Beiträge von Doro

    Hallo Feeli,

    meine Meinung zu der Mitschuldsache ist, dass ich glaube, dass ich eben wirklich keinen EInfluss oder fast keinen EInfluss auf den Krankheitsverlauf nehmen kann. Auch nicht durch eine Trennung. Natürlich ist es in der Theorie so, dass der Suchtkranke so schneller zu seinem Tiefpunkt kommt, wenn er niemanden mehr hat. Aber wie oft passiert dann trotzdem erstmal gar nichts. Oder niemals mehr irgendwas.

    Diese EInstellung hat natürlich mit meinen Erfahrungen zu tun. Bei meinem lieben Mann hat meine Trennung und der Entzug von Unterstützung leider nix bewirkt. Ich fand das einerseits schrecklich, aber auch eigentlich sehr befreiend.
    Ich finde, die Verantwortung für die Sucht des anderen sollte die co-abhängige Partnerin am besten komplett ablegen, damit fährt man am besten. Man ist nicht Schuld, dass der andere trinkt. Egal, was man tut oder nicht tut.

    Die Sache mit der verschenkten Lebenszeit ist allerdings wirklich ein Argument. :!:
    Und es ist wirklich schwer auseinander zu halten: Wo rede ich mir was schön? Und wo gehe ich Kompromisse ein, mit denen es mir besser geht als mit einem radikalen Kurs. Wenn die Situation noch ganz erträglich ist, ist es eben schwierig, dieses Wagnis des Neuanfangs einzugehen. Gleichzeitig fängt man an, sich an abartige Zustände zu gewöhnen. Z.B. hatten mein Ex und ich vor unserer ersten Trennung bestimmt zwei Jahre keinen Sex mehr. Und das mit Ende 20, also war nicht gerade so die tolle Beziehung. Vor allem entsprach das in keinster Weise meinen Vorstellungen, die ich zu Beginn der Beziehung hatte. Wir hatten weder eine gemeinsame Zukunftsperspektive noch gemeinsame Unternehmungen (außer gelegentlichen Wochenendtrips). Und den Alltag meisterten wir auch nicht gemeinsam, sondern er bürdete mjr noch zusätzliche Probleme auf, die ich ohne ihn nicht gehabt hätte. Ich war wirklich zufrieden, wenn wir halbwegs gemütliche Fernsehabende miteinander verbrachten. Abartig eigentlich.
    Man gewöhnt sich an alles, auch an den Wahnsinn.

    Ich frage mich auch manchmal, ob ich mich eher getrennt hätte, wenn mehr Leute mir ihre Meinung zu dieser Beziehung gesagt hätten. Ich weiß nicht, manche haben es mir ja gesagt. Allerdings immer sehr vorsichtig. Ich konnte zu dem Zeitpunkt, als ich noch nicht so weit war, irgendwie nichts damit anfangen. Ich wusste ja, dass die Beziehung nicht gut war, aber ich war der festen Meinung, dass ich ihn einfach zu sehr liebte, dass ich es eben nicht könnte.
    Vielleicht hätte mal jemand mir richtig die Ohren langziehen müssen. Aber vielleicht hätte ich ihn dann nur wieder verteidigt. Ich glaub, ich hätte es nicht annehmen können. Ich hab ihn immer dafür bemitleidet, dass meine Verwandtschaft ihn nicht richtig akzeptiert hat, dass er das schwarze Schaf war.
    Die Einsicht, so nicht weitermachen zu wollen, die habe ich letztlich ganz alleine mit mir selbst abgemacht. Ich glaube, es ging einfach nur so. So war es dann für mich stimmig.
    Andere von außen haben mir sicherlich auf dem Weg dahin wichtige Denkanstöße gegeben, die dann im Zusammenwirken mit meinem Leidensdruck den Absprung ermöglicht haben.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Waldliebende,

    vielleicht redest du dir die Situation schön, vielleicht aber ist dieser etwas langsamere Weg eben für dich viel besser. Wer weiß das schon von außen?

    Ich finds schön, dass du deinen Weg gehst (musst du ja sowieso) und dich hier den kritischen Nachfragen immer wieder mutig stellst.
    Hauptsache, die Richtung stimmt, ist jedenfalls meine Meinung.
    Ob es so, wie du es jetzt vorhast, richtig ist, kannst nur du selbst letztendlich wissen. Kritische Nachfragen sind sicher hilfreich, weil wir dazu neigen, uns eben die Dinge so zurechtzurücken, wie es uns passt.
    Mein Eindruck war aber ein anderer: Ich finde, du machst das irgendwie gut, eben auf deine Weise. Nur ein Eindruck, mehr ist es nicht. DU bist Kapitän deines Lebens.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo DesperateS,

    na ja, Angst was zu verpassen, ausgeschlossen zu sein, das kenne ich jedenfalls sehr gut.
    Als ich noch keine Kinder hatte und single war, hatte ich unglaubliche Schwierigkeiten mit Müttern, weil ich das extreme Gefühl hatte, was zu verpassen. Da hatte ich auch manchmal regelrecht Furcht davor, zu vereinsamen...

    Auf der anderen Seite hatte ich gerade in dieser Zeit auf freundschaftlicher Ebene Kontakte, die so gut waren wie später nie wieder.
    Ich musste keine Rücksicht nehmen, war sehr offen...
    Dann kam meine Beziehung zu meinem Mann, das war einerseits wirklich traute Zweisamkeit, wir beide gegen den Rest der Welt, das war teilweise traumhaft schön und dann auch wieder ein ewiger Eiertanz. Beziehungen zu Freundinnen usw. hat er immer ziemlich argwöhnisch betrachtet und einfach so mit ner Freundin wegfahren war schwierig, da musste ich mich erstmal drei Jahre lang vor ihm rechtfertigen.
    Jetzt hab ich meine Kinder, und es stimmt, dadurch fühle ich mich selten alleine, die sind ja immer da.
    Aber gleichzeitig kann ich nicht einfach losziehen und mich mit Leuten treffen. Da bin ich manchmal dann auch wieder ausgeschlossen, weil ich einfach nicht so flexibel bin. Manche Freunde hab ich schon ewig nicht gesehen, weil ich nicht mal eben so ein Wochenende wegfahren kann oder es zumindest stressiger ist...

    Die Kunst liegt darin, jede Lebensphase so anzunehmen, wie sie ist, und die Vorteile einfach nur zu genießen.
    Und, wie Aurora richtig schreibt, die Sehnsüchte zulassen. Wegdrücken nützt ja nix.

    Insgesamt aber kannst du, glaub ich, echt gelassen sein: Beziehungen kommen dann schon irgendwann wieder...

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo desperateS,

    erstmal: Toll, dass sich deine Entzugserscheinungen gelegt haben. Das ist doch großartig. Bei der Übergabe der Sachen würd ich wirklich genau überlegen, wie du das machst, ohne wieder zu viel mit ihm zu tun zu haben. Aber weißte ja.

    Kannst du erklären, weshalb genau dich die Einsamkeit stört?
    Ist es vielleicht das Gefühl, ausgeschlossen zu sein von der Gemeinschaft, die andere scheinbar haben? Angst, was zu verpassen?
    Oder kannst du wirklich nichts mit dir selbst anfangen?

    Ich muss sagen, dass ich mittlerweile sehr gerne ungestört Zeit für mich selbst habe. Einfach meinen eigenen Gedanken nachhängen. Lesen, was mich interessiert, spazieren gehen usw.
    So in der Reinform hatte ich das allerdings lange nicht, wegen meiner Kinder. ABer früher hatte ich schon mal einige SIngle-Jahre und ich hab es nach einer Weile total genossen, diese Zeit mit mir selbst. Ich hab total viel Radio gehört (Deutschlandradio und sowas), hatte um mein Bett rum immer stapelweise Bücher, hatte mein Stammcafe, wo ich hinging, wenn mir die Decke auf den Kopf fiel, und ging auch viel spazieren und führte intensive Selbstgespräche. Es war echt schön.

    Sonntage sind für mich aufgrund des nahenden Montags allerdings auch immer irgendwie nicht so der Höhepunkt der Woche, das ist eher der Freitagnachmittag, der Start vom Wochenende.

    Was mich aber auch stört, ist, wenn ich das Gefühl habe, bei Freundinnen, die Partner haben, die zweite Geige zu spielen. Jedenfalls, wenn die Partnerschaft noch nicht so alt ist und noch so die Turtelphase angesagt ist. Also, ich hab jetzt z.B. zwei Single-Freundinnnen, aber ich kann mir schon vorstellen: Sobald die wieder in Partnerschaft sind, werden viele Sachen vielleicht nicht mehr so möglich sein.
    Aber leider war ich ja ganz genauso...

    Vielleicht gelingt es dir, langsam zu lernen, diese Sonntage mit dir ganz alleine so zu gestalten, dass du dich wie bekloppt drauf freust. Es ist doch schön, dass du dich mit niemandem abstimmen musst. Mach es dir einfach mit dir selbst gemütlich, das geht. Ist auch ein bisschen Übungssache. Z.B. fand ich es ne Zeitlang schlichtweg unheimlich, alleine in der Wohnung zu sein. Aber daran hab ich mich gewöhnt und irgendwann war es kein Problem mehr.

    Ich bin jetzt wieder am Überlegen, wie ich Sylvester feiern und ob ich Besuch haben will. Und ich muss sagen: Die Vorstellung, alleine mit meinen Kindern zu feiern, die dann hoffentlich vor Mitternacht ins Bett gehen, schreckt mich absolut nicht.

    Einen schönen Wochenstart,
    Doro

    Hallo Empty,

    ich wollt dir ja keine Angst machen. Es bezog sich auf deinen letzten Satz, dass du jetzt noch überlegst, ob du vielleicth zu streitsüchtig bist oder so. Aber ich finde, diese Gefühle sind die einzigen, die der Situation angemessen sind.

    Mein Mann war zwar nicht so extrem gewalttätig, aber aggressiv allemal. Hat eben gestalkt ohne Ende.
    Und so schlimm das einerseits war - die Angst und so weiter - war es für meine Trennung irgendwie einfacher, als wenn er nett gewesen wäre und mir was vorgeheult oder vorgeschleimt hätte. Ich weiß nicht, ob ich es dann durchgezogen hätte.

    Die Fronten waren einfach klar.

    Doro

    Hallo Empty,

    na ja, man verliert auch ein bisschen das Vertrauen in die eigene Standfestigkeit...
    Du musst jetzt auch für dich erstmal die Erfahrung machen, dass du auch anders kannst. DAss du dich zur Wehr setzen kannst. Er muss das auch erstmal entdecken, dass du so sein kannst. Er kennt dich ja nur als die Umfallerin, also probiert er es erstmal. Und vielleicht wird er es ziemlich lange probieren.
    Aber irgendwann wird er aufhören. Stell dich auf ne Menge Attacken ein, zieh die Rüstung an. Aber irgendwann wirst du deine Ruhe finden, wenn du standhaft bleibst.

    Bei mir war es z.B. mit dem Telefonterror so. Das ging wochenlang, auch nachdem ich nicht mehr rangegangen bin, hat er es noch lange weiter versucht. Und plötzlich - war Schluss, hat er nicht mehr angerufen. War damals für mich wie ein Wunder.

    SMS würd ich nicht schicken, das ist auch schon wieder ein Kontaktangebot. (Ich red schlau daher, ich weiß nicht, was ich machen würde, aber es ist auf alle Fälle klüger, nichts zu schreiben.)

    Ich würd auch nicht zu viel Energie darauf verschwenden, drüber nachzugrübeln, was die Beamten darüber denken. Du kannst ja - wenn du dann mal in einem Beratungsgesprsäch bist - das Problem ruhig offensiv ansprechen: Dass du weißt, dass du in der Vergangenheit nicht konsequent warst und dir klar ist, dass du deinen Teil auch dazu beigetragen hast, dass du nun wieder da stehst. Ist aber egal, du darfst auch mal umfallen, aber jetzt ist es genug.
    Du bist nicht die einzige, der es so geht. Ich denke, die zuständigen Leute kennen das Spiel, dass Frauen ne Weile brauchen, um sich aus so ner Beziehung zu lösen.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Liju,

    meine Kinder sind 3 und 4 Jahre alt. Und es war so, dass mein Mann durch einen Alkoholrückfall sich wirklich sehr extrem verhalten hat, nicht mehr arbeiten ging, nur noch rumschrie usw. Die Kinder waren damals 1 und 3.

    Jedenfalls gab es dann Phasen, wo sie den Vater sehen konnten, weil er nichts trank, und dann plötzlich ging es wieder los und plötzlich war nix mehr mit Papa-Treffen.
    Da hab ich das dem älteren (dann inzwischen 4) zu erklären versucht, weil ich auch nicht wollte, dass er irgendwelche komischen Phantasien entwickelt, dass er seinem Vater nicht mehr wichtig ist oder so. Ich kam einfach irgendwann an den Punkt, wo ich dachte: Er muss sich doch seinen Teil dazu denken, also muss ich es ihm erklären.
    Also hab ich ihm gesagt, dass sein Vater sehr krank ist und nicht mehr aufhören kann, Bier zu trinken. Dass er genau weiß, dass er davon krank wird, er aber einfach nicht damit aufhören kann. Und dass er eben dann ganz viel rumbrüllt und deshalb die Kinder ihn nicht treffen können.
    So ungefähr.

    ERstmal war es für mich ein bisschen komisch, dass er dann allerdings auch vor anderen Leuten manchmal erzählt hat: Mein Papa trinkt zu viel Bier.
    Aber das war nur die erste Zeit, jetzt redet er darüber nicht mehr.
    Nun muss man allerdings dazu sagen, dass die beiden ihren Papa nicht so extrem vermissen, weil die Trennung zu einer Zeit war, an die sie sich nicht bewusst erinnern.

    Also, das mit der Sucht hat der Kleine schon kapiert. Das hat ihn auch fasziniert. Ich hab auch gesagt (damit er keine Angst bekommt, wenn er Leute mit einem Glas Bier sieht), dass es viele Leute gibt, die etwas Bier trinken (Opa usw.), aber eben nur eins oder zwei und dann wieder aufhören. Dass das bei Papa aber eben anders ist, dass der nicht eins trinken und dann aufhören kann, sondern dann immer mehr haben will.
    Er hat neulich den Vergleich gezogen, als er nicht mit dem Fernsehen aufhören wollte. Er meinte, ich kann auch einfach nicht aufhören. (Okay, der Vergleich hinkt, aber so im Ansatz ist es ja ähnlich.)

    Bei uns war nun mal der Alkohol der einzige Trennungsgrund und ist auch der einzige Grund, weshalb er sich nicht um die Kinder kümmert.
    Ich zeig den Kindern auch Fotos von der Zeit, als wir noch alle zusammen waren. Gut, an dem Punkt idealisiere ich ein bisschen, denn da gab es natürlich auch schon Dinge, die schief gelaufen sind. Aber ich will eben auch, dass sie ihren Vater grundsätzlich als positiven Menschen sehen, der aber durch die Krankheit zu dem geworden ist, was er ist.
    Allerdings gibt es Situationen, da kann ich einfach nicht mehr positiv reden. Da bin ich einfach nur so wütend auf ihn, wenn er z.B. gerade angerufen hat und mich auf die Palme gebracht hat. Ich versuche dann den Kindern gegenüber das wieder zu relativieren, indem ich ihnen erkläre, warum genau ich jetzt gerade wütend bin.

    Ob das alles so richtig ist, weiß ich natürlich auch nicht. Wird sich erst später zeigen.
    Aber soll ich ihnen erzählen, Mama und Papa verstehen sich nicht mehr?
    Stimmt ja nicht.

    Aber es muss natürlich zu dem konkreten Fall passen, wie man das erklärt. Bei euch ist die Situation ja wieder anders.

    Ich will den Kindern eben auch signalisieren, dass sie das Thema "Papa" anschneiden können, wenn sie darüber reden wollen. Ich red jetzt nicht ständig drüber, aber ich schweig es auch nicht tot. Wenn ich nichts gesagt hätte, hätten sie sich vielleicht gar nicht mehr getraut, darüber überhaupt zu sprechen.

    Einen schönen Restabend,
    Doro

    Hallo Sonnenschein,

    ich musste bei Papis Beitrag schmunzeln, denn ehrlich gesagt kam mir dieser Gedanke auch sofort: Auf diese Weise biste ihn wenigstens elegant los.

    Na ja, aber ich kann auch verstehen, dass du total enttäuscht und gekränkt bist. Es liest sich wirklich wie ein schlechter Witz: Er geht zur Kur, weil du ihm dieses Ultimatum gestellt hast, und dann profitiert vielleicht am Ende eine andere und dir hat das ganze Kämpfen und Mit-Leiden nix gebracht.

    Also, versuch, trotz des Schmerzes, das Beste draus zu machen und dein Leben in die Hand zu nehmen. Du bist ihm nichts mehr schuldig, du bist einfach nur frei.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Liju,

    meine Meinung: Es ist ganz klar besser für die Kinder, wenn du NICHT durchhältst, bis alles nur noch schlimmer wird.
    Durchhalten hat ja nur Sinn, wenn nach dem Durchhalten irgendwas besser wird. Davon kannst du aber nicht ausgehen, denn er wird mit dem Trinken erst aufhören, wenn er einen echten Grund hat. Und den hat er nicht, wenn sein Leben einfach so weiter funktioniert.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Empty,

    ich war auch echt schockiert. Das liest sich hammerhart.
    Dass er die Türen eingetreten hat, finde ich echt extrem.

    Du hast alles richtig gemacht. Und gut, dass du aus dieser Beziehung raus bist!!! Auch wenn er jetzt noch wilder ist, all die Aggressionen, die er jetzt zeigt, hätte er sonst auch innerhalb der Beziehung wieder ausgepackt.

    Tu alles, was du kannst, um dich zu schützen.
    Ich hatte damals auch Kontakt mit dem Frauenhaus. Die sind auf diese Fälle spezialisiert, mit denen kann man auch reden, wenn man nicht direkt dort hin will.
    Ich hatte damals auch nochmal ein Gespräch mit der Polizei.
    Na, und Anwältin oder Anwalt würd ich auch fragen.

    Und zieh auf keinen Fall die Anzeige in einer schwachen Stunde zurück.

    Empty, ich drück dich, und wünsch dir, dass du bald zur Ruhe kommst.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo desperateS,

    komisch, ich bin ehrlich gesagt noch nie wirklich auf den Gedanken gekommen, mir selbst solche Vorwürfe zu machen.
    Okay, manchmal beschlich mich das Gefühl, dass ich doch irgendwie mein Leben gegen ne Wand gefahren habe. Dass ich so mit Anfang 20 eigentlich die Welt zu Füßen liegen hatte und mir dann diesen Mann geangelt habe, der so vieles schwerer gemacht hat als nötig.
    Aber irgendwie führt diese Betrachtungsweise nur in die Depression. Ich habe es damals so gewollt, ich wollte nicht - wie ich dachte - oberflächlich glücklich sein, ich wollte mehr, ich wollte dieses große Problem mit ihm lösen. Ich glaube, ich hab mir vom Leben irgendwie mehr Tiefgang erhofft. Die Leute, die sich nur darum gekümmert haben, dass sie ihr kleines Biedermeierleben auf die Reihe kriegen, hab ich verachtet. Und nun hab ich ganz schön lange gebraucht, um hier in meine Schranken gewiesen zu werden. Jetzt bin ich bei meinem kleinen Leben angekommen und das reicht.
    Es war MEIN WEG, ich kann dazu stehen und schäme mich nicht dafür.
    Jetzt weiß ich jedenfalls viel besser, was ich will und was nicht mehr.

    Man kann Dinge immer so oder so betrachten.

    Machs dir doch nicht so schwer.
    Was zählt, ist das, was du ab jetzt aus deinem Leben machst.
    Die Kraft wird langsam wiederkommen, pflege dich gesund - körperlich und seelisch.

    Ganz liebe Grüße
    Doro

    Hallo Empty,

    also, meiner konnte auch immer sehr schöne Liebeserklärungen machen.
    Und ich lebte auch sehr lange in dem Glauben, dass er ohne mich nicht leben könne.
    Stimmt natürlich nicht, es ist diese Zecken-Strategie. Vielleicht nicht bewusst von seiner Seite, aber es läuft darauf hinaus. Er klammert sich fest, um einen dann auszusaugen. So gesehen hat er mich auch wirklich ge-braucht. Liebe und Zärtlichkeit war sicher auch dabei, aber eben auch dieses "Brauchen" - gebrauchen, benutzen.

    Wenn ich so über meine vergangene Beziehung nachdenke, werd ich fast verrückt dabei. Weil es wirklich so schizophren ist.
    Ich kann jede Lebensphase von zwei Seiten sehen, die nicht im Einklang sind.
    Zum Beispiel die Phase, in der ich am meisten gelitten habe. Da hab ich mit ihm in einer winzigen Wohnung gelebt und es kam regelmäßig zu diesen Wutausbrüchen mit Handgreiflichkeiten und großer Verzweiflung auf meiner Seite. Gleichzeitig war dieses Zusammenleben mit ihm - so blöd es klingt - auch manchmal total gemütlich und kuschelig. Er konnte das wunderbar, mir einen gemütlichen und warmen Abend bereiten, wenn ich erschöpft nach Hause kam. Ich hab das geliebt. Aber dann wieder - wummms - kamen diese Gewaltanfälle und ich war nur noch ein Häufchen Elend. Ich hab noch nie so viel geweint in meinem Leben wie in dieser Zeit. Und ich hab immer gedacht: Er muss doch sehen, wie ich leide.
    Du, er hat NIEMALS mein Leiden in irgendeiner Form wirklich anerkannt und respektiert oder sich auch nur dafür interessiert. Auch später nicht, als er trocken war. Da hab ich ihm gesagt, ich will, dass er sich entschuldigt für all diese Gewalt. Hat er auch gemacht, aber es war nur, weil ich es so haben wollte, bevor wir nochmal eine Beziehung starten konnten. Er hat nie wieder später gefragt, wie ich das damals eigentlich empfunden habe. Er wollte immer mit dem Schwamm drüber wischen.

    Er hat mein Vertrauen auf der ganzen Linie missbraucht. Aber sowas von total missbraucht.
    Ich hab ihm, als er trocken war, so sehr vertraut, dass ich zwei Kinder mit ihm in die Welt gesetzt habe, ein Haus gekauft und meinen Heimatwohnort verlassen habe. Ich hab unendlich viel in diese Beziehung investiert, weil ich ihm vertraut habe.
    Und just in dem Augenblick, als sich das Vertrauen auszahlen sollte, hat er wieder zur Flasche gegriffen und mich "Hurenvotze" genannt.

    Wenn ich das so schreibe, klingt es wohl verbittert.
    Nee, verbittert bin ich nicht. Ich muss mir das auch immer noch regelmäßig vor Augen halten, damit ich nicht wieder in alte Gefühlsmuster - Mitleid usw. - zurückfalle und MEINE Seite dieser ganzen GEschichte wertschätze. Das ist das, was wir lernen müssen. Uns selbst endlich endlich ernst zu nehmen. Wir gehen mit uns so schlecht um, wie wir es mit einem anderen Menschen nie machen würden. Darin liegt unsere Macke, von der wir uns befreien müssen.

    Danke, dass du deine Erfahrungen hier mit uns teilst,
    denn ich hab sehr viel davon, immer mal wieder gedanklich in diese dunkle Zeit des Missbrauchs zurückzureisen, um nicht zu vergessen, und um wertzuschätzen, was ich durch die Trennung gewonnen habe.

    Ganz liebe Grüße
    Doro

    Ich hab das Gefühl, dass manche Hersteller Menschen ganz bewusst an Bierkonsum heranführen wollen. Es ist sehr auffällig, dass z.B. diese neuen Bio-Limonaden aussehen wie Bierflaschen und auch ein bisschen so abgemixt sind, dass man Bier-Assoziationen bekommt.

    Doro

    Ich bin auch mal mitgedackelt zum Hausarzt. Das ist doch nur, um dich einzuwickeln. Wenn er es ernst meint, braucht er nicht dich daneben zu setzen, um mit dem Hausarzt seine Entgiftung zu besprechen.

    Lass dich nicht einwickeln.
    Wenn er es wirklich schafft: Umso besser. Dann kann es ja noch werden mit euch. Aber das ist alles Zukunftsmusik.
    Lass dich nicht gleich wieder von DEINEM Weg abbringen, du reagierst ja dann wieder nur auf ihn.

    Liebe Grüße
    Doro

    Hallo Empty,

    es ist egal, was er dazu zu sagen hat.

    Er gibt DIR Zeit, gehts noch?

    Du brauchst keine Zeit von ihm.

    Das alles zu lesen macht mich so wütend.
    Stell dir vor, empty, dir oder mir wär sowas passiert. Wir hätten einer anderen Person so aufs Ohr gehauen, dass Löcher entstanden wären. Ich würd mich schämen ohne Ende und mich millionenmal entschuldigen und um Verzeihung bitten oder mich ganz zurückziehen.
    Und "er gibt dir Zeit" - ER erzählt DIR, es sei ja halb so wild.

    Empty, er ist genau die Sorte Mensch, die niemals wirklich auf deiner Seite stehen wird.
    Du bist ihm nicht viel wert, aber du selbst musst beginnen, dir richtig viel wert zu sein. Du brauchst ihn nicht, um dich selbst wertvoll zu fühlen.

    Liebe Grüße
    Doro

    Lieber Kaleu,

    na, da sind wir uns einig.
    Ich wollt dir auch nicht Selbstbeweihräucherung vorwerfen.
    Vielleicht hat das bei mir nur die Erinnerung wieder getriggert, denn mein Mann liebt es auch, immer wieder zu betonen, dass er mich ja nie geschlagen hätte.
    Stimmt, hat er nicht. Dafür aber eben das andere.

    Ich finds super, dass du bei dir selbst die Notbremse gezogen hast, und ich finds auch sehr wertvoll, wenn du aus deiner Sicht uns Cos auch sagst: So geht's nicht, lass dir das nicht bieten.

    Denn wir Co-Abhängige in unserm Co-vernebelten Hirn neigen ja dazu, noch in der Blutlache liegend uns zu fragen: Warum hat der arme Kerl das getan?
    :shock:

    :D
    Ganz liebe Grüße
    Doro