Hallo Feeli,
meine Meinung zu der Mitschuldsache ist, dass ich glaube, dass ich eben wirklich keinen EInfluss oder fast keinen EInfluss auf den Krankheitsverlauf nehmen kann. Auch nicht durch eine Trennung. Natürlich ist es in der Theorie so, dass der Suchtkranke so schneller zu seinem Tiefpunkt kommt, wenn er niemanden mehr hat. Aber wie oft passiert dann trotzdem erstmal gar nichts. Oder niemals mehr irgendwas.
Diese EInstellung hat natürlich mit meinen Erfahrungen zu tun. Bei meinem lieben Mann hat meine Trennung und der Entzug von Unterstützung leider nix bewirkt. Ich fand das einerseits schrecklich, aber auch eigentlich sehr befreiend.
Ich finde, die Verantwortung für die Sucht des anderen sollte die co-abhängige Partnerin am besten komplett ablegen, damit fährt man am besten. Man ist nicht Schuld, dass der andere trinkt. Egal, was man tut oder nicht tut.
Die Sache mit der verschenkten Lebenszeit ist allerdings wirklich ein Argument.
Und es ist wirklich schwer auseinander zu halten: Wo rede ich mir was schön? Und wo gehe ich Kompromisse ein, mit denen es mir besser geht als mit einem radikalen Kurs. Wenn die Situation noch ganz erträglich ist, ist es eben schwierig, dieses Wagnis des Neuanfangs einzugehen. Gleichzeitig fängt man an, sich an abartige Zustände zu gewöhnen. Z.B. hatten mein Ex und ich vor unserer ersten Trennung bestimmt zwei Jahre keinen Sex mehr. Und das mit Ende 20, also war nicht gerade so die tolle Beziehung. Vor allem entsprach das in keinster Weise meinen Vorstellungen, die ich zu Beginn der Beziehung hatte. Wir hatten weder eine gemeinsame Zukunftsperspektive noch gemeinsame Unternehmungen (außer gelegentlichen Wochenendtrips). Und den Alltag meisterten wir auch nicht gemeinsam, sondern er bürdete mjr noch zusätzliche Probleme auf, die ich ohne ihn nicht gehabt hätte. Ich war wirklich zufrieden, wenn wir halbwegs gemütliche Fernsehabende miteinander verbrachten. Abartig eigentlich.
Man gewöhnt sich an alles, auch an den Wahnsinn.
Ich frage mich auch manchmal, ob ich mich eher getrennt hätte, wenn mehr Leute mir ihre Meinung zu dieser Beziehung gesagt hätten. Ich weiß nicht, manche haben es mir ja gesagt. Allerdings immer sehr vorsichtig. Ich konnte zu dem Zeitpunkt, als ich noch nicht so weit war, irgendwie nichts damit anfangen. Ich wusste ja, dass die Beziehung nicht gut war, aber ich war der festen Meinung, dass ich ihn einfach zu sehr liebte, dass ich es eben nicht könnte.
Vielleicht hätte mal jemand mir richtig die Ohren langziehen müssen. Aber vielleicht hätte ich ihn dann nur wieder verteidigt. Ich glaub, ich hätte es nicht annehmen können. Ich hab ihn immer dafür bemitleidet, dass meine Verwandtschaft ihn nicht richtig akzeptiert hat, dass er das schwarze Schaf war.
Die Einsicht, so nicht weitermachen zu wollen, die habe ich letztlich ganz alleine mit mir selbst abgemacht. Ich glaube, es ging einfach nur so. So war es dann für mich stimmig.
Andere von außen haben mir sicherlich auf dem Weg dahin wichtige Denkanstöße gegeben, die dann im Zusammenwirken mit meinem Leidensdruck den Absprung ermöglicht haben.
Liebe Grüße
Doro