Hallo liebe Dagmar,
gestern und heute komme ich mit meiner Situation gut klar. Wie lange das so bleibt, ich weiß es nicht. Ich weiß aber, das meine Traurigkeit, meine Unsicherheit und auch Angst vor dem Alleinsein, der Zukunft mich immer wieder treffen werden, vielleicht nicht mehr so hart und ich merke, dass das vergeht und ich aus jedem Tal ein wenig positiver auftauche, das habe ich schon oft gelesen, dass es so sein wird, aber ich glaube es jetzt es wirklich, weil ich es spüre.
Ja, Dagmar auch mein Umfeld hat den Spiegeltrinker beser erkannt als ich.
Du schreibst, sofern es möglich ist, stimmt genau.
Und genau das ist doch auch das Unglaubliche, was sicher auch dem Betroffenen die Einsicht so schwer macht: Vermeindlich hat er ja alles im Griff, steht morgens auf, pflegt den Körper, geht der Arbeit nach, erfüllt seine Pflichten und denkt alles im Griff zu haben.
Das ist aber nur oberflächlich so, jede kleine Abweichung von der eingeprägten Routine, wirft ihn dann völlig aus dem Bahn.
Frühlingssituation: Sonnenschein, Heimweg von der Arbeit. Ich frage im Auto, könnnen wir kurz beim Gärtner vorbeifahren, um ein paar Pflanzen zu holen.
Das ging nicht, es folgten dann anscheinend plausible Begründungen, wie die Terasse muss erst gereinigt werden.
So war es zu Anfang, später dann einfach nur das entschiedene nein. Jetzt weiß ich warum, ich habe damit dem Weg zum Kühlschrank und zum ersten Bier versperrt, also schuldig.
Liebe Dagmar, Du schreibst von einem neuen Kontakt. Wenn dieser Mann sich wirklich für Dich interessiert, wird er doch sicher wissen wollen, wie dein Leben bisher verlaufen ist und nicht um Dich dann im negativen Licht zu sehen, sondern einfach nur um Dich näher, besser kennenzulernen, also im Idealfall reines freundliches Interesse.
Hast Du Angst davor, das es dann ein prägendes Thema wird? Oder das dieser Mann dich dann mit anderen Augen sieht?
Ich hoffe meine Fragen sind nicht zu aufdringlich,
oder gehen in die falsche Richtung.
Ich kann hier "klug" schreiben, weiß aber wirklich nicht, wie es wäre wenn ich einen anderen Mann kennenlernen würde und das oben genannte Interesse an mir hätte, wie oder wann ich mich dahingehend öffnen könnte.
Vor ungefähr zwei Jahren, habe ich einen Kollegen, wir kennen uns schon länger, und waren uns immer schon sympatisch, näher kennengelert.
Die absolut klassische Situation, er verheiratet, zwei Kinder, ich verheiratet, aber beide absolut empfänglich für das, was dann folgte...
Für mich war das eine Flucht, Anerkennung, Zärtlichkeit und................viele Tränen, Liebekummer bis heute. Er hat mir viel von sich erzählt, ich habe nichts von meiner Situation erzählt, ich konnte es nícht.
Leider arbeiten wir jetzt enger zusammen und kommen beide mit der Situation nicht zurecht.
Meinen zweiten totalen Zusammenbruch habe ich dadurch vermieden, in dem ich die Notbremse gezogen habe, Beendigung des Verhältnisses, Auszug und Ruhe suchen.
Ich weiß, das ich nie wieder im meinem Leben solchen Kummer und solche Schmerzen erleben möchte.
Tja, Dagmar, das Leben ist immer für eine Überraschung gut oder auch schlecht-
Ich wünsche Dir und mir gute Überraschungen oder keine Überraschungen, das ist auch gut.
Ganz herliche Grüße
Gesche