Beiträge von Nordlicht

    Guten Morgen Julchen, Dagmar und Doro,

    ein liebes Dankeschön für eure lieben und offenen Antworten.
    Es ist wirklich hilfreich für mich zu erleben, das ihr mich so gut versteht.

    Sicher ist das alles für Euch noch schwerer zu ertragen, eure Kinder sind ja leider dann auch immer mit betroffen und die gilt es dann zu schützen.

    Durch eine körperliche Erkrankung meines Mannes haben wir keine Kinder. Wir konnten da auch sehr gut mit leben und zur Zeit bin ich über diese Kinderlosigkeit sehr froh.

    Als ich anfing, mir einzugestehen, das mein Mann alkoholabhängig ist, habe ich alles mögliche versucht ihn davon wegzubringen, all die üblichen Geschichten, reden, streiten, schweigen, verweigern.
    Wir sind jeden morgen gemeinsam zur Arbeit gefahren und viele, viele Male habe ich dann gesagt, Du hast eine unglaubliche Fahne, was sagen die Kollegen, der Chef. Die Pfefferminzbonbons gingen nie aus.

    Ich habe dann irgendwann unser Haus abgesucht und im Hobbykeller geöffente Weinkanister gefunden, der Wein wurde nicht mehr in Flaschen sondern in Kartons zu drei oder vier Litern gekauft..., ich habe meinen Mann darauf angesprochen, das wurde mir dann als Vertrauensbruch ausgelegt, man schnüffelt nicht in den Sachen des anderen.
    Und außerdem trinke ich ja auch Wein und er schleppt den auch für mich mit an.

    Als mein Entschluss dann feststand, mich wirklich zu trennen, habe ich mich mit seiner Schwester, seinen Eltern und unseren Freunden ausgetauscht, ja mein Herz ausgeschüttet. Ich hätte es gut gefunden, wenn seine Schwester oder seine Mutter sich mehr um ihn gekümmert hätten, ich konnte es nicht mehr.
    Mein Mann hat mir das dann wieder als absoluten Vertrauensbruch vorgeworfen und es folgte eine Zeit mit nur noch heftigen verbalen Attacken, die es mir dann wirlich unmöglich machten, weiter mit ihm zu leben.

    Seine Schwester und ich stehen immer noch in freundschaftlichem Kontakt, mein Mann und sein Alkoholkonsum sind kein Thema, so klappt das wirklich gut. Sie hat ihren Bruder lange nicht gesehen.

    Meine Schwiegermutter verschliesst die Augen völlig vor der Tatsache wie es ihrem Sohn geht. Dort bin ich die Schuldige, ich gönne ihrem Sohn das Glas Wein oder Bier nicht. Und für den Haushalt und den großen Garten hätte ich auch besser sorgen können, was will Gesche eigentlich sie hat doch alles. Und die Verweigerung der sozialen Kontakte ist natürlich auch meine Schuld, warum habe ich mich nicht gekümmert, als gute Ehefrau macht man das doch.

    Unsere Freunde sind wirklich die Einzigen, die sich viel mit uns beschäftigt haben, sie waren ja auch die Leidtragenden.
    Einladungen zu gemeinsamen Aktivitäten die von mir dann abgesagt wurden, weil mein Mann so lange irgendeinen Streit herbeigeführt hat, bis ich wirklich keine Lust mehr hatte und das gilt auch im wahrsten Sinne des Wortes. Ich war diejenige die den Kontakt aufrechterhalten hat, das ist jetzt auch der Vorwurf, die halten zu mir, und das nur, weil ich ihn bei den Freunden schlecht gemacht habe, eine wahre Hetzkampagne gestartet habe.
    Ich habe gemerkt, wie unwohl er sich in solchen Situationen gefühlt hat, völlig verkrampft, die Lockerheit, kam dann erst nach dem 3. oder 4. Bier oder Wein.
    Es sind alles kleine Mosaiksteine, die sich zu einem Bild zusammenfügen.
    Auch ich habe dann angefangen, viele Sachen allein zu unternehmen.
    Das hat mir oft sehr weh getan.

    Gemeinsame Aktionen wurden immer anstrengender, da wir immer rechtzeitig wieder da sein mußten, wo ein Kühlschrank mit Bier oder Wein ist, sicher ist Euch bekannt, was ich meine und wie anstrengend das ist.
    Manchmal habe ich dann darauf bestanden, irgendetwas gemeinsam zu machen, z.B. meinen Geburtstag zuhause mit der Familie und den Freunden zu feiern. Die ganze Vorbereitung, wurde dann mir überlassen und wenn dann irgendetwas fehlte, z.B. der Ouzo nach dem grillen, war ich diejenige, die nichts auf die Reihe bekommt und wir sollten so etwas doch lieber lassen.

    Vieles von dem was ihr schreibt und auch was ich gerade jetzt geschrieben habe, wird mir erst jetzt richtig bewusst und ich fange an, wieder Mitleid mit ihm zu haben, aber aus anderen Motiven und einer anderen Sicht auf sein Verhalten, vor allem sich selber gegenüber.

    In den ersten 2-3 Wochen hier, mit mir allein in meiner Wohnung war ich völlig verkrampft und habe immer alles schnell, schnell erledigt, bis ich das selber gemerkt habe und dann bewusst einen Gang zurückgeschaltet.
    Ich merke das meine unglaubliche Nervosität ein wenig besser wird.

    So, nun habe ich wieder sooo viel geschrieben.

    Heute ist wieder ein schöner, sonniger Tag und ich werde gleich meine Familie besuchen.

    Ich wünsche Euch allen einen schönen Ostersonntag.

    Ganz herzliche Grüße an Euch
    Gesche

    Hallo liebe Dagmar,
    vielen Dank für deine Sicht der Dinge.

    Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, das keine wie auch immer gearteten Verletzungen zurückbleiben, so das Du irgendwann wieder offen bist und auf den Menschen der Dir dann viel bedeutet zugehen kannst.

    Meine Wohnsituation ist gut, so dass ein weiterer Umzug, auch aus finanzieller Sicht für mich ersteinmal nicht in Frage kommt.
    Ich habe bewusst einen anderen Stadtteil meiner Stadt gewählt, in der Nähe meiner Schwester.

    Ich habe richtig Heimweh, nach meinem Leben, so wie es war, bevor der Alkohol oder mein Mann unser Leben über den Haufen geworfen hat
    Das ist es auch, was ich ihm ganz persönlich übel nehme, das er nicht erkennt, wie krank er ist und mir die Schuld an allem gibt. Er verweigert mir immer noch jede Aussprache und lehnt jeden Kontakt zu mir ab, weil ich "bekloppt" bin und mich selber verwirklichen will.

    Es ist gut für mich, das ich mittlerweile weiß, das nicht ich die Schuldige an dem Trinkverhalten meines Mannes bin, das hat er lange versucht mir einzureden und auch teilweise geschafft.
    Es gibt immer noch diese Gedanken, wenn Du dich in dieser oder jenen Situation anders verhalten hättest, wäre er dann vielleicht nicht abhängig geworden.
    Mich hat es fast umgehauen, wie sicher viele andere hier auch, den körperlichen Verfall mitzuerleben ohne das er selber darauf reagiert und für sich die Notbremse zieht.

    Die Veränderungen im Umgang mit mir, diese Agressivität, nicht körperlich, aber verbal, es stand ein mir völlig fremder Mensch vor mir, den ich 23 Jahre kenne.

    Jeder soziale Kontakt ist nach und nach von ihm eingestellt worden. Die Schuld daran gibt er aber nicht sich sondern der Familie, die ihn angeblich nie akzeptiert hat, unseren langjärigen guten Freunden, die sich in der oder jener Sitiuation falsch verhalten haben und es immer noch tun

    Sicher kennt der Eine oder der Andere das auch so.
    Ich würde mich sehr freuen, zu erfahren, wie dieses Alles von Euch verarbeitet wird und wurde.

    Ich wünsche Euch allen ein fröhliches, sonniges Osterfest.

    Herzliche Grüße an Dich Dagmar und an Alle hier.

    Gesche

    Guten Morgen an Alle hier,

    vielen Dank, liebe Dagmar für deine hilfreiche Antwort.
    Natürlich war nicht alles Lüge, ich denke das gilt auch für Dich?
    Lebensfreude? Ja, aber leider nur mit prozentiger Unterstützung....

    Ich arbeite daran, zu erkennen, das Zeit für mich ganz wichtig ist, um wieder zu mir Selbst zu finden.
    Du schreibst von der Akzeptanz sich in verschiedene Richtungen entwickelt zu haben. Mich hat es völlig hilflos gemacht, seine Entwicklung zu erleben.
    Es war unglaublich schwer für mich, mir einzugestehen, dass ich nicht helfen kann. Mein Mann hat seine Abhängigkeit nicht akzeptiert, im Gegenteil ich bin krank und brauche Hilfe.

    Vor ca. 5 Jahren habe ich immer wieder starke Nackenverspannungen bekommen, es kamen dann Angszustände und starke Panikattacken hinzu.
    Dieses alles hatte viele Arztbesuche zur Folge. Jeder Arzt/Ärztin hat mir dann geraten, nach der Ursache für meine Erkrankung zu forschen.
    Genau die Fragen sind es, ist es der Alkohol, ist er es, bin ich es?
    Wir haben uns verloren, und gleichzeitig er sich und ich mich.

    Ich habe dann eine Reha-Maßnahme gemacht. Mein Mann hat mich dort besucht. Er war eine Stunde dort, völlig hilflos, wie er mir begegnen sollte. Sein Abschiedsatz war: Wenn Du wieder zuhause bist, bist Du wieder normal, oder wir müssen uns trennen.

    Als ich wieder zuhause war, habe ich versucht, wieder normal zu sein, und habe dann ganz langsam festgestellt, das nicht ich die Kranke bin, sondern er.
    Es folgten drei Jahre harter Kampf um meine Ehe.
    Ich bin jetzt froh, diesen Schritt gemacht zu haben. Aber ich vermissse auch sehr viel, die schöne Zeit die wir mal hatten, mein Zuhause, mein persönliches Umfeld, alles hat sich geändert
    Ich hatte einen schönen Garten, in dem ich sehr gerne gearbeitet habe. Gerade an so einem schönen Frühlingstag wie heute.
    Dann kommt natürlich auch das Alleinsein hinzu.
    Es hilft mir dann meistens wenn ich mir sage, dass ich vorher einsam war und jetzt nur alleine bin.


    Es ist unheimlich schwer, die richtigen Worte zu finden, aber das schreiben hilft mir sehr.
    Ich hoffe, das ist jetzt nicht alles zu verworren.

    Danke für die Unterstützung
    Gesche

    Guten Abend Kaltblut,

    vielen Dank für die aufmunternden Worte

    Dann gebe ich mal Gas:
    Auf der einen Seite bin ich stolz auf mich, das ich es geschafft habe, mich zu trennen, denn das hat mir gezeigt, dass ich mir selber noch etwas Wert bin...dann kommt aber wieder die andere Seite, so kleine Teufel im Ohr, die mir sagen hast Du wirklich alles versucht, alles gegeben um deinem Mann zu erklären, warum es Sch... ist zu trinken, habe ich nie die richtigen Worte gefunden, die ihn erreichen.

    War ihm unsere Ehe nie wirklich wichtig?
    Wir haben eine lange Zeit eine gute Ehe geführt, das haben wir Beide so empfunden und auch gelebt.
    Wir waren stolz auf uns und unsere Beziehung.
    Für meinen Mann hat der Alkohol immer schon eine viel größere Rolle gespielt als für mich, aber wer will dann schon immer der "Spielverderber" sein, die nörgelnde Ehefrau die dem hart arbeitenden Mann nicht mal das Feierabendbier gönnt. Wie schon geschrieben wurden es dann leider immer mehr und ich habe mich eine Zeitlang auch daran beteiligt, gutes Essen guter Wein, romantische Abende, gesellige Abende.
    Ist alles gut und schön, aber der nächste Tag, die nächsten Tage ohne Alkohol, für mich selbstvständlich, für meinen Mann unmöglich.

    Soviel zum Anfang vom Ende.

    Gesche

    Guten Abend an Alle hier..
    ich bin 49 Jahre alt und habe mich vor einem halben Jahr nach 20 Jahren Ehe von meinem Mann getrennt, mein Mann ist alkoholabhängig.
    Es hat sehr lange gedauert bis ich das begriffen habe.
    Er trinkt nie so viel, dass er wirklich "richtig" betrunken ist, aber er braucht immer einen gewissen Alkoholpegel. Diese Prozess war sehr schleichend, das gemütliche Feierabendbier, der Verteiler nach dem Essen und das Glas Wein, viel beruflicher Stress und langsam, langsam immer mehr.
    Ich habe lange gegen diesen ja, Feind gekämpft, den Kampf aber leider verloren.
    Nachdem ich ausgezogen bin, dachte ich, ich habe dieses Kapitel abgehackt, leider merke ich immer öfter, wie sehr mich das alles noch wirklich im Griff hat, berührt und ich absolut keinen Abschluss finden kann. Wie schaffe ich es, mich nicht schuldig zu fühlen? Gibt es hier Menschen die ähnliche Erfahrungen haben, sehr gerne würde ich von Euch lernen.
    Es gehen mir tausend Gedanken durch den Kopf und mir fallen viele Sachen ein, die ich gern hier loswerden würde
    Vielen Dank für`s lesen und ich hoffe auf Eure Antworten...
    Gesche