Hallo miteinander,
wieder ist eine Woche fast vorüber, mit vielen Eindrücken, Schmerzen, aber auch Lernerfahrungen.
Diese Woche hat mir meine Ärztin gesagt, dass mein Darm wieder entzündet ist und das ich eventuell Kortison nehmen muss. Nächste Woche habe ich noch eine Untersuchung diesbezüglich.
Ich will keine Medikamente nehmen. Ich bin der festen Überzeugung, dass meine ganze Verwirrung und die Angst vor meiner Lebenssituation meine Verdauung durcheinanderbringt und sobald es mir psychisch besser geht, auch meine Gesundheit wieder besser wird.
Heute morgen habe ich in den Büchern von Janet Woititz gelesen ("Um die Kindheit betrogen") Obwohl ich das alles schonmal gelesen habe, fielen mir wieder die Parallelen zu meinem Leben auf. Ich habe keinen Bezugsrahmen, weiß nicht, was richtig und was falsch ist. Früher ging alles nur um Leistung und Anerkennung und Anpassung. Heute geht das nicht mehr und ich falle ins Bodenlose. Kein Stein, kein Halt, kein Wegweiser, der mir die richtige Richtung weist, weil ich es einfach nicht kenne von zuhause, wie Normalität ist.
Letzten Sonntag, als mich der Mann wieder besuchte, war ich total zerrissen. Einmal wollte ich am liebsten, dass er geht, dann später war ich froh, dass er da war. Die anfängliche überschwengliche Verliebtheit ist weg, aber warum? Ist es das Schema der erwachsenene Kinder, dass ich einen Rückzieher mache, sobald sich jemand wirklich für mich interessiert?
Diese inneren Kämpfe rauben mir sowas von Kraft. Ich habe nur noch Bauchschmerzen. Dann kommt die Angst, vielleicht schwer krank zu sein und bald sterben zu müssen, es nicht mehr zu schaffen. Die Zeit läuft mir irgendwie weg. Habe ich mit Ende 30 noch die Chance auf ein normales Leben mit einem Beruf, der mir wirklich Spaß macht, einem Nest, in dem ich mich wohlfühle mit Menschen, die mir Geborgenheit geben? Ist das richtig, so zu fühlen? Ich schaffe es nicht, mir selber Geborgenheit zu geben. Kann mit mir so wenig anfangen, wenn ich alleine bin. Nur mit anderen Menschen, deren Input kann ich richtig funktionieren.
Aber diese Aufmerksamkeit bekomme ich nicht mehr, nicht einmal durch meine Krankheiten. Manchmal wäre ich am liebsten so krank, dass sich die anderem um mich kümmern müssen, und ich meine Verantwortung für mich wieder abgeben kann. Das klingt so schräg, aber es ist so belastend für mich, für mich entscheiden zu müssen. Ich weiß gar nicht wie ich mich entscheiden soll. Meine Mutter, die Jahrzehnte meine Ansprechperson war, fällt so langsam dafür aus. Die Gespräche werden so oberflächlich. Sie kann mir auch nicht mehr helfen, kann sich ja nicht mal helfen. Das tut auch weh, ist ein schmerzlicher Verlust. Ich fühle mich deswegen schon oft allein und verlassen.
Aber, ein Vorfall heute morgen hat mir gezeigt, dass ich schon sensibler gegenüber meinen Bedürfnissen geworden bin. Ich habe wieder rein freundschaftlichen Kontakt zu meinem Ex-Freund. Er ist in einer schwierigen Situation und ich helfe ihm öfters mal durch Gespräche am Telefon. Ja, ich weiß, das ist auch typisch für ein EKA., das Helfersyndrom Auf jeden Fall machte er gestern den Vorschlag, dass wir uns zum Kaffeetrinken in meiner Stadt treffen könnten. Er würde mich sogar abholen. Wir vereinbarten eine Zeit, an der ich vor dem Haus sein würde.
Als ich zwei Minuten zu spät kam, machte er schon wieder seine Bemerkungen (wie früher) und es ging so in einer Tour so. Er schimpfte und meckerte über mich und andere Leute. Ich konterte, anders als früher, als ich mir alles gefallen ließ. Im Einkaufszentrum angekommen, eskalierte es dann. Er sagte, wir sollten heute doch getrennter Wege gehen, da ICH ja so schlechte Laune hätte. und es gar nicht merken würde. Sprachs und ging weg. Ich war etwas verdutzt, dann aber total froh. Das war ja genau der Grund, dass wir uns trennten., weil er ein totaler Kontrollfreak ist und nichts anderes gelten lässt. Und als wir die letzte Zeit so toll Gespräche am Telefon führten, wurde ich wieder unsicher. Aber das Erlebnis heute zeigt mir, dass ich richtig gehandelt habe und auf einem guten Weg bin.
Nur weiß ich deshalb trotzdem noch nicht, wie es weitergehen soll. Ich lebe nach wie vor nicht, wie ich mir das vorstelle, habe aber keine Ahnung, wie ich dahinkommen soll.
Morgen kommt der Freund von mir wieder und ich habe mich entschieden, es wirklich einfach mal so, ohne Kontrolle, laufen zu lassen. Wird es eine Beziehung, ist es gut, wenn nicht, auch. Mein Kontrollzwang, alles planen zu müssen, geht mir auf den Senkel.
Ich werde jetzt gleich noch einen schönen Kuchen für morgen backen.
Liebe Grüsse und schönen Abend,
Sonnenstrahl