Beiträge von Sonnenstrahl

    Hallo liebe Lavandula,

    wie geht es Dir? Musst Du heute wieder arbeiten? Ich wünsche Dir auf jeden Fall einen guten Start in die Woche!

    Ich möchte Dich noch was fragen in Zusammenhang mit dem Stellenwechsel.

    Wie lange warst Du denn krankgeschrieben, bevor Du bei dem alten Arbeitgeber gekündigt hast? Hast Du während der AU-Zeit eine Therapie gemacht?

    Ich frage aus einem bestimmten Grund. Heute habe ich bei der Klinik angerufen, nur um zu erfahren, dass ich wahrscheinlich in ein bis zwei Wochen aufgenommen werde, aber OHNE Vorgespräch, was laut meiner Psychologin (die gerade im Urlaub ist) stattfinden müsste.

    Das ist mir total suspekt. Ich habe Bedenken, dass ich mit dem Klinikeintritt meine mittlerweile etwas aufgebautes Selbstwertgefühl wieder abgebe und außerdem ohne Vorgespräch gar nicht weiß, wie die Therapie ablaufen wird.

    Ich will morgen mal ohne Voranmeldung hinfahren und sehen, ob ich vor Ort mehr erfahre.

    Wenn ich kein gutes Gefühl habe, werde ich lieber kündigen und mir gleich irgendwie eine Arbeit suchen, als das langsam wachsende Gefühl für mich wieder aufzugeben.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo Luzy,

    ich bin seit letztem Jahr in psychotherapeutischer Behandlung und, weil es an der krankmachenden Arbeitsstelle vor lauter Schmerzen nicht mehr ging, nun seit 8 Wochen krankgeschrieben zuhause.

    Ich bin auf der Warteliste für eine psychosomatische Klinik und hoffe auf Aufnahme jetzt im Januar.

    Eines kann ich aber sagen, dass ich sehr dankbar dafür bin, nicht gleich in die Klinik gemüsst zu haben. Ich war viel alleine in den letzten Wochen und konnte ohne Ablenkung gut reflektieren, was ich auch zugelassen haben. Es war und ist nicht leicht, weil viele sehr unangenehme Emotionen, auch von früher und teils mit Schmerzen verbunden, hochkommen, aber ich lerne jeden Tag dazu und fange an, mich das erste Mal im Leben authentisch zu fühlen. Auf der Arbeit und auch sonst im Leben habe ich meist eine Rolle gespielt; wusste gar nicht, wer ich wirklich bin.

    Leider habe ich zu lange damit gewartet, diesen Weg zu gehen und vorher in einigen sehr negativen Beziehungen und an der Arbeitsstelle ziemlich gelitten. Aber besser spät anfangen als nie.

    Das ist so ein blödes System mit der Familie. Mit meinem Alk-Vater habe ich keinen Kontakt mehr, aber mein Bruder und meine Mutter sind in dem Co-System gefangen und das macht mir zu schaffen, weil ich sie liebe und ihnen doch nicht helfen kann.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo Lavandula,

    danke Dir für Deine offenen Worte. Wie ich früher schon schrieb, sind Deine positiven Erlebnisse mit diesem Weg ein Ansporn für mich.

    Ja, genau das ist es! Der Weg zu einem endlich ausgewogenen Leben, in dem alle Bereiche eine Berechtigung haben und die ständigen inneren und äußeren Kämpfe endlich eingestellt werden können.

    Ich habe auch verstanden, dass mich jeder Schritt, den ich FÜR MICH tue, mich diesem Ziel näher bringt.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    P.S.: Bist Du heute auch durch den Schnee gestapft? Irgendwie gehört der Schnee ja zum Winter und es ist schön, die weiße Winterlandschaft zu sehen. Leider hatte ich niemanden für eine Schneeballschlacht zur Hand :lol:

    Hallo ihr Lieben,

    heute Morgen bin ich aufgewacht und über Nacht war alles zur weißen Winterlandschaft geworden. Das sieht schön aus.

    Ich bin am Wochenende alleine zuhause. Mein Freund hat keine Zeit. Obwohl ich nicht gerne alleine bin und mich dann gerne durch den Glotzkasten ablenke, ordne ich zwischendurch gerne meine Gedanken und lasse die letzte Zeit Revue passieren.

    Es ist jetzt fast zwei Monate her, seitdem ich aus der Arbeit ausgestiegen bin, mich wegen dauernder Schmerzen krankschreiben habe lassen. Ich warte noch auf den Termin in der Klinik, bin aber dankbar für die Zeit mit mir, die bis jetzt sehr schmerzhaft, aber auch sehr, sehr hilfreich ist.

    Es ist, als wenn die lang schwärende Wunde endlich aufgebrochen ist und mit jedem Tag verzieht sich der Nebel mehr und mehr und mein Leben liegt klar vor mir. Hmmm, nicht immer ein angenehmer Anblick. Ich schaue auf die lange zeit, in der ich mich verstellte, schauspielerte, mich bedingungslos Eltern, Lehrer und Partnern anpasste, in der ich mich selbst nur durch Krankheiten und Schmerz fühlen konnte.

    Jetzt fliesste alles nach außen, was aber auch heisst, es ist da erstmal nichts mehr. Das falsche Gerüst ist zusammengefallen, da ist eine Baugrube, aber kein Architekt hat einen Plan dafür, wie das neue Haus aussehen soll. In guten Stunden, wenn ich von wenigen guten Freunden aufgebaut worden bin, fühle ich mich voller Tatendrang, könnte Bäume ausreissen und will mein Leben am Liebsten gleich, ohne Klinik anpacken. Dann gibt es die Tage, wo ich absolut keinen Mut habe, wo ich auf die "perfekten" Leben der anderen Menschen blicke, auf deren guten Jobs, Partner, Kinder, Familien und ich bin einfach nur traurig und die Tränen laufen.

    Heute wird mein Alkoholiker-Vater 70 Jahre alt. Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich eine Karte schreiben soll, oder anrufen, habe es aber nicht getan. Ich habe in der Kirche für ihn beten lassen. Ich habe keinen Kontakt mit ihm, nur meine Mutter, die zwar getrennt von ihm ist, aber doch immer wieder mit ihm zu tun hat, erzählt, dass es oft im Krankenhaus ist, weil seine Beine nicht mehr zuheilen und dass er von Arzt zu Arzt rennt.

    Vor ein paar Jahren hat mich mein Ex-Freund überredet, mit ihm zu reden und Frieden zu schließen, mit dem Ergebnis, dass er mich weinerlich angelogen hat und danach wie immer war. Also... Ich habe keinen Kontakt mehr aufgebaut.

    Ja, mich beschäftigt, wie es weitergehtn soll mit mir. Ich will nicht mehr Opfer sein, leiden, schauspielern, nur weil es den anderen in den Kram passt, aber es ist schwer, den Mut zu haben, aus diesem alten Leben rauszutreten.

    Am Neujahrstag haben mein Freund und ich über das Leben und die Werte gesprochen und ich musste krass feststellen, dass seine Werte nichts mit meinen zu tun haben, ja sie mich fast abstossen. Wenn ich ehrlich bin, merke ich auch schon länger, dass er in mir keine Frau für die Zukunft sieht, sondern die Mutter, die er lange verloren hat und die ihm Geborgenheit schenkt und die Frau, die seine körperlichen Bedürfnisse befriedigt. Es ist für mich hart, es einzugestehen, aber ich sehe mit ihm auch nicht den Partner für meine Zukunft. Wir haben zu wenige intellektuelle und seelische Übereinstimmungen.

    Trennen möchte ich mich noch nicht, weil er mir doch auch Geborgenheit schenkt und lieb ist und ich gerade echt schlecht alleine sein kann. Aber ich möchte mir nichts mehr selbst vorlügen und diesen Aspekt im Auge behalten.

    Bei all den manchmal überwältigenden Gefühlen und der Angst, bin ich dennoch froh, mich auf den Weg gemacht zu haben. Besser spät als nie! Ich fühle mich viel lebendiger als in Jahren und das Freuen kann man auch lernen, oder?

    Danke fürs Lesen und einen schönen Wintertag!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Luzy,

    herzlich Willkommen hier im Forum.

    Hier kannst Du Dir alles von der Seele schreiben. Du wirst auch sehen, dass wir alle in der ein oder anderen Weise Ähnliches erlebt haben und auf viel Verständnis und ein offenes Ohr treffen.

    Mir ging es auch so, dass ich mich immer anders gefühlt habe und auch sehr leistungsorientiert war. Erst vor kurzem habe ich mein EKA-sein realisiert und hatte seitdem viele Aha-Erlebnisse durch den Austausch hier im Forum.

    Herzliche Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Sonnenblume,

    ich kenne den Menschen ja nicht, aber ich würde erstmal abwarten und die Angelegenheit sich setzen lassen. Vielleicht ist er gerade auch aufgewühlt und muss selbst erstmal nachdenken.

    Natürlich können wir den Menschen, die wir kennenlernen, von unserem Verhalten erzählen und es hilft ihnen vielleicht auch, uns besser zu verstehen, gerade wenn es sich um ein sehr enges Verhältnis handelt.

    Aber wir sollten uns auch nicht dauernd entschuldigen und rechtfertigen müssen, wenn wir ein ganz normales Verhalten an den Tag legen. Und Dein Verhalten war normal, auch, dass du mit einem Schimpfwort reagiert hast. Das ist ebenfalls ganz menschlich und normal.

    Was ich seltsam finde, ist, dass er sich immer wieder sehr lange beleidigt? zurückzieht und Dich im Regen und der Unsicherheit stehen lässt. Das ist kein gutes Verhalten für eine Beziehung. Es muss beiden Partnern erlaubt sein, offen zu sagen, was man denkt. Man muss nicht immer einer Meinung sein und Manches muss erstmal sacken, bevor man weiterredet. Aber dann redet man weiter.

    Es ist wahrscheinlich sehr schwer für Dich, aber vielleicht lässt Du ihn jetzt einfach mal kommen. Wenn er Dich liebt, wie er sagt, wird er sich bei Dir melden.

    Aber das ist, wie gesagt, einfach meine Meinung und nicht unbedingt das, was zu Dir passt oder was Du möchtest.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Sonnenblume,

    mich hat Dein Beitrag gerade eben über das offen sein, sehr angesprochen.

    Ich finde, Du hast das gut gemacht, indem Du offen Deine Empfindungen geschildert hast. Wenn wir alles immer für uns behalten, ist zwar nach außen hin Harmonie, aber dafür kocht es in uns und das ist wesentlich schädlicher für uns als eine offene Konfrontation.

    Weißt Du, ich habe auch gemerkt, dass man sich mit der neuen Offenheit nicht nur Freunde macht und viele Menschen sind das einfach von uns so gar nicht gewohnt. Plötzlich ist die Liebe, Geduldige, Brave so unbequem. Was ist denn das? Wenn wir uns aber weiterhin verstellen, macht das nur immer wieder krank.

    Wenn Du dem lieben Menschen, von dem Du schreibst, etwas bedeutest und er vielleicht selber über den Vorfall nochmal nachdenkt, wird er wieder zum Dialog mit Dir bereit sein. Wenn nicht, dann akzeptiert er Dich nicht wie du bist, und das sollte Dir zu denken geben.

    Ich selber hatte die Tage ein ähnliches Erlebnis. Auch ich habe bei einem sehr lieben Menschen festgestellt, dass er eine ganz krasse andere Werteordnung als ich hat und meine belächelt und abwertet. Ich habe mich nach einer fruchtlosen Diskussion dann zurückgehalten, aber an mir nagt die Sache sehr. Irgendwann demnächst habe ich die Wahl endlich zu mir und meinen Werten zu stehen oder weiterhin als "dummes, krankes Kindchen" dazustehen, was ich auf keinen Fall möchte. Da kann es sein, dass sich unsere Wege dann auch trennen.

    Also, liebe Sonnenblume, bleibe weiterhin authentisch. Nur damit kann man im Endeffekt die Menschen anziehen, die wirklich an uns Interesse haben und zwar an UNS WIE WIR WIRKLICH SIND und nicht an unseren schauspielerischen Leistungen!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Sonnenblume,

    vielen Dank für Deine lieben Worte.

    Es tut so gut, hier im Forum auf Verständnis und Mitgefühl zu stossen.

    Wir alle haben ja ähnliche Erlebnisse gehabt und machen Ähnliches durch.

    Du hast recht. Die Zukunft ist im Moment noch nicht angesagt. Erstmal möchte ich mich besser fühlen.

    Heute ist so ein trüber, regnerischer Tag. Trotzdem war es schön, vorhin im Regen Laufen zu gehen. Die frische Luft, der Duft nach Nadelgehölz waren richtig belebend.

    Dann später kommt mein Freund und wir werden bestimmt eine schöne, geruhsame Silvesternacht haben.

    Dir liebe Sonnenblume und allen anderen auch wünsche ich einen guten Rutsch ins neue Jahr und alles Liebe und Gute für 2010.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo zusammen,

    wundere mich gerade wieder mal über mich selbst, eigentlich schon den ganzen Tag.

    Ich bin frustriert, unzufrieden und unruhig - mache mir dauernd Sorgen und habe auch wieder Schmerzen.

    Heute wäre ich eigentlich mit einer Freundin verabredet. Gerade schickt Sie SMS, dass sie sich früher treffen will und ganz woanders, wo ich wieder fast eine halbe Stunde mit der U-Bahn hinfahren muss.

    Ich war so hin- und hergerissen, habe aber doch abgesagt, weil ich Bauchschmerzen habe und auch keinen Nerv, wieder in der überfüllten Bahn zu sein. War vorhin schon beim Einkaufen und es hat mir gereicht.

    Bin jetzt trotzdem traurig, weil ich sie schon gerne gesehen hätte und es jetzt wegen ihres Schichtdienstes erst Januar wird, wenn ich dann nicht schon in der Klinik bin.

    Dieses ständige Auf- und Ab mit meiner Stimmung zehrt ganz schön. Die Klinik hat noch nicht von sich hören lassen, wird bestimmt Januar. Ich ertappe mich auch immer wieder, ziemlich Angst zu haben, was dann wird, beruflich und finanziell. Dieses Nicht-Wissen, was kommt, macht mich ziemlich fertig. Hatte mein Leben immer ziemlich unter Kontrolle und jeder Schritt war geplant. Ich mag keine Unsicherheit.

    Jetzt weiß ich oft nichts mit mir anzufangen. Auch die Konzentration für meine Hausarbeit fehlt. Ich hänge rum, obwohl ich immer soviel gemacht habe. Das Ziel fehlt mir. Der Sinn.

    Vielleicht ist das auch gut, das mal zu spüren. Vorhin habe ich mir gedacht, warum ich eigentlich immer soviel gemacht habe. Ich habe soviel gelernt, um noch einen Abschluß zu machen und vor mir und den anderen Bestätigung zu haben, dass ich etwas wert bin.

    Aber bin ich nicht auch ohne die ganzen Zeugnisse und Zertifikate was wert? Das Gefühl fehlt mir und auch gerade jetzt, wo ich beruflich nichts mache und diese Aufmerksamkeit von außen so gut wie nicht kommt. Ja, ich habe mich abhängig gemacht, von Außen, und das Innen brach liegen lassen.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo Sina,

    auch von mir ein "Herzliches Willkommen" hier im Forum.

    Es ist nie zu spät, den Prozess aus der Opferrolle heraus zu beginnen, nicht mit 18, 40 oder 60.

    Ich bin 39 und auch ich habe diesen Prozess in diesem Jahr begonnen, nachdem ich mich beruflich und privat so verbogen hatte, um das Minderwertigkeitsgefühl, dass ich seit meiner Kindheit mit dem alkoholkranken Vater habe, nicht mehr zu spüren, dass mein Körper mich förmlich dazu zwang auszusteigen und endlich mal innezuhalten.

    Ich bin aus dem krankmachenden Beruf ausgestiegen, bin seit 7 Wochen krankgeschrieben und werde in Kürze eine stationäre Psychotherapie machen. Ich habe auch erkannt, wer meine Freunde sind - da sind auch einige in dem Zuge weggefallen, aber auch manche dazugekommen! - und traue mich, die Gefühle von früher zu spüren, ohne immer wegzulaufen. Das ist manchmal ganz schön hart, weil mein Körper immer mitspürt und mit Schmerzen reagiert, aber sehr heilsam. Und ich habe zurück zum Glauben gefunden, was auch sehr hilfreich und aufbauend für mich ist.

    Heute bin ich dankbar und froh über den Prozess. Noch habe ich auch Angst, was werden wird, wenn ich aus der Klinik entlassen werde. Ich möchte nicht zurück in den alten Beruf. Aber ich bin zuversichtlich, dass alles gut werden wird, weil ich endlich zu mir stehe und ich mich kennenlernen kann, im Alter von 39 Jahren.

    Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem Weg!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo ihr Lieben,

    die Weihnachtstage vergingen wie im Fluge und ich bin zufrieden und fühle mich wohl damit.

    Mein Freund hatte ja eigentlich keine Lust auf Weihnachten, aber wir haben es uns schön gemacht und es hat uns beiden gefallen. Wir haben uns wohlgefühlt.

    Am Heiligabend bin ich in die Kirche gegangen und habe einen der schönsten Gottensdienste in meinem Leben erlebt. Das hat mich sehr glücklich gemacht und ich fühle mich getragen und geborgen. Mein Freund ist kein Kirchgänger und ich habe ihn auch nicht dazu gezwungen. Er war in der Zeit bei mir zuhause, hat den Baum aufgestellt und den Kartoffelsalat vorbereitet, den wir uns später mit leckeren Würstchen schmecken ließen. Ich hatte noch nie einen Weihnachtsbaum, seit ich hier in die Stadt zog und er ist einfach herrlich, klein und rot/gold geschmückt mit Lametta und kleinen Lichtern :D Und er riecht gut :lol:

    Am ersten Feiertag haben wir zusammen gekocht. Es gab Wildschwein mit Rotkohl und Klößen. Hmmmmm. Lecker !! und Plätzchen zum Nachtisch. Die tausend Schritte nach dem Essen haben wir dann draußen in der Natur abgelaufen.

    Ein weiterer überraschender Höhepunkt war der Besuch meiner Mutter, die gestern ankam und die ich vorhin wieder zum Zug brachte. Wir verbrachten die Zeit alleine, weil mein Freund Verwandtschaft besucht hatte. Ich hatte sehr gemischte Gefühle, sie zu sehen, nach all dem Streit, den wir am Telefon hatten. Aber ich hatte mir vorgenommen, positiv zu bleiben und ihr auch positive Gefühle entgegenzubringen. Und siehe da... es funktionierte. Selbst als sie zum vereinbarten Zeitpunkt nicht am Bahnhof ankam, weil es ein technisches Problem mit dem Zug kam und sie kein Handy hat, um mir Bescheid zu geben, brach ich nicht in Panik aus wie früher, sondern blieb ruhig, trank einen Kaffee und passte einfach den nächsten Zug ab. Und damit kam sie auch an.

    Gestern Abend lud ich sie zum Chorkonzert ein, was uns beiden sehr gefiel und die alte Vertrautheit stellte sich immer mehr ein. Heute haben wir nach dem Gottesdienst zusammen gekocht und dann geredet. Wir haben kurz sachlich über die Probleme zuhause gesprochen, ohne Emotion und jetzt kann ich einiges am Verhalten meiner Mutter besser verstehen. Außerdem haben wir vereinbart, uns lieber öfter mal persönlich zu treffen, als dauernd diese Missverständnisse am Telefon heraufzubeschwören.

    Ich lerne langsam, Dinge, die Vergangenheit und Personen, loszulassen und meinen Kontrollzwang langsam abzulegen. Ich will jeden Tag willkommenheißen als Möglichkeit, Neues kennenzulernen und dazuzulernen. Alles hat seinen Grund.

    Liebe Grüße von eurer sehr zufriedenen,

    Sonnenstrahl

    Liebe Pedi,

    habe gerade Deinen Beitrag gelesen und kann nur sagen, Du hast damit total recht:

    Zitat von pedi1970

    Wenn sich unsere Angehörigen nicht oder nur wenig mit dem Thema beschäftigen (im Gegensatz zu uns), kann der Schuss schnell nach hinten losgehen.

    Habe deshalb ständig mit meiner Mutter Auseinandersetzungen, weil ich jetzt soweit bin, alles offen auszusprechen und ihr auch auf den Zahn zu fühlen und sie blockt dann ab und fühlt sich angegriffen. Habe vor ein paar Tagen gemerkt, wie sehr sie das Ganze verdrängt hat. Tja, werde mich wohl doch etwas zurücknehmen müssen, weil es ja ihr Leben ist und ich nicht ständig Lust auf Streit habe, der nichts bringt.

    War lange am Überlegen, ob ihr Besuch morgen und übermorgen richtig ist, aber ich kann nicht immer davonlaufen. Sie ist schließlich meine Mutter. So werde ich was schönes Kochen und mit ihr vielleicht ein Museum besuchen.

    Für meinen Bruder tuts mir mehr leid. Er wohnt noch mit meiner Mutter zusammen und kann sich einfach nicht lösen. Auch er verleugnet die Auswirkungen des Alkoholismus unseres Vaters. Ich dachte eigentlich, nach seinem Besuch im September haben wir Zugang zueinander, aber jetzt macht er wieder total zu. Schade.

    Wir EKAs können wohl wirklich nur für uns sorgen und dass es uns gut geht.

    Wünsche Dir noch schöne Tage!

    LG,

    Sonnenstrahl

    Liebe Lavandula,

    ja, es ist schon wirklich faszinierend, wie sehr die "schönen Künste" der Seele gut tun. Manchmal frage ich mich, wieso ich so starr bin und oft nichts anderes kann, als vor dem Fernseher rumzuhängen. Ich könnte CDs hören, selbst Musik machen, malen ......

    Gestern habe ich mit meiner Mutter telefoniert. Die ersten paar Minuten waren ok, es ging über Allgemeines. Dann kam das Gespräch wieder auf mich und die Klinik und ich fragte meine Mutter, ob sie mich in der ganzen Situation unterstützen würde, weil mein Gefühl eben nicht so wäre. Sie war erst erstaunt und dann sofort wieder defensiv. Ich würde sie angreifen und womit hätte sie das verdient. Sie hätte sich doch immer für meinen Bruder und mich aufgeopfert und jetzt würden wir sie immer nur angreifen.

    Ich habe gesagt, dass ich doch nur mal mit ihr reden wollte, auch über die Sache mit dem Geschäft und wie es weitergeht. Ausserdem würde ich mir Sorgen machen. Ihre Antwort "Geht es Dir um mich oder um Dich?". Sie meinte, sie würde nur an der Situation festhalten, weil sonst ihre Existenz gefährdet wäre. Die höchste Priorität nach der Scheidung wäre mein Vater und das meiste was vom Verkauf des Geschäftes übrigbleibt würde er bekommen. Sie sagte, sie würde sich lieber umbringen, als finanziell abhängig zu werden.

    Naja, ein Wort gab das andere und sie wurde wieder weinerlich. Sie war auch beleidigt, als ich sagte, dass ich Heiligabend und ersten Feiertag mit meinem Freund verbringen wollte. Ich bot dann das Wochenende an, mehr aus Schuldbewusstsein, als aus Überzeugung.

    Sie beendete dann das Gespräch ziemlich rasch mit dem Satz: "Ich habe Dich trotzdem lieb".

    Natürlich hat mich das wieder fertiggemacht. Ich war und bin wütend und enttäuscht, weil ich einfach mal mit ihr ehrlich reden wollte und wieder diese Diskrepanz rauskam. Ich weiß, ich muss meine Illusionen endlich aufgeben, irgendeine Änderung bei meiner Familie zu erwarten.

    Ich bin hin- und hergerissen. Am liebsten würde ich das Wochenende mit ihr absagen, umsomehr, als ich Einladungen von Freunden an die Ostsee oder an den Bodensee über Silvester bekommen habe. Vielleicht sollte ich die annehmen und einfach Abstand gewinnen.

    Bin wieder total erschöpft und müde, obwohl ich doch für morgen noch einiges vorbereiten wollte, damit mein Freund und mich ein schönes Weihnachtsfest haben.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Sonnenblume,

    ich glaube, die meisten von uns EKAs erkennen ab einem bestimmten Zeitpunkt, dass unsere Grenzen oft überschritten wurden und wir es nicht mal gemerkt haben.

    Zitat von sonnenblume1a

    Und ich lerne auch, mich so anzunehmen wie ich bin. Auch wenn es immer wieder Rückschläge gibt. So wie am Wochenende, wo mir plötzlich bewusst geworden ist, dass ich für mein Gegenüber wieder eine Rolle spiele, von der ich denke, dass ich jetzt so sein müsste. Jetzt erkenne ich sowas, da war vor Wochen nicht dran zu denken.

    Das Wichtigste ist doch, dass wir es jetzt erkennen, wie Du am letzten Wochenende. Unser Verhalten zu ändern geht nicht von heute auf Morgen, das ist eine Frage der Übung. Aber es wird mit jedem Mal besser.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Marina,

    auch ich war von Deiner Geschichte tief berührt. Du hast Dein ganzes Leben gekämpft, darum gesehen zu werden, einfach so liebgehabt und angenommen zu werden.

    Es tut weh, hin- und hergerissen zu sein, einen Vater zu haben, der zuckersüss oder die Hölle sein kann. Es war gut, damals den Kontakt zu ihm abzubrechen, um endlich diese emotionale Erpressung abzustellen.

    Ich wünsche Dir jetzt ganz viel Kraft, um nach seinem Tod zur Ruhe zu kommen und zu Dir zu finden. Ich wünsche Dir Menschen um Dich, die Dich einfach als einen liebenswerten Menschen erkennen und lieben, ohne Gegenleistung.

    Fühle Dich mal ganz lieb gedrückt!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo Smilla,

    das finde ich super von Dir, nicht immer nur zu helfen, sondern auch eine Gegenleistung zu verlangen. Viele Leute sind aber einfach oberflächlich und ich wette, der Bekannte hat Deine Bitte längst vergessen. Wir EKAs sind sensibler und nehmen den Umfang mit anderen Menschen ernst.

    Vielleicht ist es wirklich wirkungsvoller, beim nächsten Mal gleich konkret eine Sache zu nennen, die Dir helfen würde und einen Zeitraum zu nennen.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo Lavandula,

    ich finde es sehr gut, dass Du bewusst darauf achtest, eine Balance von Arbeit und Privatleben zu erreichen. Du bist Dir bewusst, dass die Arbeit gefühlsmäßig immer einen höheren Stellenwert eingenommen hatte und versuchst, das auszugleichen.

    Manchmal glaube ich, wir EKAs sind uns viel bewusster über die Mechanismen, die in unseren Leben abgehen. Ein "normaler" Mensch macht sich darum meist gar keine Gedanken. Aber das ist auch eine Stärke. Wir sind nicht oberflächlich!!

    Hast Du innerhalb Deiner Firma eine neue Arbeit angenommen oder den Arbeitgeber gewechselt? Hatte heute ein Mittagessen mit einem ehemaligen Kollegen, der mir doch ans Herz gelegt hat, auch andere Stellen innnerhalb meiner Firma zu prüfen. Naja, ich weiß nicht. Aber darüber nachdenken kann man mal.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo ihr Lieben,

    gestern Abend sind mein Freund und ich von unserem langen Wochenende in Dresden Wochenende zurückgekommen. Es war superkalt und wir liefen herum wie die Eskimos, haben aber trotzdem viel gesehen.

    Das grüne Gewölbe hat mich fasziniert. All die schönen Kannen, Figuren, Bilder, Schmuck, usw. Super! Auch die Semperoper haben wir besichtigt. Es war schon toll, im grossen Saal zu sitzen und zum riesigen Kronleuchter hinaufzuschauen. Die Fremdenführerin hat die Geschichte der Oper so toll rübergebracht, dass man richtig gefühlt hat, dass sie die Materie liebt. Sowas würde mir auch Spaß machen, eine Gruppe zu führen und Interessantes rüberbringen.

    Kennt ihr das auch, wenn ihr nach langer Lethargie plötzlich wieder Leben spürt. Als wenn ihr aus einem langen Traum aufwacht. Ich hätte Bäume ausreissen können und meinem Bauch ging es auch besser. Zum Teil waren die Schmerzen ganz weg. Es war auch eine sehr schöne Zeit mit meinem Freund zusammenzusein. Wir waren noch nie so lange am Stück, praktisch 24 Stunden am Tag, zusammen und haben uns weder gestritten noch war es in irgendeiner Weise unharmonisch. Allerdings fällt es mir immer noch schwer, meine Bedürnisse zu äußern. Als ich nach einer Besichtigung müde war und gerne ins Cafe wollte und mein Freund nicht, entwickelt ich Kreislaufstörungen, um das notwendige "Argument" für den Cafebesuch zu haben. Hmmm.

    Als wir dann über einen mittelalterlichen Weihnachtsmarkt gelaufen sind und dort mittelalterliche Musik gespielt wurde, hätte ich am liebsten getanzt. Ich fühlte mich einfach glücklich und unbeschwert.

    Als es gestern wieder in die Heimat ging, sank das gute Gefühl schlagartig wieder ab und heute stehe ich wieder einigermassen "neben der Kappe". Aber zumindest weiß ich, dass ich mich gut fühlen kann. Es ist nur nicht abrufbar, wann ich es brauche.

    Jetzt gilt es, Weihnachten zu planen. Mein Freund kommt am Heiligabend und ersten Feiertag. Wir wollen zusammen Baum schmücken, Kochen und es uns gut gehen lassen. Am zweiten Feiertag ist er dann bei seinem Onkel und seiner Tante eingeladen. Er hat nicht gefragt, ob ich mitkommen möchte und ich will mich nicht aufdrängen. Es gibt außerdem Essen, das ich überhaupt nicht vertrage. Naja, ich denke das passt schon so, wie wir es geplant haben.

    Aber was mache ich am Samstag/Sonntag? Mein Bruder hat sich nicht mehr gemeldet und ich will ihm nicht dauernd nachlaufen. Entweder, er will Zeit mit mir verbringen, oder nicht. Meine Mutter alleine bei mir ... ist denke ich, auch nicht unbedingt gut. Sie hat sich heute Mittag bei mir gemeldet, als ich gerade loswollte. Bis heute Abend "muss" ich eine Entscheidung getroffen haben. Wie wir ja hier an dieser Stelle schon diskutiert haben, kann ich meine Mutter mit logischen Argumenten nicht kommen. Auf der anderen Seite ist eine konstruktive Auseinandersetzung überfällig. Die Kiste des Nichtgesagten ist zum Bersten voll.

    Wisst ihr, was ich mir heute Morgen gedacht habe. Ich kämpfe darum, einfach ein normales Leben führen zu können und muss mich dafür ständig rechtfertigen. Ist das nicht verkehrte Welt?

    Allerdings habe ich gestern überraschend Unterstützung von meiner Tante bekommen. Sie hat mich angerufen und mir frohe Weihnachten gewünscht. Dann hat sie mich gefragt, wie lange es wohl noch so mit meiner Mutter weitergeht mit der ganzen Arbeitssucht und so. Meine Mutter hat ihr gegenüber wohl auch nur Ausflüchte gebraucht und alles abgetan. Es wurde ja alles immer unter den Tisch gekehrt.

    Mit mir nicht mehr! Ich habe ihr erzählt, wie es momentan steht, mit mir und meiner Familie und dass ich keinen Zugang zu meiner Mutter habe. Sie hat mir beigepflichtet, dass ich meine Leben leben muss. Das tat gut, fühlte sich befreiend an.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo ihr Lieben,

    in den letzten Wochen ist mir das Thema "Bedürfnisse" sehr oft begegnet, so dass ich diesen neuen Thread eröffne, um eure Meinung dazu zu lesen und zu diskutieren.

    In vielen Gesprächen und auch in Selbstreflektion fiel mir auf, dass sich viele EKAs schon seit der Kindheit anspassen und darüber eigene Bedürfnisse vergessen, unterdrücken oder nach außen nicht vertreten.

    Im Laufe der Zeit werden dann diese fremden Anforderungen/Bedürfnisse als eigene Bedürfnisse ins Leben aufgenommen und notgedrungen akzeptiert.

    Aber irgendwann später ist das einfach nicht mehr stimmig. Man merkt, dass was nicht passt, kann es aber nicht greifen.

    Ich habe mich schon sehr früh in meinem Leben "verbogen". Als "Kranke" oder fleissiges und liebes Kind konnte ich die Aufmerksamkeit meiner Mutter und den Lehrern gewinnen, die mir dann die so verzweifelt benötigte Zuneigung schenkten - wenn ich funktionierte. Das zog sich in mein Berufsleben hinein. Wann immer ich fleissig war, viel gearbeitet habe und lieb, nett und hilfsbereit war, hatte ich Unterstützung von den Menschen. Wenn ich nicht funktionierte, dann fühlte ich mich alleine, krank und im Stich gelassen.

    Für mein neues Leben habe ich eigentlich den Wunsch, mit Menschen zusammenzuarbeiten, diese zu unterrichten, Ihnen weiterzuhelfen. Das liebe ich und finde ich spannend.

    Dieses Thema hatte ich mit meiner Psychologin besprochen und sie hat mir dann eröffnet, ob ich merken würde, dass dieser Wunsch, mit Menschen zu arbeiten, mit dem Bedürfnis nach Zuwendung und Zugehörigkeit zu tun hätte und es im Grunde egal sei, was ich arbeite, solange eine gute Abeitsatmosphäre besteht.

    Das Gespräch hat mich sehr unsicher gemacht und mir kurzzeitig schon den Boden unter den Füssen weggezogen.

    Jetzt frage ich mich, wie ich erkennen soll, was meine Bedürfnisse, auch im Hinblick auf meine berufliche Zukunft, sind und was dabei nur der EKA-Kindheit entspringt?? Was sind eure Erfahrungen dabei? Wie habt ihr herausgefunden, was eure Bedürfnisse sind. Wie habt ihr sie vertreten und in euer Leben integriert?

    Mir fällt es auch schwer, meinem Freund gegenüber meine Bedürfnisse zu vertreten. Das fängt damit an, dass ich Kreislaufstörungen entwickle, damit ich ein Argument habe, eine Kaffeepause zu machen, nur weil er es nicht wollte. Das möchte ich ändern.

    Ich bin gespannt auf eure Beiträge!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl