Beiträge von Laurina5

    Hallo Thea,

    danke für Deine solidarischen Grüße.

    Mir ging es ähnlich, habe auch viel bei Anderen mit gelesen und teilweise geantwortet.

    Zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann ich sagen, dass ich mich vom Verstand und Kopf her weitaus früher getrennt habe als von meinen Gefühlen, die hafteten noch und wurden im Zusammenhang mit ihm aktiv, wenn auch mehr mit negativen Gefühlen. Ich ertappte mich dabei, dass ich trotz Trennung im Hintergrund noch Einfluss haben wollte, beobachte und lauschte, wenn es um seine Eskarpaden ging. Es ließ mich noch nicht kalt bis zu der Nacht, als er mich gegen 1.00 Uhr von einer Polin aus anrief, dort weg und zu mir wollte. Diese Frau hat eine Vorgeschichte, folglich wusste er, wie sehr er mich damit treffen konnte. Hat er auch noch einmal geschafft, sie war für mich die absolute Schmerzgrenze, danach hatte er keine Chance mehr. Das fatale war, dass ich genau dieses vor seinem Anruf geträumt habe. Einmal habe ich noch gelitten, bekam Durchfall, habe die ganze Nacht nicht geschlafen, mir selbst einen angetrunken und zuviel geraucht. Dieser Zustand dauerte ein paar Tage an, bis ich morgens wach wurde und mich frei fühlte. Es war, als ob etwas Schweres von mir abfiel, ich war frei von ihm, suchte ihn nicht mehr, auch nicht im Traum, überreichte ihm sinnbildlich ein voll beladenenes Tablett, mit dem er machen kann, was er will. Es ist sein Leben, ich habe daran nichts zu bewerten, gebe ihm das alles zurück und nehme mein Tablett selbst in meine beiden Hände. Dieses Freisein war ein Hochgefühl, das eigene Leben zurückzugewinnen und alles machen zu können, ohne diese lähmenden Gedanken. Heute kann er mich nicht mehr treffen, es erreicht mich nicht mehr. Habe verinnerlicht, dass der Alkohol seine Gedanken und sein Handeln bestimmt, darauf habe ich keinen Einfluss und nehme nichts mehr persönlich. Es tut gut, wieder bei sich anzukommen, wenn es auch ein langer schmerzhafter Weg ist. Dieses Loslassen fühlt sich befreiend an, lange habe ich in der Illussion gelebt, er könnte mich irgendwo unter seinem Paket doch lieben, daran wollte ich glauben, die Desillussion wollte ich meiden. Ent-täuscht sein bedeutet im Grunde nichts anderes, als dass die Täuschung sichtbar wird, das tut vorerst immer weh. Ich wünsche Dir und allen Anderen solidarischen einen guten Weg, lasst uns gemeinsam stark werden und wachsen. Vor allem uns immer wieder die eigenen Anteile ansehen, dort wo Täter walten, stehen Opfer bereit.

    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Hallo Butterblümchen,

    es freut mich für Euch, dass Dein Mann den Weg in die Trockenheit gefunden hat.

    Als Co.-Abhängige habe ich u.a. die Prägung zu gefallen und beliebt sein zu wollen. Früher wollte ich das um jeden Preis, auch wenn ich dafür meine eigenen Bedürfnisse verleugnet habe. Folglich musste ich mich immer mehr anstrengen, um den Bedürfnissen Anderer gerecht zu werden. Auch konnte ich nicht mit Kritik umgehen, fühlte mich sofort persönlich angegriffen und wollte alles erklären und richtig stellen. Wehe, die Anderen hatten eine Meinung über mich, die mir nicht gefiel, da habe ich mich um Kopf und Kragen geredet. In meiner Co. Laufbahn konnte ich nach und nach die Erfahrung machen, dass ich die Gedanken und Meinungen anderer nicht ändern kann. Dann habe ich mich getraut, mich auch mal unbeliebt zu machen und erfuhr, dass das überhaupt keine Bedrohung für mich darstellt. Es ging und fühlte sich noch nicht mal schlecht an. Könnte mir gerade mal selbst auf die Schultern klopfen, wenn ich beim Schreiben feststelle, wie ich einmal war, und was ich schon auf meinem Weg erreicht habe. Heute erhalte ich auch noch gerne Anerkennung und genieße das Gefühl beliebt zu sein, nur mit einem Unterschied, ich erhalte sie dafür, weil ich echt und authentisch war, das fühlt sich besser und stimmiger an.

    Soviel zu meinen Erfahrungen.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo Elke,

    es ist völlig gleich, welche Antwort Du gibst, solange er einen Grund zum Trinken sucht. Was glaubst Du, welche Antwort hätte ihn zu Hause halten können und vom Trinken abgehalten. Wir zermartern uns unnützt den Kopf über mögliche richtige Antworten, die etwas bewirken, verändern könnten. Das einzige was ihn verblüfft, wenn Du freundlich bestimmt bei Dir bleibst, ihn nicht angreifst und es Dir nichts ausmacht, wenn er geht.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo Elke,

    sei willkommen hier unter uns Co.-Abhängigen.

    Du hast den ersten Schritt getan, indem Du Dich mitteilst und eine Bestandsaufnahme Deines Lebens machst. Sicher werden noch Andere Dich auf die Bausteine der Co.-Abhängigkeit hinweisen, falls Du sie nicht schon gelesen hast.

    Das Herauskommen geht nicht von heute auf morgen, es ist ein langer Weg mit vielen Schritten. Ich habe mich anfangs an eine Angehörigen-Selbsthilfegruppe gewandt, im Forum geschrieben und einige Bücher gelesen, sehr empfehlenswert finde ich nach wie vor "Was tun, wenn der Partner trinkt" von Toby Rice Drews. Sie ist selbst in einer Alkoholikerfamilie aufgewachsen und leitet heute Seminare als Suchtberaterin. Dieses Buch machte in meiner Gruppe die Runde, und alle fanden sich wieder.

    Du wirst Dich erst dann trennen können, wenn für Dich die Zeit reif ist. Dieser Weg ist gepflastert mit vielen Bedenken, Hoffnungen und Rückfällen. Eine Seminarleiterin sagte uns mal, wir bekommen alles so lange auf den Teller, bis wir satt sind. Diese Wege verlaufen immer individuell. Einige sind schnell satt, andere brauchen länger, andere finden wieder zusammen, wenn der Partner trocken wird und bereit ist, etwas für sich selbst zu tun.

    Die erste Erkenntnis ist immer folgende, Du kannst nichts für ihn tun, ihn nicht retten, was Du jahrelang vergeblich versucht hast. Bist halt keine Therapeutin, diese Erkrankung gehört in professionelle Hände.
    Du kannst lediglich etwas für Dich tun, das hört sich am Anfang natürlich fremd an, unsere Bedürfnisse sind verschüttet, folglich gilt es sich auf die Suche nach ihnen zu machen. Auch das braucht seine Zeit.
    Von mir kann ich berichten, dass ich vom Kopf und Verstand her mich schon getrennt hatte, aber innerlich gefühlsmäßig lange noch fest hing bis zu einem Punkt, als meine Schmerzgrenze erreicht war, da war er zu weit gegangen in Bezug auf andere Frauen.

    Ich wünsche Dir einen guten Start und viel Kraft, die wirst Du brauchen.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Liebe Olive,

    ich habe diesbezüglich ganz schlimme Erfahrungen gemacht, die auch mein Selbstswertgefühl enorm angriffen. Solange noch Gefühle vorhanden sind, ist Frau gerade an dieser Stelle stark zu treffen.

    Ich hätte mir sogar gewünscht, er wäre lieber ins Bordell gegangen. Statt dessen hat er im Kneipenmillieu an den Hinterteilen der Frauen herumgefummelt, sich verbal geäußerte, dass er Jede durch..... wolllte und hat sich auch privat eingelassen bei sogenannten leichten Frauen, die auf seine Kosten trinken wollten und dafür ihren Körper anboten. Das war so niederträchtig. Obwohl ich damals auch Trennungsgedanken hatte und von ihm nicht mehr berührt werden mochte, verletzte es mich zutiefst. Er wollte verletzen und provozieren. Hielt das alles nur für Spass und meinte, es gäbe die Triebhaftigkeit und eine Sache, die man Liebe nennt. Nüchtern war er eher schüchtern und konnte keinen Kontakt zu Frauen herstellen, im Trunke hingegen ließ er die Sau raus.

    Ich kann Deine verletzten Gefühle sehr gut nachempfinden.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Liebe Nora,

    das hört sich für mich stimmig und sehr empfindsam mitfühlend an.

    Ja die Polin, sie war auf mich völlig betrunken zugekommen und hatte gesagt: Ich will mit deinem Mann.....und werde es eines Tages schaffen.

    Sie erinnnert mich an eine frühere Situation, als ich hoch schwanger war und während ich in den Wehen lag betrogen worden bin, ein ganz wunder Punkt.

    Nach dem Schmerz von heute Vormittag bin ich nun wieder bei mir angelangt und werde gleich meiner Mutter beim Kochen helfen.

    Alles Gute auch für Dich.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Guten Morgen,

    beim Lesen Deines Textes kommen mir die Tränen, ich sitze hier und weine und schon kommt wieder ein Gedanke hoch, als ob ein innerer
    Richter mir sagen würde, reiße Dich zusammen.
    Ich weine über mich und über meine kranken Anteile, die gerade so schmerzhaft bewusst werden.

    Ich habe mich getrennt, im Hinterstübchen sind noch Gedanken, dass er mich trotz seines Trinkens lieben würde, meinte das gefühlt und wahrgenommen zu haben. Wenn ich nichts hörte und mit nichts konfrontiert wurde, fühlte ich mich subjektiv gut. Dennoch war ich süchtig danach zu erfahren, wo er sich aufhält und was er treibt. Viele Abende schaffte ich es nicht ans Telefon zu gehen. Es gab dazwischen Abende, an denen wartete ich regelrecht auf einen Anruf, um ihn abweisen zu können und um einige meiner vielen Verletzungen anbringen zu können. Wenn ich hörte, was er so treibt, war es gerade so, als ob ich eine erneute Bestätigung dafür suchte, dass mein Entschluss zur Trennung richtig und gerechtfertigt ist. Habe ihm gesagt, er solle weitertrinken und sich andere Frauen nehmen, seine notwendigen Erfahrungen machen, aber bitte in seinem Stadttteil, wo ich nichts davon mitbekomme. Er kommt aber regelmäßig in meinen Stadteil zurück und treibt sein Unwesen hier. Er ist süchtig mich zu verletzten, ich bin im Gegenzug süchtig, von ihm verletzt zu werden. Ich habe immer gewarnt, aber bitte nicht mit dieser Polin, mit ihr hatte ich einige negative verletzende Begegnungen, sie war für mich die absolute Schmerzgrenze, nein das darf nicht passieren. Und nun war er bei ihr "zum Wäschewaschen", was da auch immer passiert ist, es zerreißt mich fast vor Schmerzen. Empfinde neben meiner Traurigkeit auch Wut und Verachtung. All meine negativen Empfindungen komme gerade hoch.... sie sind sehr heftig.
    Als ich am Dienstag in meiner Gruppe war, berichteten zwei Frauen, dass deren Männer nun trocken seien und sie wieder zufrieden und glücklich wären. Da brach meine Schleuse, was hatte ich dagegen zu bieten, der meinige trinkt weiter und amüsiert sich mit einem polnischen Luder.
    Ich wollte es steuern und auch ein Erfolgserlebnis zu berichten haben, in dem ich glaubte, wenn ich mich nur rar mache, wird er schon seinen persönlichen Tiefpunkt erreichen.
    Fazit: ich habe mich in sein Leben eingemischt, seine Entscheidungen zu den meinigen gemacht, noch nicht losgelassen und manipuliert. Mit allem theoretischem Wissen fühlt sich das nicht gut an.
    Meine Fragestellungen gingen zu oft in die Richtung, warum er so ein massives Bedürfnis hat mich zu verletzen, warum ich mir das alles angetan habe, fragte ich mich seltener. Zu guter Letzt könnte ich nicht mal die Frage beantworten, was ich an ihm so sehr geliebt habe. Es war ein Gefühl wie im Zauberwald, wir waren wie besoffen voneinander, verstrickt in Sucht, Leidenschaft, Abhängigkeit und anderen destuktiven Gefühlen. Das habe ich als Liebe gelernt, und das habe ich gelebt. Während ich es niederschreibe, klären sich meine Gedanken und Gefühle. Dieser Tiefpunkt ist zu mir gekommen, er bedarf der Klärung.
    Ich trage mich mit dem Gedanken an einem Seminar teilzunehmen mit dem Inhalt: Was nährt mich, was verstrickt mich?"
    Danke fürs Teilnehmen.
    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Liebe Nora,

    Dein Beitrag ist mir sehr nahe gegangen, so dass ich ihn nochmals gelesen habe.

    Ich habe bisher für positives Denken plädiert und mir mein neues Singleleben frei und unabhängig mit allen Möglichkeiten ausgemalt und dargestellt. Dabei habe ich außer acht gelassen, dass ich meine notwendige Trauerarbeit noch nicht abgeschlossen habe. Habe mich abgelenkt und in alle möglichen Aktivitäten gestürzt, um meinen Schmerz nicht zu fühlen, der immer noch schwelend vorhanden ist. Die Co.-Abhängigkeit scheint nicht wie ein schmutziges Hemd abzustreifen zu sein.

    Vorgestern Nacht hatte ich einen Traum, mein Ex-Freund würde mich von dieser Polin aus anrufen. Diese Frau habe ich während der Beziehung besonders gefürchtet, folglich wollte ich ihn vor ihr schützen und habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit er nicht an sie gerät. Er war auch ein Grabscher und wollte im Trunke alle Frauen nehmen. Während ich dies träumte, klingelte gegen 1.15 Uhr mein Telefon, ich ging verschlafen ran, er war es und rief von dieser besagten Frau aus an, war in ihrer Wohnung und hatte gegen Bezahlung seine Wäsche waschen lassen. Stotterte irgendwas, hätte kein Erinnerungsvermögen mehr und wüsste nicht wo er sei, ihren Namen hätte er vergessen, sie lachte schallend im Hintergrund. Er wolle dort weg, es sei ihm alles zu assozial, das würde er auch nicht mehr wiederholen. Ich legte völlig erschlagen auf, danach folgten weitere Anrufe auf meinem AB, dass er sich draußen verlaufen hätte, und ich ihn doch nicht in der Nacht draußen lassen könne, damit er erfriere, man hätte ihn dort hinausgeworfen, bzw. er sei gegangen.

    Die Folge war, dass mein Schlaf unterbrochen, und ich die ganze Nacht nicht mehr richtig zur Ruhe kam. Gestern war ich angeschlagen und wie in Trance. Bin abends in meine Gruppe und habe mein Thema angesprochen. Es war so viel Wut, Verletzung und Traurigkeit in mir, so dass ich meine Tränen nicht mehr aufhalten konnte und dort weinte, wie ein kleines verletztes hilfloses Mädchen, das ich letztlich auch bin. Das Thema war wieder mein Vater, auch ihn habe ich noch zu betrauern und loszulassen. Mein letzter Freund hat wieder mal genau diese Gefühle in mir ausgelöst und voll getroffen. Mein Vater ist schon 1985 gegangen, mit ihm konnte ich nichts mehr klären und abschließen, mit anderen Männern habe ich es weitergelebt und außer dem mir zugefügten Leid, mich auch stellvertretend gerächt, indem ich auch ihre Abhängigkeit mir gegenüber nutzte und sie nicht loslassen wollte oder konnte.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Ich meine, es ist nicht so negativ zu sehen.

    Unsere Partnerwahl hatte immer mit uns zu tun.
    Da ist für mich der Ansatzpunkt, nicht bei meinen
    Partnern.
    Sie sind mir sozusagen als Spiegel entsprechend
    meinem Stand vorgesetzt worden als Lernaufgabe.

    Und wenn ich immer noch nichts daraus gelernt habe,
    wird mir der nächste Kandidat sicher vorgesetzt. Das
    könnte theoretisch natürlich bis zum Lebensende so
    weitergehen, wenn ich mich nicht verändere.

    Ich habe mich eingelassen und war so naiv zu glauben,
    einen Alkoholiker/oder anders Süchtigen nach meinen
    Bedürfnissen umpoolen zu können, so funktioniert das
    leider nicht, wäre wohl auch zu einfach und völlig unlogisch.

    Erst wenn ich selbst so weit bin, werde ich auch eine
    ganz andere Ausstrahlung haben für eine Begegnung
    anderer Art.

    Es fällt aber nichts vom Himmel, wir können nicht die
    Früchte erhalten, bevor wir keine Samen gesät haben.
    Gut Ding will Weile haben, folglich sehe ich mein Alleinsein
    auch als eine Art Prüfung für mich, um mich mit mir anzufreunden,
    mich und meine Bedürfnisse wahrzunehmen und durchzusetzen.
    Wer weiß im Voraus, was dabei herauskommt.
    Ich kann keinen Purzelbaum schlagen und von einer abhängigen
    Beziehung in einer gesunden glücklichen landen.

    Jahrelang haben wir das bekannte Unglück vorgezogen, vielleicht
    aus Angst vor dem Alleinsein, womöglich aus anderen Gründen,
    wenn wir uns weiterhin bemitleiden und in Verbitterung stürzen,
    wird das unbekannte Glück sich nicht zeigen.

    Ich habe mich nun zu einem Englischauffrischkurs angemeldet, nehme an einem Treffen teil bei einem Freizeitclub 50plus und habe mich für eine Stelle beworben, eine Naturheilpraxis in der Nähe sucht eine nette Mitarbeiterin für drei Vormittage in der Woche. Ansonsten werde ich mal wieder schwimmen gehen und nicht zu viel zu Hause über meine vergangenen Zeiten grübeln.

    Schließlich habe ich noch ein Restleben, die Entscheidung etwas positives daraus zu machen, kann ich jeden Tag neu treffen.

    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Liebe Nora,

    manchmal denke ich auch, ob meine Macken und mein leicht neurotisches Verhalten ganz einfach zu mir gehören und ich gar nicht im Stande bin, mit einem sozusagen normalen Mann zu leben. Wenn ich gesund wäre, würden diese mich doch reizen :shock: Bei mir ist mein Vater, obwohl er nicht mehr lebt, innerlich noch recht präsent. Er war ein Abenteuerer, ein Menschenfreund, ein geselliger Tänzer und halt ein Säufer. Von ihm habe ich alle Verrücktheiten, auch ich bin eine leidenschaftliche Tänzerin und feier gerne, außer dass ich keine Alkoholikerin geworden bin. Stand schon manchmal nah dran, habe aber das Glück, nicht viel vertragen zu können und litt am nächsten Tag Höllenqualen mit einem Kater. Dafür ist mein Bruder Alkoholiker geworden, und ich im Familienmobile die Co.
    Mein Vater hat sich mir nicht gewidment, er war abweisend und gefühlskalt, nur im Rausch konnte er mir seine Zungeigung zeigen. Ich musste darum kämpfen, gesehen und wahrgenommen zu werden.
    Fazit: wenn ein Mann sich mir widmet, trete ich ihn sinnbildlich weg. Wenn einer mich überhäuft, ertrage ich das nicht, es wird mir zu eng, fühle mich erdrückt und flüchte schnell wieder in meine Burg. Auf jeder Feier stehe ich zwar im Mittelpunkt, weil ich eine Stimmungsmacherin bin und gut tanze, man sagt mir, ich habe dabei eine sehr erotische Ausstrahlung. Für mich liegt der Reiz im Tanzen und auch dabei wahrgenomen zu werden, das wird von Außenstehenden schnell als Aufforderung verstanden. Dabei ist es genau das, was ich nicht mehr will, dieses Programm ist mir allzugut bekannt, als dass es mich noch reizen könnte. Meine Seele, die dahinter schreit, wird in solchen Situationen nicht wahrgenommen. Erotisch bin ich schon immer begehrt worden. Ich hingegen begehre das Ganzheitliche und einen Mann, der nicht gleich eifersüchtig reagiert, weil ich gerne tanze. Wenn ich liebe, bin ich absolut treu. Ich möchte autonom bleiben, jedoch eine Beziehung, die ausstrahlt, wir gehören zusammen und können uns auf einander verlassen. Das finde mal.... Hinzu kommt mein Einfühlungsvermögen und meine angelesenen psychologischen Kenntnisse, mit denen ich mich schon zurückhalte, weil die meisten Männer von einer "Eso... und Psychotante" abgeschreckt sind. Wenn ich ein paar Sätze mit einem gutbürgerlichen Normalen austausche, spüre ich nach kurzer Zeit, nein das ist er nicht. Wenn ich rede, sehe ich die großen unverständlichen Augen.
    Und Männer in Treffpunkten, die so dogmatisch gesund werden wollen, zu denen finde ich auch keinen Zugang.
    Da bleibt die Frage offen, ob es einen gibt, der mich und ich ihn verstehe, wo es passt. Er soll mein Fels in der Brandung sein, offen, interessiert, mal ein ganzer Mann mit Mut und Kühnheit, mal kindlich verspielt mit einem Hauch Romantik, auch ernsthaft und tiefgründig, natürlich möchte ich mit ihm tanzen und Musik hören, spießig und geizig sollte er nicht sein. Es muss auch kein teures Menue in einem Nobel Restaurant sein, lieber barfuss laufen am Strand, die Blicke gerichtet zum Sternenhimmel.

    Nun bin ich am Sonntagvormittag gerade so ausgeschweift und will wieder in diesen Tag zurückfinden.

    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Ich möchte noch etwas anmerken.

    Ich kann Dich so gut verstehen, weil Alkoholiker, gerade wenn sie intelligent und künstlerisch veranlagt sind, mich sehr in ihren Bann ziehen konnten, mich gerade zu gedanklich inspirierten. Darin steckt eine große Gefahr, weil ich manchmal nicht mehr unterscheiden konnte, wer ein verwirrter Geist war oder wer eine geistvolle Verwirrung hatte. Das nüchterne ist halt auch nüchtern, es wird dauern, bis es an Reiz gewinnt.

    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Liebe Nora,

    mir gefällt Dein Schreibstil, beim Lesen Deines Textes fühle ich mich Dir sehr nahe. Als ich Anfang Januar Geburtstag hatte, bekam ich viele Komplimente, dass ich für mein Alter noch recht jung aussehe. Ich dachte mir, nach meinen Lebenskatastrophen müsste ich im Grunde alt, verbraucht und verhermt aussehen, das tue ich aber nicht, von daher empfinde ich es als Geschenk, dass mir mein jugendliches Aussehen zumindest geblieben ist.

    Mein letzter Freund hat mir niemals Komplimente gemacht, im Gegenteil versuchte er mich zu verletzen und klein zu machen, das spornte mich an, um Zuneigung und um Anerkennung zu kämpfen. Folglich war ich immer beschäftigt. Wenn Außenstehende mir bestätigten, ich sei eine interessante und begehrenswerte Frau, berührte mich das nicht, es ging ins Leere, war einzig allein darauf fixiert, doch letztlich von ihm die begehrte Anerkennung zu erhalten. Er konnte mich so gut treffen. Es gab Momente, in denen ich meinte, eine ganz tiefe und innige Liebe zu spüren, die halt vom Alkohol zugedeckt war, so habe ich es mir zurecht gelegt und schön gemalt, um es einigermaßen zu ertragen und dahinter stehen zu können.

    Nun, wo ich allein lebe, komme ich zu der Erkenntnis, dass eine solche Beziehung nicht mehr stimmig wäre, und ich nicht mehr dahinter stehen könnte, es passte nicht mehr. Gerade gestern habe ich mich dabei ertappt, dass ich wieder mal die Helferin spielen wollte, indem ich das Leben meines kranken Sohnes regeln wollte, sozusagen als Ersatz. Aber ich habe es sofort selbst bemerkt und wieder Abstand davon genommen.

    Erkenntnisse habe ich einige gewonnen, die Umsetzung scheint die Hürde zu sein, auch ich schütze mich vor einer neuen Beziehung, weil die Zeit dafür mir nicht reif erscheint. Alles, was ich so mache an neuen Interessen und Kursen, zieht mich nicht so in den Bann, wie eine "prickelnde" Beziehung. Allerdings hatte ich vor ein paar Tagen eine Erfahrung. Ich saß zwischen den Problemen von zwei beziehungsabhängigen Paaren, die in Streitigkeiten verstrickt waren, diese Wutgefühle waren mir zwar sehr bekannt, dennoch saß ich dazwischen völlig außen vor und fühlte, das berührt mich alles nicht mehr, damit habe ich nichts mehr zu tun, das will ich nicht mehr haben und an mich heranlassen. Ich blieb bei mir, mischte mich nicht ein und gab keine Ratschläge, es belastete mich auch nicht.

    Mal sehen, wie es weitergeht?

    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Hallo Nora,

    dieses Wachwerden in der Nacht hatte ich auch, manchmal griff mein Arm rüber an die leere Seite. Roch auch seinen Geruch und sah ihn einmal im Halbschlaf zur Tür reinkomen, dann wurde ich kurz wach und sagte mir, er ist ja weg. Es vergeht mit der Zeit und wird immer selbstverständlicher allein zu schlafen. Es ist eine Restsehnsucht nach vergangenem Unglück, an dem ich festhielt, weil mir das unbekannte Glück nicht bekannt war, vermisste ich es folglich auch nicht. Nachdem ich einiges über Co.-Abhängigkeit gelesen und meine Angehörigengruppe regelmäßig besucht habe, stellte sich ein neues Gefühl der Selbstbestimmung ein und Gedanken daran, dass ein Leben mit einem nassen Trinker nicht mehr passt und die Trennung sich schon vorab befreiend anfühlte. Irgendwann in der eigenen Auseinandersetzung kam der Punkt, da konnte ich nicht mehr dahinter und zu ihm stehen, empfand ihn nur noch als Belastung und entwickelte destruktive Gefühle, da war es an der Zeit zu gehen.

    Heute habe ich manchmal auch leere Tage so ganz ohne Stress und Aufregungen, dann mache ich mir bewusst, wie gut es mir im Verhältnis geht und was ich alles allein machen und entscheiden kann.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Hallo Ihr,

    ich bin zwar noch nicht draußen zum Laufen gewesen, aber dem Impuls nach Bewegung folgend habe ich mir fetzige Musik aufgelegt und richtig ausgetobt bei geöffneten Fenstern, es stimmt Bewegung tut gut und befreit, wie auch immer, will in der Woche mal wieder schwimmen gehen.

    In Bezug auf meine Beziehungen kann ich beiflichten, dass ich natürlich auch schwierige Männer interessant und anziehend fand, es war die Chemie, die zwischen uns stattfand, das bekannte vertraute zog mich an.

    Mit einem langweiligen, nichtsagenden kann ich auch nichts anfangen, er soll schon über Lebenserfahrung verfügen und etwas zu berichten haben, das mich erreicht.

    Aber dass es wirklich nur diese beiden Alternativen gibt, da sage ich STOP.... nein das kann nicht alles sein, es kommt für mich so abgeschlossen rüber, es muss dazwischen auch was geben wenn die Zeit reif ist. Schließlich gibt es nicht nur eine Handvoll, sondern ein ganzes Land voll, wir sind doch nicht allein auf dem Weg.

    Eine kleine positive Spritze an diesem Sonntag.

    Lieben Gruß Laurina :wink:

    Liebe Thea,

    ich möchte Dir mitteilen, was ich alles wollte:

    Ich wollte ihn in meine Therapie mit einbeziehen,
    wollte ihm Literatur hinlegen, habe darauf gehofft,
    dass ihm mal was passiert und er sich im Krankenhaus
    wiederfindet.
    Wollte seine Arbeitsstelle informieren, weil er
    schließlich eine verantwortungsvolle Tätigkeit ausübt.

    Ein inneres Gefühl hielt mich davon ab. Allerdings habe
    ich zuvor einmal seinen Bruder in Süddeutschland angerufen
    und diesen über seinen Zustand informiert. Es hiess dann,
    ich hätte ihn verraten und mich in Dinge eingemischt, die
    mich nichts angehen, damit hatte er recht. Verändert
    hat es nämlich nichts, außer dass ich mich schlecht fühlte und
    meine Gefühle immer destruktiver wurden.
    Ich wollte ihn zur Genesung zwingen, um für mich eine erträgliche
    Lebenssituation zu gewinnen. Ich habe die Märtyrerin und
    große Retterin gespielt, das alles, um wenigstens von außen die begehrte Anerkennung zu erhalten.
    Damit war ich die perfekte Co.-Abhängige.
    Hatte nämlich nicht mehr mit mir, sondern ausschließlich mit ihm gut zu tun.

    In meiner Gruppe wurde mir durch Gespräche klar, solange er leugnet, lügt und verheimlicht ist er noch nicht überzeugt wirklich Hilfe zu brauchen, befindet sich im Stadium weiterhin Andere täuschen zu wollen. All das hat er in seiner Therapie zu klären, ansonsten geht sie ins Leere, worauf Du auch keinen Einfluss haben wirst, es sei denn die Therapeutin würde Dich ausdrücklich nach Deinen Eindrücken fragen.

    Das mag sich jetzt alles hart anhören, im Nachhinein bin ich aber dankbar, dass es Menschen gab, die mir meine Maske abgenommen haben, sie sagten mir, tue nichts für ihn, was er selbst erledigen kann, wenn ich ihn entmündige tut es einerseits seiner Bequemlichkeit gut, andererseits wird er sich rächen und erneut täuschen, und zwar solange, bis eine Person aus diesem Teufelskreis aussteigt, diese Person könntest Du sein oder werden.

    Drücke Dich und wünsche Dir ganz viel Kraft
    liebe Grüße Laurina :wink:

    Hallo Thea,

    ja mir ging es auch so, gerade auf Feiern und an Festtagen kommen meine Wünsche und Sehnsüchte hoch, es flossen auch ein paar Tränen über vergangene Tage. Ich kann und will auch nicht immer stark sein, die Verarbeitung meiner Trauer kommt in Etappen immer mal wieder hoch. Das traurige daran scheint mir die eigene Einsicht zu sein, so wie ich ihn lieben wollte, war er nicht, so wie er ist kann ich ihn nicht lieben und weitermachen. Diese eigene Ohnmacht, das Gekränktsein darüber nichts erzwingen zu können und nur sich selbst ändern zu können.

    Machen wir also weiter und stärken uns gegenseitig, schließlich sitzen wir hier alle in einem Boot und rudern bis der Funke am Horizont erscheint, wie er auch immer aussehen möge.


    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Liebe Thea,

    auch ich werde heute allein zum Feiern gehen. Mein Ex hat heute einige Male auf meinen AB gesprochen, wollte mich zum Essen einladen und sprach von seinem einsamen verlassen Leben, zum jetzigen Zeitpunkt wird er schon volltrunken sein. Ich mache mich nun ganz in Ruhe etwas hübsch und werde den Übergang genießen.

    Dir und allen Anderen wünsche ich einen friedlichen Start ins Neue Jahr.


    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Liebe Thea,

    eben habe ich eine längere Antwort geschrieben, plötzlich war die Internetverbindung weg. Nun versuche ich es erneut.

    Mein gestriger Tag war auch rundum gut. Mit meiner Tochter und einem Enkel sind wir noch mal über einen Hamburger Weihnachtsmarkt geschlendet. Sie kommen von außerhalb und konnten sich an der Deko und den vielen Lichtern satt sehen. Geschlemmt haben wir u.a. auch. :lol:

    Begegnungen als Chance zu sehen, kommt mir sehr nahe. Eine mir bekannte Heilpraktikerin drückte es so aus, wir können von allem möglichen clean werden, in dem wir es uns verbieten, dadurch sind wir aber noch nicht frei davon. In Bezug auf mein Leben fühlte ich mich immer von einer Gattung Männer angezogen, die mich an meinen wunden Punkten treffen konnten und mich für Dinge verantwortlich machten, für die ich nicht verantwortlich bin. Das übte eine Faszination auf mich aus, und darauf war ich hungrig. Folglich liegt in jeder Negativerfahrung ein positver Sinn, sie so lange auf den Teller zu bekommen, bis man "satt" ist.

    Heute ist etwas anders als zuvor, ich lechze nicht nach der nächsten Beziehung, um mich wieder in ihr zu verlieren. Sondern genieße bewusst meine Freiheit und Selbstbestimmung. Bin viel mehr bei mir und fernab gefallen und funktionieren zu wollen. Es verleiht mir eine gelassene und positive Ausstrahlung.

    Für dieses neue Lebensgefühl bin ich dankbar. Es ist an der Zeit, mich und meine wunden Punkte zu betrachten.

    Und er? Seine Faszination und Anziehung sind geschrumpt, er ist schon sehr weit weg, wie in Nebel getaucht - wird mich nicht mehr täuschen. Ich sah ihn verschwommen im Halbschlaf, eine innere Stimme sagte mir:"Du bist es nicht!"

    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Liebe Thea,

    ich habe am Anfang der Beziehung starke intensive Liebesgefühle empfunden, womöglich waren diese auch schon krank, weil es meinem bekannten Muster entsprach. Diese Gefühle waren aber da, wobei ich anderen Alkoholikern gegenüber diese Gefühle nicht empfand. Füreinander bestimmt und eine schicksalshafte Begegnung, diese Gedanken hatte ich auch. Dieser Mann ist mir vom Schicksal vorgestzt worden, um mit meinen Lernaufgaben konfrontiert zu werden. Zumindest hatte dieser Mann etwas in mir ausgelöst, etwas in mir erreicht, das magnetisch wirkte. Es gab Augenblicke, in denen fühlte ich mich wie im siebten Himmel. daneben Abwertungen und Verletzungen. Anfangs habe ich es mir schön gemalt in der Art, ich weiß, dass er tief in seinem Inneren mich liebt, er ist jedoch krank und meint es nicht so, verletzt mich nur, weil er selbst verletzt ist. Die Verletzungen und Beleidigungen nahmen aber zu, so dass ich mehr litt als glücklich war, mit der Folge, dass nur noch die Trennung in Frage kam, um mich selbst zu retten. Ich hatte natürlich die Hoffnung, dass er sich für mich ändern würde und wusste noch nicht, dass er es nur für sich tun kann, wenn er seine Schmerzgrenze erreicht hat. Ich hatte meine Schmerzgrenze zuvor erreicht. War es Liebe, war es Abhängigkeit oder gar Sucht? Oder war es mein mangelndes Selbstwertgefühl, das sich zum Verletzen zur Verfügung stellte?

    Es gibt verschiedene Möglichkeiten und Wege sich aus der Co.-Abhängigkeit zu befreien. Ich denke, die meisten trennen sich. Einige bleiben und finden neben ihm ihren eigenen Weg durch Abgrenzung und Aufbauen eines eigenen Lebens. Die Schriftstellerin Christina B. Parker hat in ihrem Buch Ich weiche nicht mehr aus ein Leben neben einem alkoholabhängigen Partner beschrieben. Sie hat sich u.a. dem christlichen Glauben und dem Gebet zugewandt. Ich bin neben meiner Angehörigengruppe in einer Tanzgruppe von Betroffenen und Angehörigen. Unsere Tanztherapeutin, die neben ihrer Tanzlehrerausbildung auch eine Ausbildung als Suchttherapeutin absolviert hat, lebt mit einem Alkoholiker, der einmal im Jahr für ca. 3 Monate rückfällig wird. Das wirft sie nicht aus der Bahn und verletzt sie nicht mehr, weil sie sich daneben ein eigenes Leben aufgebaut hat mit vielen Kontakten, Seminaren und Menschen in ihrer Nähe, durch die sie genährt wird. Wenn eine Co.-Abhängige dagegen sich ausschließlich auf den trinkenden Partner konzentriert und ihr Leben nach ihm ausrichtet, ihn zum Nabel der Welt macht, sich von ihm kränken und herunter ziehen lässt, folgt das Leiden und der Verlust des ohnehin schon angeknacksten Selbstwertgefühls. Für ein Leben mit einem Abhängigen bedarf es eines starken Selbstgefühls und der Fähigkeit zur Abgrenzung. Der trinkende Part findet nämlich ganz schnell heraus, mit wem er was machen kann. Wenn man sich für diesen Weg entscheidet, sollte man ihn auch so annehmen können, sich daneben gut und stark fühlen und Abstand nehmen von den romantischen Gedanken, wie man geliebt werden möchte. In dem Fall würde man nicht ihn, sondern tatsächlich das gemachte Bild lieben.

    Liebe Grüße Laurina :wink:

    Guten Morgen,

    dieses Wirwarr der Gefühle kenne ich gut. Wenn ich ganz klar und ganz bei mir bin ist es einfach, wenn mich aber die Sehnsucht und romantische Gefühle packen, wird es schwieriger ganz bei mir zu bleiben.

    Habe gestern Abend den Film Bit... Mo...n gesehen, der von extremer sexueller Abhängigkeit handelt und tödlich endet. Er erinnert mich teilweise an mein Leben.

    In einem Satz sagt der Schauspieler, eine Beziehung endet entweder in einer Farce oder in einer Tragödie- ich habe immer die Tragödien gesucht, wenn auch unbewusst. Das ist meine Kindheit, meine Heimat, mein Mutterboden, es gab täglich Tragödien und keine sicheren Gefühle.

    In einem anderen Satz sagt die tanzende Schauspielerin zu dem Mann, der sie begehrt, sie sei nur eine Phantasie auf einer nüchternen Schiffsreise.

    War ich nicht auch nur eine Phantasie in seinem Alkoholikerleben - und war er nicht auch nur eine Phantasie in meiner geprägten Welt? Es gab nichts gesundes und zuverlässiges, dafür vertrautes bekanntes abhängiges, woran ich mich so lange festhielt. Welch eine Macht hat Sucht und Abhängigkeit, dass sie irrtümlicherweise für Liebe gehalten wird.

    Ich ertappe mich dabei, dass ich noch kontrolliere und wünsche, er würde abstürzen und seinen Nullpunkt erreichen. Wenn er in seinem Stadtteil ist und ich nichts höre und sehe ist es gut, wenn er hier im Stadtteil sein Unwesen treibt, habe ich noch offene Ohren zu erfahren, was er so treibt, um mich erneut verletzt zu fühlen.
    Es zeigt mir meinen noch abhängigen Teil auf, und dass ich noch nicht ganz losgelassen habe. Solange wir noch Wut und Vergeltungsgefühle in uns tragen, auch Bedürfnisse auf Wiedergutmachung ist der Blick noch nicht frei für ein neues gesundes Leben. Ich hoffe darauf, dass ich von Tag zu Tag klarer werde.

    Liebe Grüße Laurina :wink: