Beiträge von desperateS

    Zitat von silberkralle

    glück auf S

    wann war denn das zuletzt - kannst du dich daran wirklich noch erinnern? oder stellst dus dir nur vor?


    Vor ziemlich genau 5 Monaten...
    Nachdem ich ausgezogen war, hatte er eine Zeit lang nicht getrunken. Und ich war ihm wieder wichtig.
    Und ja, es hielt nicht lange an. Aber ich war glücklich.

    Ich habe überhaupt keine Lust, mich nachher mit meinen Kollegen zu treffen.
    Ich habe heute mal wieder meine Psycho-Attacken. Sprich: Schwindel, Angst, Traurigkeit, Unruhe...
    Das alles war so lange weg, und plötzlich ist es wieder da.

    Am liebsten würde ich alles absagen.

    Mittagspause und alleine im Büro. Die innere Unruhe ist beinahe überwältigend.
    Jetzt weiß ich, wie es einem Alkoholiker auf Entzug gehen muss.
    Immer wieder dieses "Soll ich? Soll ich nicht?"
    Es ist so unglaublich anstrengend!

    und ich fühle mich heute so verloren, so fehl am Platz bei allem was ich tue.
    Ich würde mich am liebsten ins Bett verkriechen und heulen, heulen, heulen.
    Aber 1. kann ich es mir nicht leisten, im Büro zu fehlen und 2. weiß ich, dass dadurch alles noch schlimmer wird.
    Ablenkung heißt das Zauberwort.

    Ich bin gerade so unglücklich! In der Pause habe ich ihn oft angerufen (er mich übrigens nie!), um zu hören, wie es ihm geht, insbesondere, wenn wir uns länger nicht gesehen hatten.
    Ich hatte das Telefon schon in der Hand.
    Ich würde gern kapitulieren, so verzweifelt bin ich.

    Aber was würde das bringen?
    Das Leben würde weitergehen wie bisher. Und das wollte ich doch nicht mehr! Ich wollte keinen Mann mehr, der schweigend und saufend vor dem TV sitzt, mich ständig hängen lässt, bei jedem Problem 3 Tage dauerbreit ist, meinen Geburtstag für einen Tag wie jeden anderen hält, mich belügt und betrügt und mir ins Gesicht sagt, dass ich nicht mal so viel wert bin wie eine Flasche Bier...

    Himmel, auf dem Papier sieht alles so einfach aus.
    Wenn nur diese Gefühle nicht wären...
    Ich vermisse den Mann, den ich mal hatte.
    Wir hatten doch Pläne!!!
    Wir konnten miteinander reden und haben uns verstanden, viel miteinander unternommen, gelacht, waren GLÜCKLICH miteinander!!!

    Bin ich wirklich bereit, das aufzugeben? Wieviel von dem Guten war da noch???
    Am Sonntag hat er mir gesagt, dass es noch so viel Gutes zwischen uns gibt, dass es sich lohnt, zu kämpfen.
    Aber ER KÄMPFT NICHT MEHR UM MICH!!!

    Jetzt kullern die Tränen. Die Trauer trifft mich gerade wirklich hart.
    ich höre jetzt besser auf, bevor jemand etwas mitbekommt...

    Hallo zusammen!
    Bin gerade im Büro, deswegen kann ich nicht viel schreiben, aber heute Abend antworte ich Euch ausführlicher.

    Heute morgen auf dem Weg zur Arbeit hatte ich wieder ein Gefühl von Vorfreude.
    Habe mich damit beschäftigt, mein Leben allein zu planen.
    Was will ich erleben? Wie soll die zukunft aussehen? Aber eben allein.
    Und irgendwie war es schön.

    Aber jetzt ist da wieder enorme innere Unruhe, nahe einer Panik.
    Ich werde ihn nicht anrufen.
    Wenn es überhaupt eine Chance gibt, dann nur, wenn ich ihn fallen lasse.

    Ich habe heute nachmittag eine Verabredung mit Arbeitskollegen.
    Und ich habe Angst davor. Irgendwie habe ich das Gefühl, ich bin dem ganzen nicht gewachsen.

    Ich würde ihn so gerne einfach vergessen, so wie er mich wohl auch schon fast vergessen hat!
    Es tut immer noch weh, dass es sich offenbar lohnt, mich aufzugeben. Für etwas, das ihn irgendwann töten wird...

    Danke für Eure Unterstützung! Die bedeutet mir sehr viel!

    Ihr Lieben,
    so viele Antworten und so viel Aufbauendes! Vielen Dank dafür!!!

    Hallo Feeli,

    Zitat

    Kann ich Dich eigentlich nur 'S' nennen? Desperate ist so negativ?

    Gern. ;)

    Zitat

    Meiner hat mich mit großer Vorliebe immer abends wütend gemacht. Er weiß z.B. genau, dass ich auf rassistische Sprüche SEHR empfindlich reagiere und hat dann genau die Schiene geritten. Dabei ist er in Wirklichkeit gar nicht rassistisch.


    Wie bei "uns". Ich habe nach seinen Kneipentouren auch immer dieses Stammtischgelaber ertragen müssen. Und er wusste, dass ich darauf anspringe und Gegenargumente vorbringen würde.
    Zum Schluss habe ich nur noch "jaja" gesagt, weil ich keinen Streit wollte. Das reichte ihm aber nicht. Er hat immer weitergestichelt.
    Das war wohl immer das schlimmste: Die Sticheleien.
    Es immer eher unterschwellig, nie so, dass ich ihm hätte vorwerden können, dass er mich beleidigt hat. Aber er hat teilweise ganze Abende lang immer nur gestichelt. Er hatte dann grundsätzlich eine ganz andere Meinung als ich, obwohl er einen Tag vorher zugestimmt hatte.
    Diese unterschwellige Aggression... die hat mir schon manchmal etwas Angst gemacht.


    Code
    Erst konnte er nicht schlafen, weil seine Arbeit so stressig war. Also musste er sich Rotwein hinter die Binde gießen - zwei Flaschen am Abend.


    Kenne ich auch. Nur eben mit Bier. Das ist angeblich auch der Hauptgrund fürs Saufen: Er kann sonst nicht schlafen.
    Er ist oft mitten in der Nacht zur Tanke gefahren, wenn er nicht schlafen konnte und kein Bier mehr da war.
    Er steht auch immer sehr sehr früh auf. Vermutlich, weil sein Körper durch den Alkohol gar nicht mehr abschalten kann.
    Übrigens: Als wir frisch zusammen waren und er nicht getrunken hat, hat er geschlafen wie ein Baby. Ohne Unterbrechungen, und oft auch bis 11 Uhr. Und es war so schön ruhig im Bett!!!
    Kein Geschnarche, kein Gestöhne, kein Gezappel...


    Zitat

    Wollte er nett zu mir sein, hatte ich angeblich abgenommen. Wollte er gemein sein (wollte er oft), war ich fett. In jeder beleidigenden Formuliereung, die Du Dir vorstellen kannst.


    Auch das kenne ich zu genüge.
    Mal hatte ich einen fetten Hintern, dann war es der tollste Hintern der Welt.
    Er wusste genau, womit er mich verletzen konnte...


    Zitat

    Und ich hatte immer Verständnis und wollte für ihn da sein. Ihm bei der Aufarbeitung helfen. So ging meine Co-Abhängigkeit los, glaube ich.


    Auch das kommt mir bekannt vor. Allerdings in etwas abgeänderter Form.
    Seine leibliche Mutter ist auch Alkoholikerin. Und hat sich totgesoffen.
    Er ist bei Adoptiveltern großgeworden und kann sich an seine leibliche Mutter gar nicht erinnern.
    Aber dennoch war das für ihn ein Trauma. Er hat immer gesagt, dass sei der Grund, warum er mir nie 100%ig vertrauen können würde.
    Und was habe ich gemacht?
    Ich wollte ihm beweisen, dass er mir vertrauen kann! Dass ICH ihn nicht einfach so allein lasse, wie es seine Eltern damals taten.
    Ich wollte ihm quasi zeigen, dass es wahre Liebe gibt...
    Schrecklich!

    Aber diese Parallelen zu Deinen Erlebnissen helfen mir dabei, konsequent zu bleiben.


    Lieber Heinrich,

    Zitat

    Fakt ist, dass Dein LG seinen jetzigen Weg gewählt hat. Der Sprit ist ihm wichtiger, als Du. Das ist eine Aussage, mit der man doch recht viel anfangen kann. Sie gibt einem Gewissheit! Danach dürfte der nächste Schritt klar sein, den Du wählen solltest, um Dir Deine Selbstachtung zu erhalten und um irgendwann zufrieden, oder gar glücklich zu werden.

    In der Theorie ist es immer so einfach. Aber in der Praxis... Es tut mir einfach so leid, dass er das alles so sinnlos wegwirft. Und dabei geht es gar nicht um mich. Es geht um sein Leben. Er wird nach allem, was ich bis jetzt über diese Krankheit weiß, ganz unten landen. Und da gehört er eigentlich gar nicht hin.
    Er hat sich vielleicht buchstäblich das Hirn versoffen, obwohl er mal auf einem so guten Weg war.
    Ich würde so gern verstehen, warum das alles passiert. Warum er Alkohol einem Menschen vorzieht. Das ist für mich so unbegreiflich!
    Und gerade deshalb schmerzt es auch so.
    Er hat so oft von Liebe gesprochen, von den gemeinsamen Plänen... aber auch wenn das alles toll klang: Das hätte es wohl nie gegeben, oder eben nur MIT Alkohol... Und dann wäre es auch nur soweit gekommen, weil ich weiter alles aufrecht erhalten hätte...

    Ich hasse diese Sucht, ich hasse diese Co-Abhängigkeit!
    Und ich hasse es, dass ich nicht schon viel früher abgehauen bin. Da wäre es mir wahrscheinlich leichter gefallen.


    Liebe Nanni,
    ich lese auch ab und an bei den Alkoholikern mit, aber die Antworten, die ich suche, habe ich bisher noch nicht bekommen.
    Vielleicht gibt es die ja auch gar nicht.
    Vielen lieben Dank fürs Mutmachen!


    Emma,

    Zitat

    ich weiß nicht, ob es für dich ein Zuspruch ist, wenn ich dir etwas von mir erzähle,...


    Das ist genau das, was mir im Moment am meisten hilft.
    Wenn ich sehe, andere haben das selbe durchgemacht und haben sich vielleicht sogar für sich selbst entschieden.
    Man fühlt sich einfach nicht mehr so allein mit all diesen Gefühlen.

    Zitat

    Täglich ruft er mich im Suff an, spricht von Liebe und so vielen Dingen, die wir so gerne zusammen machen wollten.
    Aber nichts was er sagt, kann er einhalten und immer wenn ich aus Selbstzweifel wieder einmal nachgegeben habe, so hat es genau genommen keine Woche bis zum nächsten Filmriss gedauert.

    So war es bei uns auch immer. Und eben weil ich alle diese "Kompromisse" schon so so so so oft eingegangen bin, will ich eben diesen NICHT mehr eingehen.
    Ich würde ihn wohl unterstützen, wenn er tatsächlich eine Therapie machen wollen würde. Aber ehrlich gesagt überlege ich die ganze Zeit, ob ich ihn dann überhaupt noch haben möchte.
    Es sind so viele schreckliche Dinge passiert. Von Beleidigungen über Fremdgehen bis hin zur körperlichen Gewalt mit Polizeieinsatz (und an alle dem war natürlich ich schuld. Ich habe es provoziert mit meinem Verhalten! Und wenn ich gar nicht da war, war ich trotzdem schuld, weil ich eben NICHT da war...), das ist vielleicht einfach zu viel gewesen.

    Aber dann kommen sie wieder, die blöden guten Erinnerungen. Und heute wimmelt es von Auslösern wie zb. das Lied im Radio, das er mag. Das Lied, das wir immer gehört haben, als wir uns verliebten, die Fotos aus den trockenen Zeiten...
    Ich hatte heute schon ein paar Augenblicke, in denen Tränen kullerten. Aber erstaunlicher Weise hielt es sich dann doch noch in Grenzen.

    Ich habe immer noch Angst, dass ich wieder rückfällig werde.
    Etwas in mir lechzt danach, dass er endlich anruft. Sich irgendwie meldet.
    Es ist bescheuert, aber wahr...

    Zitat von Feeli

    Ich war ja eigentlich sowieso schon immer alleine.

    Liebe Feeli,

    dieser Satz trifft es. Und trifft mich. So sehr, dass ich heulen muss.
    Ich war auch allein, obwohl ich ihn "hatte".
    In den schlimmsten Nöten habe ich ihn um Hilfe gebeten. Aber bekommen habe ich nichts. Niemals.
    Im Gegenteil.
    Gab es ein Problem, hat er zuerst sich selbst geholfen, in dem er 2 Liter Bier in 1 Stunde getrunken hat.
    Erst dann war er in der Lage, sich um mich "zu kümmern". Und wie diese Hilfe aussah, kann man sich ja denken.
    "Mach Dir doch nicht immer so viele Gedanken! genieß das Leben!" war sehr oft seine Aussage. Wahlweise auch: "Was soll ich denn jetzt machen? ich kann dir doch nicht helfen!!!"

    Wenn es mir schlecht ging und ich wieder eine leichte depressive Phase hatte, (was wundersamer Weise aufhörte, als ich bei ihm auszog!) ist er grundsätzlich saufen gegangen.
    Und hat mir noch vorgeworfen, ich würde absichtlich so tun als ob, nur damit er seinen Abend nicht "genießen" kann.

    Nein, dass ich ihn nicht brauche, nie gebraucht habe, um mein Leben allein zu meistern, ist mir schon länger klar.
    Spätestens seit dem Tag, als ich auf dem Weg zu einer Fortbildung mit seinem Auto liegengeblieben war. 100 km von Zuhause weg.
    Ich habe ihn angerufen, er hat mir nur gesagt, ich solle den ADAC rufen. Kein einziges Aufbauendes Wort hatte er übrig.
    Ich hatte 1 Stunde auf den ADAC gewartet, erfuhr, dass das Auto hinüber ist und wusste nicht, wie ich heimkommen sollte.
    Also rief ich ihn wieder an.
    "Sieh zu, wie Du nach hause kommst." Das war alles. Und natürlich hatte er sich während ich frierend im Auto saß schon aus Frust die Kirsche so zugezogen, dass er mich nicht mal hätte abholen können, selbst wenn er gewollt hätte.

    Ich habe es trotzdem nach hause geschafft. Mit Hilfe von Freunden.
    Und als ich abends kurz bei ihm vorbeischaute, war er sternhagel voll und versank im Selbstmitleid.
    Das war ein Beispiel von vielen, aber für mich war es ein Schlüsselerlebnis. Und seither weiß ich, dass ich von ihm nichts mehr zu erwarten habe.

    Das aufzuschreiben tat übrigens sehr gut. Vielleicht sollte ich viel mehr auf ihn schimpfen. Mein Bedürfnis, ihn anzurufen, ist geschrumpft. Um genau zu sein: Es ist weg! :)

    Auf der Fahrt nach Hause habe ich mir eine Menge Gedanken gemacht.
    Es ist irre, was einem da so durch den Kopf schießt.
    Von "Sowas hab ich nicht verdient" bis hin zu "Ich schreib ihm ne sms, dass ich es nochmal versuchen möchte, wenn er wirklich nur abends 2 Flaschen trinkt" war alles dabei.

    Es ist tatsächlich Entzug!

    Der Gedanke daran, wieder mit ihm zusammen zu sein, wenn er weniger trinkt, hat was sehr beruhigendes. Aber nur auf den ersten Blick.
    Denn ich weiß ja, dass er darüber keinerlei Kontrolle mehr hat.
    Und mal ehrlich: Ein Mensch, der mir sagt, es lohnt sich, für den Alkohol diese ach-so-tolle Beziehung aufzugeben, der hat nicht mal verdient, dass ich an ihn denke.

    Und genau das ist es, was mich so wütend auf ihn macht!!!
    Dass ich traurig bin, OBWOHL er mich eiskalt wegen des Alkohols abserviert hat.
    Und dass ich tatsächlich immer noch drüber nachdenke, zurück zu gehen!!!

    "Alkohol ist mir wichtiger als Du. Ich werde niemals aufhören zu trinken."
    WAS WILL ICH DENN NOCH HÖREN????

    Schlimmer geht es doch eigentlich nicht, oder???
    Er fing dann gestern wieder damit an, dass ich mich jawohl dann aber auch und auf jeden Fall ändern müsste.
    Auf die Frage, was ich denn ändern müsste, kam:
    Zieh wieder hier ein.

    ??????????

    Ich hasse das Wort eigentlich, aber heute trifft es zu:
    Ich erlebe hier gerade eine "Gefühlsachterbahn".
    Mal bin ich traurig und vermisse ihn (oder irgendwas, das mit ihm zu tun hat), dann schlägt alles um in Hass auf ihn und Wut auf mich, und dann spüre ich irgendwo wieder Erleichterung.
    Und ganz manchmal sogar Vorfreude.

    Während der Fahrt sind meine Gedanken Karussell gefahren, und jedes Mal, wenn ich den Gedanken hatte, alles rückgängig zu machen, musste ich wieder daran denken, dass es gar nicht mehr er ist, den ich liebe, sondern die Vorstellung von dem, was mal war, und was ich gern wieder hätte.

    Ich gebe offen zu, dass ich oft berechnende Gedanken hatte. "Wenn ich jetzt erstmal überhaupt keinen Kontakt zulasse, merkt er vielleicht, dass es mir ernst ist und kommt zur "Vernunft"."
    Aber wie stehen die Chancen? 50:50?
    Nein, ich glaube eher 98:2 für den Alkohol.

    Und genau deswegen sollte ich die Finger von solchen Manipulationsspielchen lassen, (Wer weiß, vielleicht denkt er genau das selbe??) und mich stattdessen damit abfinden, dass der, den ich mal geliebt habe, schon lange fort ist, dass es nun nur noch um mich geht, und das ich endlich lernen werde, mir selbst genug zu sein.
    Aber der Gedanke an eine Zukunft ganz allein macht mir dennoch Angst, auch wenn ich weiß, dass das albern ist und von einem geringen Selbstwertgefühl zeugt.
    Natürlich kann ich ohne ihn leben!!! Aber es fällt mir trotzdem schwer, das zu akzeptieren!!!!!!

    Ich habe mir heute eine Grenze gesetzt.
    Frühestens in 2 Wochen darf ich mich wieder bei ihm melden.
    Ich muss ja irgendwann Kontakt aufnehmen. Meine Sachen sind ja noch dort.
    Aber eben erst in 2 Wochen.

    Und nun frage ich mich: Was tun, wenn ER sich meldet?
    Drauf eingehen? Nicht drangehen?
    Ihn abwimmeln, distanziert sein?

    Ich weiß es nicht. Alles schien so klar, und jetzt tut es weh und alles dreht sich.


    Liebe Joanne,

    Ich habe Deinen Thread glaube ich noch nicht ganz gelesen, aber das werde ich heut Abend nachholen. Und glaub mir: wenn ich diesen Schritt bis hierher gehen konnte, dann kannst Du es auch.
    Es ist nur die Frage, ob man lange genug durchhält, um die positive Veränderung zu spüren.

    Ich werde heute sicher noch öfter hier schreiben, nur um diese innere Unruhe und den "Co-Druck" loszuwerden.
    Und ich möchte mich ganz herzlich bei allen bedanken, die mir hier Mut zusprechen und mir den Spiegel vorhalten.
    das ist wirklich Gold wert. Fast wie eine richtige SHG.

    Zitat von Asketin


    Genau! Wozu hast du dich eigentlich überhaupt hier im Forum angemeldet?


    Der Punkt geht an Dich!


    Zitat

    Toll! Du brauchst ihn also also als Alleinunterhalter, weil du es allein mit dir zu langweilig findest!


    Nein. ich glaube, ER braucht mich.


    Ach, das ist doch alles Mist!
    Ich fühle mich wie auf Entzug!
    Und ja, ich weiß, dass das nachlässt.
    Aber gerade in diesem Moment ist es FURCHTBAR schwer!!![/quote]

    Ich habe gerade ein absolutes Tief.
    Ich würde ihn am liebsten anrufen und alles rückgängig machen.

    Was ist denn schon dabei, wenn er abends ein paar Flaschen Bier trinkt?
    Und überhaupt: Die Beziehung war doch gar nicht so übel...

    Aber dann denke ich wieder an meinen Geburtstag. Wie er da saß und allen ernstes noch behauptet hat, er wäre nicht besoffen.
    Das hilft mir dann kurzzeitig wieder, bis ich dann wieder an vergangene schöne Momente denke, oder die zukunft, die ich mir doch mit ihm ausgemalt habe...

    Am liebsten würde ich nur noch heulen.
    Und ich habe Angst vor heute Abend, weil ich dann allein Zuhause sitze. Und nachdenken kann. Und vielleicht dem Bedürfnis, ihn anzurufen, nicht widerstehen kann.

    Zitat von em(m)a

    manchmal am anfang dachte ich, das ist unfair: er hat nach der trennung immerhin noch sein bier, er hat ja nix verloren.

    Den Gedanken habe ich im Moment auch oft.
    Er hat immer noch seine rettungsweste. Er kriegt von der Trennung gar nicht so viel mit wie ich.

    Aber wer weiß das schon? Und was bringt es mir?
    Ich gebe zu, ich will, dass er leidet. Weil ich auch leide.
    Aber mal ehrlich:
    Kaufen kann ich mir dafür auch nichts.

    Manchmal ist es wirklich schwer...

    Hallo Emma!
    Was Du da schreibst, hätten meine Zeilen sein können.
    Ich habe heute auch zu hören bekommen, dass das Bier wichtiger ist, als ich.
    Nach 2 Jahren Beziehung, in der vielleicht 6 Monate gut und unbeschwert waren.

    Ich habe die Konsquenzen daraus gezogen und habe mich getrennt. Leider bin ich noch nicht so weit wie Du, aber ich hoffe, dass ich am Ball bleibe und nicht wieder rückfällig werde, denn im Gegensatz zu Dir weiß ich auf jeden Fall, dass ich Co bin.
    Das Forum ist mir aber derzeit eine sehr große Hilfe, und deshalb möchte ich mich Deinem Dank anschließen.

    LG,
    DesperateS

    Liebe DuHastDichSelbstGerettet!

    Ich habe mir Deinen Thread gerade in einem Rutsch durchgelesen, und ich muss sagen, dass mir Deine Geschichte sehr geholfen hat.

    Ich bin zwar schon länger ausgezogen, habe aber noch eine Menge Sachen bei meinem XY. Und die tatsächliche Trennung hat erst heute stattgefunden. Vorher habe ich immer noch irgendwo gehofft...

    Deine Geschichte hat mir Mut gemacht.
    Ich hoffe, dass Du noch weiter hier berichten wirst, und das Dein Lebensweg weiterhin so positiv verläuft!

    Habe mit ihm gesprochen.
    Er wollte sich ja nochmal Gedanken machen zum trocken werden...

    Eine sich selbst erfüllende Prophezeihung!!!!!

    Wie schon erwartet:
    Wenn der Stress nicht wäre, würde alles wieder gut werden, dann würde er nur noch abends ein paar Flaschen Bier trinken...
    Und da will er ja auch wieder hin, nur ein paar Flaschen. Ich hätte ja selbst gesagt, damit hätte ich mich doch abgefunden...
    Und weggehen mit anderen oder alleine, in Kneipen und Discos, das sieht er ja ein, dass ihm das nicht guttut.

    Was soll ich sagen?
    Ich habe ihm klipp und klar gesagt:
    Ich werde nicht mit Dir zusammenbleiben, wenn Du weiter trinkst.
    Und genaugenommen hätte das Gespräch dann auch beendet werden können.
    Denn er hat mir ins Gesicht gesagt, dass der Alkohol ihm ZUR ZEIT wichtiger wäre als ich, dass er niemals trocken werden möchte.
    Er hätte auch gern, dass ich wieder seine Nr. 1 werde, aber nicht bei dem vielen Stress. Er weiß, er kann das alles kontrollieren, würde auch mir zuliebe mal 2 Wochen nichts trinken...
    Naja, Ihr wisst ja selber, wie solche Unterhaltungen ablaufen.
    Ich habe ihm nur gesagt, dass ich nicht verstehen kann, was am Trinken so wichtig ist, dass man dafür alles aufgibt.
    Darauf gab es keine Antwort.
    Nur eine sms, in der er meinte, so schlimm, dass man die Beziehung beenden müsse, wäre es ja gar nicht, und wenn weniger Stress wäre, würde er weniger trinken, aber ich müsste ja immer alles SOFORT haben...

    Ehrlich gesagt: Mir fehlen die Worte. Ich weiß nicht, was ich noch schreiben soll.
    Ich hab es ja vorher schon gewusst, aber wenn man es dann nochmal ins Gesicht gesagt bekommt, tut es schon noch sehr weh.

    Ich weiß, ich habe das Richtige getan. Und trotzdem habe ich jetzt das Gefühl, er wird mir fehlen. Zwischendurch habe ich sogar daran gedacht, mich auf diese Lippenbekenntnisse einzulassen.
    Aber ich bin hart geblieben, und das war gut so.

    Ich hoffe, ich bleibe auch morgen noch hart. Und übermorgen, und in 2 Wochen, und in 12 Monaten.

    Ich fühle mich vermutlich genau wie er selbst, nur dass es bei ihm um Bier geht, und bei mir um einen Menschen.

    Alkohol, Du bist ein Teufel. Aber ich lasse mich von Dir nicht mehr reiten!

    Hallo Nici,

    ich finde, Du gehst viel zu hart mit Dir ins Gericht!
    Natürlich hättest Du sagen können, bis hierher und nicht weiter. Was ich aber meine, ist, dass man sich nicht bewusst selbst vor die Wahl stellt, ob man nun Co werden will, oder nicht.
    Das ist ein schleichender Prozess.
    Niemand hier ist eine Beziehung eingegangen mit dem Vorsatz, jetzt Co zu werden mit allem, was dazugehört.
    Zumindest glaube ich das. Denn meiner Erfahrung nach braucht man erst etwas oder jemanden, der einem die Augen öffnet.
    Bei mir war es zunächst dieses Forum mit allen Geschichten, die meiner Geschichte so glichen.
    Und anschließend waren es die Gespräche mit der Suchtberatung.
    Und erst wenn man dann "aufgewacht" ist, hat man wirklich eine Wahl.
    Und erst dann kann man anfangen, sich Vorwürfe zu machen.
    Das ist meine Meinung, und ich merke schon wieder, dass ich sie nicht besonders verständlich rüberbringen kann... :)

    Nachtrag:

    Ich glaube auch nicht, dass man immer eine Wahl hat.
    Ich habe mir nicht ausgesucht, co-abhängig zu werden, genauso wenig wie alle anderen Cos hier auch. Und mein Partner hat sich genauso wenig ausgesucht, alkoholkrank zu werden.

    Allerdings habe ich seit ich weiß, dass ich es bin, die Fähigkeit, zu entscheiden, ob ich so weitermachen will, oder nicht. Insofern stimme ich dann schon zu, aber eben nur teilweise. ;)

    Sorry, habe heute Formulierungsschwierigkeiten. Ich hoffe, Ihr versteht trotzdem, was ich meine! :)

    Hallo Aufbruch!

    Den Satz habe ich 10000 mal in meinem Kopf gehört: "Du hast die Wahl! Gehen oder bleiben und die Situation als gegeben hinnehmen."

    Aber soll ich Dir was sagen?
    Erst seit ich KEINE Wahl mehr habe, geht es mit mir bergauf.
    Erst, seit mir bewusst wurde, dass es eben keine Alternativen/Kompromisse gibt, als MEINEN Weg zu gehen, MICH zu ändern, kam alles ins Rollen für eine bessere Zukunft.

    Nenn es Leidensdruck, Tiefpunkt oder sonst wie:
    Ich glaube, erst wenn wir tatsächlich keine andere Wahl haben, als uns zu ändern, tun wir es auch tatsächlich.
    Und leider passieren bis dahin manchmal schlimme Dinge.
    Aber die Hauptsache ist ja, dass der Wendepunkt da ist.

    Hallo Welia, hallo Aufbruch!

    Wenn ich so drüber nachdenke, gehts mir genauso.
    Probleme sind meine Spezialität, sogar in Freundschaften.
    Irre!
    Aber ich kenne mich auch anders. Früher waren meine Freundschaften ganz anders.
    Klar, bei Problemen steht man sich bei. Aber im Moment sieht es so aus, wie Ihr es beschreibt.

    Wahnsinn, was man in diesem Forum an Denkanstößen erhält. Und dass, obwohl hier ja verhältnismäßig wenig geschrieben wird im Vgl. zu anderen Foren.

    Ich bin sehr froh, dass ich hergefunden habe!

    Hallo zusammen!

    Die Sache mit dem benutzt werden beruht ja auf Gegenseitigkeit.
    Ich habe mich benutzen lassen als die Reinemachfrau, die die Spuren verwischt und trotz aller Hiebe auf sie selbst immer noch tröstende Worte für ihn finden konnte.

    Aber ich habe auch ihn benutzt.
    Um mein Selbstwertgefühl aufzupolieren (was, wie wir alle wissen, ja nach hinten losgeht: Man versucht, gegen Windmühlen anzukämpfen, völlig aussichtslos und im Gegenteil: Völlig kontrproduktiv!), um mir selber zu beweisen, dass "Liebe" ja alles schafft.
    Ich wollte geliebt werden, konnte aber nie glauben, dass man mich um meiner selbst Willen lieben kann. Ich dachte immer, es ist normal, dass man sich "beweisen" muss, sich die Liebe verdienen muss.

    Ich bin NICHT zu ihm gefahren.
    Aber- und irgendwo ärgert mich das auch- ich habe mit ihm telefoniert.
    Im Prinzip ein gutes Gespräch.
    Er wollte mir "anbieten", das Trinken "einzuschränken", weil er ja selbst weiß, es ist zu viel im Moment.
    Als ich dann meinte, dass das ja gar nicht geht, weil er es nicht mehr kontrollieren kann, hat er mir erzählen wollen, dass er sehr wohl alles unter Kontrolle hat.
    Ich hab ihm dann gesagt, dass ich ja dann davon ausgehen muss, dass all die Dinge, die passiert sind, wie zb. der gestrigen Tag, aus bösem Willen seinerseits so passiert sind.
    Denn wenn er es kontrollieren kann und trotzdem besoffen auf der Matte steht, obwohl er weiß, dass mir das wehtut, dann kann es ja nur boshafte Absicht sein.
    Irgendwann hat er kleinbeigegeben. Er meinte, er will mich nicht verlieren, könne aber verstehen, wenn ich endgültig gehe.
    Und ich habe meinen Standpunkt deutlich gemacht, mit allem, was ich hier in den letzten Tagen Neues "gelernt" habe. Wie zb. die Tatsache, dass der, den ich liebe, schon lange nicht mehr da ist.
    Ihn hat das wohl zum Nachdenken gebracht.
    Er hat gesagt, er will in keine Klinik. Und ich habe ihm gesagt, dass wenn sich nichts ändert, ich nur 2 Wahlmöglichkeiten habe:

    Entweder, ich bleibe und sehe zu, wie er sich umbringt, was dann ja im Grunde sowas wie unterlassene Hilfeleistung wäre, oder ich gehe und lebe das Leben, dass wir eigentlich zu zweit leben wollten, allein. Und mitansehen, wie ein Mensch sich kaputt macht, kann ich nicht mehr. Dabei gehe ich selbst mit drauf.
    Er wäre auch gerne wieder so, wie er früher mal war, und er möchte gerne, dass wir wieder zusammenziehen (weshalb wohl???!!!). Habe ihm klargemacht, dass das nicht mehr passieren wird, solange er trinkt.

    Ich habe das Gespräch dann abgebrochen. ICH! Sowas wäre früher nie denkbar gewesen. Da wollte ich auf Teufelkommraus eine Lösung, und zwar sofort.
    Er will sich nun mal seine Gedanken machen.
    Morgen will er noch mal drüber reden.

    Ich weiß schon, was er sagen wird.
    Er will es nochmal alleine versuchen. Das kennen wir ja nun schon.

    Und ich werde sagen: Entweder Therapie und stationäre Entgiftung, oder ich breche den Kontakt komplett ab.
    Das alles hatten wir ja schon soooo oft!
    Aber diesmal fühle ich mich endlich stark genug, es tatsächlich zu tun. Nicht zuletzt auch deshalb, weil ich gerade in den letzten Tagen wieder viel Rückhalt von meiner Familie und meinen Freunden erhalten habe.
    Ich weiß, ich bin nicht ganz allein. Und das tut gut.

    Natürlich weiß ich, dass allein die Tatsache, dass ich mit ihm telefoniert habe, schon sehr Co ist. Und auch, dass ich ihm überhaupt die Chance lasse, über eine Therapie nachzudenken. Vielleicht ist das alles ja schon Grund genug für ihn, es selber zu wollen. (Aber das glaube ich erst, wenn ich es sehe. Wenn er trocken ist und es auch bleibt.)

    Trotz allem: Ich fühle mich gerade sehr gut, weil ich weiß, es geht jetzt in die richtige Richtung. Mit oder OHNE ihn.

    Ich werde wieder glücklich werden!

    Das Frühstück war schön. Leider hat sich gegen Ende wieder die Unruhe breitgemacht. Und gerade, als ich diesen Punkt wieder überwunden hatte, kam eine sms von ihm.
    Er will, dass ich zu ihm fahre. Er braucht mich.

    Ist das nicht entsetzlich?
    Früher habe ich ihm (in meiner höchst akuten Co-Phase) ständig gesagt: Wenn Du mich brauchst, bin ich für Dich da.
    Und siehe da, jetzt braucht er mich!

    Die Frage ist nur, wozu?
    Die Bierflaschen bekommt er doch auch alleine auf,oder? Und um mehr kreisen seine Gedanken doch offenbar nicht.
    Er hat mir dann geschrieben, dass es ihm im Moment sooo schlecht geht, dass er deshalb trinkt, es aber jetzt wieder einschränken will....

    Als ob er das noch könnte! Ich würde ihn gerne schütteln und ihn anschreien, damit er endlich aufwacht... aber ich weiß ja, das bringt alles nichts. Sein Tiefpunkt ist noch lange nicht erreicht. und seine sogenannten "Freunde" sind ja immer für ihn da. Wenn es Alkohol gibt...

    Ich will stark sein, für mich.
    Verdammt!