Beiträge von Doro

    Hallo an alle!

    Dachte mir, ich würde gerne von euch mal Erfahrungen zum Thema "Loslassen" hören.
    Was denkt ihr, was hilft dabei, loslassen zu können?
    Habt ihr Erfahrungen des Loslassen-Könnens gemacht?
    Oder das Gegenteilige, das Festhalten-Müssen?

    Ich selbst kann mich an einer sehr intensive ERfahrung erinnern.
    Das war, als mein jetziger Mann vor 5 Jahren aus dem Krankenhaus kam und endlich mal richtig trocken und aller Illusionen beraubt war. Wir waren damals schon 3 Jahre getrennt, hatten aber Kontakt.
    Es hieß, Leber sei kaputt (war wohl dann doch nicht so).
    Jedenfalls kam es mir so vor, als sei er endlich mal er selbst, hatte keine Maske mehr auf.
    Und ich war natürlich schon sehr betroffen und traurig, aber irgendwie kam ein ganz tiefes Gefühl des Loslassen-Könnens. Ich hatte plötzlich das Gefühl, dass wir beide - er und ich - befreit waren von diesem Schicksal des Ewig-um-den-Alkohol-Kreisens. Es ist nur schwer zu beschreiben.
    Und gleichzeitig hatte ich plötzlich eine ganz starke Hoffnung, aber ich hatte das Gefühl, mir jetzt keine Sorgen mehr machen zu müssen, dass es eben nicht in meiner Hand liegt. Dass ich hoffen darf und Sehnsucht haben darf nach einem gesunden Leben für ihn, dass ich aber trotzdem nicht zuständig bin, sondern es eben einer höheren Gewalt, d.h. Gott, anvertraue.

    so ein erlebnis wünsche ich mir wieder, ein tiefes Gefühl der Befreiung von diesem/seinem Schicksal.

    Doro

    Also, meine Schlussoffensive findet hier nicht so den Anklang. :roll::lol:

    Nun ja, wahrscheinlich ist es wieder mal ein Anflug von Selbstüberschätzung meinerseits.
    Da hatte ich mal ein bisschen überschüssige Energie, war in Freitagabendlaune, und schon bekomme ich solche Anfälle...

    Heute bin ich total erschöpft und da bin ich schon viel kleinlauter.
    Und andererseits wieder weiter weg von dem Gefühl, ihn retten zu können oder müssen oder irgendwie dazu in der Lage zu sein.

    Ich muss das, wie gesagt, anfangen systematisch für mich zu verschriftlichen, dann bin ich hoffentlich auch in der Lage, nach vorne zu laufen und nicht immer in irgendwelchen Schlangenlinien.
    Andererseits: Ich verzeihe mir das auch, es ist nicht so leicht, das Ganze.

    Gestern begegnete ich übrigens in einem Gespräch mit meinem Vorgesetzten in einem ganz anderen, beruflichen Zusammenhang dem Rat: Sie müssen mehr loslassen!
    Da zuckte ich zusammen, das war wie eine Message vom Himmel oder so.

    Ich hab das Gefühl, dass es mir immer dann besser gelingt loszulassen, wenn ich wirklich keine Kraft mehr habe, um noch festzuhalten.
    Es hat was mit Entspannung zu tun, nicht mit sich noch mehr anstrengen.

    Deshalb will ich dazu mal einen eigenen Thread eröffnen in der Hoffnung, dazu noch mehr Erfahrungen zu hören.

    Liebe Grüße
    Doro

    Danke noch mal allen. Es stärkt mir den Rücken.

    Ich glaube, ich muss mal wieder zu ner alten Methode von mir greifen, und mir Sachen und Erkenntnisse aufschreiben und auch ausdrucken und immer griffbereit haben.
    Ich schreibe jetzt immer hier im Forum, aber das habe ich ja nicht überall dabei.

    Also, dass ich nicht schuld bin, ist mir eigentlich schon klar, Dagmar, trotzdem denke ich irgendwie an sowas wie Verantwortung.
    Wenn ihm ein Hund ins Bein gebissen hätte, wäre ich auch nicht schuld und würde ihn trotzdem zum Arzt fahren.
    (Meine Vergleiche heute finde ich richtig cool. :lol::lol::lol: )

    Habe jetzt beschlossen, dass ich nächste Woche meine
    LETZTE-HILFE-SCHLUSSOFFENSIVE starten werde.
    ("letzte Hilfe" ist auch schon wieder genial, ich hab mich grad doll lieb, wie ihr merkt. :lol: )

    Also, meine Schlussoffensive besteht aus zwei Anrufen, einmal beim sozial-psychiatrischen Dienst und einmal bei ner Suchtberatungsstelle. Und da werde ich noch mal erfragen, inwieweit man ihn zu seinem Glück zwingen kann. So, und die werden wahrscheinlich sagen, dass das nicht geht. Und dann bin ich moralisch aus dem Schneider!

    Guter Plan?

    Und danach gibts nur noch DORO-HILFE durch DORO-SELBSTHILFE und durch DOROS-FREMDHILFE-EINFORDERN.
    Werde eine Stiftung in eigener Sache gründen oder sowas in der Art.
    Ob man das steuerlich absetzen kann?
    ICH-HELF-MIR-SELBST e.V.?

    So, und jetzt gehe ich ins Bett und lese und schlafe.
    Bis morgen!

    Doro

    Mensch, so'n tolles Gespräch hatte ich mit meinem Mann seit seinem Rückfall nicht mehr, wie du es schilderst.
    Hab wohl doch nen echten Härtefall abgegriffen. :lol:
    Jede den, den sie verdient. :lol:
    Aber vielleicht ist er einfach nur schon tiefer abgesunken. Man sagt ja, nach dem Rückfall steigen sie da ein, wo sie aufgehört hatten.

    Und: je vernünftiger sie reden, desto schwerer fällt es, am eigenen Entschluss festzuhalten.
    Also: Hut ab vor deiner Stärke. :!:

    Ich habe den Eindruck, dass du das echt super machst.

    Liebe Grüße
    Doro

    Nochmals Danke, auch ri und kathrin.

    Es tut gut zu wissen, dass es anderen auch so geht.

    Es ist einfach so unglaublich für mich, dass er seinen Beruf so wegschmeißt. Es war sein großer großer Traum, das noch zu schaffen, er hat schwierige Prüfungen machen müssen, hatte immer die Angst im Nacken, dass er es nicht mehr packt oder zu alt ist, wenn er fertig ist, wegen seiner großen Trinklücke.
    Und es hat ihm Spaß gemacht.

    Und ich habe immer noch dieses Fünkchen Hoffnung gehabt, dass er für seinen Beruf (nicht etwa für mich oder die Kinder :lol::twisted: ) doch noch was unternimmt. Und die Wochen vergehen und seine Chance, das Ding noch umzudrehen, wird immer geringer. Und ich glaube, er hat auch mittlerweile niemanden mehr, der ihm helfen will.

    Tja, und Verantwortung für sich selbst als erwachsener Mensch...
    Das stimmt natürlich rein rechtlich. Aber praktisch ist er nicht Herr seiner Sinne, ganz offenkundig, sonst würde er so nicht handeln wie er es tut.
    Also, ehrlich gesagt, so verrückt habe ich ihn von seiner früheren Trinkzeit gar nicht in Erinnerung. Da war seine Situation wirklich nicht leicht. Aber jetzt hat er aus einer Situation heraus, in der wirklich äußerlich ALLES perfekt war (so weit im Leben überhaupt alles perfekt sein kann) diesen Rückfall gebaut und nichts unternommen. Das ist sowas von irre. Das hält man einfach im Kopf nicht aus.

    Mich beschäftigt sowieso diese ganze SAche mit der Schuld bei Alkholikern.
    Sind sie wirklich selbst verantwortlich? Diese Krankheit ist es doch, die ihnen gleichzeitig die Möglichkeit nimmt, sich Hilfe zu holen.
    Wenn sie nüchtern und trocken wären, würden sie ganz anders handeln.
    Aber wenn sie nicht verantwortlich sind, wer dann?
    Niemand?

    Es hilft nix, ich muss einfach total verdrängen, dass es ihn gibt.

    Aber das ist echt so, als wenn man auf'm Ozeandampfer versucht, sich das Wasser wegzudenken.
    :lol:
    Nee, das war jetzt ein blöder Vergleich.
    Meistens gelingt es mir ganz gut, mich auf andere SAchen zu konzentrieren.

    Ein Segen, dass die Kinder da sind und mein Beruf.
    Ich habe die meiste Zeit keine Gelegenheit zu trüben Gedanken. Und das ist ganz gut so.


    Also, nochmals herzlichen Dank an alle Mutmacherinnen :wink:
    Doro

    Vielleicht ist er ja im Krankenhaus, hast du da mal angerufen (bzw. mehrere in der Umgebung?).

    Aber findest du nicht, dass das keine Art ist, dir mitzuteilen, was los ist?
    Also, klingt sehr nach etwas benebeltem Zustand.
    Wenn er noch die Kraft hat, dir ne SMS einzutippen, dann kann er nicht verblutend neben der Badewanne gelegen haben, in so nem Fall ruft man direkt an oder noch besser gleich den Notarzt.
    Oder wenn doch, dann war er jedenfalls nicht Herr seiner Sinne, also vielleicht alkoholisiert.

    Sind nur so Mutmaßungen...

    Bei meinem Mann damals war der körperliche Zusammenbruch der Punkt, wo er trocken geworden ist für 5 Jahre.
    Hätte natürlich auch böse ausgehen können.

    Mensch, wenn man einen Menschen liebt, macht man sich Sorgen. Das ist doch normal und eigentlich auch richtig, normalerweise.
    Bloß diese Krankheit, die pervertiert das Ganze.
    Du machst dir Sorgen, er alleine kann etwas unternehmen.
    Und dann noch diese ganze Unehrlichkeit, die dazu gehört, so dass man eigentlich nie genau weiß, was eigentlich wirklich Sache ist.
    Also führen diese Sorgen nicht, wie normalerweise, dazu, dass du ihm irgendwie beistehen kannst, sondern er entfernt sich von dir in diesen Phasen und du wirst verrückt.
    Und deshalb bleibt einem nichts anderes, denke ich, als sich innerlich abzugrenzen, sich eben nicht verrückt zu machen.

    Doro

    Hab grad ne schwache Phase... :(

    Ich hör grade nicht viel von ihm, außer dass er ab und zu anruft und sich dann nicht meldet, man nur komische Geräusche hört.
    Einmal sprach er auf den AB und bat mich weinend, ihn zurückzurufen.
    Aber dann ging er nicht ran.

    Ich habe plötzlich ganz blöde Gefühle, dass es doch nicht sein kann, dass eine Ehefrau sich so überhaupt nicht um ihren Mann kümmert.
    Dass vielleicht doch noch was zu machen wäre, wenn man sich mehr engagieren würde.

    Ich kann mir vorstellen, was ihr jetzt denkt.
    Schreibt mir das mal ruhig, vielleicht hilfts.

    Grüße
    Doro

    Hallo Merenda,

    deine Worte zu meiner Situation tun mir sehr gut. Hab grade echt ne schwache Phase, genau wie du sagst, plötzlich denke ich, ich sollte vielleicht doch "helfen"...

    Irgendwie kommen mir die Probleme mit deinem Freund und der Wohnung bekannt vor. Ich hatte halt damals Glück, dass es sein Mietvertrag war, aber ansonsten hätte es bei mir ähnlich ausgesehen.
    Und dieser Druck mit den Prüfungen.
    Oh Mann, aber das ist doch jetzt echt wieder mal so ne "Er-oder-Ich-Situation", wie ich das nenne. Er zieht dich runter, du kannst dich nicht auf deine Prüfungen konzentrieren, weil er sich einfach fallen lässt. Das macht mich so wütend, weil ich das so kenne.

    Aber es muss doch rechtlich irgendeine Handhabe geben...
    Eigentlich bräuchtest du ne Rechtsberatung.
    Oder vielleicht wirklich einfach mal ein vertrauliches Gespräch mit dem Vermieter ausmachen, die müssen ja vielleicht wissen, was man in so ner Situation machen kann, wenn der "Mitbewohner" sich quer stellt.

    Aber ich lese raus, dass du wegen deiner Prüfungsgeschichten eigentlich gar keinen Nerv hast, dich mit ihm rumzuschlagen und von Pontius nach Pilatus zu laufen.
    Bloß: Ob es mit ihm möglich sein wird, schnell klare Verhältnisse zu schaffen...?

    Ist es die wohnliche Situation bei deinen Eltern, die dich belastet, oder einfach, dass es nicht geklärt ist?

    Klar, eigentlich müsste er sich einfach was anderes suchen, aber wie gesagt, wenn ich da an meinen Mann denke...
    Bei dem ist nichts "einfach".

    Deshalb habe ich panische Angst davor, ihn ins Haus zu lassen.
    Genau was du schreibst. Die Vorstellung, der sitzt plötzlich hier, kümmert sich um nichts und dann kann man nachher, wenns an den Verkauf geht, noch nicht mal Leute reinlassen, weil da ein Alki rumhockt und das Feld nicht räumt.

    Und dann wandere ich wieder durch unsere heiligen Hallen, die echt ziemlich geräumig sind, und denke: Sowas Blödes, eigentlich wär doch auch für ihn noch Platz...
    Aber dann... siehe oben!

    Ich glaube, du brauchst wirklich jemanden, der dir erklärt, was im schlimmsten Fall passieren wird.
    Angenommen, du kündigst und er zieht nicht aus.
    Also erstmal würde er ja dann vielleicht doch ausziehen, wenn der Druck größer wird.
    Und wenn nicht, was macht der Vermieter dann? Ist es denn wirklich nur deine Verantwortung?

    Deine Konstellation wird nicht der einzige und erste Fall dieser Art sein, also muss es Wege geben.
    Es kann ja nicht sein, dass du jetzt bis ans Ende deiner Tage an diesen Mann gebunden bist, bloß weil ihr diesen Mietvertrag habt. :lol:

    Also ich würde sagen:
    - Gespräch mit Vermieter
    - Gespräch mit Rechtsberatung (eine Sitzung kostet auch nicht die Welt, hoffe ich, vielleicht gibts auch kostenlose Beratung. Beim Mieterverein, wenn man eintritt, gibts auch Rechtsanwälte)

    Bei meinem Mann hat dieser Brief vom Rechtanwalt, er möge doch bitte ausziehen, weil ich mich trenne, ganz gut gewirkt. Er ist zwar nicht ausgezogen, aber er hat sich erstmal verkrümelt für ne Weile und mittlerweile habe ich die Schlösser auswechseln lassen (auch nicht billig, seufz) auf Rat meiner Anwältin.
    Aber erst, nachdem er wirklich schon Wochen nicht wieder hier aufgetaucht war.

    Na ja, vielleicht lässt er ja doch mit sich reden, wer weiß.

    Bist du sicher, dass gestrichen werden muss?
    Habt ihr dort lange gewohnt?
    Wenn nicht, muss normalerweise nach neueren Urteilen gar nicht renoviert werden, selbst wenn es im Mietvertrag steht. Auch da kannst du dich erkundigen.
    Und die Sache mit den Besichtigungen kann jetzt auch nicht DAS Hindernis sein, im schlimmsten Fall hat der Vermieter eben das Problem, dass er die Wohnung nicht sofort wieder vermieten kann.

    Ist alles nicht schön, ich weiß, aber es gibt bei Mietsachen wirklich alle möglichen Probleme, die schon vorgekommen sind.
    Ich bin damals in eine Wohnung gezogen, da war der Vormieter verschollen, da gabs auch keinen guten Übergang. Da musste die Vermieterin einfach die Wohnung aufbrechen lassen und dann sah noch alles so saumäßig aus, dass sie erstmal Geld reinstecken musste, das wieder in Ordnung zu bringen.

    Versuche, dich zu informieren, auch für den worst case.
    Viel Glück
    Doro

    Ach, und noch ein Gedanke:

    Ist es wichtig für dich, dass du die Situation bald auflöst?

    Ich meine, eine Option wäre es natürlich auch, sich einfach mal selbst die Zeit einzuräumen, Abstand zu bekommen.
    Wenn es bei deinen Eltern okay für dich ist, warum nicht einfach mal wenigstens eine Woche oder so ins Land gehen lassen, bevor man sich weiter drum kümmert?

    Schon wieder naiv? :lol:

    Nur so Ideen,
    viel Glück
    Doro

    Hallo Chanell,

    also so direkt hatte ich das auch nicht.

    Was ich wohl hatte, war die Angst davor, dass das nun mein Leben gewesen sein könnte. Dass es einfach kein "Danach" gibt. Dass ich z.B. jetzt körperlich am Ende bin, weil das alles zu belastend war (diese Angst habe ich derzeit immer noch).
    Neulich hatte ich diesen Magen-Darm-Virus und bin morgens mit rasendem Puls aufgewacht und war total unruhig und wusste nicht, woher das kommt, und da habe ich schon den Notarzt angerufen, weil ich dachte, es ist vielleicht ein Herzinfarkt.
    Ich habe auch eine Zeitlang Angst gehabt, dass er austickt und mich umbringt, weil ich mich getrennt habe.
    Solche Sachen.
    Einfach Angst, aus der Sache nicht heil rauszukommen und meine neu entdeckte Freiheit nicht ausleben zu können.

    Andere Möglichkeit: Vielleicht bist du einfach nur total erschöpft?
    So ne Art Depression?
    Habe gerade gelesen, dass dass die letzte Stufe der Trauer (nein, nicht vorm Tod) ist, nachdem man erst mit Verleugnung, Wut usw. reagiert, dann eben einfach Ohnmacht, Depression.
    Also das könnte ich mir auch gut vorstellen.
    Dann wäre es in der Tat einfach ein wichtiger Teil des Trennungsprozesses und muss einfach durchlebt werden.

    Und dann noch diese Jahreszeit.

    Bei mir ist es so, dass ich eigentlich regelmäßig im Winter so sehr pessimistische Stimmungen habe, manchmal auch sowas wie Lebensmüdigkeit, aber wenn dann alles wieder grünt und blüht, dann wachen auch die Lebensgeister wieder auf.

    Ich wünsche dir jedenfalls, dass du solche trüben Gedanken bald überwindest.
    Liebe Grüße
    Doro

    Tja, ich kenne natürlich deinen Freund nicht, aber bei meinem Mann ist es leider so, dass man mit ihm eigentlich gar nichts regeln kann, wenn er so drauf ist. Das ist ja auch jetzt mein Problem im Augenblick, ich brauchte eine Anwältin, um ihn dazu zu bringen, dass er überhaupt mal über die praktischen Dinge mitredet.

    Wenn deiner auch so drauf ist...

    Dann musst du irgendwie einfach einen Plan für dich alleine machen und den durchziehen.

    Also, wenn das DEIN Mietvertrag ist, du aber bereit bist, darauf zu verzichten, dann könntest du ihm vielleicht ganz klar sagen (bzw. schreiben):
    Ich möchte mit dir nicht mehr zusammen wohnen.
    Also gibt es nur zwei Möglichkeiten: Du ziehst aus oder ich.
    Wenn ich ausziehen soll, musst du mit mir den MIetvertrag ändern lassen.
    Tust du es nicht, werde ich die Wohnung kündigen.

    Bin ich naiv?

    Vielleicht, mein Mann damals, mit dem konnte man wie gesagt nix besprechen, und jetzt wie gesagt nur über Anwalt.
    Aber irgendwie muss es ja gehen.
    Oder du wendest dich direkt an den Vermieter und sagst ihm, dass du dich trennst, dass du kündigst und dass du ihn als Nachmieter vorschlägst?

    Bei uns ist leider auch alles total ungeklärt.
    Ich habe ihn mit Hilfe der Anwältin wenigstens aus dem Haus vorläufig raus, aber wo er in Zukunft wohnen wird, ist die große Frage. Er sitzt in einer Ferienwohnung, wo er auch nicht ewig bleiben kann, und dann...?
    Also, wenn ich anfange, darüber nachzudenken, was aus ihm werden soll, werde ich verrückt und bekomme einen Knoten im Kopf.
    Und bin vor allem sehr beunruhigt.

    Aber das war schon immer so.
    Damals war es so: Ich zog aus, er blieb, zahlte noch ne Weile Miete (von Erspartem einer ERbschaft), aber irgendwann war das Geld alle und er schaffte es nicht, Sozialhilfe zu beantragen. Aber irgendwie konnte ich ihm dabei auch nicht helfen, obwohl ichs versucht hab. Habe vergessen, wie das genau war.
    Jedenfalls ist er irgendwann hochkant aus der Wohnung geflogen, hat noch nicht mal geschafft, seine Sachen zu retten (was ich erst später erfahren habe), lebte auf der Straße plötzlich.
    Es war für mich der totale Albtraum, obwohl wir längst getrennt waren.
    Aber ich hatte halt noch immer Kontakt.
    Also, eigentlich muss ich mir immer noch auf die Schulter klopfen, dass ich ihn damals nicht aufgenommen habe bei mir, das hätte ja mich total kaputt gemacht. Und zum Glück hat er es auch nie verlangt.
    Nach ein paar Monaten hatte er dann einen körperlichen Zusammenbruch und kam ins Krankenhaus und das war dann seine Wende zur Trockenheit.
    Diese Phase hat ca. 5 Jahre gedauert, und jetzt eben der Rückfall.
    Und jetzt sitze ich wieder da und werde verrückt bei dem Gedanken, was aus ihm werden soll.

    Gerade heute gehts mir nicht so gut bei dem Gedanken. Er hat vorhin mir auf die Mailbox gesprochen mit verheulter Stimme, ich möge doch bitte zurückrufen und dann ist er aber nicht rangegangen...
    Ich bin froh, dass ich gar nicht weiß, wo er steckt, also kann ich gar nichts unternehmen, das schützt mich vor mir selbst.

    Aber das kann noch ewig so gehen, bis er entweder doch noch mal die Kurve bekommt oder bis er endgültig kaputt geht am Alkohol.
    Ich kann doch jetzt nicht möglicherweise Jahrzehnte lang mir Sorgen um ihn machen.
    Deshalb bleibt mir eigentlich nur: Loslassen, verdrängen.
    Aber es fällt mir nicht leicht. Wir sind ja nun auch noch verheiratet, gerade heute hatte ich so nen Anflug von Pflichtgefühl als Ehefrau, dass ich dachte, eigentlich müsste ich ihm jetzt irgendwie zur Seite stehen.
    Aber dann geht alles wieder von vorne los und ich bin doch schon so weit gekommen. Und die Hilfe kommt ja irgendwie nicht an. Als er damals so arm dran war, habe ich ihm immer mal was geschenkt oder so, hatte ja selbst nicht viel damals, aber er war überhaupt nicht imstande, was draus zu machen. Und er hat sich noch nicht mal irgendwie gefreut, wenn man ihm was geschenkt hat.

    Ich könnte ewig so weiterschreiben.

    Warum denkst du eigentlich, ihm könnte etwas zustoßen?
    Komisch, diese Angst hatte ich eigentlich nie.
    Weil ich - ehrlich gesagt - irgendwie erleichtert wäre, wenn dieses Drama irgendeine Wendung nimmt.
    Wenn er z.B. stürzt und wieder im Krankenhaus landet, wäre das das beste, was ihm passieren kann! Ich habe neulich schon phantasiert, ich müsste ihn anfahren oder so, dass er mit gebrochenem Bein ins Krankenhaus kommt, denn dann würden die ihn erstmal ausnüchtern. Ist natürlich totaler Quatsch.
    Tja, und wenn er wirklich sterben würde? Oder gar sich umbringen?
    Wär natürlich schlimm, das mag ich mir nicht vorstellen.
    Aber schlimmer als dieses Sterben auf Raten, bei dem man jahrelang zuguckt?

    Ich weiß nicht, irgendwie muss man sich immer wieder einhämmern, dass es wirklich eine "Er-oder-Ich-Situation" ist.
    Aber es ist so verdammt schwer.

    Ich bin aber auch eine Labertante,
    hoffe, du kannst was mitnehmen, überleg dir das mit dem Kündigen des Mietvertrags,
    liebe Grüße
    Doro

    Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung zu dem Thema, gut, dass du es anschneidest.

    Ich weiß noch nicht mal genau, wonach ich überhaupt süchtig bin.

    Süchtig, zu helfen. Süchtig, gebraucht zu werden?
    Bin ich glaub ich gar nicht.

    Süchtig nach Liebesbeziehungen?
    Bestimmt nicht, jedenfalls nicht mehr als alle anderen Menschen auch.

    Süchtig nach diesem Mann?
    Oh no, never.

    Ich hab noch nicht mal begonnen damit zu verstehen, was mit mir eigentlich los ist.

    Es hat wohl was damit zu tun, dass ich irgendwie mich selbst zu wenig wichtig nehme.
    Dass ich sehr unklar und inkonsequent bin.
    Dass ich sehr spontan bereit bin, das zu tun, was andere von mir wollen.

    Alles nur wischiwaschi.

    Aber werde hier weiter lesen.
    Doro

    Ja, Dagmar, hast natürlich Recht, für ihn ist im Augenblick alles zu viel.
    Das ist mir schon auch klar.

    Ich hab auch Momente, wo ich wirklich sehr sehr dankbar bin, dass nicht ICH die Alkoholkranke von uns bin.
    Ich meine, ich bin jetzt durch ihn in eine schwierige Situation gekommen und muss ganz schön schuften.

    Aber ich habe meine Arbeit, die mir Spaß macht,
    er verliert gerade seine Arbeit, die ihm auch Spaß gemacht hat.
    Das tut mir schon sehr leid für ihn.

    Ich habe die Kinder, die ich liebe und die mir Freude machen.
    Und er ist jetzt ganz alleine.
    Und er hat sich auch immer Kinder und Familie gewünscht.

    Ich bin in der Lage, Glück zu empfinden.
    Ich bin in der Lage, etwas zu leisten und dann zufrieden darüber zu sein.
    Ich bin in der Lage, verlässlich zu sein.
    Ich bin in der Lage, Kontakte zu Menschen zu halten und stoße sie nicht permanent vor den Kopf.

    Er kann das alles aufgrund seiner Sucht im Augenblick nicht.
    Als er trocken war, konnte er das.

    Mir geht es gut, ich fühle mich gut, auch wenn alles viel ist.

    Aber er...?
    Ich kann es nur immer wiederholen und schicke ein Gebet zum lieben Gott: Ich wünsche ihm wirklich nur das Beste!
    (Aber bitte bitte diesmal ohne mich! :lol: )

    Andererseits: Wenn ich das so aufschreibe, laufe ich schon wieder Gefahr, für ihn mitzuleiden.
    Solange ich wütend auf seine Unverschämtheiten bin und mir vor Augen halte, was er MIR angetan hat, kann ich mich leichter abgrenzen.

    :wink:
    Doro

    Hallo Julchen, wenn ich eine Episode von meinem Mann beisteuern dürfte:

    Wir sitzen bei unseren Anwälten, um u.a. den Trennungsunterhalt auszurechnen.
    Er geht ja seit seinem Rückfall nicht mehr arbeiten und riskiert gerade massiv und unwiderruflich seinen Arbeitsplatz. Noch bekommt er Gehalt, aber ich rechne nicht damit, dass das noch lange so gehen wird.
    Ich arbeite Teilzeit wegen der Kinder.

    Also, soviel zum Hintergrund.
    Wir also bei den Anwälten.
    Und er schlägt allen Ernstes vor, dass ich doch sofort auf Vollzeit gehen soll!
    Ich hab angefangen zu heulen vor den Anwälten, fand das sowas von frech und gemein.
    Er macht sich arbeitsunfähig, obwohl wir den Kredit und alles haben, und von mir will er, dass ich mich totschufte.

    Das fiel mir irgendwie ein, als du das mit den Sparbüchern schriebst und dass er keinen Unterhalt zahlt.

    Und dann wirft er mir auch vor, ich hätte ihn ja rausgeschmissen, ich würde im "gemachten Nest" sitzen im Haus und er armes Schwein in einer Ferienwohnung ganz beengt und ohne eigene Waschmaschine.
    Und er hat damit geschafft, dass ich tatsächlich manchmal denke, dass das Haus doch sehr sehr groß ist für mich und die Kinder.

    Doro

    Ja, Dagmar, das ist richtig, die nonverbale Ebene kommt noch hinzu.
    Bei meinem Mann war es das Zusammenbrüllen mit einer enormen Lautstärke.

    Ich werd auch mal laut, wenn ich mich aufrege.

    Aber bei ihm kams eben nicht im Streit, sondern, wenn er sich von mir "provoziert" fühlte und das ging manchmal sehr schnell und für mich nicht nachvollziehbar.

    Beliebtes Thema war:
    Wenn ich es wagte, nachts seinen Schlaf zu unterbrechen, z.B. weil ein Kind nachts geweint hat und ich aufstehen wollte, um zu gucken, was ich natürlich meistens leise versucht habe.
    Eigentlich ja wohl die totale Selbstverständlichkeit, dass man mal nach dem Kind sieht, wenn es sich meldet!!!
    Aber dann hat er ganz ganz laut gebrüllt: "Aufstehen, Aufstehen" und hat dann noch so getan, als wenn er jetzt die Kinder aus dem Bett holen will.
    Also die totale Panikstimmung verbreitet.

    Ist schwer zu beschreiben.

    Hat jedenfalls dazu geführt, dass ich mir nachts hundertmal überlegt habe, ob ich aufstehe.
    Als ich schwanger war und nachts öfter wach lag und auch öfter auf die Toilette musste, da erinnere ich mich, dass ich echt manchmal ewig mit voller Blase dagelegen habe und überlegt habe: Geh ich jetzt oder nicht?

    Und er war trocken!

    MIr ist das wichtig, dass ich das alles nach und nach mir bewusst mache, damit mir klar wird, dass es kein Zurück gibt.

    Sorry, Antje, wenn ich jetzt hier deinen Thread ein bisschen missbrauche. Gehört eigentlich in meinen eigenen.

    Liebe Grüße
    Doro