Beiträge von Sonnenstrahl

    Hallo Weitsicht und Caro1969,

    vielen Dank für die liebe Begrüßung. Es fühlt sich gut an, verstanden zu werden!!

    Ich habe mir die Bücher von Janet Woititz bestellt und schonmal grob überflogen. Ja, da sind viele Punkte enthalten, in denen ich mich wiederfinde, bei anderen Themen fühle ich mich nicht angesprochen. Aber das ist normal, denke ich. Die Bücher sollen ja die Erfahrungen von möglichst vielen Menschen abdecken.

    Leider habe ich jahrelang den Fakt des Co-Alkoholikertums verdrängt und mich einfach nur als psychisch labil oder überempfindlich angesehen. Mir ist aber klar geworden, dass das alles zum System gehört - diese kranke Beziehung zur Herkunftsfamilie und auch psychosomatische Erkrankungen.

    Na, es kann ja nur besser werden!! :wink:

    LG,

    Sonnenstrahl

    Liebe Katie,

    als ich Deinen Beitrag gelesen habe, konnte ich mich in vielem, was Du geschrieben hast, wiederfinden.

    Meine Mutter war auch für mich die ganze Zeit die wichtigste Bezugsperson, ich habe sie auf einen Sockel gehoben, wollte wie sie werden, so mutig und stark.

    Jetzt denke ich anders. Ich habe Sie als eine unsichere Frau kennengelernt, die es immer allen rechtmachen wollte, die sich von meinem Bruder jahrelang erpressen lässt, wenn er wieder mal Selbstmorddrohungen ausstösst, weil er nichts an seinem Leben ändern will. Die sich für meinen Alkoholikervater aufopfert und nicht Nein sagen kann, um sich zu schützen.

    Als sie mich am letzten Wochenende, wo wir uns an einem neutralen Ort getrroffen haben, weil ich nicht mehr in meine Heimatstadt kommen will, damit überfuhr, dass ich der einzige Mensch auf Erden wäre, mit dem sie reden könne, fühlte ich mich einfach nur schlecht.

    Was früher undenkbar war - den Kontakt zu ihr und meinem Bruder abzubrechen - kommt mir mmer mehr in den Sinn. Ich fühle mich wie an einem Gummiband.

    Das mit der Liebe kenne ich auch. Ich sauge jede Gelegenheit förmlich auf. Vor ein paar Wochen war ich verliebt, in einen Mann der mir Zärtlichkeit und Geborgenheit gab. Vor lauter Hunger danach, übersah ich die Warnzeichen. Es kam, wie es kommen musste, er brach den Kontakt ab und im Gespräch erfuhr ich, dass er genauso aufwuchs wie ich und sich auf keine tiefe Partnerschaft einlassen will. Für ihn gibts nur Arbeit und bei mir hat ihn die Sehnsucht wohl wieder mal übermannt, aber er hat zuviel Angst, sie zuzulassen.

    Wieder allein- merke ich richtig die Unfähigkeit, mir selbst die Liebe zu geben, die ich verdiene. Ich fühle mich hilflos und eingefroren. Böd eigentlich und ich bin auch wütend auf mich, aber es ist so schwer, einen Schritt vorwärts zu machen.

    Aber, ich bin überzeugt, es zu schaffen. Ein anderer kann mich erst so annehmen, wenn ich mich annehme. Davor, davon bin ich überzeugt, ziehe ich immer solche Partner wie meinen Vater an.

    Ich bin seit einem Dreivierteljahr in Therapie und so langsam fange ich an, mich kennenzulernen und zu spüren. Spät, aber besser als nie.

    Ich habe nur Angst, nicht mehr die Zeit zu haben - meine biologisch Uhr tickt schon sehr laut - einen liebevollen Partner zu finden und eine Familie gründen zu können. Das macht mir sehr viel Gedanken.

    LG,

    Sonnenstrahl

    Liebe EKAs,

    tief in mir drinnen weiß ich, dass ich endlich auf dem richtigen Weg bin, aber ich habe Angst, fühle mich wie eine Marionette, die endlich vom Fadenkreuz abgeschnitten ist und nun einen eigenen Weg auf ihren hölzernen Beinen finden muss.

    12 Jahre wohne ich nun schon nicht mehr zuhause, habe ja schon ein eigenes Leben, aber mir ist klar geworden, dass ich nie ein eigenes Leben hatte, weil ich immer noch stark mit meiner Co-Alkoholikerfamilie verbunden bin/war und abhängig war von ihr.

    Einen kleinen Rückblick, dass ihr verstehen könnte, was ich meine. Es ist ein bisschen viel zu lesen, entschuldigt bitte, aber vielleicht notwendig, um meine Situation zu verstehen.

    Ich bin in einer kleineren Beamtenstadt aufgewachsen. Meine Eltern übernahmen einen Handwerksbetrieb von meinen Großeltern väterlicherseits - gezwungenermaßen. Meine Grosseltern hassten meine Eltern und meinen Bruder und mich und, obwohl sie im gleichen Haus wohnten, hatten wir keinen Kontakt, im Gegenteil. Mein Vater bezeichnete seine Eltern als Teufel und Hexe, was uns Kindern zusätzlich Angst machte. Sie schlugen meinen Vater als Kind und gaben keine Liebe.

    Mein Vater konnte sich trotzdem nicht lösen, es war so eine Art Hassliebe zu seinen Eltern. Als er und meine Mutter das Geschäft übernahmen, fing er an zu trinken. Die nächsten Jahre wurden immer schlimmer. Meine Mutter rackerte sich für das hochverschuldete Geschäft ab, versorgte uns Kinder, gab uns Liebe, aber das Geschäft war im Vordergrund.

    Mein Vater schwankte zwischen Wutausbrüchen -wir schlossen uns dann in unseren Zimmern ein - und weinerlichen Liebesbezeugungen. Wir Kinder reagierten mit Krankheiten - Bronchitis, Pseudokrupp usw. und Angstzuständen.

    Wegen der Kleinstadt, war der Alkoholismus unseres Vaters bekannt, mein Bruder und ich wurden oft gehänselt und verhöhnt. Mobbing in Schule und Ausbildung war keine Ausnahme. Ich hatte so gut wie keine Freunde und verlagerte mich aufs Lernen für die Lehrer, die mir die Anerkennung und Lob brachten, das ich so sehr vermisste.

    Mit 21 brach ich nach unerträglichem Mobbing auf meiner Arbeitsstelle zusammen und war 6 Wochen mit schlimmsten Panikattacken im Krankenhaus. Erst dann verließ meine Mutter die elterliche Wohnung und zog mit uns aus. Ich kämpfte mich durch, machte das Abitur nach und fing an zu studieren. Allerdings schaffte ich es nicht, wegzugehen. Ich pendelte zum Studienort.

    Nach dem Abschluss hatte ich die Möglichkeit, noch ein Aufbaustudium im Ausland zu machen und war erstmal weg. Statt die Konflikte, die in mir brodelten aufzulösen, arbeitete ich dort Tag und Nacht für das Studium. Jede Note, die schlechter als eine 1 war, war für mich Grund zur Panik und schlimm. Ich kam mehr als einmal an meine Grenzen. Aber auch das Studium schaffte ich bestens und bekam auch gleich in einer grossen Stadt einen Arbeitsplatz.

    Meine Kollegen waren nun meine Familie, ich fühlte mich soweit wohl und versuchte, durch Leistung die Anerkennung und Lob weiter zu bekommen. Das ging solange gut, bis ich durch Umstrukturierunen aus der Abteilung gerissen wurde. Ich wurde krank, hatte Bauchschmerzen ohne Ende und Allergien und auch Panikattacken. In die Zeit fiel auch meine erste Beziehung (mit 30), die mich an einen Mann mit einer sehr schwierigen Persönlichkeit geraten liess, der mich nur runtermachte und ich fühlte mich nicht im Stande, was dagegen zu tun. Nach der Trennung von ihm und einer Reha ging es mir blendend und ich welchselte den Arbeitsplatz, um mehr mit Menschen zu machen.

    Eine zweite Beziehung war wieder mit einem Mann, der sich selbst hasste, mit dem keine Sexualität möglich war und der mich kritisierte ohne Ende. ich brach fast wieder zusammen, aber hatte Angst, mich zu treffen, um nicht alleine zu sein. Gleichzeitig hatte ich am Arbeitsplatz wieder Probleme. Mein Vorgesetzter ist oft aufbrausend und ich kann damit nicht gut umgehen; kann mich nicht wehren. Ich wurde wieder krank - Burnout, Erschöpfung, an der ich immer noch leide.

    in all der Zeit machten mir meine Mutter und mein Bruder ebenfalls Sorgen. Meine Mutter, mittlerweile längst im Rentenalter, schuftet nach wie vor für nichts im Geschäft, um meinen mittlerweile sehr kranken Alkoholikervater zu ernähren. Mein Bruder, unfähig sich zu lösen, wohnt noch bei meiner Mutter, ist unselbständig und hat sich mit einem eigenen Geschäft genau in dem Haus selbständig gemacht, in dem mein Vater immer noch wohnt und ihn jeden Tag beschimpft.

    Nun hat mein Bruder finanzielle Probleme und - nach jahrelangem Desinteresse an mir, seiner Schwester, bat er mich, ihm Geld zu geben. Da find das aktuelle Dilemma an. Ich weigere mich, das Co-Alkoholikertum meiner Familie weiter zu unterstützen, und sagte das auch. Tja, nun ist mein Bruder sauer und hasst mich wahrscheinlich. Ein Gespräch mit meiner Mutter ergab, dass ich für sie die einzige Person auf der Welt sei, mit der sie reden könne und sie weinte mir was vor.

    Nun fühle ich mich schlecht und erdrückt. Mein Körper ist am Streiken und mein Lebensmut auf dem Nullpunkt. Ich habe ein schlechtes Gewissen, möchte aber mehr Abstand zu meiner Familie. Ich bin auch wütend auf sie, auf meine Mutter, meinen Bruder und meinen Vater.

    Vor lauter jahrzehntelangem Anpassen kenne ich mich nicht wirklich, fühle mich verloren, weiß nicht, was ich nun machen soll. Ich bin krank, habe Angst, vielleicht Krebs zu haben oder zu bekommen bei all dem Stress und habe keinen Partner. Ich möchte noch eine Familie gründen, aber wird das überhaupt möglich sein? Ich habe nicht gelernt, wirklich für mich zu sorgen, mich gut mit mir zu fühlen. Ich ertappe mich dabei, mir zu "wünschen", dass ich im Krankenhaus oder sonstwo endlich wieder verpflegt, umsorgt werde, und alle Verantwortung abgeben kann. Gleichzeitig wünsche ich mir nichts mehr, als endlich zu leben.

    Ich weiß, der Text ist sehr lange, aber es tat gut, sich mal alles von der Seele zu schreiben. Ich bin froh, das Forum gefunden zu haben und Menschen, die verstehen, was in mir vorgeht.

    Ich danke euch!!!

    LG,

    Sonnenstrahl