Beiträge von Laurina5

    Liebe Dagmar,

    Deine Gedanken sind sicher kopfmäßig völlig richtig. Diese Mittelphase ist eine Phase, die mir sehr gut bekannt, auch vertraut ist und im Unterbewusstsein verankert. Darüber zu schreiben ist insofern wichtig, um sich damit auseinanderzusetzen, was es mit mir zu tun hat und warum ich diesen Menschen in diesem Zustand so mochte. Das kann nicht einfach objektiv und theorethisch vom Tisch gefegt werden. Es ist ein Prozess. Durch eine Trennung kann ich zwar vom Partner clean sein aber innerlich noch lange nicht frei. Das neue Verhalten braucht Übung und Auseinandersetzung, diese kann nur durch Bewusstwerdung der eigenen Anteile wachsen. Darum ist es meiner Meinung nach wichtig, immer wieder darüber zu schreiben, bis es sich eines Tages auflösen und von uns gehen kann. Das bedeutet nun nicht, dass ich mich derzeit nach einem leicht angetrunkenen Partner sehne, es war aber eine Zeit, die mich sehr bewegt und in Anspruch genommen hat. Ein Stück Leben, das zu mir gehört und angenommen werden will. Wir Angehörigen sind auch verschieden, nicht alles rational Sichtbare wird durch logische Erklärungen sofort von uns gehen können. Ob Betroffen oder angehörig der erreichte Tiefpunkt ist erst Anfang und Wendepunkt einens langen Entwicklungsweges.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo Ihr Lieben,

    der meinige war nüchtern immer sehr gereizt und völlig unnahbar. Und volltrunken war er einfach nur anstrengend. Die angenehmste Phase hatte er tatsächlich im leicht berauschten Zustand. Dieser Zeitpunkt war aber auch nur sehr kurzfristig, weil er sich weiter betrank bis in seine Ausfallsituationen. Gerade dieses ruhige eigenbrödlerische Wesen hatte mich als Co. enorm gereizt, das wollte ich aufbrechen und sein Vertrauen gewinnen. Wo ich nicht gleich herankam, wo ich etwas zu erkämpfen hatte und die Persönlichkeitsstruktur verschleiert blieb, das reizte und spornte mich gleichzeitig an. Auch er konnte im Rausch sich übergangslos andere Frauen nehmen, wobei ich heute meine, dass es in diesem Zustand nicht auf die Frau selbst ankommt, diese sind austauschbar, sondern die betrunkene Begierde alle persönlichen Gefühle ausschaltet. Unterm Strich macht es wütend und traurig, so leicht austauschbar zu sein, weil meine Sicht verschleiert war und ich von meinen Gefühlen her weitaus mehr in die Beziehung hineininterpretiert habe, was von seiner Seite aus minimal vorhanden war. Er wollte und will lediglich trinken und eine Frau zu Hause, die es ihm möglichst bequem und stressfrei macht. Wenn das nicht mehr funktioniert, ist es leichter irgendwo anders hinzugehen, wo alles neu, frisch und konfliktfrei ist. Dann ist eine andere womöglich vorerst verliebt und angetan und bemüht sich in der gleichen Weise, wie ich es getan habe, auch hier wird er sich natürlich nicht öffnen, doch das dauert noch an, und er kann wieder einen Zeitraum in Ruhe weiter trinken. Oder er gerät an die Sorte, die ihn nicht als Mensch und Partner wollen, sondern mit ihm trinken und mal was Essen gehen, und dafür ihr Bett anbieten, davon sitzen genügend Frauen in den Kneipen herum. Für die Liebe und eine gesunde Partnerschaft mit Wachstum und Konflikten austragen ist ein Alkoholiker nicht geeignet, lediglich fürs gesellige Vergnügen mit all seinen Schattenseiten. Eine Frau, die ein Kind von einem Alkoholiker erwartet, werden die Schattenseiten auch nicht verborgen bleiben.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Guten Morgen Reichenau,

    diese Geschichte erinnert mich an das Jahr 1996. Mein damaliger Ehemann machte einen qualifizierten Entzug für mich, um mich zu beruhigen und mich zu halten. Auch er war nur ein nicht so gefährdeter Trinker, der es locker schaffen würde. Ich wurde in die Klinik zum Angehörigentreff eingeladen. Während ich dort fix und fertig in Tränen erstickt mich kaum vorstellen konnte, nahm er seinen Aufenthalt recht locker als sei er im Urlaub und ließ nichts an Gefühlen an sich heran. Völlig begeistert bin ich wochenlang an den Wochenenden dort hingefahren und habe ihn mit Geld und Tabak versorgt. Zu der Zeit war ich in noch keiner Angehörigengruppe, der Fokus lag ganz eindeutig auf der Genesung des Alkoholkranken, folglich bin ich weiterhin helfend euphorisch dort hin, damit ihm alles zuteil wird, und ich nicht für sein mögliches Scheitern noch verantwortlich sein könnte. Meine damalige Schwiegermutter meinte noch, eine Frau wirft nicht so schnell die Flinte ins Korn, wenn einer trinkt, liegt das auch immer mit an der Frau, die dieses in Händen hat. Ihr Ehemann hatte heimlich getrunken und ist daran frühzeitig verstorben. Ich wollte eine gute Frau und Schwiegertochter sein. Als mein Mann nach sechs Wochen entlassen wurde, war er täglicher Gast in den Spielhallen, seine Mutter schickte uns weiterhin Geld, auch damit wir einmal in den Urlaub fliegen können. Im Urlaub kam er nicht damit zurecht, dass ihm sein gewohntes Umfeld fehlte, sprich Kneipen und Spielhallen. Jedoch der Alkohol war so günstig. Während ich Bustouren allein mitmachte, lag er nachmittags betrunken in unserem Hotelzimmer. Sein Konsum steigerte sich wieder - und dass er die Therapie für mich gemacht habe, genau das wurde mir nun zum Vorwurf gemacht, er habe sich sechs Wochen seines Lebens für mich geopfert. Heute lebt er in der Nähe seiner Mutter im Betreuten Wohnen und hat mehrere Entzüge und Therapien hinter sich. Er ist krank und ein Sozialfall, in einem nüchternen Telefongespräch hat er einmal gesagt, dass es damals ein Fehler war, die Therapie für mich gemacht zu haben. Meine Schwiegermutter ist herzkrank und mag nicht mehr leben, sie hofft auf Tage, an denen er sie nüchtern besuchen kommt.
    Ich bin nachdem auch richtig krank geworden mit einem Erschöpfungssyndrom, Depressionen und Panikattacken war ich anschließend in einer psychosomatischen Klinik.
    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Liebe Jenny,

    ich habe auch lange Zeit gebraucht, um es sagen zu können. Es war viel leichter, einen Streit anzufangen oder Schuldgefühle in ihm auszulösen. Es braucht wirklich seine Zeit und der eigenen Entwicklung. Vorerst kann das Alleinsein noch nicht genossen werden. Für mich war es wichtig, immer wieder eine Bestandaufnahme zu machen, was ich an ihm gehabt habe, und was mir fehlte. Als Co.-Abhängige tun wir uns schwer mit Entscheidungen, es ist fast ein Gefühl, als wären wir dazu nicht berechtigt. Ein unbekannter Weg liegt vor uns, das bekannte Unglück ist uns vertraut, daran hängen wir, das unbekannte Glück scheint in weiter Ferne zu liegen. Als ich irgendwann verspürte, das will ich alles nicht mehr, so will ich nicht mehr leben, da kann ich auch nicht mehr hinterstehen, da konnte ich es auch sagen.

    Wünsche Dir viel Kraft für Deinen Weg.
    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo Reichenau,

    wenn Du derzeit noch schwankst, höre nicht auf andere Ratschläge, sondern entscheide ganz allein für Dich, wenn der Zeitpunkt dafür gekommen ist. Womöglich hast Du Deinen Tiefpunkt noch nicht erreicht, diese Entscheidung kommt immer von innen. Womöglich setzt Du auch gerade eine Hoffnung in die Therapie. Eine Therapeutin ist für ihren Klienten zuständig, es sei denn, es ist eine gemeinsame Paartherapie. Folglich kann sie Dir im Grunde keine Analyse stellen auf den Ausgang der Therapie. Seine Therapie ist nicht von Deinem Verhalten abhängig. Wenn er es schaffen will, dann für sich. Während einer Therapie kann sich auf beiden Seiten sehr viel verändern, es muss nicht immer zu einem gemeinsamen positiven Ergebnis kommen, auch kann er kippen, das ist aber seine Entscheidung. Und Du, solltest Du die Zeit für Dich nutzen und selbst eine Therapie machen oder eine Angehörigengruppe aufsuchen, kannst auch zu einer anderen Entscheidung kommen als heute. Folglich ist alles offen, vielleicht war es im Nachhinein gut, dass ihr eine zeitlang getrennte Wege gegangen seid, um dann zu entscheiden, ob es noch passt und man wieder zueinander findet. Möchtest Du einen Menschen an Deiner Seite, der ohne Dich nicht leben kann? Ich wünsche Dir viel Kraft, Dich kennenzulernen und die Möglichkeit, etwas für Dich zu tun, vergesse bitte Dich nicht!

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Ich hatte heute morgen im Bett eine gedankliche Eingebung. Wenn ich Dinge, Situationen und Verhaltensweisen Anderer akzeptiere mit dem Wissen, sie nicht ändern zu können, dann wird Kontrolle sinnlos und wirkt sich befreiend auf mein Befinden aus. Was soll ich noch mit den Gedanken in der Vergangenheit verharren und anklagen, was warum passierte. Heute ist mein Tag und die Gegenwart, ich kann alles und jeden lieben, wie ich möchte, vor allem meine Selbstliebe kann mir niemand nehmen. Wenn ich den Weg der Genesung beschreite, gehe ich über eine Brücke, es nützt nichts, denen auf der anderen Seite des Ufers zuzuwinken, sie werden erst dann gehen, wenn ihre Zeit reif ist. Somit lasse ich los und richte meinen Blick auf Menschen, die auf dem Weg sind, sie werden mir begegnen, dessen bin ich mir sicher. Ich habe schon vernommen, dass suchtstruktuierte Bekannte sich von mir abwenden, so nach dem Motto, ich sei nun völlig durchgeknallt, das macht mir nichts mehr aus, anstatt mich zu erklären oder zu beweisen gehe ich meinen Weg. Nach diesen Gedanken fühlt sich meine kleine Welt gerade sehr stimmig an.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Liebe Dagmar,

    ich bin einerseits hoch sensibel und andererseits auch abgestumpft. Steitigkeiten und verbale Verletzungen kamen in meiner Kindheit täglich vor. Mein Vater und mein Großvater waren beide Trinker, somit erlebte ich zwei Ehepaare, die sich ständig verletzten, auch schlugen und sich anschließend wieder vertrugen. Dieses Verhalten habe ich als normal übernommen und habe infolge dessen soviel Geduld aufgebracht bei meinen abhängigen Partnern, dass ich für mich eine gute Behandlung einfordern kann, wurde mir erst viel später bewusst durch die Auseinandersetzung mit meiner Co.-Abhängigkeit. Sensibel insofern, dass ich ganz früh feine Antennen dafür entwickelte, in welchem Stadium mein Vater sich gerade befand. Während ich in meinen Beziehungen unendlich geduldig war und für Andere vieles nachsichtig entschuldigte, war ich mir selbst gegenüber häufig ungeduldig. Wollte perfekt sein und alles schaffen, ein kleiner Fehler, schon hatte ich versagt und machte mir Vorwürfe. Kann mich gut daran erinnern, wie locker Kolleginnen mit ihren kleinen Arbeitsfehlern umgigen, während es für mich fast ein Vergehen war, ich darüber nachgrübelte und mich als ziemlich unfähig empfand, obwohl ich eine recht gute Mitarbeiterin war. Habe mir wenig zugetraut und mein Licht unter den Scheffel gestellt. Heute merke ich das noch in Teilbereichen, wenn ich z.B. etwas zusammen bauen will und das klappt nicht auf Anhieb, werde ich schnell unruhig. Da fehlt mir noch ein Teil an Geduld und Gelassenheit. Dabei habe ich vieles handwerkliche und technische schon allein geschafft und sollte stolz auf mich sein. Bin immer froh, wenn ich mein mir gesetztes Tagespensum erreiche, anstatt gelassen das eine oder andere auf den nächsten Tag zu verschieben. Manchmal mache ich auch ein paar Dinge gleichzeitig und ermahne mich dann dabei ganz ruhig erstmal bei der einen Sache zu bleiben und diese zu Ende zu bringen. Wenn ich es beiseite lege und zu einem späteren Zeitpunkt noch mal in Angriff nehme, klappt es meist wie von selbst. Manchmal bin ich auch noch mit meinen Mitmenschen ungeduldig, da möchte ich Dinge vorantreiben, die mir wichtig sind und ertappe mich beim Belehren aus meiner Sichtweise heraus, vergesse in diesen Situationen, dass jeder eine andere Sichtweise hat und einen eigenen Erfahrungsweg. Es ist mir zumindest bewusst und ich arbeite weiter daran.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Liebe Dagmar,

    ich bin so erzogen worden, Bescheidenheit ist eine Zier und bringt viel an Sympahtie Dir. Wie oft habe ich gesagt, das tut doch nicht nötig, klar war ich davon überzeugt, nicht viel verdient zu haben. Das habe ich lange gelebt, teilweise auch heute noch. Es hat sich aber etwas verändert, mir fällt auf, wenn es nicht meinem wahren Bedürfnis entspricht, in diesen Momenten kann ich ganz klar mein Begehren zum Ausdruck bringen, ohne mich dabei unsicher zu fühlen. Manchmal gebe ich aus Bequemlichkeit nach und lasse Anderen den Vorrang, das ist dann aber stimmig für mich, ohne ein Gefühl der Vernachlässigung. Wenn ich darüber nachdenke, was ich alles nicht habe, machen mich diese Gedanken unzufrieden, wenn ich meinen Fokus darauf richte, wie reich ich beschenkt bin, stellt sich Zufriedenheit und eine tiefe Dankbarkeit ein.
    Mein Weg soll in eine Richtung gehen, dass nicht das wichtig ist, was ich habe, sodern das, was ich bin, das kann mir keiner mehr nehmen.


    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo Ihr Anwesenden,

    ich möchte mich anschließen in der Aussage, dass dieser Thread mich ebenfalls inspiriert.

    Meine Co.-Abhängigkeit durchlief verschiedene Phasen. In der ersten Phase habe ich noch nicht gelitten, sondern war eher berauscht von dem glorreichen Helfergefühl retten zu wollen. Sicher hätte ich damals auch das schwache ängstliche Hündchen aus dem Korb genommen, heute würde ich mich für einen kessen und wachen Welpen entscheiden. Hätte mir vor ein paar Jahren ein Berater, Mahner, Zweifler gesagt:"dass schaffst du nicht", hätte gerade diese Aussage mich zu Höchstleistungen angespornt, es dennoch zu schaffen, weil es in der Natur der Sache liegt, dass ich als Co. das Unmögliche Herausragende schaffen will. Ich hatte meinen eigenen Weg zu gehen und meine Erfahrungen zu machen, die konnte mir niemand nehmen. Zur Zeit in der Therapie konnte ich wie aus der Pistole geschossen antworten, was ich alles an mir bemängle, die Frage, was ich an mir liebe, machte mich fast verlegen. Ich besorgte mir ein Schächtelchen und schrieb auf vielen kleinen Zetteln meine liebenswerten Eigenschaften auf, so nach und nach kamen sie zum Vorschein. Auf dieses kleine Schatzkästchen greife ich zurück in Zeiten des Verzagtseins und Zweifelns.


    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Nachtrag: heute Vormittag habe ich alles, was noch von ihm hier vorhanden war, ein paar Schriftsätze, ein paar Adressen und Rufnummern entsorgt. Kurz danach rief mich ein Angestellter meiner Krankenkasse an und flirtete heftig mit mir, wusste gar nicht, dass ich das noch kann, zumindest tat es meinem Selbstwertgefühl gut. :lol:


    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo Jochen,


    dieser Satz: Der Wald hat so viele Bäume, warum setzt Du Dich unter einen kranken? hat mich mitten ins Herz getroffen, er geht mir seit zwei Stunden nicht aus dem Kopf. Ich habe es allein nicht geschafft, hast Du Dich mal mit dem Gedanken getragen, eine Angehörigengruppe aufzusuchen.


    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Ungerecht empfinde ich es nicht, es war ja das, was ich selbst wollte, was ich mir aussuchte, was mir bekannt ist und wovon ich mich angezogen fühle. In früheren Zeiten war es so, dass durch eine neue Liebe die vorangegangene sich auflösen und ich im Nachhinein nicht verstehen konnte, solange am Vorgänger festgehalten zu haben. Dieses Mal ist es anders, ich will es bewusst allein schaffen und mich nicht durch eine neue Verbindung ablenken. Wenn ich nicht mit mir allein zufrieden und glücklich sein kann, werde ich es auch nicht in einer Beziehung schaffen. Das bedeutet für mich im Grunde bei null anzufangen und mich ganz neu kennenzulernen, dafür muss ich erst durch alles Dunkle durch, um irgendwann wieder ans Licht zu kommen. Durch meinen letzten Freund war ich ständig in Extremsituationen hin- und hergerissen, eine Achterbahn der Gefühle, dadurch fühlte ich mich lebendig, es war immer was los, es gab immer was zum Denken und Analysieren, vorrangig sein Leben und seine Bedürfnisse. Ich hatte solche Gedanken, ihm wird schon noch bewusst werden, was er an mir hatte, das bekommt er nicht wieder. Ich wollte die Beste sein und diejenige, die er am meisten liebte und niemals vergisst, dafür hätte ich wohl alles getan, wenn nicht die Untreue hinzu gekommen wäre. Was hatte er wirklich an mir? Wofür sollte er mich achten? Dass ich mich selbst aufgegeben habe, meine Bedürfnisse unterdrückt, keine eindeutigen Grenzen gesetzt habe und unfähig aus Abhängigkeit war, eine klare Entscheidung zu treffen. Geachtet habe ich ihn auch nicht, sondern war abhängig von dieser Sehnsucht nach einem verrückten Leben. Er wollte von mir verachtet werden, um sich schuldig zu fühlen und einen Grund zum Weitertrinken zu haben. Bin ich traurig über seinen Verlust oder über mich, weil ich das Unmögliche schaffen wollte? Er soll mir auch nicht egal werden, schließlich ist er Bestandteil meines Lebens. Eher neutral, indem ich ihn so sehen und annehmen kann, wie er ist, ohne Hoffnung auf eine erfüllende Liebesbeziehung. Er hat ein Recht auf sein Leben und lebt dieses konsequent weiter, darin habe ich nun nicht mehr herum zu manipulieren, was ich leidenschaftlich getan habe, auch diese Erkenntnis schmerzt mich. Ich glaube auch, dass meine Desillussion so weh tut, sie macht wahrlich nüchtern - denn ich war genauso besoffen in dieser Beziehung, darum passte es eine Zeitlang.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Wie recht Du hast liebe Dagmar, er hat nicht nur alles in sich hinein gefressen, sondern auch jeden Konflikt hinutergespült. An seinem Leben und seinen Gedanken hat er mich auch nicht teilnehmen lassen, ledig das Gerede über seine Leute aus der Kneipe und das in ständigen Wiederholungen. An meinen Gedanken und Alltagssorgen nahm er auch nicht teil, das sollte außen vor bleiben. Wenn ich ein Gespräch über uns anfing, hieß es, lass mich in Ruhe mit deinem Psychokram. Das muss ich mir öfter in die Gegenwart rufen, was ich nämlich alles nicht an ihm hatte. Vielleicht reicht gerade das gegenwärtig einer anderen Frau.

    Lieben Gruß Laurina :wink: die jetzt zu ihrem Englischkurs fährt!

    Dieses bei mir bleiben funktioniert an manchen Tagen gut, an anderen gar nicht. Als ich mich trennte war ich vorerst euphorisch diesen Schritt nun geschafft zu haben. Äußerlich hatte ich mich für mein Wohlergehen getrennt, innerlich blieb eine versteckte Hoffnung, dass er davon getroffen seinen Tiefpunkt erreicht und nun etwas unternimmt. Manchmal, wenn ich einen Krankenwagen hörte, war da eine stille Hoffnung, dass er vielleicht gestürtzt sei und nun mit seiner Erkrankung konfrontiert wird. Wenn andere mir sagten, sei froh ihn los zu sein oder sowas habe ich nicht nötig, halfen mir diese Worte nicht wirklich- Verstand, Vernunft und Stolz sagen eindeutig nein, das Herz spricht eine andere Sprache. Es scheint auch zu lieben, wenn es leidet. Ich empfinde es nicht als leicht, jeden Tag bewusst zu genießen und mich meines neuen freien Lebens zu erfreuen. An meinen guten Tagen fühlt sich das alles ganz stimmig an, dann könnte ich Romane schreiben, wie schön und ausgefüllt das Leben sein könnte und wie eine Partnerschaft sein sollte. Doch davon bin ich noch weit entfernt, solange ich ihn nicht aus meinem Herzen entlassen kann. Dafür scheint es kein Patentrezept zu geben. Solange er noch versuchte mich zu erreichen, ging es mir damit besser, zumindest konnte ich konsequent sein und ihn abweisen, er war irgendwo noch da. Nunmehr wurde er in einer Kneipe in Begleitung gesehen und unternimmt seit dem keine Versuche mehr, mich zu erreichen. Anstatt mich erlöst zu fühlen, bin ich darüber verletzt und hatte einen Traum, dass er sie geschwängert hat und womöglich bereit sein wird, für eine Andere sein Leben zu ändern. Ich wollte diejenige sein, für die er sein Leben ändert. Gerne hätte ich eines Tages in meiner Angehörigengruppe erzählt, dass mein Freund sich nun für einen Entzug und eine Therapie entschieden hat. Er sollte mich vermissen und mich um Wiedergutmachung bitten. Das Ergebnis ist ein anderes. Zumindest trinkt er weiter und es kann genauso gut sein, dass er oberflächliche sexuelle Beziehungen eingeht. Verzeihen und in Liebe loslassen, wie geht es, ich konnte es bis heute nicht erreichen?

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    hallo Zwetsche,

    in Angehörigengruppen erhält man auch viele Informationen, zumal sich dort Menschen treffen, die ähnliche Wege gegangen sind. Und es gibt dort Unterstützung für die nötige Kraft, seinen Weg zu gehen. Bei Rechtsstreitigkeiten kann direkt bei Gericht ein entsprechender Antrag auf Prozesskostenhilfe gestellt werden.


    Alles Gute für Dich
    lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo,

    möchte mich auch gerne an diesem Thema beteiligen.

    Vertrauen muss ich vorerst zu mir selbst finden, zu meinen Gefühlen und Entscheidungen stehen, sie nicht abhängig von Anderen machen, bzw. sie dadurch anzuzweifeln.

    Ich wollte mein Leben lang gemocht werden und konnte es kaum ertragen, wenn Jemand mich ablehnte. Heute kann ich besser damit umgehen, weil ich anfange mich zu mögen und mir auch nicht Jeder symphatisch ist.

    Ich habe meinen Vater noch nicht richtig losgelassen, ihn habe ich als Kind bewundert und verteidigt, erhielt im Gegenzug aber keine Bewunderung und das Gefühl in Ordnung zu sein, was habe ich mich bemüht, um überhaupt mal gesehen zu werden. Alle meine Männer hatten ähnliche Verhaltensstrukturen.


    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Ich möchte noch etwas zufügen.

    Eine Autorin schreibt, und dann fand ich E.S., der mich mit seiner Herzenswärme, seinem scharfen Verstand, seinen Koch-, Lebens- und Liebeskünsten, seinem Humor und Einfallsreichtum und seiner Ermutigung zum Tanz des Lebens einlud.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Guten Morgen,

    als Co. fühle ich mich nur in Extremsituationen. Diese Situationen erzeugten euphorische Hochstimmung und zerreißende Tiefstimmung. Diese Gefühle hielt ich für Liebe und erkenne, dass der süchtige Partner meine Lücken ausgleichen sollte, durch ihn habe ich mich gefühlt, davon war ich abhängig. Wenn das, was mich lebendig machte, wegfällt, entsteht eine Lücke, die mich in Traurigkeit und Entzug stürzt. Innerlich habe ich schon lange gefühlt, dass eine Abhängigkeitsbeziehung keine Liebe sein kann, dennoch habe ich nicht abgelassen und mich weiter getäuscht. Wenn er anrufen würde, alles wird gut, ich könnte ihn zurückhaben, erzeugt dieser Gedanke kein Wohlgefühl in mir. Traurig bin ich über mich, mich so weit verloren und so wenig Selbstachtung und Selbstschutz gezeigt zu haben, auch darüber, so schnell austauschbar zu sein, was habe ich erwartet? Die Desillussion ist schmerzhaft, niemand hat mich gezwungen, mich um sein Leben zu kümmern. Man kann mir das nehmen, was ich hatte, aber nicht das, was ich bin - daran wachse ich nun, habe halt auf dem falschen Pferd gesessen.

    Manchmal ist es ein Geschenk, etwas zu verlieren, nimm es ruhig entgegen.


    Lieben Gruß Laurina :wink: