Hallo Nici!
Dein toi toi toi hat geholfen. Ich habe tatsächlich wieder Internet!
Hurra!!! 
In den letzten Tagen habe ich viel nachdenken können.
Mir geht es soweit auch ganz gut. Ich analysiere immer noch, was wann warum wie schiefgegangen ist, und dabei ist mir aufgefallen, dass in der Ehe meiner Eltern auch eine Co-Abhängigkeit herrscht, und das ohne einen Alkoholiker in der Familie!
Ich bin noch völlig überwältigt von dieser Feststellung.
Meine Mutter ist von meinem Vater finanziell und emotional abhängig.
Und er trinkt nicht!
Aber: - und das merke ich jetzt! Nach 30 Jahren! -
Er verhält sich wie ein nasser Alkoholiker.
Er ist, ja, so kann man das sagen: Ein Tyrann.
Er beschimpft meine Mutter, so lange ich denken kann. Und zwar auf teilweise übelste Weise.
In meinen Therapiesitzungen habe ich oft über meinen Vater geredet, aber auf die Frage, ob in der Ehe meiner Eltern Gewalt herrschte, habe ich immer mit nein geantwortet.
Jetzt plötzlich wird mir klar, dass das überhaupt nicht stimmt!
Es gab niemals körperliche Gewalt zwischen meinen Eltern (aber mein Bruder wurde von meinem Vater geschlagen), aber die psychische Gewalt... da kanns einem ganz übel werden.
Mein Vater hat nie eine Gelegenheit ausgelassen, meiner Mutter das Gefühl zu geben, vollkommen unwert und nutzlos zu sein.
Sogar vor Fremden und Bekannten hat er sie schlecht gemacht.
Und es zieht sich durch meine komplette Kindheitserinnerung:
So viele Male saß ich mit den beiden am Küchentisch und er hat meine Mutter mir gegenüber schlecht gemacht.
Ich habe sie dann immer verteidigt.
Ich war vielleicht 8 Jahre alt, und meine Mutter saß mir weinend und schweigend gegenüber, während mein Vater sie beschimpft hat, und mich noch mit dort hineingezogen hat. Übrigens: Wenn er getrunken hatte, was selten vorkam, wurde das alles noch schlimmer. Nächtelang saß meine Mutter dann in der Küche und musste sich anhören, was sie für ein schlechter Mensch ist. Sie hatte an allem Schuld.
Das sind ganz schreckliche Erinnerungen, und erst heute sehe ich das ganze Ausmaß. Ich fange gerade erst an, das alles zu durchblicken, und es ist sehr schwer für mich.
Und das schlimmste ist: Es geht immer noch so weiter!
Vor ein paar Tagen hat meine Mutter sich bei mir ausgeheult. Mein Vater hatte ihr vorgeworfen, dass sie Schuld trägt daran, dass wir Kinder nicht so geworden sind, wie wir hätten sein können/sollen...
Das ist auch etwas, was ich seit der Kindheit immer und immer wieder erlebe:
Meine Mutter heult sich bei mir aus.
Für mich ist jedenfalls klar, dass ich die Veranlagung für meine Co-Abhängigkeit von meiner Mutter habe.
Das Gefühl, nie auszureichen, immer ackern zu müssen, um liebenswert zu sein....
Ich habe mich nur sehr selten gefragt, warum meine Mutter sich nie getrennt hat. Ich glaube, ich habe einfach gedacht, es sei normal!!!
Einmal habe ich sie gefragt: "Wieso lässt du dich nicht scheiden?"
Ihre Antwort war: "Warum wohl?!"
Mehr kam da nicht. Heute habe ich eine Vermutung...
Aus dem selben Grund, weshalb ich mich nicht früher von XY getrennt habe.
Und dann ist mir noch was aufgefallen.
In meiner Beziehung zu XY sind ja auch einige schlimme Dinge geschehen. Dinge, von denen ich nie gedacht hätte, dass ich sie verzeihen könnte:
Fremdgehen, Lügen, körperliche Gewalt, Ausraster, bei denen die ganze Wohnung demoliert wurde, Beschimpfungen usw...
Heute fiel mir auf: Wenn er sich so verhalten hätte, ohne Alkoholiker zu sein, hätte ich mich sofort getrennt.
Es war also quasi nur die Sucht, die mich noch bei ihm gehalten hat.
Ich habe immer gedacht, dass er sowas ja nicht absichtlich macht. Dass er ja eigentlich ganz anders ist.
Hätte er nicht getrunken, sondern "einfach so" zu geschlagen usw., wäre ich sofort und für immer gegangen.
Ich finde das ganz interessant.
Man muss nur besoffen sein, dann verzeihe ich offenbar alles.
Aber ich glaube auch, dass es genau das ist, was uns alle hier so lange am gehen gehindert hat oder noch hindert:
Wir schieben die Schuld immer dem Alkohol zu. Wir sind der Meinung, der Alk ist böse, nicht der Mensch, der ihn trinkt.
Denn: XY kann ja auch gaaaaanz anders....
Und selbst wenn sich diese "Zwischenfälle" häufen:
Wir sehen unseren Partner immer noch als Opfer. ER trägt ja keine Verantwortung dafür! Er war ja nicht zurechnungsfähig...
Und tatsächlich: Streitereien eskalierten nur, wenn er voll war.
Geschlagen wurde ich nur unter Alkoholeinfluss.
Betrogen hat er mich auf einer Fete, und er war sternhagelvoll.
Also warum nicht dem Alk die Schuld geben?
Vielleicht, weil der Alkohol niemandem befiehlt, drauflos zu prügeln, sondern einfach nur die Hemmschwelle senkt.
Und weil es 100000000000 Menschen gibt, die NICHT zuschlagen, wenn sie getrunken haben.
Wenn der Alkohol Schuld hätte, wäre er wohl verboten, denn wie kann ein Land eine Droge erlauben, die Menschen gegen ihren Willen dazu bringt, die Menschen zu schlagen, die ihnen (angeblich) am wichtigsten sind???
Ihr merkt, ich bin ein wenig sarkastisch, und das tut gut. 
Übrigens, nur als kleine Anmerkung am Rande:
Nachdem XY mich geschlagen hatte (was dreimal in 2 Jahren vorkam, einmal mit Polizeieinsatz und Besuch seiner Eltern...), ging es immer um seine Eifersucht, und er hat mir immer wieder gesagt, er habe das ja nur AUS LIEBE getan.
Er liebe mich doch so, das müsse ich doch SEHEN!!!
Meine Güte, je mehr Abstand man hat, umso leichter wird es, das Muster auf beiden Seiten zu erkennen.
Und ehrlich gesagt: Mittlerweile tut es mir leid, dass ich nicht schon viel viel viel früher gegangen bin.
Was war das, das mich gehalten hat???
Wie konnte ich mich selbst so verraten???
Die Fragen stellen sich mir immer noch, aber ich bin nicht mehr böse auf mich, weil ich es nicht früher geschafft habe.
Ich habe gelernt, dass der Verstand eben doch meistens Recht hat.
Ich sollte viel öfter auf ihn hören! 
Zum Abschluss noch kurz etwas zu meiner derzeitigen Situation:
In 2 Monaten trete ich eine neue Stelle an.
Ich habe lange dafür gekämpft, und jetzt ist es endlich wahr geworden.
Mehr Geld verdiene ich dann auch, so dass ich mir vermutlich im Sommer endlich meinen Toscana-Urlaub gönnen kann.
Ich freue mich schon wie verrückt!!!
Ehrlich gesagt bin ich auch etwas stolz. Nicht nur, weil sich meine Arbeit gelohnt hat, sondern auch, weil ich trotz psychischer Krankheit (die übrigens seit der Trennung kaum noch zu spüren ist!) und vorallem einer unnötigen Doppelbelastung durch meine ehemalige Beziehung so weit gekommen bin.
Das klingt im ersten Moment nach einer Co-Aussage, glaube ich. Aber es ist gar nicht so gemeint.
Ich weiß ja, dass ich mir diese Beziehung quasi selbst auferlegt hatte. Den ganzen Stress habe ich mir im Nachhinein ja selbst gemacht. Aber ich habe den Weg heraus gefunden, und das ist wundervoll!