Hallo Zeitgeist,
mein Mann hatte nach jahrelanger Abstinenz im Dezember vergangenen Jahres einen Rückfall.
Dachte ich.
In Wirklichkeit hat er mindestens schon ein halbes Jahr vorher getrunken, kürzlich fand ich zufällig (! - Ich suche nicht nach sowas) einen Kassenzettel, dass er schon im Mai 08 Bier gekauft hat, das sicher nicht für Gäste war.
Wenn ich ehrlich bin, hat er eigentlich schon jahrelang die REgel "keinen Tropfen" nicht richtig eingehalten. Einmal Nippen beim Sektempfang - beim Abendmahl in der Kirche - alkoholfreies Bier...
Ich hab gedacht: Siehste, bei ihm funktionierts ja, er trinkt ja sonst nicht.
Wahrscheinlich hat er das auch gedacht.
Irgenwann kam er dann von Wochenendtripps mit komischem GEruch nach Hause. Ich hab mich gern beschwichtigen lassen, dass mich meine Sinne trüben. Ich wollte nicht, dass meine Welt zusammenbricht.
Auch das Verhalten wurde schleichend wieder aggressiver. Ich kann gar nicht genau sagen, wann es begann. Aber je mehr ich drüber nachenke, desto stärker ahne ich, dass er schon viel länger wieder trinkt - wenn auch sehr kontrolliert - als ich es für möglich gehalten hatte.
Zur Erinnerung: mein EHemann, den ich Tag für Tag erlebt hab. Trotzdem hab ich es nicht bemerkt oder bemerken wollen oder total verdrängt, wenn was komisch war.
Wie das bei euch ist, weiß ich natürlich nicht.
Mich hat bloß erstaunt, wie langsam und schleichend dieser Prozess ging. Er war vor seiner Abstinenz ein ziemliches Alki-Wrack, also schon weit fortgeschritten in der Krankheit. Da könnte man doch meinen: Ein Schluck und einige Wochen später ist er wieder der "alte". Aber so war es nicht. Das hat mich so irritiert, dass ich dann auch irgendwie dachte: Er wird schon wissen, was er tut, wenn er z.B. alkoholfreies Bier trinkt.
Letztendlich weiß ich natürlich auch gar nicht, ob es der "Stoff" war, der seine Rückkehr in die Sucht ausgelöst hat oder ob er es einfach nicht geschafft hat ohne Alkohol.
Ich denke auch, es ist wichtig, dass du dich gegen jegliche Gewalt -auch verbal - wehrst. Das hab ich leider lange nicht gemacht - für mich stand ja auch die Ehe und Familie auf dem Spiel. Also hab ich mich anbrüllen, beschimpfen usw. lassen, bis es irgendwann zu dicke kam.
Weiß nicht, ob dir meine Erfahrung irgenwas bringt.
Ich wünsch dir jedenfalls, dass du voll in deinem Leben durchstartest und ihn links liegen lässt. Es ist Zeitverschwendung, aber DU hast ein wunderbares Projekt mit deinem Studium. Mach das beste draus, ich fand meine Studienzeit etwas ganz Besonderes. Lass es dir nicht überschatten von so ner ollen Suchtgeschichte, die du nicht in der Hand hast.
Liebe Grüße
Doro