Beiträge von desperateS

    Meine Schritte aus der Abhängigkeit zeigen Wirkung.
    Gerade hat mein Partner mir Egoismus vorgeworfen.
    Ich würde keine Rücksicht mehr auf ihn nehmen.

    (Weil ich nicht mehr nachfrage, welchen Grund das letzte Totalbesäufnis hatte.)
    Wie es ihm geht, sei mir egal. Hauptsache, mir würde es gut gehen.

    Ich sehe, wie er protestiert. Gegen meine Veränderungen. Meinen Weg aus der Abhängigkeit.
    Er versucht, mich an meiner empfindlichsten Stelle zu packen: Meinem Gewissen.

    Ich nehme mir nichts von dem an, was er gesagt hat.Im gegenteil. Insgeheim freut es mich, dass sogar ER eine Veränderung wahrnimmt.
    Das alte Spiel funktioniert nicht mehr so, wie er es gewohnt war.
    Und das bedeutet, ich bin auf dem richtigen Weg!

    Ich bilde mir nicht ein, dass das etwas bei ihm ins Rollen bringen könnte.
    Sein Hund hat seit 3 Tagen nichts mehr zu fressen, und er gibt sein letztes Geld für eine Kiste Bier aus.

    Ich stelle mir die Frage:
    Ist es ein Rückschritt, wenn ich heimlich den Hund füttere?
    Und: Ist das eine dumme Frage? :)

    Du kannst nichts für ihn tun, aber für Dich.
    Mein Therapeut hatte da mal ein schönes "Gleichnis".
    Der alkoholiker paddelt auf dem offenen Meer, mit seiner "Rettungsweste" Alkohol. Der Co versucht, ihn ans rettende Ufer zu ziehen, aber der Alkoholiker wehrt sich und strampelt wie verrückt, so dass er Dich mit in die Tiefe reißt. Aber: Er hat ja auch die Rettungsweste, Du nicht!

    Und deshalb ist Abstand so wichtig! Damit Du nicht mit untergehst.
    Auf dem offenen Meer gibt es keine rettung, für keinen von Euch.
    Aber wenn Du Dich allein auf den Weg zum Ufer machst, dann besteht zumindest die Chance, dass Dein Partner mitgeht.
    Und wenn er es nicht tut, dann ertrinkt eben nur er.
    Aber auch er hätte die Chance gehabt, das Ufer zu erreichen...

    Ich finde den Vergleich ganz passend, und wenn ich Gefahr laufe, rückfällig zu werden und wieder zu meinem Partner zurückzurudern, rufe ich es mir ins Gedächtnis.

    Zitat von "silberkralle

    auf deutsch - du willst ihn lieber verreckenlassen - indem du ihm weiter ermöglichst zu saufen?


    Ich ermögliche es ihm nicht mehr.
    Ich lasse ihn die Verantwortung tragen für seine Sauferei.
    Ich lüge nicht mehr für ihn, ich lasse ihn in den zweitklassigen Kneipen abhängen, bis er morgens um 5 nach Hause kommt und auf der Treppe schläft, weil er die Tür nicht mehr aufschließen kann.
    Ich strecke ihm kein Geld vor um des lieben Friedens Willen, wenn er kein Bier mehr hat.
    Ich tröste ihn nicht mehr, wenn er nach einem Totalabsturz heulend auf dem Sofa sitzt.
    Ich reagiere nicht mehr auf emotionale Erpressung, ich fahren nicht mehr 20 km, um zu schauen, ob sein Auto vor der Tür steht, oder ob er doch wieder besoffen gefahren ist. Ich glaube nicht mehr, dass er aufhört zu trinken, wenn ich mich für ihn ändere. Ich glaube nicht mehr, dass aufhört zu trinken, wenn ich ihn erpresse.
    Ich schlafe nachts durch, auch wenn ich weiß, dass er wieder "alles gibt". Wenn ich aufstehe, gilt mein erster Gedanke meiner Katze, und nicht mehr ihm und der Frage "Ob er noch lebt?" (von Ausnahmen wie vorangegangener Suiziddrohung abgesehen, aber ich arbeite dran...)
    Ich sehe nicht mehr in den Kühlschrank, um zu zählen, wieviel Bier er trinkt. Ich glaube nicht mehr daran, dass er in den nächsten Jahren (wenn überhaupt!) am Tiefpunkt/Wendepunkt ankommen wird.

    - Er wird weitertrinken. Und dafür wird er über Leichen gehen. Auch über seine eigene. -

    Das alles habe ich früher gemacht.
    Ich musste alles unter "Kontrolle" haben, über alles Bescheid wissen. Mir ständig seinen Kopf zerbrechen.

    Heute schaue ich nur noch zu.
    Und zerbreche mir den Kopf über MEINE Probleme. Und die löse ich mit Bravour.
    Die zeit, die dann noch übrig ist, widme ich ihm. Obwohl ich weiß, dass das immer noch zu viel ist.
    Aber ich gestehe mir das zu. Ich erlaube mir, dass ich noch nicht soweit bin, um ihn komplett zu streichen. Das heißt nicht, dass ich mich auf meinen "Lorbeeren" ausruhen möchte.
    Aber ich werde mich nicht selbst runtermachen, nur weil ich mich immer noch nicht endgültig getrennt habe.

    Hallo Goddess!

    Du bist unglaublich wütend auf Dich, weil Du eine Theorie-Rakete bist, es aber in der Praxis nicht klappt.
    Dafür kannst Du Dich bestrafen, klar.

    Oder aber Du machst die Augen auf und siehst, dass Du schon einen wichtigen Schritt gemacht hast.
    Und das sogar ohne Hilfe!

    Weshalb verlangst Du von Dir, dass das alles innerhalb kürzester Zeit überstanden ist? Wie lange hast Du gebraucht, um Co zu werden?
    Ging das auch von heute auf morgen??
    Weshalb billigst Du Dir nicht ein wenig mehr Zeit zu? V

    Wie hast Du damals Laufen gelernt? Oder Radfahren? Auto?
    Hast Du losgelegt, und es hat funktioniert? Oder musstest Du ein wenig üben?

    Hat Dich nicht auch anfangs jemand festgehalten, bis Du einigermaßen sicher und gefestigt warst?

    Du hast soviel Hass für Dich über, Du übertriffst schon fast Deinen Partner.
    Und warum?
    Weil Du meinst, einen Fehler gemacht zu haben? Versagt zu haben?
    Weil Du Dich ärgerst, dass Du nicht mir-nix-dir-nix von ihm loskommst?

    Wie wäre es, wenn Du mal ein bißchen übst?
    Mal widerstehst, wenn er wieder pfeift?
    Und das immer öfter?!
    Je mehr Du das übst, umso leichter fällt es Dir.

    Es ist keine Schande, hinzufallen. Aber es ist eine Schande, liegen zu bleiben.

    Also, komm raus aus deinem Sumpf aus Selbstmitleid. Sieh Dich um!
    Du hast eine eigene Wohnung, die nur Dir ganz allein gehört!
    Da kannst Du machen, was Du willst. Aber offensichtlich gefällt es Dir nicht, mit Dir selbst zu leben.
    Wie denn auch, wo Dein "Mitbewohner" Dich ständig runterputzt?
    Weshalb bist Du ausgezogen? Um das Spiel, dass Dein "Partner" gespielt hat, weiterzuspielen?

    Nein, ich denke nicht.

    Geh zur SHG. Und wenn es nur dazu da ist, um Dich vom "Springen" abzuhalten, weil Du in der Zeit nicht ans Telefon gehen kannst.
    Für den Anfang ist das schon ausreichend.

    Es stimmt schon:
    Auch für Dich gilt: Entweder... oder!
    Du hast die Wahl...

    Zitat von silberkralle

    glück auf nochmal

    zunächst mal sollste wissen dass ich mich mitfreu - weilde dich entwickelt hast


    DANKE! :)

    Zitat

    was hindert dich?


    Meine Co-Abhängigkeit! ;)
    Im Ernst:
    Darüber habe ich lange mit dem Suchtberater geredet.
    Vermutlich ist mein Leidensdruck noch nicht hoch genug.
    Ich habe immer noch das Gefühl, irgendwo für meinen Partner verantwortlich zu sein. "Ich kann ihn doch nicht so verkommen lassen!"
    Und diese rar gesäten "lichten Momente". Aber die werden auch immer weniger.
    Wie schon gesagt: In der Theorie weiß ich bestens Bescheid. Aber die letzte Konsequenz...
    Der Therapeut sagt: Sie machen Trennung auf Raten.
    Und vermutlich hat er sogar Recht.[/quote]

    Hi Matthias!

    Zitat von silberkralle

    und die schlussfolgerung daraus?????

    Steht doch unten drunter: ;)
    Natürlich ist mir klar, dass ich was ändern muss.
    Und ich habe schon vieles verändert, tue mehr für mich, merke immer mehr, dass ich auch bestens allein klarkomme.
    Aber der letzte Schritt, der fehlt noch, und ich kann ihn noch nicht machen.
    Es hat mich 1,5 Jahre gekostet, um erstmal meine Hilflosigkeit (und die Abhängigkeit!) zu akzeptieren. Ich bin schon stolz darauf, dass ich nur 6 weitere Monate gebraucht habe, um mein Muster zu erkennen :D

    Ich arbeite weiter an mir. U.a. anhand dem Austausch hier und dem Kontakt zu der Beratungsstelle.
    Und ich bin zuversichtlich, dass ich es irgendwann schaffe.
    Und jetzt, wo ich das geschrieben habe, merke ich, dass meine Gedanken gar nicht mehr so sehr um ihn Kreisen.
    Vor 6 Monaten hätte ich wohl geschrieben "Ich bin zuversichtlich, dass WIR das schaffen."
    Heute rede ich nur von mir. Und darüber freue ich mich! :)

    Hallo Maya!

    Du kannst ihm nicht helfen.
    Nur er selbst kann das.

    Zitat von Maya88

    Ich will nur dass es ihm wieder gut geht.


    Sollte Dir nicht zu allererst daran gelegen sein, dass es DIR gut geht?
    Und das ist es auch, was ich gemeint habe, als ich schrieb, fang doch mal bei dir an.

    Was muss passieren, damit es DIR wieder gut geht?
    Ist sein Glück der Schlüssel zu DEINEM?

    Hallo Emilie!
    Hast Du Dir schon mal die Grundbausteine der Co-Abhängigen durchgelesen?
    Dein letzter Beitrag zeigt für mich sehr deutlich, dass Du Co-Verhalten an den Tag legst.

    Zitat von Emilie


    Er behauptet 3 Wochen. Das glaub ich ihn nicht. Er lügt mich an, wie er mich immer anlügt.


    Weshalb fragst Du ihn dann?
    Natürlich lügt er. Was soll er denn sonst tun?


    Zitat

    Naja, nach mehrmaligen Entschuldigungen und Betteleien, hab ich ihm dann erlaubt hier zu bleiben (damit er nicht im Vollrausch heim fahren muss).


    Wenn er im Vollrausch heimfährt, ist das doch sein Problem?
    Er kann doch auch entscheiden, sich zu betrinken, dann wird er doch wohl auch mit den Konsequenzen klarkommen?

    Zitat

    Ich hab ihn auch angedroht, dass, ich ihn ab jetzt immer heim schicken würde, wenn er es noch wagen würde, einmal betrunken aufzutauchen.

    Seitdem ist er auch nicht mehr betrunken gekommen. Er hat zwar schon noch oft was getrunken (das merk ich am Geruch), aber er ist zumindest nicht mehr stockbesoffen.


    Ist das ein Kompromis, mit dem Du leben kannst?


    Zitat

    Naja, wie dem auch sei, hab ich halt dadurch jetzt nicht mehr so die Kontrolle darüber, wieviel er trinkt und wann er trinkt.


    Du hattest nie die Kontrolle darüber. Nicht mal ER hatte die.
    Und warum willst DU darüber Kontrolle haben?

    Zitat

    Da kommt bei mir dann wieder die Frage auf, ob ich nicht alles ein wenig übertreibe, und es gar nicht so schlimm ist, wie ich tue.


    Was sagt Dir Deine "innere Stimme"?


    Zitat

    Wir haben in genau einer Woche einen Termin für eine Familientherapie. Ich hoffe, dass mir das irgendwie helfen wird, die Dinge etwas klarer zu sehen. Weil auf jeden Fall werd ich dort sein Alkohol- und Canabisproblem ansprechen.

    Das halte ich für eine blendende Idee. Vielleicht erfährst Du dort auch, wie Du Dir selbst helfen kannst!

    Hallo Maya,

    ich muss zugeben, es fällt mir schwer, auf Deinen Post zu antworten.
    Du fragst, ob Dein Freund schon abhängig ist.
    Genaugenommen müsste ich jetzt sagen, dass das wohl nur ein Arzt feststellen kann.
    Was aber bei mir die Alarmglocken schrillen lässt ist die Tatsache, dass Dein Freund selbst es als Problem sieht.

    Und das müsste eigentlich schon ausreichen, um Deine Frage zu beantworten.
    Allerdings:
    Fang doch mal bei Dir an! Offensichtlich scheinst doch DU mit dieser Situation ein Problem zu haben, oder?
    Was gedenkst DU zu tun?

    Hallo Dagmar,

    mir geht es ganz genauso.
    Mir ist zwar schon länger klar, dass ich in einer Form von meinem Partner abhängig bin, aber insbesondere in den letzten Tagen (und auch durch das Schreiben hier) ist mir erstmal aufgegangen, dass ich ihm vorwerfe, was ich selbst auch nicht tue.

    Ich will, dass er aufhört zu trinken. Und wenn er es mir verspricht, bin ich sauer, weil er es nicht durchhält.
    Gleichzeitig drohe ich an, ihn zu verlassen, tue es dann aber doch nicht.

    Sowohl ich, als auch er sind abhängig. Und unsere Sucht äußert sich in den selben Symptomen. Der einzige Unterschied ist: Seine Droge ist das Bier, meine Droge ist ER.

    In einem anderen Thread habe ich es schon geschrieben:

    100 mal hat er gesagt, er hört auf. 100 mal hat er wieder angefangen.
    100 mal habe ich gesagt, ich gehe. 100 mal bin ich geblieben.

    Und so drehen wir uns im Kreis, und bisher hat es keiner von beiden geschafft, aus diesem Karussell auszusteigen...

    Hallo Emilie!

    Lieber Kiffen statt trinken?
    Das ist wie Pest oder Cholera.

    Was bei ihm stattgefunden hat, ist schlichtweg Suchtverlagerung.
    Und diesmal vermutlich in eine noch bedenklichere Richtung.

    Du fragst, was ich tun würde?
    Ganz ehrlich?

    Wenn ich nicht Co wäre, würde ich mich auf soetwas im Leben nicht einlassen.
    Da reicht eigentlich der gesunde Menschenverstand aus.
    Aber: Ich bin Co, und ich bin auch nicht Du.

    Deshalb stell doch besser Dir die Frage: Was willst Du tun, und wie stellst Du Dir Deine Zukunft vor?

    LG,
    DesperateS

    Hallo Berna!

    Ich habe mal irgendwo gelesen, dass ein Alkoholiker erst dann wirklich abstinent bleiben kann, wenn er es will. Und zwar, weil der Leidensdruck zu groß wird.
    Ähnlich ist es ja mit den Cos auch.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass die Unterstützung durch die Cos es einem Alkoholiker noch schwerer macht, abstinent zu bleiben.
    Und wenn man genau darüber nachdenkt und davon ausgeht, dass der Co gerade deshalb mit dem Alkoholiker zusammen bleibt, weil er von ihm gebraucht wird, könnte die Abstinenz auch eine Bedrohung für den Co werden.
    Nach dem Motto "Wenn er nicht mehr trinkt, kann er seinen Tagesablauf usw. wieder selbst regeln und ich habe absolut keine Daseinsberechtigung mehr."

    Im Übrigen: Ich kenne auch solche "Hoffnungslosen Fälle". Wer nicht?
    Im Gegenzug kenne ich übrigens nur wenige trockene Alkoholiker... aber das muss ja nichts heißen. Ist nur meine Erfahrung.

    Liebe Goddes,

    du weißt, was Sache ist, Du weißt, was zu tun ist. Was genau willst Du hören?

    Den ersten Schritt, die eigene Wohnung, hast Du getan.
    Ich kann nur von meinen Erfahrungen sprechen (und Gott weiß, ich bin weit davon entfernt, von meiner Co-Abhängigkeit loszukommen!), aber ich weiß, dass genau dieser Schritt, die räumliche Trennung, für mich der erste Schritt zur Heilung war.

    Du telefonierst mit Deinem "Partner" und heulst danach 6 Stunden, weil Du ihn zurückgewiesen hast.
    Beim nächsten Mal sind es vielleicht nur noch 4 Stunden.
    Und so wird es weitergehen.
    Irgendwann wirst Du merken, dass er nur noch ein Klotz am Bein ist.
    Das bedarf Arbeit. Und mit Sicherheit auch Hilfe!

    Tu Dir den Gefallen und such Dir diese Hilfe! Es gibt eine Menge Anlaufstellen.
    Dort triffst Du auf Leute, die Dich verstehen.
    Tu etwas für DICH.

    Und lass ihn um Himmels Willen seinen kalten Entzug allein regeln.
    Wenn er etwas ändern möchte, wird er einen Arzt aufsuchen.
    Wenn nicht.....

    Alles Gute!!!

    Liebe Franzi,

    auch ich kenne diese "Kompromisse".
    Glaub mir, er wird keinen davon einhalten. nicht mal die, die er selbst vorschlägt.
    Das alles dient nur dazu, dich bei der Stange zu halten und, um sich selber vorzugaukeln, alles wäre in Ordnung.
    Und er wird auch immer wieder einen neuen Grund finden, um zu trinken.
    Ich kenne das aus eigener Erfahrung.
    Wenn mein Partner Probleme hatte, musste er trinken. Wenn er keine hatte, trank er aus Freude.

    Du hast genau zwei Möglichkeiten:
    Entweder, Du findest Dich damit ab, dass Dein Freund trinkt, oder DU änderst etwas.
    Im Prinzip ist es ganz einfach. Aber ich - wir alle hier- wissen, dass das nicht immer leichtfällt.

    Denk bitte an Dich, an Deine Zukunft.
    Möchtest Du gern Kinder haben?
    Glaubst Du, er ist der richtige dafür?
    Wenn nicht: Was machst Du dann noch mit ihm?

    Schau Dich doch noch ein bißchen hier im Forum um, dann wirst Du sicher viele Parallelen entdecken, die Dir vielleicht die Entscheidung einfacher machen.

    Liebe Grüße!

    Liebe Blumenwiese,

    als ich Deine Zeilen gelesen habe, habe ich mich an mich selbst erinnert gefühlt. Was in mir vorging vor fast 2 Jahren, als ich feststellte, dass mein Partner trinkt.
    Ich kann sehr gut nachfühlen, was in Dir vorgeht.
    Du glaubst an "das Gute im Menschen", an den gesunden Menschenverstand, und Du willst Deinem Partner auch nicht unrecht tun.

    Aber Dein Gehirn merkt sehr wohl, was gerade bei ihm abläuft.

    Ich habe 1,5 Jahre gebraucht, um mir endlich einzugestehen, was ich die ganze Zeit über nicht wahrhaben wollte:
    Mein Partner trinkt, und nichts und niemand wird ihn davon abhalten.

    Ich hatte mir immer eingeredet, dass meine Liebe ihn bekehren könnte. Dass er einfach noch nie jemanden hatte, der ihn so verstanden hat wie ich. Und ganz oft kam in mir der Satz: Gemeinsam werden wir das schaffen!
    Aber mittlerweile weiß ich, dass das kompletter Unsinn war.
    Weder er, noch ich, noch unsere Beziehung sind etwas besonderes.
    So wie bei uns läuft es bei 10000 anderen Alkoholiker-Co-Partnerschaften auch ab.
    Er trinkt, ich mache mich buchstäblich zum Affen und vernachlässige mich selber, um ihn zum aufhören zu bewegen. Und ich hatte immer noch Hoffnung!
    100 mal hat er gesagt, er hört auf. 100 mal hat er wieder angefangen.
    100 mal habe ich gesagt, ich gehe, 100 mal bin ich geblieben.

    Erkennst Du das Muster?
    Sowohl mein Partner, als auch ich sind abhängig. Wir kommen von einer Sache nicht los, obwohl wir es immer wieder ankündigen.
    Wir sind beide nicht konsequent. Und das ist es, was die Abhängigkeit aufrecht erhält.

    DU bist nicht gescheitert, wenn Du Dich aus dieser Abhängigkeit befreist!
    Im Gegenteil! Du gibst Dir endlich die Chance auf ein Leben, das Dich glücklich macht.
    Und wenn Du ehrlich bist:
    Würde man Dich jetzt vor die Wahl stellen: Entweder für immer allein, oder für immer mit einem Alkoholiker (und glaub mir, es - sein Zustand -wird noch schlimmer! Das wollte ich damals auch nicht glauben. Habe ihm sogar kontrolliertes Trinken vorgeschlagen, als Kompromiss!!!!), würdest Du Dich tatsächlich gegen Dich und für den Alkohol entscheiden?

    Ich glaube nicht. Weshalb auch?

    Wie Nici so schön schrieb - und genau dieser Satz ist es, der mich oft aufrecht hält -:

    Zitat

    So schlimm sind wir doch garnicht, dass wir es mit uns alleine nicht aushalten.

    Liebe Doro,

    ich bin ganz Deiner Meinung. Alkoholeinfluss sollte eigentlich nicht strafmildernd, sondern -verschärfend sein.
    Es ist ja auch im Grunde genau wie mit dem Autofahren:
    Ich darf nicht betrunken Auto fahren (wobei mir die 0 Promille Grenze einfällt, für deren Einführung ich übrigens bin!), weil ich weiß, dass meine Reaktionszeit herabgesetzt ist usw.

    Warum gilt dann gleiches nicht für andere Bereiche?
    Viele Menschen werden aggressiv, wenn sie trinken. Oder machen Dinge, die ihnen am nächsten Tag peinlich sind. Da sind doch Prügeleien usw. vorprogrammiert.
    Alleine was die Polizeieinsätze kosten, die durch Alkoholeinwirkungen verursacht werden...


    Und jeder Alkoholiker weiß auch irgendwo, dass er sich umbringt, wenn er weitertrinkt - allerdings ist Selbstmord ja nicht strafbar, ob nun mit Tabletten, Schienenfahrzeugen oder eben der Flasche...

    ach, es ist wohl ein Thema, über das man lange diskutieren könnte.
    Und es gibt ja eben auch Menschen, die tatsächlich mit Alkohol umgehen können.
    Leider können unsere Partner es nicht. Und da würden auch keine Gesetze helfen.

    Was wäre wohl, wenn Co-Abhängigkeit unter Strafe stünde?
    Wäre doch auch eine Überlegung wert, denn sie unterstützt ja den Alkoholismus noch...
    Dann müsste ich in Zukunft vielleicht auch mit einem Warnhinweis auf der Stirn rumlaufen.
    "Diese Frau unterstützt unbewusst Ihre Alkoholsucht. Fangen Sie gar nicht erst was mit ihr an!" :D

    Tja, ich bin damals mit ihm zusammengezogen, weil ich nicht wusste, dass er trinkt.
    Und kaum bin ich wieder ausgezogen, wurde es noch schlimmer, und noch schlimmer.

    Ich sehe es auch so, dass er nicht allein für sich sorgen kann. Nicht mehr.
    Aber wie schon gesagt: Ich habe ihm mehrfach Hilfe angeboten (sprich: ihn zur Suchtberatung geschleift, ihm Infomaterial mitgebracht, Internetseiten empfohlen, andere Suchtberatungen und SHG vorgeschlagen - die erste Beratungsstelle fand er ja blöd. Die hatten keine Ahnung...- usw.), aber das ist nicht die Art von Hilfe, die er sich wünscht.
    Er hätte gerne, dass ich ihm das Trinken so einfach wie möglich mache, indem ich ihm Geld leihe, seinen Papierkram erledige, das Haus sauberhalte, ihn morgens wecke, damit er zur Arbeit gehen kann und vorallem: Dass ich ihn tröste, wenn er mal wieder einen Totalabsturz hatte.

    Aber die Zeiten sind vorbei.

    Über die Verantwortung der Gesellschaft habe ich auch schon oft nachgedacht.
    Klar, derjenige muss Hilfe wollen, dann bekommt er sie auch.
    Aber für mich ist es mittlerweile unverständlich, wie ein Staat so viele Alkoholiker beherbergen kann (und durch meinen Partner habe ich eine Menge Alkoholiker kennengelernt!), und trotzdem ist Alkohol noch immer etwas, das man an jeder Ecke bekommt.
    Für Zigaretten gibt es Warnhinweise auf der Schachtel, die fast größer sind als der Markenaufdruck. Auf dem Oktoberfest ist jetzt das Rauchen verboten.
    Aber ich habe noch nie jemanden sagen hören: Nikotin hat meine Familie zerstört oder Mein Mann ist obdachlos, weil er raucht.

    Sicher, Rauchen ist genauso eine Sucht, und es schädigt nciht nur den Raucher selbst. Aber ich denke, Du weißt, worauf ich hinaus will.
    Alkohol ist einfach anerkannt. Und im gegenteil: Wenn man auf einer Party nichts trinkt, erntet man noch dumme Sprüche, vorallem als Mann...

    Aber das wird sich wohl auch nicht ändern. zumindest nicht mehr in unserem Leben.
    Wir müssen einfach das beste aus dem machen, was wir haben, und ich freue mich, dass Du schon so weit bist. Und dass ich auch auf einem guten Wege bin.

    Liebe Doro,
    genau so ist es!

    Sehe ich ihn länger nicht, stelle ich irgendwann fest, dass ich ihn auch gar nicht vermisse.
    Und dass ich auch kaum an ihn denke! Und es geht mir gut dabei, und seltsamer Weise bin ich in diesen Phasen auch im Beruf erfolgreicher.

    Aber es stimmt schon: Irgendwie glaube ich wohl, ich bin es ihm schuldig.
    Als ob ich auf ihn aufpassen würde.
    Und ob das nun stimmt oder nicht: Ich halte ihn auch irgendwie für... naja, nicht wirklich zurechnungsfähig. Weil er ja eigentlich dauerbetrunken ist. Und das teilweise so schlimm, dass ich ihn ansehe und denke: Meine Güte, was für ein Häufchen Elend.
    Was dann auch zur Folge hat, dass ich ihn 1. nicht mehr wirklich ernstnehmen kann und 2. denke, dass ich gerade deshalb auf ihn aufpassen muss.

    Andersherum: Er "passt" nie auf mich auf. Aus den schlimmsten Klemmen habe ich mich immer selbst befreien müssen. Oft auch, weil er besoffen war, als ich ihn brauchte.
    Und das war vielleicht auch gut so, weil ich dadurch immer mehr lerne, dass ich allein klarkomme. Und, dass offenbar ICH die Stärkere bin.

    Dadurch, dass er immer mehr zu einem Riesenbaby mutiert (überspitzt ausgedrück... andererseits: So überspitzt nun auch wieder nicht!), macht er es mir eigentlich immer leichter, mich zu distanzieren.

    Das schlimmste an der ganzen Sache ist ja:
    Ich weiß schon seit anderthalb Jahren, was zu tun wäre, aber ich schaffe es einfach nicht, konsequent zu bleiben.

    Der Verstand kämpft mit dem ... ja, mit wem eigentlich? Mit dem Herzen?

    - die letzten Monate haben mir immer mehr gezeigt, dass mein Partner gar nicht mehr der Mensch ist, in den ich mich verliebt habe.
    Wenn wir uns trafen, bin ich immer mit einer positiven Erwartung zu ihm gekommen, die tatsächlich IMMER enttäuscht wurde.
    Ich konnte mich kaum noch mit ihm unterhalten. Alles war so stumpf!
    Er hat es zum Schluss nicht mal mehr geschafft, einen ganzen Satz zu bilden, ohne, dass ihm dabei ein simples Wort nicht einfiel.
    Und mit steigendem Pegel wurde er zuerst gleichgültig, und dann auch immer aggressiver. Meist nur verbal, aber auch körperliche Aggression hatten wir schon - in "Ausnahmesituationen". Und auch dafür hat er meist mir die Schuld gegeben.

    Körperliche Nähe gab es nur am Wochenende, vormittags, weil er da noch nüchtern war.
    Abends (und in der Woche haben wir uns - wenn überhaupt- nur abends gesehen, weil ich berufstätig bin) saßen wir vor dem TV.
    Gemeinsam, und doch getrennt, weil wir beide in völlig verschiedenen Welten unterwegs waren.
    Wie oft habe ich nur darauf gewartet, endlich ins Bett gehen zu können, damit ich sein Gesicht nicht mehr sehen musste....!!!!

    Und da stellt sich mir dann immer wieder dieselbe Frage:
    Was hält mich bei ihm? Irgendwas muss er mir ja geben, das ich brauche.
    Klar, als Co wird das wohl etwas sein wie das Gefühl, gebraucht zu werden.
    Aber ich merke immer mehr, dass er mich gar nicht braucht. Und dass ich ihm auch ziemlich egal bin.
    Andererseits: Seit ich tatsächlich nicht mehr rund um die Uhr für ihn da bin,, wird mir auch immer klarer, dass ich gar nicht mehr von ihm gebraucht werden will....

    Es ist alles so kompliziert, dabei könnte es so einfach sein, und in der Theorie weiß man ja auch bestens Bescheid. Aber wem erzähle ich das. Ihr alle habt das schon erlebt, manche haben es sogar überstanden.
    Und seit ich in diesem Forum lese, habe ich die Vorstellung, ER und ICH seien nicht so wie alle anderen - wir sind kein typisches Alkoholiker-Co-Paar!!- über Bord geworfen.
    Wie oft habe ich die Threads gelesen und gedacht:
    Himmel! das hätte aus meiner Feder stammen können!

    Aber es ist ja nun mal auch ein Krankheitsbild, und was ich täglich erlebe, sowhl bei ihm, als auch bei mir, sind ganz einfach Symptome.