Beiträge von Sonnenstrahl

    Hallo Lavandula und LaChela,

    das ist interessant mit den Gedanken und Gefühlen.

    Ich merke oft, dass sich ein schlechtes Gefühl aufgrund von negativen Gedanken einstellt. Beispielsweise, wenn ich denke, ich wäre doch sowieso ganz allein und keiner kümmert sich darum, wie es mir geht, dann stellt sich ein tiefes Traurigkeitsgefühl ein.

    Andererseits, wenn ich, wie heute durch den Anruf einer Freundin merke, dass es doch Menschen gibt, denen ich nicht egal bin und die mich so mögen, wie ich bin, dann bekomme ich ein positives Gefühl.

    Allerdings habe ich meine Gedanken nicht wirklich im Griff. Ich ertappe mich oft, immer weiter negativ zu denken und gar nicht mehr ins Positive zu kommen. Das bringt dann auch die Gefühlswelt runter.

    LaChela : Woran hast Du gemerkt, dass Deine Gefühle Deine Gedanken lenken?

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Cailin, liebe Lavandula,

    vielen Dank für eure ehrlichen und aufmunternden Worte. Ich muss es wohl so langsam begreifen, dass es diese heile und liebevolle Familie nie geben wird.

    Heute habe ich zur Abwechslung wieder mal ein schönes Erlebnis gehabt. Ich habe zu Weihnachten wie jedes Jahr wieder Karten and Freunde und Bekannte verschickt und dieses Mal aber auch von meiner Situation erzählt und wie es in mir aussieht.

    Daraufhin haben sich heute gleich zwei Freundinnen gemeldet, die sehr weit weg von mir wohnen und mit denen ich nicht so oft Kontakt habe. Aber ihre lieben Worte und ihre ehrlich gemeinte Unterstützung haben mir unheimlich gut getan.

    Die eine Freundin weiß über alles Bescheid, was meine Familie und den ganzen Schlamassel betrifft und sie ist immer sehr ehrlich und offen zu mir gewesen, was ich an ihr enorm schätze. Sie hat mir dringend geraten, Abstand zu meiner Familie zu halten. Mich hat es so berührt, als sie gesagt hat, dass sie mich als solchen wertvollem, offenen und lieben Menschen kennengelernt und schätzen gelernt hat und dass es doch vollkommen egal ist, welchen Beruf ich ausübe. Wo meine Mutter sich gleich aufgeregt hat, als ich vor einiger Zeit mal erwähnt habe, dass es doch besser ist, im Supermarkt an der Kasse zu arbeiten, wenn man sich dort wohlfühlt, als im Büro zu sein und jeden Tag zu leiden, hat meine Freundin genau das heute gesagt, dass es wichtig ist, mich wohlzufühlen und alles andere ist nebensächlich.

    Ja, es tut gut, das zu hören. Einmal nicht bewertet zu werden, sondern nur zu sein. Ich hoffe, ich kriege das noch geregelt, vor allem das Loslassen der Familie und der Vergangenheit.

    Trotz der tollen Telefonate fühlte ich mich heute schon den ganzen Tag nur dumpf, habe Kopfschmerzen und war viel auf der Couch und am Fernseher.

    Morgen Abend kommt mein Freund. Wir wollen übers Wochenende wegfahren. Habe etwas gemischte Gefühle, ob ich das emotional und kräftemäßig packe, aber vielleicht bekomme ich meine Depressionen dazu, auch mal ein verlängertes Wochenende zu machen und mich in Ruhe zu lassen.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo,

    wieso tappe ich eigentlich immer wieder in die gleiche "Falle". Habe mich gerade, von Schuldgefühlen geplagt, zum wöchentlichen Anruf bei meiner Mutter durchgerungen und es ist wie immer. Ich lege danach auf und fühle mich erstmal richtig schön schlecht.

    Ich erhoffe mir jedes Mal ein liebes Wort, ein Zeichen des Rückhaltes, der Liebe in meiner Situation. Und was kommt? Ein Monolog, was sie wieder in dieser und jener Zeitung oder Buch über den Niedergang unserer Gesellschaft gelesen hat und dass sie das ja schon lange gesagt hätte, dass es so kommen würde.

    Als ich etwas über meinen kommenden Klinikaufenthalt erzählt habe und das ich endlich ein Leben führen möchte, dass meinen eigenen Erwartungen entspricht und nicht mehr denen anderer Menschen, meinte sie, es wäre doch wohl schwierig, diesen Weg zu finden und ich bräuchte dann doch jemanden, der mir dabei hilft.

    Sie hat nichts verstanden, rein gar nichts!!! Jedes Mal, wenn ich ihr sage, dass meine Situation das Resultat meiner Kindheit ist, ist sie still.

    Sie gibt mir immer wieder das Gefühl, nicht mehr so viel Wert zu sein, wie bisher, als ich noch den für sie standesgemäßen Beruf hatte, auf den sie sich bei Bekannten in meinem Heimatort immer beziehen konnte.

    Die ganze letzte Woche war so ernüchternd. Menschen, die ich als Freunde betrachtet hatte, ziehen sich zurück oder melden sich erst gar nicht. Ich habe mir jahrelang den A******* aufgerissen, war immer freundlich, nett, hilfsbereit und jetzt? Da gibt es nur wenige Leute, von denen ich merke, dass sie mich nicht schief anschauen oder dafür verurteilen, dass ich den guten Job hinschmeisse. Ich soll mir doch alles "nicht so zu Herzen nehmen".

    Ich weiß nicht, was ich mehr bin - wütend oder traurig. Es wechselt manchmal minütlich. Es ist als wenn mein ganzes bisheriges Leben wie ein Kartenhaus zusammenkracht. Ich hätte mir so sehr gewünscht, weich zu fallen, in den Rückhalt einer Familie oder einen stabilen Freundeskreis.

    Gerade vorhin habe ich mich etwas eingelesen zum Thema "Depressionen" und mich da ganz schön wiedergefunden. Ich hätte diese Woche schon in die Klinik gehen können, habe aber dann doch abgelehnt, weil ich Weihnachten mit meinem Freund verbringen wollte. Meinen Bruder habe ich eingeladen und er wollte sich eigentlich melden, um Näheres zu besprechen. Ich kann ihn aber nicht mehr erreichen. Meiner Mutter ! hat er aber wohl gesagt, dass er Heiligabend nichct kommen wollte. Hallo? Erst sagt mir mein Bruder, er versteht sich auch nicht gut mit meiner Mutter und dann, als ich ihn einlade, meldet er sich nicht mehr?! Meine Mutter meinte, sie könnte kommen, wenn ich das wollte.

    Ich habe erstmal nichts gesagt. Wieso scheue ich trotz allem die Konfrontation? Ich überlege, ob ich ihr einfach mal einen Brief schreibe mit dem, was mich belastet. Ich habe nur Angst vor ihrer Reaktion. Sie gibt einem sogar ohne Worte zu verstehen, dass sie das missbilligt, was man gesagt hat.

    Ich bin einfach so unendlich kaputt und müde. Manchmal habe ich einfach keine Kraft mehr und ich hoffe nur, dass es irgendwann wieder nach oben geht.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebes Kämpferherz,

    da kann ich Linde nur beipflichten. Du hast vor allem Verantwortung für Dich, dass es Dir gutgeht.

    Wenn Du Dich mit Deiner Mama und Oma an einem neutralen Ort triffst, könnt ihr doch viel entspannter miteinander umgehen. Und Du hast den Stress nicht, auf Deinen Vater zu treffen.

    Nach den stressigen Arbeitstagen hast Du Ruhe und Frieden notwendig und nicht noch mehr Stress. Mach das, wobei Du Dich gut fühlst.

    Ganz liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo Lavandula,

    danke für Deine lieben Worte. Du hast recht, die Gemeinschaft mit den Menschen hier baut auf, da jeder verstanden wird. Es fühlt sich gut an.

    Ich wollte, ich hätte im wirklichen Leben hier auch so eine Gemeinschaft. Heute Abend hat mich wieder niemand angerufen außer einem Marktforschungsinstitut. Aber mit dem wollte ich nicht sprechen :?

    Vorhin habe ich auf meinem Keyboard Weihnachtslieder gespielt und mir sind wieder die Tränen gelaufen. Da kommt die Sehnsucht hoch, mit Menschen die Weihnachtsvorbereitungen zu treffen, zusammen zu backen, den Baum zu schmücken und zu singen.

    Letztes Jahr war ich ja über Weihnachten in Urlaub, was ich sehr genossen habe. Dieses Jahr kommt mein Freund zu mir, aber ihm bedeutet Weihnachten leider nicht, was es mir bedeutet. Ich habe mir aber trotzdem vorgenommen, es mir so schön wie möglich zu machen - Plätzchen backen, Weihnachtslieder spielen, Singen und auch in die Kirche gehen.

    Heute habe ich meinen Bruder zu Weihnachten eingeladen, er hat sich aber noch nicht bei mir gemeldet. Ich bin gespannt.

    Euch allen einen schönen Abend!

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo,

    tja, jetzt habe ich auch wieder ein paar Merkmale beizutragen.

    Ich bin jetzt seit 5 Wochen krankgeschrieben und zuhause. Ich fühle mich total alleine. Von sich aus meldet sich fast keiner von meinen Freunden und Bekannten.

    Statt dass ich jetzt mal die Hilfe und Aufmerksamkeit der anderen einfordere, melde ich mich auch nicht, schäme mich und komme mir total blöd vor. Super!

    Sonst war ich immer die Motivierende, habe die anderen aufgebaut und immer wieder angerufen. Aber es fällt mir total schwer, den anderen Menschen mitzuzeilen, was ich brauche.

    Viele kennen mich halt mit meiner Fassade der starken Sonnenstrahl. Jetzt habe ich Angst, dass sich die Leute abwenden von mir, weil ich "gescheitert" bin und "versagt" habe. ICH weiss, dass das so nicht stimmt, aber ich habe Angst, dass das so gesehen wird.

    Soviel zu den Merkmalen.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo Pedi,

    es gibt SHGs von Al Anon. Guck mal hier unter diesem Link. Da kannst Du Deine Postleitzahl anklicken und sehen, ob es in Deiner Nähe eine EKA SHG gibt.

    edit...keine fremde links einstellen. danke hartmut

    Ich war vor einigen Monaten mal bei einer SHG in meiner Stadt. Persönlich fühlte ich mich nicht so angesprochen, weil es dort gewollt keine Rückmeldung der anderen Teilnehmer gab. Das hat mir nicht so gefallen. Ich diskutiere gerne mit Leuten, wie es hier im Forum geschieht. Aber das kann in einer anderen SHG anders sein, oder vielleicht liegt Dir das. Schaus Dir einfach selber mal an.

    LG,

    Sonnenstrahl

    Liebe Kata,

    nach Deiner Frage nach der Reha habe ich mir Deinen Threat mal angesehen und sehr viele Parallelen darin gefunden.

    Auch bei mir ist der Vater Alkoholiker und die Mutter Co-abhängig. Meine Eltern sind seit 18 Jahren räumlich getrennt, haben sich aber nie scheiden lassen. Meine Mutter sagte, das ginge nicht wegen der immer noch bestehenden gemeinsamen Schulden auf dem Handwerksbetrieb. Mein Vater hat sich immer stärker zurückgezogen und ist heute ein totales Wrack, aber immer noch uneinsichtig und gemein. Meine Mutter arbeitet und arbeitet und arbeitet. Jahrelang dachte ich, sie macht das wirklich nur, weil es nicht anders geht, wegen der Schulden. Aber jetzt wird mir langsam klar, dass sie es wahrscheinlich gar nicht kann, das Loslassen. Das Geschäft ist ihr Leben. Sie hat gar nichts sonst, keine Freunde, keine Verwandten, die für sie da sein könnten. Es gab immer nur dieses Geschäft, auch früher schon.

    Ich lebe auch weiter weg von meinem Heimatort, konnte mich aber von meiner Mutter nie richtig lösen. Heute ist mir klar, dass ich eigentlich ihr Leben lebe. Sie wollte den Beruf ergreifen, den ich habe, aber das ging damals nicht. Das was ich gemacht habe, entspricht eigentlich gar nicht meinen Neigungen. Jetzt, wo ich das realisiert habe, wird mir auch klar, dass meine Mutter es nicht gerne sieht, dass ich einen anderen Weg gehen möchte.

    Ich habe trotzdem immer dieses schlechte gewissen, selbst dass ich das jetzt begriffen habe. Sie war für meinen Bruder und mich da, neben dem Geschäft, hat geschuftet. Aber sie hätte gehen sollen, damals. Sie hatte selbst einen Chance dazu.

    All die Jahre habe ich über den Beruf Anerkennung gesucht, habe gelernt und gearbeitet wie ein Pferd und war gut. Habe Höchstleistungen erbracht, selbst da, wo ich eigentlich nicht wirklich hingehörte. Immer wieder gab es allerdings diese Zeiten starker körperlicher Beschwerden, als Kind war es Asthma, vor ein paar Jahren kam dann die chronische Darmerkrankung. Als es im Beruf immer schlimmer wurde mit Stress, Missgunst unter den Kollegen und Druck, reagierte mein Bauch mit ständigen Schmerzen, immer mehr Unverträglichkeiten von Nahrungsmitteln und Schlafstörungen. Ich habe mich durchgekämpft, immer wieder, wollte weitermachen.

    Jetzt höre ich auf damit, stelle mich den Gefühlen, die bei der Arbeitssucht immer unterdrückt worden sind. Ich habe Zeiten, in denen ich weine, wie gestern, oder Angst habe, meinen Freund zu verlieren, bei dem ich aber nicht mal weiß, ob ich eine Zukunft mit ihm haben kann und will. Ich funktioniere schlecht alleine, kann diese Stille ohne Impulse von außen schlecht aushalten und mache oft den Fernseher an.

    Trotz allen ist es gut. Ich habe das Gefühl, ein Geschwür bricht auf und der jahrzehntelang angestaute Eiter kann abfliessen. Ich will jetzt nicht mehr nur funktionieren, wie Du auch geschrieben hast, sondern LEBEN.

    Trotzdem merke ich, wie sehr ich von Wohl und Wehe der anderen Menschen und auch meiner Familie abhängig bin. Ich weiß nicht, was ich Weihnachten machen soll. Am liebsten möchte ich meinen Bruder alleine einladen, aber ich habe Skrupel gegenüber meiner Mutter. Was macht sie dann? Wird sie nicht traurig sein und mir dann wieder das Gefühl sein, ich behandle sie total ungerecht? Es ist schwer, mit diesen Schuldgefühlen zurechtzukommmen, aber ich will es versuchen.

    Kata, das hört sich bei Dir auch so an, dass Du jetzt alles zulässt, auch wenn es sich erstmal ziemlich besch.... anfühlt. Aber dann können wir endlich mal authentisch fühlen lernen. Das ist positiv!!!

    Alles Gute und liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Kata,

    ich habe vor einigen Jahre eine Reha wegen meiner chronischen Darmerkrankung gemacht. Die habe ich über die Rentenversicherung beantragt und auch ich erhielt erstmal die Ablehnung. Ich habe Einspruch eingelegt und bekam daraufhin zwei Termine, einen bei einem Vertragsgastroenterologen der Rentenversicherung und den zweiten bei einem Psychiater/Neurologen. Keine Ahnung, warum. Aber bereits der Gastroenterologe sah, dass ich wirklich Probleme mit der Verdauung und Schmerzen hatte und kurz danach bekam ich die Zulassung zur Reha. Ich war 5 Wochen dort und mir ging es nachher richtig gut.

    Damals habe ich all die Schmerzen und Probleme noch ausschließlich auf meine chronische Darmerkrankung geschoben und bei der Reha habe ich nur sporadisch psychologische Beratung gehabt. Mittlerweile bin ich aber klüger geworden. Besser spät als nie. Ich habe gemerkt, dass die Schmerzen und psychosomatischen Beschwerden vermutlich grösstenteils auf mein EKAsein und die damit verbundenen Unsicherheiten und Probleme zurückzuführen sind. Nun bin ich dabei, mein Leben zu ändern und habe zum Glück einen Hausarzt und einen Psychotherapeuten, die mich unterstützen. Nachdem ich mich aufgrund einer über lange Zeit sehr belastenden beruflichen Situation vor lauter Schmerzen, Angst und Depressionen nicht mehr retten konnte, bin ich seid 4 Wochen krank geschrieben und werde in Kürze per Direkteinweisung in eine psychosomatische Klinik gehen. Das geht nicht über die Rentenversicherung, sondern direkt über Deinen Hausarzt bzw. Psychotherapeuten. Der Vorteil ist, man kommt früher in Behandlung und kann länger dort bleiben. Bei einer Reha sind es maximal 6 Wochen, bei einer direkten Behandlung eine Dauer ab 6 Wochen. Wenn Du einen Psychotherapeuten hast, kann der Dich auch beraten, welche Klinik geeignet ist. Es gibt nämlich sehr viele davon und manche haben sehr lange Wartezeiten.

    Erkundige Dich mal bei Deinem Hausarzt nach dieser Möglichkeit.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Cailin,

    wahrscheinlich hast Du recht.

    Ich habe heute recht intensiv Leute beobachtet. Wir hatten eine Probe unseres Chores. Da habe ich dann gemerkt, welche Leute von innen heraus Lebensfreude ausstrahlen und authentisch sind und welche angespannt wirkten und eine Maske aufgesetzt hatten.

    An diese Lebensfreude möchte ich herankommen, sie lernen zu spüren. Ich kenne Freude schon auch, aber ich hatte sie meist, wenn a) Menschen mich spüren haben lassen, dass ich akzeptiert und gemocht bin b) wenn ich eine gute Leistung erbracht hatte c) wenn ich anderen Menschen eine Freunde gemacht hatte und diese es zeigten.

    Aber meine eigene Lebensfreude? Mich meines Lebens freuen und auf jeden neuen Tag. Morgens mit Freunde aufwachen, statt mit Angst und Trauer oder Schmerzen? Das ist schon soooo lange her und war es damals authentisch. Klar, war ich auch schon einfach so glücklich - bei guter Musik, in der Natur oder einfach wenn ich mit Freunden zusammen bin. Aber diese Unbeschwertheit, das Loslassen können, das auch mal "Rumalbern" können. Das fehlt mir total als immer brave, angepasste, fleissige, ruhige, bescheidene Sonnenstrahl.

    Ich glaube, ich schließe derzeit den bisherigen Lebensabschnitt ab, ziehe eine Bilanz und trauere um die vielen Zeiten, in denen ich glücklich sein hätte können, in der Kindheit, in meiner Jugend, als junge Erwachsene. Es tut mir weh, diese Zeiten abhaken zu müssen, weil ich sie nicht mehr zurückholen, ändern kann. Aber ich kann meine Zukunft bestimmen und wenn es heisst, ganz von vorne anfangen zu müssen, mit kleinen Schritten erstmal vorfühlen, wo ich bin und ob der Weg zu gehen ist.

    An diesem Punkt habe ich mich bisher nie rangetraut, habe vorher immer wieder abgebrochen und den ausgetretenen, angepassten, bequemen Weg eingeschlagen. Jetzt bin ich vielleicht soweit, den Schmerz des Vergangenen auszuhalten, der hervorkam, als ich die Geschwüre aufgemacht habe, die all den Eiter der schlimmen Erlebnisse der Vergangeheit enthielten. Noch eitern die Geschwüre, aber irgendwann (hoffentlich) bald wird die Heilung einsetzen können.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Zitat von lavandula

    Ich habe mich gelöst.

    Treffe meine Entscheidungen heute. Wie schon so lange.

    Gehe meinen Weg.

    Fühle meine uninszenierte Freude. Einfach so. Täglich.

    Liebe Lavandula,

    Freude ist das schönste auf der Welt, und Unbeschwertheit. Eigentlich sollten wir Beides als Kind mitbekommen. Jetzt müssen wir es lernen, wie das Lesen in der Schule. Aber irgendwann sind wir auch mal fließend. Bei Dir hört es sich schon sehr fließend an. Und ich arbeite daran.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Ist schon merkwürdig. Ich bin heute schon den ganzen Tag am Heulen. Es ist, als wenn alles mögliche plötzlich aufbricht und ich werde von Gefühlen übermannt. Da ist alles dabei, von Wehmut über Traurigkeit über Verlassenheitsgefühl und Sehnsucht.

    Seit ich von der Arbeit weg bin, habe ich das erste Mal seit langer Zeit wirklich Gelegenheit, über mein Leben zu reflektieren und was da so alles schief gelaufen ist. Ich sehe, wie sehr ich anderen Menschen hinterhergerannt bin, "Männchen gemacht" und mich angepasst habe, nur damit sie mich beachten und ein bisschen freundlich zu mir sind. Das war dann für mich wie ein Festtag.

    Ich habe mich selbst gar nicht gespürt, all meine Bedürfnisse nach Geborgenheit und Liebe und Akzeptiertsein.

    Da ist das Gefühl, wieder ganz am Anfang zu sein, was Angst macht, aber schon auch die Chance, es dieses Mal gut zu machen. Es für mich zu machen.

    Drum bin ich froh, dass ich heute gespürt habe, dass ich mich nicht mehr in diese Tretmühle begeben will, auch wenn es "einfach" sein sollte. Dieses Mal will ich meinen Weg gehen und nicht den, den andere Leute für mich gut finden.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Zitat von bookfriend

    Hallo,

    liebe Sonnenstrahl: mir ist noch was zu Deinem Beitrag eingefallen. Du schreibst, daß Du jetzt einen Freund hast der "normal" ist. Daraus schließe ich, daß Du bis jetzt nicht so gute Erfahrungen mit Männern gemacht hast? Korrigiere mich falls die Annahme falsch ist.
    Auch wenn es bei mir nicht die "Große Liebe" ist finde ich es positiv auch mit Männern zusammen zu sein die "normal" sind. Das ist etwas daß mir in einer Beziehung in der es mir nicht so gut geht irgentwie weiterhilft: die Erinnerung daran.

    Liebe bookfriend,

    ja, Du hast recht. Ich hatte davor NUR schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht. Meinen ersten Freund hatte ich erst mit 30 und da hatte ich noch überhaupt keine Ahnung, was eine Beziehung überhaupt ist. Dementsprechend konnte er mit mir umgehen. Auch beim nächsten hatte ich wenig Glück. Er hat mir zwar "das bunte Leben" gezeigt, war mit mir an tausend Orten, was sehr schön war. Aber immer wieder hat er sich in Phasen so sehr verändert, dass es erschreckend war. Dann war er emotional grausam und gemein.

    Ja, mein jetziger Freund ist wohl "normal", jedenfalls normaler als die anderen beiden. ABER, ich merke immer mehr, dass ich mich nicht mehr mit "ok" zufriedengeben will. Ich möchte eine richtige Beziehung mit Zukunftsperspektive. Bei Dir ist es noch etwas anders, weil Du jünger bist, aber ich komme in ein Alter, wo es auch mit Kinderwunsch eng wird.

    Mit dem jetzigen Partner könnte ich mir keine Kinder vorstellen. Für ihn ist in einer Beziehung glaube ich der Körperkontakt das Wichtigste. Ich bin auch gerne mit ihm zusammen und es passiert nichts, was ich nicht möchte, aber dieses Gefühl der Einheit ist einfach nicht da. Unter der Woche telefonieren wir nur einmal und dann ist es sehr sachlich und nicht liebevoll, wie ich mir das wünschen würde.

    Ich fühle mich in der Zwickmühle. Er gibt mir derzeit Halt und Geborgenheit und das fühlt sich sehr gut an. Aber mir genügt das nicht mehr. Ich sage mir dann, dass es zum jetzigen Zeitpnkt gut ist, wie es ist. ich kann micht alles auf einmal angreifen. Das überfordert ist. Und für ihn ist die Wochenendbeziegung ok so.

    Aber verstehst Du, was ich meine, bookfriend. Nur weil wir uns mit Beziehungen schwertun und allgemein nicht so viele positiven Lebenserfahrungen gemacht haben, müssen wir uns nicht mit Krümeln zufrieden geben. Wir haben das gleich Recht wie alle anderen Menschen auch.

    Mach Dir doch mal eine Liste mit den Wünschen, die Du an eine Partnerschaft hast und ob sie mit Deinem Freund erfüllt werden. Dann hast Du es schwarz auf weiß.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Lavandula,

    danke für Deine Nachricht. Es tut gut, zu hören, dass es sich echt lohnt, wenn man sich für sich selbst einsetzt und über Schuldgefühle und schlechtes Gewissen hinwegsetzt.

    Das ist eben schon so lange, dass ich unter der Arbeit leide und ich habe bisher immer noch gezögert, weil ich meine Kunden so sehr mag und ich die Arbeit mit den Menschen liebe. Aber wenn ich jetzt sehe, dass sich kein Kollege oder Kollegin mal bei mir meldet und fragt, wie es mir geht, dann weiß ich Bescheid. Dann ist es die richtige Entscheidung, einen Weg für mich zu gehen, der mir auch gut tut.

    Meine Chefin hat sich bei mir gemeldet und etwas von einer anderen Stelle im Unternehmen erwähnt, die aber möglichst bald besetzt werden soll. Zuerst hat kurzzeitig dieser alte Mechanismus in mir gegriffen, so nach dem Motto. Naja, kannst ja mal schauen, vielleicht ist das was und Du musst Dich nicht bewerben und hast Dein auskommen. Aber ich habs diesmal gleich gemerkt. Die neue Stelle wäre noch viel weiter von dem entfernt, was ich gerne mache, nämlich mit Menschen arbeiten. Tja, Glück für mich. Ich habe meiner Chefin auch gleich gesagt, dass meine höchste Priorität ist, gesund zu werden.

    Du hast recht Lavandula. Für Freude und Glück ist es das Wert, dass ich mich endlich für MICH entscheide und den bequemen, unglücklichen Weg aufgebe.

    Ich habe heute Fotos angesehen, die mich erinnert haben. Da habe ich manche Träne vergossen, aber ich glaube, das ist gut, endlich die ganze Traurigkeit und Sehnsucht herauszuwaschen und loszulassen.

    Es tut so gut, hier im Forum zu sein und gemeinsam einen Teil unseres Lebens zu reflektieren und zu bewältigen.

    Schön, dass es euch alle gibt! :)

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo bookfriend,

    ich kann Deine Unsicherheit mit der Beziehung sehr gut nachvollziehen.

    Irgendwie geht es mir derzeit ähnlich. Meinen Freund kenne ich seit Mai und er ist der erste Mann, der gut (d.h. normal) zu mir ist. Ich bin gerne mit ihm zusammen und wir haben im Sommer auch viel draussen zusammen gemacht.

    Aber: Ich habe das Gefühl, wir haben keine gemeinsame Zukunft. Ich bin ein Teil seines Lebens wie ein Hobby, aber er plant mich nicht richtig ein. Er meinte auch, er würde so eine Wochenendbeziehung auf Dauer gut finden, da würde man sich unter der Woche nicht auf die Nerven gehen und könnte am Wochenende was Schönes zusammen machen.

    Er legt sehr viel Wert auf den den körperlichen Teil unserer Beziehung. Nicht dass er mich zu etwas zwingt, überhaupt nicht, aber ich habe manchmal das Gefühl, er findet meinen Körper toller als mich.

    Und ich habe selbst auch nicht das Gefühl, mein zukünftiges Leben mit ihm planen zu wollen, weil er auch nicht der Typ für Entwicklung ist. Er ist genau so zufrieden, wie er lebt. Aber ich will mich weiterbewegen.

    Ich habe ihn gern und will ihn trotzdem im Moment nicht verlieren, weil er mir doch Halt schenkt und wir haben beide Freude an uns, bei all dem Chaos in meinem Leben. Aber ich habe ein schlechtes Gewissen, was total bescheuert ist. Ich denke, wir haben beide was von der Beziehung und vielleicht muss ich einfach akzeptieren, dass jetzt die Gegenwart ist und mein Leben sich einfach wieder verändern kann und wird.

    Gerne würde ich halt manchmal wissen, dass ein Pfeiler in meinem Leben in Ordnung ist und tragfähig für die Zukunft.

    Bookfriend, kannst Du Dir ein Leben in der Zukunft mit Deinem Freund vorstellen?

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Linde,

    Deine Worte haben mir sehr gut getan. Dadurch hat sich das Gefühl für mich bestärkt, nun einen guten Weg in die Zukunft eingeschlagen zu haben anstatt von mir selbst als "Schwächling" zu denken, weil ich den bisherigen Weg nicht mehr weitergehen möchte und kann.

    Weil ich was zu erledigen hatte, kam ich heute in die Stadt, in der mein Ex-Freund wohnt und in der wir viel unternommen und erlebt haben. Ich war an Orten, an denen ich glücklich war, wo ich das erste Mal in meinem Leben das Gefühl hatte, lebendig zu sein. Dann kamen mir wieder die Situationen in den Sinn, wo er mich so erniedrigt hat und ich mich dabei so hilflos gefühlt habe.

    Mir ist dann klar geworden, dass die Zeit mit meinem Ex-Freund zu den glücklichsten und zugleich (nach der Zeit mit meinem Alkoholikervater) zu den schlimmsten Zeiten in meinem Leben gehört. An manchen Plätzen sind mir heute die Tränen in die Augen gestiegen, vor Sehnsucht nach diesen Erlebnissen. Ich habe gemerkt, was mir wichtig im Leben ist, dass mir die Lebendigkeit im Leben so sehr fehlt, die Buntheit, die Wildheit, die Ausgelassenheit.

    Linde, Du hast recht. Jetzt spüre ich die Löcher, die da sind in meinem Leben. Der Eiter fliesst aus der Riesenbeule, die sich so lange angestaut hat und die Wunde muss jetzt heilen.

    Ja, ich bin auf dem Weg ....

    LG,

    Sonenstrahl

    Liebes Kämpferherz,

    das Gefühl mit Weihnachten kann ich gut nachempfinden. Auch ich war seit über einem Jahr nicht mehr in meinem Heimatort, weil es mir dort immer nach einem Tag total schlecht ging.

    Stattdessen habe ich meine Mutter und meinen Bruder an anderen Orten getroffen. Letztes Jahr, als ich noch Single war, habe ich eine Weihnachtsreise unternommen. Ein Hotel hat die Weihnachtstage organisiert und es gab einen Weihnachtskaffee mit Musik und gemeinsamen Singen und am Heiligabend gab es ein schönes Essen und ich war danach in der Kirche. Obwohl ich mit Abstand die Jüngste im Hotel war, war es das schönste Weihnachten, das ich je hatte. Ich fühlte mich geborgen wie in einer Familie.

    Hast Du die Möglichkeit, am Weihnachten zu verreisen? Schau mal im Internet, da gibt es bestimmt auch in Deiner Region schöne Angebote. Dann könntest Du liebe Familienangehörige einfach dort treffen. Das nimmt die Spannung und alle haben sowas wie Urlaub.

    Obwohl ich Weihnachten schon mit meinem Freund feiern will, bin ich dieses Jahr wieder unsicher, ob es wieder so schön wird wie im letzten Jahr. Außerdem weiß ich nicht, ob ich meine Mutter und meinen Bruder einladen soll oder nicht. Aber ich habe mir vorgenommen, alles zu machen, was MIR Freude macht. Ich werde mir einen kleinen Baum holen, den ersten überhaupt in meiner Wohnung, und ihn schön schmücken. Ich will Plätzchen backen und am Heiligabend ein schönes Essen machen und den Gottesdienst genießen.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Liebe Trilian,

    ich werde mich morgen bei der Klinik anmelden und hoffe, dass ich dann spätestens zu Jahresbeginn mit der Therapie beginnen kann.

    Das Problem, das ich habe, ist, dass es keinen Bereich in meinem leben gibt, der "in Ordnung" ist. Es fühlt sich keiner so an.

    Ich habe mich die ganze Zeit verbogen, auch beruflich, habe um ein bisschen Anerkennung mich verleugnet und jetzt muss ich mich erstmal finden, definieren. Mir fehlt außerdem der Rückhalt, Freunde oder Familienangehörige, die zu mir halten, die mich jetzt auffangen. Ich bin krankgeschrieben und, obwohl ich mich bemühe, aktiv zu bleiben, Spazieren zu gehen und was zu tun, komme ich oft ins Grübeln.

    Es kommt dazu, dass ich auf massiven Stress und psychische Probleme immer mit Krankheit reagiert habe, seit ich Kind war und das ist jetzt auch wieder der Fall. Ich habe massive Bauchschmerzen, vertrage fast nichts mehr an Essen und schlafe extrem schlecht.

    Ich fühle mich wieder in die Zeit zurückversetzt, als ich noch in meinem Heimatort mit meiner Familie und meinem alkoholkranken Vater lebte und das Gefühl hatte, nicht aus der Misere rauszukommen. Ich bin wie erstarrt. Aber vielleicht ist das auch die Wende, hoffe ich, und der Start in ein selbstbestimmtes Leben.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl

    Hallo ihr Lieben,

    hmmmm, leider hat meine Euphorie von letztem Freitag wieder nachgelassen.

    Ich glaube, das Schlimmste ist, nicht zu wissen, wie es weitergeht und auch nicht zu spüren, dass alles gut wird.

    Wenn ich so alleine daheim sitze und meine Schmerzen wiederkommen, fühle ich mich so alleine. Dann verlässt mich alle Kraft und Energie und ich fühle mich hilflos wie ein Kind.

    Ich merke, dass ich erst lebe, wenn ich unter Menschen bin, mich unterhalten kann und Akzeptanz und Interesse spüren kann. Wenn ich alleine bin, fehlt mir die Energie zum Leben, zum Ideen entwickeln, zum planen.

    Heute habe ich die Einweisung für die psychosomatische Klinik erhalten. Jetzt geht es darum, wann ich dorthingehen kann. Einerseits freue mich mich drauf, damit es endlich weitergeht. Andererseits habe ich Angst davor, was mich dort erwartet.

    Ich sehne mich danach, endlich zu leben, leben zu lernen. Mal längere Zeit glücklich sein und nicht immer vom Wohl und Wehe und den Stimmungen anderer Menschen abhängig zu sein. Ist schon seltsam, dass das alles jetzt so aus mir herausbricht. Manchmal kommt es mir vor, wie ein Geschwür, dass ganz lange gewachsen ist und nun aufgebrochen ist und dauernd nacheitert. Ich hoffe, endlich diese Wehmut und Trauer überwinden und leben zu können.

    Natürlich macht es mir was aus zu sehen, wie schlecht es meiner Mutter und meinem Bruder geht. Mein Bruder hat wieder akute Probleme mit seinem Umfeld, so dass er fast nicht mehr kann und auch meine Mutter kämpft um ihre Existenz. Aber ich kann nichts tun, obwohl ich mir doch so sehr wünsche, dass es uns dreien endlich gut geht und wir eine "gesunde" Restfamilie sind, die nicht mehr co-abhängig sind.

    Liebe Grüße,

    Sonnenstrahl