Hi Julchen, treue Seele, danke für deine hilfreichen, mahnenden Fragen.
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allein schafft er es nicht
Genau der Spruch, den ich auch immer wieder höre.
Ich weiß ja, dass es Unsinn ist. Ich hab ihn ja trocken erlebt. Er hat eine Willensstärke wie ein Stier. Er kann unheimlich viel schaffen, wenn er NICHT trinkt. Er findet in jeder Lage immer wieder Leute, die etwas für ihn tun. Er kann also um Hilfe bitten, wenn er will, nicht nur mich, er findet immer jemanden.
Der Knackpunkt ist eigentlich, dass ich mich sofort schlecht fühle, wenn ich irgendwas in der Richtung von jemandem höre. Ich will von allen Seiten hören, dass ich nicht zu egoistisch bin, dass es richtig ist, was ich tue. Und das ist falsch, glaube ich. Es wird immer verschiedene Ansichten dazu geben und ich muss meinen Standpunkt haben, ohne jedesmal verunsichert zu sein.
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Hey, endlich ne einfache Frage. NICHTS!
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Willst du ihm helfen oder denkst du, du musst es tun?
Ich würd gerne helfen, wenn es so laufen würde wie unter normalen Menschen: begrenzt und ein bisschen Dankbarkeit erntend.
Z.B. die Aktion heute war echt ne Unverschämtheit und hat eigentlich den schönen Tag wirklich reichlich durcheinander gebracht. Mittagessen fiel aus, weil es zu spät war. Mein KLeinerer hatte keinen richtigen Mittagsschlaf, ich war auch total angestrengt und hab nicht geschafft, was ich heute schaffen wollte.
Nee, ich will ihm nicht mehr helfen. Aber ich mag mich anscheinend doch immer noch in der Rolle, ihm etwas Gutes zu tun.
Und dann kommt ja immer noch das Argument, dass ich ihm helfen muss, damit er auf eigenen Beinen steht und ich meine Ruhe hab.
Daran arbeite ich auch schon seit Jahren, dass er endlich auf eigenen Beinen steht. Leider tut er das nicht. Vielleicht auch, weil ihn immer wieder irgendjemanden auf den Schoß nimmt.
Heute hab ich so gedacht: Ich glaube, er will tatsächlich weiter trinken. Er will gar nicht aufhören. Er will trinken, bloß er will eben nebenbei trotzdem noch ein bürgerliches Leben. Das ist eigentlich eine banale Erkenntnis, aber ich hab eigentlich immer gedacht, dass er trinken MUSS, weil die Sucht das verlangt, dass er das eigentlich aber liebend gerne abstellen würde.
Aber er hat das eigentlich nie so gesagt, wenn ich ehrlich bin, dass er nie wieder trinken will. Ich hab das immer gesagt und er hat vielleicht zugestimmt. Aber oft genug hat er auch gesagt, dass er glaubt, dass er irgendwann wieder kontrolliert trinken kann.
Ich hab heute auch so gedacht: Wahrscheinlich trinkt er schon viel länger wieder als ich dachte. Er hats halt bloß noch ziemlich gut unter Kontrolle gehabt und sein Leben noch geregelt bekommen und das hat ihn wohl darin bestärkt, dass es doch geht mit dem kontrollierten Trinken.
Die Erkenntnis: Er will das so haben - Die fand ich irgendwie entlastend. Ich hab das mit dem Loslassen besser verstanden. Ich hab ihm tatsächlich die ganze Zeit meine Vorstellung von Trockenheit aufgedrückt, er hat sich selbst nie so dafür entschieden. Ich hab das gar nicht gemerkt.
Liebe Grüße
Doro