Beiträge von Skye

    Hallo Graupe,

    erstmal geht es doch um Dich, dass Du mit seinem Alkoholkonsum nicht mehr klar kommst. Deine Tochter weiß Bescheid, wenn ich das richtig verstanden habe. Also wissen es doch alle, die es wissen müssen.

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    Ich habe immer gehofft sie sprechen meinen Mann mal an, die können doch nicht blind sein.

    Warum sollten Sie? Vielleicht haben sie ja auch, nur das weder er noch sie es Dir erzählen. Das Dein Mann säuft ist seine Sache. Deine ist, dass Du damit nicht klarkommst. Was haben andere damit zu tun? Er wird auf sie genauso wenig „hören“, wie auf Dich.

    Es wird Dir keiner abnehmen, etwas zu tun. Entweder Du tust etwas für Dich oder alles bleibt wie es ist.

    Zitat

    Ich kann meinen Mann vor seiner Familie doch nicht anprangern.

    Was hat das mit anprangern zu tun? Deine Formulierung lässt mich vermuten, dass Du selbst Alkoholismus nicht als Krankheit anerkennst, sondern als irgendetwas siehst, dessen man sich schämen muss. Solange keiner fragt, musst Du doch auch nichts sagen. Und wenn, reicht es doch, dass Dir sein Alkoholkonsum zu viel geworden ist, dass Du mit seinen Veränderungen nicht mehr leben kannst und Deine Konsequenzen ziehst. Du musst vor anderen doch nicht Deine Entscheidungen rechtfertigen. Was sie daraus machen ist doch dann ihre Sache.

    Es bekommen mit Sicherheit auch andere mit, dass er zuviel trinkt, das glaub mal, nur reden sie aus welchen auch immer Gründen mit Dir nicht darüber. Sei es weil es ihnen unangenehm ist Dich darauf anzusprechen, aus eigener Scham, weil sie das gleiche in ihrer Familie haben oder weil sie ganz einfach der Meinung sind, es geht sie nichts an. Getratscht wird immer und überall.

    Dein Mann trinkt, nur er kann etwas dagegen tun. Dir gefällt Dein Leben wie es jetzt ist nicht, nur Du kannst etwas dagegen tun.

    Gruß
    Skye

    Hallo Kim,

    bei mir war es auch nicht so, dass ich eine schlechte Kindheit hatte. Im Vergleich mit anderen EKA's ging es mir geradezu blendend. Ich wurde versorgt, was an Wünschen möglich und angemessen war, wurde mir erfüllt, ich wurde körperlich nicht misshandelt, ich musste keine körperliche Not leiden. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich über alles mit ihr reden können. Wenn ich denn gewollt hätte, ich wollte aber nicht und da fängt es so langsam an, dass was nicht in Ordnung war.

    Was nicht gegeben war, war emotionale Fürsorge und Stabilität, dass kann ein nasser Alkoholiker nicht leisten. Meine Mutter war ausgeglichen wie ein Jojo, da ist einiges gelaufen, was ich lange nicht sehen wollte, weil eben alles andere gestimmt hat. Das war es unterm Strich, was mir dann meine Probleme bereitet hat, im Umgang mit mir und im Umgang mit meinen Mitmenschen. Auch habe ich vieles nicht gelernt, nicht lernen können. Sie konnte es mir nicht vermitteln, weil sie zum einen selbst keine Lösung wusste, sie hat versucht es mit Alkohol zu „lösen“ und zum anderen weil sie eben getrunken hat, was nicht gerade einen klaren und anwesenden Kopf macht.

    Ich habe nie daran gezweifelt, dass meine Mutter mich geliebt hat, zu keinem Zeitpunkt. Das Problem war nur, dass sie sich selbst nicht geliebt hat. Da konnte ich nichts machen. Sie hat nicht gesoffen, weil sie mich nicht liebte, sie hat gesoffen, weil sie sich selbst nicht geliebt hat. Ich habe lange gedacht ich kann sie doch nicht aufgeben, ich kann sie doch nicht dem Alkohol überlassen. Was ich nicht gesehen habe, war dass sie sich selbst schon lange aufgegeben hatte. Was sollte ich da noch tun? Nichts, man kann einen anderen nicht zu einem Leben zwingen, dass er nicht will.

    Sie hatte ebenso wie Deine Mutter einige Entgiftungen hinter sich und LZT, es hat nichts gebracht. Die längste Zeit die sie außerhalb einer Einrichtung trocken war, waren max. 3 Wochen. Sie wusste durch das alles allerdings, ebenso wie Deine Mutter, wo es Hilfe gibt, wenn sie sie will. Sie hat sie nicht wirklich gesucht, also wollte sie nicht. Warum auch immer.

    Ich bin irgendwann auf Abstand gegangen, habe den Kontakt so gestaltet, wie ich ihn wollte und brauchte. So konnte ich damit leben. Nicht das ich damit zufrieden war, es hat mir weh getan sie so zu sehen, weil ich sie geliebt habe. Eine ehemals lebensfrohe Frau nur noch ein Wrack und immer die Angst im Nacken sie zu verlieren. Wollte ich nicht selbst drauf gehen, blieb mir nichts anderes übrig als los zu lassen und mich um mich selbst zu kümmern. Ich wollte nicht drauf gehen, also habe ich sie losgelassen und sie sich um selbst kümmern lassen. Ich hatte mit mir mehr als genug zu tun.

    Es geht um das, was Du möchtest. Ebenso wenig wie ich oder andere Kinder ihre Eltern trocken legen konnten, kannst Du es. Was Du kannst ist damit leben zu lernen, so wie es für Dich am besten ist, wie es sich für Dich gut anfühlt, lebbar ist. Deine Mutter weiß, wo es Hilfe gibt, wenn sie will, wenn sie nicht will, kannst Du sie nicht zwingen.

    Wenn es Dir momentan zu anstrengend ist zu schreiben, kannst Du ja ein wenig im Forum lesen. Auch das kann Perspektiven verändern und helfen die Dinge für sich im richtigen Licht zu sehen.

    Gruß
    Skye

    Hallo Kim,

    danke, dass Du Deine Situation ausführlicher beschrieben hast. Du hast schon einiges hinter Dir, so was bleibt einem nicht im Hemd stecken, ich kenne das. Ich habe mit meiner Mutter ähnliches mitgemacht, zwar hat sie nie ernsthaft versucht sich umzubringen, aber oft genug damit gedroht. Auch sonst ähneln sich die Geschichten. Ich weiß wie es ist vor Sorge fast verrückt zu werden. Ich weiß allerdings auch, dass es mich fast mein Leben gekostet hat nur um meine Mutter zu kreisen.

    Auch wenn Du jetzt ausführlicher geworden bist bleibt meine Antwort die gleiche. Nach wie vor ist das einzige was Du tun kannst, eine Betreuung für sie zu beantragen, was Du schon getan hast. Mehr Möglichkeiten hast Du nicht. Wenn Deine Mutter trinken will, wird sie das tun.

    Auch wenn sie Dir und Deinem Bruder die Betreuungsvollmacht erteilt hat, müsst ihr sie nicht annehmen, dazu besteht keinerlei Verpflichtung, auch keine moralische. Es ist nicht Sinn und Zweck einer solchen Vollmacht, dass sich ein Bevollmächtigter kümmert, der sich mit der Situation überfordert fühlt. Es ist gut, dass ihr die Sache dem Gericht übertragen habt, lasst es entscheiden und lasst von dort einen Betreuer bestimmen.

    Sicherlich stellt sich die Frage, wie weit Deine Mutter ihre Situation überhaupt noch realistisch beurteilen kann, wenn schon Schäden im Gehirn festgestellt wurden. Das zu beurteilen, ist aber ebenfalls Sache der Richter.

    So schwer das auch sein mag, nimm Dich raus aus der Sache. Es ist jetzt am Gericht die Angelegenheit zu klären. Beschließt es eine Betreuung, lass den Betreuer machen, beschließt es keine, lass Deine Mutter machen, es ist ihr Leben.

    Ich kann Deine Bauchschmerzen verstehen, aber nochmal, Du kannst Deine Mutter nicht vor sich selbst beschützen. Ich weiß wie weh es tut hilflos von außen zuzuschauen. Für Deine Mutter kannst Du nichts weiter tun, aber für Dich.

    Es gibt hier im Forum einen extra Bereich für Erwachsene Kinder, vielleicht liest Du Dich da mal ein bisschen durch. Du wirst feststellen Du bist nicht allein. Wenn Du magst, kannst Du diesen Thread auch von einem Moderator dorthin verschieben lassen. Hier kann es sein, dass Du ein wenig untergehst, dort erhältst Du sicherlich mehr Rückmeldungen.

    Gruß
    Skye

    Hallo Kim,

    willkommen im Forum. Deine Vorstellung kann nicht jeder hier lesen, ich gehöre dazu. Vielleicht kopierst Du sie nochmal hier rein.
    Ich weiß nicht ob es überhaupt Wohngemeinschaften für Alkoholkranke gibt in der sie quasi versorgt werden. So habe ich Deine Frage zumindest verstanden. Es gibt wohl welche, wo ein nüchternes Leben erlernt werden kann, aber das Hingehen und der Verbleib da sind freiwillig.

    Warum möchtest Du Deine Mutter denn untergebracht haben? Wenn ich Deine Zeilen lese, habe ich das Gefühl, Du möchtest das jemand da ist und aufpasst, dass sie nicht mehr trinkt. Korrigiere mich bitte, wenn ich das falsch verstanden habe.

    Dazu kann ich nur sagen, ein Alkoholiker der trinken will findet immer Wege. Das kann man nur verhindern indem man sie einsperrt. Alkoholismus allein ist aber kein Grund jemanden seiner Freiheit zu berauben.

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    zur Zeit bemühen wir uns um eine gerichtliche Betreuung,

    Das ist das einzige was Du machen kannst, wenn sie wirklich nicht mehr für sich sorgen kann. Diese Betreuung musst aber nicht Du übernehmen. Es gibt Betreuer die vom Gericht beauftragt werden und die sich dann im festgelegten Rahmen kümmern. Wenn Du schon jetzt nicht mehr kannst, wäre es in meinen Augen keine gute Lösung, dass Du die Betreuung für sie übernimmst. Das heiße, im schlimmsten Fall, dass Du dann quasi ein erwachsenes Kind hast und Dich um alles kümmern musst was ihr Leben betrifft. Das heißt aber nicht, dass Du sie, wenn sie getrunken hat, einfach mal so einweisen lassen kannst. Bei dem sog. Aufenthaltsbestimmungsrecht hat dann immer noch das Gericht mitzureden.

    Deine Mutter ist eine erwachsende Frau und kann für sich selbst sorgen. Sie hat das Recht ihr Leben so zu gestalten wie sie möchte. Wenn sie sich tot saufen will, dann darf sie auch das. Solange sie keine Gefahr für sich darstellt, in Form von Suzidversuchen oder eine Gefahr für die Allgemeinheit ist, kann sie tun und lassen, was sie will. Stellt sie eine Gefahr dar, dann ist das einzige was möglich ist, die gerichtlich bestimmte Betreuung.

    Es ist jedem überlassen, wie er sein Leben gestalten will. So schwer es auch mitanzusehen ist, wenn es die eigene Mutter ist, sie hat auch dieses Recht. Du kannst sie nicht vor sich selbst beschützen.

    Gruß
    Skye

    Hallo Hartmut,

    ich nochmal.... :wink:

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    Als ich mich hier im Forum angemeldet hatte, hatte ich meine Schmerzgrenze, persönlichen Tiefpunkt und meine Leidensfähigkeit erreicht.

    Nicht alle sind soweit wenn sie hier ankommen. Ich denke, Du hast, bevor Du Dich angemeldet hast, einen Prozess durchlaufen, den manche noch nicht abgeschlossen haben wenn sie sich anmelden.

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    Denn ich hatte erkannt das mein Suchtverhalten nicht normal war.

    Bei Co's ist es oft so, dass der Gedanke vorherrscht, wenn der andere mit dem Trinken aufhört wird alles gut. Sie suchen also eine Lösung wie sie den Alkoholiker trocken legen können. Auf dem Weg finden sie dann hier her. Erst wenn sie hier in all den Beiträgen lesen, wenn sie es denn tun, werden vielen die Augen geöffnet. Das selbst dann nicht alles gut werden würde, dass sie selbst ihr Glück und Wohl in der Hand haben, dass sie selbst dafür zuständig sind. Das muss erstmal verdaut werden.

    Für manche ist es ein Augenöffner und sie nehmen an, bei anderen ruft es Angst hervor und wirkt abschreckend.

    Gruß
    Skye

    Hallo Bolle,

    lass mich mal zusammenfassen: Du hast Mist gebaut und gesoffen und Du kannst jetzt mit den Folgen Deiner eigenen Handlung nicht leben.

    Du hast Mist gebaut nicht andere, nicht sie. Lerne damit zu leben und lerne daraus für die Zukunft.

    Gruß
    Skye

    Hallo Hartmut,

    ich denke die Schmerzgrenze beim Co ist so individuell wie der persönliche Tiefpunkt beim Alkoholiker. Für einen Betrachter von außen mag es so wirken, jetzt muss doch gut sein, dass muss es doch jetzt sein. Die Leidensfähigkeit ist aber noch höher und es geht noch weiter, obwohl man es nicht verstehen mag. Ein Teil der Menschen die sich hier anmelden, hüben wie drüben haben ihre persönliche Grenze noch nicht erreicht, für sie geht es weiter. So schade ich das finde.

    Meine Schmerzgrenze war erst erreicht, als mein Leben in Gefahr war. Nicht von außen gefährdet, sondern von mir selbst. Wobei Schmerzen habe ich da schon keine mehr empfunden, da war ich schon drüber hinaus. Die kamen erst wieder als ich etwas tat. Was ich all die Jahre getan habe, war Aufopferung bis zur Selbstaufgabe, Selbstaufgabe im wörtlichen Sinn, nicht im übertragenen. Ich war am Ende meiner Kräfte, hätte ich das Bisschen, dass mir damals geblieben war nicht für mich genutzt, gäbe es mich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht mehr. Der Tod schien mir damals nicht schlimm, eher verführerisch, die Lösung aller meiner Probleme. Etwas in mir hing jedoch noch am Leben und das hat dafür gesorgt, dass ich mir Hilfe gesucht und auch angenommen habe.
    Gesucht hatte ich früher schon, auch gefunden, aber ich war noch nicht weit genug unten um sie auch annehmen zu können.

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    Was ich dann nicht nachvollziehen kann ist die "Verweigerung" von annehmen, der Ratschläge von den Langzeit-CO´S . Die es wissen und vormachten und auch zeigten das es eine Loslösung von der Krankheit gibt.

    Ich habe meine Selbstbestätigung daraus gezogen was ich alles für meine Mutter und auch für andere getan habe. Ich war eine gute Tochter und ein guter Mensch. Bestätigt wurde mir das von außen indem man mich lobte und bewunderte, indem man mir dankte und indem man Mitleid mit mir hatte. Ich brauchte diese Bestätigung von außen wie die Luft zum atmen, denn ich hatte kein eigenes Selbstwertgefühl. Mitleid, Bewunderung und Verständnis das war mein „Lohn“. Solange ich nicht ganz unten war, hätte ich mir diesen „Lohn“ nicht nehmen lassen. Von meiner Mutter zu lassen und mich damit meines „Lohnes“ berauben undenkbar. Mitleid, Bewunderung und Verständnis sind etwas wunderbares, das hebt einen erstmal wieder hoch, wenn man unten ist, dass hilft einem ein Stück weiter, das gibt Kraft. Man wird bestätigt, ist doch schön. Schön, solange die Seifenblase hält. Erst als sie zerplatzt war, habe ich gesehen, was ich mir angetan hatte und das da nicht Schönes und Gutes dran war. Erst als meine Seifenblase zerplatzt war, war ich in der Lage etwas anzunehmen und aufzuhören mit selbst zu bemitleiden. Vorher wollte ich schon was ändern, denn wohl habe ich mich ja nicht wirklich gefühlt, aber eben nicht in letzter Konsequenz. Es ist ja nicht so, als hätte ich nicht eine Ahnung gehabt, was das auf mich zukommen würde, würde ich wirklich etwas ändern. Womit wir beim persönlichen Tiefpunkt sind. Wer sich "weigert" ist noch nicht wirklich so weit und muss noch ein oder ein paar Runden drehen.


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    ich habe schon mal geschrieben , das eine Trennung von dem jetzigen Partner genau sowenig ausreicht um zu gesunden , wie das festhalten der nassen Beziehung. Die Co.Krankheit hat ja auch ihren Ursprung , der gefunden werden muss, aber sicherlich nicht gefunden werden kann , wenn ich es täglich auslebe.

    Da rede ich mir schon seit Jahren den Mund fusselig drüber, dass Co-Abhängigkeit nicht mit dem Alkoholiker oder dem Alkohol verschwindet, vergebens. Das hören nur die, die es hören wollen und die wissen das meist schon von ganz allein, auch das ist ein Prozess. Es ist für manche eben einfacher und vor allem sicherer so weiter zu machen wie bisher. Das Alte kennt man, Veränderungen machen Angst und wer hat schon gerne Angst. Sich seinen Ängsten zu stellen erfordert Mut und manche bringen ihn einfach nicht auf. Man kann ihnen keinen Vorwurf machen, aber helfen kann man ihnen dann eben auch nicht.

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    ich denke ja nicht das sich Menschen wohl fühlen, in dem Deckmantel der Liebe , zu den nassen Partner.

    Nein, aber sie reden es sich ein. Es ist ähnlich dem Selbstbetrug, es merkt ja keiner das ich trinke. Das merkt auch jeder, aber das wird ignoriert und wenn einer was sagt abgestritten.

    Ich musste ganz unten sein um etwas zu tun. Heute bekomme ich gesagt, wie sehr ich mich verändert habe. Es ist schön zu hören, natürlich freut mich das, aber ich brauche es nicht mehr. Ich sehe meine Veränderungen selbst, ich weiß was ich geleistet habe für mich und bin stolz drauf, ich bin mit mir zufrieden, heute mag ich mich wie ich bin, ich habe wieder Freude am Leben und das ist mir Lohn und Bestätigung genug.

    Gruß
    Skye

    Hallo Silberschweif,

    Sucht funktioniert nur mit Selbstbetrug. Egal welche Sucht, jede ist gesundheitsschädlich und die meisten auf Dauer auch absolut nicht sozial verträglich. Logisch betrachtet, kann man also nicht süchtig werden, weil man a) die Gesundheit nicht ruinieren will und b) nicht allein sein will. Süchtige tun aber das eine und sind oft irgendwann das andere. Das funktioniert nur mit Selbstbetrug und mit Abwesenheit von Logik. Sie ist irgendwann einfach abgemeldet. Sucht und Logik sind zwei Dinge die nicht zusammen passen. Hinzu kommt bei den meisten Drogen noch die bewusstseinsverändernde Wirkung, die eine eventuell noch mögliche rationale Beurteilung einer Situation vollkommen unmöglich macht.

    Das Verhalten Deiner Mutter, die Verdrängung von offensichtlichen Tatsachen ist vollkommen „normal“ für sie, für einen Alkoholiker. Und so schlimm die Situation mit Deinem Sohn auch war, auch das ist nichts ungewöhnliches für einen Alkoholiker. Das ist kein alleiniges Problem Deiner Mutter, das gehört zur Krankheit, ebenso wie das permanente Lügen, egal ob bei unwichtigen oder wichtigen Dingen.

    Ich schreibe das nicht, um das Verhalten Deiner Mutter zu entschuldigen, dafür gibt es keine. Sie ist zwar Alkoholikerin, aber das ist eine Krankheit, keine Entschuldigung und kein Freifahrtschein. Ich schreibe das, um Dir einfach mal einen anderen Betrachtungswinkel ein und derselben Situation zu geben. Eine Möglichkeit für Dich aus Deinem für Dich destruktiven Gedankenkarussel auszubrechen.

    Du hast meine Worte weise genannt. Ich habe dazu nichts gesagt, weil ich es nicht als wichtig empfand. Doch meine Worte sind nicht weise, es sind nur meine Erfahrungen, meine Schlüsse die ich daraus für mich gezogen haben. Wenn Du etwas davon gebrauchen kannst, ist es gut, wenn nicht ist es auch gut. Ich habe bis jetzt einen rund 5-jährigen Prozess hinter mir, bestehend aus SHG, Therapie, Reha und Forum, meist parallel nebeneinander. Die Arbeit an mir selbst ist nicht zu Ende, sie wird nie zu Ende sein. Sicherlich werden meine Hilfsmöglichkeiten in der Zukunft anders aussehen, aber an mir arbeiten werde ich den Rest meines Lebens und zwar gerne.
    Ich habe mir in diesen Jahren eine Menge erarbeitet. Es war Arbeit zum Teil Schwerstarbeit, ich habe oft an mir und dem was ich tue gezweifelt, hatte nicht nur Erfolge, sondern auch z. T. herbe Rückschläge. Wo ich heute stehe, das ging nicht von jetzt auf gleich , sondern langsam, schleichend, Schritt für Schritt.
    Am beginn meines Weges ging es mir ganz anders als heute. Ich hatte die gleichen Zweifel was ist falsch, was ist richtig, ich schwankte zwischen Gleichgültigkeit und Verlustangst, ich empfand Wut, Hass, Liebe, abwechselnd und manchmal sogar gleichzeitig.

    Meine Wut auf meine Mutter war nichts anderes als das Ergebnis von Erwartungen an sie, die sie nicht erfüllt hat. Ich wollte meine Mutter trocken. Ich wollte meine Mutter wieder, wie sie einmal war, nicht sehend dass, das grundsätzlich nicht möglich war, denn Menschen verändern sich mit und ohne Alkohol. Ich hing einer idealisierten Vergangenheit nach. Was ich nicht sah war, dass ich meine Mutter noch hatte, nur eben nicht so wie ich es erwartet habe, wie es meinen Vorstellung entsprach. Ich hatte Wünsche und Vorstellungen wie sie zu sein hatte und ich machte sie dafür verantwortlich, dass sie meinen Wünschen und Vorstellungen nicht entsprach. Heute sage ich wie vermessen, damals war das für mich ein legitimer Anspruch. Niemand muss sich meinen Wünschen und Vorstellungen anpassen, niemand hat die Aufgabe mich glücklich und zufrieden zu machen, niemand ist dafür verantwortlich, dass es mir gut geht oder auch das es mir schlecht geht, niemand außer mir selbst. Nicht meine Mutter, nicht mein Vater, nicht mein Partner, niemand, niemand außer mir.

    Im Grunde kann ich alles, was ich mir wünsche, haben. Was ich nicht haben kann ist, dass alles meinen Vorstellungen entspricht, ich muss schauen, was überhaupt möglich ist, wie ich es haben kann und ob ich es dann noch will. Und ich konnte meine Mutter haben, aber nur wenn ich sie so akzeptierte, wie sie war, als nasse Alkoholikerin mit allen Nebenwirkungen, die diese Krankheit mit sich bringt. Ich habe gelernt, die Dinge die ich nicht ändern kann, so zu nehmen wie sie sind. Meistens klappt es auch. Meine Mutter konnte ich nicht ändern, also blieb mir nur sie zu nehmen wie sie war oder es zu lassen.

    Das heißt nicht, dass ich alles hingenommen habe, wenn mir etwas nicht gepasst hat, habe ich das auch gesagt. Ich habe es aber nicht mehr gesagt mit der Erwartung, dass sie etwas ändert, sondern um meine Meinung mitzuteilen, meine Grenzen zu ziehen und zu wahren. Ein kleiner aber feiner Unterschied. Es hat mir trotzdem allem weh getan sie so zu sehen, ich hatte trotzdem Angst um sie, aber das war mein Ding. Es war meine Aufgabe mich davor so weit wie möglich und nötig zu schützen, es war meine Aufgabe, den für mich besten Weg zu finden damit um zu gehen. Es hat gedauert bis ihn gefunden habe und auch das ging nicht ohne falsche Entscheidungen und ohne Bauchlandungen.

    Ich hatte keine Patentrezepte, weder für meine persönlichen Probleme, noch für den Umgang mit meiner Mutter, ich konnte nur ausprobieren und hoffen, dass es klappt oder eben nicht und es anders versuchen. Ich habe gelernt, dass ich alles kann und darf was ich will, denn es ist mein Leben und ich muss es Leben und ich lebe mit den Ergebnissen egal ob positiv oder negativ.

    Es ist im Moment egal ob Du nun verdrängst oder gleichgültig bist, Du bist Dir selbst nicht sicher, wie willst Du da zu einem Ergebnis kommen dem Du trauen kannst? Nachdenken ist eine nützliche Sache, grübeln nicht. Wenn mir nachdenken nicht weiter geholfen hat, war die beste Lösung für mich es laufen zu lassen und abzuwarten wohin es führt.
    Du fühlst wie Du fühlst und das ist in Ordnung, Gefühle sind immer in Ordnung, egal welcher Art.

    Du willst Deinen bisherigen Weg nicht weiter gehen. Es kann manchmal ein wenig dauern, bis man weiß wohin die Reise gehen soll, bis man den Weg gefunden hat der für einen selbst der richtige ist. Wie lange bist Du Deinem alten ausgetretenen Pfad gefolgt? Also wäre es nicht verwunderlich, wenn Du im Moment etwas orientierungslos bist.Wenn Du jetzt nicht weiter weißt, ist das in Ordnung. Lass Dir ein bisschen Zeit bis Du einen neuen Weg gefunden hast. Er wird sich schon finden, wenn Du die Augen offen hältst. MrHardcore hat Recht wenn er sagt: Zeit ist ein gnädiger Helfer. Man muss sie sich "nur" geben und nehmen.

    Gruß
    Skye

    Hallo Bolle,

    ich stelle mir ein wenig die Frage was Dich hergebracht hat und was Du Dir hier erhoffst zu finden. Was ich hier lese macht auf mich nicht den Eindruck als ob Du Dich mit Dir und Deiner Trockenheit beschäftigen würdest. Es geht um Dich und Sie, es geht um Dich und Eure Beziehung, es geht um Dich in der Beziehung, es geht darum was sie und die Beziehung in Dir auslösen. Ich lese allerdings wenig bis gar nicht, wie Du Dich als Süchtigen siehst. Ich lese keine Beschäftigung allein mit dem Menschen Bolle, immer nur in Bezug auf irgendetwas/irgendjemanden. Bist Du allein nicht existent? Bevor Du erwartest, dass andere Dich lieben und akzeptieren wie Du bist, finde doch erstmal heraus wie und wer Du wirklich bist und lerne Dich selbst zu akzeptieren und zu lieben und das in jeder Lebenslage. Du machst auf mich nicht den Eindruck, als würdest Du Dich kennen.

    Auf mich als Angehörige wirkst Du nicht wie ein Mensch, der ernsthaft trocken werden und bleiben will. Meine Meinung, mein Eindruck......

    Etwas ist mir besonders ins Auge gesprungen:

    Zitat

    Stationär hab ich versucht... zum zweiten mal (das erste mal vor rund zehn Jahren).
    Und zum zweiten mal schier wahnsinnig geworden.

    Das kannte ich von meiner Mutter, sie konnte mit der Begrenzung die ein stationäre Entziehung mit sich brachte nur sehr schlecht leben. Sie fühlte sich eingeengt, eingesperrt, ihrer Freiheit beraubt. Das sie sich diese mit jedem Schluck selbst nahm hat sie nicht gesehen bzw. nicht sehen wollen. In diesen Situationen, in denen es wenig bis gar keine Ablenkung von außen gab, war sie auf sich selbst zurück geworfen, dass hat sie nicht ausgehalten. Draußen gab es genug, womit man sich beschäftigen konnte, wo man sich selbst ausweichen konnte, da drinnen war es um ein Vielfaches schwerer. Sie wollte trocken werden, aber sie wollte sich nicht so nehmen wie sie war, also hat sie schlussendlich doch den Alkohol gewählt. Mit ihm konnte sie vor sich selbst flüchten. Die Flucht war gründlich, der Alkohol hat sie am Ende umgebracht.

    Wie sagt Spedi immer so schön: Wer will, findet Wege - wer nicht will, findet Gründe.

    Gruß
    Skye

    Hallo Bine,

    meine Mutter und ich haben uns häufig gestritten. Oftmals wusste ich hinterher garnicht, wie es überhaupt dazu gekommen ist. Erst im Nachhinein ist mir klar geworden, sie hat sehr häufig den Streit provoziert um einen „Grund“ zum saufen zu haben.

    Ich habe oft gebrüllt und geheult, ihr gesagt das ich Angst habe, dass sie sich langsam umbringt usw. Ich hatte die Hoffnung wenn ich es nur oft genug und nachdrücklich genug sage, dann muss sie doch merken was sie sich antut, dann muss sich doch was ändern. Nach diesen Auseinandersetzungen war ich jedes mal körperlich und seelisch erschöpft. Mehr hat es nicht gebracht. Ein Umdenken hat bei ihr dadurch nicht stattgefunden. Vieles ist sicherlich bei ihr angekommen, aber nicht so wie ich es erhofft hatte. Auch wenn sie Alkoholikerin war, war sie doch auch immer noch ein Mensch mit Gefühlen. Entweder war das ein passender Grund zum saufen oder es wurde einfach verdrängt.

    Zur Sucht gehört auch immer Selbstbetrug, die Realität wird sich schön geredet und zurecht gebogen, bis sie so passt wie sie gebraucht wird. Das ist Sucht, bzw. ein Teil davon. In sofern ist das Verhalten Deines Vaters für einen Alkoholiker vollkommen „normal“. Was nicht passt wird passend gemacht, auch wenn es bar jeder Logik ist, oder es wird ignoriert.

    Zitat

    Mein nächster Gedanke kreist um die Gesundheitlichen Schäden.
    Ich weiß nicht ob es so stimmt was ich mir zusammengelesen habe.

    Ich weiß was alles so im Netz zu finden ist, deshalb sage ich mal mit Sicherheit ja und mit Sicherheit nein. Alkoholismus ist eine Krankheit und auch die Folgeschäden sind Krankheiten. Krankheiten und die Beurteilung ob es eine ist, gehört in die Hände von Ärzten. Du tust Dir selbst keinen Gefallen, wenn da weiter bohrst. Deine Sorgen werden nur größer, aber ändern kannst Du auch mit all Deinem "Wissen" nichts. Dein Vater hört erst auf wenn er will, nicht wenn Du willst dass er es tut.

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    Demnach ist der sogenannte Bierbauch ein Wasserbauch der unter anderem ein Endsymptom einer Lebererkrankung ist.

    Das ist ein sehr gutes Beispiel. Die Physiognomie von Männern ist so, dass sich bei manchen Fett fast ausschließlich am Bauch ansammeln kann, bei Frauen findet sich das weniger. Die nettere Bezeichnung ist dann Bierbauch. Es ist nichts als Fett, was auch nicht unbedingt gesundheitsförderlich ist, aber auf ein zu viel an Nährstoffen und nicht auf ein zu viel an Alkohol zurückzuführen ist, vereinfacht ausgedrückt. Es kann aber auch sein, dass das ausschließlich Wasser ist, was auch auf unterschiedliche Krankheiten hindeuten kann, nicht nur auf eine kaputte Leber. Es liegt also an einem Arzt zu entscheiden was es ist.

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    Jetzt frage ich mich, warum spricht kein Arzt ihn darauf an, der Bauch ist wirklich nicht zu übersehen.

    Erstmal müsste er zum Arzt gehen. Außerdem was sollte das bringen? Er überliest ja auch was in einem Gutachten steht. Die Wahrscheinlichkeit, dass er dann auf einen Arzt hört betrachte ich dann auch eher als gering. Kein Arzt kann ihn zwingen sich behandeln zu lassen. Es kann genauso gut sein, dass ein Arzt bereits festgestellt hat ob es nun Fett oder Wasser ist. Egal ob und wie, solange Dein Vater nicht will, wird er alles ignorieren und schön reden was ihn davon abhalten könnte weiter zu trinken. Er wird erst zuhören, wenn er dazu bereit ist, wann das ist liegt allein an ihm.

    Deinen Vater kannst Du nicht helfen, nur Dir selbst. Hierher zu kommen ist schon mal ein sehr guter Anfang dafür.

    Gruß
    Skye

    Hallo Silberschweif,

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    Ich wünsche mir, dass mich jemand an die Hand nimmt und mir sagt, was richtig und was falsch ist!!! Jemanden, dem ich vertrauen kann und wo ich mein Gehirn abschalten kann und wo ich keinen Schmerz mehr spüre.

    Ja, das wäre schön..... wäre es das wirklich? In Deiner momentanen Situation mit Deiner Mutter wünscht Du es Dir. Wenn es das gäbe, würde es aber für Dein ganzes Leben gelten, für jeden Bereich. Würdest Du das wollen, Dein Leben komplett aus der Hand geben?
    Ich kenne das Gefühl und diesen Wunsch, aber das gibt es nicht mehr, wir sind keine Kinder mehr. Ich will es auch nicht mehr. Es gibt kein richtig und kein falsch. Es gibt Entscheidungen und Konsequenzen die daraus resultieren und dann das was man daraus macht. Ob das gut oder schlecht ist, dass sieht man irgendwann, manchmal früher, manchmal später. Wir sind erwachsen und stehen auf eigenen Füssen.

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    Eine enge Freundin, selber Lebensberaterin, sagte mir, dass das ein riesen Fehler war, denn der Abhängige muss am Boden liegen ohne jeglichen Kontakt und erst dann kann ein Umdenken passieren.

    Genau, dann kann ein Umdenken passieren, muss es aber nicht. Nimm einem Alkoholiker alles was ihm lieb und teuer ist und er wird aufhören, wenn das so einfach wäre, gäbe es was den Alkoholismus angeht eine ganze Menge Probleme auf dieser Welt weniger. So einfach ist es aber leider nicht. Es gibt Menschen die haben alles verloren, sie sind die sprichwörtlichen Penner auf der Parkbank, sie trinken immer noch, der Alkohol wird sie über kurz oder lang umbringen. Es gibt Menschen die haben alles noch, Familie, Arbeit, Haus, Freunde und sie hören trotzdem auf zu trinken und werden erfolgreich trocken. Wann ein Alkoholiker am Boden liegt, wann er seinen persönlichen Tiefpunkt hat, ist so unterschiedlich, wie die Menschen unterschiedlich sind. So einfach wie Deine Freundin es darstellt ist es nicht. Wäre schön, dann würde meine Mutter vielleicht noch leben.

    Im Umkehrschluss bedeutet dieser Satz für mich, brich den Kontakt ab, sonst kann kein Umdenken passieren. Das ist die Verantwortung für die Trockenheit des Alkoholikers in die Hände der Angehörigen legen, nichts anderes. Das ist anderen ein schlechtes Gewissen machen und das finde ich nicht sehr fein, das ist Förderung von Co-Abhängigkeit und das finde ich ebenfalls nicht fein.

    Der einzige Mensch, der für seine Trockenheit verantwortlich ist, ist der Alkoholiker selber nicht seine Angehörigen.

    Es geht hier aber um Dich und nicht um Deine Mutter. Es geht darum was Du tust, was Du brauchst, nicht darum was Deine Mutter tut und braucht. Brauchst Du das Telefonat ruf an, brauchst Du es nicht lass es. Geht Dir die Einseitig- und Oberflächlichkeit auf die Nerven brich es ab, kannst damit leben höre weiter zu. Belastet Dich das Gespräch, beende es, tut es Dir gut führe es fort. Stört Dich etwas, sag es Deiner Mutter. Gestalte es so, wie Du es brauchst. Wenn es Deiner Mutter nicht gefällt kann sie es ja sagen, Du musst nicht erraten was sie gerade will und braucht, sie hat einen Mund zum reden. Wenn sie nicht redet ist das ihr Problem nicht Deines. Sie ist nicht hilflos.

    Ich habe jetzt gute 4 Jahre Therapie hinter mir, wie ich finde sehr erfolgreich. Meine Therapeutin hat mir in vielen Dingen sehr geholfen, ich habe aber noch lange nicht alles gemacht, was sie für richtig befunden hat. Es gab einiges da konnte ich ihr nicht zustimmen. Manchmal zu meinem Vorteil, manchmal zu meinem Nachteil. Alle die wir um Hilfe ersuchen, können uns Vorschläge machen, aber können nicht unser Leben leben und werden es auch nicht leben. Das tun nur wir.

    Ich kann verstehen, dass Du unsicher bist, das Du Angst hast etwas falsch zu machen. Du darfst Fehler machen, die gehören zum Leben. Du darfst an Dich denken, da ist auch nichts falsch dran. Hier geht es ganz allein um Dich und nicht um Deine Mutter. Höre auf Deine innere Stimme und nicht auf die von außen. Es ist Dein Leben, Du musst es leben, nicht andere auch nicht Deine Freundin, Lebensberaterin hin oder her.

    Hab ein bisschen mehr Vertrauen zu Dir selbst.

    Gruß
    Skye

    Hallo Sunlight,

    willkommen im Forum. Wir können Dir auch nicht sagen, ob Dein Vater ein Alkoholproblem hat, ob er abhängig ist oder gefährdet. Was Du an täglichem Alkoholkonsum schreibst finde ich persönlich nicht normal und bedenklich, aber auch da gehen die Meinungen gerne auseinander. Wohl weniger hier im Forum, aber ganz allgemein in der realen Welt. Der einzige Mensch der das sagen kann ist Dein Vater selbst und ob er das tut ist seine Sache.

    Fakt ist, das Du Dir Sorgen um ihn machst, dass Du seinen Alkoholkonsum bedenklich findest. Mehr kannst Du ihm auch nicht mitteilen, dass Du Dir Sorgen machst.

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    Ich möchte ihn im Moment eigentlich nicht drauf ansprechen solange ich keinen "Beweis" in den Händen halten kann und Argumenten wie "ich trinke nicht (mehr)" nichts entgegensetzen kann.

    Du kannst noch so viele „Beweise“ haben, wenn er ein Problem hat und nicht dazu stehen will, wird er es auch mit Beweisen nicht zugeben. Ich habe meine Mutter trinken sehen und sie hat es abgestritten, sie hatte Promillewerte jenseits von gut und böse und es war nur eine Ausnahme. Das waren hieb und stichfeste Beweise, interessiert hat sie das jedoch nicht. Sie hat die Sache schön bzw. weggeredet und gut war's für sie. Hat er kein Problem, wird das mit Deiner Kontrolle ganz schön peinlich, ist es zwar ohnehin, aber es wird dann noch peinlicher. So oder so ist es keine gute Gesprächsgrundlage seinen Vater, einen erwachsenen Mann, damit zu konfrontieren, dass man hinter ihm herspioniert hat. Egal ob das nun in guter Absicht gemeint war. Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Deine Eltern Dich kontrollieren würden?

    Ich würde ihm sagen, dass Du Dir Sorgen machst, weil Du das Gefühl hast, er trinkt mehr als gut für ihn ist. Nicht mehr, nicht weniger. Was er daraus macht, ist seine Sache, er ist erwachsen, kein Kind. Er muss nichts „zugeben“.

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    Ist sein Alkoholproblem noch klein genug, dass er auch Tage ohne harten Alkohol aushält?

    Wenn er eines hat, ist das keine Sache von groß oder klein. Ob abhängig oder nicht richtet sich nicht nach der Menge die getrunken wird. Es richtet sich auch nicht danach ob jemand Bier und Wein oder Hochprozentiges trinkt. Alkohol ist Alkohol. Ich habe an anderer Stelle mal folgende Rechnung aufgemacht:

    Bei 4-6 Flaschen Bier 0,5 sind das 10-15g reiner Alkohol den er trinkt. Das entspricht etwa der Menge von 250ml – 400ml 40% Schnaps. Was wiederum 12-20 handelsübliche Schnäpse von 2cl sind. Anders ausgedrückt enthalten 0,5 L Bier soviel Alkohol wie 3 Schnäpse.

    Zitat

    Das momentan kein Alkohol im Haus ist

    Bier ist Alkohol.

    Keiner kann Dir sagen, was Du tun sollst, dass musst Du selbst entscheiden. Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, je länger ich etwas vor mir hergeschoben habe, desto größer wurde es.

    Gruß
    Skye

    Hallo Silberschweif,

    herzlich willkommen im Forum. Als ich Deinen Eingangpost gelesen habe, habe ich gedacht Du sprichst von meiner Mutter. Die Suchtgeschichten ähneln sich doch sehr.

    Zitat

    Mir ist schon klar, dass ich hier wohl etwas hereinplatze, das tut mir auch leid,

    Wir wissen hier alle worum es geht und es geht uns auf die eine oder andere Art wie Dir. Es sind hier keine langen Vorreden nötig, hier muss keiner auf das Thema vorbereitet werden. Wir wissen wie das ist. Schreib wie Du willst und wie es Dir in den Kopf kommt. In erster Linie soll es Dir helfen Dich hier auszutauschen, Deine Sorgen und Gedanken nieder zu schreiben. Wenn hier einer was nicht versteht, dann fragt er schon, keine Sorge.... Leid tun muss Dir auch nichts, dieses Forum ist schließlich für genau solche Dinge gedacht. Nur frei von der Leber weg, wie Du magst und was Du in so einem öffenlichen Raum preisgeben möchtest.

    Zitat

    denn auf der einen Seite wünsche ich mir Kopfstreichler und Mitleid, und auf der anderen Seite könnte ich am liebsten herausposaunen, dass man keinem Alki helfen kann, so lange er sich nicht helfen lassen will.

    Das ist doch keine Widerspruch, keiner kann nur hart oder nur weich sein. Du weißt was zu tun ist bzw. was nicht zu tun ist, dass heißt doch aber nicht, dass es Dich nicht belasten darf und Dir nicht nach Trost sein darf. Du bist doch ein Mensch und keine Maschine...

    Zitat

    Was mich auch so ferig macht, ist, dass ich von der ganzen Problematik nichts gemerkt habe. Ich mache mir wahnsinns Vorwürfe! Gut, ich habe gesehen, wie sie rein körpelich abgebaut hat, weil sie wohl die Depressionen hat.

    Und was wäre wenn Du es gemerkt hättest, hättest Du dann etwas ändern können? Die Antwort hast Du Dir selbst schon gegeben... Nein, Du hättest auch dann nichts tun können

    Zitat

    Ich habe es ihr heute ins Gesicht gesagt und sie war so betroffen, meine Güte, ich liebe sie so, sie ist meine Mutter!

    Du darfst sie auch weiter lieben, auch wenn sie Alkoholikerin ist. Doch Liebe heißt nicht, dass man alles schlucken und alles übersehen muss. Sie heißt nicht das man unangenehme Dinge ignorieren und verstecken muss.

    Zitat

    Noch gestern Abend hätte ich meine Mutter am liebsten angerufen und ihr gesagt, wie sehr ich sie liebe und dass ich sie nicht verlieren möchte. Sie fehlt mir einfach, ich vermisse sie.

    Wenn es Dir ein Bedürfnis ist, wenn Du das in dem Moment brauchst, dann tue es. Es geht hier um Dich und Deine Bedürfnisse. Loslassen heißt nicht fallen lassen, loslassen heißt einen anderen sein Leben selbst bestimmen zu lassen, sich nicht in seine Entscheidungen einzumischen, sich nicht um Dinge kümmern die einen nichts angehen. Es heißt nicht, dass man seine Gefühle begraben muss und/oder keine Zuneigung mehr zeigen darf. Wenn Du ihr etwas sagen willst, dann tue es, wer oder was sollte das verbieten.

    Zitat

    Aber ich glaube, es ist besser, wenn ich sie nicht anrufe, denn ich möchte nicht, dass sie denkt, ich setze sie unter Druck. Oder dass sie das Gefühl hat, sie müsse einen Entzug quasi für mich machen, dass sei sie mir schuldig.

    Deine Mutter wird erst dann aufhören, wenn sie will. Vielleicht würde sie einen Entzug machen, weil sie meint sie müsste es für Dich machen. Das ist dann aber trotzdem immer noch ihre Entscheidung, genauso wie es ihre Entscheidung war nach ihren bisherigen Entzügen wieder anzufangen zu trinken.

    Zitat

    Sie hat ja außer mir keinen mehr - Sie muss wirklich so einsam ist. Sie hat ein hartes Leben hinter sich, 2 kaputte Ehen und jetzt Null Lebensinhalt, außer mich.

    Hast Du Dich mal gefragt warum das so ist? Bei meiner Mutter war es ähnlich und sie hatte auch kaum noch jemanden. Das lag aber ganz allein an ihr. Zum einen weil sie im Suff alle anderen vergrault hat. Niemand lässt sich dauern beleidigen und sich Dinge vor den Kopf werfen die der andere für die Wahrheit schlechthin hält und zu der er sich sie auszusprechen berufen fühlt, egal ob das Gegenüber es hören will oder verletzt wird. Zum anderen war sie allein, weil ihr der Alkohol wichtiger war. Unternehmungen und Treffen passen ab einem gewissen Punkt nicht mehr mit Alkohol zusammen, weil der Bedarf so hoch ist, dass es nicht mehr reicht nur noch zu bestimmten Zeiten zu trinken. Die Sucht will befriedigt werden und sie übernimmt die Kontrolle über den Tagesablauf.

    Sie muss ihr Leben mit Inhalt füllen, es ist nicht Deine Aufgabe diese Leere zu überdecken damit sie sie nicht so hart spürt. Saufen macht nun mal einsam, das ist so.

    Zitat

    Währenddessen hat sie ne Pulle Wodka intus und alles ist gut...

    Genauso ist das, denn sie ist Alkoholikerin. Die Sucht lässt sich nicht an und ab schalten „nur“ weil Du da bist. Du hast es überspitzt geschrieben, aber das ist die Realität.

    Zitat

    Sie hat schon etliche Entzüge hinter sich und 2 Langzeittherapien. Sowie 3 lange Aufenthalte in einer Psychatrischen "Anstalt"

    Deine Mutter weiß also wie es geht, sie weiß, wo sie Hilfe bekommen kann. Wenn sie also aufhören will, weiß sie, was sie tun muss. Sie nicht hilflos, auch wenn auf Dich so wirken mag, sie ist nicht hilflos.

    Zitat

    Nur sie kann über ihr Leben entscheiden, entscheidet sie sich zum Aufhören, werde ich ihr helfen, wo ich nur kann. Entscheidet sie sich für ihre Wodkapullen, wird sie dieses Jahr völlig einsam in ihrer Wohnung verrecken.

    Ich kann mich Insulaner nur anschließen überlege gut was Du tust. Tue es nur, wenn Du wirklich hinter dieser Entscheidung stehst, wenn Du es für Dich tust. Wenn Du es für sie tust, weil Du hoffst dass sie wach wird und sich für ein trockenes Leben entscheidet, was willst Du tun, wenn es nicht funktioniert? Was tust Du wenn sie weitertrinkt bis der Alkohol sie umbringt. Ein schlechtes Gewissen und Selbstvorwürfe können einen gewaltig quälen, wie Du schon festgestellt hast. Gehe diesen Schritt nur wenn Du Dir für Dich selbst sicher bist. Es geht hier um Dich nicht um Deine Mutter, die kann für sich selbst sorgen.

    Ich weiß da sehr schnell der Rat zum Kontaktabbruch gegeben wird, wenn jemand fragt was er tun soll, dass ist aber nicht für jeden das Richtige. Andere leben nicht das eigene Leben, deshalb sollte man tun was für einen selbst das Beste ist.

    Ich habe damals den Kontakt reduziert so wie ich ihn brauchte, ich wäre mit einem Kontaktabbruch nicht klargekommen. Ich hatte es kurzzeitig versucht und nur gelitten. Ich hätte mir Vorwürfe gemacht, denn ihr Tod kam sehr plötzlich, ich hätte keine Chance mehr für irgendetwas gehabt. Ich habe sie machen lassen, was mir schwer genug gefallen ist. Ich habe akzeptiert, dass es ihre Sache ist, wenn sie sich das Leben in Raten selbst nehmen will, auch wenn es sehr weh tat. Ich habe losgelassen. Mir ging es damit aber trotz Kontakt besser, weil wir einen wesentlich entspannteren Umgang miteinander hatten. Hätte ich den Kontakt abgebrochen hätte ich mich vieler Dinge beraubt.

    Es ist Dein Leben, tue das was sich für Dich richtig anfühlt, womit Du am besten leben kannst.

    Gruß
    Skye

    Hallo Technik,

    ich habe mich an Deiner Umfrage nicht beteiligt und werde es auch nicht tun. Es ist Dein Leben, ich kann nicht für Dich entscheiden. Es können noch so viele dafür oder dagegen sein, es ist Dein Leben, Du musst mit den Konsequenzen, positiv oder negativ, Deiner Entscheidung leben, nicht ich, nicht andere, sondern Du. Wichtig ist nicht, was ich denke oder meine, sondern was Du denkst oder meinst.

    Du fragst:

    Zitat

    Aber ist es ein Alkoholiker wert,sein gesamtes Hab und gut über bord zu werfen und zu gehen?

    Gleichzeitig schreibst Du:

    Zitat

    Wir streiten meist so sehr,das es mir danach ziemlich schlecht geht(Blutungen usw)
    Und ich weiß ehrlich gesagt nicht ,ob ich das noch länger so aushalte.

    Zitat

    Mein Selbstwertgefühl ist schon sowas von am Boden,das schon alltägliche dinge die Frage mit sich bringen,wie zbsp. kann ich das so machen,das es ja keinen ärger gibt.zbsp.mal alleine einkaufen ohne sich vorwürfe anhören zu müssen wie:Sprit kostet ja kein Geld und andere müssen ja nicht einkaufen.Sogar NEuanschaffungen wie kindersachen.

    Zitat

    Meine Mutter sagt ,ich hätte mich sehr verändert(ich war sonst immer (lebensfroh,humorvoll,spontan,mutig),was auch stimmt,ich aber nicht meinen eltern gegenüber zugeben kann,weil denen das herz zerreissen würde.

    Ich frage Dich was ist Dir ein gesundes Kind wert? Was bist Du Dir selbst wert? Was ist Dir Dein Leben wert?

    Zitat

    Ich bewundere die Menschen,die trotz einer Alkoholerkrankung in der Familie sich selbst treu geblieben sind und ihren weg gehen.

    Das ist ihnen auch nicht unbedingt leicht gefallen und ist mit Sicherheit auch nicht ohne Opfer, Selbstzweifel und Zukunftsängste abgegangen. Wenn man etwas haben will, muss man auch schon mal etwas wagen. Das wenigste im Leben bekommt man ohne etwas dafür zu tun.

    Zitat

    Denn mein weg ist das schon lange nicht mehr,aber die Richtung zuändern gestaltet sich schwieriger denn je.

    Wo ein wirklicher Wille ist, ist immer auch ein Weg.

    Gruß
    Skye

    Hallo Zampano,

    willkommen im Forum. Was Du schreibst und beschreibst haben wir alle auf die eine oder andere Art erlebt. Wir sind in Alkoholikerfamilien groß geworden. Wir sind so wie wir sind vollkommen normal.

    Deine Zeilen zu lesen macht mich betroffen. Ich werde an mich erinnert, wie ich gelitten habe, wie ich verzweifelt versucht habe mir zur erklären, wie aus meiner fröhlichen, liebevollen, humorvollen und intelligenten Mutter so ein Wrack werden konnte. Es hat lange gedauert, ich habe mich dagegen gewehrt, aber letztendlich musste ich einsehen, es gibt keine Gründe zu saufen. Es gibt für alles eine Lösung im Leben, manche sind nicht einfach, manche schmerzhaft, aber es gibt Lösungen. Sich zu betrinken ist keine Lösung, es ist Flucht, es ist eine Weigerung sich seinen Problemen zu stellen.

    Meine Mutter hatte kein einfaches Leben, es gab eine Menge „weils“ die ich gefunden habe, warum sie meiner Meinung nach getrunken hat. Am Ende lief es jedoch darauf hinaus, sie hat getrunken weil sie wollte, das war das einzige „weil“ das zählte. Meine Mutter war nicht das hilflose Wesen als das ich sie lange gesehen habe. Es gab zu jeder Zeit Hilfe für sie, sie hatte sie auch schon gefunden, sie hätte sie nur noch annehmen müssen. Was sie nicht tat, eben weil sie, warum auch immer, die Flucht dem Leben vorgezogen hat, weil sie trinken wollte.

    Ich weiß nicht wie ich es anders verpacken soll, als so mit der Tür ins Haus zu fallen, aber niemand anderes ist Schuld das Deine Mutter abhängig ist, als Deine Mutter selbst. Ebenso wenig wie man meine Mutter gezwungen hat zu trinken, hat man Deine gezwungen. Ein Alkoholiker der trinken will, wird trinken. Da kann man noch so lange auf ihn einreden, auf ihn eingehen, ihn bekümmern, es bringt nichts. Er trinkt so lang er will, der Alkohol gibt ihm etwas, das man als Nichtabhängiger nicht verstehen kann.

    Deine Oma ist das was man eine Co-Abhängige nennt. Sie ist selbst krank und nicht unbedingt in der Lage zu sehen, dass das was sie getan hat, Deine Mutter zu unterstützen, das Mäntelchen des Schweigens über ihre Sucht zu legen, ihrer Tochter nicht geholfen hat und nicht helfen wird. Gleiches gilt für Deine Tante.

    Was Dein Vater getan hat, war sicherlich nicht in Ordnung, aber auch das ist kein Grund zu saufen. Mein Ex-Mann hat alles gevögelt was 2 Min. still gestanden hat und die Frechheit besessen, mir einen Teil dieser Frauen auch noch vorzustellen. Irgendwann habe ich es erfahren bzw. den Kopf aus dem Sand gezogen, in den ich ihn gesteckt hatte, weil ich schon ahnte das es da etwas gab, dass ich eigentlich nicht wissen wollte. Glaub mir das macht, freundlich ausgedrückt, kein schönes Gefühl derart betrogen, vorgeführt und respektlos behandelt zu werden. Ich habe die Trümmer genommen, sie entsorgt und mir ein neues Leben aufgebaut. Ich habe nicht gesoffen, nur als Beispiel und davon gibt es sicherlich noch mehr. So wie es noch mehr Menschen mit noch mehr und noch größeren Problemen gibt, sie alle trinken nicht sondern suchen nach Lösungen. Egal wie es im Leben kommt, es gibt keine Gründe zu saufen, es gibt nur Ausreden warum man es tut.

    Ich kann verstehen, dass Du nach einem Grund suchst, sei es weil Du eine Erklärung für Dich willst, weil Du versuchst zu begreifen. Es ist nicht leicht mit anzusehen, wie sich die eigene Mutter langsam auf Raten umbringt und sich bis zur Unkenntlichkeit verändert, vom eigenen Leid mal ganz zu schweigen. Denn das ist es was uns letztendlich alle dazu getrieben hat uns auf den Weg zu machen und uns mit dem Warum, mit unserer Kindheit auseinander zu setzten, unser eigenes Leid.

    Alkoholismus und Co-Abhängigkeit sind nicht immer unbedingt leicht zu begreifen, weil beiden etwas Grundlegendes fehlt, Logik, die gibt es bei beiden nicht. Anfangs hatte ich das Gefühl immer nur wieder gegen eine Wand zu rennen. Egal wie ich mir etwas erklärte, rumms ab vor die nächste. Ich habe mir oft eine blutige Nase geholt, bis ich die zwei grundlegenden Dinge eingesehen und begriffen habe, es gibt keine Gründe zu saufen und weder ich noch andere können helfen. Helfen kann sich der Alkoholiker nur selbst.

    Vielleicht liest Du Dich hier mal ein wenig durch, in allen Bereichen. Es gibt hier eine Menge Lebensgeschichten und Berichte von denen ich denke, dass sie Dir helfen können zu verstehen was da in Deiner Kindheit abgelaufen ist.

    Gruß
    Skye

    Hallo Pingpong,

    willkommen im Forum. Interessanter Nick.....

    Zitat

    Ich liebe meine Mutter, ich kann ihr nicht sagen, sie soll mich mit dem Zeug zufrieden lassen.

    Doch das kannst Du, wenn Du willst. Es gibt nichts, was von der Sache her dagegen spricht. Du bist Ihre Tochter, nicht ihre Mutter. Sicherlich kann man sich gegenseitig von Sorgen erzählen, was ganz anderes ist es aber wenn eine Mutter ihren ganzen Müll bei ihrem Kind abladen will. Ich habe meine Mutter auch geliebt, aber mich noch mehr. Ich habe darunter gelitten mir immer ihren ganzen Müll anzuhören, mir den Kopf über ihre selbst gemachten Probleme zu zerbrechen und nichts mehr für mich, mein Leben und meine Probleme übrig zu haben. Ich habe sie geliebt und trotzdem habe ich die Mülleimerfunktion bei mir deaktiviert. Sie hatte sich ihre Probleme selbst zuzuschreiben, es war auch an ihr sie zu lösen. Es war ja nicht so, dass sie darüber geredet und etwas dagegen getan hat. Sie hat immer nur geredet, geredet und geredet, geändert hat sie nie etwas, immer waren die anderen Schuld, nie sie. Dass muss man sich nicht immer und immer wieder anhören „nur“ weil es die eigene Mutter ist, auch das hat Grenzen. Die Grenze ist da, wo man selbst anfängt zu leiden und ich denke das tust Du, ebenso wie ich es damals tat.


    Zitat

    Sie hat sonst niemanden zum reden & ich befürchte, dass sie sich sonst noch mehr dem Alkohol zuwendet.

    Wenn sie niemanden hat, ist es an ihr sich jemanden zu suchen. Nur weil man keine Freunde hat muss man seinen Müll nicht bei den eigenen Kindern abladen. Sicher findet man Freunde und Menschen mit denen man reden kann, mit denen man etwas unternehmen kann nicht an jeder Ecke, doch wenn man sie sucht, findet man sie auch.

    Wenn sie sich noch mehr dem Alkohol zuwendet, dann weil sie will, nicht weil Du ihr nicht mehr immer und zu jederzeit zuhörst. Es gibt Lösungen für Probleme, entweder man sucht sie und wird sie dann auch finden oder man läuft vor ihnen weg und trinkt. Ebenso wie Du hierher gefunden hast, gibt es auch für Deine Mutter Hilfsmöglichkeiten. Du hast gesucht und gefunden, dass kann sie auch.

    Zitat

    Bei meiner Tante traue ich mich überhaupt nicht, ans Telefon zu gehen - als Konsequenz habe ich nun immer ihre gelallten Beleidigungen und Vorwürfe auf dem Anrufbeantworter. Ich hätte die Familie im Stich gelassen. Wie kann ich damit umgehen? Ich weiß nicht, was die richtige Verhaltensweise ist...

    Du kannst ihr sagen, dass sie das lassen soll, was höchstwahrscheinlich nicht viel bringen wird. Du kannst Dir eine neue Telefonnummer geben lassen, aber wahrscheinlich wird sie sie wohl über Deine Eltern rausfinden. Das beste ist, sie zu ignorieren und die Nachrichten zu löschen. Deine Tante ist ebenso erwachsen wie Deine Eltern und fähig für sich selbst zu sorgen. Wenn sie nicht mehr trinken will, kann sie Hilfe bekommen. Sie muss sie nur suchen, sie ist leicht zu finden in diesem Land, sucht sie nicht, will sie trinken, Dein Onkel hat damit nichts zu tun. Wenn sie eine Lösung finden will, wird sie es tun.

    Du hast Deine Familie nicht im Stich gelassen, Deine Familie hat sich selbst im Stich gelassen. Ich könnte mir vorstellen, dass da auch eine Portion Missgunst und Selbstmitleid mit im Spiel ist. Du bist weggezogen, stellst Dich auf eigene Füße, änderst etwas. Vielleicht wollen sie das auch haben, aber scheinbar wollen sie, im Gegensatz zu Dir, nichts dafür tun. Ist nur eine Vermutung, aber eine Möglichkeit. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.

    Zitat

    Es tut einfach so unglaublich weh mitanzusehen, wie die Menschen, die ich liebe, sich immer weiter zerstören und nichts dagegen tun zu können.

    Das kenne ich, mir ist es auch nicht anders ergangen bzw. es ergeht mir nicht anders. Das ist auch vollkommen normal, dass einem so etwas nicht im Hemd stecken bleibt. Es bleibt aber nichts weiter, als mit diesem Schmerz leben zu lernen. Man kann es lernen, man kann loslassen.

    Mir ist es schwer gefallen, meine Mutter, meine Eltern loszulassen, obwohl ich gesehen habe, dass sie in ihr eigenes Unglück rennen. Ich habe die Knöpfe die sie all die Jahre gedrückt haben damit ich funktioniere einen nach dem anderen abgebaut. Ich wollte nicht mehr für sie und ihren Unwillen etwas zu ändern funktionieren. Sie waren bzw. sind erwachsen, fähig für sich selbst zu sorgen. Das habe ich mir immer wieder gesagt und irgendwann ist es auch angekommen, weil es einfach so ist. Sie hätten etwas ändern können, wenn sie gewollt hätten, sie haben es nicht getan, also wollten sie nicht. Ich konnte sie nicht zwingen. Mit der Zeit konnte ich mit dieser Einstellung auch wesentlich entspannter mit ihnen umgehen, damit ging es auch mir besser. Irgendwann hatten sie begriffen, dass ich nicht so funktioniere wie all die Jahre zuvor. Mir ging es damit wesentlich besser, obwohl die Situation nicht besser, sondern immer schlimmer geworden war. Mein Mutter hat mir mal ein großes Kompliment gemacht, obwohl es sicherlich nicht als solches gemeint war. Sie sagte, ich wäre so rigoros geworden, da wusste ich, ich hatte was geschafft. Ich hatte geschafft, dass sie mein nein ernst nahm.

    Es ist nichts verkehrtes daran, dass Du für Dich sorgst und Dein Wohl vor das Deiner Mutter, Deiner Eltern, Deiner Familie stellst. Das für Dich sorgst und Dich an erste Stelle stellst heißt ja nicht, dass Du sie nicht liebst. Ich hatte es an anderer Stelle schon geschrieben, Liebe ist nicht Selbstaufgabe.

    Gruß
    Skye

    Hallo Marina,

    Psychosomatik kann sehr weit gehen. Mir schlagen Probleme und Belastungen immer mehr oder weniger heftig auf die Verdauungsorgane. Was Du beschreibst halte ich nicht für normal und schon garnicht für gesund, vollkommen egal ob das nun psychosomatisch bedingt ist oder nicht. Das ist etwas für einen Arzt, wir haben jetzt Mittwochabend. Nach meiner Rechnung bleiben da vorm Wochenende noch 2 Tage um zum Arzt zu gehen.
    Durchfall und Blut im Stuhl ist eine sehr schlechte Kombination, die ein Arzt begutachten sollte. Wir sind hier keine Ärzte und selbst wenn, Ferndiagnosen kann keiner stellen.
    Nimm Dich selbst ernst und gehe zu Arzt. Deine Gesundheit sollte Dir eine eventuelle Wartezeit wert sein.

    Gruß
    Skye

    Hallo Lady,

    Zitat

    aber trotzallem habe ich Angst davor das jemand über meine Mutter schlecht spricht

    Das kenne ich, dass ging mir so als sie noch lebte und das geht mir heute noch so. Allerdings gibt und gab es für mich da große Unterschiede. Das eine sind Tatsachen, auch wenn man sie nicht hören will, etwas anderes sind Lästereien oder als wohlmeinende Ratschläge verpackte Urteile.

    Es ist eine Sache die reine Tatsache auszusprechen, dass meine Mutter eine Alkoholikerin war. Das war sie und dafür, die Wahrheit auszusprechen braucht sich niemand zu schämen und schön lügen muss das auch niemand, dass ändert die Wahrheit nicht. Fakt war, sie war schwerstabhängig. Sie hat im Suff viele Menschen vor den Kopf gestoßen und beleidigt. Das diese Menschen ihr nach diversen Vorfällen nicht mehr freundlich gesonnen waren, ist nicht verwunderlich. Auch wenn man betrunken ist hat man andere nicht anzugehen und muss mit den Konsequenzen leben wenn man es trotzdem tut. Ich lasse mich auch nicht beleidigen, egal ob mein Gegenüber nüchtern oder betrunken ist, die Ausrede lasse ich nicht gelten. Dementsprechend fiel das was sie sagten auch nicht unbedingt positiv aus, tat mir zwar weh, aber das konnte ich ihnen nicht übel nehmen.
    Worauf ich nach wie vor allergisch reagiere sind Urteile über sie und ihr Leben. Niemand hat das Recht über das Leben eines anderen zu urteilen, nicht über meines, nicht über ihres. Schon gar nicht wenn man nur einen Bruchteil davon kennt.

    Deine Mutter ist Alkoholikerin, auch wenn Dir das wehtut, auch wenn Dir das Angst macht, es tot zu schweigen ändert nichts daran.

    Zitat

    ich meine ich liebe meine Mama und es ist mir sehr wichtig sie dabei zu haben und nein es würde mir zu schlecht gehen wenn sie nicht dabei wäre.

    Deine Mutter ist abhängig und sie scheint auch nichts daran ändern zu wollen, wenn ich Dich richtig verstanden habe. Das heißt, wenn Du sie dabei haben willst, musst Du damit rechnen, dass sie betrunken ist. Wie wird es Dir dann gehen?
    Ein Alkoholiker kann nur trocken werden, wenn er es für sich will. Er kann nur für sich aufhören, nicht für andere. Du kannst zwar erwarten, dass sie den Tag für Dich nüchtern ist, wenn sie es aber für sich nicht will, dann wird sie es nicht sein. Erwarten kann man viel, ob man es bekommt, weiß man nicht. Erwartungen bergen immer das große Risiko enttäuscht zu werden.
    Du wirst eine Entscheidung treffen müssen. Willst Du sie dabei haben und das Risiko eingehen, dass sie betrunken ist? Oder willst Du sie nicht dabei haben, dann zwar ohne Deine Mutter heiraten, aber sicher sein, dass sie Deine unter Umständen betrunkene Mutter nicht Deine Hochzeit ruiniert? Es einfach laufen zu lassen und das Beste zu hoffen, ist auch eine Entscheidung, die Entscheidung nichts zu tun. Wie auch immer es steht eine Entscheidung für Dich an. Du kannst ihr nur ausweichen, wenn Du die Hochzeit absagst, was Du wohl nicht willst.

    Zitat

    denn sie weiß es ja selbst und bereut es jeden Tag und das versucht sie halt mit dem Alkohol zu vergessen .

    Lady es gibt keine Gründe zu saufen, Du musst keine Entschuldigungen für Deine Mutter finden. Sie trinkt, weil sie will. Es gibt Hilfe, sie weiß wo sie sie bekommen kann, sie muss sie nur annehmen, tut sie es nicht, will sie, warum auch immer, trinken. Nicht jeder Mensch der Probleme hat trinkt, es gibt also auch andere Wege, es gibt Lösungen. Mit trinken löst man keine Probleme, man schafft nur neue und die alten sind immer noch da.

    Du erwartest immer wieder, dass sie für Dich nichts trinkt, weil Dir es etwas bedeuten würde. Deine Mutter trinkt nicht, weil sie Dich nicht liebt, sondern weil sie sich selbst nicht liebt. Sie lügt nicht weil, sie Dich belügt, sondern weil sie sich selbst belügt. Belügen muss, sonst müsste Sie trocken werden und das will sie nicht, weil sie glaubt, dass der Alkohol ihr etwas gibt ohne das zu leben sie nicht bereit ist. So funktioniert Sucht, bar jeder Logik und lebensbedrohlich. Du kannst sie nicht retten. Solange sie sich selbst nicht wert genug ist aufzuhören, wird sie es nicht tun, dass hat mit Dir überhaupt nichts zu tun. Weder bist Du Schuld das sie trinkt, noch kannst Du etwas daran ändern, es ist ganz allein ihr Ding. Ebenso wie es ihr Ding ist, wenn sie sich durch ihre Sucht immer weiter isoliert.

    Seit 1,5 Jahren bist Du hier angemeldet, in dieser Zeit schwankst ständig zwischen Hoffen und Bangen. Das tut Dir nicht gut, wie Dir Dein Körper mitteilt und Du verschwendest damit Deine Lebenszeit in der Du zufrieden und glücklich sein könntest. Deine Mutter ist erwachsen, lass sie alleine laufen, sie kann für sich selbst sorgen, wenn sie will. Lass sie los....

    Ich habe meine Mutter auch geliebt, trotz allem was gewesen ist. Ich bin bei dem vergeblichen Versuch ihr zu helfen zu wollen fast selbst mit dabei drauf gegangen. Ich habe sie losgelassen, um mich zu retten, ich habe sie trotzdem weiterhin geliebt, aber ich habe sie losgelassen. Liebe heißt nicht Selbstaufgabe.

    Gruß
    Skye

    Hallo Stirling,

    ich bin nicht empfindlich, ich finde diesen Wortwechsel nur sehr respektlos und nicht nett umschreibend:

    Zitat

    Ja, wenn er Nüchtern ist...ist das alles kein Problem mehr. Dann ist er sehr Handzahm

    Zitat

    Entschuldige, ich musste gerade über das Handzahm lachen...
    Wie irgendein Tier
    Bei all dem Elend muss man auch mal lachen können oder???

    Zitat

    klar...lachen ist wie Medizin...hoffe auch das es so harmlos von statten geht

    Zitat

    ja klar... aber so ist es...er endzieht ja gerade, sein pegel singt und schon verwandelt er sich in ein Hündchen *grins*

    Ich kann da nicht drüber lachen. Ich habe mit Sicherheit einen ziemlich schwarzen Humor, aber so dunkel, dass ich das komisch finde ist er nicht. Das hat für mich nichts mit beschreiben einer Situation zu tun unter der man leidet, auf mich wirkt das anders.

    Gruß
    Skye