Beiträge von Doro

    Hallo Trauerkloss,

    mensch, das ist echt schlimm bei euch!

    Julchen hat Recht, das geht so nicht, das ist gefährlich!

    Frauenhaus ist erstmal ne gute Anlaufstelle.
    Die beraten auch erstmal, du musst da nicht gleich wohnen, aber dann weißt du wenigstens, wo du im Ernstfall hin kannst.
    Es gibt auch Frauennotruftelefonnummern. Ruf da an, am besten nicht erst, wenn es wieder eskaliert, sondern einfach mal so, um dich beraten zu lassen.

    Die Polizei wäre schon reingekommen im Ernstfall!

    Ob du dich langfristig trennst oder nicht, das kannst du immer noch entscheiden, aber erstmal musst du dich und die Kinder vor weiteren Gewaltsituationen retten und dir Beratung holen.

    Am Anfang, als du hier anfingst zu schreiben, dachte ich, es ist nicht so schlimm bei euch.
    Aber das, was du beschreibst, finde ich sehr schlimm.
    Das ist doch klar, dass man da Trennung vorschlägt.
    Stell dir vor, eine Freundin von dir würde dir sowas erzählen, dass sie sich mit den Kindern eingeschlossen hat und der Mann mit dem Messer vor der Tür stand? Da bekommt man als Zuhörer Angst und denkt: Bloß raus da!

    Es ist schon mal sehr viel wert, dass du hier schreibst.
    Geh noch einen Schritt weiter und ruf einen Frauennotruf oder ein Frauenhaus an und lass dich beraten.
    Ich hatte da ein Gespräch und die haben nicht gleich gesagt: Trennen Sie sich. Sondern haben einfach versucht die Situation mit mir zu besprechen und mir Hilfsmöglichkeiten anzubieten.

    Und mein Rat wäre:
    Wenn wieder sowas passiert: Ruf die Polizei. Die kommen schon rein!

    Liebe Grüße
    Doro

    So, jetzt habe ich mal den ganzen Thread gelesen und habe einen Riesenknoten im Hirn. :lol:

    Ich will es noch einmal auf meine Situation beziehen, um für mich Klarheit zu bekommen - mir wirds immer beim Schreiben erst klar:

    -Wie du schreibst, Gartenarbeit, ist mein Problem eben auch, dass mein Mann immer die Opferrolle haben will, krankheitstypisch, denke ich. Und deshalb ist es für meine Loslösung von ihm und aus seiner Manipulation einfach wichtig, dass ich mir immer wieder sage und es auch immer wieder von anderen höre: SEIN VERHALTEN IST FALSCH UND KRANK.
    Denn er versucht es mir ja immer wieder einzureden, dass ich Schuld bin daran, dass es ihm schlecht geht. So herum läufts bei uns nämlich. Ich mache ihm keine Vorwürfe! Er macht mir Vorwürfe!
    Okay, er ist krank. Aber verdammt noch mal, er ist trotzdem verantworltich für sein Handeln, oder nicht?

    Nun zu meinen Anteilen, meiner Schuld.
    1.) Zunächst einmal ist es natürlich schlecht, wenn ich mich immer wieder von ihm in Gespräche verwickeln lasse. Daran arbeite ich gerade mit Hilfe dieses Forums.

    2.) ch habe ihm, als er trocken war, mit all meinen Kräften zur Seite gestanden. Ich habe gedacht, ich unterstütze nicht seine Sucht, ich unterstütze seine Rückkehr ins normale Leben. Ich bin dabei zu weit gegangen, denn ich habe immer noch weiter geholfen, als ich begann, andere wichtige Dinge zu vernachlässigen, insbesondere meine Kinder. Und das ist sehr schmerzhaft für mich, das zuzugestehen. Ich habe mich nicht nur mir selbst gegenüber, auch anderen gegenüber schuldig gemacht. Habe nach seiner Pfeife getanzt auf Kosten anderer: meiner Kinder, Arbeitskollegen (hab im Job angefangen zu schlampen), u.a.
    Ich war in diesem Punkt einfach schwach, da hätte ich nicht nachgeben dürfen. Ich hätte mir früher Hilfe holen müssen. Ich hätte mich schlau machen können, hätte mich nicht total auf sein Abschottungssystem einlassen müssen.
    Als er wieder trank, wusste ich recht schnell, was zu tun ist. Weil ich das schon kannte.
    Mit seinem manipulativen Verhalten während seiner Trockenheit bin ich nicht klar gekommen, habe ich versagt.

    3.) Warum habe ich so lange nicht richtig gehandelt?
    Ich glaube nicht, dass ich mir in der Opferrolle gefallen habe!!!
    Es war nicht schön, es hat mir nichts gegeben, das Opfer zu sein.
    Ich habe auch von niemandem Beifall dafür bekommen, denn ich habe es kaum jemandem erzählt, ich habe mehr oder weniger heimlich alles Mögliche für ihn gemacht. Es war mir unangenehm, wenn mich jemand darauf ansprach, dass ich Dinge tue, die er tun müsste.
    Ich habe mich geschämt.

    Also warum?
    Bis zu einem gewissen Punkt war ich tatsächlich überzeugt davon, dass ich ihm helfen muss, weil er es objektiv alleine nicht alles schaffen kann. Und ich dachte, dass er mir das irgendwann zurück gibt, dass es nur für eine bestimmte Zeit ist.

    Sicher habe ich auch einen Stolz auf meine eigenen Leistungen entwickelt. Es hat mir teilweise auch Spaß gemacht. Manches habe ich widerwillig getan, anderes ging mir leicht von der Hand und ich hab mir darin gefallen, wie leistungsfähig ich bin.

    Ein ganz großer Batzen hat was mit Feigheit, mit mangelndem Rückgrat ihm gegenüber zu tun. Und warum das so ist, weiß ich nicht genau.
    Ich habe seinem Druck nicht standgehalten, den er aufgebaut hat.
    Und hier habe ich geglaubt, in den Büchern, die ich zu Misshandlung in Partnerschaften gelesen habe, eine Antwort zu finden. Es sind einfach manipulative Beziehungen. Der Täter (es sind nun mal die Täter dieser Misshandlung) umwirbt das Opfer, fängt an, eine abgeschottete Beziehung aufzubauen, in der seine Manipulation wirken kann. Und fängt dann an, seine tyrannische Familienherrschaft aufzubauen, alle verbal runterzumachen, alle für sich einzuspannen. Sei es, um einfach Macht zu haben, sei es, um seine Sucht leben zu können, sei es aus sadistischen Motiven. Keine Ahnung.
    Ist das Verfolgungswahn, den ich da habe?
    Diese Modell der Missbrauchsbeziehung gibt mir die Kraft zu sagen: Ich muss mich lösen, ich muss mich davon erholen, ich muss mich und die Kinder in Sicherheit bringen.
    Und ich muss tatsächlich auch nach der Beziehung an dem Thema dranbleiben, damit mir sowas nicht wieder passiert.

    Vielleicht bin ich keine typische Co-Abhängige?

    So, das war jetzt mal Inventur von meiner Seite.

    Doro

    Hallo Ette,

    habe diesen Thread auch jetzt erst gesehen und er wühlt mich ziemlich auf.
    Ich finde, die Sache ist total kompliziert, auch moralisch kompliziert.

    Ich stimme darin überein, dass man als Partnerin oder Ex-Partnerin bei sich selbst bleiben soll, das verändern soll, was man verändern kann. Wie im Gelassenheitsspruch.

    Ich sehe auch, dass mein Mann in Trennung von der Sucht übermann ist, dass er insofern nicht er selbst ist und was er tut eine Folge der Sucht. Insofern sollte man mit Schuldzuweisungen vorsichtig sein.

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich wirklich mitschuldig gemacht habe an seiner Sucht oder die Länge seiner Erkrankung oder das fehlende Aufwachen.
    Ich denke, seine Sucht führt ein Eigenleben. Ich hab ihn durch Trennung nicht wachrütteln können, ich habe im positiven wie im negativen wenig Einfluss auf seine Sucht. Wieso sollte ich mitverantwortlich für seine Krankheit sein?

    Ich finde es wichtig, dass Frauen oder Männer, die von ihrem alkoholkranken Partner manipuliert und misshandelt werden, ganz viel Rückenstärkung beommen, damit sie erstmal wieder wissen, was richtig und was falsch ist.
    Es ist falsch, wenn jemand (aus welchen Krankheitsgründen auch immer) verbal oder körperlich oder seelisch misshandelt wird. Aber in der Situation fühlt man sich trotzdem oft nicht als Opfer. Und da ist es wichtig, dass man erstmal den Schritt macht zu sagen: Ja, ich bin Opfer dieser Gewalttat.
    Dass der Täter zugleich auch Opfer seiner Sucht ist, ist richtig.

    Die meisten Gewalttäter (wenn sie nicht gerade nur aus Gier agieren) haben irgendein psychisches Problem oder eine Störung, sind als Kinder misshandelt worden oder sonstwas. Sind sie deshalb überhaupt nicht mehr schuld?

    Wie kann man denn mit einem nassen Alkoholkranken zusammenleben, OHNE Co-Aktivitäten mit der Zeit anzunehmen?

    Wie gesagt:
    Ich habe mich ja getrennt, ich verbringe auch keine Energie darauf, auf meinen Mann zu schimpfen, denke ich jedenfalls.
    Aber ich muss mir bewusst werden, was mir angetan wurde, um innerlich wieder gesund zu werden.
    Ich muss gleichzeitig auch rausfinden, was meine Anteile sind, wo meine Schuld auch ist.

    Es ist definitiv falsch, in einer Suchtbeziehung zu verbleiben, zu jammern, und nicht das zu tun, was man selbst tun kann. Also da stimme ich überein.

    Aber ich finde es gefährlich, wenn man so tut, als sei alles dasselbe.
    Aber mir kommt das alles doch irgendwie ein bisschen verrückt vor.
    Auch wenn die Theorie das so sagt.

    Muss jetzt weg, vielleicht heute Abend mehr, ist echt ein interessantes Thema
    Doro

    Hallo butterweich,

    erstmal solidarische Grüße.

    Anfang Januar kam bei uns auch die Polizei, allerdings ist er mir da noch nicht ans Hemd gegangen, sondern hat nur Dinge rumgeschmissen und gedroht, mir hats aber auch gereicht.
    Bloß dass ich ihn dann doch sehr schnell zurückgelassen habe, aber bei dir wars ja wirklich heftig!

    Dass du verstört bist, ist doch erstmal klar.

    Gut, dass du dir Hilfe holst!
    Gut, dass du entschlossen bist.

    Das mit der nachlassenden Wut kenne ich leider auch nur zu gut. Auch das mit den Schuldgefühlen.
    Wenn man es bei einer anderen liest, klingt es wie ein Treppenwitz.
    Du wurdest körperlich misshandelt und du bist diejenige, die jetzt noch Schuldgefühle hat. Es ist absurd!

    Lass dich nicht kirre machen, du hast das einzig Richtige getan und es ist das einzig Richtige, jetzt die räumliche Trennung durchzuhalten und zu manifestieren.

    Ganz liebe Grüße
    Doro

    Hallo verflixt,
    nur ein Gedanke von mir dazu:

    So leidenschaftlich wie mit 15 habe ich sowieso nie wieder gefühlt, auch in anderen Dingen. Bei mir jedenfalls war damals alles extremer, was Gefühle anging, alles irgendwie dramatischer.
    Nur während der Schwangerschaft hab ich mich nochmal ähnlich labil gefühlt, im Guten wie im Schlechten.

    Man kann nicht erwarten, dass man sich nochmal wie mit 15 "verknallt".

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Trauerkloss,

    mein Mann war nach seinem Krankenhausaufenthalt vor etwa 5 Jahren trocken, ohne Therapie oder so. Ich nehme an, dass sie ihn im Krankenhaus ausgenüchtert haben, aber damals waren wir nicht zusammen, so genau weiß ich es nicht.

    Mit "Spitze des Eisbergs" meine ich, dass ich eigentlich bis Mitte des letzten Jahres dachte, er trinkt wirklich gar nicht und auch danach gab es nur so einige Vorfälle, wo ich es gemerkt habe.
    Aber jetzt fallen mir im Rückblick doch eine ganze Reihe von Gelegenheiten ein, wo er wahrscheinlich getrunken hat. Er hat mich seit ca. eineinhalb Jahren immer ermutigt, alleine abends mal wegzugehen, was ich gerne genutzt habe, aber vorher wollte er das eher nicht und ich vermute, das hat er zum Trinken genutzt.

    Allerdings eben relativ kontrolliert dann wirklich z.B. nur einen Abend in der Woche. Für einen normalen Menschen kein Problem, aber er war ja nunmal schon mal ein heftiger Trinker und da war das natürlich schon zu viel, jedenfalls hat er es vor mir verheimlicht ofenbar.

    Keine Ahnung, wo er das versteckt hat. Vermutlich in irgendwelchen Kisten im Keller oder so.

    Ich wollte damit eigentlich nur sagen:
    Er hat das schon irgendwie ganz schlau angestellt, dass ich doch relativ wenig bemerkt habe. Lange Zeit ging das ganz gut.

    Liebe Grüße
    Doro

    Liebe Andrea,

    du liest es, alle wollen dir Mut machen. Du bist gewiss nicht allein auf der Welt. Es ist gut, dass du dich öffnest und erst mal den Schmerz zulässt. Das andere wird sich finden, ganz bestimmt.

    Im Januar war ich auch in Suizidstimmung. Ob ich wirklich zu sowas in der Lage wäre, weiß ich nicht, aber der Druck war enorm, dass ich einfach wollte, dass der Schmerz aufhört.
    Und dann fing ich an, daran zu glauben, dass ich da irgendwie rauskomme und ich fing an, mir vorzustellen, was ich allein mit den Kindern alles machen könnte, was mit ihm nicht möglich war. Ich hatte eine Vision davon, wo ich hin will, dass ich ohne ihn wirklich besser dastehe.
    Noch hab ich ja nicht alles ausgestanden, es sind noch viele Probleme da, die geregelt werden müssen, aber mein Alltag ohne ihn ist einfach so viel heller, unkomplizierter, freier, glücklicher.
    (Nur zur Erklärung: Auch während seiner trockenen Phase hatte er irgendwie sehr kranke Verhaltensweisen, die mich sehr eingeengt haben.)

    Ich hatte allerdings nach der Eskalation im Januar auch regelmäßig Telefonkontakt mit einigen sehr guten Freundinnen und mit Verwandten - NACH seinem Rückfall, vorher habe ich alle Eheprobleme hübsch unter uns behalten, weil er es so verlangte.
    Aber dann war es eine große Befreiung: Ich habe mich sehr stark geöffnet, einfach aus der Not heraus. Ich hatte das Gefühl, nur so kann ichs schaffen, wenn ich alle Scham einfach links liegen lasse, denn wofür soll ich mich schämen? Und es kam soviel Mitgefühl von so vielen Leuten, auch relativ entfernten Verwandten, alle wollten mich unterstützen irgendwie. Ich habe z.B. lange Briefe geschrieben und Freunde von uns informiert über die Situation, Freunde, die ich schon jahrelang nicht mehr gesprochen hatte, was natürlich auch vor allem an ihm lag. Jedenfalls waren die auch überhaupt nicht böse und haben gleich angerufen und sich erkundigt, wie es mir geht.
    Vielleicht wirst du auch solche Erfahrungen machen, wenn du dich öffnest. Dass es befreiend ist, dass man dir helfen wird.
    Nicht alles abnehmen, das nicht. Du musst es alleine schaffen, aber du kannst dir Unterstützung holen.

    Das Leben ist doch so viel reicher als nur er und sein Problem.

    Und was Einsamkeit angeht:
    Du merkst es ja selbst, man kann auch schrecklich einsam sein an der Seite eines Partners.
    Wenn du allein lebst, hast du Zeit und die Freiheit, dich zu öffnen für alle möglichen Menschen. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Klar gibt es Abende, wo man sich vielleicht einsam fühlt, wenn man alleine lebt. Aber ich habe es damals, als ich schon mal getrennt war für einige Jahre, so erlebt, dass ich unheimlich intensive Kontakte aufgebaut habe, was während der Beziehung mit ihm gar nicht möglich war, weil er mich voll in Beschlag genommen hat.
    Und im Übrigen: Auch mit mir alleine habe ich damals gelernt, sehr sehr glücklich zu sein, einfach mit mir und meinen Gedanken. Das ist noch mal eine eigene Dimension, aber dafür braucht man Ruhe und Frieden in seiner Wohnung und keinen täglichen Kleinkrieg.

    Ich kann so gut nachempfinden, wie du dich fühlst, weil es bei mir noch nicht lange her ist. Deshalb schreibe ich wohl auch so viel, weil es bei mir irgendwas anrührt .

    Schreib du jedenfalls weiter, ich werde es lesen.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Julchen,
    Grüße von ner anderen Rabenmutter.

    Also, die Frage hab ich mir auch schon regelmäßig gestellt: Wie sieht's aus mit der Aufopferung für die Kinder.
    Man muss natürlich seine Bedürfnisse oft unberücksichtigt lassen mit Kindern, denke ich, aber man muss auch selbst noch zu seinem Recht kommen, das ist auch klar, sonst powert man sich ja nur noch aus.

    Eine tägliche Herausforderung, wie ich finde, da die gesunde Balance zu finden.
    Ich handel jedenfalls mit meinem Dreijährigen schon täglich aus, wenn ich ein Bedürfnis habe, was mit seinen kollidiert. Manchmal gebe ich nach, manches setze ich durch. Dass er keinen Mittagsschlaf mehr macht, hab ich geschluckt, obwohl ich die Ruhepause mittags gerne hätte. DAss abends ab einer bestimmten Zeit einfach Schicht ist, akzeptiert er inzwischen gut.
    Aber es gibt so viele Situationen, wo es nicht so einfach zu lösen ist.

    Also, ich denke, es ist schwierig genug, ein schlechtes Gewissen sollte man sich deshalb nicht auch noch machen.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Zahnina

    jetzt weine ich nicht mehr so viel, weil wir jetzt getrennt sind.

    Die ersten kleineren Rückfälle waren zeitlich beschränkt und da hab ich ihm noch relativ schnell wieder gerne geglaubt, dass er nicht so wahnsinnig sein wird, jetzt wieder alles, was wir aufgebaut haben, kaputt zu machen.

    Leider war er dann wirklich so wahnsinnig...

    Also, als er wieder richtig anfing, das war für mich der Horror.
    Er kam am Heiligabend (!) betrunken an und das war für mich echt schlimm. Wir haben ja auch zwei kleine Kinder und ich hab versucht, denen trotzdem noch einen schönen Weihnachtsabend zu machen und nebenbei flossen die Tränen. Und er machte einfach weiter, TAg für Tag, wie zu alten Zeiten, mit allem Drum und Dran: Flaschen verstecken usw.

    Aber die ganze Sache ist dann sehr schnell eskaliert, er wurde aggressiv, ich rief die Polizei, seitdem hasst er mich und ich hab mich getrennt.
    Weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn er nicht so aggressiv gewesen wäre, dann hätte ich wohl noch ne Weile mitgespielt und nur gelitten.
    So wars eine relativ kurze Schreckensphase und seit wir getrennt wohnen, erhole ich mich langsam und bin eigentlich jetzt ganz vergnügt.

    Es ist schon bitter, das stimmt.
    Aber ich bin nicht dran zerbrochen und ich habs nicht nur überlebt, ich glaube, ich wachse daran.

    Bloß zurück zu ihm will ich nie wieder, jetzt reichts.

    Liebe Grüße
    Doro

    Ach, jetzt haben sich unsere Nachrichten überschnitten.

    Das mit deinem Alter, das habe ich auch gleich gedacht.
    Ich war bei der ersten Trennung von ihm 29 und für mich war das ein ganz entscheidender Knackpunkt, dass ich dachte: Ich will Familie gründen, ein Leben aufbauen, mit ihm geht das nicht.
    Jetzt oder nie.
    Aber er war damals schon so drauf, dass der Alkohol bei him dazu geführt hat, dass er gar nicht gearbeitet hat und überhaupt war das kein Leben zu zweit mehr. Das ist bei euch ja anders.

    Dass ich nun mit demselben Mann doch eine Familie gegründet habe, liegt daran, dass er trocken wurde, einige Jahre nach der Trennung. Und da war ich noch single und hab mich halt wieder auf ihn eingelassen.
    Und nun ist er nach einigen Jahren rückfällig...
    Aber das ist ne andere Geschichte.

    Wenn das einzige, was dich bei ihm hält, das Pflichtbewusstsein ist...
    Das geht nicht.
    Überleg doch mal, du kannst doch nicht dein Leben in die Tonne werfen, damit er nicht abrutscht.
    Wenn du dich trennst, hat er ja die Chance, sich noch zu ändern und ihr könnt es doch noch zusammen schaffen.

    Alles Gute
    Doro

    Ach ja, und noch was.

    Die SAche mit dem "er wird sich gehen lassen", diese Gedanken kenne ich auch von meiner ersten Trennung damals. (vom gleichen Mann wie jetzt :oops: )

    Also, irgendwie stimmte es, andererseits auch wieder nicht.
    Er ließ sich ja vorher schon gehen.
    Aber die Kurve zur Trockenheit hat er dann plötzlich völlig ohne mich bekommen, allerdings erst einige Jahre nach der Trennung. Ich dachte, ich versteh die WElt nicht mehr, dass alles schließlich ohne mich ging, nur weil er endlich eingesehen hatte, dass es so nicht mehr weitergeht.
    Also, ich denke, jeder normale Erwachsene kann schon für sich sorgen, wenn er will. Oder sich eben irgendwie Hilfe organisieren. Jedenfalls ist das meine ERfahrung mit meinem Mann. Ich habe immer das Gefühl, ihm helfen zu müssen, aber wenn es drauf ankommt, packt er das auch alleine oder organisiert sich jemanden, der ihm hilft.
    Oder er lässt es eben bleiben, aber dann, weil er es irgendwie nicht richtig will, weil er das Leben im Suff nicht aufgeben will und alles andere in Kauf nimmt.

    Wie kommt man von ihm los?

    Bei mir liefs so:
    Wenn ich Angst um mein eigenes Leben bekam, Angst, dass ich zu viel opfern muss für ihn. Wenn also der Preis mir zu hoch erschien.
    Und dann entstand der Druck, dass ich was ändern muss, dass ich mich lösen MUSS, auch wenns schwer fällt.

    Meine Strategie war und ist:
    viel schreiben, sich bewusstwerden, sich selbst gut zureden.

    Alles Gute
    Doro

    Hallo Zahnina,

    schön, dass du jetzt auch hier schreibst.

    Natürlich fällt es schwer.
    Aber wie lange soll man warten?
    Ich lese bei dir raus, dass du ziemlich leidest, wenn du schreibst, du hast ihn angefleht, klingt das bei mir so, dass du wirklich drunter leidest.
    Also sitzt du sozusagen im Wartezimmer und wartest, dass er sich endlich ändert. Und das Problem ist, das kann wirklich ewig dauern.

    Ich wünsch dir erstmal viel Kraft und guten Mut, egal, wie du dich entscheidest und was du als nächstes tust.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Julchen,

    diese Art, nur noch ans Geld zu denken....

    Mein Mann fing jetzt wieder an, er will endlich die Kinder sehen und zwar gleich zweimal im Monat ein Wochenende.
    Um gleich zu betonen, dass er den Unterhalt streichen würde, wenn ich nicht endlich kooperieren würde.
    Will er nun die Kinder sehen oder den Unterhalt einbehalten...?

    :roll:

    Doro

    Hallo Meikel,

    mein Mann hatte jetzt vor drei Monaten seinen heftigen Rückfall.

    Aber ich muss wirklich sagen, dass ich in den Jahren zuvor, als er trocken war, ich ihm doch ziemlich vertraut habe, es sei denn, es gab konkrete Anlässe, und die gabs bei ihm leider, denn er hat doch so nach und nach wieder angefangen, fahrlässig mit dem Alkohol umzughen. (Beim Sektempfang mal nippen, alkoholfreies Bier und dann schlidderte er wieder rein.)

    Oder ich war skeptisch, wenn er zu so typischen Saufgelegenheiten gegangen ist, Grünkohltour oder sowas, da endete allerdings mein Vertrauen und ich glaube auch, dass er da bestimmt auch was getrunken hat.

    Er ist aber eben auch nie den konsequenten Weg gegangen, hat sich immer das berühmte Hintertürchen offen gelassen.
    Und nun haben wir den Salat.

    Ich hätte mir gewünscht, dass er seinen Saufdruck mit mir bespricht, aber das hat er nie gemacht. Er muss ja irgendwie sowas in der Richtung verspürt haben. Er hat es immer verheimlicht und das finde ich schade.
    Jetzt rückblickend kann ich mir sein angespanntes Verhalten im letzten Jahr erklären, er hat wohl innerlich schon die ganze Zeit gegen seine Sucht gekämpft, so stell ich mir das vor. Aber ich habs nicht so bemerkt, hab nur gesehen, dass er sich teilweise komisch verhält, aber da gabs auch andere Erklärungen für und ich hab ihm echt sehr vertraut, dass er seine mühsam erkämpfte Trockenheit nicht so einfach aufs Spiel setzen wird.
    Und jetzt gabs kein Halten mehr und er steckt mitten drin wie eh und je.

    Dass ihr überhaupt so offen darüber redet und die Sache offensiv angeht, finde ich echt toll.

    Ich drücke euch die Daumen,
    Doro

    Hallo Julchen und Dagmar,

    schön, dass es euch gut geht. Das klingt irgendwie sehr hoffnungsvoll.

    Mir geht es zurzeit so, dass ich mich wirklich darüber wundere, dass ich ihn echt nicht vermisse.
    Ich bin zwar traurig und habe tausend Erinnerungen an die gemeinsame Zeit. Aber ich merke: Ich brauche ihn bis jetzt echt überhaupt für gar nichts. Er fehlt mir nicht.

    Das einzige, was ich ein wenig vermisse, ist sozusagen dieses Familie-Sein nach außen hin. Es sieht halt irgendwie besser aus: verheiratet, Mann an der Seite. Ich war da schon ein bisschen stolz drauf auf meine Familie. Aber das ist auch alles.

    Und dann habe ich ein schlechtes Gewissen, dass er mir so wenig fehlt.
    Als wäre die ganze Beziehung überhaupt eine Lüge gewesen.
    Er hat manchmal zu mir im Scherz gesagt damals: Wenn ich nicht mehr wär, du würdest ein paar Wochen traurig sein und dann würde es dir nichts mehr ausmachen. Und ich hab natürlich das zurückgewiesen: Oh nein, ohne dich wäre es überhaupt nicht mehr schön.

    Und jetzt? Ist total schön.

    Au weia,
    gehts euch auch so?

    Liebe Grüße
    Doro

    Fühle mich ja geehrt, dass meine Frage hier Threadtitel geworden ist. :lol:

    Meine Lebensphilosphie ist eigentlich auch so, dass ich mich dem WIR verpflichtet fühle.
    Bin christlich erzogen und da gings immer so nach dem Motto: Denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigne Herz zurück.

    Und es stimmt normalerweise auch.
    Es lohnt sich, für andere etwas zu tun, in Netzwerken zu leben, sich zu kümmern.

    Normalerweise!

    Doch in der Beziehung zu meinem Mann verkümmerte mein Engagement für andere immer mehr, alles lief nur noch darauf hinaus, IHN aus seinem Schlamassel zu befreien, ihn zu retten, ihn glücklich zu machen.
    Für andere fiel da nichts mehr ab.

    Alles lief aus der Balance.
    Maßlosigkeit.
    Nix mehr mit Netzwerk, nur noch ein Pol, um den sich alles dreht.

    Und meine Frage, warum ich mich dem eigenen Schicksal nicht genug verpflichtet fühle, fiel mir ein im Zusammenhang mit Situationen, in denen ich eben mich selbst aufgeben muss für andere oder einen anderen.
    Wo ich ein schlechtes Gewissen habe, dass ich IHN verlasse, weil ich mit ihm nicht glücklich werde, und mir Sorgen mache, dass dies für sein Schicksal negativ ist. Und ich denke, ich muss lernen, es in Kauf zu nehmen, dass mein Handeln FÜR MICH auch negative Auswirkungen auf andere haben könnte. Oder zumindest dass andere das so empfinden und mir Vorwürfe machen.
    Ich muss aufhören, aus Pflichtgefühl Dinge zu tun, die mir widerstreben. Oder sie mir aus Pflichtgefühl so lange zurechtzubiegen, bis ich mir einbilde, dass ich es auch will.
    (Dass ich jetzt nicht normale tägliche Pflichten wie Arbeiten usw. meine, ist klar.)

    In Gesprächen mit meinem Mann (na ja, das Wort "Gespräch" passt nicht wirklich) oder auch durch mein Handeln versuche ich immer weiter, die Gute zu sein, fair zu sein, ihm verständlich zu machen, dass ich im Recht bin.
    Aber vielleicht ist das schon zu viel.

    Es geht irgendwie um Balance.

    Mein Schicksal, mein Weg, ist meine vornehmlichste Aufgabe.
    Und meinen Weg gehe ich gemeinsam mit anderen. Und da gehören Rücksichtnahme, Wir-Gefühl, Gemeinsamkeit, alles mit dazu.
    Und auch mal zurückstecken oder was opfern.

    Aber bei ihm sollte ich mich selbst opfern mit Haut und Haaren und meine Kinder dazu.

    Doro

    Hallo Gartenarbeit,

    ich fand deinen Satz gut: Dann muss ich eben damit leben, dass ich in seinen Augen schuld bin.

    Eben, wieso ist es überhaupt unser Problem, ob er uns für schuldig hält oder nicht? Da fängts doch schon an!
    Aber ich bin auch so, ich möchte, dass er gut über mich denkt.
    Absurd eigentlich. Wo doch klar ist, dass er in seinem jetzigen Zustand sowieso niemals gut über mich denken wird, egal was ich mache.
    Und außerdem: Soll er doch schlecht denken!
    Aber es ist mir nicht egal, das ist aber ein Fehler.

    Und dann noch die Sache mit dem Verpflichtet-Fühlen.
    Ich hab gemerkt, dass schon der Gedankenansatz irgendwie verkehrt ist, dass man es überhaupt zu seinem Entscheidungskriterium macht, jemanden nicht zu verlassen, weil er vielleicht deshalb sich süchtig verhalten könnte oder weil es ungerecht aussehen könnte, wenn er gerade "was tut". Also, natürlich haben wir eh keinen EInfluss, weder positiv noch negativ. Aber man stelle sich vor, es wäre so. Wäre es nicht trotzdem berechtigt, dass man seinem eigenen Wunsch trotzdem folgt?
    Ich meine, andere verlassen ihre Partner/in mehr oder weniger einfach so, weil es einfach nicht mehr passt, weil sie eine/n anderen gefunden haben, mit dem es aufregender oder schöner ist, weil es langweilig geworden ist.
    (Also, vielleicht unterstelle ich da jetzt Leuten Böses, aber zumindest hört man es ja immer wieder so.)

    Und wir fühlen uns ewig verpflichtet.

    Warum nur fühle ich mich meinem eigenen Glück so wenig verpflichtet?

    Liebe Grüße
    Doro