Hallo Hartmut
Eigentlich dachte, die Vorstellungsrunde fände im privaten Bereich statt. Ich bin nicht sicher, ob ich der Kritik im öffentlichen Bereich standhalten werde. Trotzdem werde ich die Fragen gerne ehrlich beantworten.
Vorwort:
Ich habe kein Problem mehr mit dem Gedanken nie wieder zu trinken. Ganz im Gegenteil. Es ist für mich der einzige gangbare Weg. Der Tiefpunkt lag bei mir im Dezember darin, dass mein Konsum immer mehr überbordet hat. So sehr, dass ich an zwei Tagen nicht arbeitsfähig war.
Arztbesuch:
Hier ist wohl der kritische Punkt, bei dem ich bei euch kaum auf Verständnis stossen werde. Ich habe bislang, unter anderem aus Scham, keinen Arzt aufgesucht und fühle mich auch nicht dazu bereit. Das hat Gründe, die ich im öffentlichen Bereich nicht nennen möchte.
Klinische Entgiftung:
Nein. Ich habe keine Klinik aufgesucht. Ich habe meine Weihnachtsferien abgewartet und den Entzug, wenn man das bei mir überhaupt so nennen kann, zu Hause durchgezogen. Ausser Schlafstörungen und Magenproblemen kenne ich keine Entzugsprobleme.
Offenheit und Ehrlichkeit:
Tja, wie gesagt, den Schritt einen Arzt aufzusuchen habe ich ausgelassen. Ich versuche zu mir selber ehrlich zu sein. Aus Angst meinen Job zu verlieren und wieder in der Gosse zu landen, will und werde ich meine Sucht nicht öffentlich kundtun.
Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten:
Den hatte ich mir hier im Forum erhofft.
Freizeitgestaltung – neue soziale Kontakte:
Über meine Freizeitgestaltung habe ich im entsprechenden Thread bereits geschrieben.
Meinen alten Freundeskreis habe ich im Verlaufe des letzten Jahres gründlich überarbeitet, wobei der jetzt um etliches kleiner ist. Ich habe lediglich drei Freundinnen, die abstinent sind. Aber das genügt um trockene Abende zu gestalten. Natürlich gibt es da immer noch viele trinkende Kollegen. Aber so lange die mich in Frieden lassen kann ich damit umgehen. Sonst wird mein Freundeskreis halt noch weiter schrumpfen. Das wird sich zeigen.
Alkoholfreies Umfeld:
Das habe ich geschaffen. Ich bin in der komfortablen Lage, dass mein Mann keinen Alkohol trinkt und somit kein Bedarf an Alkohol da ist. Im Ausgang habe ich mich mit dem Trinken immer sehr zurückgehalten – wollte nicht auffallen. Ausserdem habe ich ein Auto und fahre nicht, wenn ich getrunken habe. Mein Trinkerumfeld befindet sich zu Hause und das habe ich gesäubert.
Unterstützung durch Familie und Umfeld:
Ich habe viele Gespräche mit meinem Mann geführt. Einfach war das nicht weil er nicht glaubte, dass ich Alkoholiker bin. Vermutlich weil ich tagsüber nicht trinke und auch hin und wieder einen trockenen Tag geschafft habe. In vielen Gesprächen konnte ich ihn soweit sensibilisieren, dass er es nun akzeptiert und respektiert. Er musste lernen, dass es auch Alkoholiker gibt denen man das nicht sieht. Wichtig für mich ist den Hals jetzt aus der Schlinge zu ziehen und nicht abzuwarten, bis die Sucht noch mehr in meinem Leben zerstört hat.
So, das wär's. Wenn ich die Bedingungen für dieses Forum mit meiner Haltung nicht erfülle, dann kann ich das verstehen und hoffe auf eine ehrliche Antwort.
Liebe Grüsse, Wasser