Das kenne ich auch alles, meine Mutter ist immer noch stolz darauf, bei ihren Männern ausgehalten zu haben. Sie wäre noch mit dem Letzten zusammen, wenn er nicht frühzeitig durch seine Alkohlkrankheit gegangen wäre. Sie meint, nicht so empfindlich zu sein wie ich, bei ihr ging es hier rein und dort raus...))) Sie fühlt sich als nette u. gute Frau und nicht als eine Freche, das sind in ihren Augen diejenigen mit eigener Meinung.
Und dann der liebe Bekanntenkreis, so nach dem Motto hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau. Wenn der nun aber säuft, muss es an der Frau liegen, weil sie sich nicht genügend kümmert, bzw. aufpasst, wie oft ich das gehört habe. Andere Frauen meinten, Du bist viel zu weich und gutmütig, ich hätte den im Griff!
Mir ging die ganze Zeit ein Satz von S. Käferchen nicht mehr aus dem Kopf, er lautet: ein klares Ja zu mir und ein klares Nein zum Alkohol.
Dieses klare Ja hatte ich nicht, vielmehr habe ich mich mit einem Kompromiss arrangiert. Der zeitweise zufriedenstellend wirkte. Fragte mich, wieso liebe ich einen Mann, der mich teilweise leidenschaftlich liebt für ein paar schöne Tage, dann folgen Ausbrüche gepaart mit Beleidigungen. Wenn eine andere Frau mich derart beleidigen würde, hätte ich keine Sympathie für sie.
Nachdem der Meinige nun am Wochenende unbegründeten Streit anfing und anschließend tief beleidigt zu einer befreundeten Afrikanerin in die Wohnung lief, um sich dort in ihrem Bett auszuschlafen, mich später anrief, um mich davon in Kenntnis zu setzen, weil es Frechheiten von meiner Seite aus gegeben hätte, war für mich das Maß voll. Ich habe kurz entschlossen gesagt, er solle seine letzten Sachen hier abholen und gleich dort bleiben.
Nun spielt er den Beleidigten mit dem Vorwurf, ich hätte ihn in die Obdachlosigkeit getrieben und will auch mit mir nichts mehr zu tun haben!
Einen Tag lang war ich wütend, traurig und unsinngerweise auch enttäuscht, was habe ich anderes erwartet?
Als ich gestern nach dem Besuch meines Sohnes durch das Krankenhausgelände lief, kamen Gedanken hoch, dass in diesen Gebäuden viele Menschen liegen, die nichts weiter als ihr Leben begehren. Und ich? habe ich nicht mein Leben und bin auch noch gesund! Kann alles, was mir beliebt, mit dem Rest des Abends anfangen, bin frei und eigenverantwortlich, auch sorgenlos. Keine Verpflichtungen mehr, keinen Kummer, keinen Stress, keine destruktiven Vorwürfe. Es war, als würde mich eine Kraft durchdringen, sie zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht, und ich ging festen Schrittes aufrecht in mein neues unbekanntes Leben. Habe für meinen Enkelsohn eine hübsche Geburtstagskarte besorgt und mir beim Asiaten gebratene Nudeln mitgenommen. Zu Hause als kleine Zereomonie mit vielen Kerzen genussvoll verspeist. Diese Stimmung hielt den ganzen Abend an.
Eine leichte Traurigkeit ist noch vorhanden, es macht sich im Gegenzug eine große Erleichterung breit.
Nachts im Bett gingen mir Gedanken durch den Kopf, wie ein passender Mann sein sollte, es stellt sich auch für mich die Frage, ob ich überhaupt noch beziehungsfähig bin?
Lieben Gruß Laurina 