Beiträge von Doro

    Ach so,
    ich denke, hier gibts schon solche Beispiele, bloß die schlafen wohl schon.

    Aber auch da ist es dann eigentlich immer so:
    Der Alki kümmert sich um sein Problem, die Co um ihr Problem - nämlich die Co-Abhängigkeit.
    Das heißt nichts anderes als: Sei gut zu dir selbst, achte auf dich, tu dir Gutes, arbeite an deinen Baustellen (nicht an seinen).

    Doro

    Hallo, fliegender Stern, du auch hier :lol: .
    Hallo Evergreen,

    Ich will ja nicht für alle sprechen.
    Manche sind wohl einfach schlimmer drauf als andere.

    Aber das Fortschreiten der Krankheit ist ein entscheidender Faktor, den man am Anfang nicht sehen kann/will.

    Und Liebe...
    Das sehe ich genauso wie Fliegender Stern: Ich liebe ihn auch noch, denke ich.
    Aber: Es geht eben einfach nicht.
    Früher hat es mich "nur" runtergezogen, jetzt ist es unmöglich geworden.
    Allein wegen der Kinder: Es geht nicht mehr!
    Das hat mit Liebe nur noch bedingt was zu tun.

    Stell dir vor, du liebst einen Menschen, der psychisch krank ist und ab und zu schwere Wahnvorstellungen hat und während dieser Wahnvorstellungen mit Gegenständen wirft und dir Todesangst einjagt.
    Dann kannst du ihn doch lieben, bemitleiden und was weiß ich noch alles.
    Trotzdem ist es irgendwann einfach zu belastend.? Oder seh ich da was falsch?

    Doro

    Na, wenn ich das so lese, kann ich nur sagen:
    Bleib deinem Entschluss treu.

    Er sieht ja überhaupt nichts ein!
    Diese Schuldzuweisungen - das spricht nicht gerade für eine große Einsicht in sein Problem.

    Aber man sagt ja immer: Abhängigkeit und Co-Abhängigkeit bestärken sich gegenseitig.
    Also könnte es sogar sein, dass es für ihn und seine Trockenheit sogar besser ist, wenn da nicht ständig jemand an seiner Seite ist, der ihn kontrollieren will.
    Aber das muss nicht deine Sorge sein.

    Ich denke, wenn du stark bleibst, wird sich die Wohnungsfrage irgendwie lösen.
    Wenn er merkt, dass du es ernst meinst, wird er schon irgendwann abhauen.
    Dein Hauptproblem ist wahrscheinlich, diese Durststrecke durchzuhalten. Dafür ist dieses Forum sicherlich nicht der schlechteste Weg.

    Mein Mann ist tatsächlich "ausgezogen". D.h. richtig ausgezogen ist er bis heute nicht, aber er hat sich verkrümelt.
    Er war aber nass und eigentlich standen die Chancen sehr schlecht, dass er sich um eine Wohnung kümmert, weil er sich um gar nichts gekümmert hat außer um seinen Stoff.
    Aber mit Anwalt und ein bisschen Beharrlichkeit gings - es war wie ein Wunder für mich.

    Aber sicherlich sind die Situationen nicht vergleichbar.
    Ich will nur sagen: SElbst in den scheinbar ausweglosesten Situationen gibts meist ne Lösung, wenn wir wissen, was wir wollen. (Und Letzteres ist das eigentliche Problem!!!).

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Evergreen,

    ich z.B. hab mich ja nicht gleich getrennt.
    7 Jahre lang war ich treu an seiner Seite, bis es irgendwann nicht mehr ging. Die meiste Zeit über habe ich mich nicht großartig eingemischt, weil ich gemerkt habe, dass es nichts bringt und dass er mich dann nur anlügt. Ich hab aber trotzdem ständig drunter gelitten, hab im Grunde ständig gehofft, dass er irgendwann endlich zur Besinnung kommt.
    Ich bin gegangen, als ich keinerlei Pläne mehr mit ihm machen konnte, bis er sehr aggressiv geworden ist, bis ich immer mehr das Gefühl hatte, dass es nicht auszuhalten ist.
    Ich hab jahrelang gewartet, dass er von ganz alleine mit dem Aufhören anfängt. Das passierte aber nicht.

    Später habe ich es mit ihm ein zweites Mal versucht, als er aufgehört hatte. Leider wurde er nach einer Weile wieder rückfällig.

    Ich wünsche dir viele positivere Antworten.
    Mich würde interessieren, ob es sowas wirklich gibt: eine erfüllte Partnerschaft mit einem nassen Alkoholiker.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Fliegender Stern,

    vielleicht ist es sehr gesund, dass du es nicht vergessen hast.

    Ich hab nach meiner ersten Trennung von meinem Mann die Dinge eigentlich gut vergessen. Zeiten, in denen ich verzweifelt bin an seinem Suff.
    Er war wieder trocken, ich konnte mich wieder auf ihn einlassen, hab ihm wieder vertraut. Ich hab ihm dieses idiotische Versprechen abgenommen, dass ich "sowas" nie wieder erleben will. Wie kann ein Kranker denn versprechen, dass er nicht wieder krank wird? Das war einfach dumm, so etwas zu fordern.
    Aber sein Versprechen hat mich beruhigt. Ich hatte diese Ängste nach einer Weile nicht mehr.
    Und was hat es mir gebracht? Er ist doch wieder rückfällig geworden, ein paar Jahre später.
    Meine Vertrauensseligkeit hat mir zwar geholfen, während dieser Beziehung gut zu schlafen, solange er trocken war, hat mich aber nicht vor dem zweiten Horror, den ich dann erleben musste, als er wieder trank, bewahrt.

    Klar, vielleicht ist dein Misstrauen völlig unbegründet.
    Vielleicht rührt er nie wieder einen Tropfen an.
    Vielleicht!!!
    Ebensogut (und statistisch wahrscheinlicher) fängt er wieder an irgendwann. Insbesondere dann, wenn er selbst glaubt, es gäbe solch ein Rückfallrisiko nicht.
    Deine Ängste sind keine Hirngespinste. Es sind Erfahrungen, die sich wiederholen könnten.

    Ich denke: Mit einem trockenen Alkoholiker zu leben, heißt:
    Ein Rückfall muss realistischerweise miteinkalkuliert werden.
    Und wenn du damit absolut nicht leben kannst, dann geht es eben nicht.

    Ist schwierig, einem Alkoholkranken das so zu sagen.
    Klingt sehr abstempelnd, wahrscheinlich.
    Aber dass dein Vertrauen zerstört ist, das müsste er doch begreifen.
    Und wenn nicht: Nun gut, du kannst nicht bei ihm bleiben, nur weil er es nicht begreift.
    Du hast ein Leben zu leben, fliegender Stern.
    Wenn das mit ihm nicht geht, geht es mit ihm nicht.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Fliegender Stern,

    wie bist du denn auf den Nick gekommen, den finde ich sehr schön.

    Eigentlich weißt du ja ganz genau, was du falsch machst.
    Es ist schon verrückt: Der Alkohol hat eigentlich immer noch eine unheimliche Macht in deinem Leben, obwohl er nicht mehr trinkt.

    Kontrolle ist total sinnlos. Mein Mann hatte nach langer Trockenheit einen Rückfall und erst später ist mir klar geworden, dass er schon lange Zeit vorher wohl heimlich getrunken hat. Ich hab vieles nicht mitbekommen, sogar wenn wir zusammen verreist waren. Ein bisschen komisch kam mir manches vor, aber ich hab auch wirklich vieles nicht geschnallt, obwohl ich ihn und sein Alkoholproblem schon ewig kenne.
    Eigentlich bin ich aber ganz froh über meine Naivität. Ich hab einige Jahre mit ihm relativ sorgenfrei verbracht, weil ich ihm einfach geglaubt habe, dass er nicht mehr trinken wird. IRgendwann war Schluss, das passiert leider.

    Wir leben im JETZT.
    Jetzt trinkt er nicht, genieße das doch.

    Und falls er wieder anfangen sollte, ist es gut, wenn du nicht hundertprozentig von ihm abhängig bist, sondern auch noch ein eigenes Leben hast, das dir dann die Trennung erleichtert. Wenn du jetzt dauernd um ihn kreist, wirst du du doppelt leiden, wenn er wieder anfangen sollte.

    Aber du bist eigentlich schon sehr weit, indem du erkennst, dass du selbst ein Problem hast und indem du dir für dich selbst Hilfe holen willst.
    Mach weiter.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Prof,
    ich hab im Augenblick nicht viel Zeit fürs Forum, aber ich wollt dir trotzdem sagen: Das machst du richtig gut. Zeigst viel Power und Verstand. Du spürst deine Traurigkeit, aber sie lähmt dich nicht, das find ich wirklich bemerkenswert.
    Alles Gute
    Doro

    Nachtrag:

    Auch DAS hab ich erst vor relativ kurzer Zeit kapiert:

    Zitat

    Einen Spiegeltrinker erlebt man nie richtig besoffen. Und wenn man den besseren Wodka, den russischen säuft, riecht man auch kaum etwas.

    Und ich bin mir sicher: Sehr viele Menschen um mich rum wissen das auch nicht.
    Auch nicht so relativ wichtige Leute wie ein Mitarbeiter beim Jugendamt und viele andere.
    Immer wieder kam die Frage: Ist er denn betrunken?
    Oder die Behauptung: Als ICH mit ihm gesprochen habe, war er nüchtern.
    Ich hab irgendwann rausgefunden. Ja, er ist offenbar immer betrunken, auch wenn man nichts riecht und er noch ziemlich gerade läuft.
    Eines Tages bekam ich dann durch einen Polizeieinsatz die Bestätigung. Er war tatsächlich betrunken (nicht nur Restalkohol), obwohl man es ihm nicht ansah. Und zwar morgens um 9 Uhr.

    Ich habe mich früher jahrelang von ihm täuschen lassen, weil er nach nichts roch. Ich war verwirrt - was war denn nun mit ihm? Und ich war nicht die einzige, meine Verwandtschaft meinte auch: na, so schlimm ist es wohl nicht mit ihm. Man riecht nichts.
    Es war total rätselhaft: Er versumpfte immer mehr, hatte einen Bierbauch, verhielt sich wie ein Alkoholiker (aggressiv und nicht in der Lage, irgendwas auf die Reihe zu bekommen), aber man fand nichts, roch nichts und torkeln tat er auch nie.

    Also, ich glaub, diese Erkenntnis ist in der Gesellschaft auch noch nicht angekommen.

    Viele Grüße
    Doro

    Hallo an alle,

    Zitat

    Ich rühre, so Gott will, nichts mehr an,


    Meine Meinung dazu: Sicher kann er nichts dafür. Aber gerade meine Erfahrungen mit dem Alkoholismus meines Mannes haben mich in dem Eindruck bestärkt, dass es Dinge gibt, gute und böse, die nicht mehr in menschlichen Dimensionen zu fassen sind.
    Dinge wie von einem bösen Geist besessen und Erlösung von dem Bösen - die kommen einem schon in den Sinn, wenn man diesen Wahnsinn miterlebt.

    Zitat

    Ich versuche Euch zu vermitteln, wie wir Alkis, sofern wir "nass" sind, so ticken.


    Ich weiß nicht, ob es an meiner persönlichen Ignoranz liegt, aber ich muss ehrlich sagen, dass ich früher, bevor ich hier ins Forum kam, solch eine klare Erklärung dessen, was im Alkoholiker vorgeht, in der Welt da draußen noch nie bekommen habe. Ich hätte mir wohl Bücher besorgen können, habe ich nun mal nicht. Aber was mich irgendwie beschäftigt, ist die Frage: Leidet unsere Gesellschaft nicht in diesem Punkt an einer unbeschreiblichen Unter-Aufgeklärtheit?
    Dass Alkoholismus eine Krankheit ist, dass Alkohol die Leber zerstört. Gut, das wusste ich irgendwie, sowas hört man immer wieder.
    Aber diese radikale Zuspitzung der Psyche auf Stoffbeschaffung und Stoffkonsum im fortgeschrittenen Stadium, diese Vergleichbarkeit mit Drogenabhängigkeit, die war mir vorher nicht klar.
    Wie Drogen-Junkis ticken, weiß man so ungefähr. Da gibts "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" und "Trainspotting" und man weiß: Okay, die sind irgendwann so weit, dass nichts mehr ne Rolle spielt außer der Stoff.
    Ich glaube nicht, dass man (d.h so Otto Normalo) einem Alkoholiker das so zutraut, wenn man es nicht aus trauriger eigener Erfahrung weiß.
    Wenn das für alle Menschen klarer wäre, dann würde man/frau als Co vielleicht auch schneller reagieren. Ich meine, würde man die gleiche Geduld mit einem Heroinabhängigen aufbringen? Würde man sich ebenso lange irgendwelche Versprechen anhören? Würde man an "kontrolliertes Heroin-Nehmen" glauben? Oder an einen Entzug in Eigenregie? Würde man ihm Vorhaltungen machen, dass er schon wieder spritzt, anstatt mit uns einen gemütlichen Abend bei Tee und Kerzen zu verbringen, wie wir es uns wünschen?
    Ich für mich würde sagen: Ich hätte das nicht getan. Glaub ich jedenfalls.
    Was nicht heißt, dass ich mich nicht vielleicht trotzdem irgendwie abhängig gemacht hätte, aber ich denke, es hätte doch einen anderen Verlauf genommen.

    Hallo Uschi, ich hoffe, du entschuldigst meinen Exkurs. :oops:
    Ich finds wirklich toll, was du da anstellst. Pass auf dich auf, denk an Lindes Worte. Aber geh den Weg weiter!

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Ossi2,

    ist nicht so leicht, deine Frage.
    Ich wüsste nicht, was ich täte.

    Es müsste ihm eigentlich auch dämmern, dass es für sein eigenes Leben wichtig ist, dass er nicht mehr trinkt. Dass er sonst vielleicht bald stirbt. Warum braucht er dich da als Motivation?

    Meine Meinung ist: Du bist nicht verpflichtet, dich ihm gegenüber jetzt schon zu entscheiden. Du kannst für dich selbst Klarheit haben, aber ich finde, wenn es für dich jetzt zu belastend ist, musst du ihm nichts Genaues sagen.
    Er muss aufhören - so oder so. Wenn du ihm die Wahrheit sagst, wird er vielleicht weitertrinken. Dann ist das so, dann ist es auch nicht deine Schuld. Wenn du ihm jetzt nicht, sondern später die Wahrheit sagst, wird er vielleicht DANN weitertrinken. Auch das ist nicht deine Schuld.

    Tu, was für dich besser ist. Für ihn macht es eigentlich keinen Unterschied.

    LIebe Grüße
    Doro

    Hallo Ossi2,

    diese Aussagen sind einfach beim Thema Alkoholerkrankung falsch:

    Zitat

    Du musst ihm doch helfen! Er ist krank, er schafft das nicht allein!

    Krank ist er schon, aber helfen kannst du ihm nicht.

    Etwas Vorschnelles kann ich an deiner Entscheidung auch nicht feststellen. Du hast ja nun wohl schon genug erlebt mit ihm.

    Es ist ja nicht unwahrscheinlich, dass ihn seine erste Frau schon wegen der Trinkerei verlassen hat.
    Und die Tatsache, dass ihn die massiven körperlichen Zusammenbrüche noch nicht dazu gebracht haben, radikal was zu unternehmen, zeigen doch eins: Du kannst doch lange warten, dass er was unternimmt.
    Was soll das bringen?

    Also ist deine Entscheidung einfach nur richtig.
    Aber innerlich muss man sich erstmal freikämpfen.

    Ich wünsch dir viel Zuspruch
    Doro

    Hallo Bleegle,

    ich weiß ja nicht genau, wie lange du krank geschrieben sein möchtest...

    Also, ich hab mich in meiner akuten Trennungszeit, als es mir psychisch sehr schlecht ging, eine Woche krank schreiben lassen. Ich war zwar auch körperlich etwas angeschlagen, aber das war nicht der Grund, da hätten 2 Tage gereicht. Ich hab der Ärztin auch gesagt, was los ist und das war überhaupt keine Frage, dass sie mir diese Auszeit verschafft.
    Ich hab ja keine Ferien machen wollen, ich war einfach kurz vorm Durchdrehen. Und so scheints bei dir auch zu sein.

    Ich denke, sowas gibts öfter mal, mach dir nicht solch einen Kopf und sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt. Sag, dass du Angst hast, dass du bald total zusammenbrichst und einige Zeit RUhe brauchst. Vielleicht könnt ihr drüber sprechen, was du noch so für dich tun kannst. z.B. Kur beantragen oder sonst irgendwas.

    (Meine hat mir dann noch ein Antidepressivum verschrieben, also das war für mich der total falsche Weg, damit hab ich mich überhaupt nicht wohl gefühlt und habs nur ein Mal genommen.)

    Ich hab seit der Trennung auch die totale Belastung: Job, Kinder, Haus, Garten.
    Und mir gehts auch gut damit :lol: .
    Wenn die Stimmung gut ist, weil der Alkteufel nicht mehr rumspukt ist, geht alles besser.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Finchen,

    meine Meinung ist:
    Wenn du jetzt einsiehst, dass du das nicht mehr willst, dann ist es auch gut, jetzt zu handeln.

    Nur weil die meisten erst den totalen Zusammenbruch (den eigenen oder den der Ehe) abwarten, heißt das nicht, dass dies der bessere Weg ist. Im Gegenteil.

    Was soll es denn bringen, wenn du es noch aufschiebst? ER könnte doch JETZT handeln, sofort: heute. Wozu braucht er noch ein paar Monate?
    Es ist doch objektiv so: NOrmalerweise ändert sich bei einem Alkoholiker von selbst nichts. Das kann man ja hier überall nachlesen.
    Also würde auch warten zu nichts führen außer, dass Zeit verrinnt.

    Ich wünsch dir gutes Gelingen
    Doro

    Hallo Pumpkin,

    wenn sie bereits alkoholabhängig ist (und so hört es sich an), dann kann sie eigentlich nicht einfach so aufhören und dann ist es auch "normal" (normal für einen Alkoholiker/eine Alkoholikerin), dass sie dir nicht die Wahrheit über ihren Alkoholkonsum sagt und auch, dass sie sich selbst nicht als krank einstuft, jedenfalls nicht dir gegenüber.

    Es ist sehr schwer oder sogar unmöglich, als Partner/in zu "helfen". Solange sie trinken "will" (bzw. die Sucht in ihr), wird sie einen Weg finden, es weiter zu tun.
    Eigentlich müsste sie sich Hilfe holen (Suchtberatung, Arzt, Entzug usw.), das kannst du ihr vorschlagen, aber solange sie es nicht möchte, wirst du nicht viel erreichen. Selbst wenn sie nur dir zuliebe mitgeht, ist der Erfolg höchst fraglich.

    Mir hat es sehr viel geholfen, hier regelmäßig im Forum zu lesen und zu schreiben. ERstens, um Dampf abzulassen und Rat zu finden, aber auch, weil mir immer klarer wird, wie diese Krankheit Alkoholismus funktioniert und was mit den Angehörigen passiert. Hier gibt es tausend Geschichten und es sind wirklich überall dieselben Muster - mit einigen Varianten.

    Also hab ich eigentlich keinen Rat außer: Du selbst kannst in dieser schwierigen Situation Unterstützung finden: hier oder in einer realen Selbsthilfegruppe oder bei der Suchtberatung. Und das wird dir helfen, dich nicht in ihren Strudel runterziehen zu lassen und selbst gesund zu bleiben, denn das ist gar nicht so leicht, wenn der Partner/die Partnerin so krank ist.

    Liebe Grüße
    Doro
    co-abhängig

    Hallo Uschi,

    es ist nicht lächerlich!
    Ich kenne das, diese ständigen Nebenschäden, die das Trinken so mit sich bringt. Das nimmt einem einfach auf die Dauer die Lebensfreude und kostet viel Kraft. Wo ich das bei dir lese, fällt es mir wieder ein, wie das bei uns war. Wenn er nachts mich so fertig gemacht hat, weil er getrunken hatte, dann fühlte ich mich am nächsten Morgen wie krank. Ich bin meistens trotzdem zur Arbeit gegangen, aber es war schrecklich.
    Oder manchmal hat er einfach wichtige Sachen verbummelt: einen Schlüssel, eine Bankkarte und solche Sachen. Und bestimmte Ecken oder den Keller durfte ich nie aufräumen - wohl, um seine Depots nicht zu entdecken. Es war schwierig, ein schönes Leben zu führen, während der trank.

    Es ist wirklich der sprichwörtliche Klotz, den man am Bein mit sich rumschleppt. Man kann vielleicht trotzdem noch ganz gut laufen, aber es ist furchtbar anstrengend und viel Freude kommt nicht auf.

    Aber es ist doch schön zu lesen, dass du anders reagierst als früher.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Uschi,

    ich hab heute auch zum ersten Mal in deinen Thread geschaut.

    Du hast dir die Sache mit dem "SElbstmitleid" sehr zu Herzen genommen...
    Ich will zwar jetzt nicht in Lindes Aussagen rumpfuschen, aber ich könnte dir erklären, was ich darunter verstehen würde.
    Also: Es steht ja außer Frage, dass du in einer schlechten Situation bist und dass der Alkoholkonsum deines Mannes die Hauptursache ist. Und dass es einem das Herz zerreißt, wenn der eigene Mann sich selbst und das Familienleben zerstört und nichts dagegen tut, das steht für mich auch außer Frage. Es ist schrecklich, es tut weh, man will es ändern, man versteht nicht warum. Alles das ist auch in meinen Augen normal.
    TROTZDEM: Irgendwann muss man versuchen, die Perspektive zu wechseln auf die Frage: WAS KANN ICH DENN TUN, DAMIT ES MIR BESSER GEHT? Wer das nie tut, der bleibt eben in der Jammerphase (im Selbstmitleid) stecken und wählt das ewige Unglücklichsein. Und es ist irgendwann egal, wie berechtigt das Jammern ist. Es führt einfach nicht weiter.

    Stell dir vor, du hast dir ein wunderschönes Haus gebaut. Es ist der Traum deines Lebens, du hast viel Geld und Liebe investiert. Alles könnte perfekt sein. Aber plötzlich wird beschlossen, dass der Flughafen in der Nähe ausgebaut wird und täglich fliegen hunderte von Fliegern übers DAch. Das Wohnen wird unerträglich. Gut, es gibt mal Flugpausen, da hast du dann wieder das Gefühl, dass es gar nicht so schlimm ist. Aber mit schöner Regelmäßigkeit wird es wieder unerträglich.
    Du wehrst dich mit Bürgerinitiativen, aber alles bleibt erfolglos. Der Flughafen bleibt.
    Du hast die Wahl: Jammern bis zum Rest deines Lebens. Berechtigt Jammern, denn dir ist großes Unrecht widerfahren und es ist ganz ganz schlimm, wenn man so viel Geld und Liebe in ein schönes Haus steckt und jetzt ist der Wohnwert dahin usw. Jeder wird das verstehen, dass es dir damit schlecht geht.
    Also: Jammern, leiden, traurig sein, empört sein, hadern.

    Oder: Lösung suchen.
    Eine einfache Lösung gibt es nicht, denn das AUsziehen ist mit finanziellen Verlusten verbunden und mit Trauer um das alte Haus und und und. Aber du hättest wieder Ruhe und würdest dich auch in einer anderen Umgebung nach einer Zeit wieder zurechtfinden und wer weiß: vielleicht genauso glücklich sein wie in dem alten Haus vor dem neuen Flughafen. Du würdes etwas Neues kennen lernen, du würdest SElbstvertrauen und Gelassenheit gewinnen. Es würde dir wieder gut gehen.

    Du hast ja jetzt schon angefangen, indem du das Wochenende genossen hast. Das ist doch schon mal was.
    Mach da weiter. Lös dich von seinem Problem in deinem Tempo.

    Ich hab mich von meinem Mann auch erst getrennt, als es unerträglich war und ich Angst um mein Leben bekam.
    Wir brauchen eben auch unseren Tiefpunkt. Bloß es wäre natürlich besser, wenn du es schaffst, bevor etwas ganz Schlimmes passiert und du gar nicht mehr anders kannst.

    Ich wünsch dir alles Gute,
    Doro