Beiträge von Laurina5

    Ich möchte mich auch gerne dazugesellen.

    Zielführend war bei mir anfangs der Besuch einer Angehörigengruppe, in der ich mich richtig wohlfühlte. Diese fand ich nicht sofort, aber nach ein paar Anläufen. In meiner Gruppe konnte ich die Genesung Anderer beobachten und daran teilhaben. Es war erstaunlich, wie sich aus verzweifelten Menschen nach und nach gestärkte Persönlichkeiten entwickelten. Mir hatte niemals Jemand gesagt, ich müsse mich trennen. Es passierte einfach und war irgendwann reif, und zwar in dem Moment, als ich keine Argumente mehr fürs Bleiben fand. Inzwischen war ich ein Stück gewachsen und konnte nicht mehr zu einer Beziehung mit einem nassen Alkoholiker stehen. Es folgten Angehörigenseminare und gemeinsame Wochenenden. Man wird verstanden und fängt an zu verstehen, dass es auch ein anderes Leben gibt. Wenn z.B. jeder so sein kann, wie er gerade ist, wenn man gemeinsam spricht, singt, tanzt und kreativ wird. Dass Abende ganz fröhlich mit Gesang und Tanz gefeiert werden können, und zwar ganz ohne Alkohol. Schließlich fühlte ich mich nicht mehr mit Bekannten wohl, die ihre Freizeit in der Kneipe verbringen, sondern fühlte mich immer mehr zur anderen Seite hingezogen. Auch für dieses Jahr habe ich mir wieder ein paar Seminare vorgemerkt, an denen ich gerne teilnehmen möchte. Die Auseinandersetzungen mit sich selbst und die innere Einkehr kosten zwar jedes Mal wieder viel Kraft, aber sie bringen mich auf meinem Weg immer wieder ein Stück weiter, heute möchte ich das nicht mehr missen und nicht mehr zurück.
    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Liebe Grazia,

    vielleicht schaffts Du es weitaus früher mit Hilfe eines so aufgeschlossenen und reifen Partners an Deiner Seite. Es kommt hinzu, dass wir Frauen uns oft innerlich schon weitaus früher trennen, bis es dann tatsächlich zum Vollzug kommt. :wink:

    Mir hat u.a. folgendes geholfen. Ich habe mich hingesetzt und mir gesagt, ich bin bereit, meine ganze Traurigkeit zu fühlen und meine Wut zu spüren, habe richtig darauf gewartet, dann tat sich nichts. Aber wenn ich diese Gefühle nicht wollte und versuchte sie zu unterdrücken, dann kamen sie hoch und ließen sich nicht steuern. Sie sind auch hochgekommen, wenn ich in Wut, Haß und Selbstmitleid nur so schwelgte und es genoß, mich selbst zu quälen, und immer wieder die Verletzungen abspulte. Das wird mit der Zeit tatsächlich weniger und ebbt ab. Bei einer netten Liebesschnulze kann man sich auch ordentlich über sein eigenes Leid ausweinen. Und niemals vergessen, dass wir uns schließlich dafür zur Verfügung gestellt haben.


    Alles Gute und lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo Grazia,

    ein Mitglied aus meiner Gruppe schrieb mir mal in einer Mail, dass die Trauerzeit über eine verlorene Beziehung in etwa die Hälfte der miteinander verbundenen Zeit dauert. Es soll leichter mit der Zeit werden, aber die Zeit bis zur vollständigen Ablösung habe tatsächlich solange gebraucht. Ihr hat sehr geholfen, sich den Gedanken eigen zu machen, dass jemanden lieben, bedeutet zu wollen, dass es dem anderen gut geht...egal wie und mit wem. Sie konnte ihm das Recht einräumen, sein Leben so zu gestalten, wie es für ihn gut ist, auch wenn das ohne sie ist, und sie muss nicht aufhören, ihn weiterhin lieb zu haben. Das hat mir so gut gefallen, ich finde es hier passend, darum habe ich es für Dich herausgesucht.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo Lucy,

    ich bin auch erst in die Selbsthilfe gegangen, als ich bereits saft- und kraftlos war, völlig erschöpft, ausgelaugt und mit den Nerven am Ende. Das ist wohl der übliche Weg. Erinnere mich gut daran, wie traurig und bitter ich damals war. Völlig empört ging ich in eine Selbsthilfegruppe und berichtete, mein Partner trinkt. Erwartet habe ich Mitgefühl und ein Patentrezept, ihn vom Trinken fernzuhalten. Statt dessen sagte die Leiterin, er trinkt, nun gut, dass ist doch sein gutes Recht, wenn er sich dafür entschieden hat. Das war alles? was konnte ich dem entgegen setzen? Natürlich hatte ich ihn auch kontrolliert, Schnaps weggeschüttet, beleidigt gewesen, wenn er wieder mal zu lange in der Kneipe war, Vorwürfe gemacht, Versprechen angenommen, dass alles besser wird, ihm auch Weinschorle besorgt, weil er von den harten Getränken weg wollte, an der Wodkaflasche machte ich sogar kleine Kennzeichen. Ich glaubte tatsächlich, es kontrollieren zu können und wurde nun gefragt, warum ich ihn nicht einfach trinken lasse. Dann kam die Frage auf mich, wie es mir geht und was ich Gutes für mich tue, mir ging es beschissen, ich brach in Tränen aus und konnte kaum sprechen - und Gutes für mich? Das hatte ich vergessen, schließlich war ich nur mit ihm und seiner Problematik beschäftigt, das hielt mich auf Trab. In dieser Zeit haben sich zwei Freundinnen von mir abgewandt, weil ich in seinen Problemen gefangen war und es nicht mal bemerkte. Meine Entwicklung ging Schritt für Schritt, eine Verhaltenstherapie und regelmäßige Gruppenbesuche gaben mir eines Tages die Kraft, mich von ihm zu trennen und meinen Weg allein weiter zu gehen. Irgendwann war es für mich nicht mehr stimmig, mit einem nassen A. zusammen zu sein, da konnte ich nicht mehr hinter stehen. Selbstverständlich hatte ich auch meine Rückschritte, die mir aber bewusst wurden, ich konnte sie sozusagen von außen betrachten und war nicht mehr in ihnen gefangen. Je bewusster ich sie mir einräumte, desto schneller konnten sie auch wieder von mir gehen. Wir haben manchmal in der Gruppe herzhaft über unser Rückschritte lachen können. Co.-Abhängigkeit ist eine Lebensaufgabe, sie ist nicht einfach abzustreifen wie ein alter Schuh. Auch wenn ich mich heute nicht mehr auf einen nassen A. einlassen würde, kann ich mich immer noch in anderen Bereichen meinen Mitmenschen gegenüber co.-abhängig verhalten. Von daher war es durch die Trennung allein noch nicht geschafft. Wir haben auch welche in der Gruppe, die, wenn sie sich getrennt haben oder der Partner frisch trocken ist, nicht mehr erscheinen. Die meisten kommen wieder, das ist alles freiwillig.
    Ich gehe weiterhin regelmäßig in meine Gruppe, auch dann, wenn es mir gut geht, es gibt immer wieder etwas zu lernen und neue Einsichten bezüglich meiner Verhaltensmuster zu entdecken. In der Gruppe ist auch erkennbar, wo man gerade steht, unsere Leiterin findet immer etwas, sich dann die Ursache anzusehen und neue Möglichkeiten auszuprobieren, das bleibt spannend. Vor ein paar Jahren war ich depressiv, heute bin ich wieder eine lebenslustige Frau, fühle mich stark und offen für neue Erfahrungen. Das habe ich mit kontinuierlichem Dranbleiben geschafft. Zudem eine ganz neue Erfahrung, wie herrlich man feiern und tanzen kann ganz ohne Alkohol. Du stehst am Anfang des Weges, da standen wir alle mal, ich wünsche Dir Kraft und den Mut für einen kleinen Anfang, es lohnt sich!

    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Ich möchte mich gerne auf Karstens Antwort beziehen.

    Wege aus der Co.-Abhängig ist knallharte Arbeit, verbunden mit Schmerz und Konfrontation. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn Dein Partner es schafft, daran sollte er selbst glauben, vor allem es selbst wollen. Der Weg aus der Alkoholabhängigkeit ist auch nicht mit Rosen gepflastert.

    Als Partner/in wollen wir alle gerne daran glauben, nur ist die Enttäuschung um so größer, wenn er/sie es nicht schafft. Allein mit dem Glauben an die Veränderung ist es leider nicht getan, das wäre zu schön, um wahr zu sein. In beiden Fällen -ob er es schafft oder nicht- ist es nicht nur ratsam, sondern dringend erforderlich, für sich selbst etwas zu tun. Ansonsten bleibt man in der Rolle der Co.-Abhängigen, passend zum nassen Trinker, auch anderen Suchtabhängigen oder unpassend zum Genesenden. Ich will hier niemanden den Glauben oder die Hoffnung nehmen, sondern von der Realität schreiben, es geht nicht allein darum, dass Glaube Berge versetzt, sondern es geht hier um ernsthafte Erkrankungen, die behandlungsbedürftig sind, ansonsten zerstört man sich gegenseitig in der abhängigen Sucht, vor allem auch sich selbst mit der Folge, dass vorerst psychosomatische Störungen auftreten, die sich später zu ernsthaften Erkrankungen entwickeln können.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Mir tut es gut, mich mit Menschen zu umgeben, die auf dem Weg der Genesung sind. Vor allem der Austausch mit ihnen.

    Wenn ich mich auf meine positiven Eigenschaften besinne und mir bewusst mache, was ich alles kann und schon geschafft habe.

    Authentisch sein, bei mir bleiben, meine Interessen vertreten.
    Mich abgrenzen, mal alllein sein. Anspruchsvoller geworden zu sein.
    Meine liebevolle Tanzgruppe und das Tanzen sowieso.


    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo RosaLi,

    ich kann gut verstehen, dass Du Hoffnung haben möchtest. Aus all Deinen Worten spricht die Sorge um die Entwicklung Deines Partners. Mir sind ganz verschiedene Entwicklungen bekannt. In meiner Tanzgruppe z.B. sind zwei ehemalige Trinker, die seit 15 Jahren trocken sind und ihr Leben zufrieden aktiv gut im Griff haben, sie würden nicht wieder zurück wollen. Andere lassen sich in der Suchtberatung ausbilden und leiten heute selbst eine Gruppe. In meiner SHG ist eine Frau aktiv, deren Mann ein unzufriedener Trockener ist, er kommt damit nicht klar, geht ungern in seine Gruppe, mehr oder weniger aus einem Pflichtgefühl heraus, er muss quasi trocken bleiben, damit seine Frau ihn nicht verlässt. Im Bekanntenkreis kenne ich einige, die immer wieder Entzüge und Threapien machen, zeitweise trocken sind, dann wieder rückfällig werden. Die Wege sind individuell ganz verschieden, Einige schaffen diesen Schritt, andere fallen immer wieder zurück und brauchen Jahre oder schaffen es nie. Ich möchte Dir gerne die Illussion nehmen, dass mit einem einmaligen Entzug wirklich alles geschafft ist. Nach dem Entzug verändern sie sich, sind auch mal schroff, abweisend und nörgelig, erst später, wenn sie zu sich finden und innerlich ausgeglichener und zufriedener werden, ist ein normaler Austausch/Kontakt wieder möglich, das braucht alles seine Zeit. Ich habe auch schon Co.-Abhängige sagen hören, der ist nun trocken so blöde, manchmal wünschte ich mir, er würde wieder was trinken! Aus meiner Erfahrung war es so, dass die meisten sich trennten und nicht wieder zueinander fanden. Dort, wo es gelang, gemeinsam zu wachsen und wieder zueinander zu finden, das sind leider eher die Ausnahmen. In den meisten Fällen waren die Verletzungen zu groß, um vergeben zu können. Im umgekehrten Fall kann es auch vorkommen, dass ein Trockener nicht mehr mit seiner Co.-Frau leben kann und möchte.
    Dir wird nichts anderes übrig bleiben, als Deinen Partner seinen Weg gehen zu lassen mit einem ungewissen Ergebnis. Diese Zeit kannst Du für Dich nutzen, nur das ist im Moment relevant, nicht seine Entwicklung. Wenn es bei anderen funktionierte, muss es nicht überall so sein. Natürlich will ich Dir nicht alle Hoffnung nehmen, nur darauf hinweisen, dass Du jetzt wichtig bist, welchen Weg und welche Möglichkeiten Du dafür wählst, bleibt natürlich Dir überlassen. Sicher wirst Du hier schon gelesen haben, was Co.-Abhängigkeit beeinhaltet und welche Wege da heraus helfen. Der erste Schritt fängt immer bei sich selbst an. Alles Gute und viel Kraft wünsche ich Dir.
    Lieben Gruß Laurina

    Ich kann mich Martha anschließen, auch mein Partner war mein Spiegel. Durch ihn habe ich viele nette neue Menschen durch meine Angehörigengruppe und auch in Foren kennengelernt. Zu dem kann ich das Buch von Dr. Barbara Kiesling "Der Andere ist nicht die Hölle" empfehlen, auch hier geht es um Selbstreflexion und Eigenverantwortung.

    Lieben Gruß Sensiva :wink:

    Liebe Lavendel,

    Dein Beitrag ist schön zu lesen, er berührt mich sehr. Zeigt er doch auf und macht Mut, dass wir nicht in der Co.-Abhängigkeit verharren müssen, sondern dass es andere, neue Wege gibt, um ein lebenswertes Leben zu genießen. Ich musste dafür durch viele leidvolle Erfahrungen durch, um das zu begreifen. Heute, ich bin vor zwei Tagen 60 geworden, habe ich mit meinem neuen Lebensgefährten keine Probleme mehr, ich weiß schon fast nicht mehr, wie das war, täglich zu grübeln, verletzt zu sein und sich Probleme anzueignen, die außerhalb von mir lagen. Ich werde nun als Frau gesehen, begehrt und wahrgenommen, für meinen Freund bin ich wichtig und in Ordnung so wie ich bin, ohne mich zu verstellen und um Liebe und Anerkennung kämpfen zu müssen. Zum Jahreswechsel bekam ich einen großen Strauß roter Rosen, und zum Geburstag eine zarte Silberkette mit einem Anhänger und einer persönlichen Widmung. Wir haben viele Pläne, gehen im Januar auch noch zu einem Konzert. Das Leben ist wieder bunt und lebenswert. Ein Urlaub ist in diesem Jahr auch geplant, seinen Geburtstag werden wir in der Türkei feiern. Es lebt sich herrlich unbeschwert ohne diese Alkoholbelastungen und Verletzungen im Kopf, aber das kannte ich vorher ja nicht. Meine Tochter empfand die erste Begegnung mit meinem Freund sehr nett, auch sie freut sich natürlich für mich. Ich bin wieder offen, aktiv und am Geschehen interessiert, eine ganz andere Persönlichkeit als zuvor, wo ich in Probleme verstrickt war. Heute würde ich dieses neue Leben nicht mehr eintauschen wollen gegen ein Leben, wo er tagtäglich nur in der Kneipe saß und weder an mir noch an meinem Leben interessiert war. Selbst wenn meine derzeitige Beziehung in die Brüche gehen sollte, hätte ein nasser Alkoholiker heute bei mir keine Chance mehr, das würde ich mir nicht mehr antun. Ich möchte allen Verzagten und Verzweifelten Mut machen, an ihrer Co.-Abhängigkeit zu arbeiten, immer wieder, auch mit Rückfällen, es gibt Hoffnung und einen Weg, da heraus zu kommen.

    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Hallo Martha,

    danke für Deine Gedankengänge, die mir sehr nahe kommen.

    Ich habe mein Gedankenmuster verändert, in dem mir klar wurde, dass ich diejenige war, die genau diese Erfahrungen brauchte, folglich mit dem Alkoholiker psychisch auf einer Ebene war. In dem ich das annehmen konnte, konnte ich mich gleichfalls von Gedanken wie Schuld oder Scham befreien. Sicher, am Anfang meiner Entwicklung war er der Bösewicht, der mir das Leben schwer machte und mich verletzte und entsprechende Hilfe suchte ich für ihn. Nach und nach konte ich begreifen, dass er mein Spiegel war, alle meine Projektionen waren auf ihn gerichtet. Was ich an mir selbst nicht mochte und integrieren konnte, richtete ich auf ihn. Folglich brauchte ich mir nicht meine Schattenseiten ansehen, sondern konnte sie gut verdrängen und mich äußerlich als die Gute Märtyrerin darstellen. In dieser Rolle gefiel ich mir sogar, ich habe mit gelogen, manipuliert und verdrängt, war nach ihm und den leidvollen Erfahrungen so süchtig, wie er nach dem Alkohol. Da darf ich nicht bewerten, dass das eine oder andere besser oder schlechter war. Es hatte mich niemand gezwungen, mich aufzugeben oder aufzuopfern, dazu war ich ganz ungeschminkt selbst bereit. Ist es da ein Wunder, dass viele Trockene die noch in der Co.-Abhängigkeit feststeckende Partnerin nicht mehr reizvoll finden oder sie sogar verachten? Eine Partnerin ohne eigenen Willen und ohne eigene Persönlichkeit ist keine Herausforderung, sie war lediglich in der nassen Phase bequem. Und dafür wollen wir unterm Strich auch noch belohnt werden? So funktioniert das nicht. Ich habe lange Zeit in Wut, Haß und Verachtung ihm gegenüber festgesteckt, bis ich soweit war und erkennen durfte, dass es meine eigenen Gefühle waren, sie waren schon in mir vorhanden, ich habe sie aber unterdrückt, nicht ausgelebt und nicht bearbeitet, folglich konnte er sie in mir auf Abruf freisetzen. Wenn ich heute darüber nachdenke, was ich alles angestellt habe und fast gebettelt, um Liebe und Anerkennung von einem Menschen zu bekommen, der nicht dazu in der Lage war, was ich in meiner Phase nicht erkennen konnte, weil ich selbst nicht lieben konnte. Ich wollte aber um jeden Preis geliebt werden und kämpfte einen sinnlosen Kampf. Dieses Eingeständnis tat erstmal sehr weh, so sehr konnte ich mich als einfühlsames Wesen doch nicht getäuscht haben, doch ich hatte mich getäuscht, diese vermeintliche Niederlage wollte ich nicht hinnehmen und mir schon gar nicht eingestehen. Überall suchte ich nach Zeichen und Beweisen, dass dieser Mann mich sehr wohl geliebt hat, das wäre mein innerer Triumph gewesen. Das Loslassen beginnt damit, sich davon zu verabschieden und sich klar zu machen, es so gebraucht zu haben, soll ich mich im Nachhinein für etwas schämen oder gar schuldig fühlen, was für mich als wichtige Entwicklungsstufe nötig war? Vielmehr darf ich heute dankbar sein, dass ich so massiv konfrontiert wurde und mich dieser Schmerz dort hingeführt hat, wo ich heute stehe, anderenfalls hätte ich mich ganz anders weiterentwickelt. Wir Menschen wachsen und reifen an Krisen, sie sind ein Geschenk für uns, was wir aber erst danach erkennen dürfen. In meiner Gruppe durfte ich nach vielen Gesprächen und Auseinandersetzungen mit mir selbst erkennen und auch annehmen, dass der Alkoholiker ein Recht hat zu trinken, weil er sich selbst dafür entschieden hat, für Liebe ist dort wenig Platz, es geht nur darum, das nächste Suchtmittel zu bekommen. Damals wollte ich es schaffen, dass er sich für mich entscheidet, welch ein Trugschluß. Wenn mir heute ein nasser Alkohliker begegnen würde, würde ich nicht mehr kämpfen und analysieren, ich brauche das alles nicht mehr, vielmehr würde ich ihm alles Gute für seinen Weg wünschen. Es steht mir auch nicht mehr zu, ihn zu verachten und zu bewerten, es ist sein Weg. Mir stand es offen, mich für meinen Weg zu entscheiden, und das habe ich getan. An unserer gemeinsamen Zeit waren wir beide gleichfalls beteiligt, sie war notwendig für mich. Ich fühle mich nicht schuldig und schäme mich nicht! Diese Zeit hat mich authentisch gemacht, heute leugne ich nicht mehr, sondern kann ganz offen und ungeschminkt über meine Co.-Abhängigkeit berichten.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Liebe Blaubaerchen,

    es ist positiv, dass Du an diesem Punkt angekommen bist und es Dir bewusst wird. Klar fühlst Du Dich damit erstmal schlecht, weil alles in Dir hoch kommt. Das ist der erste Schritt, wohin er Dich auch immer führen mag. Ich habe in der Beziehung immer alles persönlich genommen, was er gesagt und getan hat. In meiner Phantasie habe ich mir zurecht gelegt, dass ich trotz allem seine große Liebe bin und wir nicht von einander loskommen, wir waren gegenseitig süchtig und abhängig. Wobei ich seine Abhängigkeit von mir sogar genossen habe, damit habe ich mir angemaßt, ich wäre seine Retterin und könnte sein Leben in Ordnung bringen. Aus diesem Traum wurde ich herausgerissen, als mir bewusst wurde, dass er unter Alkoholeinfluss nicht real spricht, handelt und reagiert, er steht unter Einfluss der Droge und das Verhalten ist völlig schizophren. Sie stoßen Dich weg, verletzen Dich und ziehen Dich wieder heran, sie wollen sich schuldig fühlen, um einen Grund zum Trinken zu haben. Klar wird nicht viel gelacht, wenn die Tage aus Problemen bestehen, gerade danach sind wir Co.`s süchtig, nämlich seine Probleme analysieren, damit wir uns nicht mit uns beschäftigen brauchen. Es kommt hinzu, dass unser Selbstwert in den Keller sinkt, und wir uns auch noch schuldig und verantwortlich fühlen, genau da sind wir die perfekte Co.-Partnerin. Eine gesunde Frau würde sich so viele leidvolle Erfahrungen nicht antun. Wir aber opfern uns auf! Würde ich einen Mann interessant finden, der sich für mich aufopfert und seine Persönlichkeit aufgibt? Ich meine nein! Ein Alkohliker braucht bedingungungslose Liebe und knallharte Grenzen, die kannst Du aber nur setzen, wenn Du in Dir ruhst, stark genug bist Dich abzugrenzen, nichts persönlich nimmst und auch ohne ihn gut leben kannst. Nur, wenn Du so weit bist, stellt sich die Frage, ob Du ein Leben mit einem Süchtigen noch reizvoll empfindest. Mir hat etwas ganz banales geholfen, nämlich, dass ich mir gesagt habe, wenn das Leben nur mit diesem Mann schön ist, dann müssten alle Anderen unglücklich sein, und das sind sie wahrhaftig nicht.
    Co.-Abhängigkeit macht blind, wir halten unsere süchtigen Gefühle für Liebe, Liebe funktioniert aber ganz anders, sie beinhaltet Vertrauen und Wertschätzung, auch Annahme, ohne den Anderen ändern zu wollen, um Liebe braucht man nicht kämpfen, sie gibt es ganz freiwillig. Als ich meinen neuen Freund kennen lernte, saß ich in meiner Gruppe und habe fast vor Freude geweint, weil ich völlig aus der Fassung war, dass er mich so, wie ich bin, wunderbar findet und von mir fasziniert ist.
    Alkohol- und Co.-Abhängigkeit hat nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun, Sucht findet sich in allen Schichten, von daher ist man nicht dumm und schuldig, die Sichtweise und der Selbstwert sind ledig verzerrt, das lässt sich aber wieder richten und neu aufbauen. Folglich hat jede Krise im Nachhinein etwas Gutes, wenn Du sie als Chance wahrnimmst. Versuche an Dich zu glauben und beginne mit kleinen Schritten, Du kannst jeden Tag neu anfangen, das Leben ist lebenswert, auch wenn es momentan anders wirkt. Ich wünsche Dir Kraft und Licht für die Weihnachtstage.
    Hinter jeder Sucht steht eine Sehnsucht,
    hinter jeder Sehnsucht steht eine Hoffnung!
    Alles Gute Laurina :wink:

    Ich meine, die Antwort ist ganz einfach. In der Co.-Abhängigkeit verstrickt meint man, sich anstrengen und um die Liebe kämpfen zu müssen, weil der Glaube und die Überzeugung nicht vorhanden sind, einfach seinetwegen geliebt zu werden, dafür muss Leistung erbracht werden bis zur völligen Erschöpfung und Selbstaufgabe. So habe ich es auch gemacht in dem irrigen Glauben, wenn ich nur genug tue, wird er mich schon lieben und brauchen, ich wollte einmalig und unverzichtbar sein, sozusagen herausragen, wenn er mir dieses nur einmal bestätigt hätte, hätte ich mich noch mehr ins Zeug gelegt. Der Weg dort heraus ist nicht so einfach wie die Antwort. Man schreibt immer von der Stelle, wo man gerade steht. Der Anfang des Weges besteht darin, sich selbst kennen- schätzen- und lieben zu lernen, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und Erfolgserlebnisse für den Selbstwert zu verbuchen. Erst dann kommt die Phase, in der wir nicht mehr bereit sind zur Selbstaufgabe, Verleugnung und Abhängigkeit um jeden Preis geliebt werden zu wollen. Ich habe mich im Nachhinein oft gefragt, wieso ich mich so niedrig habe behandeln lassen, wenn ich damals gefragt wurde, wieso ich das mitmache, war immer die Antwort, ich liebe ihn halt. Heute habe ich eine andere Antwort gefunden, ich habe mich zu der Zeit selbst so niedrig gefühlt und von mir gemeint, nichts anderes verdient zu haben, folglich habe ich auch das bekommen, was ich von mir gedacht und ausgestrahlt habe.

    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Hallo Blaubaerchen,

    ich lese in Deinen Berichten so viel von Schuld. Weder Du noch der trinkenende Partner sind schuldig. Ich bin durch mein Elternhaus co.-abhängig geworden. Mein Vater hat getrunken, meine Mutter war stolz auf ihr Aushalten. Diese Verhaltensweisen waren mir vertraut, folglich fühlte ich mich im weiteren Leben auch von trinkenenden Partnern angezogen, es war halt so bekannt und erschien mir normal bis zu dem Punkt, als meine Schmerzgrenze erreicht war, und ich durch mein Verhalten krank wurde. Erst da fing ich an, bei mir hinzusehen und mich mit den Ursachen auseinander zu setzen. Alkoholismus und Co.-Abhängigkeit sind seelische Störungen, aus denen man herauswachsen kann, Voraussetzung natürlich, dass man es selbst will. Da kann man sich im akuten Stadium nicht gegenseitig helfen, sondern Jeder getrennt an seiner Genesung arbeiten. Wenn die Liebe groß genug ist, kann man sicher später wieder zusammen wachsen. In meinem Fall kam nur eine Trennung in Frage, weil mein Partner sich fürs Trinken entschieden hat, das war sein gutes Recht, dieses anzunehmen und ihn loszulassen, fiel mir enorm schwer, das dauerte und war mit vielen Rückfällen verbunden.
    Hilfe und Unterstützung fand ich im Forum und in meiner Angehörigengruppe. Heute habe ich ein Selbstwertgefühl erreicht, das mir sagt, ich brauche mich nicht mehr aufzuopfern, um geliebt zu werden, einen kranken Menschen nicht zu retten und vor allem, mich nicht mehr mit Schuldzuweisungen kränken zu lassen. Das fiel aber nicht vom Himmel, eine Therapie ging voraus, anschließend viele Stunden mit Gleichbetroffenen. Mit Schuldzuweisungen bin ich nicht weiter gekommen, sondern mit Verständnis und Annehmen meiner Situation, daraus können Lösungen wachsen und neues selbstbestimmtes Verhalten resultieren.
    Auf keinen Fall sind wir schuldig, sondern handelten so, wie wir es kannten. Heute lebe ich in neuer Beziehung und das Thema Alkohol ist nicht mehr relevant. Ich denke noch manchmal an meinen Ex, was wird er machen, wie wird es ihm gehen, er war mal mein ganzer Lebensinhalt, doch hatte sich anders entschieden, da half meine ganze Kontrolle rein gar nichts. Ich besuche weiterhin meine Angehörigengruppe, sie stärkt mich für meinen weiteren Weg. Alles Gute für Dich.

    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Hallo Kullermaus,

    es gab eine Zeit, da ging es mir wie Dir. Ich konnte ihn auch nicht loslassen. Meine Gedanken kreisten um ihn, seine Schuldzuweisungen und Doppelbotschaften machten mich fast verrückt. Schritt für Schritt habe ich mich aus der Abhängigkeit gelöst, indem ich anfing eine Angehörigengruppe aufzusuchen und mehr für mich zu tun. In der Gruppe ging es allen gleich, sie kannten meine Probleme, nichts war fremd oder durfte nicht ausgesprochen werden. Ich habe inzwischen viele Seminare mitgemacht, auch Wochenendfahrten und fing wieder an zu leben. Heute im Nachhinein, es geht mir weitaus besser, stelle ich fest, dass ich ungesunde süchtige Gefühle für Liebe hielt und meinte, niemals vom Herzen her von ihm loskommen zu können. Es ging aber, ich verliebte mich neu und darf heute in einer Partnerschaft leben, in der ich ganz ich selbst sein kann- für meinen neuen Partner bin ich völlig in Ordnung, er mag mich bedingungslos und verletzt mich nicht, sondern achtet mich und tut mir gut. Es ist angenehm, ohne ständige Probleme zu leben. Ob man bleibt oder sich trennt, können Angehörige für sich selbst entscheiden, wichtig ist ein eigenes selbstbestimmtes Leben für sich zu finden, und Kontakte mit Menschen, die einem gut tun, und von denen man Wertschätzung erfährt. Das verändert die Sichtweise und schmälert den Fokus für die Probleme des abhängigen Partners. Wünsche Dir viel Glück und Kraft für Deinen Weg.
    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo Sefa,

    Du musst ihm gar keine Zeit einräumen, Deine Frage sollte eher lauten, wieviel Zeit willst Du Dir nehmen? Sein Schritt könnte schnell passieren, auch länger dauern oder gar nicht eintreten. Alles ist offen. In der Regel ändern Alkoholkranke erst etwas, wenn sie nicht mehr ein noch aus wissen, ihre Schmerzgrenze erreicht haben und ihr Zustand nicht mehr haltbar ist. Einige trinken sich auch zu Tode. Der Schritt sollte aber von ihm aus kommen, niemals um Dir einen Gefallen zu tun. Alle Angebote und Hilfestellungen von Dir gehen ins Leere, solange er nicht bereit ist und keine Krankheitseinsicht zeigt. Mit dem Alkoholentzug ist er nicht auf der Stelle ein neuer und gesunder Mensch. Es folgen Therapie und Gruppenbesuche, die Genesung kann Jahre dauern. Wenn Du Dich für einen gemeinsamen Weg entscheidest, wäre es ratsam, als Partnerin eine Angehörigengruppe zu besuchen, weil man sich sonst auseinander entwickeln könnte. Wünsche Dir viel Kraft für Deinen Weg und zur Entscheidungsfindung.
    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo Dagmar und alle Anderen, die sich an mich erinnern.

    Mir geht es gut. Seit drei Wochen bin ich mit einem neuen Mann befreundet, er tut mir gut, ist sehr aufmerksam, zuverlässig und fasziniert von mir. Dazu noch ein guter Tänzer. Werde sozusagen völlig mit Symphatie und Zuneigung überschüttet. Wir lassen uns Zeit, zum gemeinsamen Wachsen, ich bleibe bodenständig. Da muss ich erst hineinwachsen, völlig fremd für mich, um Zuneigung und Beachtung nicht mehr kämpfen zu müssen. Es sind völlig andere Gefühle als zuvor. Nicht diese süchtigen, euphorischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt, der Himmel brennt, sich selbst verlieren, völlig durcheinander sein, sich gedanklich nur mit dieser Person beschäftigen. Nein es ist anders, völlig anders. Ich mag ihn sehr, empfinde ein Verliebtsein und eine große Sympathie, auch Vertrauen, und fühle mich völlig sicher, ohne Eifersuchtsgefühle. Zwischendurch kommen noch Suchtgedanken und Gefühle in mir hoch, indem ich meine, den nassen Vorgänger mehr und intensiver geliebt zu haben, die ich aber wieder verwerfen kann, wenn ich daran denke, wie sehr ich gelitten habe und mich verletzen ließ. An meinen neuen Freund denke ich eher mit einem gelassenen Wohlgefühl.
    Mir ist bewusst, dass ich eine Co.-Abhängige bleiben werde, von daher besuche ich weiterhin meine Angehörigengruppe und mache verschiedene Wochenendseminare mit, um weiter zu wachsen und zu gesunden. Heute ist meine Devise, alles zu tun, was mir gut tut. Von daher stecke ich nicht mehr in der nassen Problematik eines anderen drin, kann aber in anderen Bereichen auch co.-abhängig reagieren. Wenn man sich selbst entdeckt und wahrnimmt, gibt es jede Menge zu tun. Als mein vorheriger Partner von meiner neuen Freundschaft erfuhr, bombadierte er mich eine Zeitlang mit Anrufen, aus Rache schlief er mit der Freundin des Gaststättenwirtes, damit ich es erfahre, bin dort im Sparclub. Ich bin nicht mehr ans Handy/Telefon gegangen, weil es für mich nichts mehr dazu zu sagen gab. Nun ist Ruhe eingekehrt, seine Anrufe gingen ins Leere. In mir habe ich noch einen co.-abhängigen Anteil entdeckt, und zwar als ich mich trennte und meine Hilfe einstellte, wollte ich Andere davon überzeugen, ihm auch nicht mehr zu helfen, wollte sie überzeugen und manipulieren, ihn fallen zu lassen. In einem Gespräch wurde mir klar, dass ich selbst über drei Jahre immer wieder geholfen habe, was habe ich in den Entscheidungen und Erfahrungen anderer zu suchen? So geht es weiter, jeden Tag darf ich etwas mehr wachsen, auch mal zurückfallen, es von außen betrachten. Hinzu kommt, dass ich bei meinem jetzigen Freund einfach sein kann, und zwar so, wie ich gerade bin und fühle. Ich möchte mit einem Zitat enden, das mich sehr berührt hat:
    Hoffnung sei nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgehe,
    sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgehe.

    Liebe Grüße Laurina :D:wink::D

    Liebe Luci,

    ich habe mich auch lange Zeit von meinem alkoholabhängigen Freund verletzen lassen. Geholfen hat mir die Einsicht, dass Alkohol eine Droge und ein Nervengift ist. Ein abhängiger Trinker hat ein geringes Selbstwertgefühl, das er durch das Betäuben all seiner negativen Gefühle aufwerten möchte, folglich überträgt er seine Selbstverachtung auf die Partnerin, die sich als Co.-Abhängige dafür zur Verfügung stellt. Hinzu kommt, dass unter Einfluss von Alkohol die Wahnehmung verzerrt und die Hemmschwelle erheblich reduziert ist, von daher sind die Worte und Taten völlig unreal und nicht ernst zu nehmen. Wir Co.`s mit ebenfalls einem geringen Selbstwertgefühl - deshalb passt es so gut miteinander- nehmen ihn aber ernst und lassen uns von seiner vermeintlichen Stärke provozieren, verletzen und mit hinunter ziehen. Das ist die Suchtspirale, wir sind so leicht zu treffen und nehmen alles persönlich. Sind sogar unwissentlich süchtig nach diesen Verletzungen, um uns anschließend darüber beschweren zu können. Erst wenn wir uns verändern, stärker und selbstbewusster werden, finden solche Angriffe keinen Nährboden mehr und gehen ins Leere. Eine starke, gesunde Frau würde sich nicht von den Angriffen eines Süchtigen treffen lassen. Wir sind hier, um miteinander zu teilen und unseren Weg in die Klarheit und Unabhängigkeit zu gehen. Den abhängigen Trinker können wir nicht verändern, das ist seine Sache, nur uns selbst können wir verändern, dafür gibt es viele Möglichkeiten der Hilfe.

    Lieben Gruß Laurina :wink:


    Liebe Melanie,

    war es wirklich eine sinnlose Zeit und verlorene Lebensjahre? Heute sind wir hier und durften erkennen, was wir brauchten, um zu wachsen. Der Weg zum Licht führt durch die Finsternis. Durch Krisen wachsen Menschen. Jede Krise ist eine neue Chance.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Liebe S. Käferchen,

    danke, dieses ist wirklich ein recht sensibles Thema.

    Für mich ist diese anfängliche Wut völlig normal, zumindest habe ich die meinige auch nach meinem eigenen Rhytmaus ausgetragen. Später in der Selbsthilfegruppe durch direktes Nachfragen wurde ich dann auf meine eigenen Anteile gestoßen und konnte sehen, dass meine Wut sich hauptsächlich gegen mich selbst richtet. Es ist ein ganz natürlicher menschlicher Entwicklungsprozeß, die Wege dorthin sind ganz individuell.
    Ich habe mir manchmal in der Gruppe auf die Lippen gebissen, weil ich eine andere Teilnehmerin gerne schon dort haben wollte, wo ich gerade stehe, obwohl mein eingener Weg vor mir steht. Heute habe ich für mich erkannt, dass es von mir auch co.-abhängig ist, wenn ich eine andere Entwicklung beschleunigen möchte. Zum Reifen gehört auch, die Anderen so sein zu lassen und ihnen den Rahmen einzuräumen, den sie brauchen. Manche halten gerne an ihrer Wut auf den Betroffenen fest, auch dies ist m.E. ihr gutes Recht, solange es ihnen vermeintliche Vorteile einbringt. Der Leidensweg war oft sehr lang, die Sicht der Dinge kann nicht innerhalb kurzer Zeit völlig verändert werden. Eine Entwicklung ist auch manchmal unbequem, da war die Co.-Abhängigkeit weitaus bequemer, das sind alles Schritte, die auch mit Rückschritten gepflastert sind. Ich denke, das Erkennen kommt irgendwann ganz von selbst, wenn man lange genug wütend war.
    Lieben Gruß Laurina :wink: