Beiträge von Sonnenstrahl

    Hallo,

    endlich geschafft. Ich habe Urlaub.

    Heute morgen war noch so eine miese Stimmung im Büro. Mein Druck auf der Brust ist immer grösser geworden. Nachmittags hatte ich schon frei und war dann so kaputt, dass ich mich wie 90 gefühlt habe, jeden Moment reif zum Umkippen.

    Ich bin so hippelig. Ab heute Abend sind die nächsten knapp 3 Wochen fast nahezu ausgeplant. Es sind schöne Sachen, aber ich weiß nicht, ob ich das packe. Ich bin nervös, möchte manchmal am liebsten in mein Bett, statt meine Sachen zu packen. In einer halben Stunde geht es lerstmal los zu einer Wochenendaktivität, auf die ich mich ein halbes Jahr gefreut habe.

    Kennt ihr das auch, die Nervösität vor dem Neuen? Ich bin schon oft gereist, aber davor bin ich immer total nervös. Aber ich bin auch stolz auf mich. Trotz der ganzen gesundheitlichen Probleme gehe ich immer wieder raus, treffe mich mit Freunden und bleibe aktiv.

    Wenn ich jetzt noch meinen Hintern hochkriege, um einen neuen Job zu finden, dann bin ich auf einem guten Weg - ohne, dass meine Mutter mein Leben lenkt.

    Ich wünsche euch erstmal ein schönes Wochenende!

    Bis bald!

    Sonnenstrahl

    Liebe Caro,

    auch von mir ein herzlich willkommen zurück.

    Ja, Urlaub ist auch Veränderung und bringt eben Anstösse in beide Richtungen. Aber jedes Erlebnis ist doch auch Anlass, zu wachsen und sich weiterzuentwickeln.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo Anna,

    danke für Deinen Beitrag bei meinen Thread. Ich finde das klasse, dass Du einfach einen Schlussstrich gezogen hast und den belastenden Job gekündigt hast. Ich habe den Mut noch nicht. Obwohl ich leide, habe ich noch mehr Angst, dann wirtschaftlich wieder von jemanden abhängig zu werden, schlimmstenfalls von meiner Familie. Das möchte ich nicht. Aber es ist auch schön, zu lesen, dass Du Deinen Schritt mit einem guten Gefühl bei der Arbeit belohnt bekommen hast. Das ist soviel wert!

    Icih habe auch Deinen Thread gelesen. Wie Du Deinen Vater beschrieben hast, Quartalssäufer und weinerlich, das trifft auch auf meinen Vater zu. Er war immer das dritte Kind in der Familie, hatte mit meinem Bruder und mir um die Liebe unserer Mutter konkurriert. Ich empfand das auch als abstossend. Ich glaube, deswegen habe ich auch Probleme mit Partnern. Meine bisherigen Partner hatten total mangelndes Selbstbewusstsein und ihren Frust dann mit Dauerkritik an mir abgelassen. Ich konnte mich nicht wehren, aus Angst, verlassen zu werden und habe zu lange ausgehalten, bis ich fast zusammengebrochen wäre.

    Seit ein paar Wochen kenne ich einen neuen Mann. Tja, das Gefühl, wir sind zusammen habe ich noch nicht so richtig. Er ist echt ganz anders als meine bisherigen Partner, lieb und treu und zuvorkommennd. Aber am Wochenende habe ich wieder ein Deja vu mit früher erlebt. Der Mann trinkt halt ganz gerne was, wenn wir unterwegs sind, mal ein Bier oder Wein. Er trinkt eigentlich jeden Tag irgendeinen Alkohol. Ich kann nicht gut abschätzen, ob das zuviel ist oder ob ich überreagiere. Das hat mich schwer belastet, aber ich habe nichts gesagt, wie immer leide ich still. Solche Dinge halt, die mir das Leben schwer machen. Gerade habe ich an meine Mutter gedacht, die auch seit jahrzehnten leidet - liegt wohl in der Familie.

    Heute dann wieder Büro, eine Chefin, die ständig beobachtet und Kollegen die vor Futterneid triefen. Ich wollte heute nur noch weg, abhauen irgendwohin.

    Dann war ich nach der Arbeit bei einem Meditationskurs. Die Leute dort kenne ich schon lange und ich kann offen sein. Ich fühlte mich getröstet und nicht alleine. Das tat gut.

    Ich wünschte, ich könnte meine Gefühlswelt ordnen. Aber manchmal ist es wie die "Büchse der Pandorra". Ich habe sie geöffnet und nun fliesst alles raus, was jahrzehntelang gesammelt wurde. Ich kann es nicht mehr kontrollieren, wünsche mir Normalität.

    Aber es tut auch gut, hier zu lesen und zu schreiben, unter Menschen, die ähnliches erlebt haben und erleben.

    Schönen Abend, Anna!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Hanna,

    wie geht es Dir heute? Konntest Du Dich etwas entspannen und die trüben Gedanken vertreiben?

    Ich kann so gut nachvollziehen, wie Du Dich fühlst, weil es mir im Moment genauso geht.

    Hoffentlich bekommst Du bald die Genehmigung für die Kur. Ich halte Dir die Daumen.

    Ich glaube, wenn man das Gefühl hat, niemanden für unsere Probleme zu haben, ist das Forum ganz gut geeeignet, alles etwas leichter zu machen und verstanden zu werden.

    Ich sende Dir einen ganz hellen Sonnenstrahl, der die trüben Wolken vertreiben soll.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Löwenherz,

    vielen Dank für Deine lange Antwort. Dein Verständnis und Deine liebevollen Worte tun mir sehr gut. Vor allem zeigen sie mir, dass es möglich ist, mich besser zu fühlen und mein Leben zu ändern.

    Nachdem ich gestern wieder mal mein Leben und meine Gesundheit aus der Hand geben wollte - ich habe mit einem Seminaranbieter gesprochen, der mich überzeugen wollte, nur seine Seminare würden Gesundheit bringen (und das zu einem gesalzenem Preis) und dann doch noch gemerkt habe, was ich tue, denke ich komischerweise langsam anders über meine Schmerzen. Ich habe heute genau beobachtet, wann ich Schmerzen bekomme.

    Heute morgen kam ein Riesenbrocken Wut und Schmerz über meine Familie, meine Mutter, meine Kindheit und meine Lebenssituation nach oben. Das Schlüsselwort in diesem Brocken war "Versager". Ich fühle mich unzureichend, weil ich mich bisher nur an Höchstleistungen gemessen und habe und das jetzt alles wegfällt. Ich wollte immer meinem Vater/Grosseltern beweisen, dass ich doch zu etwas nütze bin. Ich bin doch auch was wert, wenn ich nicht bis zum Umfallen schufte?! Ich hatte ziemlich Bauchschmerzen, Durchfall und Schwindel. Ich habe diesen Brocken dann mit der Klopftechnik (Meridian-Energie-Technik) bearbeitet und er wurde geringer und ich fühlte mich leichter.

    Auf der Arbeit merkte ich, wie sich meine Spannung verstärkte und in Kopf- und Bauchschmerzen bemerkbar machte. Ich fühle mich nicht mehr wohl dort, wie im falschen Film, alles nervt mich und ich möchte weg. Das heisst, die Beschwerden sind legitim, der Hinweis berechtigt. Ich möchte meine Angst vor der Veränderung noch abbauen. Ich muss eigentlich keine Angst haben. Ich weiss, was mir Spaß macht, ich habe eine gute Ausbildung und weiss, wenn ich wo dahinterstehe, habe ich Energie ohne Ende.

    Ich versuche zu fühlen, wie selbständig ich doch lebe und möchte mich dafür loben. Gestern habe ich eine Reparatur in meiner Wohnung selbst gemacht, wo ich sonst einen Handwerker kommen liess. Ich war so stolz auf mich.

    Morgen besuche ich den Mann. Das fühlt sich immer noch fremd an und er ist wahrscheinlich auch zu zurückhaltend, um mir die Unsicherheit zu nehmen. Ich möchte eine "perfekte" Beziehung, aber ich bin wahrscheinlich gar nicht fähig, diese zu leben. Ich muss meine Ungeduld zähmen. Vielleicht sollte ich ihm einfach mal sagen, was mit mir los ist?

    Meine Therapeutin trägt dazu bei, dass ich endlich die alten Gefühle anschauen lerne und sie relativiert, wenn ich unsicher bin. Sie hat mir auch zugeraten, dass ich keine Medikamente nehme, um die Gefühle nicht wieder zuzudecken.

    Mich zu entspannen, ist momentan nicht oft möglich. Ich kann mich eigentlich nur in der Natur beim Laufen entspannen, wenn ich die gute Luft einatme, den Tieren zusehe und das Grün anschaue. Selbst für die Meditation bin ich oft blockiert. Aber die negative Erfahrung mit dem Seminaranbieter hat meinen Überlebenswillen wieder etwas aktiviert, was gut ist.

    Ich wünsche Dir und euch allen eine Gute Nacht und liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Löwenherz,

    habe gerade Deine Beiträge gelesen - nicht alle - aber die, die ich gelesen haben, strahlen eine ungeheuerliche Kraft aus. Es ist schön, diese Kraft zu spüren.

    Du schreibst oft von "verdauen". Verdauen ist ein gutes Stichwort. Ich kann die Vergangenheit momentan gar nicht gut Verdauen. Nachdem ich von meiner Scheinwelt auf der Suche nach Liebe, Lob und Anerkennung unsanft aufgewacht bin, habe ich meine Orientierung verloren, mein Vertrauen und meinen Lebenssinn. Alles ist blockiert. Mein Körper hat Schwierigkeiten, Nahrung zu verdauen und reagiert mit Bauchschmerzen. Mein Herz sucht nach Liebe und schmerzt und mein Kopf schmerzt, weil zu viele Gedanken und die Angst vor der Zukunft ihn einengt.

    Ich, die ich immer von der Meinung anderer Menschen abhängig war, habe Probleme zu fühlen, wer ich bin, was mir gefällt, und wie ich leben will. Es geht so langsam voran, und ich habe das Gefühl, mir läuft die Zeit weg, wenn ich noch Familie haben will. Aber ich komme doch gerade selbst mit mir nicht zurecht. Wie lang mag der Weg noch sein, den ich gehen muss?

    Aber wenn ich Deine Beiträge lese, bekomme ich Hoffnung, es auch zu schaffen und wieder die Sonne und Freude zu erleben.

    Liebe Grüße,

    Dein etwas blasser Sonnenstrahl

    Hallo Linde,

    ja, Du hast recht! Und das ist ja das Problem. Ich jetzt immer mehr sehr deutlich, was mir gut tut und wo ich Schmerzen habe. Aber ich komme aus meinem alten Leben nicht raus.

    Ja, ich kann Abstand zu meiner Mutter halten und das mache ich ja auch. Ich hatte sie vor dem Besuch zuletzt Ostern gesehen. Das ist ok.

    Mit dem Mann treffe ich mich am Wochenende und ich werde meine Gefühle ansprechen. Entweder er versteht es, oder nicht.

    Aber was ganz massiv ist derzeit, ist die Situation auf der Arbeit. Ich merke immer mehr, wie sehr mich das belastet und doch kriege ich die Kurve nicht, den Absprung zu schaffen und zumindest Bewerbungen zu schreiben. Ich habe Angst, dann runterzufallen, in einem neuen Job wieder krank und entlassen zu werden. Das ist ein Teufelskreis, das ist mir auch klar und ich versuche ja gegenzusteuern, so gut es geht.

    Gerade war ich noch eine Stunde draußen in der Natur. Das ist das einzige Mittel, um mich wieder einigermaßen runterzukriegen von meiner Panik, wenn ich das Grün und die Vögel sehe und den Duft riechen kann. Manchmal wünschte ich mir, ich hätte den Mut, einfach morgen nicht ins Büro zu gehen, sondern mein Fahrrad zu schnappen und einfach loszufahren. Endlich mal nicht angepasst zu sein und voll von schlechtem Gewissen, was die anderen denken können.

    Schönen Abend und gute Nacht!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo liebe Hanna,

    ich bin hier, aber wieder mal ganz schön angeschlagen. Habe den Tag heute nur mit grosser Mühe überstanden, ohne von der Arbeit nach Hause zu gehen.

    Irgendwie kann ich nicht mehr. Ich rapple mich immer wieder auf, nur um dann wieder fast zusammenzubrechen mit extremen gesundheitlichen Problemen, einer grossen Wut und Verzweiflung im Bauch und keine Ahnung, wie es weitergehen soll.

    Am Wochenende war meine Mutter zu Besuch. Lange habe ich nicht geglaubt, dass sie wirklich kommt, weil sie schön öfter kurzfristig ihre Pläne geändert hat, wenn es Probleme im Geschäft gab. Aber gut - sie kam dann am Freitagabend. Ich habe mich gar nicht wohl damit gefühlt, weil wir am Telefon seit einiger Zeit nur Blabla reden und genaueres Nachfragen nach ihrer Situation und der meines Bruders brachten keine Antwort. In letzter Zeit setze ich mich sehr intensiv mit der Rolle meiner Mutter damals auseinander.

    Wir haben am Freitag dann später zum Diskutieren angefangen und ich merkte mal wieder, dass sie meinen Weg nicht versteht. Ich habe ziemlich viele (Lebenshilfe-)Bücher in meiner Wohnung und sie meinte, das wäre nicht gut, sondern würde mich nur verwirren. Auch als ich ihr gesagt habe, ich wäre dabei meinen Weg zu finden, weil ich bisher fremdbestimmt war, hat sie das rigoros verneint, das würde nicht stimmen. Sie hätte mich auf jeden Fall nicht fremdbestimmt. Und auf die Aussage hin, dass ich erst lernen müsse, fröhlich und unbeschwert zu sein, meinte sie, manche Menschen wären halt ernst, das ist normal. Naja, als wir kurz vorm Streit waren, habe ich eingelenkt und wir haben wieder über unverfängliche Themen geredet. Sie hat mir auch von meinem Bruder erzählt, der derzeit grossen Ärger und unverschuldet einen Rechtsstreit an der Backe hat. Naja, der Samstag verlief so lala. Aber ich hatte während unseres Stadtbummels ständig Schmerzen. Abends waren wir mit meinem neuen Freund und einer Freundin bei einer Veranstaltung. Dort habe ich gemerkt, wie wenig meine Mutter loslassen kann. Sie konnte die Veranstaltung nicht richtig geniessen, obwohl es echt lustig war und ich so gerne gelacht habe.

    Mein Freund war sehr zurückhaltend, was mich wieder belastet hat. Ich hätte mir gewünscht, wenn er am Tisch öfter meine Hand gefasst hätte. Aber das war nicht, wir konnten uns nur in der Pause berühren. Er fuhr uns dann auch nach Hause und blieb nicht über Nacht.

    Am Sonntag haben wir nicht mehr grossartig geredet. Ich merkte nur, dass ich schon wieder Kind war und wie früher meine Beschwerden ständig präsent waren. Sonntag fuhr sie wieder heim. Abends war ich dann Tanzen, was ich lange nicht gemacht habe und ich fühlte mich so wohl und kraftvoll wie langen nicht.

    Mir gehts seit gestern total schlecht. Ich merke immer mehr, wie ich mit diesem Leben, das ich führe, gar nicht zufrieden bin. Das fällt mir immer besonders auf, wenn ich schöne Erlebnisse. Aber ich weiß nicht, wie ich es ändern soll.

    Meine Psychologin meinte, ich würde mich noch zu sehr auf die Meinung anderer verlassen und nicht meinen eigenen Weg gehen. Ja, das stimmt auch, ich bin es nicht gewohnt, für mich zu entscheiden, zu spüren, was ich wirklich will.

    Auch meinen neuen Freund verstehe ich nicht richtig. Ich scheue mich, manche Ungereimtheiten anzusprechen, weil ich Angst habe, es könnte wieder vorbei sein. Also halte ich aus und leide.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo Anna,

    auch ich erkenne mich in Deinem Beitrag wieder. Früher war es noch gravierender. Als Kind verstand mich mich am besten mit Lehrern und Respektspersonen. Ich tat alles, damit ich ihre Wertschätzung erlangte und war glücklich, wenn es gelang.

    Heute bin ich auch sehr kontaktfreudig. Ich habe regelmäßig super Gespräche, im Zug oder Wartezimmer oder auch wenn ich fremden Touristen den Weg zeige.

    Vertrauen kann ich eigentlich nur Menschen, die sich mir auch öffnen und das sind meistens Menschen, sie selber ein hartes Schicksal haben. "Gesunde" Menschen sind auch in meinem Freundeskreis, aber mit Ihnen ist es härter, manchen Themen zu diskutieren, weil ich mich dann auch schäme, immer über Krankheit, Probleme und Sorgen reden zu wollen.

    Aber ich habe viele faszinierende Menschen kennengelernt und bereute es nicht, immer offener zu werden und auch meine Schwächen zuzugeben. Diese Geheimniskrämerei früher, um ja nichts über den Alkoholismus meines Vaters nach außen dringen zu lassen, hat mich sehr belastet. Ich geniesse es, dies nicht mehr tun zu müssen. Gerade dieser Wunsch steht aber dem Verhältnis mit meiner Mutter im Wege. Sie wird immer verschlossener, gerade wenn wir telefonieren, und wenn wir uns dann mal richtig treffen, ist die Gefahr der "Explosion" der Gefühle natürlich gross.

    Ich wünsche euch eine gute Nacht!

    Liebe Grüsse,

    Sonnenstrahl

    Hallo,

    ein recht abwechslungsreiches Wochenende liegt hinter mir, wie üblich mit Höhen und Tiefen.

    Mittlerweile zeigt mir mein Körper immer deutlicher und massiver, wenn ich gegen meine Bedürfnisse und wünsche lebe. Im Gegensatz merke ich aber auch, wenn ich meine Bedürfnisse lebe und dafür mit weniger Schmerz belohnt werde.

    Am Samstag hatte ich eigentlich mit einer Freundin ausgemacht, zum Fahrradfahren zu gehen. Da ich aber längere Zeit nicht gefahren war, hatte ich Angst. Da "kam es mir ganz recht", dass ich am Samstag mit tierischen Rückenschmerzen aufwachte. An Radfahren war nicht zu denken und ich konnte meiner Freundin guten Gewissens vorschlagen, sich "nur" zum Kaffeetrinken zu treffen. Als ich danach nach Hause aufbrach, ging es mir besser und ich fasste neuen Mut, doch noch am Wochenende Rad zu fahren. Ich kaufte mir einen Helm und eine schöne Radtasche.

    Gestern kam dann mein Freund. Es fällt mir immer noch schwer, das so zu denken oder auszusprechen. Ich habe ziemlich Bammel, mich auch gefühlsmäßig immer weiter auf ihn einzulassen. Es könnte ja zu Ende sein, noch bevor es angefangen hat?!

    Auf jeden Fall war es schön, ihn zu sehen. Er brachte auch sein Rad mit und wir machten unsere Radtour. Und es machte Riesenspaß. ich fühlte mich auch sicherer mit dem Helm. Der Tag war seit langem der entspannendste überhaupt in meinem Leben. Ich fühlte mich locker, hatte Kraft, konnte richtig in die Pedale treten und genoss den Fahrtwind. Der Tag verging viel zu schnell. Aber ich kann bei ihm sein, wie ich bin und das macht mich glücklich.

    Heute morgen merkte ich wieder, wie schwer ich aus dem Bett kam. Ich fühlte mich schwindlig und hatte wieder ziemlich Bauchschmerzen. Im Büro kann ich bei einigen Kollegen nicht ich selber sein. Besonders mit einer Kollegin ist es schwer. Ich fühle ständig Ihr Urteil - wie sie herüberschaut, oder Bemerkungen macht. Ich fühle mich total unwohl in ihrer Gegenwart.

    Außerdem denke ich trotzdem noch über meinen Ex-Freund nach. Er hat sich seit seinem unmöglichen Verhalten vor einer Woche nicht gemeldet und ich mich natürlich auch nicht bei ihm. Ich habe den Verdacht, er wollte mit Absicht den Kontakt zu mir abbrechen. Vielleicht verdaut er nicht, dass ich einen neuen Freund habe. Wieso denke ich überhaupt darüber nach? Er hat mir doch nie gutgetan. Die letzten Wochen habe ich ihm zugehört, ihm versucht zu helfen und dann beschimpft er mich, wie in alten Zeiten? Ich sollte ihn streichen, vergessen!!!!

    Ja, manchmal ertappe ich mich, intensiv über Krankheiten und Schmerzen nachzudenken, weil es einfacher ist, als über das so oft schwierige Leben und meine schwierige Gefühlswelt.

    Meine Mutter kommt die Woche zu Besuch. Ich weiß nicht, ob das gut ist, habe Angst, wieder gute Mine zum bösen Spiel machen zu müssen, weil sie immer gleich zumacht, wenn ich offen mit ihr rede. Aber ich platze bald, wenn wir nicht bald mal einiges klarstellen.

    Wie ist es, einmal aufzuwachen, ohne Probleme im Kopf zu wälzen, die einen schwindlig werden lassen und ohne Bauchschmerzen, die quälen.

    Aber heute habe ich genug darüber nachgedacht. Jetzt wird erstmal geschlafen.

    Guten Nacht und liebe Grüsse,

    Sonnenstrahl

    Liebe Caro,

    ich wünsche Dir und Deiner Familie einen ganz tollen Urlaub, eine guten Reise und viel Spaß und Erholung.

    Das klingt ja super, was Du von den Vorbereitungen und Deinen Fortschritten erzählt hast.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo Hanna,

    es ist spannend, zu lernen. Und es ist vor allem toll, selbst zu erkennen, wenn man Fortschritte macht und eine Situation, an der man vor einiger Zeit noch verzweifelt hätte, dieses Mal gut gemeister hat. DFas hast Du ja mit der Situation beschrieben, wo Du Dir den Schuh nicht angezogen hast und rechtzeitig weggegangen bist. Und dass Du Dich neu fühlst ist super. Du hast etwas Neues ausprobiert, fühlst Dich aber nicht schlecht dabei.

    Ich glaube, das Schwierigste ist, sich nicht an der "Norm" der Menschen messen zu können. Das macht zuerst Angst, weil wir alles erst ausprobieren müssen und nicht auf Strukturen zurückgreifen können.

    ABER: Weißt Du, was ich immer mehr merke. Ich merke, dass ich viel sensibler als anderen Menschen bin und Situationen viel besser erfassen kann und dadurch schöne Erlebnisse und Begegnungen habe.

    Ich habe heute eine mehrstündige Untersuchung in der Klinik gehabt mit viel Wartezeit. Aber anstatt mich zu bedauern und über die verlorene Zeit zu ärgern, habe ich Kontakt zu anderen Wartenden gesucht und zwei super Gespräche gehabt, die nicht nur Blabla waren, sondern richtig tief gingen. Das macht mich glücklich.

    In manchen Bereichen haben wir den Nicht-EKAs einiges voraus. Wir beschäftigen uns so mit unserem Inneren wie die meisten Menschen das nie im Leben tun, weil sie es nicht brauchen. So oft es wieder Einbrüche im Leben gibt und Schmerzen durch alte Muster aktiviert werden, so sehr geniesse ich aber auch die Fortschritte.

    Diese Woche geht es wieder weiter, raus aus dem stockenden Morast, in dem ich feststeckte. Ich habe wieder Mut, neue Wege zu gehen, meinen Job endlich zu wechseln und mir den Lebensraum zu suchen, den ich mir wünsche und der mir gut tut.

    Ich habe für mich entschieden, meine "Schwächen" als EKA auch als Stärken zu nutzen.

    Mein Körper nimmt mich ganz schön ran, mit all den Schmerzen, aber ohne ihn würde ich immer noch leisten ohne Ende, immer wieder über meine Grenzen gehen und vielleicht ganz plötzlich zusammenbrechen und nicht mehr aufkommen. In einer Weise danke ich meinem Körper für die Hinweise.

    Was habt ihr denn im Wald gemacht? Ich liebe die Natur auch, gehe raus, wann immer es geht, in die Stille.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo bookfriend,

    das Gefühl der Wut kenne ich auch.

    Früher habe ich Wut nie zugelassen. Jemand konnte mich verletzen und ich habe trotzdem noch gelächelt und gesagt, dass es nichts macht.

    Diese ganze Wut kommt jetzt hoch und manchmal kann ich mich kaum zurückhalten, um nicht auszuflippen und gerade wenn ich im Büro mitbekomme, dass Leute auf anderen rumhacken und sie blöd anreden, würde ich denen am liebsten die Meinung sagen oder eine runterhauen.

    Ich glaube, es ist gut, Wut zu empfinden. Es ist nur wichtig, sie auch richtig einzusetzen. Man kann Wut auch äußern, ohne auszuflippen und Menschen, die man liebt, vor den Kopf zu stossen.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo zusammen,

    erstmal vielen Dank liebe linde für dieses Thema.

    Ich denke, es macht schon einen Unterschied, ob Vater oder Mutter Alkoholiker ist.

    Mein Vater ist Alkoholiker, seit ich 9 Jahre alt war. Ich habe ihn nie als einen Mann erlebt, einen Mann, der den männlichen Part in der Familie ausfüllt. Er war immer der Schwache, auch bevor er Alkoholiker wurde. Er verließ sich immer auf meine Mutter, privat und geschäftlich (meine Eltern haben einen kleinen Handwerksbetrieb).

    Durch seine Eltern, die ihn mit Schlägen und ohne Liebe erzogen haben, konnte er auch keine Liebe geben und wusste auch nicht, wie er seinen Kindern gegenüber Liebe geben konnte. Mein Bruder und ich waren Nebenbuhler um die Zuneigung unserer Mutter.

    Ich glaube, ich habe durch den Alkoholismus meines Vaters meine Weiblichkeit nicht richtig ausbilden können. Ich habe mich ganz lange gar nicht als Frau gefühlt. Sogar dagegen rebelliert mit betont männlicher Kleidung und Haarschnitt.

    Meine Mutter war und ist immer der starke Part in unserer Familie gewesen - dachte ich. Sie hat alles gemanagt und getan und war für jeden da, hat Entschuldigungen gesucht, warum sie wieder den Lückenbüsser machte, früher für meinen Vater, jetzt für meinen Bruder, der sich genauso gehen lässt wie mein Vater, wenn auch ohne Alkoholiker zu sein. Ich habe meine Mutter nie richtig als Frau erlebt, weiblich, weich. Sie hat auch nie versucht, mit allem abzuschließen, sondern hängt nach wie vor an der Co-Situation fest, obwohl sie fast 20 Jahre getrennt von meinem Vater ist. Sie ist immer noch Opfer.

    Meine Mutter war immer mein Vorbild, dementsprechend eiferte ich ihr nach. Ich leistete ohne Ende, um ihre und die Anerkennung anderer zu bekommen. Aber ich als Mensch. Ich kannte mich gar nicht. Die Männer, die ich erst spät im Leben entdeckte und mit denen ich mich einließ, waren zwar keine Alkoholiker, aber auch so schwach, bedürftig und kritisch wie mein Vater. Ich machte alles falsch in ihren Augen und wieder fühlte ich mich schlecht, nichts wert, wie mein Vater mir ins Gesicht sagte.

    So komisch es klingt, ich lerne mich und meine weibliche Seite erst jetzt kennen. Lerne, dass weiblich nicht gleich schwach heissen muss, sondern ich Stärke und Weiblichkeit in gesunder Weise verbinden kann.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Hanna,

    ich danke Dir für Deine Worte. Ja, es tut gut, wenn jemand die Worte versteht, die Worte, mit denen man mühsam Gefühle ausdrücken möchte, die die meisten anderen Menschen gar nicht verstehen, nicht nachvollziehen können.

    Es tut auch gut, erstmal zu wissen, dass die Gefühle da sind und warum sie da sind. Ganz lange, war mir nicht bewusst, wie sehr meine Kindheit mein heutiges Leben beeinflusst hat und noch beeinflusst. Ich hielt es für normal, bis zum Limit zu arbeiten, um die Anerkennung zu bekommen, die für mich wieder Energie zum Leben enthielt. Ich hielt es für normal, dass meine Mutter sich immer noch für meinen Vater aufopfert, obwohl sie schon fast 20 Jahre getrennt sind, dass mein Bruder noch zuhause lebt, obwohl er schon weit über 30 ist und er in ständigen Selbstzweifeln und Ängsten lebt, ohne sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

    Es war wie hart auf der Erde aufkommen, dies alles plötzlich zu realisieren. Plötzlich kommen all die Gefühle der Unzufriedenheit, Agression und Wut mit meiner Lebenssituation, mit Menschen in meinem Umfeld, die andere mobben und doch ungestraft davonkommen, weil die anderen Menschen zuviel Angst haben, sich zu beschweren.

    Mein altes Leben ist mir zu eng geworden und mit jedem Tag wächst die Notwendigkeit, rauszutreten, endlich das zu machen, was zu mir gehört. Doch ist die Angst noch da, aus der dunklen Zelle, in der ich eingesperrt war, mich zum Teil selber eingesperrt habe, ins Licht, in die Farben, ins Lachen, in das Unbeschwertsein, zu treten.

    Den Ballast hinter mir lassen, die Haken, die mich ans alte Leben binden, die Vertrautheit der Schmerzen, der Angst, und der Abhängkeit von der Bewertung anderer. Es ist so schwer.

    Vertrauen zu mir, zum Leben und zu Menschen, die es gut mit mir meinen, entwickeln. Bei dem Mann, den ich kennengelernt habe, kann ich das zum Teil. Mein Vertrauen wächst, aber auch die Angst, vielleicht doch wieder "ins Klo gegriffen zu haben", und es erst später zu merken. Aber die Situation ist anders. Ich werde von ihm nicht bewertet. Ich kann einfach sein und das ist es, was zählt.

    Hanna, Du hast recht. Die Schmerzen hängen mit Gedanken, Situationen, Gefühlen zusammen und vielleicht ist mein Darm deshalb auch entzündet, von all dem ätzenden Zeug. Wenn ich in der Natur bin, atme ich Balsam ein, geniesse ich das Grün, die frische Luft, die Stille. Da bin ich eins mit mir. Da möchte ich hin im Leben! Eins mit mir sein.

    Ich wünsche euch einen schönen Abend und sende liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Caro,

    einige Wochen schon habe ich nicht mehr so viel geschrieben und wenn, dann nur unter meinem eigenen Thema. Mir war nicht so nach Schreiben.

    Aber Dein Thread spricht mich sehr an. Das ist ein Thema, das uns alle angeht.

    Je mehr ich mich mit dem Thema Erwachsene Kinder von Alkoholikern beschäftige, desto krasser fallen mir Verhaltensweisen an mir auf, die genau in dieses Schema passen.

    Einige von euch sagen, dass ihr das Schreien an euch nicht mögt. Bei mir ist es genau das Gegenteil. Ich konnte Wut und Ärger nie rauslassen, habe alles immer schön unterdrückt und habe zugelassen, dass mein Körper darunter leidet. Ich glaube, es ist nicht von ungefähr, dass ich so starke Bauchschmerzen habe. Selbst jetzt merke ich, dass eine starke Wut dahintersteckt, wenn ich mich dumpf und hoffnungslos fühle.

    Auch merke ich, dass ich Konflikte meide und mich anderen Menschen bis zur Unterwerfung anpasse. Ich lasse so lange auf mir rumtrampeln, bis es nicht mehr weiter geht. Bisher wurde ich gelebt und jetzt weiß ich gar nicht, wie ich mein Leben leben soll.

    Umgekehrt kann ich Zuneigung nicht so gut annehmen. Das sehe ich bei meiner beginnenden Partnerschaft. Der Mann zeigt mir, dass er mich toll findet und ich habe plötzlich ein Gefühl von Weglaufenwollen. Später fühle ich mich wieder zu ihm hingezogen.

    Ich möchte gerne mehr Vertrauen habe, Spontanität und auch Mut zur Veränderung und Risiko. Mir fehlt auch wieder ein Grund zum Leben, nach all der Suche nach Anerkennung.

    Genug Arbeit für die nächsten Jahrzehnte.

    Schönes Wochenende und liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo miteinander,

    wieder ist eine Woche fast vorüber, mit vielen Eindrücken, Schmerzen, aber auch Lernerfahrungen.

    Diese Woche hat mir meine Ärztin gesagt, dass mein Darm wieder entzündet ist und das ich eventuell Kortison nehmen muss. Nächste Woche habe ich noch eine Untersuchung diesbezüglich.

    Ich will keine Medikamente nehmen. Ich bin der festen Überzeugung, dass meine ganze Verwirrung und die Angst vor meiner Lebenssituation meine Verdauung durcheinanderbringt und sobald es mir psychisch besser geht, auch meine Gesundheit wieder besser wird.

    Heute morgen habe ich in den Büchern von Janet Woititz gelesen ("Um die Kindheit betrogen") Obwohl ich das alles schonmal gelesen habe, fielen mir wieder die Parallelen zu meinem Leben auf. Ich habe keinen Bezugsrahmen, weiß nicht, was richtig und was falsch ist. Früher ging alles nur um Leistung und Anerkennung und Anpassung. Heute geht das nicht mehr und ich falle ins Bodenlose. Kein Stein, kein Halt, kein Wegweiser, der mir die richtige Richtung weist, weil ich es einfach nicht kenne von zuhause, wie Normalität ist.

    Letzten Sonntag, als mich der Mann wieder besuchte, war ich total zerrissen. Einmal wollte ich am liebsten, dass er geht, dann später war ich froh, dass er da war. Die anfängliche überschwengliche Verliebtheit ist weg, aber warum? Ist es das Schema der erwachsenene Kinder, dass ich einen Rückzieher mache, sobald sich jemand wirklich für mich interessiert?

    Diese inneren Kämpfe rauben mir sowas von Kraft. Ich habe nur noch Bauchschmerzen. Dann kommt die Angst, vielleicht schwer krank zu sein und bald sterben zu müssen, es nicht mehr zu schaffen. Die Zeit läuft mir irgendwie weg. Habe ich mit Ende 30 noch die Chance auf ein normales Leben mit einem Beruf, der mir wirklich Spaß macht, einem Nest, in dem ich mich wohlfühle mit Menschen, die mir Geborgenheit geben? Ist das richtig, so zu fühlen? Ich schaffe es nicht, mir selber Geborgenheit zu geben. Kann mit mir so wenig anfangen, wenn ich alleine bin. Nur mit anderen Menschen, deren Input kann ich richtig funktionieren.

    Aber diese Aufmerksamkeit bekomme ich nicht mehr, nicht einmal durch meine Krankheiten. Manchmal wäre ich am liebsten so krank, dass sich die anderem um mich kümmern müssen, und ich meine Verantwortung für mich wieder abgeben kann. Das klingt so schräg, aber es ist so belastend für mich, für mich entscheiden zu müssen. Ich weiß gar nicht wie ich mich entscheiden soll. Meine Mutter, die Jahrzehnte meine Ansprechperson war, fällt so langsam dafür aus. Die Gespräche werden so oberflächlich. Sie kann mir auch nicht mehr helfen, kann sich ja nicht mal helfen. Das tut auch weh, ist ein schmerzlicher Verlust. Ich fühle mich deswegen schon oft allein und verlassen.

    Aber, ein Vorfall heute morgen hat mir gezeigt, dass ich schon sensibler gegenüber meinen Bedürfnissen geworden bin. Ich habe wieder rein freundschaftlichen Kontakt zu meinem Ex-Freund. Er ist in einer schwierigen Situation und ich helfe ihm öfters mal durch Gespräche am Telefon. Ja, ich weiß, das ist auch typisch für ein EKA., das Helfersyndrom Auf jeden Fall machte er gestern den Vorschlag, dass wir uns zum Kaffeetrinken in meiner Stadt treffen könnten. Er würde mich sogar abholen. Wir vereinbarten eine Zeit, an der ich vor dem Haus sein würde.

    Als ich zwei Minuten zu spät kam, machte er schon wieder seine Bemerkungen (wie früher) und es ging so in einer Tour so. Er schimpfte und meckerte über mich und andere Leute. Ich konterte, anders als früher, als ich mir alles gefallen ließ. Im Einkaufszentrum angekommen, eskalierte es dann. Er sagte, wir sollten heute doch getrennter Wege gehen, da ICH ja so schlechte Laune hätte. und es gar nicht merken würde. Sprachs und ging weg. Ich war etwas verdutzt, dann aber total froh. Das war ja genau der Grund, dass wir uns trennten., weil er ein totaler Kontrollfreak ist und nichts anderes gelten lässt. Und als wir die letzte Zeit so toll Gespräche am Telefon führten, wurde ich wieder unsicher. Aber das Erlebnis heute zeigt mir, dass ich richtig gehandelt habe und auf einem guten Weg bin.

    Nur weiß ich deshalb trotzdem noch nicht, wie es weitergehen soll. Ich lebe nach wie vor nicht, wie ich mir das vorstelle, habe aber keine Ahnung, wie ich dahinkommen soll.

    Morgen kommt der Freund von mir wieder und ich habe mich entschieden, es wirklich einfach mal so, ohne Kontrolle, laufen zu lassen. Wird es eine Beziehung, ist es gut, wenn nicht, auch. Mein Kontrollzwang, alles planen zu müssen, geht mir auf den Senkel.

    Ich werde jetzt gleich noch einen schönen Kuchen für morgen backen.

    Liebe Grüsse und schönen Abend,

    Sonnenstrahl

    Liebe Caro,

    ich danke Dir, dass Du mich immer wieder ansprichst. Das freut mich sehr und ich fühle mich willkommen :)

    Heute war ein schöner Sonnentag. Eine Freundin hat mich besucht und wir haben einen schönen langen Einkaufsbummel gemacht. Es hat viel Spaß gemacht und uns mit einigen neuen schönen Klamotten verwöhnt.

    Zeitweise konnte ich meine Schmerzen vergessen und war sogar einmal ganz überschwenglich. Aber das war leider nur kurz. Mir tut immer noch alles weh, von Herzstechen (oder ist es eine Muskelverspannung), bis über Kopfweh und Bauchschmerzen. Das macht mich manchmal total fertig.

    Es passiert aber auch total viel Immer mehr begreife ich, was damals passiert ist, nicht nur die Probleme mit meinem Alkoholikervater, nein, auch die Gleichgültigkeit und Kälte meiner Großelter (väterlicherseits) und die Opferrolle meiner Mutter. Das ergibt immer mehr ein Bild, was aber auch schrecklich ist. Ich habe das früher nie als Trauma gesehen im eigentlichen Sinne. Aber es war sowas und ist es ja noch teilweise, weil meine Mutter und mein Bruder im Co-Status verharren und ich mich abgrenzen muss, um da rauszukommen.

    Ich habe oft Angst, es nicht mehr zu schaffen, Angst, dass die Zeit mir wegläuft, ich vielleicht nie die Chance haben werde, eine glückliche Familie zu haben. Aber auf der anderen Seite bin ich stolz auf mich, das alles so zu schaffen, ohne Psychopharmaka oder Schmerzmittel. Ich möchte so sehr hier durchgehen, nicht mehr alles vermeiden oder verschieben. Nein, JETZT ist die richtige Zeit.

    Heute kommt noch der Mann zu mir und dieses Mal bleibt er über Nacht. Ich bin unsicher weil ich nicht superverliebt bin. Aber habe ich nicht das recht, die Lebendigkeit einer Zweisamkeit einfach mal zu spüren wie noch nie, einfach zu sein und zu fühlen. Vielleicht wird es nicht die Beziehung fürs Leben, aber was für eine Bedeutung hat es. Es tut gut und ich lerne, mich zu fühlen.

    Danke an euch. Es ist schön, sich auszudrücken und verstanden zu werden.

    Ganz liebe Grüße!

    Sonnenstrahl

    Liebe Caro,

    ich danke Dir für Deine liebe Nachricht.

    Irgendwie fiel es mir in der letzten Zeit schwer, meine Gedanken und Gefühle niederzuschreiben, obwohl es mehl als genug zu schreiben gibt.

    Ich habe das Gefühl, dass ich mich in einer ganz starken Veränderungsphase befinde, aber dennoch wird es nicht leichter. Ich merke, dass ich mir nicht mehr soviel gefallen lasse wie früher, z.B. auf der Arbeit und meine Chefin stärker fordere, ihre Unterstützung einfordere. Ich denke, dadurch bin ich auch in der Achtung und dem Respekt der Kollegen gestiegen, was schon gut ist.

    Privat ist aber immer noch Großbaustelle und ich bin total verwirrt, was ich tun soll, tun darf, tun kann. Auf der einen Seite tut mir der Mann, den ich kennengelernt habe, echt gut. Das erste Mal in meinem leben kann ich richtig fühlen, was mir gut tut. Es ist mir erlaubt, so zu sein, wie ich sein will. Und das ist gut. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass er der Mann fürs Leben ist, mit dem ich eine gemeinsame Zukunft aufbauen will. Ist das jetzt der Fall wegen meiner Vergangenheit oder weil er wirklich nicht der Mann fürs Leben sein kann. Dieser Zwiespalt macht mich so fertig und ich weiß nicht, was ich tun soll. Soll ich den Kontakt abbrechen, obwohl er mir auch gut tut, oder nicht? Ich sehne mich so nach einem Nest, nach dem Ankommen, nicht mehr Kämpfen müssen jeden Tag, ein Platz, der mir Zuflucht ist.

    Mein Körper schmerzt überall von oben bis unten, Kopf bis Fuß. Das hatte ich vorher noch nie. Ich habe noch keine offiziellen Ergebnisse von meiner Magenspiegelung und Blutuntersuchung, aber wenn etwas Gravierendes wäre, hätte sich die Ärztin schon gemeldet. Ich will mit ihr nach der Ultraschalluntersuchung ausführlich reden. Trotzdem habe ich Angst, vielleicht doch etwas Schlimmes zu haben.

    Ich hoffe, wieder einmal aufzuwachen und keine Schmerzen, keine Angst vor der Zukunft zu haben. Wieder einmal einen ganzen Tag glücklich sein!

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende an Dich liebe Caro und an euch alle!

    Sonnenstrahl

    Hallo,

    schon wieder eine Woche vorbei. Und es ist viel in dieser Woche passiert.

    Letzte Woche Samstag bin ich abends doch noch auf das Fest und das alleine. Ich bin stolz auf mich, da ich das früher vermieden habe und mich immer schlecht fühlte, wenn ich all die anderen Menschen mit ihren Freunden und Familien beobachtet habe. Nein, dieses Mal habe ich das Fest in vollen Zügen genossen, habe mir eine Decke geschnappt und die anderen Menschen einfach beobachtet. Ich war einfach glücklich. Schönes Gefühl!!

    Am Sonntag habe ich den Tag mit dem Mann genossen, wenn auch angespannt. Ich merke immer noch, dass ich ihn mit den Augen meiner Mutter bewerte. Das ärgert mich, weil es mich unsicher macht. Soll ich einfach weiter offen ihm gegenüber bleiben? Auch wenn er nicht der Mann fürs Leben wird, fühle ich mich wohl bei ihm. Er bringt mich zum Lachen.

    Die Woche über war ganz gut, nur die Beschwerden irritieren mich immer wieder. Schwindel wechselt ab mit Bauchschmerzen oder Muskelschwäche. Aber ich habe ziemliche positive Rückmeldung auf der Arbeit bekommen, als ich einfach mal offen mit meiner Chefin über Probleme in der Abteilung geredet habe und aktiv Anregungen für die Arbeit gab. Meine Chefin war superzufrieden und hat mich total gelobt. Ich war superangenehm überrascht und es hat mich gefreut.

    Gestern war ich bei meiner Freundin und Familie zur Geburtstagsfeier eingeladen. Ist schon seltsam, eine glückliche Familie zu sehen mit Mama, Papa, Kind, auch wenn ich noch gar nicht weiß, ob ich mich in dieser Rolle wohlfühlen würde. Aber die Geborgenheit wünsche ich mir so sehr.

    Gerade eben habe ich mit meiner Mama telefoniert. Diesmal war es ein Gespräch mit Tiefgang, das erste seit längerer Zeit. Auch da hoffe ich so sehr, dass ich mit meiner Mama und meinem Bruder wieder eine bessere Beziehung aufbauen kann. Nur den Kontakt mit meinem Vater kann ich mir im Moment nicht vorstellen, obwohl einige Freunde von mir raten, dass ich mit ihm Frieden machen soll. Aber das ist einfach noch zu nah.

    Ich wünsche euch einen schönen Abend und eine tolle Woche!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl