Hallo Fliegender Stern, ich muss gleich weiterarbeiten, aber will dir noch kurz Mut zusenden.
Also, sehe ich es richtig, dein Freund reagiert mit:
- Heiratsanträgen
- unterschwelligen Drohungen
- Schuldzuweisungen
Diese Reaktion finde ich wenig liebevoll und wenig respektvoll.
Er nimmt deine Erfahrungen nicht ernst. Deine Verletztheit, deine Horror-Erlebnisse mit ihm. Er kehrt das einfach unter den Teppich.
War doch nichts!
Und: Er kämpft um dich wie um ein Stück Besitz. Nicht wie um eine Frau, die er über alles liebt und die er glücklich machen will!
Und du fängst dann an, an deiner Wahrnehmung zu zweifeln.
War vielleicht doch nicht so schlimm?
Aber haben deine Freundinnen dir nicht auch gesagt, dass er dir nicht gut tut? Hast du es nicht selbst gesagt?
Er ist nicht damit einverstanden. Damit musst du weiter rechnen.
Aber was DU willst, zählt hier.
Ich glaube, es wird sehr schwer für dich, weil du ihm die ganze ZEit ausgesetzt bist.
Könntest du nicht vorübergehend ausziehen - zu deinen Eltern oder sonstwohin?
Was mir damals bei meiner ersten Trennung auch noch geholfen hat: Ich habe meine Gründe für die geplante Trennung aufgeschrieben und den Zettel immer bei mir gehabt.
Es war eine furchtbare Zeit. Mein Mann hat damals meine Trennungsankündigungen einfach komplett ignoriert. Sogar als ich einen MIetvertrag unterschrieben hatte, hat er noch immer gesagt: Das machst du nicht, du bleibst bei mir.
Weil ich immer auf ein "okay" von ihm gewartet habe, war es für mich unheimlich schwer, es trotzdem durchzuziehen.
Ich wollte eine einvernehmliche Trennung. Aber die gabs mit ihm eben nicht.
Ich hatte nur meinen Verstand und mein Zettelchen und die Angst, was wird, wenn ich den Absprung nicht schaffe. Ich weiß noch, wie ich mich zwingen musste, zu den Wohnungsbesichtigungen zu gehen. Es war, als wenn mein KOpf allein die Regie übernehmen musste, meine Gefühle wurden einfach übergangen, denn die sagten mir: Nein! Das darfst du nicht! Du verrätst ihn!
Als ich dann den MIetvertrag hatte und den Schlüssel für die Wohnung, bin ich in diese Wohnung gegangen und ich sehe mich heute da noch sitzen: Es war überwältigend. Einfach Ruhe! Seiner Macht nicht mehr ausgesetzt! Es war wunderbar!
Wenn du weißt, was du willst - vom Kopf her - dann beiß jetzt die Zähne zusammen. Diese widersprebenden Gefühle sind normal, das ist eben die Co-Abhängigkeit!
Diese Gefühle werden auch nach der Trennung erst langsam abklingen.
Nun will ich dir keine Trennung einreden, die du selbst nicht willst.
Aber gestern wolltest du sie doch noch aus voller Überzeugung!
Überleg dir mal genau, warum, und schreib es auf und lies es dir immer wieder durch.
Und vor allem: Lass dich von ihm nicht manipulieren.
Liebe Grüße
Doro