Hallo Nici!
Zitat von n i c i
Liebe Desperate,
fällt Dir an deinem Satz nichts auf ? Ich finde ihn so typisch :
wiedermal geht es um ihn,
um versteckte Hoffnung,
um seine Erkrankung,
um Entschuldigungen,
Um Liebe,...
sollte es aber nicht um DEINE Erkrankung gehen, Deine Hoffnung ?
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Richtig. Aber darum geht es mir ja:
Ich musste erstmal erkennen, dass SEIN Alkoholismus eine Krankheit ist. Dass ich da machtlos bin. Dass ich ihm nur helfe, wenn ich gar nichts tue.
Anfangs habe ich mir noch eingeredet, dass mein Ex aufhören kann, wenn er nur WILL.
Klar, in gewisser Weise stimmt das auch. Aber ich glaube nach wie vor nicht, dass er das ohne Hilfe schaffen würde.
Teilweise habe ich ihm im Inneren Vorwürfe gemacht, weil er gelogen hat, nicht "willensstark" genug war usw.
Heute weiß ich, dass es eine Krankheit ist. Und wie es bei Krankheiten ist: Um sie aufzuhalten, muss man den Willen haben, gesund zu werden.
Du hast mich so schön zitiert, dass es tatsächlich so aussieht, als hätte ich nur über meinen Ex geschrieben. Die Stellen, wo ich über mich, über meine Krankheitseinsicht schreibe, hast Du unter den Tisch fallen lassen. 
Liebe Nici,
ich gebe mir größte Mühe, bei mir zu bleiben.
Aber je mehr Abstand ich gewinne, umso mehr Dinge fallen mir wieder ein, die ich verarbeiten muss.
Da keimen dann die altbekannten Gefühle wieder auf. Wut, Trauer, Verzweiflung. Das ist schon viel weniger geworden, aber sie kommen immer wieder. Nur die Abstände werden größer. Und ich schreibe die Dinge hier auf, weil ich sonst mit niemandem darüber reden kann. Und weil ich gerne immer mal wieder in meinem eigenen Thread nachlese, wie sich die Dinge entwickelt haben usw.
Ich bemühe mich, jeden Tag etwas nur für mich zu tun. Der Kontakt zum Ex beschränkt sich auf ein Minimum und entsteht auch nur dann, wenn etwas hinsichtlich der Trennung geregelt werden muss.
Er ist auch nicht mehr ständig in meinem Kopf präsent, auch wenn ich zugeben muss, dass ich immer noch täglich über diese Beziehung nachdenke.
Aber ich finde, das ist normal. Und ich erlaube mir auch, dass ich schlechte Tage habe, an denen es mir mies geht, ich an mir selbst zweifle usw.
Stillstand ist für kurze Zeit ok. Kein Rückschritt ist auch ein Fortschritt.
Die Zweifel sind übrigens heute wieder mal etwas lauter geworden.
XY hat mir mitgeteilt, dass er im Januar zur Entgiftung und anschl. stationärer Therapie gehen wird.
Er war tatsächlich bei der Suchtberatung.
Ein kleiner Teil von mir wünscht sich, dass er nun tatsächlich die "Kurve kriegt" und die Beziehung wieder mal so schön wird, wie sie mal war.
Dass es für diese Beziehung doch noch eine Chance gibt.
Und etwas in mir hat auch Angst, dass ich ihm Unrecht getan habe.
Zweifel eben.
Aber der andere Teil meiner Gedanken sagt, dass der Weg, den ich nun gehe, der bessere ist.
Da ist einerseits die große Skepsis (Ist das nur ein weiterer Weg, um mich zur Rückkehr zu bringen?), andererseits das zerstörte Vertrauen.
Selbst wenn er trocken wäre, wahrscheinlich ist schon viel zu viel kaputt zwischen uns.
Und nicht zuletzt:
ICH bin zwar auf einem guten Weg, aber "trocken" bin ich noch lange nicht. Und ich glaube, ich würde auch schnell wieder ins alte Co-Muster verfallen.
Damit meine Gedanken nicht mehr so viel um das "vielleicht" und die alte Freundin Hoffnung kreisen, habe ich mir vorgenommen, nicht mehr über die Zukunft MIT ihm nachzudenken, bis er denn tatsächlich mal trocken sein sollte.
Es spräche ja nichts dagegen, einen Anlauf zu wagen, wenn er es wirklich geschafft hat und wir beide der Meinung sind, eine Beziehung miteinander wäre gut.
Aber darum mache ich mir erst Gedanken, wenn es soweit ist.
Und bis dahin müsste auch ICH "trocken" werden.
Und genau daran arbeite ich im Moment verstärkt.
Habe mir heute Adressen von SHG besorgt.
Leider gibt es hier nicht so viele SHG für Angehörige. Es gibt SHG für ALLES. Jede noch so unbekannte Krankheit usw. Aber kaum welche für Cos bzw. Angehörige.
Die SAche ist ja die:
Ich bin ja gar nicht mehr wirklich Angehörige eines Alkis.
Mein Problem bin ja im Moment ich selbst, also meine Co-Abhängigkeit. Und die bleibt auch, wenn XY schon über alle Berge ist.
Und die kommt auch wieder, wenn ein anderer Mann in mein Leben tritt.
Aber eine SHG speziell für Cos und/oder Beziehungssüchtige gibt es hier nicht.
Vielleicht besuche ich trotzdem mal die Angehörigen-Gruppe. Schaden kann es ja eigentlich nicht, aber mich stört im Moment, dass es da doch vorrangig um den Alkohol geht. Schau'n wir mal.
Heute backe ich Weihnachtsplätzchen mit meiner Mutter.
Der Schnee türmt sich hier, und ich kam heute gar nicht erst zur Arbeit, weil die Straßen so verstopft waren.
Morgen Abend ist Weihnachtsfeier mit ein paar Kollegen.
Einerseits freue ich mich darauf, andererseits ist mir auch irgendwie mulmig zumute.
Ich werde bei einer Arbeitskollegin schlafen, weil ausnahmsweise ICH mal Alkohol trinken werde. Naja, das ist noch nicht sicher. Seit XY ist mir ziemlich die Lust darauf vergangen. Ist ja auch nicht schlimm. Ganz im Gegenteil.
Aber es nervt mich irgendwie, dass diese ganze Sache so weite Kreise zieht und mein Leben so verändert hat.
Wenn mein Vater, der definitv KEIN Alkoholproblem hat, einmal im Monat eine Flasche Bier trinkt, dann kriege ich beim Geräusch des ploppenden Kronkorkens Wut im Bauch.
Ich bin völlig darauf konditioniert, und das stört mich unglaublich.
So, und nun wird gebacken.
Ich wünsche Euch einen schönen Abend!