Beiträge von desperateS

    Zitat von Emilie


    Weil ich ausgezogen bin, wegen so einer "Kleinigkeit". Dass ich überreagiere, ihn in Stich lasse. Weil ich es nicht akzeptiere dass er halt ab und zu mal ein paar Bierchen trinken will, oder ab und zu mal Drogen probiert.


    Na, wenn es nur eine Kleinigkeit ist, dann kann er sie ja auch Dir zuliebe aufgeben, oder?
    Nein, nein, Du hast das schon sehr richtig gemacht.

    Berichte doch bitte mal, wie es bei der Familienberatung gelaufen ist, ja?

    Schönen Sonntag wünsche ich dir!

    Guten Morgen!

    Liebe Linde, ich habe mir gestern eine Liste erstellt mit Dingen, die ich noch zu erledigen habe. Sachen, die ich zwar nicht gerne machen und die deshalb liegengeblieben sind, aber von denen ich weiß, wenn ich sie heute endlich erledige, fühle ich mich besser.
    Und dann ist da ja auch noch das Frühstücken mit der Familie, auf das ich mich sehr freue.

    Aber um ehrlich zu sein: Heute morgen wurde ich wach, und mein erster Gedanke galt XY.
    Und ich spüre jetzt wieder diese Unruhe. Das Bedürfnis, mich bei ihm zu melden.
    Es ist schon sehr schwer, dagegen anzukämpfen.

    Die Unruhe hat auch körperliche Auswirkungen. Mir ist übel, ich habe Magenkrämpfe...
    Zwischendurch denke ich immer: Vielleicht gibt es doch ein Zurück.

    Aber ich versuche mir immer wieder klarzumachen, dass ich weder ihm, noch mir damit helfen würde, jetzt doch wieder rückfällig zu werden.
    Ich muss an mich denken, an meine Zukunft.
    Aber das ist, wie gesagt, schwer.

    Meine Gedanken kreisen um seinen Zustand gestern. Der hat mich an den Tag erinnert, an dem er mich betrogen hatte. Und jetzt frage ich mich, ob das am Freitag wieder der Fall war.
    Und wenn ja: Will ich es dann überhaupt noch wissen?

    Ich werde jetzt erstmal Brötchen kaufen gehen.
    In 2 Stunden geht's los.

    Liebe Paddy!

    Zitat von Paddy

    Er ist doch garnicht mehr da.


    Genau dieser Satz ist es, den ich mich täglich denken höre.
    Er ist nicht mehr da.
    Aber meine Co-Stimme sagt dann natürlich wieder: Doch, doch! Er ist noch da. Er ist nur sowas wie "besessen". Der Alkohol macht das aus ihm. Wenn er ein paar Wochen nüchtern bleiben würde, wäre er wieder da.

    Und das Schlimme ist: Ich glaube das auch. Ich weiß, wie er in seinen "Trinkpausen" ist.
    Da ist er liebevoll, rücksichtsvoll, zärtlich, interessiert...
    Das Problem ist aber: ER fühlt sich damit unwohl! Ihm fehlt dann etwas.

    Wenn also meine Co-Stimme sowas sagt, setze ich ihr entgegen, dass er sich aber nun mal dazu entschieden hat, der andere zu sein.
    Und das ist ja auch so. Er könnte jederzeit aufhören zu trinken (Hilfe vorrausgesetzt). Er tut es aber nicht. Er will keine Hilfe. Ihm geht es (noch) gut, so wie er JETZT ist.

    Sein JETZT und mein JETZT passen aber nicht mehr zusammen.
    Natürlich habe auch ich mich verändert. Alles andere wäre ja auch traurig.
    Und wenn ein Paar sich trennt, heißt es oft: Wir haben uns auseinandergelebt.
    Und genau das ist bei mir und meinem XY passiert, nur eben auf eine Art und Weise, die wohl ohne Alkohol nicht passiert wäre.

    Zitat

    wenn ein Mensch stirbt, den man liebt, dann empfindet man die Liebe ja auch weiter. Und irgendwie fühlt es sich für mich ähnlich an.


    Für mich auch. 100%ig. Aber mit dem Tod könnte man sich irgendwie abfinden. Er ist nun mal da, und jeder stirbt irgendwann.
    Bei meinem XY ist es aber so, als hätte er sich selbst umgebracht (und das trifft ja auch genau genommen zu, ein Selbstmord auf Raten), ohne dabei tot zu sein.
    Er beendet sein Leben, und ich glaube, das ist es, was es so schwierig macht, damit umzugehen.

    Zitat

    Und so wie jemand dem Alkohol verfallen kann, so kann er irgendwann auch wieder vor meienr tür stehen und sagen : Ich bin zurück von meienr Reise. ]

    Das unterscheidet uns beide von einander. Ich glaube nicht, dass er jemals aufhören wird.
    Wenn ich seinen Lebenslauf bis hierhin mal überdenke, dann ist es fast so, als wäre der Alkoholtod vorprogrammiert.
    Aber man soll ja niemals nie sagen.

    Trotzdem: Auch das ist einer der Gründe, warum mir die Trennung so schwerfällt. Weil ich dann zugeben muss, dass er sich ins Grab säuft, obwohl er ein so toller Mensch war, und ich nicht das Geringste dagegen tun kann.

    Meine Eltern und Freunde wussten eigentlich schon Bescheid. Aber ich habe nach meinem Auszug immer alles so gut es ging vertuscht bzw. es vermieden, über ihn zu reden.
    Erst vor einer Woche habe ich wieder mal mit meiner Schwester drüber geredet und ihr erzählt, dass alles immer schlimmer wird statt besser.

    Meine Freunde und Geschwister habe ich vor allem deshalb aussenvor gehalten, weil ich genau wusste, sie können das alles nicht mehr hören. Sie haben ja immer wieder das selbe gesagt: Trenn Dich, anders geht es nicht.
    Und ich habe mich ja nicht getrennt! Was sollten sie denn sonst noch sagen?
    Also hab ich lieber alles totgeschwiegen.

    Ich habe übrigens gerade wieder das Bedürfnis, zu ihm zu fahren.
    Nur, um zu sehen, ob er Zuhause ist.
    Aber ich werde es nicht tun!!!!
    Auch wenn es streckenweise sehr schwer ist, dagegen anzukämpfen. Sobald man keine Ablenkung mehr hat, fällt man in ein Loch. Aber ich weiß auch, warum ich gern zu ihm fahren würde.
    Weil ich hoffe, dass er heulend (und nüchtern!) in einer Ecke kauert. Dass ihm das alles leid tut.

    Aber so wird es nicht sein. Es ist Abend, er hat mehr Grund zum Saufen als je zuvor. Also wird er es auch tun.

    Nach dem gemeinsamen Urlaub im Sommer hatte ich schon innerlich an meinen Geburtstag gedacht.
    Ich habe zu mir gesagt: Wenn der Geburtstag wieder so abläuft, ist das der ultimative Grund, endlich für immer zu verschwinden.
    Dann lohnt sich kein Hoffen mehr.
    Und jetzt sind wir soweit.
    Und ich hoffe, dass ich mich diesmal ernst genug nehme, um das alles auch durchzuziehen.

    Er fehlt mir. Das denke ich. Und dann denke ich: Nein, der, der mir fehlt, ist schon lange weg.
    Und das hält mich davon ab, ins Auto zu steigen.

    Hallo Ihr!

    Ich hatte zuerst tatsächlich das Bedürfnis, mich einzugraben. Habe auch ein bißchen geheult, obwohl ich mir vorgenommen hatte, wegen ihm keine Träne mehr zu vergießen.

    Habe dann aber ganz offen mit meiner Mutter über alles gesprochen.
    Ich hatte bisher immer versucht, sie da raus zu halten, damit sie sich keine Sorgen machen muss und nicht schlecht von ihm denkt. "Falls doch noch alles gut wird, ist sie sonst voreingenommen oder erklärt mich für verrückt." waren meine Gedanken.

    Aber heute war mir alles egal. Ich hab ihr alles erzählt, und sie auch darum gebeten, mir zu helfen, meine Sachen da wegzuholen.
    Und sie hat zugesagt.
    Das ist doch schon ein weiterer wichtiger Schritt.

    Später hat dann meine Freundin angerufen. Ihr gehts im Moment auch nicht so gut, aber aus anderen Gründen. Sie brauchte Ablenkung, und ich auch.
    Erst war mir gar nicht danach, aber dann hatten wir einen sehr schönen Nachmittag mit Shopping, Kaffee und Kuchen.
    So habe ich meinen Geburtstag noch nie gefeiert, aber es war schön.
    Zwischendurch habe ich ihn ganz vergessen, aber ich muss zugeben, ein paar Mal habe ich auf mein Handy geschaut. Natürlich hat er sich nicht gemeldet.
    Vermutlich sitzt er schon wieder in der Kneipe.
    Ist mir auch egal. Was für mich heute zählt, sind die neue Hose, der neue Pulli und das viele Lachen mit meiner Freundin.

    Morgen kommt der Rest der Familie zum Frühstück.
    Da werde ich dann nochmal um Hilfe beim Restauszug bitten. Alleine kann ich das alles nicht schleppen, und ich will nicht, dass XY mir dabei hilft.
    Am liebsten wäre mir, ich würde ihn nie wiedersehen.
    Und wo ich das gerade schreibe, muss ich zugeben, dass der Gedanke unheimlich erleichternd wirkt.

    Ich hoffe, ich bleibe so standhaft. Leider bin ich da ja unberechenbar.
    Aber ich finde, ich bin es mir schuldig. Ich habe eine Verantwortung, und zwar für mich!

    Und ich möchte an meinem nächsten Geburtstag nicht neben einem Zombie sitzen.

    Liebe Linde,
    vielen Dank!

    Vielleicht habe ich mich auch falsch ausgedrückt. Natürlich kann er nicht nüchtern sein. Aber er hätte erst abends trinken können, so, wie er es sonst auch "hinkriegt".

    Ich weiß, er kann nicht anders, als täglich zu trinken. Aber ich weiß auch, dass er heute morgen anders entscheiden hätte können. Klappt an anderen Tagen ja auch. .--> ich weiß, das klingt nach typischem Co-Kompromis, ist aber gar nicht so gemeint.

    Mir zeigt das nur, welchen Stellenwert ich noch bei ihm habe.
    Und wie schon gesagt: Irgendwo bin ich fast froh, dass es so gelaufen ist, weil es mir den letzten Schritt erleichtert.

    Ich habe mir fest vorgenommen, mich nicht mehr bei ihm zu melden.
    Ich werde jetzt langsam und in aller Ruhe nachdenken, was noch alles geregelt werden muss, damit ich keinerlei Kontakt mehr zu ihm haben muss (viele meiner Möbel und andere persönliche Dinge sind noch bei ihm, und ich bekomme noch Geld von ihm, das ich ihm nicht schenken werde...), und dann werde ich diese Dinge regeln und ihn aus meinem Leben streichen.

    Heute klingt das alles recht einfach für mich. Ich hoffe, dass das auch so bleibt.

    Ihr Lieben,

    vielen vielen Dank für die Glückwünsche! ich freue mich sehr!

    Was soll ich sagen, es kam, wie es kommen musste:

    XY war gestern in der Disco und war so voll, dass er nicht mal mehr weiß, dass er mich um 1 Uhr nachts 7 mal angerufen hat.
    Ich hatte es schon geahnt und deswegen mein Telefon auf lautlos gestellt.
    Heute morgen um halb 12 rief er an. Klang "durchzecht", aber nicht besoffen.
    Hat mich zu sich eingeladen.
    Ich bin gefahren, obwohl ich gar keine Lust hatte. Ich war sogar nervös, weil ich schon geahnt hatte, was mich erwartet.

    Und meine Befürchtungen traten ein!
    Er machte die Tür auf, lallte ein "Herzlichen Glückwunsch", die Wohnung sah aus, als hätte er eine Riesenfete gegeben. Alles voller Bierflaschen.

    Und er? Natürlich besoffen.
    Kein Geschenk, nicht mal einen halben nüchternen Tag.
    Ich habe ihn gefragt, weshalb er nicht mal an meinem Geburtstag nüchtern sein konnte.
    Seine Antwort war, weil er andere Probleme habe.
    Ich würde ihm nichts gönnen, seine Eltern genauso wenig. Die hätten ihm gestern auch noch die Hölle heißgemacht.

    Ich hab ihm dann lautstark vorgeworfen, dass er offensichtlich nicht mehr mitbekommt, was um ihn rum geschieht.
    Dass er, nachdem mein letzter Geburtstag so blöd verlaufen ist, doch geschworen hatte, dieses Jahr wird alles anders.
    Er meinte, ihm gefalle das ja auch nicht, aber ich wüsste doch, wie es ist.

    Und da hat er vollkommen Recht!
    Ich weiß es! Ich wusste auch vorher, dass es so ablaufen würde, und trotzdem habe ich noch irgendwo gehofft.
    Aber ich bin ganz ehrlich:
    Irgendwo wollte ich auch, dass es genauso abläuft.
    Damit ich eine Trennung vor mir rechtfertigen kann.

    Ich weiß aber leider immer noch nicht, ob ich jetzt schon soweit bin, ihn endlich loslassen zu können.
    Ich frage mich selbst: Was soll denn um Himmels Willen noch alles passieren?
    Hab ich mich nicht endlich genug demütigen lassen?

    Ich muss endlich aufwachen!

    Hallo Feeli,
    hallo Doro!

    Zitat von Feeli

    . Aber je länger die Kontaktsperre dauert, desto besser geht es mir.


    Genauso ist es bei mir ja auch. Aber dann habe ich wieder Kontakt, und wenn das dann auch noch einigermaßen gut läuft (allerdings ist es nie so, wie es früher mal war oder wie ich es gern hätte!), sagt wohl irgendwas in mir selbst, dass das wieder ein Grund zum Hoffen ist. Wobei ich sagen muss: Früher war diese Hoffnung größer. Heute hat mein Verstand meist die lautere Stimme, und das ist für mich schon ein Fortschritt.

    Eigentlich müsste ich meinem XY dankbar dafür sein, dass er sich schon 1 Stunde später wieder zurückverwandelt hat.
    Je schlechter er mich behandelt, und je schlimmer es um ihn steht, umso eher kapsele ich mich wieder ab.
    Wenn diese Distanziertheit doch nur von Dauer wäre...

    Zitat

    Immerhin hat er Dich schon fast umgebracht (nicht 'nur' Deine Seele)!!!!!


    Das verwirrt mich jetzt ein bißchen. Was meinst Du damit?

    Zitat von Welia

    ich wollte schreiben... wenn ich merke, dass es nicht Liebe ist, was ist es denn? was ist Liebe, wenn nicht das was ich immer glaubte?
    Lauwarme Liebe kann ich auch nicht gebrauchen....


    Ich verstehe, was Du meinst.
    Mir war es früher immer unheimlich, wenn in meiner Beziehung alles glatt lief.
    Wenn keine Probleme da waren, ich mich um nichts kümmern musste.
    Es wurde erst unbehaglich, und dann wurde ich misstrauisch. So viel Glück kann nicht normal sein, habe ich immer gedacht.

    Vielleicht ein weiterer Beweis dafür, dass ich WILL, dass ich in der Partnerschaft arbeiten muss. Mir quasi Liebe verdienen muss.
    Vielleicht ist es für mich einfach nicht zu glauben, dass mich jemand einfach nur lieben kann, weil es mich gibt und obwohl ich nichts dafür tue.

    Vor der selben Fragestellung stand ich heute auch.
    Als Kind hatte ich immer den Traum von einer Partnerschaft auf Augenhöhe. Offensichtlich hat sich das im Laufe der Zeit geändert.

    Dass Freundschaften langweilig werden, kenne ich in abgeänderter Form auch.
    Wie schon gesagt: Die Liebe von den Menschen, die mich wirklich um meiner selbst lieben, wie zb. meine Familie, ist für mich irgendwie nicht so viel wert. Ich kann das schlecht in Worte fassen.
    Die Freude darüber ist nicht so da.
    Bei meinem Partner ist das anders. Da überkamen mich immer Glücksgefühle.

    Das mit dem "Nicht-gönnen-können" kenne ich auch.
    Ich bin da auch ganz schlimm, insbesondere, was meinen Partner angeht.
    Ich würde es ihm nie zeigen, aber ich empfinde oft so.

    Das mit den Freundschaften kann ich so nicht bestätigen. Allerdings fällt mir auf, dass ich die Liebe, die ich von anderen bekomme (zb. Familie, Freunde) irgendwie nicht richtig annehmen kann.
    Ich kann mich darüber nicht so freuen, wie ich mich zb. darüber freue, wenn mein Partner mir sagt, dass er mich liebt (was ich ihm übrigens seit einigen Monaten schon nicht mehr glaube).

    Mir ist etwas völlig Banales, aber vielleicht bezeichnendes aufgefallen:
    Ich schaue gern Sex and the City. Ich weiß nicht, inwieweit Du in dieser Serie im Bilde bist, jedenfalls hat die Hauptdarstellerin im Laufe der Sendung mehrere Partner.
    Und mir gefällt ausgerechnet der am besten, der psychisch labil und leicht depressiv ist.
    Ist das nicht ein Witz?

    Sogar bei frei erfundenen Männern habe ich ein Muster!
    Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man drüber lachen.

    Meine Angst ist übrigens, dass mein Leben immer so weitergehen wird wie jetzt.
    Dass ich auch, wenn ich mich endgültig trenne, bald wieder auf den selben Typ Mann treffe, mich verliebe und wieder in der gleichen Situation bin.

    Ich denke, wir müssen an uns arbeiten. Von wegen einsame Insel!
    Ich möchte leben, und zwar richtig!
    Aber bisher bekomme ich es noch nicht so hin, dass ich mit mir zufrieden bin...

    Liebe Gotti,

    vielen Dank.

    Das schlimme ist ja: Ich lese hier so viele Geschichten, bei denen es mir genauso geht wie Dir:
    Es schmerzt mich.
    Bei anderen sehe ich immer alles klarer. Höre mich rufen: "Verlass ihn! Das hast Du nicht nötig!"

    Aber wenn es um mich geht, sieht es anders aus.
    Oft habe ich mich mir selbst vorgeknöpft und genau das gesagt: "Hau ab! Wach endlich auf!", aber ich kann den letzten Schritt immer noch nicht gehen.
    Nein, das ist wohl falsch formuliert. Ich WILL ihn nicht gehen, denn wenn ich wollte, hätte ich es schon längst getan.

    Und das macht mich so wütend auf mich!

    Ich bin so froh, dass es dieses Forum gibt.
    So denke ich zwar immer noch an ihn, aber nicht, weil ich wissen will, was er gerade macht, wo er ist etc, sondern deutlich konstruktiver.

    Ihr Lieben,

    ich habe diesen Thread gelesen, und ich muss sagen: Ich sehe einiges klarer.

    Insbesondere die Anmerkung, man solle sich seinen Partner so vorstellen, wie er jetzt gerade ist, ohne an die alten, schönen Zeiten zu denken, sondern nur die Momentaufnahme betrachten, und sich dann fragen, ob das der Mensch ist, den man liebt.

    Die Vermutung, dass ich eine Illusion liebe - die Vergangenheit - habe ich nicht erst seit heute.
    Aber dann habe ich hier gelesen, und mir meinen XY vorgestellt.
    Wie er da hockt, mit glasigen Augen. Immer aggressiver wird. Mich runterputzt - wo ich armes Opfer doch nur helfen will! ... meine Güte, mir wird fast schlecht bei dem Gedanken, wie ich mich selbst erniedrige! - ...
    Die Tatsache, dass wir kaum noch miteinander reden können.
    Dass er an nichts mehr Spaß hat, nur am Saufen. Dass selbst besondere Tage wie Geburtstage oder Weihnachten schlichtweg nicht gefeiert werden können, weil er voll ist...

    Ich habe ihn wirklich geliebt. Aber das ist schon so lange vorbei!
    Der Mann, der er mal war, ist er schon lange nicht mehr.
    Er hat sich verändert.
    Und auch wenn ich das "Opfer" in mir schreien höre:
    "Aber das ist doch nur die Krankheit! Wenn er erstmal nicht mehr trinkt, wird er wieder wie vorher! Und ich habe viel zu viel investiert, um ihn jetzt aufzugeben! bestimmt muss ich nur noch ein wenig mehr aushalten, dann wird er es endlich einsehen!"

    ---> So ehrlich war ich schon lange nicht mehr zu mir selbst!

    ... Auch wenn diese Schreie kommen, ist mir gerade klargeworden, dass die Liebe weg ist.
    Weggespült mit Alkohol.

    Ich sehe ihn leiden, ich sehe, wie er immer tiefer rutscht. Und ich sehe endlich, dass ich ihn nicht mehr lieben kann!
    Im Gegenteil: Ich ertappe mich häufiger dabei, Hass zu empfinden.
    Hass, weil er so lallt. Weil er jede verdammte Gelegenheit wahrnimmt, um sich zu betrinken. Hass, weil er lügt, dass sich die Balken biegen.

    Und auch viel Hass auf mich.
    Weil ich das Spiel mitspiele. Weil ich bei ihm geblieben bin, sogar, als er fremdgegangen war.
    Was ist aus meinen Prinzipien geworden???
    Ich war mal ein kluges Mädel. In Beziehungen eher dominant. Hatte meinen eigenen Kopf, war immer offen und ehrlich und habe den Leuten sogar gezeigt, wenn ich sie nicht mochte.

    Und nun? Jetzt hocke ich da, bettle darum, geliebt zu werden und heuchle Liebe.

    Ich führe eine Beziehung mit einem Riesenbaby, das es manchmal vor Vollrausch nicht schafft, die Haustür zu öffnen.
    Wie um Himmels Willen kann das LIEBE sein?

    Vielen Dank für diesen Thread.
    Er hat meine Augen ein Stück weiter geöffnet.

    Hallo Welia!

    Ich weiß genau, wovon Du schreibst.
    Mir ist es leider auch erst in den letzten Monaten bewusst geworden, dass ich beziehungssüchtig bin.

    Vor meinem jetztigen Freund hatte ich 10 Jahre eine Partnerschaft mit einem Mann, der heute Alkoholiker ist, es zum Zeitpunkt unserer Trennung aber nicht war.
    Er hatte dennoch den Hang zum Substanzmissbrauch, war psychisch sehr labil.
    Im Prinzip war er wie mein jetziger Partner, nur dass dieser eben trinkt.
    Ich habe mich 5 Jahre lang nicht von ihm trennen können, obwohl ich wusste, dass ich ihn nicht mehr liebte.
    Ich habe es erst geschafft, als ich in Therapie war.

    Ich habe erkannt, dass ich ganz klar ein Muster habe, was die Partnerwahl angeht.
    Ich WILL die psychisch labilen, die, die ihr Leben kaum oder nur schwer selbst auf die Reihe kriegen.
    Ich WILL mich kümmern müssen. Als wäre ich eine Sozialarbeiterin. Allerdings tue ich das nicht bewusst.

    Ich habe zum Beispiel einen Kollegen, den ich sehr anziehend finde. Und nachdem ich ihn besser kennengelernt hatte, habe ich festgestellt: Der ist genau wie die anderen! Einfach ein Chaot mit labiler Psyche, der gern trinkt und kifft.
    Immerhin hat diese Erkenntnis dazu geführt, mich dann doch wieder von ihm zu distanzieren, zumal ich auch wenn meine Partnerschaft mit meinem jetzigen XY vorbei wäre (wann immer das sein mag...), gerne mal eine Zeit lang allein leben möchte.
    Ich denke, das brauche ich, um von meiner Co-Abhängigkeit und der Beziehungssucht loszukommen.

    Es gibt übrigens ein gutes Buch zu dem Thema. Auch empfehlenswert, wenn man (noch) nicht getrennt ist:
    "Wenn der Partner geht" heißt es und hat mir schon oft geholfen.

    Hallo zusammen,
    liebe Doro,

    Du hast vollkommen Recht.
    Heute ist wieder so ein tag, der mir beweist, dass das Ausschleichen es mir schwerer macht.
    Habe meinen XY heute nachmittag besucht. Wir haben uns gut verstanden, und er war nüchtern. Sogar ein bißchen Zärtlichkeiten haben wir ausgetauscht.

    Morgen ist mein Geburtstag. Er hatte mich gefragt, ob ich heute abend bei ihm schlafe.
    Ich war plötzlich sehr angetan von der Idee, dabei hatte ich es eigentlich ganz anders vor.
    Wollte früh ins Bett, morgens mit meinen Eltern frühstücken...

    Wie dem auch sei: Grade dann der Anruf. Ein lange verschollener Kumpel habe sich gemeldet und gefragt, ob er heute mit ihm "ausgeht".
    Und natürlich hat er zugesagt.
    Er hat zwar kein Geld, ist aber gerade auf dem Weg zu seinen Eltern gewesen, die ihm gerne immer wieder Geld zustecken.
    Der Hund hat übrigens jetzt wieder Futter. Sein Kühlschrank ist allerdings leer, bis auf das Bier natürlich.

    Ich wollte gerade anfangen zu zetern.
    Weshalb er immer so unzuverlässig sein muss, was aus meiner blöden Vorstellung wird, er könnte morgen der erste sein, der mir gratuliert.
    Da wurde zum Glück die Verbindung unterbrochen.

    Er hat dann zwar noch mal angerufen und gefragt, was ich jetzt schon wieder zu meckern hätte, ich bin aber nicht mehr drauf eingegangen.
    Habe nur gefragt, ob er sich zwischendurch nochmal meldet. "Wohl eher nicht. Ich ruf morgen mittag mal an."

    Die Sache ist die:
    Ich WUSSTE es. Natürlich wusste ich es.
    Und ich weiß auch, dass er kein Geschenk o.ä. für mich haben wird. Wie denn auch, er hat ja kein Geld... für sowas...

    Und trotzdem bin ich gerade so wütend. Auch auf mich, weil ich es überhaupt soweit kommen lasse.

    Du schreibst es so schön, Doro:
    ...ein Mensch, der mir nichts gibt.
    Wieso zum teufel liegt mir dann so viel daran, dass ich meinen Geburtstag mit ihm verbringe???

    Ich werde mir heute Abend wieder Gedanken machen.
    Wo er steckt, mit wem, ob es ihm gut geht (körperlich... den wenn er voll ist, geht es ihm ja immer gut!). Und das will ich nicht mehr!
    Ich weiß, ich sollte den Kontakt noch mehr einschränken.
    Aber genau das ist ja so schwierig für mich.
    Am liebsten würde ich es beenden. Aber dann habe ich wieder Angst, einen Fehler zu machen. In "verrecken zu lassen".

    Ach, es war doch alles so schön entspannt bis gerade eben.
    Und jetzt bin ich schon wieder rückfällig geworden.

    JB,
    wenn mein Partner nichts trinkt, ist er auch der absolute Traumann...
    Aber er trinkt leider nicht mehr nichts.
    Das hat er am Anfang noch hinbekommen, aber mittlerweile geht es einfach nicht mehr.
    Ich sehe jeden Tag, wie der Mann, der er mal war, stück für Stück stirbt, und es hat sehr lange gedauert, bis ich eingesehen habe, dass ICH daran gar nichts ändern kann.
    Er will nun mal der sein, der er ist, und nicht der, der er mal war.

    Aber ich als Partnerin (und Du als Partner!), wir können dafür sorgen, dass wir uns ändern. Und, dass es uns besser geht.

    Zitat von JB007

    Ich kann sie doch nicht einfach im Stich lassen, owohl ich sehr darunter leide.
    Eine Entzugstherapie lehnt sie ab.

    Hallo!
    Du hast Deiner Partnerin doch schon gezeigt, wo sie Hilfe bekommt.
    Das einzige, was ihr helfen könnte, wäre eine Therapie.
    Die will sie aber nicht.

    Also, wo lässt Du sie im Stich?
    Wenn jemand krank ist, schickst Du ihn zum Arzt. Wenn er nicht geht, und an der Krankheit stirbt, hast Du ihn dann im Stich gelassen?

    Zitat von Emilie


    Aber ist es denn immer sinnvoll sich zu trennen? Gibt nicht Fälle, wo ein Paar es auch ohne Trennung geschafft hat? Oder ist das eher aussichtslos?


    Sicher muss nicht immer zwangsläufig eine Trennung erfolgen.
    Voraussetzung ist aber, dass der alkoholkranke Partner von sich aus etwas ändern möchte.
    Fakt ist aber auch, dass der Co-Abhängige den Alkoholismus noch unterstützt und ermöglicht.

    Ob Du Dich trennen solltest, kann Dir niemand vorschreiben.
    Es ist Deine freie Entscheidung.
    Und genauso kann Dein Partner entscheiden, ob er trinken möchte, oder eben nicht.
    Die Frage ist nur:
    Möchtest du ein Leben mit einem Alkoholiker führen?
    Und, was fast noch wichtiger ist: Willst du das für Dein Kind?


    @Matthias:
    Ich kann Dich gut verstehen.
    Aber als Partnerin eines Alkoholikers macht man die Erfahrung, dass der Partner eben lügt. Ich mache ihm deshalb auch gar keine Vorwürfe mehr.
    Es ist ein Symptom seiner Krankheit. Er kann nicht anders.

    Zitat von Feeli

    Das ist aber wohl bei Dir nicht der Fall?!


    Auch, wenn ich das selbstredend schon oft getan habe: Diesmal geht es tatsächlich nur um den Hund, und nicht um einen Kontrollbesuch.
    Über diese Art der Kontrolle bin ich zum Glück hinweg.

    Ich frage mich nur, wie es mit dem Tier weitergehen soll.
    Auf Dauer kann ich ihn ja nicht mit durchfüttern...

    Zitat von Feeli

    Ich würde den Hund füttern. Zwar wäre es für Deinen XY und für Dich besser, Du würdest es nicht tun, aber es geht um ein unschuldiges Lebewesen. Ich würde aber zusehen, dass mein XY es nicht mitbekommt.

    Genauso habe ich es vor.
    Es ist zwar irgendwie albern, aber ich möchte nicht, dass er den Eindruck erhält, ich würde ihm seine Verantwortung nun doch wieder abnehmen.
    Aber wie Du schon sagst:
    Der Hund trägt keine Schuld.