Beiträge von Doro

    Hallo Fatima,

    hängt sicher von der Situation ab...

    Ich hab es meinem Sohn erklärt, als er 4 war.
    Ich hatte einfach Angst, dass er sonst irgendwelche anderen Theorien entwickelt, warum er seinen Papa nicht mehr sieht.
    Was hätte ich ihm denn sonst sagen sollen?
    Ein bisschen gewöhnungsbedürftig war, dass der Kleine das in den ersten Tagen allen Leuten erzählt hat: Papa trinkt zu viel Bier usw.
    Na ja, aber das klang dann etwas ab.

    Warum willst du es den Kindern sagen?
    Was erleben die Kinder denn mit diesen Familienmitgliedern?

    Doro

    Hallo,

    also ich hab eher ein Problem mit zwanghaftem Essen.
    Und eben meine Co-Abhängigkeit.

    Ich trinke fast nie.

    Ich für mich würde behaupten, dass mir Alkohol einfach nicht so viel Positives gibt, dass ich da Gefahr laufen würde, abhängig zu werden. Wenn ich mal was trinke, spüre ich kaum Positives dabei, außer dass es vielleicht gut schmeckt. Ich erlebe nie einen Punkt, an dem ich es genieße, angeheitert zu sein. Stattdessen fühle ich mich meistens am nächsten Tag sehr unangenehm, einfach irgendwie schlapp. Ich sehe dann auch gleich nicht mehr so gut (ich bin stark kurzsichtig.)
    Der einzige Grund für mich, Alkohol zu trinken, ist wirklich manchmal der Geschmack.

    Nun kommt noch dazu, dass ich hier in einer ländlichen Gegend bin und dann immer mit dem Auto fahren muss. Und da bleib ich sowieso bei null Promille.

    Aber insgesamt muss ich schon sagen, dass ich vorsichtig geworden bin. Ich will da auch in nichts reinschliddern.
    Ich würd es z.B. als zu gefährlich ansehen, mir jeden Abend etwas Alkoholisches zu "gönnen", auch wenn Millionen Menschen damit gut klar kommen. Man weiß nie, ob es sich dann doch irgendwann zwanghaft entwickelt. Lieber die Finger vom regelmäßigen Trinken lassen.

    Doro

    Hallo Knutscherl,

    ich hab nun auch leider Erfahrung damit.

    Es ist wirklich so: Entweder es gibt eine Entmündigungssituation (die aber nicht so leicht zu erreichen ist) oder der Alkoholkranke darf wirklich saufen, bis er in unmittelbarer Lebensgefahr ist, also z.B. bewusstlos oder so. Ansonsten darf ihn gegen seinen Willen niemand mitnehmen.

    Und vor allem: Sobald die unmittelbare Gefahrensituation behoben ist, kann es gut sein, dass er sich wieder entlassen lässt, nur um weiterzusaufen.

    Hab es selbst erlebt mit meinem Mann...

    Ist schwer zu akzeptieren, ist aber wohl die Rechtslage.


    Doro

    Hallo Julchen,

    erstmal: Danke für den Denkanstoß.
    Also, auf alle Fälle wäre es jetzt falsch, das ganze Thema Co-Abhängigkeit jetzt abzuhaken. Ich will das alles weiter aufarbeiten.
    Ich laufe sonst Gefahr, bei nächster Gelegenheit wieder in solch eine Rolle zu verfallen.
    Und ich hab absolut nicht vergessen, was in den letzten zwei Jahren und teilweise vorher schon los war. Ich glaube, die meisten Menschen neigen dazu, nach dem Tod das Leben eines Menschen ein bisschen zu verklären. Aber so ganz vergesslich bin ich dann doch nicht.
    Außerdem hab ich ja noch genug mit den Altlasten zu tun. Dieses ganze Schulden-Erben-Thema ist ja noch akut. Und meine Kinder darf ich nun auch endgültig alleine groß ziehen und wer weiß, was für Wut oder sonstige Probleme die noch eines Tages entwickeln.

    Also, alles easy ist jetzt auch nicht, ganz bestimmt nicht.

    Doro

    Hallo, ihr Lieben,
    danke für die Anteilnahme.

    Vielleicht hab ich mich auch falsch ausgedrückt. Es ist völlig klar, dass die Liebe und Fürsorge nicht mehr ausgelebt werden kann, wenn der Partner einen nur noch runterzieht, belastet usw.
    Wenn er auch nur noch ein Schatten der Person ist, die man mal geliebt hat. Wenn man gerade versucht, sich von einer Person abzugrenzen, ist es vielleicht nicht so angesagt, sich die schönen Momente in Erinnerung zu rufen. Ich hab die Fotos auch die ganze Zeit der Trennung nie angeguckt. Es hat zu sehr weh getan. Ich kann das erst jetzt. Jetzt darf ich wieder positiv über ihn denken, er kann mir ja nicht mehr gefährlich werden.

    Mein Standpunkt ist eigentlich auch der, dass ich denke, dass eigentlich positive Gefühle durch die Krankheit total pervertiert werden. Dass die Fürsorge und Hilfsbereitschaft an sich eigentlich positive Dinge sind, die aber dann sozusagen ins Maßlose wuchern und dann zu etwas Negativem umschlagen und gnadenlos ausgenutzt werden. So ungefähr.

    Ich hab jetzt die Chance, meinen Frieden zu machen.
    Solange mein Mann mich noch terrorisiert hat, ging das ja nicht so richtig. Da musste ich mich immerzu abgrenzen, abgrenzen, abgrenzen.
    Na ja, hab ja was gelernt dabei, hoffe ich, damit ich nicht nochmal in solch einer Beziehung lande.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Forum,

    mein alkoholkranker Mann, von dem ich seit ca. 2 Jahren getrennt lebe, ist nun verstorben.
    Ich war getrennt und hatte, denke ich, kapiert, dass ich ihn nicht retten kann, dass er seinen Weg (in den Säufertod) gehen "muss". Ich hatte Abstand. Hab ihn auch jetzt noch. Beispielsweise habe ich kaum Schuldgefühle.

    Gestern sah ich mir Fotos aus unseren guten Jahren an. Und denke in LIebe an diese Zeit.
    Ich bereite die Bestattung vor und empfinde Liebe.
    Gleichzeitig auch negative Gefühle wie Wut und Hass, aber die beziehen sich auf das, wie er zuletzt war.

    Die Gefühle der Fürsorge und der Liebe waren echt und die lasse ich mir von niemandem absprechen. Unterentwickelt war (und ist vielleicht noch) sicherlich mein Selbstschutz und mein Selbstwertgefühl, also quasi Liebe und Fürsorge zu mir selbst.

    Ich finde, dass hier teilweise zu abwertend über zwischenmenschliche Gefühle gesprochen wird. Wir gehen nicht gut mit uns um, wenn wir unsere Gefühle für den alkoholkranken Partner einzig und allein unter dem Blickwinkel der Abhängigkeit vom Partner gesehen wird.
    Co-Abhängige Menschen sind nicht alle kontrollsüchtige Menschen, die darauf aus sind, ihr schlechtes SElbstwertgefühl aufzupeppen, indem sie einen anderen Menschen zwangsbeglücken wollen.
    Diese Sichtweise ist sehr negativ und abwertend.

    Es ist sicher krank, sich festzubeißen an Problemen, die man nun mal nicht ändern kann.
    Es ist notwendig, einzusehen, dass man als Partner einen Alkoholkranken nicht kurieren kann.
    Es ist ebenfalls notwendig, sich seinem eigenen Leben und seinen eigenen Gefühlen zuzuwenden.

    Aber es ist nicht notwendig, die Liebe und Fürsorge, die man nun mal empfindet, nicht mehr ernst zu nehmen und abzuwerten als bloßen Psychoschaden.

    Seien wir gut zu uns!

    Doro

    Hallo Luna,

    also, mein Mann (jetzt getrennt) ist auch so einer von der Sorte, dass er sich in Situationen trinkt, die einfach nicht zu ertragen sind.

    Von außen sieht es so aus, als ob er dringend Hilfe benötigt. Er lebt wirklich in der Kategorie "Bettler" zurzeit. Das ist für mich schon krass, denn ich sitze hier nun allein mit den Kindern im Eigenheim mit reichlich Quadratmetern und uns geht es materiell soweit gut. Das fühlt sich für mich immer noch nicht richtig an. Ich denk immer, ich sollte ihm was abgeben.
    Aber ich weiß leider, dass er es mit seiner Trinkerei eben immer und immer wieder so einrichtet, dass er so im absoluten Elend landet.
    Jede Hilfe läuft ins Leere! Er ist wie ein schwarzes Loch, der alle Hilfsangebote aufsaugt und dann sind sie verschwunden.

    Deshalb musst du "egoistisch" sein und an dich und deine Familie denken. Es hilft ihm nicht wirklich und es macht dich kaputt.
    Wenn er wirklich will, gibt es jede Menge Hilfsangebote. Er kann sich medizinisch und psychologisch helfen lassen, er kann ALG II beantragen und wird auch eine Wohnmöglichkeit finden.
    Das alles musst und solltest du nicht übernehmen.

    Doro

    Hallo Forum,

    also, ich denke, ein Aspekt dieser Beziehung war bei mir sicherlich auch, dass ich ein gewisses Überlegenheitsgefühl ausleben konnte.
    Aber das war nur ein Teilaspekt, da bin ich mir sicher.

    DAss ich nicht gehen konnte, das hatte m.E. mit diesem Überlegenheitsgefühl nicht mehr so viel zu tun. Ich träumte davon, er möge doch bitte eine andere finden, die mich erlöst von meiner vermeintlichen Verantwortung.
    Am Anfang stand vielleicht wirklich mein Wunsch, ihm irgendwie den Weg zu weisen, aber das kippte sehr schnell und dann war ER es, der es mit allen Regeln der Kunst verstand, mein Verantwortungsgefühl immer wieder anzuschmeißen.

    Angst vor dem Alleinsein hat bei mir keine große Rolle gespielt.
    Auch das mit dem Egoismus des COs kann ich für mich nicht unterschreiben. Es war kein Egoismus, sondern eher die totale Verneinung meiner Selbst - Selbstverlust, ICH-Verlust. Ich war nicht mehr in der Lage, meine Bedürfnisse überhaupt noch ernst zu nehmen.

    Sicher, das Gefälle wurde immer stärker, aber ich hab doch darunter nur noch gelitten. Wieso sollte ich DESWEGEN die Beziehung aufrecht erhalten haben.

    Auf der anderen Seite ist es wirklich so, dass ich jetzt - alleine - erst merke, wie sehr das Zusammensein mit ihm meine Wahrnehmung davon, was "normal" ist, verändert hat. Ich merk auf einmal, in wie vielen Bereichen ich ganz und gar nicht so toll bin. Neben einem Blinden ist der Einäugige König. So ungefähr. Wenn du jemanden an deiner Seite hast, der es noch nicht mal schafft, irgendeiner Arbeit nachzugehen, dann fühlst du dich schon stark, wenn du das nun mal tust.

    Also, vielleicht hat das im Unterbewusstsein doch eine große Rolle gespielt.

    Doro

    Hallo Linde,

    du hast vollkommen Recht. Diese Formulierung passt eigentlich für den Sachverhalt nicht.

    Aber als Partner/in muss ich mir natürlich selbst ein Limit geben: Wann ist für mich Ende? Oder ist dies vielleicht auch schon Quatsch, weil es nur zur eigenen Inkonsequenz verführt? (Nach dem Motto: Also, wenn er jetzt dies und das zu dem und dem Zeitpunkt noch nicht getan hat, dann trenne ich mich aber wirklich. Und dann hat er vielleicht ein bisschen was gemacht, dann eiert man wieder mal rum.)

    Wenn ich als Partnerin anfange, mich um mich selbst zu kümmern und mich selbst wiederzufinden, werde ich auch automatisch einen Punkt finden, an dem ich vielleicht sagen muss: Und hier gehts nicht mehr gemeinsam oder ich will das so nicht mehr. Das muss dann nicht moralisch überhöht werden und auch nicht vorher festgelegt werden.
    In der Tat, es steht uns gar nicht zu, Chancen zu verteilen...

    Doro

    Hallo Waldliebende,

    also, in meinem Prozess gab es einen Punkt, der für mich entscheidend war. Das war ein Moment, in dem ich das Gefühl hatte, endlich von dem Problem erlöst zu werden, von einer höheren Macht wurde es mir abgenommen.
    Mit einem Schlag merkte ich, dass ich nicht verantwortlich war für sein Trinken, dass ich aber gleichzeitig hoffen und sehnen durfte, wie ich will, dass mir auch das erlaubt ist.
    Es war schon so etwas wie eine spirituelle Erfahrung.

    Ich halte das nämlich auch nicht aus, einfach zu sagen: Es ist mir egal.
    Nein, verdammt noch mal, es ist mir nicht egal.
    Genausowenig, wie es mir egal wäre, wenn er Krebs hätte.
    Es ist doch menschlich, dass es einem nahe geht, wenn nahe Angehörige krank sind.
    Aber es ist ein Unterschied, ob man/frau darüber traurig ist oder auf GEnesung hofft, oder ob man denkt, man selbst könnte es steuern oder kontrollieren.
    UND - das war dann die zweite Lektion - es gibt einen Punkt, da musste ich ziemlich radikal mich von diesem Hoffen und Mit-Leiden abwenden. Nicht, weil es grundsätzlich falsch ist, sondern weil es in diesem Fall falsch ist. Weil er es einfach drauf hat, mich immer und immer wieder von meinem Leben total abzubringen. Und da musste ich auch einfach mit GEwalt Abstand nehmen, anders geht und ging es nicht.
    Wenn es einen Weg gäbe, Anteil zu nehmen, ohne mich selbst zu verlieren, würde ich es tun. Aber er nutzt es immer und immer wieder einfach nur schamlos aus. Also geht es für mich nicht.

    Beispiel: Neulich telefoniere ich mal wieder mit ihm. Er erzählt mir, dass ihm sein letztes Geld für diesen Monat (der ja bekanntlich noch ne Weile dauert) geklaut worden ist. Typische Situation. Bei mir springt natürlich sofort Mitleid an.
    Wenn das irgendeiner anderne Person in meinem Bekanntenkreis passieren würde, würde ich natürlich aushelfen und ich finde das auch richtig. Mitgefühl ist doch was Gutes erstmal.
    Aber ihm passieren ja ständig solche Dinge. Es ist diese Selbstzerstörungssucht.
    Das ist ja das Problem bei nassen Alkoholikern. Da werden gute, menschliche EIgenschaften wie Mitgefühl und Hilfsbereitschaft und Versönlichkeit ausgenutzt und ausgebeutet. Und deshalb muss dann der Selbstschutz einsetzen.

    Ich will dir jetzt damit nichts Spezielles sagen, viel mir einfach nur zu der ganzen Geschichte ein.
    Um dein eigenes Leben nicht kaputt zu machen, bist du bei einem nassen Alkoholiker gezwungen, eine kleine Mauer um dein Gärtchen zu errichten, sonst latscht er dir bei der nächsten Gelegenheit wieder durch.
    Und gleichzeitig dürfen wir doch weiter hoffen.
    Doch selbst wenn er trocken würde, dürftest du die Mauer nicht einreißen...

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Hartmut,

    also außerhalb des Forums hat mir eigentlich fast nie jemand gesagt, dass ich co-abhängig bin. :!:Eigentlich behandeln mich fast alle so, als sei es wirklich ganz und gar das Problem meines Mannes.

    Die Frage betrifft mich eigentlich nur in Bezug auf das Forum, aber hier bin ich ja unter Meinesgleichen, da fühl ich mich nicht sonderlich schlecht dabei, wenn mir jemand sagt, dass ich auch an mir selbst arbeiten muss.

    Ganz am Anfang der Beziehung mit meinem Mann bin ich mal auf Rat einer Freundin zu einer psychologischen Beratungsstelle gegangen. Das ist so ca. 16 Jahre her. Meine Freundin meinte, ich bräuchte auch Hilfe für mich selbst. Dieser Psychologe hörte sich meine Geschichte an und fragte, warum ich mich nicht trennen würde. Ich sagte, dass ich das nicht schaffen würde. Er sagte, er könne mir nicht helfen, ich hätte mein Leben im Griff, mein Freund hätte ja das Problem.
    Ich war total erleichtert: Juhu, ich war ja gesund.
    Bloß mein Problem hatte ich immer noch!

    Später hatte ich dann doch den einen oder anderen Anlauf, mir Hilfe für mich selbst zu suchen, aber irgendwie kam das nie so richtig ins Rollen. Der Leidensdruck war wohl noch nicht hoch genug.

    Ich hab das Gefühl, dass einfach nicht sehr viel Wissen über Co-Abhängigkeit im Umlauf ist. Und das macht es mir manchmal schwer, weil ich nicht einfach das Schlagwort "Co-Abhängigkeit" in den RAum stellen kann und alle Welt versteht, was das nun heißen soll. Auch der Arzt, bei dem ich mal war, hat nichts von Therapie oder SHG vorgeschlagen, sondern mir nur schnell ein Anti-Depressivum verschrieben, na toll.

    Doro

    Hallo,

    hab ja selbst jetzt zwei kleine Kinder und weiß überhaupt nicht, wie ich die versorgen soll, ohne mich selbst radikal zurückzustellen.

    Sicher, überall steht jetzt, die Mutter soll sich doch auch mal was gönnen...
    Na ja, mach das mal als Alleinerziehende. Schwierig.

    Sicher - das Bild der Frau spielt ne große Rolle. Ich hab auch bei meiner Trennung auch mal zu hören bekommen, ich sei ja eine Frau, die sich durchsetzen kann (Und das war, glaub ich, nicht nur positiv gemeint.) Einer Frau wird automatisch mehr zugemutet, was Anpassung/Fürsorge usw. angeht, ist mein Eindruck. Sich dagegen zu stemmen, erfordert ne Menge Mut.

    Aber ich denke, Frauen haben einfach die stärkere sozial-empathische Ader und sind auch deshalb anfälliger für Co-Abhängigkeit. Ich glaub, das ist echt auch in den Genen.

    Doro

    Hallo,

    ich war noch nie unfähig, mein Leben allein zu meistern.
    Ich war auch noch nie süchtig nach Beziehungen.
    Und auch nicht nach einem bestimmten Menschen.

    Ich wollte ihn auch nicht so zurechtrücken, dass er für mich passt. Im Gegenteil, ich hab mich selbst so zurechtgerückt, dass ich zu ihm passte.
    Ich hab versucht, mit ihm zu leben, so, wie er eben war. Und mich selbst dabei verbogen.

    Ich bin zu lange geblieben, weil ich die Neigung habe, mich von anderen dominieren zu lassen. Ich richte mich gerne nach anderen, aus Harmoniebedürfnis, vielleicht auch aus zu geringer Achtsamkeit mir selbst gegenüber. Ich bin zu kompromissbereit, wenn es um die Wünsche anderer geht. Ich leide an Ich-Schwäche.

    Da komm ich nur Schritt für Schritt raus, selbst-kontrollierend. Ich muss mich ein bisschen umprorgrammieren.

    Radikalität ist angesagt im Umgang mit Leuten, die diese Ich-Schwäche systematisch ausnutzen. Mein Alki z.B., oder Menschen, die sehr herrschsüchtig sind.

    Doro

    Hallo Hartmut,

    klar "sollte" die Co-Abhängige die Trennung für sich selbst durchziehen.

    Als ich mich trennte, war mir schon klar, dass die Trennung bei ihm wohl nichts bewirken würde. Also hab ich auch nicht allzusehr auf eine Veränderung gelauert. Ich wusste aber eben auch, dass ich ihm mit meiner Trennung in seinem Suchtverlauf tendenziell eher nütze als schade, also durfte ich mich auch noch "gut fühlen". Alles richtig gemacht.

    Die interessante weiterführende Frage, die ich mir deshalb stelle, ist:
    Bin ich überhaupt in der Lage, wirklich egoistisch zu handeln. Nur für mich?
    Hätte ich mich auch dann trennen können, wenn es nur für mich gut gewesen wäre, nicht aber für ihn?

    Es ist immer dieses Doppelargument: Ich trenne mich, weil ich es selbst nicht mehr aushalte UND ihm sowieso nicht helfen kann.
    Hätte ich es aushalten können, wenn es geheißen hätte: Ich trenne mich, weil ich es selbst nicht mehr aushalte, obwohl ich ihm noch so viel hätte helfen können. Puh, das wär echt ein Riesenproblem geworden für mich.

    Der entscheidende Impuls meiner letzten Trennung war übrigens der Hinweis einer Bekannten, dass ich den Kindern sehr damit schade, wenn ich bleibe.
    Ich hab meine Kraft daraus geschöpft, dass ich es ja für die Kinder tun muss. Nur für mich alleine? - das wär viel schwieriger gewesen.

    Soweit meine Gedanken dazu...
    Doro

    Zitat

    Du kannst ihn nicht manipulieren, vergiss es.

    Wenn ich jemanden verlasse, damit er endlich trocken wird, ist das genauso ein sinnloser Manipulationsversuch.

    Leute, wir müssen aufhören, irgendetwas zu tun oder zu lassen, damit der Alki irgendetwas lässt oder tut.
    Darin besteht ja unser Problem.

    So verstehe ich die Kapitulation, wie sie in den zwölf Schritten zur Voraussetzung eines Genesungsprozesses gemacht wird. Da steht nix davon: Trenn dich und zwar schnell. (Obwohl das meiner Ansicht nach meistens sinnvollerweise darauf hinausläuft.) Sondern: Kapituliere! Der Alkohol ist stärker. Gib dieses Problem, das du nicht beeinflussen kannst, an eine höhere Macht ab. Lass los.
    Und wende dich den DIngen zu, die du ändern kannst: dein eigenes kleines Leben, das ein KOsmos wird, wenn man es sich endlich mal genauer anguckt. Wir gucken ja immer alle ständig in die falsche Richtung.

    Meine Güte, dass ich noch mal so pathetisch werde am späten Abend,
    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo,

    für mich ist der Abstand zu "meinem Alki" das einzige Mittel, das mich einigermaßen klar denken lässt. Nähe zu ihm führt immer wieder dazu, dass ich ziemlich durcheinander bin (das klingt romantischer als es gemeint ist) und Dinge plötzlich schief sehe und hinterher mühsam wieder zurechtrücken muss.

    Aber schon diese einfache Regel (nämlich: Halt dich von ihm fern!) ist leider in der Praxis nicht so leicht zu gestalten, wenn man gemeinsame Kinder hat und sowas. Da kommt man um Kompromisse nicht so herum, aber vielleicht ist das vergleichbar mit dem Alkoholiker, der ja auch nun mal in jedem Supermarkt an den Flachmännern vorbei muss.

    Nach meiner ersten Trennung habe ich mich jahrelang mit "meinem Alki" einmal pro Woche getroffen, rein freundschaftlich. Ich dachte, so ganz alleine könnte ich ihn dann doch nicht lassen. Das war definitiv "kontrolliertes Co-Verhalten". Es hat ganz gut geklappt, wodurch ich mich bestätigt sah, aber es hat dazu geführt, dass ich mich in jenen Jahren nie richtig innerlich von seinem Schicksal lösen konnte. Und letztlich sind wir dann auch irgendwann wieder zusammengekommen, was ich nach der schwierigen Trennung nie für möglich gehalten hätte.

    Ansonsten wüsste ich nicht, welche Regeln ich noch zu befolgen habe, die sich in so ein Schwarz-Weiß-Schema pressen ließen.
    Ich neige sicherlich dazu, mich zu sehr nach anderen zu richten und kann schlecht Grenzen setzen. Aber ich kann ja nun nicht auf den Kontakt mit Menschen gänzlich verzichten. Also muss ich da lernen, mein Verhalten Schritt für Schritt zu ändern oder es überhaupt erstmal zu merken, wo ich unter Ich-Schwäche leide.

    Wer ernsthaft süchtig nach Beziehungen ist (das bin ich definitiv nicht), der müsste sich ja eigentlich demzufolge ein Leben lang aus Beziehungen raushalten? (Juchhu, endlich steht der Karriere in der katholischen Kirche nichts mehr im Weg.)
    Das wäre doch nur die logische Konsequenz.

    Wer zum Helfersyndrom neigt (auch das trifft auf mich nicht zu), sollte das Helfen meiden. Geht das?
    Kann man dann überhaupt Kinder haben, für die man ja nunmal zwangsläufig Fürsorge aufbringen muss.

    Ich weiß nicht, ich weiß nicht...

    Doro