Hallo Oiseau,
schöne Idee, mit dem Mutmach-Thread.
Womit du absolut Recht hast: WEnn man "drin" steckt, kann man sich absolut nicht vorstellen, dass sich der Nebel noch mal lichtet und man einfach nur glücklich sein darf.
Ich habs eigentlich jetzt mehrere Male erlebt.
Ich will mal nur von der ersten Trennung erzählen, weil mein Mann damals "nass" war, während es diesmal um einen Rückfall ging.
Vor der Trennung:
Ich lebte zwar mein Leben auch neben ihm, aber sein Zustand deprimierte mich total.
Er war verbal und manchmal auch körperlich gewalttätig, dann wieder sehr lieb.
Er log das Blaue vom Himmel herunter, ich wusste nie genau, was bei ihm grad los war.
Er zog mich immer wieder in bis spät in die Nacht dauernde Endlosdiskussionen und ich war nicht in der Lage, mich daraus zu befreien.
Ich verließ manchmal die Wohnung (wenn er mich ließ), hoffte aber insgeheim, dass er mir nachfolgen würde, wieder "lieb" sein würde. Ich bettelte um seine Liebe.
Ich hatte das Gefühl, dass er ohne mich die letzte Verbindung zum normalen Leben verlieren würde.
Ich erzählte niemandem Genaues über die Situation.
Die Trennung:
kostete mich übermenschliche Überwindung.
Es kam mir so vor, als müsste ich mir selbst ein Bein abhacken.
Aber der Leidensdruck war einfach zu groß und trieb mich an.
Ich begann mich zu öffnen, Hilfen zu suchen.
Ich ließ meinen Verstand das Kommando übernehmen und ignorierte meine Gefühle, die ganz klar gegen eine Trennung waren.
Nach der Trennung:
Meine eigene Wohnung: Wunderbare Ruhe!
Hier kann mir niemand etwas tun!
Hier kann ICH bestimmen, was passiert!
Ich erholte mich: Die Föhlichkeit und Unbeschwertheit kehrte zurück in mein Leben, viele Kontakte intensivierten sich, ich konzentrierte mich mit großer Leidenschaft auf meine Arbeit.
Ich begann, sehr intensiv mit mir selbst zusammen zu sein. Schrieb viel, ging Spazieren, hatte oft die größten Glücksgefühle einfach nur mit mir und meinem Gedankenreich.
Und: Oh Wunder! Er schien auch ohne mich existieren zu können. Er rutschte zwar weiter ab (was wohl auch MIT mir passiert wäre), aber er war längst nicht so verzweifelt, wie ich es erwartet hätte.
Er kam einige Jahre später an seinen Tiefpunkt, wurde trocken, und unsere gemeinsame Geschichte begann von vorn.
Jetzt hatte er einen Rückfall und es kam wieder zur Trennung und ich habe diesmal nicht vor, es noch ein drittes Mal mit ihm zu versuchen.
Trotzdem wünsche ich ihm von Herzen das beste.
Aber ich bin froh über meine Eigenständigkeit und mein fröhliches kleines Leben.
Doro