Bitte lesen:
Zitat von zerfreilaAlles anzeigenHallo Jamor, hallo miteinander,
ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Erfahrene und Reflektierte nicht mit dem Finger auf andere zeigt und durch despektierliche Äußerungen verbal anzugreifen versucht.
Grundsätzlich ist gegen Fragen nichts einzuwenden.
Doch die Art und Weise, wie dieser Thread eröffnet wurde, hat für mich Befragungscharakter. Sinnvoll fände ich, wenn der Thread-Eröffner seine eigenen Erfahrungen zu den gestellten Fragen mitteilen würde. Zum Austausch gehört m.E. auch immer Selbstoffenbarung, ohne das Mitteilen eigener Erfahrungen hat der Austausch von vorneherein Schräglage. Daher vielleicht auch der Unmut einiger Teilnehmer hier, die Unmutsbekundungen können aber auch erfolgen ohne Sarkasmus, Zynismus, Abwertung und Beleidigung, sondern sachlich und direkt.
Noch kurz ein paar Fragen an Dich, Jamor:
Wie lange bist Du trocken? Welche Erfahrungen hast Du beim Trockenwerden gemacht? Was tust Du für Deine Stabilisierung? Was hälst Du davon, hier Deine Erfahrungen einzubringen? Was genau hast Du studiert?
Gruß, zerfreila
Zitat von jamorAlles anzeigenhallo zerfreila
ich antworte dir gerne deine frage..dafür muss ich etwas ausholen:
meine alkoholkarriere war nicht die klassische story..mit ca 16 jahren habe ich das erste mal alk getrunken und da schon ziemlich schnell gemerkt, dass ich mit alk nicht umgehen kann und jeweils die kontrolle verliere..
mit 18 jahren habe ich mit bodybuilding und danach mit 21 bin rüber zum powerlifting (kraftsport) rüber gegangen.. bis und mit 30 habe ich keinen alk konsumiert..dafür etliche anabolika kuren für mich genommen und für die wettkämpfe...zu der zeit bin ich mit der drogenszene in verbindung gekommen..nicht als konsument sondern als dealer.
als ich mit dem sport aufgehört habe..habe ich weiter mein lebensunterhalt mit dem dealen verdient. ich war im kokainhandel. ich machte gutes geld damit, aber hatte einen ziemlichen ungeregelten tagesablauf...und habe wieder angefangen zu trinken und partys zu feiern..zu dieser zeit war ich bereits verheiratet, war aber frauenbekanntschaften nicht abgeneigt..und es kam wie es kommen musste..meine frau liess sich trennen von mir..danach fing ich selber an drogen zu konsumieren..was absolut für mich vorher tabu war..ich fing an crack zu rauchen und dies verschlimmerte meinen alkohol konsum drastisch..das eine brauchte ich um mich aufzupushen und den alk um runterzukommen..
bei einem kokain transport von spanien über frankreich in die schweiz wurde ich erwischt..und dies auch ziemlich zugedröhnt.
danach wurde ich zu einer mehrjährigen haftstrafe verurteilt..in der haftanstalt hatte ich zum glück die möglichkeit mich beruflich neu zu orientieren und konnte ein praktikum in einer behinderten werkstatt machen..danach erhielt ich die möglichkeit mich zum arbeits-agogiker auszubilden. mittlerweile bin ich, in der instutition welche ich das praktikum gemacht habe, angestellt.
als ich in der haftanstalt war trank ich nur noch wenn ich urlaub hatte..und danach in der anstalt nicht mehr..ich hatte angst, dass wenn ich nicht mehr in haft bin und wieder in freiheit bin..ich wieder anfange zu trinken und beschloss ganz mit dem trinken aufzuhören und machte eine therapie in welche auch andere insassen teilnahmen.
Seit etwas mehr als einem Jahr habe ich meine Haftstrafe beendet und arbeite als agogiker weiter und bin in der suchtberatung involviert..
studiert in dem sinn habe ich nicht..sondern die fachhochschule abgeschlossen und danach für die suchtberatung an seminaren weitergebildet.
was mir sehr weitergeholfen hat..ist die viele zeit die ich in haft hatte um über mein leben nachzudenken..und zu merken, dass die umstände in welche man sich befindet nicht massgebend sind am eigenem glück..sondern die einstellung.
mein leben bestand früher nur aus wettkampf sei es im sport oder unter den anderen dealern..wer der grösste oder stärkste ist..
eben wie du auch sagst..mit dem sich mit den anderen zu vergleichen..heute sagt, dass mir überhaupt nichts mehr..ich messe mich nur an mich selber..ich habe wieder angefangen sport zu machen..nicht wettkampfmässig sondern einfach für mich..sauber ohne mittel.
ich schaue sehr auf meine ernährung, bewegung und eine ausgewogene haltung..
gruss
jamor
Jamor, ganz bewusst bringe ich jetzt hier zwei Beiträge aus Deinem Thread „Strategien“, der erste ist von mir, der zweite von Dir, beide sind vom 2. Febr. 2012.
Ohne hier auf einzelne Passagen Deines Beitrags vom Februar einzugehen, wirkt sehr vieles sehr widersprüchlich in Bezug auf Deinen aktuellen Thread hier. Lies Dir das noch einmal durch, vielleicht stößt Du selbst auf Deine sehr widersprüchlichen Aussagen.
Wer ist denn damals für die Kosten Deiner langjährigen Haftstrafe aufgekommen, wer hat Therapie und Ausbildung bezahlt. Was ist mit den Menschen, denen Du Drogen verkauft hast. Viellcicht sind die durch Deine Deals überhaupt erst an Drogen ‚rangekommen. Vielleicht sind Deine Kunden von damals von den von Dir verkauften Drogen krank, süchtig geworden. Vielleicht sind Menschen, denen Du Drogen verkauft hast, daran gestorben. Die Schäden, gesundheitlich und wirtschaftlich, die Du durch Deine Deals vielleicht verursacht hast, weil Deine Kunden vielleicht auch kostenintensive Hilfe in Anspruch nehmen mussten. Was ist mit all dem Leid und dem Elend, welches Du vielleicht Durch Deine Drogen-Dealerei angerichtet haben magst! - Wer hat denn das alles bezahlt?
Aber Du beschäftigst Dich ja wohl lieber mit den Anderen, das ist ja so einfach und leichtfertig gemacht.
Mit Erfahrungsaustausch oder mit Lebensgeschichten und dem Leben nach dem Alkohol hat Dein sich mit anderen Menschen befassender, andere Menschen bewertender, beurteilender, abwertender Thread wirklich nichts zu tun.
Schade. Gruß, zerfreila
Ps: Frage: Hattest Du bezüglich Deiner Delikte Schuldeinsicht, wenn ja, hast Du diese verarbeitet, und wenn ja, wie?