So, jetzt habe ich mal den ganzen Thread gelesen und habe einen Riesenknoten im Hirn. 
Ich will es noch einmal auf meine Situation beziehen, um für mich Klarheit zu bekommen - mir wirds immer beim Schreiben erst klar:
-Wie du schreibst, Gartenarbeit, ist mein Problem eben auch, dass mein Mann immer die Opferrolle haben will, krankheitstypisch, denke ich. Und deshalb ist es für meine Loslösung von ihm und aus seiner Manipulation einfach wichtig, dass ich mir immer wieder sage und es auch immer wieder von anderen höre: SEIN VERHALTEN IST FALSCH UND KRANK.
Denn er versucht es mir ja immer wieder einzureden, dass ich Schuld bin daran, dass es ihm schlecht geht. So herum läufts bei uns nämlich. Ich mache ihm keine Vorwürfe! Er macht mir Vorwürfe!
Okay, er ist krank. Aber verdammt noch mal, er ist trotzdem verantworltich für sein Handeln, oder nicht?
Nun zu meinen Anteilen, meiner Schuld.
1.) Zunächst einmal ist es natürlich schlecht, wenn ich mich immer wieder von ihm in Gespräche verwickeln lasse. Daran arbeite ich gerade mit Hilfe dieses Forums.
2.) ch habe ihm, als er trocken war, mit all meinen Kräften zur Seite gestanden. Ich habe gedacht, ich unterstütze nicht seine Sucht, ich unterstütze seine Rückkehr ins normale Leben. Ich bin dabei zu weit gegangen, denn ich habe immer noch weiter geholfen, als ich begann, andere wichtige Dinge zu vernachlässigen, insbesondere meine Kinder. Und das ist sehr schmerzhaft für mich, das zuzugestehen. Ich habe mich nicht nur mir selbst gegenüber, auch anderen gegenüber schuldig gemacht. Habe nach seiner Pfeife getanzt auf Kosten anderer: meiner Kinder, Arbeitskollegen (hab im Job angefangen zu schlampen), u.a.
Ich war in diesem Punkt einfach schwach, da hätte ich nicht nachgeben dürfen. Ich hätte mir früher Hilfe holen müssen. Ich hätte mich schlau machen können, hätte mich nicht total auf sein Abschottungssystem einlassen müssen.
Als er wieder trank, wusste ich recht schnell, was zu tun ist. Weil ich das schon kannte.
Mit seinem manipulativen Verhalten während seiner Trockenheit bin ich nicht klar gekommen, habe ich versagt.
3.) Warum habe ich so lange nicht richtig gehandelt?
Ich glaube nicht, dass ich mir in der Opferrolle gefallen habe!!!
Es war nicht schön, es hat mir nichts gegeben, das Opfer zu sein.
Ich habe auch von niemandem Beifall dafür bekommen, denn ich habe es kaum jemandem erzählt, ich habe mehr oder weniger heimlich alles Mögliche für ihn gemacht. Es war mir unangenehm, wenn mich jemand darauf ansprach, dass ich Dinge tue, die er tun müsste.
Ich habe mich geschämt.
Also warum?
Bis zu einem gewissen Punkt war ich tatsächlich überzeugt davon, dass ich ihm helfen muss, weil er es objektiv alleine nicht alles schaffen kann. Und ich dachte, dass er mir das irgendwann zurück gibt, dass es nur für eine bestimmte Zeit ist.
Sicher habe ich auch einen Stolz auf meine eigenen Leistungen entwickelt. Es hat mir teilweise auch Spaß gemacht. Manches habe ich widerwillig getan, anderes ging mir leicht von der Hand und ich hab mir darin gefallen, wie leistungsfähig ich bin.
Ein ganz großer Batzen hat was mit Feigheit, mit mangelndem Rückgrat ihm gegenüber zu tun. Und warum das so ist, weiß ich nicht genau.
Ich habe seinem Druck nicht standgehalten, den er aufgebaut hat.
Und hier habe ich geglaubt, in den Büchern, die ich zu Misshandlung in Partnerschaften gelesen habe, eine Antwort zu finden. Es sind einfach manipulative Beziehungen. Der Täter (es sind nun mal die Täter dieser Misshandlung) umwirbt das Opfer, fängt an, eine abgeschottete Beziehung aufzubauen, in der seine Manipulation wirken kann. Und fängt dann an, seine tyrannische Familienherrschaft aufzubauen, alle verbal runterzumachen, alle für sich einzuspannen. Sei es, um einfach Macht zu haben, sei es, um seine Sucht leben zu können, sei es aus sadistischen Motiven. Keine Ahnung.
Ist das Verfolgungswahn, den ich da habe?
Diese Modell der Missbrauchsbeziehung gibt mir die Kraft zu sagen: Ich muss mich lösen, ich muss mich davon erholen, ich muss mich und die Kinder in Sicherheit bringen.
Und ich muss tatsächlich auch nach der Beziehung an dem Thema dranbleiben, damit mir sowas nicht wieder passiert.
Vielleicht bin ich keine typische Co-Abhängige?
So, das war jetzt mal Inventur von meiner Seite.
Doro