Beiträge von Doro

    Hallo dorothea,

    danke mal wieder für deinen Einblick in deine Suchtvergangenheit. Es sind Einblicke, die mein Mann mir leider nie gewährt hat. Es ist bewegend für mich zu lesen.

    Es macht mich auch wieder so furchtbar traurig, dass er da drin steckt und nicht rauskommt.
    Und diese Trauer und dieses Mitleid sind dann für mich schon wieder eine Qual. Denn ich kann ja nichts tun. Ich wollte ihn so gerne da raus holen aus diesem Wahn. Aber es ging nicht.
    Das ist das Co-Schicksal: Er"trinkenden" zuschauen jahrelang, jahrzehntelang, ohne retten zu können/dürfen.
    Nur eins hilft: Wegsehen.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Jette,

    ich bin mit einem Alkoholiker verheiratet und jetzt seit einiger Zeit getrennt. Er hat aber schon eine längere Saufgeschichte (und ich eine längere Co-Geschichte). Soviel zu mir.

    Ich hab festgestellt - sehr spät allerdings: Mein Mann ist immer auf Distanz gegangen, um in RUhe trinken zu können. Ich habe immer versucht, diese Distanz aufzubrechen.
    Ich wollte mit ihm über seine Probleme reden, ich wollte ihm meine Liebe zeigen und seine LIebe spüren, usw. und so fort.
    Er wurde immer aggressiver. Und mir ist erst jetzt richtig klar geworden, wie er tickt: Dass er einfach trinken "will" (bzw. seine Sucht befielt ihm das) und das ist ihm dann so wichtig, dass er meine Nähe dann nicht will.
    Gleichzeitig wollte er mich aber als gut funktionierende Partnerin weiter haben. Warum genau, weiß ich nicht, ich nehme an, er braucht das für praktische Dinge und für sein Ego.
    Und deshalb entstand so eine unerträgliche Situation: Trennen ging nicht, weil er es nicht wollte und ich ihn nicht im Stich lassen wollte, aber an ihn ran kam ich auch nicht mehr. Und das war für mich wiederum unerträglich, ich wollte ihm doch unbedingt nahe sein und außerdem wollte ich seine Probleme bearbeiten.
    Und es gab immer mehr Aggressionen von seiner Seite, um mich auf Abstand zu halten. Und viele viele Heimlichtuereien und Lügen.

    Jetzt sind wir getrennt, aber in Ruhe lässt er mich noch lange nicht.

    Warum ich dir das erzähle:
    Ich denke, dass dein Mann jetzt einfach nur trinken will. Oder seine Sucht will das mit ihm. Da hast du keine Chance.
    Du kannst froh sein, wenn er dich in Ruhe lässt. So wie du sein Saufleben schilderst, kann es für dich ja sowieso nicht erstrebenswert sein, das alles aus der Nähe mitzubekommen. Dir bleibt einfach nichts anderes übrig, als dich - zumindest solang er trinkt - von ihm abzuwenden.

    Wenn es dir gut tut, hier darüber zu schreiben, dann mach das weiter.
    Und versuch dann Stück für Stück wieder zu dir selbst zu finden.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Bleegle,

    meine Idee: Meld dich morgen erstmal krank - eine Woche oder wenigstens drei Tage, was immer möglich ist. Und dann komm ein bisschen zur Ruhe und vereinbare z.B. einen Termin mit der Suchtberatung oder sprich mit dem Arzt über deine Situation und bitte um Hilfe.
    Vielleicht kannst du eine Kur beantragen?

    Du kannst die Situation nicht von heute auf morgen lösen, aber du kannst einen ersten Anfang wagen, gleich!
    Und wenn du dann immer weiter gehst, wird es besser werden und du wirst aus dieser Überlastung rauskommen, Stück für Stück.

    Liebe Grüße
    Doro

    Zitat

    Ich geb Dir erstmal in allen Punkten recht, sonst motzt Du mich wieder an

    Hihi, da hab ich dich ja schön erzogen, kwiep. :lol:

    Na ja, ich hätte mich schon abmelden sollen. Tut mir leid, wenn ich für Verwirrung gesorgt hab, war nicht meine Absicht.

    Ich freu mich, dass du es geschafft hast und dich fürs Leben entschieden hast!

    Und ehrlich: Wenn mein Mann aus seinem Dunst noch mal aufwachen sollte, wäre ich die erste, die sämtliche Schuld über Bord werfen würde und einfach nur froh wäre, wenn es ihm besser ginge.
    Aber ich würd trotzdem nicht zu ihm zurückkehren!!

    Ich erlaube mir das einfach, immer noch mal ab und zu Hoffnung zu haben, dass er es noch packt. Obwohl NICHTS darauf hindeutet.
    Ich würd mich freuen und für meine Kinder wärs auch schön.

    Einen friedlichen Sonntag wünsche ich euch.
    Doro

    Hihi, ich finds ja schön, dass man mich vermisst. :lol:

    Nun mal sachte, ich war ne Woche verreist, im realen Leben.
    Bin nicht verärgert oder sonstwas.
    Fragen hab ich aber auch keine neuen. Es sind immer noch die alten.

    Ich glaube einfach: Die Schuldfrage ist nicht wirklich zu beantworten. Alkoholismus ist ne Krankheit, in diesem Zustand tun die Menschen Dinge, die nicht gut sind - für sie und für andere. Sie entscheiden sich sozusagen FALSCH. Es ist nicht einfach ne Entscheidung, es ist eine im höchsten Grade dumme Entscheidung, sich sein gesamtes Leben zu zerstören, sein gesamtes Umfeld durcheinander zu bringen, die Kinder zu belasten usw.
    Das ist doch nicht einfach irgendeine Entscheidung, das ist krankes - oder falsches, wie mans nun beschreiben will - Verhalten.

    Der Alkoholiker tut das nicht aus Egoismus oder irgendeinem Charakterfehler heraus, sondern weil er krank ist und unter Zwang steht.
    Gleichzeitig ist er aber der einzige, der sich gegen seine Krankheit entscheiden kann.

    Und da liegt für mich das Paradox und das kann ich einfach nicht auflösen.
    Und deshalb finde ich auch, wie Karotte: Die Schuldfrage führt nicht weiter. Aber sie führt nicht deshalb nicht weiter, weil es sowas wie Schuld in der Welt nicht gibt, sondern weil Alkoholismus und Sucht eine Geschichte ist, die sowieso kein Mensch begreift.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Speedy,

    ich hab vorhin kurz versucht, deine Story zu finden, habs aber nicht geschafft und deshalb einfach so geantwortet, ohne deinen Hintergrund zu kennen.

    Ich schreibe hauptsächlich im geschlossenen Bereich, hier findest du nur die ersten Einträge.

    Ich glaub dir das gerne, dass es bei euch so war. Und das ist auch sehr schön. Es ist gut zu wissen, dass es auch klappen kann. Bei mir wars leider nicht so.

    So schön wollte ich es bei uns auch haben. Es war wie ein Märchen: Er war trocken, wir bauten uns eine stabile Zukunft. Mir war zwar bewusst, dass es ein Risiko ist, einen (trockenen) Alkoholiker zu heiraten, aber ich hab einfach vertraut, dass das Schicksal es gut mit uns meint. Ich konnte mir diese Grausamkeit nicht vorstellen. Ein Rückfall von solcher Wucht und das zu einem Zeitpunkt, als sein Leben äußerlich perfekt war. Und zu einem Zeitpunkt, als ich mich völlig auf ihn eingelassen hatte: zwei kleine Kinder, Haus auf Kredit, Heimat verlassen für seinen Job.
    Da ist was in mir gestorben.
    Ich hab meine Gefühle in dieser Richtung - meine Gefühle für ihn - in einen inneren EIsschrank in meinem Herzen eingefroren.
    Das letzte Mal, als jemand hier vor meiner Tür stand mir von seiner EInlieferung ins Krankenhaus berichtete, bin ich noch in Tränen ausgebrochen (obwohl wir getrennt waren), bin hinterher gefahren. Er hat mich im Krankenhaus ignoriert und den Ärzten Schweigen verordnet. LIeß sich wieder entlassen, machte wieder keine Therapie, versuchte es wieder alleine, ich freute mich für ihn, dass er abstinent war, und einige Wochen später fing er wieder an.
    Das nächste Mal will ich meine Gefühle im Eisschrank lassen. Wozu all die Tränen?
    Wenn er sein Leben nicht will, wieso soll ich um ihn trauern?
    Ich hab noch ein Leben zu leben.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Speedy,

    entschuldige, wenn meine Worte zu hart waren.
    Du trauerst um deinen Nachbarn, das tut mir auch leid für dich.

    Ich reagiere im Augenblick halt sehr allergisch auf diese Vorstellung, eine Partnerin könnte einem Alkoholiker - trocken oder nass - als Stütze dienen und ihn vor dem Untergang zu bewahren.

    Ich habe das 16 Jahre lang so betrieben. Erst hab ich meinem Mann als nassen Alkoholiker zur Seite gestanden. Nicht, um ihn trocken zu bekommen, aber einfach, weil ich ihn lieb hatte und vielleicht auch, weil es mir leid tat, wie einsam er zu sein schien (!). (Denn jetzt sehe ich, dass er sehr wohl Kontakte hat, die er aber im Suff systematisch ruiniert.)
    Später hab ich in seiner trockenen Zeit alles getan, dass er ein neues Leben, das lebenswert ist, aufbauen kann. Hab geholfen, Schulden abzutragen und alle möglichen anderen Probleme aus der Welt zu schaffen. Ich dachte: Je besser sein Leben wird, desto ferner rückt ein Rückfall. PUstekuchen.
    Jetzt ist er wieder ganz unten. Und er ist auch einsam, aber nicht, weil niemand ihm helfen oder zu ihm stehen möchte, sondern weil er es unmöglich macht.
    Und ich muss mich mühsam selbst vorm Untergang retten. Ich hab zu ihm gestanden all die Jahre, zum "Dank" muss ich jetzt Angst vor ihm haben.

    Das ist mein Hintergrund.
    Deshalb urteile ich so.

    Wenn dein Nachbar es nach so einer klaren Ansage der Ärzte noch nicht mal einen einzigen erbärmlichen Tag geschafft hat, dann hätte eine Partnerin auch nichts ausrichten können.
    Aber den Schmerz, den du jetzt empfindest, hätte diese Partnerin die ganze Zeit erleiden müssen, solange er trinkt.


    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Speedy,

    hat das Leben ohne Partner denn so überhaupt keinen Sinn, dass es sich nicht auch ohne Partner lohnt, es zu erhalten?

    Gibt es denn nicht auch noch andere Menschen, die sich kümmern könnten oder die er sich hätte suchen können?

    Muss dafür erst eine Partnerin ihr Leben aufs Spiel setzen, indem sie es in die Hände eines so hochgradig rückfallgefährdeten Menschen legt, der es noch nicht mal einen Tag alleine schafft?
    Nein, es ist gut, dass da niemand dranhing!

    Schöne Grüße
    Doro

    Hallo kwiep,

    es war wohl ein bisschen übereilt von mir, die Sache mit der Gewalttatandrohung hier zu erwähnen, wo dir die Hintergründe nicht bekannt sind.

    Wir sind bereits getrennt, er hat bereits keine Erlaubnis mehr, das Haus oder das Grundstück zu betreten, die Polizei ist informiert, meine Anwältin ebenfalls. (Die erste Reaktion der Polizei war auch nicht: Sie müssen das zur Anzeige bringen. Sondern eher: Na ja, wie ernst kann man sowas denn nehmen?) Die Vehemenz, mit der du mir eine MItschuld nahelegst, verärgert mich ein bisschen, aber ich bin selbst schuld, denn du kennst ja die genaue Situation nicht. Faktisch kann man eine solche Tat nicht verhindern, nur bestimmte Risiken minimieren. ("wir" sind meine Kinder und eventuell meine Eltern, so genau ist das nicht klar, was er eigentlich meinte).

    Ich denke, mich würde keine Mitschuld treffen.

    Die Widersprüche in der Schuldfrage bleiben für mich bestehen.

    Liebe Grüße
    Doro

    Nochmal hallo,

    ich hab emotional wirklich kein großes Problem mit der Schuldfrage. Ich zermarter mich damit nicht. Allerdings wohl auch deshalb nicht, weil ich meine Biographie noch nicht als total verpfuscht ansehe. Wenn sich allerdings rausstellen sollte, dass die ganze Sache noch viel schlimmere Folgen hat als ich bis jetzt denke, dann könnte es dazu führen, dass ich dann doch wieder mit dem Hadern anfange.

    Aber intellektuell hab ich jetzt wieder mal nen Knoten im Hirn und kann mir die Frage nicht verkneifen:

    Ist das nicht doch ein Widerspruch?:

    Aussage 1: Es gibt keine Schuld, es ist ein Schicksalsschlag usw.

    Aussage 2:

    Zitat

    Mein respektvoller Umgang mit meiner EX-Frau basiert auch darauf, daß sie darauf vertraut, daß ich nicht rückfällig werde.
    Einen Rückfall würde sie mir unter keinen Umständen "gestatten" obwohl wir uns beide darüber im klaren sind, daß das niemals ausgeschlossen sein wird.

    Es liegt nun letztlich an mir, was ich aus meinem Leben mache -
    es liegt an Deinem Ex-Partner was er aus seinem Leben macht
    - und last not least - an Deinem Leben -

    Wenn es der Suchtkranke in der Hand hat, dann hat er doch auch Schuld, wenn er rückfällig wird und nichts dagegen tut??????

    Zweite Frage:
    Warum ist diese Schuldfrage überhaupt so ein Tabu?
    Ich erlebe das hier im Forum regelmäßig, dass viele da sofort die Rolläden runterlassen, wenn das angeschnitten wird. Warum eigentlich?
    Man kann ja zu dem Schluss kommen, dass niemand Schuld hat.
    Aber kann man das wirklich bist zur letzten Konsequenz so sehen?

    Nicht Schuld sein am Trinken - schön.
    Nicht Schuld sein an Beleidigungen im Suff - okay.
    ...
    Nicht Schuld an einer Straftat im Suff?????

    Auf mich als Co bezogen:
    Ich bin nicht Schuld daran, dass er trinkt - klar!
    Ich bin nicht Schuld daran, dass ich mich nicht getrennt habe - okay.
    ...
    Ich bin nicht Schuld daran, dass ich zugelassen habe, dass er eine Straftat im Suff begeht????
    (An dieser Stelle erlaube ich mir, an eine kürzlich hier geführte Debatte zur Schuld des co-abhängigen Beifahrers eines betrunkenen Fahrers zu erinnern. Da war aber plötzlich ganz viel Schuld im Spiel!)


    Schöne Grüße
    Doro

    Hallo an alle,

    ich würd gerne meine Äußerung von weiter oben nochmal erläutern, offenbar ist sie missverstanden worden.

    Sie bezog sich eigentlich auf Susannes Satz:

    Zitat

    Denn nicht nur der trinkende Ex machte schlimme Dinge-auch ich in meiner Sucht verletzte und habe wehgetan

    Das hätte ich klarer dazu schreiben sollen, dass ich mich auf diesen Satz beziehe. Für mich kann ich dem nicht zustimmen.
    Ich glaube nicht, dass ich meinem Mann besonders verletzt oder wehgetan habe. Niemand ist perfekt, in jeder Beziehung passieren negative Dinge, das ist ja klar. Klar hab ich sicher auch Dinge falsch gemacht, aber doch im "normalen" Rahmen, wie eben jeder Mensch. Vielleicht verletzt ihn schon meine schlichte Existenz :lol: , aber die möchte ich noch ne Weile erhalten.
    Ich glaube, ich habe mich ihm gegenüber "gut" (damit meine ich: eben ganz normal) verhalten. Vielleicht nicht gut im Sinne der "HIlfe durch Nichthilfe", aber "gut" auf einer zwischenmenschlichen Ebene. Ich habe ihn gewertschätzt, ich habe mich um eine gute Partnerschaft bemüht, meine Verpflichtungen eingehalten und und und.
    Er hat sich mir gegenüber nicht so verhalten, seit er wieder trinkt. Er hat sich wie ein Armleuchter verhalten und tut es noch immer. Gerade in diesen Tagen hat er uns eine Gewalttat angedroht im Suff.

    Das wollte ich damit sagen.
    Wenn es was aufzuarbeiten gibt, dann ginge es in der Tat in erster LInie um die Aufarbeitung dessen, was die Alkoholerkrankung zuerst mit ihm, dann mit uns beiden gemacht hat.

    Kwiep, du rennst bei mir offene Türen ein. Ich sehe die Alkoholerkrankung auch als Schicksalsschlag und grüble schon lange nicht mehr über Schuld.

    Ich führe im geschlossenen Bereich ein Tagebuch, um mir klar zu werden über mich selbst und selbst gesund zu werden. Ich nehme meine Co-Abhängigkeit ernst.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo butterweich,

    ich kenne deine Gefühle nur zu gut.

    Dass du ihn nicht "trocken legen" kannst, schreibst du ja selbst. Also richtig helfen kannst du sowieso nicht.

    Einfach bei ihm sein...
    nun ja. Wie wäre das denn für dich? Würde er dich denn beim Saufen dabei haben wollen? Oder willst du immer, wenn er mal wieder durch seine Exzesse im Krankenhaus ist, hinfahren?

    Ich weiß nur: Bei meinem Mann war und ist es so: Je schlimmer er säuft, desto weniger Platz ist da für mich.
    Ganz am Anfang unserer Beziehung hab ich ihn noch fest in den Arm genommen, wenn er Bauchschmerzen hatte (von welchen Alk-geschädigten ORganen auch immer). Aber er hat sich trotzdem immer weiter von mir entfernt. Später war er einfach nur noch aggressiv.

    Ich frage mich, ob du (wie ich früher auch) nicht zu naiv davon ausgehst, dass er genauso empfindet wie du. Wenn er im Suff ist, kann er doch gar nicht in gleicher Weise fühlen. Du würdest dich aus Mitmenschlichkeit opfern, er würe sowieso in seiner Alkblase.

    Und natürlich stimmt alles, was Ette geschrieben hat: Hilfe durch Nichthilfe.
    Vielleicht rettest du ihm das Leben, wenn du ihn jetzt sich selbst überlässt.

    Bei meinem Mann war es damals so: Ich trennte mich, ein paar Jahre später flog er aus seiner Wohnung und war obdachlos!!! Gesundheitlich gings ihm miserabel. Es war herzzerreißend und deshalb hielt ich auch Kontakt, konnte aber nicht wirklich helfen. (Hätte ichs gekonnt, hätte ichs gemacht.) Durch seine Obdachlosigkeit war der Kontakt aber schwer zu halten, er schämte sich auch. Aber dann war er endlich an seinem Tiefpunkt, als er nämlich den Totalzusammenbruch hatte. Was folgte, waren immerhin ein paar Jahre Trockenheit und eine erstaunliche körperliche Erholung.

    Klar, er hätte damals auch sterben können.

    Die ganze Entwicklung hatte mit mir gar nichts zu tun. Ich hab mir das Herz aus dem Leib geheult, aber bei ihm kam davon nichts an.
    Er hat auch später, als er trocken war, nie was Anerkennendes gesagt, von wegen, dass ich immer zu ihm gehalten hätte oder so. Das fällt mir jetzt grad so auf.
    Wahrscheinlich hat er es kaum wahrgenommen.
    Wie will man denn auch was wahrnehmen, wenn man dauernd betrunken ist?

    Akzeptier es, wie es ist.
    Mach dich nicht kaputt, dein Leben ist doch für dich das wichtigste.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo an alle,

    kwiep, es tut so gut zu lesen, mit wieviel Wertschätzung du von deiner Frau sprichst.

    Ich hege keinen Groll gegenüber meinem Mann. Er ist krank, das sehe ich ein.
    Aber trotz allem sehe ich meinen Anteil als weit geringer an als seinen. Ich kann für uns beide jedenfalls bei aller ehrlichen Selbst-Erforschung kein Gleichgewicht erkennen.
    Fehlerlos bin ich nicht. Mitgemacht hab ich zu viel.
    Aber SEINE Alkoholkrankheit hat das ganze Unheil auf dem Gewissen, hat unsere Familie zerstört. Da bin ich mir inzwischen auch nach einem halben Jahr Forum sehr sicher.

    Eine gemeinsame Aufarbeitung wäre für mich wunderschön.
    Ich glaube nicht, dass ich ihm Vorwürfe machen würde. Ich würde aber ihm gerne mitteilen, wie es mir gegangen ist.
    Und ich würde gerne hören, wie es ihm mit meinen Reaktionen gegangen ist.
    Ich würde gerne mit ihm ein freundschaftliches, respektvolles Verhältnis haben.
    Ich will nicht, dass meine Kinder denken, ihr Vater sei ein schlechter Mensch. Ich werde ihnen das später zu erklären versuchen: Dass nur die Krankheit ihn kaputt gemacht hat, aber dass er ein wunderbarer Mensch war - ohne seine Erkrankung.

    Ich wertschätze ihn immer noch, obwohl seine ursprüngliche Persönlichkeit in den nassen Phasen zu einer absoluten Fratze verkommen ist.
    Ich denke sogar manchmal liebevoll an ihn, denke: Das hat ER mir gezeigt. Das hat ER auch immer gesagt. usw.
    Aber er ist nicht derjenige, wenn er trinkt. Er ist irgendetwas anderes, nur nicht mein Mann.

    Unsere Aufarbeitung - Es bleibt ein Wunschtraum, es wird dazu nicht mehr kommen.

    Liebe Nachtgrüße
    von Doro
    die heute nicht zur Ruhe kommt

    Hallo Claudia,

    ich wünsche dir, dass der Termin deine Ängste minimieren kann und du mutig deinen Weg gehen kannst - wo immer er dich auch hinführen mag.
    Dass du danacch innerlich die klare Wahl hast - gehen oder bleiben - und nicht bleibst, weil du Angst vorm Gehen hast.

    Dann kann dir nichts mehr passieren.

    (Ein Termin wird das wahrscheinlich noch nicht bringen können, aber hoffentlich ist er ein Schritt in diese Richtung.)

    LIebe Grüße
    Doro

    Hallo an alle,

    ich finde, gesellschaftliche Diskussionen sind gut, solange man sie nicht zum Ersatz macht für persönliche Veränderungen.

    Ich bin keine Alkoholikerin, aber der Alkohol hat meinen Mann zerstört und meine Kinder ihres Vaters beraubt und ich sehe, wie viel er in unserer Gesellschaft zerstört. Das ist einfach ein totaler Wahnsinn. Wenn man mal ausrechnet, wie hoch allein die Kosten sind, die das verursacht. Verkehrsunfälle, Verdienstausfall, Arztkosten, Krankenhauskosten, Therapiekosten, Folrgeerkrankungen bei den Angehörigen, schwerer erziehbare Kinder bis hin zu nicht mehr in die Gesellschaft integrierbaren Kindern (ich meine Kinder, die z.B. von einem alkoholkranken Elternteil jahrelang seelisch misshandelt wurden) und wer weiß was noch alles.
    Das ist ein Wahnsinn!!!
    Dagegen ist Rauchen absolut harmlos, obwohl es nicht harmlos ist.

    Unsere Gesellschaft führt einen begrüßenswerten Feldzug gegen das Rauchen, aber der Alkohol und seine fatalen AUswirkungen auf die Gesellschaft werden total unterschätzt.

    Manchmal denke ich: Unsere ganze Wirtschaft basiert auf dem Suchtprinzip, wieso sollte sie dann die ernsthafte Bekämpfung der Sucht zu ihrem Ziel machen?

    Ich hab keine Rezepte, wie genau es laufen müsste, ob man Alkohol komplett aus der Gesellschaft verbannen sollte oder eine wesentlich konsequentere Aufklärung erfolgen sollte. Ich weiß es nicht. Alkohol ist viel tiefer in unserer Kultur und Wirtschaft verankert als Tabak. Aber ich weiß, dass etwas geschehen müsste. Nicht nur bei Jugendlichen.

    Liebe Grüße
    Doro
    co-abhängig

    Hallo Kiramietz,

    na sowas! Das ist bestimmt ein richtiger Schock.

    Aber wer weiß, vielleicht erleichtert es dir den Absprung.

    Was soll das Ansprechen bringen? Würde es ihn eher dazu bringen, etwas zu unternehmen? Oder würde es nur Öl ins Feuer gießen?

    Tu auf alle Fälle nichts, was dir die gegenwärtige Situation noch schwerer macht.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo an alle,

    ich lese das mit sehr gemischten Gefühlen, die Sache mit dem "sozialen Abstieg". Weil es eine extrem negative Sichtweise ist.
    Der richtige ABstieg kommt ja oft gerade mit der Trennung und den finanziellen Folgeschäden. Klar ist der soziale Abstieg eine Folge der Co-Abhängigkeit, aber viele bleiben ja gerade deshalb bei ihrem Partner, weil sie eben diesen sozialen Abstieg fürchten.

    Sicher, ich kann mir jetzt überlegen: Wo stünde ich finanziell und sozial, wenn ich mich nie auf diesen Menschen eingelassen und stattdessen einen erfolgreichen, gesunden Typen geangelt hätte. Kann man sich schöne Dinge vorstellen, die man sich hätte leisten können.
    Wozu soll ich darüber nachgrübeln, macht mich nur depressiv. Kann ich nicht brauchen.

    (Nichts gegen den Thread, da ist schon was dran, trotzdem möchte ich für mich diese Sichtweise nicht in Betracht ziehen.)

    Liebe Grüße
    Doro