Ja, das mit dem Titel bezieht sich auf die Vergangenheit.
Richtig, mein Motto ist jetzt: Für mich und die Kinder tu ich alles. 
Im Augenblick sind die Fronten halt sehr klar.
Eigentlich habe nicht ich mich getrennt, sondern ganz klar er, bloß dass er nicht ausgezogen ist, sondern sich einfach trinkend im Wohnzimmer verschanzt hat.
Erst gab es eine Phase von ca. 14 Tagen, in denen er wieder das alte Trinkschema hatte und ich am Boden zerstört war. Dann wurde er immer aggressiver, bis es schließlich eskalierte und ich mich so bedroht fühlte, dass ich die Polizei rief und da ist wiederum bei ihm was gerissen und seitdem betrachtet er mich als Feindin. Ich weiß auch nicht, ob ich das mit der Polizei gemacht hätte, wenn ich nicht tatsächlich an jenem Abend selbst was getrunken hätte. 

Das war echt so! 

Ich trinke sonst wirklich nie, aber sein Rückfall hat mich so verzweifelt gemacht und wir hatten da von Nachbarbesuchen diesen Kräuterlikör rumstehen und da dachte ich: JEtzt will ich auch mal abschalten.
Und ich vertrag eh nichts, aber vielleicht hat das die Hemmschwelle auch bei mir herabgesetzt.
Ich habe lange mit mir gehadert, ob das mit der Polizei nicht zu viel für ihn war, aber mittlerweile denke ich: Nein, das war genau richtig, denn hier hast du endlich zum ersten Mal "Stopp" gesagt, eine Grenze gezogen, die sogar er versteht. 
Aber er war sehr sehr wütend über die Polizeiaktion und statt sich zu entschuldigen, war ich die Böse, die "wegen nichts" einfach so hysterischerweise die Polizei ruft und ihm die Zukunft verbaut (was natürlich Quatsch ist). Ich hatte mich schon halb entschuldigt "Das mit der Polizei war vielleicht nicht richtig", aber hat mir alles nichts genützt. Ich war jetzt für ihn gestorben.
Er hat sich wie gesagt fast nur noch in dem einen Raum aufgehalten und mich ab und zu angebellt, dass er mit mir nichts mehr zu tun haben will oder mich gelegentlich mit Psychoterror-Diskussionen (z.B. dass ich mit den Kindern nicht mehr gemeinsam weg darf und sowas) belastet.
Also ich war erstmal überhaupt nicht klar und stark, ich hab ihm hinterhergewinselt, dass er doch nicht alles kaputt machen soll und dass wir doch endlich uns aussprechen müssen usw.
Aber ziemlich schnell habe ich mich an die Zeit ohne ihn erinnert, die 3 Jahre nach unserer ersten Trennung und mir wurde klar, dass ich ohne ihn wahrscheinlich wesentlich besser dastehe.
Weil ich mit ihm auch verdammt einsam war, vielleicht einsamer als alleine. Und das, obwohl er trocken war.
Aber er hat eben offenbar auch ohne Alkohol irgendwie eine gewalttätige Seite. Ich denke jedenfalls jetzt, dass es eine Form von Gewalt ist, wenn man den Partner so nötigt und zu isolieren versucht. JEdenfalls habe ich das so gelesen über häusliche Gewalt: Sie beginnt immer mit Isolationsversuchen. Und das war bei uns so, er hat eigentlich so gut wie alle meine Kontakte (mit ganz wenigen Ausnahmen) madig gemacht.
Also darüber könnte ich ewig schreiben, aber was ich sagen will: Es hilft mir jetzt sehr, dass ich schon mal ein paar Jahre von ihm getrennt war. Ich habe mich damals sehr lebendig gefühlt. Nicht nur glücklich, auch oft traurig, ängstlich, alles war dabei. Aber irgendwie sehr im Kontakt mit mir selbst und auch mit anderen. Und während meiner Ehe war das irgendwie immer so anstrengend. Ich hatte das Gefühl, nichts einfach ausleben zu können, immer musste ich sozusagen einen Antrag stellen und selbst den Kontakt zu den Kindern konnte ich nicht einfach so herstellen. Er hat z.B. sich aufgeregt, wenn das Ins-Bett-Bringen zu lange gedauert hat, und solche Sachen. Ich genieße das jetzt so sehr, dass ich einfach endlich Mutter sein darf und nicht mir immer was anhören muss, dass ich die Kinder verwöhne, nicht im Griff habe usw. usw.
Sowas gibts bis zum gewissen Grad wahrscheinlich in vielen Ehen, aber glaubt mir, er war im Umgang mit den Kindern schon extrem komisch, das sagen mir jetzt alle, die uns kennen und mit denen ich jetzt (endlich wieder) Kontakt habe.
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich kann an dem Gefühl von damals anknüpfen und das gibt mir eine Vision von dem, wie es sein kann, mein Leben ohne ihn. (und es hat ja schon begonnen, hoffe ich, hoffentlich versucht er nicht, zurück ins Haus zu kommen!!!!)
Aber dieses ganze Zaudern, einen Alkoholiker zu verlassen, das habe ich auch alles durch. Damals habe ich zwei Jahre gebraucht von dem Entschluss, dass ich mich unbedingt trennen MUSS, wenn er weiter trinkt, bis zur Durchführung. Es ist mir sehr sehr schwer gefallen, ich musste es sozusagen komplett gegen mein Gefühl machen, nur vom Verstand her agieren. Ich wusste: Wenn ich bei ihm bleibe, fahre ich mein eigenes Leben gegen die Wand.
Und nur diese Erkenntnis hat mich vom Verstand her angetrieben, mein Gefühl sagte damals immer: Bleib bei ihm, er braucht dich.
Aber das war natürlich Unsinn. Er hat mich zum Trinken nicht gebraucht und es war, denke ich, in seinem Trinkerleben noch nicht mal ein besonders tiefer Einschnitt, als ich weg war. Seine Versuche, mich zurückzuerobern, waren auch sehr mager. Ehrlich gesagt, erinnere ich mich gar nicht daran, dass er es überhaupt ernsthaft versucht hat.
Allerdings habe ich damals den Kontakt auch nicht ganz abgebrochen, das war vielleicht auch ein Fehler. Und was definitiv falsch war: Ich habe damals die Sache mit der Co-Abhängigkeit für mich nicht ernst genommen, ich fand das blöd, nun noch mich selbst irgendwie mitverantwortlich zu machen.
Aber das will ich diesmal besser machen.
Mich nerven schon die ganzen Leute, die mich dauernd fragen, was er macht, ob er wieder arbeitet (Kann ich mir nicht vorstellen).
Ich weiß es nicht, er redet nicht mit mir und ich nicht mit ihm
Und ich bin froh über jeden Tag, an dem ich meine Ruhe habe.
Natürlich würde ich gerne mit ihm die praktischen Dinge besprechen, wovon er in Zukunft zu leben gedenkt 

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Das ist ja alles offen, wies jetzt weitergehen soll.
Aber solange ich da nichts klären kann, was soll ich machen?
Mit der Energie, das ist ein guter Hinweis.
Es ist wohl so: Die ganze Energie floss in seine Sache in den vergangenen Jahren. Deshalb meine ich: Ohne ihn stehe ich so viel besser da, ich müsste nur lernen, mir selbst sozusagen die Kommandos zu setzen, denn daran hapert es mitunter. Mir fällt es leicht, micht mit Herzblut für irgendein großes Ziel (z.B. eine Prüfung) einzusetzen, aber wenn es um den normalen Alltag geht, bin ich da nicht so zielstrebig und eher nachlässig.
Er hat mich sozusagen zu Höchstleistungen angetrieben, wobei er aber immer die Zielrichtung vorgegeben hat und das müsste ich jetzt eben selbst tun und das Ziel sollte nicht irgendwo da draußen liegen, sondern bei mir. Weiß nicht, wie ich das sagen soll.
Jedenfalls wäre es wohl auch falsch, sich jetzt wieder ein neues "hohes Ziel" aufzubauen und mit Hochdruck daran zu arbeiten. Ich muss selbst auch lernen, das Maß zu halten. Man kann nicht immer nur powern powern.
Aber wie gesagt: Aus meiner Singlezeit habe ich da schon eine Reihe von Rezepte.
Viel Ruhe gehört dazu, möglichst viel Schreiben, wenig oder kein Fernsehen, Spaziergänge. Dann komme ich zu mir selbst.
Hoffentlich will den ganzen Kram hier überhaupt eine lesen. 
Drückt mal die Daumen, dass der Kerl wegbleibt. 


Doro