Hallo ihr Lieben,
wieder ist die Woche fast vorbei und es ist Wochenende.
Viel ist wieder passiert, viele Eindrücke, Gefühle, Erlebnisse...
Die Zeit mit meinem Freund letzte Woche war sehr schön. Wir haben uns viel draußen aufgehalten, sind Rad gefahren, es war Erntedankfest auf den Dörfern der Umgebung. Ja, ich habe mich wohl bei ihm gefühlt.
Ein Wehmutstropfen allerdings hatte die Zeit, als er mir bei einer Unterhaltung sagte, er wolle am Liebsten für immer eine Wochenendbeziehung. Dann gehe man sich unter der Woche nicht auf die Nerven und kann am Wochenende eine schöne Zeit verbringen. Hmmm, da musste ich schlucken und wusste erst gar nicht, was ich sagen sollte.
Ja, im Moment weiß ich sowieso nicht, was ich will. Aber eines weiß ich, ich möchte nicht für immer alleine wohnen. Entweder will ich mit einem Partner zusammenwohnen oder in einer Wohngemeinschaft mit Gleichgesinnten. Auch der Lebensraum - ich wohne in einer Grossstadt - ist nicht ideale für mein künftiges Leben. Naja, aber für immer Wochenendbeziehung??? Nein!!! Aber es gibt bestimmt einen Grund, dass er das sagt. Vielleicht hat er selber in seiner Familie etwas erlebt, das ihn diese Meinung haben lässt. Ich lasse es einfach mal so stehen und schaue, was passiert.
Tja, ansonsten habe ich einige positive Erfahrungen auf der Arbeit gemacht. Wir hatten diese Woche Kollegen aus dem Ausland zu Gast, mit denen wir an Projekten zusammenarbeiten. Es war so toll. Ich fühlte mich akzeptiert und konnte mich auf einer ganz anderen Ebene austauschen. Das ist genau der Punkt. Wenn die Arbeit grundsätzlich furchtbar wäre, könnte ich leicht den Abschied nehmen. Aber gerade das Internationale ist ja mein Ding und die Arbeit mit Menschen auch.
Ich kann mich halt schlecht vertreten und lasse mich leicht unterbuttern. Auch nehme ich negative Stimmung leicht auf und lasse mich runterziehen. Ich bin halt gewohnt, immer die Liebe, Brave, Angepasste, Fleissige zu sein. Ich merke gerade, wie mir das pure Schreiben dieser Worte Aufregung produziert, weil ich endlich mal raus aus dem Schema möchte. Es fühlt sich auch mal gut an, wild zu sein, und leidenschaftlich.
Naja, auf jeden Fall verlief die Woche besser. Heute möchte ich mich mal meiner Weiterbildung widmen, die derzeit etwas zu kurz kommt. War die Woche so müde abends und hatte keinen Motivation mehr. Was mir aber auffällt. Ich möchte so viele Dinge machen und das stresst mich. Neben der Weiterbildung will ich noch Bücher aussortieren, meinen Kleiderschrank ausmisten, muss noch ein paar Leute wieder mal anrufen, Briefe schreiben, usw. Kennt ihr das auch? Mir geht es oft so, auch in anderem Zusammenhang.
Ich möchte auch in meinem Leben so viel machen, merke in letzter Zeit, wie viel ich früher verpasst habe. Bei einem Festzug letztens, den ich beobachtet habe, war ein Wagen voll von jungen Leuten, die sich bei lauter Musik tanzend bewegt haben und fröhlich waren. Das hat mich nachdenklich gemacht, weil mir bewusst geworden ist, dass ich das nicht gehabt habe, ausgelassen sein.
Ich war meistens zuhause gesessen früher, war mit unserer Familiengeschichte beschäftigt, wenn ich nicht mit Krankheit auf den ganzen Schlamassel reagiert habe oder habe wie besessen gelernt und gepaukt um meine Superhöchstleistungen zu halten.
Und das Leben?? Was war Leben? und jetzt? Ist es dafür zu spät? Was kann ich "nachholen", was nicht? Ich würde am Liebsten mal ein halbes Jahr aussteigen und verschiedene Facetten des Lebens kennenlernen. Ich würde reisen, auf einem Bauernhof leben und arbeiten, vielleicht in einem Hilfsprojekt mitmachen, meditieren, über mein Leben schreiben, alles, um mich und das Leben kennenzulernen. Ich habe einen solchen Hunger danach.
Trotzdem werde ich immer wieder gebremst, von Zweifeln, meinen körperlichen Beschwerden, Gefühlen der Minderwertigkeit und auch von Freunden/Bekannten, deren Leben normal verlaufen ist und die das ganze nicht verstehen.
Ja, ich habe so viele Energie, aber wie kann ich die nutzen?
Ich wünsche euch ein schönes Wochenende!
LG,
Sonnenstrahl