Hallo an alle,
also, mir geht es nicht darum, den Begriff "Schuld", mit dem ihr anscheinend große Probleme habt, auf Biegen oder Brechen am Leben zu erhalten. Ich kann ihn auch gerne in "Verantwortung" oder "Anteile" auswechseln. Ich hab grad versucht, ihn so zu definieren, dass er eben nicht diesen negativen Beigeschmack hat, aber das scheint mir missglückt zu sein. Das finde ich ein bisschen schade. Das ist genauso wie mit dem Begriff "Demut", der hat auch so einen negativen Touch, nur weil er kirchlich geprägt und vielleicht missbräuchlich verwendet ist. Demut und Schuld bringen die Dinge für mich total auf den Punkt. Dinge, die mich weiterbringen.
Demut heißt für mich: Ich wende mich den Dingen zu, die ich beeinflussen kann. Ich kümmer mich um meinen Kram. Ich überschätze mich nicht. Ich akzeptiere meine Grenzen.
Schuld heißt für mich: Ich stelle mich den Dingen, die ich selbst verzapft habe. Ich schiebe eben grade nicht ab, sondern ich traue mich ohne Panik oder ohne Ablenkmanöver und ganz ruhig hinzuschauen, wo meine Schwächen und Fehler sind und auch, wo ich vielleicht anderen geschadet habe. Aber das heißt doch nicht, dass ich dort Dinge als meine Schuld annehmen muss, die nicht meine Schuld sind!
Zitat
Schuld, allein das Wort macht mir Bauchweh, denn dies versuchten bei mir schon ganz andere, Religionsgemeinschaften, alkoholabhängige Expartner, meine Mutter, Exfreundinnen. Bei näherer Betrachtung kann ich keine Legitimation für den Begriff *Schuld* erkennen, denn ich habe immer die Wahl, ob nun als Betroffene oder als Beobachter, Angehöriger, Co-Abhängiger, die Verantwortung für mein Leben zu übernehmen. Schuld hat etwas Negatives, etwas Abwertendes, etwas, was mich immer und immer wieder in die Knie zwingt. Und diese Zeit ist für mich glücklicherweise endlich vorbei....
Ich respektiere das natürlich, wenn dieser Begriff in euch sowas auslöst.
Aber vielleicht könnt ihr auch respektieren, dass es nicht für alle Menschen dasselbe bedeutet.
Für mich ist Schuld ganz und gar nicht etwas von außen Zugeschobenes, sondern etwas, was ALLE MENSCHEN haben, weil wir eben Schwächen haben und Fehler machen. Und darin liegt auch wieder das Entlastende. Und jeder Mensch soll sich um seine eigenen Fehler kümmern, denke ich, darin liegt der Witz der Sache. Schuld suchen bei sich selbst, aber natürlich nur die Schuld, die auch wirklich meine eigene ist. Den Dreck im eigenen Garten aufräumen, nicht beim Nachbarn. Insofern ist es genau dasselbe wie Verantwortung, aber Verantwortung und Anteile gelten eben auch für positive Dinge.
Ich frage mich einfach, opersönlich kann damit mehr anfangen, von Schuld zu sprechen, als von "Anteilen", weil es mir aufrichtiger und ehrlicher erscheint: Ja, ich hab damals nicht klug gehandelt. Zwar aus guten Motiven heraus, aber es war falsch. Und obwohl ich es besser hätte wissen können. Insofern schuldhaft.
Seufz, aber es ist einfach so: Ist ein Begriff erstmal belastet, kann man sich noch so ne Mühe geben, sich zu erklären, dann hört einem keiner mehr so richtig zu.
Also, ich formuliere es nochmal ohne "Schuld", meine Anteile in dieser co-Geschichte, soweit ich es bis jetzt und auf die Schnelle sehen kann:
Ich gebe mir KEINE Verantwortung dafür, dass er überhaupt trinkt. Meine Erfahrung mit ihm: Egal was ich mache, seine Sucht führt ein Eigenleben, das ich nicht beeinflussen kann. Das habe ich eigentlich schon vor langer Zeit, fast von Anfang an, eingesehen. Ich hab nie geglaubt, dass er wegen mir trinkt.
Ich sehe meine Verantwortung aus heutiger Sicht darin, dass ich versuchte, ihn auf meine Weise zu retten, obwohl mir andere Menschen davon abgeraten haben, und zwar exakt mit der Begründung, die ich auch hier im Forum lese und die ich nun durch eigene Erfahrung bestätigt finde: Hilfe durch Nichthilfe.
Ich habe damals überheblich reagiert auf Menschen, die einfach schlauer waren als ich. War sozusagen beratungsresistent.
Wenn ich damals mehr auf andere gehört hätte, wär ich nicht so verwickelt worden in alles. Und ich habe damit eine ganze Reihe von Leuten, z.B. meine Eltern, mit reingezogen und habe auch versucht, sie mit-verantwortlich zu machen.
All das bekomme ich jetzt gespiegelt von seiner Anwältin, die grade dasselbe mit ihm versucht wie ich damals.
Auf der anderen Seite ist es so schwer, etwas zu leben, was man nicht selbst erfahren hat.
Man macht eben Fehler, die irgendwie dann auch wieder fast unvermeidbar sind, weil man einfach noch nicht so weit ist innerlich.
Grüße
Doro