Beiträge von Laurina5

    Ich habe mir die Trennung nicht schön geredet, sondern gespürt, dass ich nun eine Grenze setzen muss, ansonsten hätte ich völlig meine Selbstachtung verloren. Ein Problem habe ich noch mit dem Frieden schließen, es ist leicht gesagt, ich trauere nicht dem Menschen hinterher, sondern der Liebe, die ich empfinden durfte. Das sind für mich diese weisen tröstenden Worte, mit denen ich mir den Tag zeitweise verschönern kann, ohne sie wirklich verinnerlicht zu haben. Wenn ich diesen Gedanken weiter verfolge, müsste ich mich im Grunde für die Begegnung bedanken, weil ich konfrontiert wurde und etwas daraus lernen und auch intensive Gefühle haben durfte. Diese Gedanken tun mir zwar gut, sind aber noch kein selbstverständlicher Bestandteil, das bin ich noch nicht, damit mache ich mir etwas vor. Noch bin ich in einer Phase, wo ich ihn noch fühle, teilweise an Orten wahrnehme, wo wir uns trafen. Trage noch Abrechnungs- und Vergeltungsgefühle in mir, genau diese Gefühle will ich mir vorerst ansehen, sie wahrnehmen und durchleben, bis sie sich auflösen und gehen können. Kann nicht einen wesentlichen Teil von mir überspringen, indem ich mir nicht meine Schattenseiten ansehe. Würde ich ihn derzeit in völliger Güte und Lebensklugheit gehen lassen, wäre ich wieder in meinem Muster "Beliebtseinwollen um jeden Preis" drin, um nach außen ein anderes Bild zu repräsentieren. So funktioniert es leider oder besser gesagt zum Glück nicht, das wäre zu einfach.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Guten Morgen,

    ich komme mit meiner Denke auch nicht immer klar, heute denke ich dieses und morgen schon wieder anderes. Wie sollte ich mich sonst finden? :lol:

    In Bezug auf Trennung habe ich gestern Abend in einem Buch eine mir angenehme Aussage gelesen, dort steht nämlich, man hat einen Partner nicht verloren, sondern zurückgegeben.

    Ich betrachte diesen Trennungsschmerz und frage mich, bin ich traurig über ihn oder über mich, weil meine Erwartungen fehl am Platze waren. Nach der Trennung sehne ich mich nach den kurzen intensiven Momenten zurück, blende aber die vielen Situationen aus, in denen es spannungsvoll und belastend war. Wie oft fühlte ich mich genervt und in meinem Lebensraum völlig eingeschränkt. In den letzten Monaten suchte ich häufig nach berechtigten Gründen, um mich zu trennen, d.h. ich konnte die Beziehung nicht einfach zu meinen Gunsten beenden, sein Trinken als Grund schien nicht ausreichend zu sein. Es musste mir noch schlechter gehen, und er mir einen weitaus schlimmeren Grund bieten, um meine Grenze zu ereichen. Da bin ich sehr weit gegangen, habe schon lange nicht mehr um die Beziehung gekämpft, sondern mich rar gemacht und bin nicht mehr telefonisch erreichbar gewesen. Irrtümlicher Weise glaubte ich, dadurch würde er seinen Tiefpunkt erreichen. Als er sich dann einer anderen Frau zuwandete, war ich wie vom Blitz getroffen, beleidigt und tief verletzt. Nunmehr hatte ich einen Grund, ihn noch einmal ordentlich zu beleidigen und zu beschuldigen, er war das Schwein und der Versager. Danach konnte ich mich trennen. Heute bedauere ich, dass ich nicht früher ganz sachlich aus dieser Beziehung aussteigen konnte, ohne so weit zu gehen. Sehe mein Muster und meinen Anteil vor mir. :shock:
    Es ist schon interessant, sich anzusehen, wie oft diese Gefühle niedergeschrieben werden müssen, bevor sie sich auflösen können und der Blick wieder frei wird. Im Traum habe ich mir mehrfach gewünscht, ich würde eines Tages einen Anruf bekommen mit der Bitte, an einer gemeinsamen Therapiesitzung teilzunehmen, heute bin ich mir nicht mal mehr sicher, ob ich dort hingehen würde, es hat halt so wenig gepasst. Das ist traurig, aber auch befreiend. Im Rausch der "Liebe" habe ich so vieles ausgeblendet. Danke fürs Teilen

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Natürlich bin ich traurig bei diesem Thema. Aus meiner co.-abhängigen Sicht und meinem Gefühl, das derart intensiv war, empfand ich diese Verbindung als die Liebe meines Lebens. Das war so und ist rational nicht erklärbar.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Liebe Karlotta,

    mein neues Leben allein fühlt sich noch nicht ganz stimmig an. Selbsterkenntnisse tun erstmal immer weh, wenn sie bewusst werden. Ich probiere dies und jenes aus, versuche mich kennenzulernen und meine Bedürfnisse herauszufinden. Es gibt gute und schlechte Tage, an denen ich alles über Bord schmeißen möchte, das alles ist normal und gehört auf dem Weg dazu. Es kann nicht alles schlagartig sich gut anfühlen, das habe ich so angenommen, auch meine Traurigkeit, die immer mal wieder hochkommt. Gestern in meiner Gruppe sprachen wir auch über das Thema Liebe und inwieweit wir bereit sind, in dieses Paket etwas von uns hineinzupacken. Ich war gerührt, wie eine Teilnehmerin so offen und selbstverständlich weinen konnte. Ich selbst war immer bemüht, meine Tränen zu unterdrücken, es war mir unangenehm vor Anderen zu weinen. Diese weinende Frau empfand ich so authentisch in ihren Gefühlen, dass ich sie ganz fest umarmt habe. Wir waren uns so nah, es fühlte sich traurig, aber auch befreiend an. Ich fand für mich heraus, dass ich derzeit für eine Liebe nicht offen bin und mir genügend Zeit einräumen möchte. Ein Stück Selbstliebe habe ich mittlerweile errungen, schon dadurch, dass ich mein Leben nun selbst lebe und es nicht mehr leben lasse. Es ist ein langer Weg, heute bin ich zumindest schon soweit, meine co.-abhängigen Anteile zu erkennen und sie in Frage zu stellen. Das war nicht immer so.
    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Ich frage mich, wie kann die Liebe in einer Suchtbeziehung überhaupt existieren. Einen Alkoholiker bedingungslos zu lieben bedeutet entweder mit unter zu gehen oder sich völlig abgrenzen zu können von den vielen Verletzungen und Schuldzuweisungen. Beides, das Mituntergehen und das Abgrenzen empfinde ich als ungesunde Anteile. In der Liebe möchte ich offen sein und wertgeschätzt werden. Ich gehe weiter zurück, würde ich mich genügend selbst lieben und annehmen, hätte ich mich nicht in einen nassen Alkoholiker verliebt. Die Sehnsucht und Abhängigkeit und das mir bekannte Muster habe ich geliebt, nicht den Menschen dahinter, so wie er war. Wir haben uns gegenseitig nicht geachtet und teilweise verbal mißhandelt. Er kann mich auch nicht geliebt haben, auch wenn er dies manchmal im nassen Zustand aussprach, ich wollte das gerne glauben. Das Suchtmittel steht immer an erster Stelle, in diesem Zustand sind seine Wahrnehmung und sein Verhalten gestört, auch die Fähigkeit zur Selbstkontrolle ist eingeschränkt. Vielleicht kann ich verzeihen, vergessen nicht, es würde zwischen uns nicht mehr passen. Folglich glaube ich, dass dieses Gefühl von Liebe zwischen uns eine beiderseitige Illussion war.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    In Bezug auf Liebe bin ich auch noch am Sortieren.

    Habe ich geliebt, war ich verliebt ins Verliebtsein, in die Liebe oder in diesen Zustand des Entflammtseins der Leidenschaft. Diese Gefühle hatte ich oft, wenn bestimmte Charaktereigenschaften und die mir so sehr vertraute Chemie stimmten. Dann fühlte ich mich angezogen, war durcheinander und aufgewühlt, habe geträumt, idealisiert, gewartet, gehofft und gelitten. Oft denke ich darüber nach, was es genau war, dass ich mich so angezogen fühlte und den Begehrten mit Haut und Haaren wollte, vor allem nicht so wie er war, sondern was ich erkämpfen und verändern wollte. Selbst wenn mein erstes Bauchgefühl mir signalisierte, das ist er nicht, habe ich mich weiter hineingesteigert, es könnte ja noch was werden.... welch ein Trugschluss. Statt Zuverlässigkeit gab es Unzuverlässigkeit, statt Achtung gab es Verachtung, statt Treue die Untreue. Meine Partner waren nicht anwesend und offen für meine Gefühle, nicht daran interessiert, mich zu fördern, dass es mir gut geht. Es bestand lediglich eine enorme gegenseitige Anziehungskraft und Sehnsucht nach ungestillten Bedürfnissen, verbunden mit körperlicher und seelischer Leidenschaft. Das Wort sagt es schon aus, bereit für die Liebe zu leiden, so wurde es von der Gesellschaft und in Liebesfilmen-Büchern vorgetäuscht, zur Liebe gehört das Leiden. Daraus folgerte ich wohl, wenn ich leide liebe ich. Wenn ich in Tragödien verstrickt war, fühlte ich mich lebendig, die Wiederholung der Tragödien meines Elternhauses.
    Dass Liebe ganz anders sein kann, sie freiwillig ohne Kampf geschieht, dass ich einfach meiner Selbst wegen geliebt, wahrgenommen und geachtet werde, war mir fremd. Wir bekommen wohl die Partner, die wir brauchen, nicht die, die wir uns erträumen. Entsprechend unserer eigenen Entwicklung, Bewusstwerdung, Achtung und Selbstliebe werden wir eines Tages andere Persönlichkeiten anziehen, das ist der Weg. Vielleicht ist die Liebe für uns schon vorhanden, wir nehmen sie nur noch nicht wahr, weil wir noch nicht angekommen sind. Gehen wir weiter unseren Weg, jeden Tag ein kleines Stück hin zur Genesung.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo Dagmar,

    ich sitze in Hamburg :lol: , mir sagt man auch schon mal, dass ich gut aussehe und einen anderen Mann verdient habe. Früher lernte ich einen ruhigen Philosophie Studenten kennen, als er mir Freiheit und Freizeit ganz selbstverständlich zugestand, nicht mal abends zur Kontrolle anrief, hielt ich das damals für Desinteresse und mangelnder Eifersucht, aufgestachelt von den Lebensansichten meiner Mutter. Oh je, das sehe ich heute aber ganz anders. Nun diese Chance habe ich vertan, er ist nunmehr seit zwanzig Jahren glücklich mit einer anderen Partnerin. Ich habe mich damals weit aus mehr für einen unnahbaren Stadtteilcasanova interessiert, den ich mir erkämpfen wollte. Immer dieser Frauentyp, den andere Co.`s auch wollten! Deshalb auch gleich diese Enge und möglichst verschmelzen, damit eine Andere ihn mir nicht wegschnappte. Weil ich mich an der Seite dieser Männer nie sicher fühlte, hatte ich immer gut zu tun und habe mich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln eingebracht. Wenn ich darüber nachdenke, kommt mir ein mildes Lächeln über die Lippen. Heute habe ich keine Angst mehr, etwas zu versäumen und kann in aller Ruhe zu Hause bleiben mit dem Wissen, dass alles zur rechten Zeit geschieht, habe nämlich nichts mehr zu kontrollieren und die Dinge nehmen dennoch ihren Lauf. Es gibt schon ein paar Interessierte an mir, doch mich reizt momentan nichts, das erste Mal in meinem Leben lasse ich mir bewusst Zeit und brauche nicht dringend das Gefühl, dass Jemand mich mag und bestätigt. Früher fühlte ich mich ohne Partner gegenstandslos. Vielmehr könnte ich derzeit einen guten Freund brauchen, um auch mal die Dinge des Lebens aus männlicher Sicht zu besprechen. Ziehe aber derzeit Jene an, die Torschlußpanik haben. Ich erfreue mich gerade an meinem Leben, meinen Büchern, den nahe kommenden Frühling und dem Zwitschern der Vögel. Alles scheint möglich und ist offen - und ich fühle mich wohl mit meiner Anwesenheit, das alles fühlt sich schon ein wenig gesünder an. Vor allem kann ich nun in Ruhe auch mal am Wochenende ein Seminar besuchen ohne Angst, dass sich mein Partner betrinken oder verlaufen wird. Über meine letzte Beziehung habe ich alles aufgeschrieben, was mir in den Sinn kam, alles an Gefühlen, dabei getobt, gewütet und geweint. Als ich das Gefühl hatte, dass alles notiert war, habe ich es noch mal durchgelesen und anschließend als erledigt zerrissen. Sagte zu mir, nein das will ich nicht mehr, was gibt es noch zu sagen oder klären, das musste ich ohnehin allein machen. Habe auch Wut, Groll und Verletzungen zum Fenster hinausgeschickt, ihn innerlich gesegnet und ihm ein gutes Leben gewünscht. In Bezug auf eine neue Partnerschaft erwarte ich gerade gar nichts, dafür habe ich ganz viel mit mir zu klären und erledigen. Es gibt viele vage Vorstellungen, wie ein neuer Partner sein könnte, dieses Wissen ist aber aus Büchern, das bin noch nicht ich oder ich möchte es so ausdrücken, ich fühle mich dafür noch nicht reif. Meine Saat ist noch nicht zur Blüte gereift. Werde mich als Pfläzchen weiter hegen und pflegen. Neuerdings kann ich offen sein für den Augenblick und bin nicht mehr im Grübeln verhaftet, dieses neue Gefühl fühlt sich gut an.
    Wo immer Du bist, wünsche Dir angenehme und positive Abendstunden.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo Dagmar,

    Dein Beitrag spricht mich gerade sehr an.

    In meinem Familiensystem durchläuft das Thema Sucht und Abhängigkeit mehrere Generationen. Nicht nur Vater und Großväter, sondern auch Urgroßväter waren suchtabhängig.

    Ich frage mich seit geraumer Zeit, wie es mir immer wieder passieren konnte, dass ich um Liebe dort kämpfe, wo sie nicht erreichbar ist. Zwar gehe ich in meine Gruppe und habe vieles über die Thematik gelesen, doch das Wissen allein reicht nicht aus, wenn es mir nicht bewusst ist.

    Ich gehe davon aus, dass ich vor einem gesunden Mann insofern Angst habe, als dass er entdecken könnte, wie krank ich bin. Folglich wehrt mein Unterbewusstsein solche Annäherungen als "langweilig" ab, gar nicht erst darauf einlassen, viel zu unsicher und unbekannt. In dem kranken System habe ich mich sicher und zu Hause gefühlt.

    Wie komme ich mit mir selbst in Beziehung? Wer bin ich, wie möchte ich leben, was kann ich zulassen, inwieweit kann ich mich abgrenzen, Nähe und Distanz leben. Welche Charaktereigenschaften sollte ein möglicher Partner haben, um zu den meinigen zu passen. Wie möchte ich den Alltag und den Urlaub verbringen. Wie wichtig ist für mich finanzielle Sicherheit und Treue. Kann ich einen Menschen bedingungslos lieben und annehemen. All diesen Fragen habe ich mich früher nicht gestellt, sondern bin blind von gegenseitiger chemischer Abhängigkeit einfach so hineingerutscht. Ob ich es in losen Beziehungen herausfinden kann, wo ich mich wiederum nicht völlig einlasse, da bin ich mir nicht sicher.

    Ich glaube, dass ich mich erst dann auf eine Beziehung ganz einlassen kann, wenn ich mich zuvor der Aufgabe stelle, mich vorerst auf mich einzulassen mit allen Licht- und Schattenseiten, um mich kennen- und lieben zu lernen. Dann könnte ein Partner zu einer liebevollen Ergänzung werden.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Liebe Ette,

    danke für Deine angeführten Möglichkeiten, habe sie mir zweimal durchgelesen und finde alles sehr passend und richtungsweisend.

    Mir fällt dazu noch ein, dass sich mit dem Ausstieg vom Partner auch das Umfeld verändert.
    Ich habe inzwischen viele neue Bekanntschaften aus dem Bereich meiner Angehörigengruppe kennengelernt. Neben meiner Gesprächsgruppe gehe ich in eine Tanzgruppe und werde demnächst an einer Theatergruppe teilnehmen.
    Die Menschen, die selbst auf dem Weg sind, sind weitaus offener und authentischer in Bezug auf ihre Gefühle, dort muss niemand um Anerkennung buhlen oder sich verstellen.
    Außerdem werden viele Seminare angeboten. Früher konnte ich an einem Wochenendseminar nicht teilnehmen, weil ich keine Ruhe und ihn nicht unter Kontrolle hatte. :lol:

    Wenn möglich, sollte man die Telefon- oder Handynummer ändern, um in einer stillen, einsamen und schwachen Stunde nicht zu diesem Strohhalm zu greifen. Dieser kurze Augenblick des vemeintlichen Glücks ist nur eine berauschende Phantasie, die im Ergebnis nicht satt macht.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Liebe S. Käferchen,

    es ist relativ leicht, zur Einsicht zu kommen, dass eine solche Beziehung ungesund ist und mir schadet. Die Einsicht allein hilft noch nicht, solange ich noch süchtig danach bin zu leiden und verletzt zu werden. In der Phase der Trennung kommt Klärungsbedarf hoch, was mit einem nassen Alkoholiker nicht möglich ist. Die Einsicht ist zwar vorhanden, doch unser inneres schreit nach Einsicht seinerseits, er soll sich entschuldigen, bereuen uns vermissen, wir wollen ihn bestrafen und verachten und warten auf eine Nachricht, um ihn erneut abweisen zu können und sehnen uns paradoxer Weise auch noch nach ihm. Wenn immer wieder Kontakt zu Stande kommt, denn beide Seiten sind süchtig nach diesem ambivalenten Spiel, auch wenn es schon lange keine Liebe mehr ist, so kann man zumindest noch gegenseitigen Hass und Verachtung aufrechterhalten, steigert man sich erneut in die Suchtspirale hinein. Fälschlicherweise glaubt man, ohne ihn nicht leben zu können und die Wunden können nicht ausheilen.
    Meiner Meinung nach ist es eine Frage der Zeit und der Überwindung zur Abstinenz, damit sich ein neues Bewusstsein einstellen kann, das uns unseren Anteil aufzeigt, und wie wir mit unseren Bedürfnissen, unserem Schrei nach Liebe anders umgehen können.

    Die Handlungen sind auch bekannt, sich neu orientieren, etwas für sich tun, neue Interessen, ein Hobby pflegen etc.... doch solange man sich in dem neuen Bereich noch nicht stimmig und befriedigend gefunden hat, ist das Unterbewusstsein weiterhin gefährdet, sich von der dunklen süchtigen Seite angezogen zu fühlen. Dort kennen wir uns aus, in dem bekannten Unglück. Das unbekannte Glück ist fremd und scheint nicht verlockend zu sein. Solange der Selbstzerstörungstrieb noch stärker ausgeprägt ist als der Selbsterhaltungstrieb, sind wir weiterhin gefährdet. Das kann bewusst sein, die größte Schwierigkeit scheint in der Umsetzung zu liegen.

    Der Weg dorthin, kann wohl nur im üben, üben und nochmals üben liegen, und zwar solange, bis sich die alten Muster auflösen können und Platz für Neues entsteht, das sich gesund und stimmig anfühlt. Es reicht nicht zu sagen, ich brauche das alte Muster nicht mehr, solange wir nicht frei davon sind. Der Weg in die Freiheit, ist ein langer schmerzhafter Prozess mit vielen Rückfällen, wie man genau dort hinkommt, kann ich nicht beantworten, zumindest bin bisher nur in Teilbereichen dort angekommen und wünsche mir für die Zukunkt, eines Tages sagen zu können, ich habe mal co.-abhängig geliebt und hielt diesen Zustand für Liebe.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Zitat von Ette

    Hallo Laurina,

    du hast eine ganze Menge Punkte gepostet, die für ziemlich viele Co´s kennzeichnend sind. Leider sind sehr Wenige so mutig, sich selbst so ehrlich zu betrachten. Ich danke dir für deine Offenheit.

    LG
    Ette


    Hallo Ette,

    ich bin zu der Einsicht gekommen, dass es ohne schonungslose Offenheit mir selbst gegenüber keinen Fortschritt geben kann. Dazu gehört die eigene Bestandsaufnahme und das Hinsehen. Früher habe ich alles an ihm festgemacht, er war der Kranke, er hat mein Leben aus dem Gleichgewicht gebracht, er hat mich zuviel Kraft gekostet usw. Ich sehe ganz deutlich, dass er den Rhytmus bestimmte und dass wir neben der körperlichen Nähe im Grunde ganz wenig gemeinsames hatten. Folglich war ich eifersüchtig, wenn das Wenige auch noch von außen bedroht wurde. Somit habe ich meine Bedürfnisse unterdrückt, damit er nicht auf Abwege gerät und ließ mich weiter provozieren und kränken bis zu dem Punkt, als meine Schmerzgrenze erreicht war, die war übrigens sehr weit gedehnt, wenn ich es im Rückblick betrachte. Ich weiß heute noch nicht, wo es hingehen soll und wie eine mögliche neue Beziehung sich gestalten könnte. Eines weiß ich aber sicher, so nicht mehr, das will ich nicht mehr leben, es passt von meinem Denken nicht mehr und ich könnte nicht mehr dahinter stehen. Ich bin in einem Umwandlungsprozess und möchte herausfinden, wo meine Bedürfnisse und Begabungen liegen, dafür muss noch vieles ausprobiert werden, um zu einem gesunden Selbstwertgefühl und einer Eigenliebe zu finden. Ich wollte geliebt werden, ohne mich selbst zu lieben, dass es so nicht funktioniert, war mir nicht bewusst, weil meine Antennen nur auf andere Bedürfnisse ausgerichtet waren. Ich blieb leer und wurde nicht satt, dann habe ich es mir halt in der Phantasie schön gemalt, um es ertragen zu können. Selbstbetrug tut im Ergebnis niemals gut.
    Gestern saß mein Ex stundenlang in einer benachbarten Kneipe und versuchte mich telefonisch zu erreichen. Letztlich stand er am frühen Nachmittag vor meiner Haustür und klingelte sturm. Als er auf meine Aufforderung hin nicht ging, habe ich die Polizei angerufen und ihn abholen lassen. Bei der Aktion fühlte ich mich ein wenig aufgeregt und fast selbst schuldig, außerdem war es etwas unangenehm, als die Nachbarn gerade aus ihrer Wohnung kamen. Anschließend fühlte ich mich aber befreit und ein Stück selbstsicherer mit dem Wissen, für mich und meine Bedürfnisse gesorgt zu haben. Sollten die Nachbarn mich ansprechen, werde ich es so sagen, wie es ist, nichts mehr verleugnen.
    Er macht weiterhin ganz in der Nähe in einer Kneipe bewusst mit anderen Frauen herum, um mich zu provozieren, zumindest spricht es sich herum. Mir tut das immer noch weh, was soll ich tun? Ich kann nur darauf hoffen, dass die Zeit es bringt, und es mir eines Tages gleichgültig sein wird, ein Patentrezept fällt mir dazu hier und jetzt nicht ein.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Zitat von Pandora

    hallo laurina,

    ja so versuch ich es auch zu sehen,gleichzeitig denk ich aber kann man nicht alles mit dieser erklärung entschuldigen,weisst wie ich meine?
    andererseits wenn ich das nicht so sehe,würde ich mir noch mehr den kopf zermardern.
    das mit dem vergeben werde ich versuchen mir anzunehmen,das ist denk ich ein guter weg.
    es ist schon belämmert wie man sich selber alles so schwer macht,doch es wäre ja schlimm wenn wir keine gefühle hätten.

    glg kathrin

    Liebe Kathrin,

    ich weiß, was Du meinst, Du denkst dabei an die kurzen Lichtblicke, dass die sogenannte "Tat" doch nicht völlig unbewusst passierte. Wir denken völlig anders, habem zuviele Gefühle, neigen zum Grübeln und zum eifersüchtig sein. Völlig unbewusst suchen wir uns einen Partner, der genau diesen wunden Punkt verletzt. Andere machen Schuldzuweisungen, spielen oder betrügen mit Geld, schlagen auch im schlimmsten Fall. Ein Fremdgeher hat m.E. ein sexuelles Problem und Schwierigkeiten nüchtern sich an Frauen heran zu wagen. Somit benutzt er den Alkohol, um seine Hemmungen zu verlieren und stürzt sich in eine unbefriedigende Sache, die er penetranter Weise auch noch aufbauscht. Eine Frau, die mit ihm verkehrt, ist genau so krank, eine Gesunde würde ihn nach Hause schicken, bzw. nicht wahrnehmen. Und nun komme ich zu uns, wir suchen uns so einen aus, der uns emotional nicht nähren kann und uns in Verstrickungen stürtzt - erwarten aber ausgerechnet von ihm Treue und Zuerlässigkeit, die er nicht geben kann. Er bedeutet sich selbst nichts und verachtet sich im Innern, folglich können wir ihm auch nichts bedeuten, und darum kämpfen wir auch noch, ist das nicht paradox? Ein gesunder Mann ist daran interessiert, dass die Frau sich wohl und aufgehoben fühlt, auch an ihrem persönlichen Wachstum. Ein Alkoholiker findet immer heraus, wo er Dich treffen und verletzen kann. Das ist seine vermeintliche Stärke. Ich glaube, wenn frau dieses Spiel durchschaut, fällt vielleicht nicht sofort das Vergeben leicht, aber zumindest das Loslassen von diesem kranken Muster, in das wir uns haben hineinziehen lassen. Wir waren süchtig nach diesen Verletzungen und wollten das Unmögliche schaffen, konnten nicht erkennen, dass wir nur uns allein ändern können und nicht ihn, wenn er dazu gar nicht bereit ist.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Liebe Kathrin,

    ich habe auch meine Schwierigkeiten mit dem Verzeihen, vor allem auch mir selbst, weil ich mich so lange verletzen ließ.

    Ich stelle mir die Sache mit dem Fremdgehen mal so vor.
    Der Betrunkene ist in einem Ausnahmezustand, fernab von allen rationalen und moralischen Gedanken, nur noch gesteuert durch die charakterverändernde Droge im Hirnstoffwechsel, das ganze noch gepaart mit dem Wissen, dass er sich schuldig fühlen will, um einen Grund zum Weitertrinken zu haben.

    Würde man mir unwissentlich eine Droge oder K.o. Tropfen ins Glas tun, wäre ich auch nicht mehr selbstbestimmt, folglich könnte in diesem Zustand mit mir alles passieren.


    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo Melanie,

    ich bin eine sehr gefühlsbetonte Frau. In meiner letzten Beziehung waren es die ganz kurzen seltenen Augenblicke, wenn wir uns z.B. in die Augen sahen und in uns beiden eine innere Durchflutung entstand, wobei er rot anlief, dieses Gefühl hielt ich für Liebe. Auch dieses vertraute Gefühl, wenn er neben mir nachts leicht röchelte vermittelte mir das Gefühl, dass er zumindest während dieser Zeit ganz mir gehörte. Niemand konnte mich so treffen, so rasend machen und so tief in gedankliche quälende Grübeleien versetzen. Wir waren und sind beide gefühlsgestört. Während er den Hang zum Verletzen hatte, hatte ich den Hang mich selbst zu quälen, war regelrecht süchtig danach, um mich zu fühlen, auch eine negative Beachtung schien mehr zu sein als gar keine. Ganz selten sagte er mal mich zu lieben. Vieles wollte ich aus ihm heraus zwingen, auch sollte er das sagen, was ich hören wollte, wenn dies nicht stattfand, konnte ich mich regelrecht ereifern und verfiel in Hass- und Erpressungsversuche. Wollte überzeugen und nach meinen Vorgaben geliebt werden. Dieses Erkämpfen müssen löste eine enorme fast euphorische Kraft in mir aus und machte ihn interessant und unwiderstehlich. Das wusste er, so ging das Spiel hin und her. Streiten, verachten und wieder vertragen bis zum nächsten Mal. Seine Unfähigkeit zur Nähe kam meinem Bedürfnis gleich, weil auch ich ein Nähe/Distanz Problem habe. Wenn er weg war, habe ich ihn wieder rangeholt, erobert für mich. Mein heutiges Problem ist, ich weiß nicht, wie ich Liebe empfinden soll, wenn sich bei einem anderen Mann nichts tut, nichts regt, so halte ich dieses Gefühl nicht für Liebe, er erregt mich nicht und lässt mich kalt. Anscheinend brauche ich Aufregung, anstatt Anregung. Anregende nette Männer kann ich lediglich als gute Kumpel betrachten. Intuitiv will ich immer den, dem ich beweisen muss, dass ich liebenswert bin. Ich weiss sehr wohl es ist krank und co.-abhängig, folglich muss ich weiterhin allein leben und an mir arbeiten, bis ich vielleicht doch noch eines Tages offen werde für eine gesunde und liebevolle Beziehung.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Ich bin die Tochter eines Alkoholikers/Spielers.

    Die oben angeführten Ausführungen kommen mir sehr nahe. Mit einer Einschränkung, dass ich mir nicht ständig sagen möchte, krank zu sein, sondern eher, dass ich liebenswert und auf dem Weg der Genesung bin. Die Kraft der eigenen Gedanken und der Glaube an Genesung tun mir gut.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo S. Käferchen,


    darüber habe ich mir auch meine Gedanken gemacht und komme zu dem Ergebnis, dass gefestigt sein ein Zustand ist, in dem man nicht nur clean ist, sondern frei von seiner Sucht. Erst in diesem Zustand werden die kranken Verhaltensweisen überflüssig, da sie keinen Gewinn mehr bringen. Womöglich müssen sie bis dahin ausgelebt werden. Schonungslose Bestandsaufnahme der eigenen Situation ist ein Lernprozess. Vorerst mag es leichter sein, Anderen zu antworten, helfen zu wollen, weil der eigene Schmerz noch zu mächtig erscheint, um sich ihm stellen zu können. Verdrängen und schönreden sind Bestandteile von uns Abhängigen bis zu dem Punkt, an dem man mit seinen eigenen Gefühlen so massiv konfrontiert wird, dass ein inneres Bedürfnis danach schreit, sich ungeschminkt zu stellen. Das bedarf Mut und Vertrauen, dass nichts schlimmes passieren kann. Wenn man dort ankommt, stellt man fest, wie befreiend es sich auswirkt, sich nicht mehr verstellen zu müssen, beliebt sein wollen und gut anzukommen. Die Wege dorthin sind sicher individuell verschieden, es lässt sich nicht forcieren. Genesung braucht ihre Zeit.

    Wenn das Gefestigtsein sich eingestellt hat, wird wohl der Bedarf sich hier zu beteiligen, mehr in den Hintergrund treten.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo S. Käferchen,


    ich antworte dort, wo ich mich erreicht fühle und was mich anspringt, wobei ich mich nicht als Ratgeberin empfinde, sondern mich im Antworten gleichzeitig mit therapiere. Es liegt für mich in der Natur der Sache, auf Situationen zu antworten, die das eigene Thema betrafen oder noch betreffen. Wobei ich in all meinen Antworten versuche, stets bei mir zu bleiben und mich selbst einzubringen. Ich verstehe den Einwand insofern, dass es nicht von Vorteil ist, nur Anderen helfen zu wollen und sich selbst auszublenden. Die Gefahr ist in einem offenen Forum immer gegeben, manchmal sind andere Beitäge auch ein Auslöser, um wieder aktiv zu werden und zu erkennen, da habe ich auch noch meinen wunden Punkt.

    Es sei denn, man würde hier so eine Art Go-Round einführen, "Wie geht es mir gerade", wo jedes Mitglied ausschließlich von sich schreibt und keine Stellungnahmen zu anderen Beiträgen abgibt, das wird wohl eher nicht möglich sein. Wenn es auffällig wird, dass Jemand in die Funktion einer Beraterin abruscht, könnte mal angefragt werden, wie geht es Dir gerade, welche Gefühle werden bei Dir ausgelöst?

    Lieben Gruß Laurina :wink: