Beiträge von Sonnenstrahl

    Liebe Caro,

    habe gerade erst gelesen, was die letzten Tage passiert ist.

    Es ist immer wieder ein Hin- und Hergerissensein zwischen dem Wunsch, eine normale Mutter-/Vaterbeziehung zu haben und dem Bewusstsein, dass das nicht möglich ist und man das eigene Leben leben und für sich selbst sorgen muss.

    Ich habe den Vorteil, mit meinem Vater schon ganz lange keine Beziehung mehr zu haben. Aber vor zwei Jahren, habe ich auch mal Kontakt gesucht, um sich auszusprechen und ihm vielleicht zu vergeben. Als er dann geweint hat, bei dem Treffen und sich entschuldigt hat, wurde ich auch etwas weich, aber kaum war ich weg, war alles vergessen und er war böse wie eh und je. Und jetzt weiß ich nicht, ob es je möglich sein wird. Er wird auch immer kränker mit Durchblutungsstörungen und Leberkrankheit und ich weiß nicht, wie lange eine Aussprache noch möglich ist, aber ich kann das nicht mehr.

    Irgendwann ist es so wichtig, diese Sehnsucht nach Familie und Geborgenheit anderweitig zu suchen. Ich werde in meinem Thread was dazu schreiben, was ich gestern Überwältigendes erlebt habe.

    Liebe Caro. Du hast eine tolle eigene Familie. Sie liebt und unterstützen Dich. Es ist ok, dass Du noch Gefühle für Deine Mutter hast, aber Du brauchst sie nicht mehr, das ist der Unterschied. Du kannst irgendwann mal ohne Schuldgefühle WÄHLEN, ob Du Kontakt willst. Es ist schwer, aber jeden Tag wird es leichter werden.

    Ich wünsche Dir Kraft und noch einen schönen sonnigen Tag!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Schlafloser Stern,

    es ist schön, dass Du die Erfahrung machen konntest, dass es gut tut, Abstand zur Familie zu bekommen und eigenständig zu sein. Es tut auch dem Selbstbewusstsein gut, dass bei uns EKAs sowieso oft angeknackst ist.

    Vielleicht kannst Du mal nachfragen, ob Du ein Zimmer bekommen kannst. Eine Freundin war vor Jahren in der gleichen Situation wie Du. Ihre Familienverhältnisse mit dem alkoholkranken Vater waren nicht mehr erträglich. Sie hat sich dann eine Wohnung vermitteln lassen.

    Es gibt bestimmt eine Beratungsstelle von Al Anon in Deiner Nähe, wo Du Dich erkundigen kannst, wer Dir am besten helfen kann, auch mit der Miete. Oft werden auch Selbsthilfegruppen für EKAs oder Angehörigengruppen angeboten. Du brauchst auf jeden Fall Unterstützung Dich!!! Du musst auf Dich aufpassen!!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo liebe Caro,

    hab vielen Dank für Deine lieben und aufbauenden Worte. Das macht mir so richtig Mut, die Geduld zu haben, mich kennenzulernen und die Hoffnung, dass alles gut wird.

    Weißt Du, was manchmal so schwer auszuhalten ist - dieses dumpfe Gefühl, dieses Gefühl, total unbeweglich zu sein. Das macht mir manchmal mehr Angst, als die ständigen Schmerzen. Es gibt halt im Moment nicht so sehr viel andere Situationen als dumpf und mit Schmerzen.

    Ich habe das Gefühl, meine Persönlichkeit ganz neu aufbauen zu müssen und bei manchen Sachen, wie z.B. meinem Job, ist so viel Gewohnheit und so viel Angst vor Neuem, dass ich lieber in einer Situation sitzenbleibe, die mir Probleme bereitet, aber vertraut ist.

    Naja, aber mein Körper lässt nicht locker und ich will eine Lösung finden!!! Meine Psychologin hat mir heute auch wieder Mut gemacht, als ich ihr von den Dauerschmerzen erzählt habe. Sie sagte, dass die Schmerzen gut seien, weil ich endlich meine unterdrückten Gefühle nach außen lasse und spüre. Also, der Schmerz, mein Freund?!

    Ich bin froh, einen ganz guten Freundeskreis zu haben, der mich auch versteht. Dieses Wochenende mache ich einen Ausflug mit Freunden und nächste Woche werde ich gute Freunde an der See besuchen, die für mich fast wie Eltern sind. Endlich wieder mal ein Nest spüren, eine Aufgehobenheit und Wärme. Ich freue mich total darauf!!!

    Liebe Caro, ich hoffe, Du hattest auch eine schöne Woche. Hast Du was Schönes vor am Wochenende? Morgen ist ja zum Glück schon Freitag :)

    Ganz liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo,

    jetzt ist der Montag schon wieder vorbei und ich sitze einigermassen belämmert auf dem Sofa. Kann mich nicht recht aufraffen, Schlafen zu gehen, habe aber wenigstens den Fernseher ausgeschalten.

    Ich bin so müde, auch, weil ich den ganzen Tag wieder gegen mich und diesen inneren Gedankendialog gekämpft habe. Mir wird immer wieder bewusst, wie abhängig ich von dem Außen bin, von der Meinung anderer Menschen.

    Meine Chefin hat heute so nebenbei erwähnt, warum sie sich am Freitag nach meiner Prüfung nicht mehr gemeldet hat. Sie hatte wohl noch diverse Sitzungen und dann war es zu spät. Für sie war dsa damit erledigt, aber für mich war das eine Katastrophe am Freitag und ein Zeichen der Ablehnung. Krass.

    Ich sollte mich damit abfinden, dass ich bei meiner jetzigen Stelle nicht dauernd gelobt werde. Die anderen haben dafür doch gar keine Zeit bei den ganzen Zielen und Aufgaben. Aber ich brauche die Rückmeldungen, um meinen Weg zu finden, um zu wissen, was richtig und was falsch läuft.

    Ich habe jetzt seit einiger Zeit eine Kollegin mit bei meinem Kundenkreis, die mich unterstützen soll und sie macht auch viel Administratives. Habe ich mich doch heute bei der Angst ertappt, sie könnte mir meine Kunden so nach und nach wegnehmen. Ich habe die Kunden seit einigen Jahren immer alleine betreut und habe sie ins Herz geschlossen. Ich glaube, sie mögen mich auch. Die Freundlichkeit der Kunden bei meinem Besuch und das offenkundige Vertrauen ist für mich so wichtig. Jetzt ist das aber bedroht, weil die Kunden sparen und einige eventuell unseren Service abbestellen. Naja und meine Kollegin ist eben da.

    Ja, wieder eine Veränderung. Ich merke, wie ich mit den ganzen Veränderungen nicht gut zurecht komme. Mein Körper reagiert stark. Und wenn ich mal was anders machen will, z.B. spontan am Donnerstag auf eine Veranstaltung gehen, kommen kurze Zeit später wieder Zweifel, war um das doch nicht so gut wäre. Aaaaah, ich brauche einen Kompaß, um mich selbst zu verstehen. :lol:

    Aber morgen muss der Fernseher mal auf mich verzichten. Ich gehe mit einer Freundin in einen Vortragsabend, indem es um Intuition geht. Kann ja nicht schaden.

    Ich denke, ich geh dann doch schlafen. Morgen habe ich einen anstrengenden Tag vor mir.

    Ich wünsche euch allen auch einen schönen Abend und eine gute Nacht!

    LG,

    Sonnenstrahl

    Hallo Schlafloser Stern,

    das ist ja gerade, was Co-Alkoholismus in der Familie ausmacht, dass die Familie alles tut, um den Alkoholiker/die Alkoholikerin zu unterstützen.

    Solange Dein Vater und Du sie unterstützen, ihr alles abnimmt, wird sie keine Notwendigkeit sehen, irgendetwas zu ängern.

    Du bist vor allem für Dich verantwortlich, dass Dein Leben glücklich und zufrieden wird. Hat es Dir gefallen, die zwei Jahre, in denen Du mit Deinem Ex-Freund zusammen warst, weg von zuhause zu leben?

    Ich lebe schon ziemlich lange ziemlich weit weg von meiner Familie, habe mein Leben organisiert und kann selbst bestimmten, wieviel Kontakt ich zu ihr möchte. Abstand hilft, die eigenen Lebensziele zu erkennen. Ich wäre nie so weit gekommen, wenn ich zuhause wohnen geblieben wäre.

    Es gibt viele Möglichkeiten für Dich, wieder mit Dir in Kontakt zu kommen und für Dich zu sorgen. Du bist wichtig!!!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo Schlafloser Stern,

    auch ich heisse dich hier bei uns Kindern herzlich willkommen.

    Ich bin auch erst seit kurzem hier und habe am Anfang auch gedacht, ich langweile die anderen vielleicht mit meinen Geschichten. Du wirst aber merken, dass Du hier ernst genommen wirst und Dir alles von der Seele schreiben kannst. Das tut gut.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Caro,

    ich danke Dir für Deine Nachfrage. Mir geht's wieder etwas besser, nachdem ich mich heute Nachmittag mit einer Freundin getroffen habe. Meine Freundin ist auch EKA und ihr geht es momentan ähnlich wie mir mit Kraftlosigkeit und schwierigen Lebensumständen. Wir haben einfach dagesessen, Kaffee getrunken und geredet und vor allem Pläne geschmiedet, was wir alles unternehmen wollen, wie z.B. in den Zoo oder Wandern gehen oder auch Seminare besuchen.

    Es tat sooooo gut :o

    Heute Morgen hatte ich noch einen ziemlichen Durchhänger wegen dem Mann. Mein Kopf sagt mir ja, sei froh, dass es so glimpflich abgegangen ist, aber mein Herz ist halt noch verliebt und tut sich schwer, jemanden loszulassen, der mir Zärtlichkeit gab, der mich küsste und umarmte. ich vermisse das Gefühl. Weißt Du Caro, ich habe wieder mal gemerkt, wie ich mich immer wieder mit so wenig zufrieden gebe und dafür so einen hohen Preis bezahle. Ich sollte mir doch mehr Wert sein!! Aber das ist wohl ein Lernprozess, der einfach dauert.

    Wie geht es Dir, liebe Caro? Hattest Du ein schönes Wochenende? Hattet ihr bei euch auch schönes Wetter? Da macht es doch ziemlich Laune, rauszugehen und im Cafe zu sitzen.

    Ich wünsche Dir noch einen schönen Abend und einen guten Start in die neue Woche!

    LG,

    Sonnenstrahl

    Liebe Gotti,

    ich danke Dir für Deine Umarmung. Das tut sehr gut.

    Irgendwie bin ich doch zu müde, um heute noch wegzugehen. Gehe lieber morgen wieder raus in die Natur zum Walken. Das gibt mir auch Kraft.

    Vielleicht hole ich mir gleich noch ein paar Erdbeeren aus dem Kühlschrank und esse die mit etwas Sahne, so als Trostpflaster ;)

    Liebe Grüße und Dir noch einen schönen Abend!

    Sonnenstrahl

    Hallo ihr Lieben,

    gerade sitzte eine ziemlich erschöpfte und nachdenkliche Sonnenstrahl auf dem Sofa.

    Hatte heute zwei Begegnungen, die mich ziemlich bewegt haben. Heute Mittag habe ich eine alte dame getroffen, knapp 90 Jahre alt, die ich letzes Weihnachten im Urlaub getroffen habe. Sie war heute in meiner Stadt auf Durchreise und wir haben uns getroffen. Wow, dieser Optimismus, diese Lebensfreude war überwältigend. Hab ihr auch das gesagt. Sie ist total lieb. Aber irgendwie kann ich mir gar nicht vorstellen, später einmal so optimistisch zu sein. Sie ist immer noch so optimistisch, obwohl sie schon so alt ist und ich bin ziemlich pessimistisch, obwohl ich noch so jung bin. Hmmm.

    Dann habe ich den Mann heute getroffen, von dem ich schon erzählt habe, der Angst vor Beziehung hat und sich nicht recht entscheiden kann. Jetzt ist wenigstens alles irgendwie klar geworden. Er ist einfach nicht bereit, für eine Beziehung auf sein Leben zu verzichten. Er hat offen gesagt (und das fand ich ehrlich), dass es vorkommen kann, dass er mir kurzfristig absagt, weil er einfach keine Lust hat, wegzugehen und stattdessen ausspannen will. oder dass wir uns 4 Wochen wegen seiner beruflichen und privaten Eingespanntheit nicht sehen. Tja, dann war auch eine Entscheidung für oder gegen eine Beziehung klar. Das ist mir zu wenig und ich habs begriffen, dass keine Zukunft mit ihm möglich ist. Jetzt sehen wir uns erstmal einige Wochen gar nicht und wir wollen aber beide Freunde bleiben und auch weiterhin zusammen tanzen.

    Ja, es ist schon gut, dass es so gekommen ist, aber jetzt ist wieder niemand da, der mich umarmt, dessen Nähe ich spüren kann. Ich fühle mich leer, erschöpft, möchte gerade einfach alles hinter mir lassen und ein neues Leben anfangen mit Lebensraum, Meschen, Dingen, die mir was bedeuten, die mir entsprechen. Ich möchte wieder Energie haben. Gerade läuft sie schneller raus, als ich sie wieder laden kann.

    Wenn ich mich aufraffen kann, möchte ich so gerne noch wohin gehen, sei es ins Kino oder Theater? Aber ich weiß nicht.

    Müde Grüße von Sonnenstrahl

    Liebe Caro,

    habe gerade die letzten Einträge von Deinem neuen Thread gelesen, der mir sehr gut gefällt :D .

    Mir ist gerade so eingefallen, dass ich letztens so gedacht habe, immer Zaungast zu sein bei den Leben der anderen Leute. Letzten Samstag war ich ja auf einem Ball und habe dann zu vorgerückter Stunde so die Leute beobachtet, mit welcher Lebensfreude zum Teil sehr viel ältere Menschen zur Musik ausgelassen getanzt haben. Mir hat das einen kleinen Stich versetzt, weil ich mich schon lange nicht mehr so ausgelassen gefühlt habe. Wenn ich versuche, so ausgelassen zu tanzen, meldet sich gleich mein Körper und verspannt sich tierisch und dann kommen Herzstechen usw usw.

    Aber ist nicht DAS LEBEN nur einen Schritt entfernt und wartet, von uns entdeckt zu werden? Wie schon Du, und die anderen schreiben, bewirkt ein kleiner Schritt, einfach etwas Neues auszuprobieren, eine Veränderung. Und es gibt soooooooo viel zu entdecken. Ich glaube, dass dann die Lebendigkeit zurückkommt. Das Hölzerne, Eingefahrene wird verschwinden.

    Ich wünsche euch ein schönes, lebendiges Wochenende!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo Linde, hallo Caro,

    es tut so gut, euch zu lesen und zu spüren, dass ihr versteht, wie ich mich fühle, dass es ok ist zu klagen UND dass es wieder anders werden wird.

    Linde, Du hast gefragt, wem ich die Kontrolle über mein Leben überlassen habe. Ich glaube, ich habe sie nie ganz gehabt. In meiner Kindheit haben die Umstände mein Leben kontrolliert. Es war gut, krank zu sein, damit ich die Aufmerksamkeit bekam, die ich so sehr vermisste, dass ich die Ablehnung meiner Grosseltern und die Gleichgültigkeit meines Alkoholikervaters nicht mehr spüren musste.

    Später, als es an den Beruf ging, habe ich im Wesentlichen begonnen, den Lebenstraum meiner Mutter zu leben, das wird mir jetzt klar. Ich, die ich schon von klein auf fein Faible ür Sprachen, Sprechen, Lesen, Kommunikation und Menschen hatte, machte eine Ausbildung, die viel mit Mathe zu tun hatte und studierte dies dann auch noch. Ich habe alles super abgeschlossen, kam aber ständig an meine Grenzen. Ich habe es dennoch geschafft, auch wegen der anderen Menschen, Menschen, die mir immer wieder gesagt haben, wie toll ich bin, und wie toll ich alles kann.

    Ich habe so lange nicht gemerkt, dass dies nicht mein Weg ist, weil ich auf jeder Wegstrecke MENSCHEN gehabt habe, die mich unterstützt haben. Für die Menschen und ihr Wohlwollen habe ich Leistung gebracht, mich überwunden, auch wenn ich etwas nicht gerne gemacht habe.

    Dann in meinem letzten Job habe ich plötzlich durch Umstrukturierung meine Abteilung verloren und damit die Menschen, die mein Leben ausmachten. Das brachte mich zum Denken und zum Jobwechsel. Jetzt arbeite ich mit Menschen, aber immer noch in einer verwandten Branche. D.h. die Tätigkeit ansich und die Kunden sind toll, das Umfeld ist absolut Kunstwelt, kraß und unmenschlich.

    Vorhin bin ich absolut fertig von der Arbeit zurückgekommen - enttäuscht, traurig und ärgerlich und mit tierischen Kopfschmerzen. Ich habe heute Mittag eine mündliche Prüfung gehabt. Es war über Telekonferenz - mein Prüfer und meine Chefin, die mithörte, waren nicht vor Ort. Ich hatte solche Angst, weil die Materie mir absolut nicht liegt. Aber, ich packte es und habe bestanden. Tja, das hat meine Chefin aber wohl absolut nicht interessiert. Die Telekonferenz war beendet und ich dachte sie würde mich nochmal anrufen. Nein, hat sie nicht und sie war auch nicht zu erreichen. Es hat eh niemanden interessiert. Ich habe es ein paar Leuten gesagt, aber ich habe wieder mal gespürt, wie wenig ich in das Umfeld reinpasse.

    Vielleicht tappe ich wieder in die alte Falle, Bestätigung von außen zu brauchen. Aber dieses Desinteresse verletzt mich sehr.

    Die Leute haben alle nur Interesse an ihren Zielen und Ihrem Profit. Das künstliche Verhalten und Gelache geht mir sowas von auf die Nerven. Warum bin ich so erschöpft und kaputt - mich wundert nichts mehr. Aber ich weiß nicht, wie ich da rauskommen soll. Ich habe Träume und Wünsche, aber zuviel Angst, diese anzugehen.

    Gestern habe ich mich mit einer Freundin getroffen, der es genauso geht. Sie ist auch ein erwachsenes Kind und sitzt in einem ungeliebten Job und in einer ungeliebten Beziehung fest. Sie ist genauso erschöpft wie ich und schleppt sich durch den Tag. Wir haben jetzt beschlossen, mehr zusammen zu machen, was Spaß macht.

    So kann es nicht weitergehen. Das Leben geht an mir vorbei, während andere Menschen das Leben genießen - Lachen, Lieben, Leben.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo ihr Lieben,

    jetzt war ich die ganzen Tage wie auf Kohlen gesessen, weil mein Internet kaputt war und ich nichts posten konnte.

    Und jetzt fühle ich mich fast schlecht, weil ich wieder nicht so viel Positives erzählen kann - im Gegenteil, heute habe ich den ganzen Tag nur gegen meine Angst und meinen Körper gekämpft.

    Letzte Woche war so anstrengend. Erst musste ich für zwei Tage zum Workshop ins Ausland, etwas lernen, was ich gar nicht lernen will, was mein Kopf auch nicht aufnehmen will und über das ich am Freitag eine Prüfung ablegen muss. Ich kam so kaputt zurück, bin dann am Donnerstagabend mit einer Freundin zum Single-Tanz in den Mai, was auch der Reinfall war.

    Alles war so gestellt, fühlte sich falsch an. Dauernd dachte ich an den Mann, den ich immer noch so liebhabe und der sich nicht entscheiden kann, ob er seinem Herzen oder seiner Beziehungsangst folgen sollte.

    Am Freitag dann konnte ich mich auch nicht aufraffen, viel zu tun, außer Spazierenzugehen und fernzusehen.

    Samstag war der grosse Tag. Ich sollte IHN wiedersehen, ein Treffen, das ich herbeisehnte und fürchtete zugleich. Wir hatten Karten für eine Veranstaltung und ich wusste, er würde auf jeden Fall kommen. Es wurde so ein schöner Abend, wir tanzten und ich fühlte mich wie im Himmel, als der locker seine Arme um mich legte. Das fühlte sich doch nicht an, als ob wir wieder NUR Freunde wären. Nachts, als er mich heimgefahren hatte, umarmten wir uns zum Abschied und ließen uns nicht mehr los. Wir küssten uns wie Ertrinkende. Es hatte sich in den letzten Wochen so viel an Gefühl angestaut, als wir uns nicht oder nur kurz sahen. Er blieb dann über Nacht bei mir und ich war glücklich. Am Morgen dann kam wohl seine Angst zurück und er verließ mich vor dem Frühstück.

    Wie soll ich mich jetzt verhalten. Er schlug vor, dass wir uns am Wochenende sehen und reden.

    Mich macht das ganze Hin- und Her so fertig. Ich bin seit dem Wochenende wieder besonders müde, den ganzen Tag bleiern müde. Am meisten machen mir die Gefühle der Antriebslosigkeit und neben mir zu stehen, Angst, die ganz massiv sind. Ich habe Angst, die Kontolle über mein Leben komplett zu verlieren.

    Noch nie hat sich mein Körper so gewehrt gegen all die Situationen in meinem Leben. Ich erkenne immer mehr, dass ich bisher in meinem Leben nur Kompromisse gemacht habe, die mir eigentlich gar nichts bedeuteten.

    Mein Beruf macht mich nicht wirklich glücklich, ich würde am liebsten was anderes machen. Beziehungen sind mit Problemen behaftet und das Verhältnis zu meiner Ursprungsfamilie ist sehr gespannt. Nur keinen Ärger spüren und rauslassen. Stattdessen Schmerzen bis zum Abwinken.

    Kennt ihr das Gefühl auch, eine weiße Wand vor euch zu haben. Nichts ist, wie es war, alles ist im Umbruch und ich habe einfach bloss Angst, vor der Gegenwart und vor der Zukunft.

    Vorhin hat mich eine Freundin ein bisschen aufgebaut, die jetzt mit mir einmal die Woche einen Entspannungskurs besuchen will. Am Beginn des Treffens ging es mir superschlecht, am Ende zumindest etwas besser. Aber ich weiß gar nicht, wie ich die Prüfung am Freitag überstehen soll.

    Ja, nichts Schönes zu berichten heute, aber ich will mein schlechtes Gefühl mal ausschalten, weil ich das Gefühl habe, trotzdem verstanden und akzeptiert zu werden.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo zusammen,

    ich wünsche euch ein schönes langes Wochenende.

    Gerade kommt die Sonne ja wieder raus und ich freue mich schon auf ein langes Walken im Park.

    Mein Kühlschrank enthält auch noch allerhand Gesundes, Spargel, Wirsing, Tomaten, Karotten usw. Werde später kochen und vielleicht noch einen Kuchen backen, wenn der Erdbeerstand die Strasse runter geöffnet hat.

    Wow und dann gibt es noch zwei freie Tage, bis Montag. Was man da alles machen kann. Ich war ja zwei Tage weg zum Seminar und habe am Seminarort wieder bei den Büchern zugeschlagen. Gleich 4 Stück habe ich gekauft. Hatte auch ordentlich zu schleppen bei der Heimreise.

    Viele liebe Grüße,

    Sonnenstrahl :)

    Liebe Caro,

    das ist eine total interessante Frage, die Du in den Raum geworfen hast.

    Leider ist unsere Gesellschaft auch so gepolt, dass Alkohol akzepziert und doch auch erwünscht ist. Es ist doch cool bei so vielen Menschen, zu trinken und auch mal betrunken gewesen zu sein. Selbst ein guter Bekannter von mir, der kein Alkoholiker ist, riet mir immer, bei Kummer einen "Reset" durchzuführen, d.h. sich die Birne vollzusaufen, um zu vergessen. Da habe ich jedesmal fast mit ihm gestritten, als ich das immer vehement als keine Option abgelehnt habe.

    Auch Alkoholismus ist mittlerweile als Krankheit anerkannt. Den Alkoholikern wird geholfen, wenn sie wollen. Angehörige haben allerdings keine Berechtigung ihrem Angehörigen helfen zu lassen. Ich erinnere mich, als meine Mutter meinen Vater einweisen lassen wollte - keine Chance. Und der Mitarbeiter von der Suchthilfe riet meiner Mutter, einfach zu beten, dass "ein gnädiger Lastwagenfahrer meinen Vater überfahren und so dem Spuk ein Ende bereiten solle". Toll. Meine Mutter kam am Boden zerstört nach Hause.

    Und wir EKAs? In der Schule wurden mein Bruder und ich verspottet, weil der Vater wieder mal in der Öffentlichkeit auffiel, im Beruf wurde ich gemobbt, weil ich als Tochter vom Alkoholiker wohl kaum im Kundenkontakt tragbar war. In der Kleinstadt kannten ja alle meinen Vater. Dann wurde ich in eine Abteilung gesteckt, deren Chef selber Alkoholiker war und mich jeden Tag blöd angeredet hatte. Mobbing pur über zwei Jahre, bis ich zusammengebrochen bin.

    Als Angehöriger schämt man sich für den Alkoholiker, man verschweigt alles, dass ja niemand etwas erfährt. Man ist der Sensationslust von Verwandten ausgesetzt, die es genossen, wenn der Alki mal wieder besoffen beim Familienfest hingefallen war. Da gab es wieder was zu reden.

    Es war doch für uns überlebenswichtig, nicht aufzufallen. Jeder Tag war ein Kampf, den es wieder ohne grössere Katastrophen rumzubringen galt. Und jeder von uns hatte dafür doch eine Strategie. Bei mir war es einfach, lieb, brav, angepasst, niemals ärgerlich zu werden oder aufzufallen, oder aber krank und hilfsbedürftig zu sein. Ein Kunstmensch ?!Super - und heute?

    Mein Vater bekommt die bestmögliche Pflege für seinen kranken Körper. Er rennt von Arzt zu Arzt, lässt seinen gebrochenen Oberschenkel wieder zusammenflicken und ansonsten hat er sich nicht grossartig geändert.

    Wir EKAs haben doch leider noch keine grosse Lobby. Den meisten Menschen ist das Thema doch gar nicht bekannt, dass man als EKA Hilfe zum Leben brauchtl. Und wenn wir ehrlich sind, man schämt sich immer noch, Tochter von einem Alki zu sein. Ich habe es mittlerweile zwar vielen Leuten erzählt, aber meiner Chefin würde ich es nicht unbedingt erzählen.

    Vielleicht müssen wir einfach mehr in die Öffentlichkeit gehen. Schließlich meistern wir unser Leben doch trotz der ganzen Schwierigkeiten, zum Teil besser als andere "normale Menschen" bei denen alles in Ordnung ist.
    Dann werden auch diejenigen EKAs, die still vor sich hinleiden, darauf aufmerksam, dass sie Hilfe brauchen, und es wird "normal" sich helfen zu lassen.

    Du meine Güte, das war ein Pladoyer, aber ich merke, bei mir hat sich während der letzten Tage einiges angestaut, das raus muss.

    Liebe Grüße und ein schönes langes Wochenende!

    Sonnenstrahl

    Hallo liebe Karotte,

    habe gerade Deine Antwort von vorgestern gelesen. Ja, da ist was Wahres dran. Wenn der Partner schwach ist, kann (muss) ich mich um den anderen kümmern und brauche nicht über mich nachzudenken und wie schlecht ich mich fühle. Ich kann mich an der Situation des anderen "hochhangeln".

    Ich bin froh, dass heute Feiertag ist. Die letzten Tage waren total anstrengend. War Mittwoch und Donnertag bei einem Seminar von der Arbeit aus. Die Materie liegt mir nicht besonders und ich fühlte mich oft als Versagerin, weil die Kollegen die Übungsaufgaben schneller bearbeiten konnten und ich immer wieder nachfragen musste. Nächste Woche habe ich eine Prüfung über den Stoff und ich habe schon Bammel, weil die Prüfung schwer wird.

    Als ich gestern Abend vom Flughafen zurückkam, wollte ich erst gar nicht weg, hatte aber mit einer Freudin ausgemacht, zu einer Singleparty zum Tanz in den Mai zu gehen. Naja, bin dann auch hingegangen, fühlte mich aber wie im falschen Film. All das künstliche Zur-Schau-Gestelle und die aufgesetzte Fröhlichkeit. Ich konnte es nicht ertragen. Bin dann auch nach 45 Minuten wieder gegangen. Ich kann das zur Zeit nicht, weil ich auch in Gedanken noch bei dem Mann bin und ich gar nicht weiß, wie mich in meinem schlechten Zustand überhaupt ein Mann attraktiv finden soll. Ich fühle mich müde, ausgelaugt und finde, ich sehe auch so aus.

    Naja, heute möchte ich erstmal Walken gehen und dann - mal sehen. Habe noch keine Pläne. Vielleicht schreibe ich mal fiktive Briefe an all die Menschen, die mich im Moment beschäftigen.

    Morgen werde ich ja den Mann wiedersehen, weil wir zu einer Veranstaltung gehen, die lange geplant ist. Ich überlege, ob ich nicht mal offen die Situation ansprechen soll. Entweder wir verhalten uns als Freunde und gehen wie Freunde um, oder wir lassen es einfach. Es tut mir jedes Mal weh, wenn wir beim Tanzen fast wie Fremde miteinander reden. Selbst mit meinem Ex bin ich mittlerweile wieder am Reden. Ich kann ungeklärte Beziehungen einfach überhaupt nicht leiden.

    Heute morgen dachte ich so bei mir, dass ich vielleicht froh sein sollte, wenn mein Körper mit mir spricht. Nach all den Jahren, in denen ich Wut, Ärger, Trauer, Angst unter den Teppich gekehrt habe. Wenn das jetzt alles ausbricht, dann muss das vielleicht weh tun. Das mit der Körper- oder Kunsttherapie ist eine gute Idee. Werde mal meine Therapeutin danach fragen. Wielange hat es bei Dir gedauert, bis Du eine Besserung erfahren hast?

    Weißt Du, Karotte, es ist trotz allem tröstlich, dass ich nicht alleine bin und auch andere Menschen den Weg schon gegangen sind. Dann besteht vielleicht doch noch Hoffnung auf ein friedlicheres Leben ohne Schmerzen.

    Ich wünsche Dir einen schönen Feiertag und ein schönes Wochenende. Das Wetter scheint ja wieder besser zu werden, so dass man rausgehen kann.

    Ganz liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Kopfmensch,

    ja, das ist einfach schlimm, wie man immer wieder Männer anzieht, die wie der Vater sind.

    Ich hatte bisher drei Beziehungen -meine erste erst mit 30 Jahren - und alle drei Männer sind problembehaftet, haben starke Probleme mit der Familie, sind schwach und haben Probleme, eine richtige Beziehung zu führen. Ich hatte in den Beziehungen entweder die Funktion einer Mutter oder die eines Kindes. Eine ebenbürtige Partnerschaft war das in keiner der drei Beziehungen.

    Ich sehne mich schon nach einem Partner, auch, weil meine Uhr doch langsam tickt, wenn ich noch ein Kind bekommen möchte. Aber ich bin heute mit meiner Therapeutin auch an der Stelle gewesen, dass ich das Bild, das ich von Männern habe, verändern muss. Und auch mich. Dass ich mich auch fähig einschätze, eine ebenbürtige Beziehung zu führen und die Stärke eines Mannes ertragen kann.

    Meine Therapeutin ist nicht auf Alkoholikerkinder spezialisiert, aber ich denke, dass das nicht unbedingt notwendig ist. Sie arbeitet mit mir die Gründe meines Verhaltens heraus. Heute sprachen wir auch über die Wut, die ich nie entwickeln durfte. Ich habe jetzt noch starke Schuldgefühle meiner Mutter gegenüber, wenn ich Wut entwickle, dss als Kind das Geschäft immer wichtiger war. Klar, sie musste meinen Alkoholikervater decken und das Geschäft retten, aber ich hätte sie gebraucht. Stattdessen wurden wir oft mit Angestellten zum Spielplatz geschickt. Nur wenn ich krank war, kam meine Mutter gleich und blieb bei mir.

    Das ging mir mit anderen auch so. Um überhaupt Anschluß zu finden, habe ich mich nur angebiedert und anderen nach dem Mund geredet. Ich habe das Minimalste für mich akzeptiert, Hauptsache ich hatte jemanden.

    Ja und das Verhalten zu ändern und das Bewusstsein zu "überschreiben" ist halt eine Stange Arbeit.

    Eine Therapie ist auf jeden Fall richtig. Ich habe auch eine Therapeutin und bin zufrieden. Ich bin auch froh, nach wie vor keine Medikamente zu nehmen, auch wenn ich manchmal nicht mehr kann. Aber so kommt wenigstens alles raus aus der alten Kiste. Es kann ja nur besser werden.

    Liebe Kopfmensch, es macht vor allem auch Mut, dass man nicht alleine ist, mit seinen Gefühlen und dass es Menschen wie Dich und die anderen im Forum gibt, die Verständnis haben.

    Alles Liebe,

    Sonnenstrahl

    Hallo Karotte,

    danke für Deine liebe Antwort und den guten Tip mit dem Buch.

    Es ist leichter gesagt als getan mit dem Lächeln. Mir tut im Moment alles weh, soviel wie noch nie zuvor. Gerade habe ich Schmerzen an den Nieren, hatte ich noch nie. Das macht mir total Angst, vor allem, weil ich in zwei Tagen für zwei Tage ins Ausland zur Fortbildung muss. Am liebsten würde ich nicht fahren. Ich habe jetzt schon Panik.

    Mich hat am WE wieder ein Erlebnis sehr emotional berührt. Ich war mit einem Freund Tanzen, mit dem ich vor ein paar Wochen kurze Zeit zusammen war. Diese 4 Wochen war ich so glüchlich, ich fühlte mich stark, geliebt und geachtet und übersah, dass ich mit ihm immer nur kurze Zeit zusammen war, bevor er wieder wegen eines Termines weg musste. Vor kurzem nun beendete er die "Beziehung" und wollte wieder Freundschaft. Er ist selber stark kindsheitsgeschädigt und sehr starker Workaholic. Er hat wohl Angst, sich auf jemanden emotional einzulassen. Ich habe den Eindruck, er schneidet jeden Beginn von Gefühl sofort ab.

    Nun waren wir am Samstag Tanzen und ich hatte den Eindruck, er fand es schön, mit mir zu Tanzen und mich zu berühren. Er lächelte mich auch an und wir umarmten uns, als er mich heimbrachte. Eigentlich wollten wir gesten nochmal Tanzen, aber er sagte kurzfristig ab, nicht gerade unerwartet. Es ginge ihm nicht gut. Ich glaube, er hat wieder was gefühlt, was ihm Angst macht.

    Ich sehne mich so nach einem Menschen, der zu mir gehört, der mir das Gefühl gibt, geliebt zu werden. Mein Körper streikt so sehr, mir tut alles weh und das wird immer stärker. Am liebsten würde ich mich in ein Krankenhaus einweisen lassen, damit ich mich wieder beruhigen kann.

    Wie soll es weitergehen? Ich kann einfach nicht positiv an die Zukunft denken. Ich habe den Eindruck, es kommt soviel Schmerz nach oben, vielleicht auch soviel, was die ganzen Jahrzehnte in meinem Perfektionismus begraben war. Aber das ist mir zuviel. Ich kann langsam nicht mehr und bin echt am Verzweifeln.

    Krankheit war halt auch immer meine Methode, um Aufmerksamkeit zu erreichen, wenn ich sonst das Gefühl hatte, ignoriert oder vernachlässigt zu werden.

    Wie kann ich denn soweit kommen, dass ich die Krankheit nicht mehr brauche?

    LG,

    Sonnenstrahl

    Hallo zusammen,

    das war heute ziemlich seltsam. Eien Freundin von mir hat mich zu ihrer Geburtstagsnachfeier eingeladen. Ich war das einzige Nicht-Familienmitglied. Vor der Feier hatte ich heute morgen ziemliche Probleme. Mein Körper streikte mal wieder mit Kopfschmerzen, Schwindel usw. Ich bin dann trotzdem gefahren und es war schön. Ich fand gleich Kontakt zu der Mutter meiner Freundin und hatte ein tolles Gespräch. Sie hat auch noch Ähnlichkeit mit meiner Mutter. Es war wie als wäre ich ein Bestandteil dieser Familie.

    Als wir dann nach einem Spaziergang im Wohnzimmer sassen, fingen plötzlich die Beschwerden wieder an und ich verabschiedete mich und fuhr nach Hause. Manchmal merke ich nicht, wenn es wieder "kippt", weil es so schnell passiert. Ich denke einen Gedanken und dann plötzlich reagiert mein Körper, manchmal in schnellem Wechsel - Atembeschwerden, Kopfweh, Bauchweh, Schwäche usw.

    Wie soll ich denn den Zusammenhang erkennen. Bis jetzt machen mir diese Symptome einfach Angst und sind schwer zu ertragen.

    Gerade geht es mir auch wieder nicht gut, weil ich ein Telefonat führen muss, das einen ernsteren Hintergrund hat und ich Angst vor der Antwort des anderen haben. Ich möchte so gerne mal rationaler reagieren, aber das geht irgendwie gar nicht. Es war immer so, seit meiner Kindheit, dass ich auf emotionale Belastungen mit körperlichen Beschwerden reagiert habe.

    Was habt ihr für Erfahrungen mit eurem Körper gemacht? Wie kann man sich mit seinem Körper versöhnen? Ich weiss ja, dass er es gut meint, aber muss es denn immer so krass sein mit den Reaktionen?

    LG,

    Sonnenstrahl

    Das mit dem Suchtgedächtnis ist eine gute Frage, über die ich noch nie so richtig nachgedacht habe. Vielleicht deshalb, weil ich mich lange Zeit nicht als co-Abhöngie gesehen habe. Mein Vater und meine Familie sind ja weeiiit weg und ich lebe doch schon seit Jahren nicht mehr zuhause. Denkste, da habe ich mittlerweile dazugelernt.

    Mich bringen vor allem Menschen in die Vergangenheit zurück. Das war einmal ein Chef, der offensichtlich auch Alkoholiker war und mich mit seinem Verhalten total an meinen Vater erinnerte. Aber auch Kontakt mit meiner Mutter und meinem Bruder legt jedesmal einen Schalter um.

    Ich war seit über einem halben Jahr nicht mehr in meiner Heimatstadt, habe mit meiner Mutter nur über Telefon und Treffen auf "neutralem Boden" Kontakt, aber ich merkte jetzt an Ostern, dass mich ihr Verhalten, ihr Druck ("Du bist der einzige Mensch auf der Welt, mit dem ich reden kann"), aus mir wieder ein kleines abhängiges Mädchen macht, mit Schuldgefühlen. Ich werde wieder krank (Bauchweh, Kreislauf, Kopfweh) und wünsche mir nichts mehr, als behütet, betutelt und verhätschelt zu werden. War früher auch so. Wenn meine Mutter vor lauter Arbeit zu wenig Zeit hatte, bekam ich Asthma und sie sass bei mir und versorgte mich. Verrückt und es macht mich wütend, weil ich doch eine selbständige Frau sein will, aber es ist oft nicht in meiner Kontrolle, d.h. ich kann nicht gegensteuern.

    LG,

    Sonnenstrahl

    Liebe Katie,

    vielen Dank für Deine ausführliche Nachricht.

    Ich bin gerade 39 geworden. Und meine beste Freundin hat in mir total die Sehnsucht nach Familie geweckt. Sie hat (durch mich) ihren Lebensgefährten kennengelernt. Die beiden passen perfekt zusammen und haben nun Nachwuchs bekommen. Die perfekte Familie, und das meine ich genau so. Dieses "perfekt" verursacht bei mir Sehnsucht UND Angst.

    Meine Freundin und Ihr Lebensgefährte haben starke familiäre Wurzeln und sind mit sich selbst im Reinen. Das Kind spürt das und ist superbrav.

    Könnte ich meinem Kind dieses Urvertrauen vermitteln. Ich merke immer mehr, dass ich das nicht habe, nicht einmal bei meiner Mutter - und das macht mich momentan fertig. Heute morgen rief sie mich an. Ich hatte Sie gebeten, mir eine Auskunft in meiner Heimatstadt zu besorgen. Sie fragte mich, wie es mir geht und ich antwortete, dass es mir nicht gut ginge und das sei auch kein Wunder. Der Bruch mit meinem Bruder Anfang der Woche, als ich ihm das verlangte Geld verweigerte, weil es dieses Co-Alkoholikersystem bei uns zuhause nähren würde, macht mir viel aus. er drohte mit Selbstmord, wenn er seine Existenz velieren würde. Meine tat das am Telefon dann einfach so ab. Ich wüsste ja, wie er wäre und ich sollte das einfach vergessen. EINFACH VERGESSEN? Ich habe dann nichts gesagt und das Telefonat ziemlich rasch wieder beendet. Aber ich war geschockt. Letzte Woche hat sie mir noch vorgeheult, sie würde alles nicht mehr schaffen und auch die Sache mit meinem Bruder wäre so belastend und heute ist alles ok und ich soll das vergessen?

    Ich sehne mich so nach einer intakten Familie, nach einem Nest, in das ich zurückommen kann. Stattdessen verliere ich das Nest mehr und mehr. Ich konnte erst nicht mehr in meine Heimatstadt zurückkehren, ohne krank zu werden und jetzt werde ich schon krank, wenn ich mich mit meiner Mutter woanders treffe. Das ist ganz schön heftig.

    Aber ich bin stolz auf mich. Ich habe mich heute trotzdem aufgerafft, meine Wohnung zu putzen, zu bügeln, einzukaufen und zu kochen. Auch Walken war ich - die lange Strecke. Ich habe auch niemanden angerufen. Vielleicht war es mal an der Zeit, einen Tag alleine mit mir zu verbringen.

    Liebe Katie, das mit dem Herzstechen kann ich nachempfinden und auch dass Du es auf Dich beziehst, wenn es Deinem Freund nicht gut geht. Ich glaube, wir EKAs sind sehr sensibel. Ich fühle manchmal direkt, was ein anderer Mensch, auch ein fremder, fühlt. Das ist viel, wenn man neben seinen eigenen verwirrten Gefühlen sich auch um die fremden kümmert.

    Kennt Dein Freund Deine Geschichte? Weiß er, was EKA bedeutet?
    Aber Du hast recht, man hat ein schlechtes Gewissen, den anderen immer mit seinen eigenen Gedanken und Gefühlen zu belasten. Ich kann eine Therapie nur empfehlen. Manchmal habe ich zwar das Gefühl, nicht so schnell voranzukommen, wie ich will, aber es geht nach vorne. Es sind einfach zu viele Schichten, zu viele Erlebnisse, Gefühle, Glaubenssätze zu bearbeiten, dass es einfach dauert.

    Und gerade das Öffnen hilft auch viel. Ich habe so lange alles vertuscht, keiner durfte von meiner Vergangenheit erfahren. Das mache ich nun nicht mehr immer und überall. Mit vielen Menschen habe ich schon drüber geredet und - oh Wunder (sarkastisch gemeint), sie mögen mich immer noch. Meine Freunde bekommen eine immer grössere Bedeutung, je mehr meine Familie in den Hintergrund tritt.

    Trotzdem hätte ich jetzt so gerne jemanden neben mir auf dem Sofa sitzen, der mein Abendessen (Nudeln mit Zucchini-Hackfleisch-Sosse) mit mir teilt und wir es uns dann auf dem Sofa bequem machen.

    Ich habe ja in einem anderen Thread erzählt, dass ich vor kurzem 5 Wochen(enden) mit einem Mann zusammen war und ich genoss das Zusammensein so sehr. Es machte mich stark und mein Selbstwertgefühl wuchs. Leider machte der Mann ja dann einen Rückzieher, als ich den Wunsch nach einer festen Beziehung andeutete. Er ist selber stark familiengestört und arbeitet wie ein Wahnsinniger, um das zu verdrängen. Eine feste Beziehung hat in seinem Leben keinen Platz. Das war sehr traurig und hat mich wieder total zurückgeworfen.

    Oje, ich schreibe schon wieder so viel. Aber es tut so gut, sich mit euch auszutauschen und endlich verstanden zu werden.

    Liebe Katie, ich schicke Dir mal einen Sonnenstrahl für Dein Herz, der die dunklen Gedanken wieder vertreiben soll.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl