Beiträge von Doro

    Hallo Lohokla,

    "nur nicht der Alkohol"
    Eben!

    Durch den Alkohol wird aber alles andere irgendwann nebensächlich.

    Wie stellst du dir denn konkret eine Beziehung vor? Denk das mal zuende.
    Im Augenblick hast du noch dein eigenes Leben, aber wird das auch so bleiben? Wie war es denn vor eurer Trennung, warum hast du denn damals noch nicht dein eigenes Leben - unabhängig vom Alkohol - weiter leben können? Wenn alles passt zwischen euch, wieso kam es denn damals zur Trennung?

    Bei ihm hat sich nichts verändert, außer, dass er weiter abgebaut hat.
    (Dass er jetzt weniger trinkt als vorher - warum sollte das stimmen, ein Alkoholiker kann höchstens phasenweise reduzieren, die Krankheit schreitet fort, wenn er nicht trocken wird.)

    Was wird mit eurem Kind? Was bedeutet es denn jetzt für ihn, wenn du da die Beziehung wieder aufwärmst?

    Dass du dich nie von ihm lösen könntest, könnte natürlich auch damit zusammenhängen, dass du eben immer noch KOntakt mit ihm hattest, ist schwierig, sich da endgültig zu lösen.
    Ich hab damals auch nach einer ersten Trennung drei Jahre lang nur platonischen gelegentlichen Kontakt gehabt, trotzdem war es wunderschön, als wir uns wieder gefunden hatten. Allerdings war er dann trocken. Ich kann das verstehen, das war ein Sich-Fallen-Lassen in Vertrautes, das war wirklich viel Liebe. Gewarnt wurde ich genug, ich wollte es so. Ich wollte ihn, ich wollte an uns glauben. Und er war ja immerhin trocken!
    (Und das ist bei deinem Freund ja anders.)
    Einige Jahr später kam dann bei meinem Mann der böse Rückfall.

    Ich weiß auch gar nicht, ob dich hier ernsthaft jemand davon abbringen kann, diesen Weg zu gehen. Aber vielleicht passt du dann trotzdem besser auf dich auf und wertest die Signale richtig.

    Mich würde noch mal interessieren, was genau dich zu der Trennung damals bewogen hat, falls du das andeutungsweise schreiben magst.

    Doro

    Hallo Lohokla,

    du hast dich doch nicht ohne Grund von ihm getrennt. Warum willst du denn jetzt wieder in den Leidensweg einsteigen?

    Ich hab meinen Mann auch geliebt (er ist inzwischen an Leberzirrhose verstorben), aber das Zusammenleben war irgendwann nicht mehr möglich, er war einfach nur noch negativ und unberechenbar für mich in den letzten Jahren.
    Ich kann das nachvollziehen mit der Liebe. Ich habe bis jetzt auch noch keinen anderen Mann getroffen, mit dem ich mich so verbunden gefühlt hab. Aber ich bleib lieber alleine, als eine total zerstörerische Beziehung weiterzuführen. Na ja, jetzt steht die Frage ja nicht mehr zur Debatte für mich, aber für dich schon.

    Ich hab in dieser ganzen Trennungsgeschichte gelernt zu unterscheiden: Liebe auf der einen Seite - Möglichkeit eines gemeinsamen Lebens auf der anderen.
    Gerade wenn man jemanden so liebt, macht es einen kaputt zu sehen, wie er sich selbst zugrunde richtet. Und wenn dann noch bösartiges Verhalten dazu kommt und dann auch noch Kinder im Spiel sind, ist einfach Ende der Fahnenstange, da steht der Selbstschutz an oberster Stelle.

    Ich war an einem Punkt, da hatte ich ehrlich Angst vor ihm. Angst, dass er in einem Anfall von WAhnsinn mir oder den Kindern was antut. Angst, dass er uns finanziell in den totalen Ruin reitet mit seinen verrückten Aktionen. Angst, dass ich selbst dabei so krank werde, dass ich dann auch für die Kinder ausfalle.

    Und dass die Ärzte nichts bemerkt haben sollen, kannst du auch getrost vergessen. Die Ärzte können nur was machen, wenn er auch mitmacht. Wahrscheinlich wollte er keine weiteren Therapien.

    Das klingt jetzt wahrscheinlich nach furchtbarer Unkerei, aber es ist leider meine Erfahrung. Und ich hätte es vorher auch nicht für möglich gehalten, dass er sich so extrem verändert in seinem Wesen.
    Pass auf dich auf.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Blumenwiese,

    glaub ihm doch nicht mehr als deinem Wissen um diese Krankheit.

    Das war einer meiner Grundfehler: Ich hab ihm "vertraut" - das ist einfach grundfalsch in diesem Fall, denn was er redet ist von seiner Sucht gesteuert. Bekanntlich lügen nasse Alkoholiker das Blaue vom Himmel herunter (oder belügen sich selbst). Der denkt heute vielleicht wirklich, dass alles gut wird, und morgen macht er wieder den gleichen Mist.
    Er ist krank und die Krankheit schreitet fort, wenn er sich nicht behandeln lässt.

    Oh mein Gott, wieviel Lebenszeit hab ich damit verbracht, mich damit zu befassen, was er mir erzählt hat. Um dann teilweise festzustellen, dass er vieles später noch nicht einmal mehr wusste, weil er einfach zu betrunken war.

    Geh mal ne Weile nach deinem Verstand, die Gefühle sind in dem Fall ein schlechter Ratgeber. Er wird immer wieder in der Lage sein, bei dir Gefühle des Mitgefühls, der Hoffnung usw. zu wecken.

    Wenn du dich getrennt hast und Abstand hast, dann wirst du auch wieder normaler fühlen. Aber solange er auf dich einredet, kannst du nicht klar denken und fühlen.

    Alles Gute,
    Doro

    Hallo,

    ich denke, NUR für die Kinder - so ist es ja in der REgel nicht.

    Aber umgekehrt hält der Gedanke an die Kinder ja vielleicht die eine oder andere Frau beim Partner, weil sie glaubt, für die Kinder sei halt das Verbleiben in der normalen Familie besse. Da finde ich es schon hilfreich zu wissen, dass es die Kinder vielmehr belastet.

    Mir hat es jedenfalls geholfen, diesen HInweis von einer kompetenten Person zu bekommen. Es war sicher nicht der einzige Grund für die Trennung.

    Außerdem finde ich es ziemlich theoretisch, das auseinander zu dividieren: für mich bzw. für die Kinder.
    Das hängt ja auch zusammen, jedenfalls wenn die Kinder noch so klein sind. Für mich jedenfalls, es ist einfach ein wesentlicher Teil meines Lebens und eine große Verantwortung. Das heißt nicht, dass ich alles den Kindern unterordnen würde, aber es spielt bei allen Entscheidungen doch eine große Rolle, was dies für die Kinder bedeutet.

    Doro

    Hallo Blumenwiese,

    wie du euer gemeinsames Leben beschreibt hat mich gedankemäßig zurückkatapultiert in eine Zeit, in der ich mit meinem Partner genauso gelebt habe. Alles war so ähnlich wie bei dir.
    Er hat seine Sucht letztendlich nicht überlebt, aber das hat noch viele Jahre gedauert.

    Ich finde, dass du alles sehr klar siehst. Du weißt genau, was mit ihm los ist und eigentlich auch, was mit dir los ist. Du musst bloß noch den Mut finden, deinen Trennungswillen umzusetzen.

    Bei mir war der Grund, weshalb ich mich nicht trennen wollte, in erster LInie, dass ich ihn nicht im Stich lassen wollte. Was natürlich Unsinn war, denn echte Hilfe gabs durch mich ja nicht, nur Schützenhilfe zum Weiter-Saufen. Natürlich hatte ich auch das Gefühl, ihn sehr zu lieben, das habe ich sogar bis heute. Trotzdem war es wirklich ein wunderbares Gefühl, als ich meine eigene Wohnung hatte, Ruhe hatte, alles plötzlich hell und freundlich wurde in meinem Leben. So ein Suff-Leben ist einfach total deprimierend, auch wenn da mal schöne Momente dabei sein können, aber insgesamt ist es wirklich ein Jammertal.

    Ich glaube, es gibt nichts, wovor du dich fürchten musst. Wenn du dir den Ruck gibst und es einfach umsetzt, dann sitzt du in absehbarer Zeit in deinen eigenen vier Wänden und kannst aufatmen und dich mit den Dingen beschäftigen, die für dich sinnvoll sind.

    Bei dir ist alles im Vergleich zu anderen noch relativ leicht. Da gibt es viele, die finanziell abhängig sind, die gewaltbereite Partner haben und Angst haben, die gemeinsame Kinder haben oder die es eben alleine nicht aushalten. All das ist bei dir nicht der Fall. Du weißt, dass du auch alleine leben kannst, du bist unabhängig, du musst die Trennung einfach nur durchziehen. Natürlich ist es kein Spaziergang, aber sooo schwierig nun auch nicht.

    Die Beschäftigung mit seinem Suchtproblem bringt nichts. Er ist einfach total krank und er muss das eben wirklich erst selbst kapieren und das kann noch ewig dauern. Und selbst dann ist es fraglich, ob er es rausschafft.

    Noch was anderes: Zum Thema "Alkohol in der Wohnung" ist meine Meinung: Solange der Alkoholiker noch voll im Trinkrhythmus drin ist und keinerlei Absicht hat, daran was zu ändern, ist es relativ egal, ob du da noch Sekt rumstehen hast oder nicht. Es kann nämlich auch AUsdruck vom Co-Verhalten sein, dass man sozusagen für den Partner versucht, selbst alkoholfrei zu bleiben. Ist ja schön und gut und der eigenen Gesundheit ja auch zuträglich, aber das bringt nichts im Hinblick auf die Sucht des Alkoholikers, solange der weitertrinken möchte.

    Schöne Grüße
    Doro

    Hallo Forum,

    was ist, wenn keine Kinder da sind? Welchen Stellenwert hat dann die Ehe?

    Wenn einen etwas kaputt macht, kann das nicht richtig sein, das einfach immer weiter so zu machen. Niemand kann das wollen, auch kein höheres Wesen (vorausgesetzt, dieses höhere Wesen meint es gut mit uns.)

    Sich aus lähmenden Situationen zu befreien ist ein Grundthema des Neuen Testaments.

    Menschlichkeit und Lebendigkeit stehen über festen Vorstellungen darüber, wie eine Ehe zu sein hat.

    Doro

    Hallo STernchen,

    ich hab mich gerade innerlich noch mal in die Situation hineinversetzt, als ich auch völlig verzweifelt war und keine Ahnung, wie ich rauskommen sollte aus der Situation. Mein betrunkener Mann wütete wie ein Irrer im gemeinsamen Haus, ich hatte Angst, aber auch Angst um das Haus und war wie gelähmt und wollte nur heulen und gerettet werden...
    Und Spedi hat Recht: Gerettet wird man in dem Sinne nicht, dass da ein Prinz erscheint und alles richtet.

    Es ging Schritt für Schritt raus aus dem Chaos.
    Schritte waren bei mir:
    - Polizei rufen
    - Verwandte und Freunde einweihen, alles erzählen (hab täglich lange telefoniert), moralische Unterstützung suchen (denn konkrete Unterstützung habs da auch erstmal nicht, die konnten auch nix Konkretes machen
    - Beratung beim Frauenhaus und die Gewissheit, da jederzeit hinzukönnen, falls es weiter eskaliert
    - Fluchtvorbereitungen für den Ernstfall (Hab ne Kiste gepackt mit wichtigen Dingen und bei einer Bekannten untergestellt, für den Fall, dass ich plötzlich wegmuss)
    - Versuch, alleiniges AUfenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder zu beantragen, direkt beim Gericht (wurde aber entmutigt)
    - Beratung bei der Anwältin und Schritte eingeleitet, um ihn aus dem Haus zu bekommen
    - Schloss auswechseln, als er endlich weg war
    - beim Forum eingestiegen: Mir weiter Unterstützung geholt und Wissen darüber, was da eigentlich abgeht
    - weiter viel moralische und praktische Unterstützung geholt bei Familie und Verwandten
    - meinen Arbeitgeber eingeweiht, dass ich ne persönlich schwierige Situation habe
    - Ärztin meine Lage geschildert
    - weiter Unterstützung bei der Anwältin
    - Gespräch bei der Polizei wegen eventueller Stalking-Anzeige
    - Gespräch bei der AWO wegen Umgangsrecht für die Kinder
    - TElefonat mit dem Jugendamt wegen Umgangsrecht
    - Brief an das Jugendamt wegen Umgangsrecht
    - Gespräch mit der Kita wegen Umgangsrecht
    - Gerichtsverfahren, als es um das Wohnrecht im gemeinsamen Haus ging
    - Beratungsgespräche bei der Suchtberatung
    - noch mehrmals mit der Polizei telefoniert
    usw.

    Das ganze ging natürlich über viele Monate.

    Es ist ein Prozess, sich da rauszuarbeiten.
    ES waren viele Dinge dabei, die auch frustrierend waren. Bei denen ich das Gefühl hatte, überhaupt nicht weiter zu kommen und dass alles aussichtslos ist. Aber nein, irgendwie bin ich dann doch immer weiter gekommen. :D

    Und so würde es bei dir auch sein. Du musst dich aufmachen.

    Doro

    Hallo Sternchen,

    was wollte die Polizei denn?

    WEnn du Angst vor ihm hast, ist es doch gut, wenn Polizei präsent ist.

    Dass es peinlich ist, verstehe ich zwar, hab selbst Szenen erlebt, die mir ziemlich unangenehm waren, aber weißte: Was solls? Das ist echt das kleinste Problem.
    ER ist doch derjenige, der peinlich ist, nicht du.

    Du wirst dein PRoblem nur lösen können, wenn du dich öffnest. Du brauchst Hilfe und musst versuchen, dir Hilfe zu besorgen. Und es wird nicht so sein, dass du immer sofort Glück hast.
    Ich hab damals, als ich mit meinem Mann solche PRobleme hatte, z.B. mich mal sehr über einen Herrn bei der TElefonseelsorge geärgert, weil ich mich nicht vestanden fühlte. Und so ist es mir noch mehrmals ergangen, es war nicht immer gleich der Volltreffer, aber dennoch: Alle zusammen haben mir dann doch geholfen, mich aus dem Sumpf zu ziehen.

    Frauenhaus ist wirklich ADresse erster Wahl, die beraten auch, man muss da nicht gleich hinziehen.

    Unternimm was.

    Doro

    Hallo empty,

    bei meiner ersten Trennung von meinem alkoholkranken Mann (damals Freund) hatte ich auch diesen Impuls: Bloß vorerst keine Beziehung mehr. Ich hatte doch wirklich erstmal so viel mit mir selbst neu zu entdecken, die Freiheit zu genießen. Das hab ich auch über ein Jahr oder so gemacht. Damals war ich so um die 30 und noch ohne Kinder und irgendwie dachte wohl mein Umfeld, das dürfe doch so nicht bleiben (wobei ich selbst den Kinderwunsch ja auch hatte) und dann ging das Verkupple und so los.

    Vielleicht war das damals zu früh, vielleicht hätte ich mir noch mehr Zeit lassen sollen. Torschlusspanik war wohl auch dabei...

    Heute hab ich nun meinen Kinderwunsch umgesetzt und die Trennung ist über zwei Jahre her und ich hab das Thema Beziehung auf der Liste "Träume für die fernere Zukunft". Ich will jetzt erstmal so richtig zu mir selbst kommen.
    Und wenn ich dann soweit bin, dann bin ich nicht böse, wenn sich was ergibt. Mittlerweile glaube ich sogar fest daran, dass es so sein wird. Aber jetzt noch nicht.

    Nun ist da jede anders, völlig klar. Ich war eigentlich noch nie so auf Liebesdinge fixiert wie manche andere. Und das LEbensalter spielt vielleicht auch ne Rolle.

    Schön, dass es dir gut geht, dass du dich fürs Leben entschieden hast,

    Doro

    Hallo Rena,

    es dauert einfach. Trotzdem kannst und sollst du natürlich auch jetzt schon mit dem neuen Leben starten, zur Ruhe kommen, aber die Verarbeitung der Trennung fordert auch ihren Raum.

    Ich hab monatelang nach der Trennung depressive Gefühle gehabt (obwohl das Zusammenleben unerträglich geworden war und ich eigentlich heilfroh war, ihn los zu sein) und mir hat geholfen, dass eine Freundin mir erklärte, es sei total normal, nach einer Trennung "Trauer" zu empfinden. Auch wenn die Beziehung schlecht war, ist da erstmal auch Trauer.

    Vielleicht ist nicht alles nur "Sehnsucht", vielleicht auch einfach "Trauer". Trauer zieht nicht zurück in den alten Zustand. Trauer akzeptiert, dass da was zuende gegangen ist.

    Solange du Kontakt mit ihm hast, reißen die Wunden allerdings immer wieder auf. Aber ich konnte auch nicht von heute auf morgen alle Leitungen kappen, bei mir war es ein längerer Prozess.

    Beste Wünsche,
    Doro

    Hallo Melanie und ihr anderen,

    ich hab mich ja auch nur theoretisch damit beschäftigt.
    Bei uns war es ja so, dass mein Mann einfach nicht mehr arbeiten gegangen ist trotz eines bombensicheren Jobs.
    Und dann ist er am Ende in Hartz IV gefallen und ich habe einen Job und verdiene nicht schlecht. Deshalb hatte ich große Angst, dass die auf mich zukommen würden und hab diesen Paragraphen ausgegraben und hätte im Ernstfall versucht, mich darauf zu berufen.
    Soweit kam es aber nicht.

    Nun waren es letztendlich nur wenige Monate, denn dann ist er ja verstorben.

    Aber für diese Monate ist niemand auf mich zugekommen, bisher (toitoitoi).

    Also, wenn jemand Unterhalt beziehen möchte vom Partner, muss er sich schon fragen lassen, weshalb er oder sie nicht arbeitet. Ich denke, so ganz automatisch läuft das mit der Unterhaltsverpflichtung nicht. Aber dann muss man sich eben wieder erst juristisch wehren.

    Bei Pflegefällen ist es wieder schwieriger, denn die sind ja offensichtlich nicht mehr arbeitsfähig.

    Doro

    Hallo,

    ihr habt völlig Recht.

    Zumindest theoretisch gibt es allerdings eine juristische Grundlage dafür, dass jemand sein Unterhaltsrecht beim Ex-Ehepartner verwirkt hat, wenn er/sie z.B. keine Therapie macht und sich nicht bemüht, wieder arbeitsfähig zu werden.
    Ich weiß aber nicht, ob das in der Praxis auch so durchkommt. Ich vermute, dass natürlich die Sozialämter erstmal davon ausgehen, dass eine Unterhaltspflicht besteht. Die wollen eben ihr Geld haben. Alles andere müsste frau dann vor Gericht durchboxen. Und ist dann wohl eine Einzelfallentscheidung und hängt sehr stark von verschiedenen Faktoren ab.

    Ich finde, über dieses Problem müsste sich der Gesetzgeber auch noch mal Gedanken machen. Ich finde es schlimm, dass ein Alkoholiker wie die Axt im Walde finanziellen Schaden anrichten kann, und dann heißt es: Kann ja nix dafür... (was auch wiederum stimmt, er ist ja krank)
    Frau oder sonstwer soll dann dafür aufkommen.

    Für die Schulden des Partners ist man allerdings nur zuständig, wenn man gemeinsam den Kredit aufgenommen hat, das hat mit Scheidung gar nichts zu tun.
    Aber gemeinsame Kredite und eben die Unterhaltspflicht, das sind die entscheidenden Punkte.

    Doro

    Hallo,

    also, ich finds schon ganz hilfreich, sich bewusst zu machen, ob da was Krankhaftes abläuft. Und das kann sehr wohl der Partner sein, der der Kranke ist.
    Das hilft zu verstehen, dass eben bei manchen (kranken) Menschen ein "Nein" ziemlich schwierig ist. Was natürlich nicht heißt, dass frau "Ja" sagen soll, aber vielleicht kann man sich bewusst machen, dass es eben ein schwerer Fall ist...

    Wenn ich weiß, dass ich einen nassen Alkoholiker vor mir hab, soll ich beispielsweise ja auch nicht mit dem Diskutieren anfangen, weil es niemals ankommen wird, da hilft die Diagnose schon.

    Mein Mann hat mich damals zu ziemlich allem gebracht, was er wollte.
    Ich frag mich heute, ob ich überhaupt eine Möglichkeit gehabt hätte, mich zu wehren. Es gab bei mir schon immer so einen Punkt, an dem er und ich schon wussten, dass ich irgendwann sowieso einknicken würde. Das war, glaub ich, das Problem. Ich hab jedes Mal irgendwie wieder darauf gebaut, dass er gnädig mit mir ist und auch mal auf meine Bedürfnisse Rücksicht nimmt. Aber ich wär nie bis zum Äußersten gegangen, mich total zu verweigern.
    Und da lag natürlich MEIN Problem.

    Beispiel: Ne Zeitlang wollte er mit mir täglich in die Sauna (es waren FErien) und ich sollte unbedingt mitkommen und die Kinder dazu.
    Ich geh eigentlich ganz gern in die Sauna, aber so oft, das war mir wirklich zu dumm, noch dazu mit den Kindern (da war auch eine Badelandschaft, trotzdem!).
    Ich hab dann erstmal "NEIN" gesagt und argumentiert: zu teuer, will auch mal was anderes machen, er kann doch alleine gehen usw.
    Er hat gelockt (das tut dir doch auch gut) und gedroht (Du gehst jetzt mit - Stimme laut).
    Das extremste war einmal, dass er androhte, alleine mit den Kindern hinzufahren. Das wollte ich absolut nicht, weil ich wusste: Er hätte da die Kinder ständig mit in die heißen Aufgüsse mitgenommen oder sie unbeaufsichtigt gelassen oder sonstwas.
    Also, das konnte ich nicht zulassen.

    Ich hatte scheinbar keine Wahl!
    Aber natürlich hätte ich einfach Hilfe holen können, hätte Verwandten anrufen und die Lage schildern können, hätte mich an die Kinderärztin wenden und ebenfalls um Hilfe bitten können oder sonstwas.
    ABER: Das hätte er als totalen Vertrauensbruch gedeutet, denn er hatte mich schon soweit, dass wir uns ein Stück weit abgekapselt hatten. Keine Unstimmigkeiten sollten nach draußen getragen werden.

    Ganz schön krank alles.

    Andere Sachen waren zwar für mich harmlos, nichtsdestotrotz ebenso krank. Z.B. ständiges Kontrollieren, ob die Tür abgeschlossen ist. Erst er, dann ich nochmal, dann nochmal fotografieren, ob die Tür wirklich zu ist. Sowas halt, total befremdlich, auch unheimlich.

    Das Beste ist wirklich: Hilfe für sich selbst organisieren, sich den Rücken stärken lassen, damit man dann auch NEIN sagen kann.
    Aber bei gewaltbereiten Menschen kann das natürlich zur Eskalation führen, also pass auf dich auf.

    Doro

    Hallo Ianna,

    dieses Verhalten mit dem emotionalen Druck kenne ich auch...

    Mein Mann war, glaub ich, ein bisschen zwangsneurotisch, jedenfalls hab ich teilweise ziemlich schwachsinnige DInge getan, damit er zufrieden ist, damit ich meine Ruhe habe.
    Ich weiß nicht genau, ob es an meiner Nachgiebigkeit lag, dass ich ihm nicht genug entgegen gesetzt habe, oder ob ich tatsächlich mitmachen musste. Irgendwie hatte er mich emotional total in der Hand.

    Wie ist das bei euch:
    Was passiert denn, wenn du "NEIN" sagst? Was macht er dann? Wird er gewalttätig oder übt er irgendeinen Zwang aus? Warum kannst du dich dem nicht widersetzen, was er von dir will?

    Schöne Grüße
    Doro

    Hallo,

    ich hab mich von dem Gedanken befreit, dass die Tatsache, dass mich mein Mann angelogen hat, irgendwas mit mir zu tun hat. Lange Zeit hab ich das auch als Vertrauensbruch, mangelnden Respekt oder sowas in der Art empfunden. Aber nicht zuletzt durch das Forum hab ich begriffen, dass es wirklich mit der Sucht zusammenhängt.
    Das ist für mich als Angehörige sehr entlastend!!!

    Im Übrigen stelle ich auch bei mir fest, dass ich z.B. im Zusammenhang mit meiner Essstörung sehr gut darin bin, offensichtliche DInge einfach wegzublenden, mir schönzureden. Und ob ich einem Arzt, der mich fragen würde, wieviel Schokolade ich esse, ich die volle Wahrheit sagen würde... weiß nicht, wär mir wohl auch zu peinlich.
    Ich denke, absolute Ehrlichkeit sich selbst und den anderen gegenüber ist nur möglich, wenn man bereits dabei ist, sich von dem Suchtverhalten zu lösen.

    Doro

    ...vielleicht hab ich mich missverständlich ausgedrückt, ich meinte:
    Für den Fall eines Rückfalls spielt es dann keine Rolle mehr für deine Entscheidung (Trennung oder nicht), ob es eine Entscheidung von ihm war oder nicht.

    Und die andere Frage bezieht sich auf das Jetzt.
    Wie sehr belastet dich die Möglichkeit eines Rückfalls?
    (Vielleicht hat es die Therapeutin auch nur so gemeint.)

    Doro

    Hallo Franzka,

    eigentlich reicht es doch für dich zu wissen, dass DU mit einem Rückfall nicht mehr klar kommen würdest. Ob er sich dann dafür "entschieden" hat oder ob er von der Sucht überwältigt wurde, ist ja dann nicht entscheidend. Wir haben das Recht zu entscheiden, was uns gut tut, und müssen nicht aus Mitleid unser Leben kaputt machen lassen.

    Kannst du mit der Ungewissheit, ob er trocken bleibt oder nicht, leben - das ist die entscheidende Frage, finde ich.
    (Wobei es im Leben ja für nix ne Garantie gibt, auch das ist klar, aber das Rückfallrisiko ist auch nach 2 Jahren selbstverständlich grundsätzlich da.)

    Grüße
    Doro

    Hallo Jasmin,

    das tut mir sehr leid.
    Mein Mann war so ähnlich drauf. Ich hab auch von allen SEiten immer die AUssage bekommen, dass man gegen seinen Willen nichts tun kann.
    Eine Entmündigung sei schwierig und ohne die geht sowieso gar nichts.

    Er war dann, als es ihm gesundheitlich schlechter ging, auch öfter in der Klinik, hat sich da aber auch immer vorzeitig entlassen lassen. Ich hatte vorher immer geglaubt, wenn er erstmal in ärztlicher Behandlung wär, würde er noch die Kurve bekommen, aber stattdessen ist er immer wieder rausgegangen, um weiterzutrinken. Bis zum bitteren Ende.
    (Was nicht heißt, dass dein Onkel nicht doch noch die Kurve bekommen würde, ich red nur von ihm.)

    Allerdings hatte er Jahre zuvor schon mal die Kurve aus der Gosse heraus bekommen, das wäre dann wiederum die gute Nachricht. Er war schon halbtot und das hat ihn aufwachen lassen für einige Jahre.
    ABer das hat er ganz ohne irgendwelche Überredungskünste gemacht, er hatte einfach Angst um sein Leben.

    Ich glaub, du kannst nichts tun.
    Kannst ja noch mal eine Rechtsberatung in Bezug auf Entmündigung einholen. Aber auch da die FRage: Wozu? Kann man jemanden gegen seinen Willen therapieren? Wohl kaum.

    Wichtig fände ich, dass ihr, die Angehörigen, euch nun noch liebevoller umeinander kümmert. IHr alle ertragt da ne Menge Leid und vielleicht könnt ihr euch da gegenseitig Stütze sein.
    Aber ihm werdet ihr wohl nicht aktiv helfen können.

    Doro

    Nochmal ich:

    Mir fällt noch ein ganz banales Beispiel ein, wo es mir auch so ging, wie du schreibst: Ich wollte ihn da nicht reinlassen.
    Und zwar ging es um meinen Freundeskreist in der Kirchengemeinde. Ich hatte während unser Trennung da was aufgebaut, bin sonntags immer zur Kirche und hinterher haben wir noch schön beisammen gesessen und manchmal auch was unternommen.
    AUf sfein Drängen hin nahm ich ihn dann später, als wir wieder ein Paar waren, mit.
    Und was passierte: Jedesmal wollte er früher als ich wieder gehen. Und er hat dann immer hinterher das Ganze schlechtgemacht (na ja, die Leute interessieren sich aber nicht wirklich für dich, die wollen sich nur selbst reden hören usw.). Er hat mir das ganz schön verleidet.

    Nun weiß ich nicht, ob dein Mann auch dieser Typ Mann ist.
    Aber mein Mann war so: Er wollte mich ganz für sich alleine haben. Natürlich nicht von heute auf morgen, aber er hat doch so unterschwellig darauf hingearbeitet, dass sich mein Freundeskreis verändert hat und wir irgendwann nur noch gemeinsame Freunde hatten (und die auch immer weniger).
    Ist wohl so ne Machtgeschichte.
    Sei wachsam.

    Doro

    Hallo Franzka,

    ist echt ne schwierige Situation.
    Ich finde, deine Skepsis ist berechtigt, denn es kann tatsächlich passieren, dass du finanziell irgendwann doof dastehst, wenn er einen Rückfall hat und du da irgendwelche gemeinsamen Verträge hast oder so.
    Ganz konkreit war es bei uns das gemeinsame Haus. Kreditvertrag unterschrieben, als er trocken war, dann der Rückfall, Jobverlust und nun hab ich alleine den Kredit an der Backe. Und muss mich sogar selbst ohrfeigen, weil ich es hätte wissen können, dass dieses Risiko besteht.
    Ich hätte mich ja weigern können, ein so enormes finanzielles Risiko einzugehen.

    Wir haben auch gemeinsame Kinder - das wollte ich nun einmal, das bereue ich auch nicht, auch wenn die Situation nun nicht optimal ist.
    Oder auch, dass ich für ihn woanders hingezogen bin, dazu stehe ich noch. Eine Fernbeziehung hätte ich nicht gewollt.

    Aber das gemeinsame Haus und der Kredit,
    davon würd ich wirklich jedem abraten, wenn es auch anders geht.
    Und vor allem sind diese täglichen kleinen Entscheidungen wichtig, dass man sich da selbst treu bleibt: eigene FReunde, vielleicht ein eigenes Hobby, all sowas.

    Übrigens wär ich auch in normalen Beziehungen diesmal da kompromissloser. Ein Mann, der das nicht aushält, den will ich nicht mehr.
    Natürlich muss man auch einen Bereich haben, den man teilt, sonst ist es ja sinnlos.

    Für mich liest es sich ein bisschen so, als würdest du dich dafür entschuldigen, dass du nicht "vertrauen kannst", weil du schon so oft belogen wurdest usw.
    Dabei siehst die Situation einfach nur ganz klar, wie sie ist.
    INsbesondere, wenn er, als er nass war, schon seinen Job verloren hatte. Dann ist es ganz realistisch, damit zu rechnen, dass dies vielleicht wieder passieren könnte.
    Ob das ein Trennungsgrund ist, weiß ich nicht. Warum soll es denn nicht möglich sein, eine Beziehung zu führen, in der man Dinge teilt, ohne z.B. beruflich gemeinsame Sache zu machen?
    Ich finde nicht, dass man deshalb automatisch "nebeneinander herlebt".

    Vielleicht tust du seiner Trockenheit sogar einen Gefallen, wenn du bei deinem Weg bleibst. Denn nur so kann er lernen, aus eigener Kraft etwas aufzubauen.
    Mir hat mein Mann auch eingeredet (oder es sah auch tatsächlich so aus), dass er ohne MICH keine Chance hätte, seinen trockenen Weg zu gehen. Ich hab ihn finanziell abgesichert, ich hab ihm bei seinem Berufseinstieg geholfen usw. Irgendwie stand aber am Ende trotzdem der Rückfall.

    Lass dir jedenfalls von ihm nicht zu viel einreden.

    Liebe Grüße
    Doro