Ihr Lieben,
ich habe diesen Thread gelesen, und ich muss sagen: Ich sehe einiges klarer.
Insbesondere die Anmerkung, man solle sich seinen Partner so vorstellen, wie er jetzt gerade ist, ohne an die alten, schönen Zeiten zu denken, sondern nur die Momentaufnahme betrachten, und sich dann fragen, ob das der Mensch ist, den man liebt.
Die Vermutung, dass ich eine Illusion liebe - die Vergangenheit - habe ich nicht erst seit heute.
Aber dann habe ich hier gelesen, und mir meinen XY vorgestellt.
Wie er da hockt, mit glasigen Augen. Immer aggressiver wird. Mich runterputzt - wo ich armes Opfer doch nur helfen will! ... meine Güte, mir wird fast schlecht bei dem Gedanken, wie ich mich selbst erniedrige! - ...
Die Tatsache, dass wir kaum noch miteinander reden können.
Dass er an nichts mehr Spaß hat, nur am Saufen. Dass selbst besondere Tage wie Geburtstage oder Weihnachten schlichtweg nicht gefeiert werden können, weil er voll ist...
Ich habe ihn wirklich geliebt. Aber das ist schon so lange vorbei!
Der Mann, der er mal war, ist er schon lange nicht mehr.
Er hat sich verändert.
Und auch wenn ich das "Opfer" in mir schreien höre:
"Aber das ist doch nur die Krankheit! Wenn er erstmal nicht mehr trinkt, wird er wieder wie vorher! Und ich habe viel zu viel investiert, um ihn jetzt aufzugeben! bestimmt muss ich nur noch ein wenig mehr aushalten, dann wird er es endlich einsehen!"
---> So ehrlich war ich schon lange nicht mehr zu mir selbst!
... Auch wenn diese Schreie kommen, ist mir gerade klargeworden, dass die Liebe weg ist.
Weggespült mit Alkohol.
Ich sehe ihn leiden, ich sehe, wie er immer tiefer rutscht. Und ich sehe endlich, dass ich ihn nicht mehr lieben kann!
Im Gegenteil: Ich ertappe mich häufiger dabei, Hass zu empfinden.
Hass, weil er so lallt. Weil er jede verdammte Gelegenheit wahrnimmt, um sich zu betrinken. Hass, weil er lügt, dass sich die Balken biegen.
Und auch viel Hass auf mich.
Weil ich das Spiel mitspiele. Weil ich bei ihm geblieben bin, sogar, als er fremdgegangen war.
Was ist aus meinen Prinzipien geworden???
Ich war mal ein kluges Mädel. In Beziehungen eher dominant. Hatte meinen eigenen Kopf, war immer offen und ehrlich und habe den Leuten sogar gezeigt, wenn ich sie nicht mochte.
Und nun? Jetzt hocke ich da, bettle darum, geliebt zu werden und heuchle Liebe.
Ich führe eine Beziehung mit einem Riesenbaby, das es manchmal vor Vollrausch nicht schafft, die Haustür zu öffnen.
Wie um Himmels Willen kann das LIEBE sein?
Vielen Dank für diesen Thread.
Er hat meine Augen ein Stück weiter geöffnet.