Beiträge von Doro

    Hallo Skybird,

    Zitat

    Wunsch nach Anerkennung Deiner erlittenen Qual durch ihn

    Das wäre mir zu hoch gehängt.
    Erlittene Qual - na ja, so sehe ich mich nun auch nicht.

    Ich glaub, was mich irritiert hat, ist tatsächlich die fehlende Einsicht.

    Das mit dem Hintertürchen ist wirklich ein Problem, das du ansprichst.
    Das durchschaue ich selbst nicht, wieso alle Welt denkt, dass ich doch irgendwie zu ihm zurück will. Irgendwas signalisiere ich da.
    Er ist doch der Vater meiner Kinder, ist es da nicht richtig, dass man irgendwie miteinander auskommen will?
    Ich verstehe es nicht.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Andi,

    ich war ja in diesem gesamten halben Jahr von ihm getrennt.
    Ich hatte mich ganz klar über Anwältin getrennt, ich habe nicht sein Verhalten tapfer ertragen, er hat sich einfach unmöglich benommen.
    Das hat mit Co-Verhalten nichts mehr zu tun.

    Mich hält nichts mehr.
    Aber wir haben zwei gemeinsame kleine Kinder. Sie können nicht alleine zu ihm hinlaufen, ich muss sie ihm bringen, wenn er sein Umgangsrecht wahrnehmen wird. Ich muss auch mal ein Wort mit ihm reden.

    Und da hab ich mir diese Frage erlaubt.
    Mein Weg aus meinem Co-Verhalten bedeutet für mich auch: meiner Wahrnehmung trauen, meine Gefühle ernst nehmen.
    Weil ich in der Zeit mit ihm immer sehr schnell bereit war, seine Sichtweise zu übernehmen, mich manipulieren zu lassen.
    Damit ist jetzt Schluss.
    Das ist für mich ein ganz wichtiger Entwicklungsschritt hin zu mir, dass ich mich ernst nehme und mir nicht mehr von irgendjemanden Grenzüberschreitungen kommentarlos gefallen lasse.
    Das ist keine Genugtuung, das ist keine gekränkte Eitelkeit.
    Sowas sind Abwertungen meiner Person, die ich mir hier verbitte.

    Nochmal für alle: Ich sehe ein, dass ich von ihm da nichts erwarten kann und sollte. Und dass keine Entschludigung kommt, ist für mich auch nicht von so großer Bedeutung.
    Und meinen Rasen kann ich auch alleine mähen.

    Aber von Bedeutung ist sehr wohl mein eigenes Innenleben, mein Wertesystem, meine Gefühle.
    Diese habe ich viel zu lange manipulieren lassen.

    Ich erlaube mir auch weiterhin, Dinge auch in einem größeren, politisch-gesellschaftlichen Kontext zu sehen. Das ist keine Projektion.

    Liebe Grüße
    und nochmal danke für eure Meinungen
    Doro

    Hallo Comet,

    mensch, das ist echt ein Härtefall, da fällt einem nicht mehr viel ein.

    Ich würd sagen: abwarten und Tee trinken.
    Wenn du dir sicher bist, dass du ihn jetzt nicht rausschmeißen willst, hast du keine andere Wahl, als erstmal die Dinge auf dich zukommen zu lassen.

    Mein Mann hat übrigens auch ohne Therapie doch immerhin eine jahrelange Trockenheit hinbekommen. Der Auslöser war auch der Schock nach einem kritischen gesundheitlichen Zusammenbruch.
    Und richtig wieder losgelegt hat er erst, als er wusste, dass sich seine Leber wieder halbwegs erholt hatte.

    Vielleicht hilft deinem Mann der Schock doch? Wer weiß?

    Liebe Grüße
    Doro

    Ach, jetzt bin ich doch noch da.

    Nee, mir ist jetzt wieder eingefallen, wie ich das machen wollte:
    keine Prohibition, sondern ne Promillegrenze.
    Das finde ich aber jetzt im Ernst.
    z.B. 1,0 Promille.
    Dann kann jeder ein bisschen Wein trinken als Genussmittel, aber wenns dann langsam zu unkontrollierbarem Verhalten führt, wirds strafbar.
    Ganz einfach.

    Hat nichts mit angenervt zu tun, finde ich wirklich.

    Was diese Betrunkenen (ob schon abhängig oder nicht) für einen Schaden anrichten, das geht doch auf keine Kuhhaut. Was das kostet, allein an Polizei, die die Leute ständig aufsammeln muss. Krankenhäuser müssen entgiften usw.
    Das find ich einfach skandalös.

    Und wie viele Abhängigkeitskarrieren könnte man verhindern, wenn man das Rauscherlebnis von Vorneherein durch Verbote unterbinden würde. Klappt nicht immer, auch das ist klar, aber das ist bei allen Verboten so, dass sich nicht alle dran halten.

    Ne, ich mein das schon ernst, leider interessierts keinen.

    Nochmal gute Nacht,
    Doro

    Ja, Lefty,
    Prohibition wär schon mal gut.
    Und dann eben die gängigen Maßnahmen:
    erstmal Verwarnung, dann Geldstrafe, bei gehäuftem Vergehen Gefängnis und schließlich: Rübe ab!

    Leider hab ich nicht die Macht, das einzuführen.

    Deshalb gehe ich jetzt einfach mal schlafen und träume von einer besseren, weil alkoholfreien Welt.

    Machts gut,
    Doro

    Hallo an alle,

    verschiedene Sachen gehen bei mir jetzt vor.

    1.) Es stimmt, dass es irgendwie falsch von mir ist, eine Aussprache einzufordern. Wenn er es nicht will, hab ich Pech gehabt.
    Weil es höchsten Lippenbekenntnisse werden könnten, die mir dann auch nichts bringen.

    2.) Was ich vielleicht vergessen habe herauszustellen: Er will ja die Ehe wie gehabt weiterführen. Er findet, ich könnte doch jetzt einfach mal aufhören, mich so blöd zu haben, und jetzt mit ihm Schritt für Schritt in den Ehehafen wieder einkehren.
    Und dass meine Verwandtschaft unsere Ehe ruiniert hat, denkt er nach wie vor.
    Es ist also nicht nur auf die Vergangenheit bezogen.

    3.) Diese verminderte Schuldfähigkeit bei Betrunkenen regt mich sowieso total auf. Wenn es denn so ist - und es ist wohl so, dass derjenige sein Handeln dann nicht mehr unter Kontrolle hat, und deshalb auch die Tat nicht mehr so schlimm zu werten ist, wieso ist dann das Trinken als solches nicht strafbar? Ich finde das ein ganz großes Defizit in unserem Rechtssystem. Und es ist die große Frage, ob man den Trinkenden damit einen Gefallen tut. Sie dürfen trinken, so lange sie wollen, aber wenn dann was passiert, heißt es: vermindert schuldfähig, er/sie ist ja krank.
    Das, was uns Co-Menschen immer vorgeworden wird, nämlich dass wir den Alkoholikern Verantwortung abnehmen, indem wir ihnen mit irgendwas helfen und sie die Konsquenzen ihres Handelns nicht spüren lassen, das tut die gesamte Gesellschaft, wenn sie eine Tat unter Alkoholeinfluss verharmlost.

    4.) und Fazit:
    Dass er sich nicht entschuldigen will, muss ich hinnehmen.
    Ich habs ihm gesagt, er hält das für unnötig. Meine Empfindungen interessieren ihn nicht. Auch gut, vielleicht besser so, denn ich will ja keine Beziehung mehr.
    Ich bin nach dem Lesen eurer Postings dennoch jetzt an dem Punkt, wo ich sage:
    Doch, wenn jemand einen anderen Menschen schwer beleidigt, wenn er nachts einen mit Pöbelbesuchen wach hält, wenn er Telefonterror betreibt, dann sollte er sich entschuldigen.
    Egal, warum er das getan hat.
    Auch Wiedergutmachungen wären übrigens durchaus denkbar. Wie wärs mit einem Blumenstrauß, einem Wellnessgutschein oder zwanzigmal Rasenmähen :wink: Mir würde schon was einfallen.
    Vielleicht würde er sich damit auch besser fühlen, als die ganze Zeit damit beschäftigt zu sein, seine vermutlich vorhandenen unterdrückten Schuldgefühle irgendwie anders zu kompensieren.

    Das hat nichts mit Härte zu tun.
    Wer ne Scheibe einschmeißt, muss die Scheibe ersetzen.
    Wer beleidigt, muss die Hand reichen zur Entschuldigung.
    So ist unsere Werteordnung.
    Aber Werte kann man nicht einfordern, das hab ich eingesehen.

    Liebe Grüße
    Doro

    Erstmal danke für die Antworten!

    Nun ja, meine Vorstellung scheint tatsächlich nicht so selbstverständlich zu sein. Es scheint wirklich so zu sein, dass das jetzt irgendwie eine falsche Erwartung ist.

    Ich hab ihm das natürlich auch gesagt. Da kam ein bockiges, er hätte sich ja schon entschuldigt (na ja, das sind so Sätze wie "Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe", damit kann ich wenig anfangen) und außer bei mir hätte er sich bei niemanden zu entschuldigen (Selbstgerechtigkeit).

    Dass seine jetzige "Trockenheit" (Trinkpause?) vielleicht nur eine Phase ist, das weiß ich. Trotzdem hatte ich eben jetzt zum ersten Mal ein normales Gespräch mit ihm und da hat mich dieses "Schwamm-drüber"-Verhalten echt gestört. Da hat die ERde gebebt in den letzten 6 Monaten und er macht einen auf business as usual.

    Scham ist eine mögliche Erklärung, Nichts-kapiert-Haben eine andere.

    Vielleicht ist "Entschuldigung" auch ein blödes Wort. Ich will keine demütige Geste. Ein Gespräch über das, was gewesen ist, eine Aussprache. Ein Interesse von seiner Seite für mein Empfinden. So wie ich mich selbstverständlich für sein Empfinden interessieren würde, wenn er mich daran teilhaben ließe. Das wäre mein Bedürfnis.

    Er mag alles vergessen oder nicht mitbekommen haben. Aber ich muss mein eigenes Gedächtnis schon ernst nehmen. Und für mich grenzt es an Irrsinn, dass man jetzt einfach so tut, als sei nichts passiert.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo an alle,

    ich bin getrennte Partnerin eines Alkoholkranken, der mich seit seinem Rückfall vor einem halben Jahr (damals waren wir zusammen) seit 6 Monaten mit allem möglichen Psychoterror (Beschimpfungen, ständige Anrufe, auch bei Verwandten) nervt. Und es gibt noch ne Reihe anderer Dinge, die ich ihm vorwerfe, die er als Folge seines Rückfalls getan hat.

    Jetzt scheint er wieder trocken zu sein und ich wünsche ihm von Herzen, dass er es bleibt, will aber keine Beziehung mehr.

    So weit, so gut.

    Was ich hier mal als Frage stellen wollte:
    Meint ihr nicht, dass er sich mal entschuldigen sollte?
    Bei mir und bei meinen Verwandten, die er nachts angerufen hat?
    Ist das eine falsche Forderung?

    Ich kann mir zwar davon nichts kaufen, und wenn er es nicht tut, ist es eben so, aber mich nervt es, dass er jetzt ankommt: "Guck mal, ich trink nicht mehr." Und kein Wort über das, was war. Und wenn, dann weiter Selbstgerechtigkeit.
    Von mir erwartet er Beifall und dass ich vergesse, was war.
    Und dass ich alle meine Skepsis, wie lange es andauern wird, über Bord werfe.

    Ich frage mich, ob mein Unmut berechtigt ist oder ob man das von einem trockenen Alkoholiker nicht erwarten sollte.

    Nicht falsch verstehen: Eine Aussprache ist für mich nicht übermäßig wichtig, weil ich keine Beziehung mehr will. Wegen der Kinder werden wir aber wohl oder übel immer noch ewig miteinander irgendwie zu tun haben.

    Freue mich auf Antworten
    Doro

    Hallo IceGirl,

    so ein Rückfall ist bitter.
    Ich habs erlebt. Nach 5 Jahren Trockenheit kam vor einem halben Jahr der Absturz meines Mannes und führte zur Trennung.
    Und zu allem Überfluss hatten wir auch noch ein Haus gekauft, natürlich auf Kredit.

    Da stürzt erstmal ne Welt zusammen und ich wünsch dir alle Kraft der Welt, dass du Schritt für Schritt deinen Weg da raus findest. Und dann noch die Bandscheibe, oje.

    Bei mir war es so, dass ich trotz aller Verzweiflung ziemlich schnell anknüpfen konnte an den positiven Erfahrungen der ersten Trennung von meinem Mann. Ich wusste, dass ich auch alleine gut zurechtkomme und glücklich sein kann.
    Mein erster Schritt war, dass ich mir überlegt habe, was ich für mich tun kann. Denn sein Trinkverhalten konnte ich nicht beeinflussen, das hatte ich inzwischen gelernt. Also habe ich alles aufgeschrieben, was ich tun kann, damit ich mich besser fühle. Das war als erste Maßnahme schon mal ganz gut.

    Dass es ganz schlimm ist, will ich nicht verharmlosen, ich weiß es.
    Hab erstmal einige Wochen viel geweint und gedacht, die Welt geht unter.
    Aber so kam es nicht, mein Leben besteht nicht nur aus ihm, wie ich schnell entdeckt habe.

    Ich wünsch dir ales Gute,
    doro

    Hallo Comet,

    bin grad auf deinen Thread gestoßen und es hat mich doch sehr berührt, diese Dynamik, die sich da entwickelt hat. Total verrückt, dass er ausgerechnet jetzt in Lebensgefahr schwebt.

    Aber, wie die anderen auch schrieben, es ist wirklich totaler Humbug, dass du daran Schuld bist. Hörst du, totaler Schwachsinn. Es stimmt nicht, du bist nicht schuld. Diese Krankheit führt ein Eigenleben, darauf hat man als Angehörige keinen Einfluss.

    Eine Trennung kann verschiedene Folgen haben: Der Alkoholiker empfindet es als Tiefpunkt, dass er seine Familie verliert, und tut was. Oder er badet in Selbstmitleid und macht weiter oder sogar noch viel schlimmer weiter. Oder es taucht ein anderer Retter - eine Retterin auf, die ihm das Weitertrinken angenehm macht.

    Wie hättest du dich gefühlt, wenn du dich getrennt hättest und einige Zeit später wäre er total abgestürzt? Hätte sich das besser angefühlt, weniger Schuldgefühle verursacht?

    Bei meinem Mann hat die Trennung zu nichts geführt außer zu einem noch schnelleren Absturz. Tödlicher Ausgang nicht unwahrscheinlich. Das macht mich traurig, aber ich fühle mich nicht schuldig daran.

    Wenn du dich eher getrennt hättest...
    Niemand weiß, was dann passiert wäre!
    Es ist sinnlos, sich darüber den Kopf zu zerbrechen!
    Das Schicksal ist sehr gemein zu dir, dass es nun ausgerechnet nach deinem Anwaltsbrief passiert ist!

    Ich drück euch die Daumen, dass er es überlebt UND dass dies sein persönlicher Tiefpunkt ist.

    Und auch wenn es sich in dieser Situation vielleicht geschmacklos liest: Du hast ein eigenes Leben, um das es sich zu kämpfen lohnt.
    Und du hast Kinder, für die du lebst.
    Es ist bestimmt sehr schlimm, die Sorge um ihn, aber das andere ist auch noch da: dein Leben und das der Kinder. Und das darf nicht mit ihm zusammen den Bach runtergehen.

    Ganz liebe Grüße
    Doro

    Gäbe aber ne coole Anzeige 8)
    Suche hilfsbereiten, handwerklich versierten, wohlhabenden, abstinent lebenden Partner, der häufig (ohne mich) unterwegs ist, für schöne Stunden und meinen Haushalt. Gemeinsame Lebensführung nicht erwünscht. Alter nebensächlich.
    8)

    Doro

    Liebe Dagmar,
    hab heute auch mal wieder bei dir geschmökert.

    Ich hab sicher im Vergleich ein recht komfortables Leben, aber dennoch frage ich mich ständig, wie ich das alles schaffen soll und ob ich nicht wahnsinnig bin: demnächst Vollzeitjob - kleine Kinder - Haushalt - Garten.
    (und Aufarbeitung einer :evil: -Ehe)
    Insbesondere der Haushalt bricht mir das Genick. Wenn ich grad den Fußboden gewischt hab, kommt einer meiner Söhne dahergelatscht und schmeißt einen Joghurt drauf. Oder was so richtig sch... ist: Bananenquark. Muss sofort weg, sonst schrubbt man sich tot.

    Auf der anderen Seite: Es ist so viel Leben in diesen ganzen Aufgaben, so viel Sinn, dass ich dann wieder ganz viel Lust habe, es doch zu schaffen.

    Die Sache mit der Partnerschaft...
    Ich hab immer noch die Stimmung, dass ich das Gefühl habe, nie und nimmer wieder jemand so nah an mich ranlassen zu können. Weil ich mir selbst nicht zutraue, mich nicht zu verlieren.
    Grad heute dachte ich so: Am liebsten wär mir einer, der handwerklich fit und hilfsbereit ist und Geld hat. Ansonsten sollte er mich die meiste Zeit in Ruhe lassen. :lol::lol::lol:
    Auf keinen Fall bei mir wohnen!

    Liebe Grüße
    Doro

    Na ja, wenn ich ehrlich bin, sind es nicht nur gute Eigenschaften, die mich zum Helfen trieben. Gut gemeint wohl, aber nicht immer nur gut.
    Denn ich erlebe es jetzt von er anderen Seite.

    Ich muss jetzt zusehen, wie Leute meinem Mann noch helfen wollen und dabei sich so ähnlich verhalten wie ich damals. Und damit nicht nur Gutes anrichten.
    Sie geben ihm damit die Möglichkeit, sich weiter im Selbstmitleid zu baden.
    Sie ignorieren meine Erfahrungen und überschätzen sich selbst, indem sie denken, SIE wüssten, wie sie ihm helfen könnten. Und sind dann umso erstaunter und wütender, wenn er mit ihnen macht, was er mit mir gemacht hat.

    So war ich damals, als ich ihn kennen lernte, auch. Kluge Menschen erzählten mir von dieser Krankheit und warnten mich, ich solle mich da nicht aufreiben. Aber nein, ich wusste es besser. Ich hatte ja das Zaubermittel (nämlich meine wundervolle Liebe), das helfen würde.

    Und denen, die zu helfen beginnen, winkt der süße Preis der Zufriedenheit, wenn man eine schwere Aufgabe gelöst hat.

    Später ist es dann wirklich schwer, da rauszukommen ohne schlechte Gefühle.

    Ich denke, es ist ganz gerecht, dass ich das jetzt mal beobachten kann, wie ätzend diese lieben Helferinnen sein können, auch wenn sie alles herzensgute Menschen sind und es selbstverständlich gut meinen.
    Sie machen ihre eigenen Erfahrungen mit ihm, auf meine hören sie nicht. Weil ich ihm nicht mehr helfen will, bin ich in ihren Augen die kalte Lady, bestenfalls die wehrhafte Powerfrau.
    Dabei bin ich weder das eine noch das andere, sondern schlicht ein gebranntes Kind.

    Gute Nacht
    Doro

    Liebe Dagmar,

    meine Gedanken hierzu:

    Dass Alkoholismus eine Krankheit ist, wird ständig gebetsmühlenartig runtergebetet, aber in der Gesellschaft angekommen ist diese Erkenntnis überhaupt noch lange nicht. Immer wieder wird der Alkoholiker in seiner Aggressivität als böse angesehen und die Helfer/innen sind stets die "Guten".
    Man hat Verständnis für meine Trennung, aber es fällt ganz oft der Satz: "Du hast alles versucht" oder "Er hat durch dich alle Chancen gehabt". Keiner hat je gesagt: Dadurch, dass du so lange geblieben bist, hast du seine Sucht verschlimmert.
    Oder gar: Du bist krank, dass du ihm helfen wolltest.
    (Hier im Forum vielleicht, aber in der Welt da draußen nicht.)

    Und warum ist das so?
    Weil Sucht das Gute im Menschen ausnutzt.
    Hilfsbereitschaft, Empathie, Fürsorge - das sind doch gute Eigenschaften. Aber in Verbindung mit Sucht werden sie zu bösen Helfershelfern.

    Lieben Gruß
    Doro

    Hallo Mercides,

    du klingst sehr entschlossen, das ist ja wohl schon mehr als die halbe Miete.

    Ich habe mich von meinem Mann vor einem halben Jahr getrennt und das war das einzig Richtige, was ich tun konnte.
    Bei mir ist das alles nicht so leicht, weil er mich nicht in Ruhe lässt und Ansprüche aufs Haus, auf die Kinder usw. anmeldet und andererseits aber null Kooperation zeigt und sehr aggressiv ist. Also bin ich noch mittendrin. Aber besser ab und zu (im Augenblick recht oft :cry: ) eine "Schlacht" kämpfen und die meiste Zeit seine Ruhe, als so einem nassen Alki die ganze Zeit ausgeliefert zu sein.

    Also Glückwunsch zum Entschluss und toitoitoi.

    Doro

    Hallo Bleegle,

    es ist sehr erstaunlich, wie tief bei manchen der Tiefpunkt ist.

    Bei meinem Mann war es tatsächlich erst die absolute Lebensbedrohung, die Angst, JETZT (nicht irgendwann nächste Woche) zu sterben.

    Das hat zu einer ungefähr 5-jährigen Trockenheit geführt, die aber nun auch wieder vorbei ist.
    Auch diesmal, nach diesem Rückfall, hab ich gehofft, es würde ihn etwas wachrütteln:
    - dass er mit der Polizei zu tun bekam
    - dass es alle erfahren haben, was er tut
    - dass er mich verliert
    - dass er seinen Job verliert
    - dass er auf der Straße sitzt
    - dass er (mit einer wohl noch mal glimpflich ausgegangenen SAche, die aber eindeutig auf Alkohol zurückzuführen ist) im Krankenhaus gelandet ist.

    Nö, reicht nicht.

    Natürlich sind nicht alle Fälle so krass.

    Ich wünsch dir alles Gute
    Doro

    Hallo Ette,

    bei mir persönlich steckt, glaub ich, ganz stark dahinter, dass ich nach außen als "die Gute" dastehen will, weniger, dass ich unbedingt eine Fürsorgeaufgabe brauche, um mich wohl zu fühlen.
    Ich bin auch mit mir alleine sehr zufrieden, aber ich kann ganz schlecht aushalten, wenn ich - scheinbar - moralische Kratzer bekomme.

    Ich hab selten erlebt, dass irgendjemandem moralisch vorgeworfen wurde, dass er sein eigenes Glück gefährdet.
    Sich aufopfern für andere wird gesellschaftlich hoch geschätzt.

    Aber es ist doch auch einfach ein sachlicher Grund, wenn man hört, dass es für die Kinder auf die Dauer sehr schädlich ist.
    Es erhöht den Druck, dass man was ändern muss.

    Damals, bei der ersten Trennung, entstand der Druck auch, da war es meine Ausbildung, die ich nur abschließen konnte, wenn der Psychoterror zu Hause aufhörte. Diesen Druck brauchte ich, um mich trennen zu können.

    Ich bin grad ganz stark damit beschäftigt: Was denken die anderen über mich - moralisch gesehen?
    Von IHM hab ich mich mittlerweile ganz gut gelöst.
    Aber wenn irgendjemand (nicht er) mit dieser Moralschiene kommt, dann bricht in mir alles zusammen und ich bin zu fast allem bereit.

    Danke für die Denkanregung, Ette.

    Gruß
    Doro