Beiträge von Doro

    Hallo Fliegender Stern,

    also ich hab damals - nachdem mein Mann trocken wurde - ziemlich schnell "vergessen", dass mein Mann wieder zu trinken anfangen könnte. Ein paar Monate war ich sehr skeptisch und danach nur, wenn es Anlässe zur Furcht gab, z.B. wenn er anfing, alkoholfreies Bier in großen Mengen zu trinken.

    Ich hab ihm vertraut, ich hab eigentlich keinen Druck gemacht. Ich hab es z.B. hingenommen, dass er keine Therapie und nichts unternommen hat.
    Sein Rückfall hatte überhaupt nichts mit mir zu tun. Davon bin ich überzeugt.

    Meine Meinung: Hören wir einfach auf, uns selbst die Macht zuzusprechen, das Trinkverhalten des Alkoholikers beeinflussen zu können.
    Es steht nicht in unserer Macht.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Nisa,

    ich sehe es genauso wie mädchen.

    Du fühlst dich immer noch sehr stark für seine Sucht verantwortlich. Oder für sein Trockensein.
    Und vielleicht fällt es ihm auch deshalb leicht, seine Verantwortung abzugeben.
    Ich meine, es ist so ziemlich das Letzte, was ein Süchtiger will: Verantwortung übernehmen.
    Also schiebt er sie ab.
    Denn in dem Moment, in dem er die volle Verantwortung selbst übernimmt, wird es vielleicht erst einmal sehr unangenehm für ihn, sich damit auseinanderzusetzen.

    Du scheinst mir noch total drin zu stecken in der klassischen Co-Abhängigkeit: Dein Wohl hängt total von seinem Verhalten ab.
    Das ist verständlich, aber eben typisch co.
    Du musst versuchen, unabhängiger zu werden von seinem Zustand. Sonst gehst du kaputt, weil du ihn ja ständig beobachten musst, ständig auf der Hut sein musst.

    Das bringt dich so weit, dass dir dein Leben schon icht mehr lebenswert erscheint, nur wegen SEINER Sucht.
    Du hast ein eigenes Leben zu leben.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Christine

    mir hat es geholfen, wenn ich wusste, um was ich mich stattdessen (statt um ihn) kümmern möchte. Wo meine Energie auch sinnvoll eingesetzt ist.
    Wofür will ich leben und wo habe ich auch tatsächlich Einfluss?

    Es ist schwierig, an etwas NICHT mehr zu denken, an das man die ganze Zeit gedacht that.
    Es ist leichter, sich auf etwas anderes zu konzentrieren, dann rückt dein Fokus automatisch ein Stück weg von ihm.

    Ich hoffe, du verstehst, was ich sagen will.

    Liebe Grüße
    Doro

    Nochmal hallo Christine,

    Zitat

    Leider bin ich nicht der Typ, der mit ansehen kann, wie ein anderer sich zu Tode säuft

    Zitat

    Nur bei ihm ist es auch die Einsamkeit, die ihm immer wieder zu schaffen macht. Er hat kaum Freunde und seit dem Tod seiner Frau ist er sehr viel allein. Ich glaube, wenn er jemand hätte, wäre das ganze einfacher.

    Diese beiden Sätze hätten von mir stammen können.
    Früher...
    Ich weiß nicht, was für ein Mensch dein Bruder ist.
    Ich kann nur über meinen Mann reden und fühle mich bestätigt durch all das, was man hier so im Forum liest.
    Und bei meinem Mann ist es so:
    - Ja, er ist im Suff immer einsam. Aber es ist eine selbstgewählte EInsamkeit. Das habe ich nun nach einem 16 Jahre langen Experiment (nämlich unsere Beziehung) herausgefunden. Ich habe die ganze Zeit versucht, ihn ins Leben zu holen. Und er hatte auch Kontakte. Aber Trinken und Freundschaften - das verträgt sich nun mal überhaupt nicht. Und deshalb ist er jetzt wieder der einsamste Mensch der Welt, weil er die gesamte Welt von sich fortgestoßen hat, um in Ruhe trinken zu können.
    - Ja, es ist zunächst einmal unerträglich, das mitanzusehen. Und deshalb tun wir Cos oftmals alles bis zur totalen SElbstzerstörung, um den anderen vom Alkohol wegzubringen. Das ist das Fatale, denn ER hat es in der Hand, ich als Angehörige habe es nicht in der Hand.
    Die TRänen, die ich um ihn geweint habe, könnten die Nordsee zum Überlaufen bringen. Die Energie, die ich darein gesteckt habe, um ihm den Weg in die Trockenheit zu ebnen, würde mehrere Atomkraftwerke überflüssig machen.
    Ich hab mir die Zähne dran ausgebissen und jetzt kümmere ich mich lieber nicht mehr um ihn. ES ist einfach zwecklos.

    Es spricht, denke ich, nichts dagegen, wenn du ihm als Ansprechpartnerin zur Verfügung stehst.
    Oder ihn irgendwohin begleitest, wenn er es sich wünscht.
    Aber du musst sehr auf dich aufpassen, glaube ich, dass du dich nicht verstricken lässt in eine Co-Abhängigkeit.
    Diese Co-Abhängigkeit bedeutet: DU glaubst, du hättest es in der Hand, ihn wegzuführen vom Alkohol.
    Folglich kämpfst du einen Kampf, den du niemals gewinnen kannst, denn ER muss es wollen, sonst ist wirklich alle Mühe total umsonst.
    Dieser Kampf kann einen kaputt machen.

    Außerdem muss man auch sehr aufpassen, dass man dem Suchtkranken nicht Verantwortung abnimmt, was der dann wieder nur als Vorwand nutzt, um heimlich weiter zu trinken.

    Pass auf dich auf,
    und lies hier die ganzen GEschichten, ist sehr aufschlussreich
    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo,
    die Sache mit dem Autofahren wurde hier schon mal bei jemand anderem lang und breit diskutiert. Ob man als Co nicht die Verantwortung hat, z.B. die Polizei darüber zu verständigen, dass da jemand alkoholisiert Auto fährt.
    Ich will das nur mal so als Gedanken einwerfen.
    Wenn du weißt, dass er alkoholisiert fährt und andere gefährdet, dann könnte man ja z.B. ihn erstmal vorwarnen und im Zweifelsfall die Polizei darüber in Kenntnis setzen. Dann können die es weiter verfolgen und ihn z.B. mal testen.
    Natürlich ist es kein schönes Gefühl, den eigenen Bruder, Mann oder anderen Nahestehenden der Polizei zu "verpfeifen". Aber ist es nicht trotzdem richtig? Stell dir vor, es passiert was.
    Und sogar für ihn könnte es ein Schritt in die richtige Richtung sein, wenn er Druck von der Polizei bekommt.

    Ich bin selbst co und will hier nicht schlau daherreden.
    Ich weiß sehr gut, wie sehr man innerlich verstrickt ist.
    Trotzdem wollte ich den Gedanken mal dalassen.
    (Hab allerdings auch schon mehrfach die Polizei gerufen, als mein Mann im Suff aggressiv wurde. Am Anfang war das ein schlimmes Gefühl.)
    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Engelchen,

    was muss passieren...

    Ich denke, oft ist es so, dass der Leidensdruck erst so steigen muss, dass man zum Handeln gezwungen wird. Dass man so große Angst hat, dass man total vor die Hunde geht, dass man einfach losmarschiert.
    Und leider ist die Trennung dann äußerlich oft komplizierter, als wenn man früher den Absprung geschafft hätte.

    Es geht ganz vielen so, mach dich nicht fertig deshalb.
    Bleib dran, schreib hier oder geh noch zu ner Selbsthilfegruppe oder zu einer SUchtberatungsstelle.
    WEnn die Trennung noch nicht möglich ist innerlich, dann kannst du aber trotzdem etwas tun - für dich.
    Darüber sprechen, darüber reflektieren, dich selbst in den Fokus rücken.

    Eine geruhsame Nacht
    wünscht
    Doro

    Mensch, Engelchen,

    zweieinhalb Jahre...
    Hhm. bei mir sind es 16 Jahre, bei anderen 26 Jahre.
    Das spielt doch keine Rolle.
    Und es sind auch keine verlorenen Jahre. Du hast gelebt, geliebt - und, okay, den Falschen offenbar.
    Du hast Erfahrungen gemacht. Du hast von diesen Erfahrungen ausgehend die Möglichkeit, dich anders zu entwickeln, als wenn du diese Erfahrungen nicht gemacht hättest.

    Deine Voraussetzungen sind doch eigentlich ganz gut:
    Du hast finanzielle Unabhängigkeit, ihr seid noch nicht verheiratet oder habt Kinder und überhaupt bist du noch jung.
    Eigentlich - von außen betrachtet - ist die Sache ganz einfach.
    Dass es einem unheimlich schwer fällt, einen Alkoholiker zu verlassen, wenn man Co ist, das ist das Problem.

    Versuch doch mal, andersrum zu denken:
    Was für ein Leben erträumst du dir (ohne ihn)?
    Was könntest du tun, wenn er dich nicht lähmen würde?
    Wie würdest du deine Tage verbringen. Was wäre besser?
    Schmiede Pläne, das gibt Kraft.

    Einen schönen Abend!
    Doro

    Hallo Engelchen,

    ich bin 38, ein paar Järchen älter als du, und sehe die Sache so ein bisschen aus der Langzeitperspektive. Ich war ungefähr so alt wie du, als ich mich auf meinen jetzigen Mann einließ, von dem ich jetzt wegen Alkohol wieder getrennt bin, wohl endgültig endlich.

    Es wird nicht besser werden. Warten nützt nichts.
    Eure Beziehung hätte nur dann eine Zukunft, wenn er von selbst eine radikale Wendung vollzieht, und selbst dann bleibt immer die Rückfallgefahr.
    Es nützt nichts, wenn du wartest. Du leidest nur und ihm hilfst du nicht.
    Lass ihn los, geh. Versuch, eine Weile den Kopf und die Vernunft das Kommando zu überlassen. Das Gefühl, dass du Abstand zu ihm gewinnst, kommt dann schon hinterher.

    Lass dir dein Leben doch nicht kaputt machen. Es reicht, wenn einer dem Alkohol zum Opfer fällt, du musst nicht hinterherspringen.

    Liebe Grüße
    Doro

    Zitat

    aber es stimmt, ich brauche meinungen, weil ich auch befürchte verrückt zu werden..ja so fühl ich mich im moment...unzurechnungsfähig.
    und ich hoffe einfach dadurch bisslordnung in das chaos zu bringen.
    meine innere stimme ist tot.ich fühle nur noch schmerz...

    Hallo, Fliegender Stern,

    ich denke: Du musst erstmal wieder zu dir selbst finden.
    Zur Ruhe kommen, dich erholen. Merken, was DU willst, wer DU bist.
    Weg von IHM. (gedanklich, meine ich, aber eben vielleicht auch räumlich, das musst du entscheiden).

    Das ist am wichtigsten. Und dafür solltest du die Weichen stellen.

    Und GEduld haben, denn es ist ein Prozess.
    Man muss sich erstmal freischaufeln.

    Mir kommt so das Bild in den Sinn: Es ist, als ob man von einem riesigen Magnetberg wegschwimmt. Man muss erstmal aus diesem Anziehungsfeld raus, das ist sehr anstrengend, aber sobald man genug Abstand hat, ist es keine Bedrohung mehr und man ist frei.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Fliegender Stern,

    ich selbst hab bisher keine Therapie gemacht.
    Aber die Sache mit den "Anteilen" kenne ich und auch hier im Forum ist oft die Rede davon. Und zwar kommt es dann von den Co-Abängigen selbst, dass sie ihre "Anteile" an der Beziehung erkennen.
    Wenn man noch mitten drin steckt in der Beziehung und unter ihr leidet, dann hat man vielleicht keinen Sinn dafür, jetzt auch noch danach zu forschen, wo vielleicht mit einem selbst was nicht stimmt. Man braucht seine seelische Kraft dafür, das vom Partner zerstörte Selbstwertgefühl erstmal wieder aufzupäppeln und sich zu erholen. Zuspruch, Bestätigung braucht man. Und nicht etwas, was sich wieder wie Kritik anfühlt. Der Partner hat uns schon genug kritisiert und runtergemacht. So ging es mir jedenfalls und ich bin dann auch hoch gegangen wie ne Rakete, wenn ich sowas in der Richtung gehört hab.

    Aber - jetzt kommt mein ABER:
    Es ist - denke ich - nicht so negativ gemeint, wie du es jetzt wahrnimmst.
    Ich glaube, es geht tatsächlich überhaupt nicht darum, ihn aus der Verantwortung zu entlassen oder sie dir zuzuschieben.
    Und wenn jemand sowas versucht, ist er auf dem falschen Dampfer.
    Du bist jedenfalls nicht schuld an seinem Trinken oder irgendwelchen Rückfällen.
    Trotzdem bist du ja irgendwie Teil es "Spiels" gewesen. Hast dich notgedrungen irgendwie dazu verhalten. Bist in der Beziehung geblieben oder was auch immer. Bist überhaupt erst in solch eine Beziehung hineingegangen. Das ist dein "Anteil" - nicht Schuld.

    Ich selbst bin auch immer noch auf der Suche nach meinen "Anteilen". Ist ne schwierige Sache. Mir geht es dabei eigentlich nur darum herauszufinden, in welchen Punkten ich vielleicht anfällig bin für solche Beziehungsmuster. Sonst tappe ich ja früher oder später wieder in solch eine Falle und lasse mich missbrauchen, manipulieren usw.
    Aber die Frage ist für mich auch sehr schwer zu beantworten. Ich halte mich eigentlich auch für ziemlich "normal" - bloß diese Beziehung hat mich unnormal werden lassen. So sehe ich es auch: In erster Linie hat mich die Alkoholkrankheit meines Mannes mit reingezogen und in Mitleidenschaft gezogen.
    Trotzdem: Wieso bin ich diese Beziehung überhaupt eingegangen, obwohl er getrunken hat? Da muss doch irgendwie mein Selbstwertgefühl vielleicht schon einen Knacks gehabt haben oder meine Fähigkeit, auf mich aufzupassen. Und ich bin schon ein bisschen wankelmütig und leicht zu beeinflussen, glaube ich. Irgendwas in der Richtung sehe ich als meinen "Anteil". Und bei dir, Fliegender Stern, spüre ich sowas auch. Du bist sehr schnell dabei, dich rückzuversichern: Was glauben die anderen?
    Ich bin so ähnlich. Das ist jetzt keine Kritik. Aber vielleicht hilft es dir für die Zukunft, wenn du in diesen Punkten aufmerksamer wirst und vielleicht irgendwann weniger abhängig davon bist, was andere über dich meinen oder andere für richtig oder falsch halten. Denn dann wärst du ja auch weniger manipulierbar.

    Es gibt bei Co-Abhängigen auch, glaube ich, sehr unterschiedliche Ausprägungen. Zieh dir nur die Schuhe an, die passen.

    Das war viel Text, sorry. Ich hab mich sehr angesprochen gefühlt durch deine Reaktion. Hätte von mir sein können.

    Nen schönen Abend
    wünscht
    Doro

    Hallo Fliegender Stern,

    ich hab auch während der Trockenheit für meinen Mann alles gemacht. Es war einfach so schön ihn da rauszuholen. Es war auch sehr anstrengend. Ich hab geackert und gerackert, ihm Dinge abgenommen, ihn lange durchgefüttert, bis er ENDLICH selbst Geld verdiente. Nicht lange danach kam der Rückfall.

    Ich kann dein schlechtes Gewissen nachfühlen. Du glaubst - oder er macht dich glauben -, dass er von dir abhängt, dass er nur durch dich trocken ist und bleiben kann.
    ABER:
    - Du bist nicht dazu da, um ihn "trocken zu halten".
    - Du musst auf dich aufpassen, sonst gehst du den Bach runter.
    - Ein Rückfall kann trotzdem jederzeit kommen (siehe meine Geschichte).
    - Eine Trockenheit kann doch auf Dauer nur gut gehen, wenn er sie um SEINETWILLEN macht und nicht ständig die Verantwortung abschiebt.
    - Du kannst es auch so sehen: Du hast ihn da rausgeholt, jetzt muss er langsam lernen, alleine zu laufen.

    Er ist doch genauso erwachsen wie du.
    Er kann sich um sich selbst genauso kümmern, wie du es kannst.

    Er soll jetzt mal mit diesem kindischen Gerede aufhören.
    Ihr seid ein erwachsenes Paar, du darfst dich trennen, und mit den Konsequenzen muss er einfach klarkommen. Basta.
    So funktiniert unsere Welt.
    Niemand sollte aus reinem Pflichtgefühl beim Partner bleiben.
    Und ich würde auch keinen Partner wollen, der nur aus Pflichtgefühl bei mir bleibt, das kann er doch nicht ernsthaft wollen.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Uschi,

    also ich nehme mein "vorgeschoben" zurück. :oops:
    War nicht so gemeint, du bist ja dran. Bleib dran, wie auch immer du das dann praktisch umsetzt.
    Ich meine einfach von meiner Erfahrung, dass mit der räumlichen Distanz fast automatisch auch innere Distanz kommt, sofern man nicht dauernd telefoniert oder so. Das hab ich ja dann allerdings auch noch ne Weile gemacht, bis ich so weit war.
    Es ist ein Prozess, es dauert. Manche schaffen es schnell, andere brauchen lange. Hauptsache, die Richtung stimmt.
    Sei froh über das, was du erreicht hast, und geh einfach langsam weiter.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Uschi,

    also bei mir tut es nur noch sehr selten weh.
    Nach 11 Monaten Trennung und 10 Monaten räumlicher Trennung.
    Abstand hilft ungemein!

    Du hast keine Zeit...?
    Vorgeschoben, glaube ich.
    Du könntest ein paar Tage krank sein und die Wohnungssuche anschieben.

    Liebe Grüße
    nicht böse gemeint, nur helfend
    Doro

    Fliegender Stern,

    es macht mir nichts aus, über meine Vergangenheit zu schreiben. Es ist bloß immer schwer, das so kurz zusammenzufassen.

    Was ich dir noch sagen wollte:
    die Entscheidung, ob Trennung oder nicht, die musst du schon ganz alleine fällen. Ich will dir da um Gottes Willen nichts einreden.

    Aber ich finde wichtig:
    Du solltest nicht aus irgendwelchen Schuldgefühlen bei ihm bleiben. Weil du denkst: Nun ist er endlich trocken, nun sollte ich ihn unterstützen.
    Du bist nicht dafür da, um seine Trockenheit zu unterstützen.
    Oder weil du es ihm schuldig bist, weil er ja nun nicht mehr trinkt.

    Du kannst genauso frei entscheiden wie jede/r andere in einer Beziehung auch. Ich glaube, mit einem Alkoholiker ist es schnell eine Pflichtgeschichte. Man glaubt, man dürfe nicht Schluss machen, wenn der Alkoholiker sich doch "gebessert" hat.
    Du verdienst eine Beziehung, die gut für dich ist. Das ist der Maßstab.

    Und: du hast gesagt, mit einem erneuten Rückfall kannst du nicht leben.
    Aber Rückfälle sind einfach realistisch.
    Es macht nur Sinn, bei ihm zu bleiben, wenn du dir zutraust, einen Rückfall auch irgendwie zu verkraften.

    Und noch einmal: Wieso, glaubst du, sagen deine Freundinnen, dass dieser Mann dir nicht gut tut?

    Was bringt dich jetzt dazu, an deinem Entschluss zu zweifeln?

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Fliegender Stern,

    ich hab jetzt die zweite Trennung von meinem Mann.
    Das war vor 10 Monaten.
    Aber dieses Mal war es eigentlich von beiden Seiten, d.h. er hatte so einen heftigen Rückfall und hat sich so extrem benommen, Sachen kaputt gemacht usw., dass ich die Polizei gerufen habe. Die haben ihn dann erstmal aus der Wohung gewiesen, ich hab ihn aber nach 1 Tag wieder zurückgelassen und wollte ihm noch ne Chance geben. Ich dachte, dass ihn das mit der Polizei wachgerüttelt hätte. Stattdessen bestand er nur noch aus Hass gegen mich, hat mich für meine Aktion (die Polizei zu rufen) damit bestraft, dass er sich einschloss und mich keines Blickes mehr würdigte. Und ich war völlig fertig. Ich glaube aber: Eigentlich wollte er nur in Ruhe trinken.
    Dafür hatte er nun endlich den perfekten Vorwand - mein Loyalitätsbruch, weil ich die POlizei gerufen hatte.
    Tja, und dann bin ich zur Anwältin, weil ich dachte, ich dreh sonst durch, mit so einem Hass-Monster unter einem Dach - und dann noch mit den Kindern dazwischen.

    Insofern sehe ich es so, dass die Trennung eigentlich diesmal von ihm ausging, durch sein extremes Verhalten. Er hat nie mehr um mich gekämpft seitdem. Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn er es versucht hätte.

    Meine erste Trennung war anders. Da war es eben so, wie ich es dir schon mal beschrieben habe. Ich habs nicht mehr ausgehalten und hab dann die Sache einfach vom Kopf her durchziehen müssen.

    Und zwischenzeitlich war er dann trocken und da hab ich mich eben wieder auf ihn eingelassen.
    Und es ging ein paar Jahre gut, eben bis zu diesem Rückfall vor 10 Monaten.
    Wenn ich schreibe: "Es ging gut", dann heißt das: Er war trocken und wir hatten eine nach außen hin ziemlich glückliche Beziehung und ich hätte auch im Traum nicht an Trennung gedacht.
    Ich hatte mich wieder voll auf ihn eingelassen, ihm ganz und gar vertraut, alles auf eine Karte gesetzt.
    Und vieles war auch schön, aber vieles war eben auch krank und dunkel.
    Er hatte auch eine enorme Macht über mich.
    Es war eine Form von Gewalt, so sehe ich das im Nachhinein. Da war viel Zwang und Nötigung.
    Er hat irgendwie Freude daran gehabt, mich zu manipulieren, mich zu dominieren usw. Und ich hab irgendwie keinen AUsweg gefunden und hab viel zu viel mitgemacht. Das ist natürlich die andere Seite der Sache. Jemand anderes hätte ihm vielleicht ganz anders Kontra geboten, aber ich konnte das irgendwie nicht.
    Das alles in seiner trockenen Zeit.

    Wie gesagt: Ich hätte mich nicht getrennt deshalb. Ich dachte, wir kriegen das in den Griff.
    ABer dann kam eben sein Rückfall.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Fliegender Stern,

    das freut mich aber, dass du mit meinen Erfahrungen was anfangen konntest. :D

    Die Liste klingt gut.

    Ich hab für mich festgestellt:
    Obwohl ich wirklich LIebe für ihn empfinde,
    obwohl ich auch immer noch ein bisschen traurig bin, dass es nicht ging mit ihm,
    ich muss einfach sagen: Es ist heller ohne ihn.
    Er hat mich - nass und trocken - doch ziemlich runtergezogen. Auch wenn er mir auch Dinge geben konnte, aber insgesamt war da ne Menge Dunkelheit. Kompliziert - ja, auch das.
    DAs ist mir eingefallen, als ich bei dir gelesen habe: Meine Welt war einmal positiv und sauber.

    Schönen Abend,
    Doro

    Hallo Fliegender Stern, ich muss gleich weiterarbeiten, aber will dir noch kurz Mut zusenden.

    Also, sehe ich es richtig, dein Freund reagiert mit:
    - Heiratsanträgen
    - unterschwelligen Drohungen
    - Schuldzuweisungen

    Diese Reaktion finde ich wenig liebevoll und wenig respektvoll.
    Er nimmt deine Erfahrungen nicht ernst. Deine Verletztheit, deine Horror-Erlebnisse mit ihm. Er kehrt das einfach unter den Teppich.
    War doch nichts!
    Und: Er kämpft um dich wie um ein Stück Besitz. Nicht wie um eine Frau, die er über alles liebt und die er glücklich machen will!

    Und du fängst dann an, an deiner Wahrnehmung zu zweifeln.
    War vielleicht doch nicht so schlimm?
    Aber haben deine Freundinnen dir nicht auch gesagt, dass er dir nicht gut tut? Hast du es nicht selbst gesagt?

    Er ist nicht damit einverstanden. Damit musst du weiter rechnen.
    Aber was DU willst, zählt hier.

    Ich glaube, es wird sehr schwer für dich, weil du ihm die ganze ZEit ausgesetzt bist.
    Könntest du nicht vorübergehend ausziehen - zu deinen Eltern oder sonstwohin?

    Was mir damals bei meiner ersten Trennung auch noch geholfen hat: Ich habe meine Gründe für die geplante Trennung aufgeschrieben und den Zettel immer bei mir gehabt.
    Es war eine furchtbare Zeit. Mein Mann hat damals meine Trennungsankündigungen einfach komplett ignoriert. Sogar als ich einen MIetvertrag unterschrieben hatte, hat er noch immer gesagt: Das machst du nicht, du bleibst bei mir.
    Weil ich immer auf ein "okay" von ihm gewartet habe, war es für mich unheimlich schwer, es trotzdem durchzuziehen.
    Ich wollte eine einvernehmliche Trennung. Aber die gabs mit ihm eben nicht.
    Ich hatte nur meinen Verstand und mein Zettelchen und die Angst, was wird, wenn ich den Absprung nicht schaffe. Ich weiß noch, wie ich mich zwingen musste, zu den Wohnungsbesichtigungen zu gehen. Es war, als wenn mein KOpf allein die Regie übernehmen musste, meine Gefühle wurden einfach übergangen, denn die sagten mir: Nein! Das darfst du nicht! Du verrätst ihn!

    Als ich dann den MIetvertrag hatte und den Schlüssel für die Wohnung, bin ich in diese Wohnung gegangen und ich sehe mich heute da noch sitzen: Es war überwältigend. Einfach Ruhe! Seiner Macht nicht mehr ausgesetzt! Es war wunderbar!

    Wenn du weißt, was du willst - vom Kopf her - dann beiß jetzt die Zähne zusammen. Diese widersprebenden Gefühle sind normal, das ist eben die Co-Abhängigkeit!
    Diese Gefühle werden auch nach der Trennung erst langsam abklingen.

    Nun will ich dir keine Trennung einreden, die du selbst nicht willst.
    Aber gestern wolltest du sie doch noch aus voller Überzeugung!
    Überleg dir mal genau, warum, und schreib es auf und lies es dir immer wieder durch.

    Und vor allem: Lass dich von ihm nicht manipulieren.

    Liebe Grüße
    Doro

    Na, ihn heiraten natürlich :lol::lol::lol: .

    Coole Aktion: Erst trennen, dann heiraten!

    Was soll denn sowas? Aus welchem Film hat er das denn?

    Wenn ihr heiratet, hat er immer noch ein Alkoholproblem.

    Mein Rat: Mach jetzt gar nichts mehr, geh schlafen.
    Das sollte ich auch tun.
    Lass dich heute nicht mehr auf sinnlose Beziehungsdebatten ein, würde ich dir raten. Mit ihm wirst du es nicht ausdiskutieren können.
    Such dir Unterstützung außerhalb der Beziehung.
    Du wirst sein "Okay" für die Trennung nicht bekommen.

    Liebe Grüße
    und gute Nacht
    Doro