nachmittag werde ich wieder unterwegs sein.
Dankbar und froh bin ich, dass ich gestern so schön unterwegs war, dass sich mein Schmerz, den ich Charly nenne, wohl gerade von mir verabschiedet. Vorbei die zwei schweren Jahre der Qual, der Schwere, der Verzweiflung. Ich danke Dir.
Bis bald und liebe Grüße, zerfreila