Hallo Waldliebende,
na ja, ohne Ehrlichkeit macht das Forum ja gar keinen Sinn!
Wann war der Punkt? Das dauert etwas, das zu erklären.
Also, ich hab mich, wie gesagt zweimal getrennt.
Das erste Mal war es so, dass er die ganze Zeit über trank. Sozusagen die ganze Beziehung über, ich hab ihn schon so kennengelernt, aber gedacht, ich geh dann, wenn er nicht bald aufhört. Dann gingen die Jahre ins Land, ich hatte inzwischen mein Studium beendet und bastelte an meinem Berufseinstieg. Und er tat gar nichts, jahraus, jahrein.
Ich glaube, der letztendliche Auslöser war, dass ich merkte, dass ich die beruflichen Belastungen mit ihm nicht schaffen konnte. Im Studium gings eher. So ne durchstrittene Horrornacht... Nun ja, als Studentin konnt ich mir das eher leisten. Im Beruf gings nicht mehr, da musste ich jeden Morgen um dieselbe frühe Stunde fit sein. Ich hatte Angst, dass ich mir meine eigene berufliche Zukunft verbaue. Und dann noch der Gedanke, dass ich ja, sobald ich eigenes Geld hätte, auch noch für ihn aufkommen müsste. Und schließlich mein Kinderwunsch, mit ihm ging das offenbar nicht.
Er war auch gewalttätig, nicht extrem, aber doch trotzdem auch körperlich. Aber das war noch nicht mal der Auslöser. 
Es war nicht ein Tag. Jahrelang trug ich mich mit dem Gedanken und dann, wie gesagt, mit meinem Berufseinstieg, waren es einige Monate, während denen ich es plante. Mein Beruf war mir einfach wichtiger als er. Ich hab ihm noch ne Chance gegeben, er hat mich aber überhaupt nicht ernst genommen. Er hat einfach ignoriert, dass ich mich trennen will. Das fand ich erst recht schwierig. Ich hab mir dann meine Gründe, warum ich gehen muss, auf ein Blatt geschrieben, und dieses immer bei mir getragen und immer wieder durchgelesen. Es fiel mir wahnsinnig schwer, eine Wohnung zu besichtigen. Da hin zu gehen, als wenn tausend Pferde mich zurückziehen, so kam ich mir vor. Ich hatte eine Freundin eingeweiht, die ging mit mir hin. IHm erzählte ich, glaube ich, von der neuen Wohnung erstmal gar nichts. Erst, als alles fest war.
Ich weiß noch, wie ich dann den Schlüssel der Wohnung hatte und da alleine in dieser Wohnung saß. Es war mein Paradies!!! Meins!!!
Der Umzug selber war dann noch so ne ZItterpartie, ich hatte Angst, dass er gewalttätig wird, aber die feige Socke war dann gar nicht dabei.
In die neue Wohnung hab ich ihn erst Jahre später mal reingelassen.
Wir waren getrennt, ich hielt aber den Kontakt, weil ich es anders nicht übers Herz brachte. Wir trafen uns regelmäßig bei ihm zum Fernsehgucken oder Spazierengehen.
Er sackte immer weiter ab. Einige Jahre später hatte er einen körperlichen Zusammenbruch und wurde trocken. Veränderte sich stark und baggerte mich wieder an und ich ließ mich wieder drauf ein. Wir heirateten, bekamen Kinder, zogen wegen seines Jobs in eine für mich völlig fremde und weit entfernte Ecke Deutschlands, kauften ein Haus.
Und da bekam er seinen Rückfall. (D.h. es fing wohl schon vorher heimlich an, ich wollte es nicht wahrhaben.)
Also, kannst dir vorstellen, die Situation: Ich mit zwei kleinen Kindern, auch berufstätig, kurz nach dem Umzug, mit ihm in diesem Haus. Kannte kein Schwein dort. War ihm völlig ausgeliefert. Sogar unser Telefonanschluss war noch nicht da. Geile Gelegenheit, um einen Rückfall zu bauen.
Jedenfalls soff er plötzlich wie früher. Schon am Vormittag. Schlief viel, war aggressiv. Ich war einfach nur fassungslos.
Als ich mich massiv bedroht fühlte, rief ich die Polizei. Ich hatte einfach Angst und wegen der Kinder konnte ich auch nicht einfach weg. Zu wem hätte ich auch gehen sollen.
Aber selbst da war ich noch nicht bei der Trennung!
Nach der Polizeiaktion war ER es, der mir nicht verzieh, dass ich sein Vertrauen so missbraucht hatte, indem ich die Polizei rief. Und er beschimpfte mich auf übelste Weise, überschüttete mich mit KÄlte und Hass. Ich glaube, er wollte einfach in Ruhe trinken, ohne dass ich immer dazwischenfunke. Jedenfalls war das dann doch zu viel für mich: Ich hatte alle Mögliche für ihn getan, er fängt an zu saufen und ich soll mich noch beschimpfen lassen???
Und irgendwie war mir auch klar: Wenn er wieder säuft, kann ich sowieso nicht bei ihm bleiben, auch wegen der Kinder.
ABer wenn mein Mann säuft, dann säuft er auch viel und ist nicht mehr zu viel zu gebrauchen. Jedenfalls ist das inzwischen so.
So, das waren meine Tiefpunkte!
Wie gesagt, wenn er so ein mäßiger Säufer gewesen wäre, ich weiß nicht, wie lange ich dageblieben wäre.
Insofern hab ich natürlich leicht reden.
Hoffe, es war nicht zu lang, aber du hast ja gefragt.
Liebe Grüße
Doro