Hallo Uschi,
ich hab heute auch zum ersten Mal in deinen Thread geschaut.
Du hast dir die Sache mit dem "SElbstmitleid" sehr zu Herzen genommen...
Ich will zwar jetzt nicht in Lindes Aussagen rumpfuschen, aber ich könnte dir erklären, was ich darunter verstehen würde.
Also: Es steht ja außer Frage, dass du in einer schlechten Situation bist und dass der Alkoholkonsum deines Mannes die Hauptursache ist. Und dass es einem das Herz zerreißt, wenn der eigene Mann sich selbst und das Familienleben zerstört und nichts dagegen tut, das steht für mich auch außer Frage. Es ist schrecklich, es tut weh, man will es ändern, man versteht nicht warum. Alles das ist auch in meinen Augen normal.
TROTZDEM: Irgendwann muss man versuchen, die Perspektive zu wechseln auf die Frage: WAS KANN ICH DENN TUN, DAMIT ES MIR BESSER GEHT? Wer das nie tut, der bleibt eben in der Jammerphase (im Selbstmitleid) stecken und wählt das ewige Unglücklichsein. Und es ist irgendwann egal, wie berechtigt das Jammern ist. Es führt einfach nicht weiter.
Stell dir vor, du hast dir ein wunderschönes Haus gebaut. Es ist der Traum deines Lebens, du hast viel Geld und Liebe investiert. Alles könnte perfekt sein. Aber plötzlich wird beschlossen, dass der Flughafen in der Nähe ausgebaut wird und täglich fliegen hunderte von Fliegern übers DAch. Das Wohnen wird unerträglich. Gut, es gibt mal Flugpausen, da hast du dann wieder das Gefühl, dass es gar nicht so schlimm ist. Aber mit schöner Regelmäßigkeit wird es wieder unerträglich.
Du wehrst dich mit Bürgerinitiativen, aber alles bleibt erfolglos. Der Flughafen bleibt.
Du hast die Wahl: Jammern bis zum Rest deines Lebens. Berechtigt Jammern, denn dir ist großes Unrecht widerfahren und es ist ganz ganz schlimm, wenn man so viel Geld und Liebe in ein schönes Haus steckt und jetzt ist der Wohnwert dahin usw. Jeder wird das verstehen, dass es dir damit schlecht geht.
Also: Jammern, leiden, traurig sein, empört sein, hadern.
Oder: Lösung suchen.
Eine einfache Lösung gibt es nicht, denn das AUsziehen ist mit finanziellen Verlusten verbunden und mit Trauer um das alte Haus und und und. Aber du hättest wieder Ruhe und würdest dich auch in einer anderen Umgebung nach einer Zeit wieder zurechtfinden und wer weiß: vielleicht genauso glücklich sein wie in dem alten Haus vor dem neuen Flughafen. Du würdes etwas Neues kennen lernen, du würdest SElbstvertrauen und Gelassenheit gewinnen. Es würde dir wieder gut gehen.
Du hast ja jetzt schon angefangen, indem du das Wochenende genossen hast. Das ist doch schon mal was.
Mach da weiter. Lös dich von seinem Problem in deinem Tempo.
Ich hab mich von meinem Mann auch erst getrennt, als es unerträglich war und ich Angst um mein Leben bekam.
Wir brauchen eben auch unseren Tiefpunkt. Bloß es wäre natürlich besser, wenn du es schaffst, bevor etwas ganz Schlimmes passiert und du gar nicht mehr anders kannst.
Ich wünsch dir alles Gute,
Doro