Beiträge von Doro

    Tut mir leid, wenn ich es zu sehr runtergespielt habe. Das wollte ich nicht, hab ja geschrieben, dass ich im Grunde keine Ahnung habe. Kenne nur meine Verstrickungen mit meinem Partner und all der Kram, der da dranhängt.
    Ich kann verstehen, dass es für dich enorm schwer ist und du in gewisser Weise noch weniger Abstand hast.

    Aber was solltest du tun können? Das frag ich mich wirklich.

    Ich wünsche dir jedenfalls von Herzen das Beste, und deinem Opa natürlich auch.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Erika,

    "Schokolette", das klingt echt gut. :lol:

    Erstmal willkommen.

    Ich hab mich von meinem Mann nach einem schlimmen Rückfall getrennt.
    Und ich vermisse ihn in dem Sinne auch nicht, aber nun ist er wirklich auch nicht im vermissenswerten Zustand.

    Aber was du erzählst, erinnert mich an Folgendes:
    Wenn ich an meine ganze Beziehung mit ihm zurückdenke, war es eigentlich immer so, ob nass oder trocken, dass ich irgendwie immer enttäuscht war, wenn wir uns eine Weile nicht gesehen hatten und uns dann wiedergesehen haben. Wenn er weg war, haben wir unheimlich oft telefoniert und dann habe ich ihn auch vermisste, d.h. er hat ja auch die Erinnerung an ihn ständig wach gehalten. Aber wenn wir uns dann wiedergesehen haben, wars eigentlich immer irgendwie zuerst komisch. Jedenfalls erinnere ich mich an viele Begegnungen, wo ich dann erstmal enttäuscht war und es erstmal nicht schön war, ihn wiederzusehen.
    Komisch, oder?
    So, als ob man die ganze Zeit unpassende Schuhe trägt und es immer erst merkt, wenn man ne Zeitlang barfuß läuft und es dann weh tut, wenn man sie wieder anzieht und man sich dann wieder dran gewöhnt?
    Hab ich vielleicht durch den Abstand überhaupt erst die Möglichkeit bekommen, ihn so zu sehen, wie er wirklich ist und nicht so, wie ich glaubte, wie er ist?
    Ich weiß nicht.

    Ich weiß auch nicht, ob das mit deinem Fall wirklich vergleichbar ist.

    Und während ich das schreibe, bekomme ich schon wieder ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber, dass ich so gemeine Sachen schreibe.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Rheintochter!

    Ich weiß nicht, wie man sich fühlt, wenn es den eigenen Opa betrifft.
    Ich stelle mir so vor, dass es vielleicht etwas leichter ist als bei dem Partner, Abstand zu seinem Alkoholproblem zu bekommen?
    Du wohnst mit ihm, deshalb ist es dir natürlich nahe. Aber wenn es wirklich zu belastend würde, könntest du dich dann lösen, d.h. ausziehen? Oder hättest du damit große innere oder praktische Probleme?

    Ich meine, eigentlich sollte es ja nie zu spät sein, aber ich stelle es mir schon doppelt schwer vor für eine "alten Herrn" wie ihn, nochmal die Kurve zu kriegen, es sei denn die Gesundheit zwingt ihn.
    Jedenfalls wirst du nicht viel machen können, denke ich mir, außer dich selbst zu schützen, wenn er sich unverschämt verhält. Hast du irgendein Mittel, dich davor zu schützen, dass er dich verbal runtermacht?

    Ach, ich rede viel und kann eigentlich gar nichts sagen, weil es doch eine ganz andere Situation ist.

    JEdenfalls schön, dass du hier bist.
    Doro

    Hallo Karlotta,

    hab gerade ein bisschen in deinem Thread rumgestöbert und muss natürlich meine Senf auch abgeben. :wink:

    Wollt eigentlich nur zwei Erfahrungen mitteilen:

    1. Bei meinem jetzigen Mann war es früher auch so, dass er außer mir keine Freunde zu haben schien.
    Ich fand das auch sehr belastend.
    Als er trocken war, wurde es besser. Da habe ich gemerkt, dass er sehr wohl in der Lage ist, Kontakte zu knüpfen.
    Aber jetzt, wo er wieder trinkt, ist er wieder isoliert.
    Was ich dir sagen will: Er übt damit ganz schön Macht über dich aus! Jedenfalls ging mir das so. Ich war sein Tor zur Welt, das Gefühl hatte ich immer. Und deshalb hatte ich so ein schlechtes Gewissen, ihn zu verlassen.
    Jetzt, nach seinem Rückfall, ist es wieder so. Nur dass ich jetzt weiß, dass er eigentlich Leute hätte, wenn er sich ein bisschen bemühen würde.
    Jedenfalls ist das für dich eine nicht gerade komfortable Situation, damit kann er dich ganz schön unter Druck setzen.

    2. Ich habe mich - notgedrungen :cry: - mit Gewalt in der Partnerschaft befasst und Bücher dazu gelesen. Mein Mann war zwar selten körperlich übergriffig (d.h. während der Ehe nie), aber seelisch hat er mich sehr in die Mangel genommen und manchmal gings Richtung Nötigung und so.
    Und ich habe gelesen und kann das auch nachvollziehen: Es beginnt IMMER mit Versuchen, den Partner zu isolieren. Kontrollanrufe, Meckern über andere Freundschaften oder Kontakte, die man hat.
    Wollt ich dir nur sagen, damit du vielleicht ein bisschen sensibilisiert bist.
    Ich war nie völlig isoliert durch ihn, aber ich habe tatsächlich mit der Zeit begonnen, alle möglichen Kontakte zu anderen einzuschränken. Das war ein ganz langsamer Prozess. Ich will dir auch nichts einreden, aber es schadet nichts, wenn man weiß, dass es sowas gibt.

    Alles Gute
    Doro

    Hallo Trauerkloss,

    ist doch gut, dass du dich austauschst!

    Irgendwie läuft das hier ganz komisch, mit dir und dem Forum.
    Ich verstehe grade gar nicht, was hier eigentlich abgeht.
    Wieso fragst du: Du bist gespannt, ob dir auf deine Frage geantwortet wird?
    Fühlst du dich irgendwie missverstanden?

    Mein Eindruck ist: Du selbst bist der Meinung, dass dein Leben so wie es ist zwar nicht optimal ist, aber eine Trennung kommt nicht in Frage.
    Hier im Forum sind massenhaft Leute, die sich getrennt haben oder kurz davor sind und die so an der Seite eines nassen Alkoholikers nicht leben wollen und deshalb versuchen sie, dich wachzurütteln.
    Und du willst das gar nicht, du willst einfach nur darüber erzählen, was du so beobachtest an ihm?
    Ist mein Eindruck richtig?
    Liebe Leute, ihr könnt mich korrigieren, wenn ihr wollt.

    Hhm. :roll:

    Also, jetzt sage ich dir mal meine Meinung, aber das ist nur meine!
    Ich spreche nicht für das Forum.
    Ich denke, du hast im Augenblick offenbar beschlossen, dass du bei ihm bleiben willst und das sollte man respektieren. Ich bin auch sehr sehr lange geblieben. Und ich war nicht immer von morgens bis abends unglücklich dabei.
    Ich fände es trotzdem schön, wenn du hier einfach weiter schreibst und liest.
    Bloß ich glaube, die Leute haben ein Problem damit, dir zu antworten, weil sie nicht verstehen, was genau du wissen willst oder wobei du Hilfe brauchst.
    Geht es dir darum, es dir einfach von der Seele zu schreiben, was du erlebst?

    Es erinnert mich ein bisschen an meine Mutter, die mit ihrer Ehe nicht glücklich ist, schon seit Jahrzehnten (hat aber wohl nichts mit Alkohol zu tun) Aber Trennung war nie ein Thema. Aber sie muss sich einfach regelmäßig darüber auslassen, was er so für schreckliche Dinge tut. Und mein Vater tut das inzwischen auch. Und ich höre regelmäßig beide Seiten an. Als Außenstehender denkt man: Meine Güte, warum unternehmen die nicht endlich was. Trennung oder Paartherapie oder sonst irgendwas. Man wird ungeduldig, möchte eine Lösung des PRoblems. Aber meine Eltern wollen das offenbar nicht wirklich. Es reicht ihnen so, wie es ist. Es ist nicht optimal, aber man kann damit leben.

    Also, ich würde dich einfach ermutigen, weiter zu schreiben, nicht aufzuhören. Ich les jedenfalls weiter.

    Liebe Grüße
    Doro

    Danke für deine Antwort.
    Es ist wohl wirklich ein Holzweg und ich bin, ehrlich gesagt, froh, dass du selbst das im Nachhinein auch so siehst.
    Diese Verantwortung möchte ich nicht übernehmen.

    Alles Gute für dich,
    Doro

    Hallo Ette,

    tatsächlich dämmert es mir, dass ich mein Verhalten manchmal falsch einschätze.
    Habs eben an Julchen ja schon geschrieben.
    Wahrscheinlich will ich ihn wirklich noch irgendwie kontrollieren.
    Und ich werde auch von manchen Leuten in die Rolle gedrängt, aber ich muss diese Rolle ja nicht annehmen.

    Also, was mir eben heute wirklich wieder eingefallen ist, sind diese Besuche, die ich damals während unserer dreijährigen Trennung bei ihm in hübscher Regelmäßigkeit absolviert habe. Ich hatte das total verdrängt. Ich glaube, es war wirklich so, dass ich einen Abend in der Woche, oder war es der Sonntagnachmittag (?) ihm reserviert hatte.
    Ich weiß es echt nicht mehr genau, aber es war sehr regelmäßig. Der totale Abbruch des Kontakts war mir viel zu grausam vorgekommen, so geht es mir jetzt auch.
    Aber vielleicht hat das damals schon seine Sucht verlängert?
    Ich habe immer gedacht: Meine Trennung hat bei ihm keine Umkehr bewirkt, also war ich ihm nicht wichtig genug.
    Aber vielleicht haben diese wöchentlichen Besuche ihm schon gereicht, dass er das Gefühl hatte, er hat ja noch jemanden. Irgendwie so.
    Ist nur Spekulation.
    Aber vielleicht bewirken meine wenigen Telefonate mit ihm auch schon zu viel bei ihm.
    Dass er denkt, dass wir eben doch noch irgendwie zusammen sind und wenns nur ab und zu für ein Telefongespräch ist.

    Und mir tun sie nicht gut, das steht wohl fest.
    Bekomme eh nur schlechte Nachrichten und Vorwürfe zu hören.

    Ach herje, aber ob ich das packe?

    Liebe Grüße
    Doro

    Liebes Julchen,

    ja, da ist echt was dran.

    Ich hab auch inzwischen ein bisschen drüber nachgedacht und der Gedanke des radikalen Bruchs, der hat auch was!
    Ich traue es mir noch nicht richtig zu.

    Bisher habe ich immer gedacht: Durch die Kinder, durch die FInanzen und all das, da werden wir sowieso immer wieder in Kontakt kommen.
    Aber vielleicht ist das Blödsinn.
    Wer weiß, solange er trinkt, wird er die Kinder vielleicht gar nicht sehen wollen. Bisher hat er immer nur rumgejault, dass ich ihm die Kinder vorenthalte, aber den Termin, den wir vereinbart hatten, hat er platzen lassen und keinen neuen vereinbart.
    Und die Finanzen können die Anwälte regeln.
    (Wie läuft das eigentlich mit dem Lohnsteuerjahresausgleich, den müssten wir doch zusammen machen??? Weiß das hier eine? Wir erwarten Geld zurück.)

    Gut, aber wahrscheinlich wäre es echt weitgehend möglich, zumindest, solange er die Kinder noch nicht sehen will.

    Und was will ich eigentlich noch von ihm?
    Das ist echt ne gute Frage!
    Erbaulich sind die Gespräche nie.
    Will ich vielleicht doch einfach nur weiter kontrollieren, ob er endlich die Kurve kriegt? Das scheint mir doch irgendwie dahinter zu stecken. Jedes Mal, wenn ich seine Nummer auf dem Display sehe, jedenfalls wenn es zu einer vernünftigen Uhrzeit während des Tages ist, dann flammt in mir die Hoffnung auf, er könnte plötzlich zur Vernunft gekommen sein.
    Und ab und zu geh ich ran, nur um dann wieder enttäuscht zu werden.

    Also, ich muss vorsichtig sein, abends fühle ich mich immer stark.
    Insofern will ich mich hier nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.
    Aber vielleicht krieg ich das hin.
    Aber ich glaube, ich brauche da echt ein bisschen Hilfe.
    Also doch reale SHG?
    Hab ich bisher nicht gemacht, weil ich ja die Kinder immer hab und müsste dann jedesmal einen Babysitter bezahlen. Meine Verwandten sind alle 500 km weit weg.
    Oder Therapie?

    Grübel grübel.

    Wie hast du das geschafft?

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo ri,

    ich finde die Frage auch schwierig.
    Aber ich glaube, man darf sich diese Frage überhaupt nicht grundsätzlich stellen, das wird gefährlich...

    Ich meine, natürlich wäre es ethisch höchst verwerflich zu sagen: Mit einem Alkoholiker darf niemals wieder jemand eine Beziehung eingehen. Wär ja grausam.

    Aber wenn du dir diese Frage stellst, kommst du ganz schnell dahin zu sagen: Ich gehe jetzt diese Beziehung ein, weil ich ihm eine Chance geben will. Sozusagen als gute Tat.
    Und das ist natürlich echt nicht so gut.

    Ich glaube, so war es bei mir. :oops:
    Also, natürlich wollte ich auch einen Freund haben, natürlich habe ich mich auch wohl gefühlt bei ihm.
    Aber dieser Wunsch, diesem armen Wesen eine Chance zu geben, hat, glaub ich, auch eine Rolle gespielt. Und das darf eigentlich überhaupt kein Motiv sein.

    Und jetzt denke ich manchmal: Hätte ich doch bloß damals die Finger von ihm gelassen.
    Mein Problem ist inzwischen weniger sein Alkoholismus selbst und die Auswirkungen, sondern meine Verstrickung darin.
    Dieses verfluchte schlechte Gewissen.
    Immer noch.
    Obwohl ich nun seit 16 Jahren mit diesem KErl zu tun habe und zur Genüge "geholfen" habe und er mich oft genug hat hängen lassen.

    Ein bisschen ist es wirklich wie das Abrutschen in eine Sucht.
    Es fängt ganz harmlos und irgendwie interessant an: ein Gläschen hier und da, noch hat man alles selbstverständlich im Griff und kann jederzeit aufhören.
    Aber plötzlich ist man an einem Punkt, an dem man sich nur noch unter größter Willensanstrengung lösen kann aus dieser Verbindung.

    Aber diese grundsätzliche Frage, die würde ich lieber nicht weiter verfolgen.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Trauerkloss,

    mich hat das auch immer auf die Palme gebracht, wenn mein Mann meinte, er könne sein Trinken vor mir verstecken.

    Weißt du, was ich im Nachhinein feststellen muss?
    Was ich bemerkt habe, und worauf ich mir was eingebildet habe, dass ich es gemerkt habe, war trotzdem nur die Spitze des Eisbergs.
    Er hatte vor 2 MOnaten seinen Rückfall und ich dachte vorher, dass er trocken wäre, aber jetzt fallen mir alle möglichen verdächtigen Dinge ein, die schon seit einem Jahr laufen. Dass er z.B. mich ständig ermutigt hat, alleine wegzugehen (wohl, damit er trinken kann) usw.
    Also war er doch schlauer als ich.

    Aber weißt du was? Das ist eigentlich total egal. Darum geht es überhaupt nicht. Ob du es merkst oder nicht, ändert eigentlich gar nichts. Jedenfalls nicht für ihn.

    Aber ich kanns verstehen, man kommt sich irgendwie verkohlt vor.
    Ich fands immer furchtbar unwürdig, diese Versteckspiele.

    Wie gehts dir damit? Leidest du sehr darunter?

    Liebe Grüße
    Doro

    Danke Dagmar.

    Inzwischen habe ich mich schon wieder etwas beruhigt.
    Die Kinder erden mich ganz gut.

    Ja, ich denke, ich muss wirklich besser auf mich aufpassen.
    Ich habs ja selbst erfahren. Damals, nachdem ich mich von ihm getrennt hatte das erste Mal, habe ich mich trotzdem regelmäßig mit ihm getroffen, ich glaube, einmal die Woche. Und habe Weihnachten mit dem armen Trunkenbold gefeiert und alle solche Dinge. Ich hatte mein eigenes Leben, ganz klar, aber er hat doch immer eine ganz schön große Rolle gespielt, und ich weiß nicht, ob ihm das irgendwas gebracht hat und mir schon gar nicht.
    Und letztendlich hat es dazu geführt, dass ich mich noch ein zweites Mal auf ihn eingelassen habe.

    Insofern wäre ein totaler Cut wahrscheinlich das Beste.
    Aber ich kanns mir noch nicht vorstellen.

    So, die Kinder rufen, meine ERdung! :D

    Nochmals danke,
    Doro

    Vorneweg: Dagmar, ich hab dich doch gebeten, mir deinen Eindruck zu erklären.
    Ich sag ja, meine Mutter hat sowas Ähnliches gestern gesagt und ich habe auch nicht richtig verstanden, wie sie das meint.

    Also, ich denke, es stimmt, dass ich in den letzten Tagen wieder innerlich ganz schön viel mit ihm beschäftigt bin.
    Das ist natürlich nicht gut, da muss ich die Kurve irgendwie kriegen.

    Trotzdem, ich habe das Gefühl, irgendwie steh ich auf der Leitung und verstehe das Ganze noch nicht wirklich.
    Tut mir leid, wenn ich jetzt ein bisschen dumm wirke oder uneinsichtig.
    Aber ich will jetzt auch nicht einfach sagen: Ja ja, ich verstehe, wenn ich eigentlich es nicht so richtig verstehe.

    Ette, ich versuche dir mal, die Fragen zu beantworten.
    Also, die SAche mit dem Job. Da hängt natürlich ganz viel dran. Es ist nicht irgendein Job. Es ist eine Beamtenstelle, auf die er mit Studium und allem drum und dran seit Jahren hingearbeitet hat und extra deswegen bin ich mit ihm hierher gezogen, 500 km weit von da, wo ich vorher gewohnt habe. Und es war sein ganz großer Traum.
    Und finanziell hängt natürlich auch sehr viel dran, für mich auch. Auch wenn ich mein eigenes Gehalt habe, aber ich muss schon befürchten, dass ich finanziell involviert werde, wenn er nix mehr hat.
    Und für die Kinder wärs auch netter, wenn sie einen Vater hätten, der arbeitet.

    Auf der anderen Seite: Klar, wenn er seine Krankheit nicht einsieht und sich nicht behandeln lässt, dann kann er diesen Job natürlich nicht ausüben. Dann ist es egal, was damit alles verloren geht, weil es eben so ist.
    Aber er war bis Weihnachten absolut gut in der Lage den Job zu machen, eben bis zu seinem Rückfall. Es gab keine Klagen, hat man mir gesagt.

    Und das alles nährt natürlich in mir die Vorstellung, man könnte ihn durch eine Zwangstherapie irgendwie wachrütteln.
    Aber wie gesagt, diese Idee wird echt immer wieder an mich herangetragen und ich habs schon hundertmal verworfen, aber es lässt mir irgendwie keine Ruhe.

    Was glaubt ihr denn, warum ich das tue.
    Weil ich mein Leben allein nicht ertrage?
    Aber das stimmt doch nicht, es geht mir gut ohne ihn.

    Ach, ich schreibe und schreibe und habe immer mehr das Gefühl, dass ich euch nicht richtig verstehe.


    Ette, du schreibst: Warum guckst du nicht hin?
    Wo hin? Zu mir selbst? Was ist mit mir?
    Ja, natürlich ist er mir noch nicht egal. Wie könnte er mir egal sein?
    Was mache ich falsch?
    Dass ich noch mit ihm spreche?
    Dass ich noch nicht so abgeklärt bin, dass seine Worte mich noch treffen können, auch wenn ich vom Kopf her weiß, dass es seine Krankheit ist?

    Ich hoffe, ihr stört euch nicht daran, dass ich so offen schreibe. Ich will mich damit auseinandersetzen, will verstehen.

    Es kommt mir so vor, als ob ich in zwei Welten lebe:
    Auf der einen Seite ist da die Co-Theorie-Welt. Da bin ich ganz cool und weiß, klar, er ist krank, es ist seine Verantwortung, ich leb mein Leben, ich lass es mir gut gehen, egal was mit ihm ist.

    Und auf der anderen Seite sind ein Haufen Gefühle, die mir auch alle irgendwie total berechtigt erscheinen und die ich nicht einfach wegschließen kann. Dass ich es nicht will, dass er so abstürzt, dass ich es total bedauere, dass ich nicht verletzt werden will, dass ich mir Sorgen um seine und meine finanzielle Zukunft mache, dass er mir noch immer nicht egal ist.

    Womit ihr natürlich alle miteinander unbestritten Recht habt:
    ICH KANN NICHTS TUN.
    Die Sache mit der Zwangseinweisung ist und bleibt eine idiotische Idee.

    so, und jetzt ruft meine Gegenwart in Form meines dreijährigen Sohnes, der jetzt einkaufen gehen will.

    Bis später,
    seid mir nicht böse,
    helft mir bitte weiter,
    Doro

    Hhm, Dagmar, so ähnlich hat das meine Mama gestern am Telefon auch ausgedrückt.
    Du bist in großer Gefahr, hat sie gesagt.

    Was genau meinst du?

    Ist es nicht normal, dass mich das fertig macht?
    Ich hab nur kurz mit ihm telefoniert.

    Oder meinst du das mit der Zwangseinweisung?
    Wie gesagt, das ist nur so eine Idee, die ständig von der Verwandtschaft warm gehalten wird und es geht ja sowieso nicht.

    Vielleicht hilft es mir, wenn du mir genauer erklärst, was du meinst.

    Tja, Julchen, totale Kontaktsperre...
    Ich weiß auch nicht, warum ich das nicht durchziehe.
    Bin nicht konsequent.
    Ich denk drüber nach.

    Liebe Grüße
    Doro

    Danke Julchen,

    ja, eigentlich will ich das ja auch gar nicht wirklich, aber ich habe solche Angst davor, dass ich etwas versäume, was ihm doch noch helfen könnte.
    Selbst wenn es möglich wäre, man weiß ja gar nicht, ob es nicht total nach hinten losgeht.

    Heute ist passiert, wovor ich die ganze Zeit Horror hatte (oder einer der Dinge): Er hat jetzt sein Disziplinarverfahren, d.h. Anfang vom Ende vom Job.

    Und weißt du, was er zu mir sagt?
    JETZT HAST DUS ERREICHT!

    Auch wenn es krankheitstypisch ist, diese Schuldzuweisungen.
    Es hat mich so sehr getroffen!!!!!
    Es ist so gemein.
    Was habe ich mir in den letzten Jahren den Allerwertesten aufgerissen, damit er noch auf seine "alten Tage" in den Beruf kommt.
    Und was habe ich mir für Sorgen macht in den letzten Wochen und Gedanken, wie man ihn dazu bringen könnte, noch um seinen Job zu kämpfen.
    Ich hab total geheult, es ist wirklich schlimm für mich, die ganze SAche.

    Na ja, werds überleben.
    Er vielleicht nicht.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo ankebaby,

    darf ich mal ganz in eigener Sache fragen, wie du das damals gemacht hast mit dem "einweisen lassen".

    Hintergrund:
    Mein Mann hat gerade einen Rückfall und zerstört in kürzester Zeit seine berufliche Existenz und bekommt die einfachsten Dinge nicht mehr hin. Ich habe mich getrennt.

    Alle hier im Forum (und auch viele draußen) betonen immer wieder, dass Zwang nix bringt usw.
    Oder dass es rechtlich gar nicht geht, eine Zwangseinweisung, solange er niemanden direkt gefährdet.
    Aber es gibt einige in meiner Verwandtschaft, die doch immer wieder das Thema ansprechen, man sollte es doch mal überprüfen.
    Ich meine, er war lange trocken und was jetzt passiert, ist unwiderruflich.
    Und der Wandel in seiner Persönlichkeit seit dem Rückfall ist wirklich ganz extrem: vorher gabs beruflich keine Klagen, jetzt schafft er es noch nicht mal, sich überhaupt krank schreiben zu lassen.
    Lust, mich so weit aus dem Fenster zu lehnen, habe ich eigentlich nicht. Was ist, wenns schief geht.
    Aber ich will mir auch nicht vorwerfen, es nicht versucht zu haben.

    Also, vielleicht kannst du mal kurz erzählen, wie das damals war.
    Danke
    Doro

    Hallo nat,

    erstmal willkommen!

    Ich bin auch noch nicht so lange hier und ich bin sicher keine Expertin auf dem Gebiet der Co-Theorie.
    Aber ich persönlich kann mich mit dem Gedanken, dass ich meinen Mann nie geliebt habe, auch nicht anfreunden und weigere mich, ehrlich gesagt, das so zu sehen.

    Ich meine, wer will überhaupt definieren, was wahre Liebe überhaupt ist? Und wieviel davon jeweils Abhängigkeit ist.
    Das kann man ja immer so sehen, dass Liebe sich zusammensetzt auch aus irgendwelchen Bedürfnissen, die man eben in dem Partner gestillt sieht.
    Also, ich weiß nicht...

    Auf der anderen Seite ist es schon so, dass viele in solchen Beziehungen, die vom Alkohol mitbestimmt werden, total leiden und trotzdem beim Partner bleiben, obwohl sie so unter ihm leiden und obwohl auch oft die Nähe total flöten geht durch das Trinken. Also tut ihnen diese Liebe überhaupt nicht mehr gut. Warum bleiben sie? Vielleicht aus Abhängigkeit?
    Und inwiefern ein trinkender Alki noch wirklich liebt, ist auch die Frage.

    Mein Mann hatte vor gut zwei Monaten nach langer Trockenheit einen schlimmen Rückfall.
    Er hat mich übel beschimpft, er lässt mich und meine Kinder total hängen, er vertraut mir überhaupt nicht mehr.
    Wo ist da die Liebe von seiner Seite geblieben?
    Klar wird er mich auf irgendeine Art noch lieben, es ist aber eine verdammt merkwürdige Art.

    Also, richtig helfen konnte ich dir wahrscheinlich auch nicht, aber wenigstens bist du nicht allein mit deinen Zweifeln.

    Aber wozu musst du das wissen?
    Was würde es ändern, wenn man überzeugt wäre, dass es keine Liebe war, sondern nur Abhängigkeit?
    Würde es nicht nur die eigene Verwirrung vergrößern?

    Ich für meinen Teil glaube: Ja, ich habe ihn geliebt, ich liebe ihn wahrscheinlich immer noch, und er hat mich auch geliebt.
    Und trotzdem möchte ich mit ihm nie wieder unter einem Dach leben, nie wieder ihm ausgesetzt sein. Weil es keine Beziehung auf Augenhöhe war, weil viel Manipulation und Zwang dabei war.
    Und weil der Teufel Alkohol mitspielt und dem bin ich nicht - ist niemand - gewachsen.

    Liebe Grüße
    Doro

    Vielen Dank an alle, die mir bis jetzt Antworten gegeben haben.

    Dieses umfassendere Verständnis von Loslassen, sozusagen als Teil der Lebenshaltung, das gefällt mir.

    Linde, du beschreibst das sehr gut.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hi Thelma, das mit der Ego-Sau hat mir gefallen.

    :lol::lol::lol:

    Ja, das Loslassen muss ich natürlich auch irgendwann ohne totale Verausgabung hinbekommen. Das ist ja auch irgendwie mein Problem. Als mein Leidensdruck riesig war, weil mein Mann mich mit seinem Psychoterror drangsalierte, ich vor Zukunftssorgen fast verrückt wurde und gleichzeitig den Alltag schmeißen musste, da war mir völlig klar, dass ich mich jetzt um mich selbst kümmern muss.

    Aber im Augenblick habe ich so einen Zustand, wo der Alltag so einigermaßen läuft, und schon habe ich ein paar winzige Kapazitäten frei, um mir wieder um ihn Sorgen zu machen.

    Ich weiß noch nicht genau, wie rum es eher der Wahrheit entspricht:
    Drehe ich mich um sein Problem, weil ich andere Dinge vergessen will?
    Oder bin ich süchtig nach seinem Problem und komme von dieser Sucht nur los, wenn ich total erschöpft bin und der Leidensdruck hoch ist.
    Oder gehört beides zusammen?
    Wie bei einer stofflichen Sucht?
    Man trinkt, weil man andere Dinge vergessen will.
    Und man kann nur davon lassen, wenn der Leidensdruck steigt.

    KÖnnte sein, bin mir nicht sicher.

    Und wie kommt man da raus?

    Es ist doch normal, dass man Angst hat vor irgendwelchen Sachen, auch vor der Einsamkeit.
    Dann würde man ja zwangsläufig in irgendeiner Sucht landen, oder?

    Als ich mich das erste Mal von ihm getrennt habe, da habe ich mich extrem in meine Ausbildung gestürzt und einen sehr guten Abschluss gemacht. Bin total darin aufgegangen. Das war die perfekte neue Aufgabe und zur Abwechslung kam meine Energie hier wirklich hundertprozentig mir selbst zugute, von der guten Note profitiere ich ja heute noch.
    Aber wahrscheinlich war das auch ein Ablenkungsmechanismus von irgendwas anderem?
    Ist das dann okay, sich so abzulenken, wenn es einem selbst zugute kommt?

    Fragen über Fragen

    stellt
    Doro