Hallo zusammen!
Liebe Feeli, vielleicht hast Du sogar Recht.
Am von Anfang an:
Mir geht es gut. Meine neue Arbeit gefällt mir, auch wenn es alles noch ungewohnt ist, ich bin unsicher fühle und manchmal doch lieber wieder im alten Büro arbeiten würde.
Die Kollegen sind eigentlich alle nett, mit der Cheffin komme ich gut klar, und so langsam arbeite ich mich ein.
Meine Freizeit verbringe ich mit Freunden.
Ich komme aber auch sehr gut alleine klar, das habe ich mittlerweile schon recht gut begriffen.
Ich sitze gern mal Zuhause und lese ein Buch oder faulenze einfach vor mich hin.
Es tut gut, machen zu können, was man will, ohne immer die ANgst in sich zu spüren, dass man jemanden damit verärgern könnte.
Die SAche mit der Verarbeitung ist aber wohl tatsächlich noch nicht abgeschlossen.
XY schickt mir immer mal wieder sms, in denen er dann von den "alten Zeiten" spricht, wie schön doch alles war usw.
Ich antworte nie. Nur, wenn es um meinen Auszug geht, oder um mein Geld.
Ab dem 23. ist er in der Klinik, und das heißt für mich: Ab da kann ich meine Sachen holen.
Das wird auch nóch ein etwas "härterer" Akt, denke ich.
Wenn man mich auf der Straße treffen würde und mich fragen würde, ob ich über XY hinweg bin, würde ich ohne zu zörgen mit ja antworten.
Und es fühlt sich auch zu 99% der Zeit so an.
Aber wenn dann wieder sms kommen, da merke ich doch noch was.
Es ist nicht mehr dieses "Ich will ihn zurück"- Gefühl, Mitleid oder das Bedürfnis, zu "helfen", sondern etwas anderes, das ich nur schwer beschreiben kann.
Ich glaube, es ist sowas wie Wut.
Zuerst nur Wut auf ihn, weil er mir so schlimme Dinge angetan hat, aber dann, und das ist wohl das dominierende Gefühl dieser Tage, kommt die Wut auf mich selbst.
Ich stelle mich selbst an den Pranger. Weil ich all das habe mit mir machen lassen. Weil ich niemandem Gehör geschenkt habe, als wirklich JEDER in meinem Umfeld gesagt hat: Geh da weg!
Ich rege mich über meine eigene Feigheit auf. Dass ich den Absprung erst so spät geschafft habe.
Oft habe ich mich auch schon darüber geärgert, dass ich überhaupt etwas mit diesem Mann anfangen konnte.
Das wir nicht zusammenpassten, war doch schon nach ein paar Monaten so offensichtlich!!! Nicht nur wegen der Sauferei, sondern auch wegen unserer unterschiedlichen Vorstellungen vom leben.
Ich hasse mich manchmal regelrecht selbst dafür, dass ich mein Bauchgefühl ignoriert habe und stattdessen so naiv (und narzistisch?) war, zu glauben, meine LIEBE könnte alles retten. Könnte IHN retten...
Menschen ändern sich nicht von Grund auf nur wegen einer neuen Liebe. Das hätte ich doch wissen müssen, und trotzdem habe ich mir zwischendurch selbst geglaubt, dass das da die große Liebe ist. Dass es nichts Größeres gibt als ein Leben mit XY.
Je größer der Abstand wird, umso mehr sehe ich ihn mit anderen Augen.
Und mir fällt auf, dass ich schon nach 3 Monaten Beziehung hätte das Weite suchen müssen, denn ab da wurde es nur noch schlimmer statt besser.
Und hätte ich gewusst, wie schlimm es wird... ich wäre wahrscheinlich trotzdem geblieben.
Und das ärgert mich so furchtbar!
Das klingt jetzt vielleicht wieder so, als würde ich mich als Opfer meines Ex sehen.
Das tue ich aber nicht mehr.
Ich sehe mich als Opfer meiner selbst.
Ich habe mich selbst dazu gezwungen (und zwar durch eine nie dagewesene perfekte Art und Weise, sich selbst zu belügen und Tatsachen auszublenden), ein Leben zu führen, das gar nicht meins war.
Ich habe meinen alkoholkranken Partner dazu benutzt, mich gebraucht zu fühlen, und wichtig.
Ich habe ihn nun verlassen, und ich weiß, dass ich nicht mehr zurück will. Ich liebe ihn nicht mehr. Im Grunde ist mir gleichgültig, was aus ihm wird.
Das ist vielleicht alles eine Verdrängungstaktik, wer weiß. Aber im Moment empfinde ich so.
Aber ist es nicht interessant, dass er jetzt, wo ich weg bin (UND NICHT MEHR AN IHM ZERRE!), tatsächlich eine LZT machen wird?
Ich werde das Gefühl nicht los, dass ausgerechnet ich es war, die ihn all die Zeit an der Flasche gehalten hat.
Dabei wollte ich doch genau das Gegenteil.
Das sind jetzt ein paar verbitterte Zeilen von mir gewesen.
Es mag so klingen, als hätte ich immer noch nur den Ex und den Alk im Kopf, aber so ist es wirklich nicht. Ich genieße mein Leben, wie es gerade ist, und es gefällt mir.
Aber sobald das alte Suchtmittel sich meldet, gehen auch wieder ein paar Alarmglocken.
Deswegen ist mein Plan für die nächste Zeit, den Kontakt weiterhin minimal zu halten und nach dem Auszug komplett abzubrechen, notfalls auch mit Wechsel der Telefonnummer.
Ich glaube, erst dann kann ich wirklich zur Ruhe kommen und abschalten.
Und dann auch "zuendeverarbeiten".