Beiträge von HansHa

    Hallo Rolf,

    frage Dich doch mal, was Du änderst, wenn Du einen Rückfall baust. Erfahrungen haben wir ja alle damit. Aber eins ist sicher: Besser wird es nicht.
    Für mich hat die Trockenheit die erste Priorität. Dem muss ich alles Andere, und ich meine wirklich alles, unterordnen. Wenn ich wieder trinke, kann ich das, was ich in den letzten Jahren erreicht habe, vergessen und ich lande ganz schnell wieder da, wo ich schon mal war.
    In Berlin kann man sich zur Krisenintervention im Krankenhaus aufnehmen lassen, wenn es nicht mehr auszuhalten ist. Das geht schnell und unkompliziert. Ein Anruf auf der Station genügt.
    Manchmal reicht schon eine Nacht, mit einem Blick aus einer anderen Perspektive.

    Schönen Tag noch

    Zitat von HansHa

    Wenn es mir mit irgendeiner Situation nicht gut geht, muss ich auch die Vorbereitung darauf haben und die Kraft besitzen, mich selber zu schützen. D. h. für mich Flucht aus dieser Situation. Ausgehalten habe ich früher.


    Natürlich begebe ich mich nicht absichtlich in eine kritische Situation, sondern vermeide sie.

    Zitat von Fräulein B.

    In den letzten Jahren habe ich ohne Rücksicht auf Verluste nur an mich gedacht und jetzt muss und will ich mein Leben ändern und dieser „Egoismus“ soll bleiben?


    Ich bin der Meinung, dass wir eine gesunde Portion Narzissmus benötigen. Das musste ich auch erst lernen.

    Zitat von Fräulein B.

    Das Wörtchen „einfach“ scheint momentan in meinem Wortschatz zu fehlen. Aber ich werde mich an das halten, was mir hier bereits geraten wurde und mich zwingen, nicht so viel drüber nachzudenken, was sein könnte. Ich rede mit ihm drüber und sehe dann schon, wie er reagiert. Dann kann ich mir immer noch Gedanken machen.


    Wir haben doch auch "einfach" zur Flasche gegriffen.
    Wenn ich von Berlin nach München will, fahre ich doch auch nicht über Hamburg. Aber unser Suchtgedächtnis will uns einreden, dass das notwendig ist, um dort mal eine Pause zu machen.

    Nochmal zu den 3 Grundpfeilern:
    Die Erfahrung sagt, dass sich die Chancen trocken zu bleiben dadurch erhöhen. Mir wurden Zahlen genannt von 95% Rückfällen in den ersten 3 Jahren. Ich habe mich zum Anfang an jeden Strohhalm geklammert, jede Hilfe die mir angeboten wurde, angenommen. Nach längerer Trockenheit habe ich dann selber ein Gefühl dafür entwickelt, was geht oder wo es mir nicht gut geht. Wenn es mir mit irgendeiner Situation nicht gut geht, muss ich auch die Vorbereitung darauf haben und die Kraft besitzen, mich selber zu schützen. D. h. für mich Flucht aus dieser Situation. Ausgehalten habe ich früher.

    Schönen Tag noch mal

    Zitat von Fräulein B.

    Genau das begreife ich nicht wirklich. Was trocken in Bezug auf mich selbst bedeutet, ist klar. Auch die Notwendigkeit einer trockenen Wohnung sehe ich absolut ein. Aber was bedeuten trockener Partner und trockene Freunde in letzter Konsequenz? Dass ich meinen Freund verlangen soll, nie wieder was zu trinken? Oder nur nicht in meiner Gegenwart? Bedeutet es, dass ich die wenigen Freunde, die mir ohnehin geblieben sind und die trotz der ganzen Sche***, die ich gebaut habe, immer noch zu mir halten, jetzt meiden soll, weil sie bei geselligen Anlässen gerne mal ein Gläschen trinken?

    Hallo B.

    wenn Deine Freunde das Trinken in Deiner Gegenwart nicht unterlassen können, würde ich vermuten, dass sie selber ein Alkoholproblem haben. Mit solchen Leuten umgebe ich mich nicht.
    Beim Lebenspartner ist das doch ganz einfach. Es leitet sich aus der alkoholfreien Wohnung ab. Das betrifft bei mir auch Leute, die woanders getrunken haben.

    Schönen Tag noch

    Zitat von Fräulein B.

    Mein Verstand weiß mittlerweile, dass ich abhängig bin und es nur zwei Möglichkeiten gibt:
    Saufen bis zum bitteren Ende oder nie mehr einen Tropfen anrühren. Aber mein Herz kann das noch nicht fühlen.
    Mir sitzt grade permanent ein äußerst penetrantes Teufelchen im Nacken, das mir zuflüstert:
    „Nur ein paar Monate durchhalten, abstinent bleiben, dann renkt sich das alles wieder ein, dann kannst auch Du hin und wieder ein gemütliches Feierabendbierchen zischen, Du kriegst das in den Griff, keine Sorge.“
    Rational gesehen ist das der absolute Humbug. Erstens weiß ich, dass es mir nicht ums Genusstrinken geht (darum ist es wahrscheinlich nie gegangen), sondern ums „Zuschütten“, zweitens kenne ich mittlerweile auch die biochemischen Vorgänge im Körper und schon allein deshalb kann das nie funktionieren.
    Aber emotional wünsche ich es mir sooo sehr. Es fällt mir grade einfach verdammt schwer, mit mir selbst und diesen ganzen Gedanken umzugehen und mir ein erfülltes Leben ohne Alkohol vorzustellen . Ich hoffe einfach, dass es leichter wird, wenn ich mich aktiv damit auseinander setze …

    Hallo,

    so ähnliche Gedanken hatte ich am Anfang meiner Trockenheit auch. Damals hat mir ein "alter Hase" gesagt, ich solle die Gedanken, die mir das Suchtgedächtnis "einbläst" mit den Gedanken an die negativen Sachen während des Saufens und den positiven jetzt verbinden. Ich bin jetzt 4 1/2 Jahre trocken und zufrieden dabei. Das mit der Verbindung hat sich verselbstständigt. Aber es hilft mir heute noch in Situationen, wenn sich das Suchtgedächtnis meldet.
    Allerdings sollte aus der ganzen Sache kein Krampf werden, dass es darin ausartet, es auszuhalten nicht zu trinken. Mir ist klar, dass ich im Kampf gegen den Alkohol keine Chance habe, deshalb habe ich ihn zum Sieger erklärt und mich ergeben. Nur in diesem Bewusstsein kann ich mit meiner Krankheit trocken leben.
    Natürlich ist es sehr wichtig, der Trockenheit die erste Priorität einzuräumen, dazu gehört auch die Einhaltung der drei Grundpfeiler: trockene Wohnung, trockener Partner und trockene Freunde.

    Schönen Tag noch

    Zitat von FrankyFresh

    nein meine Frau ist nicht coabhängig

    Hallo,

    diese Beurteilung würde ich einem Profi überlassen. Ich würde bedenken, dass das Denken und Verhalten eines Alkoholikers, der sich in einer Trinkpause befindet oder das Nichttrinken aushält, trotzdem nass ist. Das hat dann Auswirkungen auf alles was die Sucht betrifft, u. a. die sozialen Kontakte. Auch wenn es dem Süchtigen nicht bewusst ist und er nicht ständig besoffen in irgendwelchen Ecken rumliegt.

    Schönen Tag noch

    Hallo,

    alle Leute, die ich kenne und die auch so lange trocken sind, sagen übereinstimmend, dass es ihnen auf den Keks geht, an einer Feier teilzunehmen, bei der gesoffen wird. Da wird auch keiner "lustiger", wenn die anderen saufen, sondern solche Feiern werden gemieden. Ich kann nach 4 1/2 Jahren Trockenheit so etwas überhaupt nicht nachvollziehen. Mir geht es bei solchen Gelegenheiten nicht gut und entziehe mich dann. Normalerweise achte ich vorher darauf, wo ich hingehe.

    Schönen Tag noch

    PS: Immer schön aufpassen, was das Suchtgedächtnis versucht uns einzublasen.

    Zitat von BlueCloud

    da der Geschmack sich bereits in unserem Hirn eingebrannt hat und wenn sich da nicht der gewünschte Effekt einstellt - sprich Benebelung - fängt das Unterbewusstsein ständig an zu bohren und nach den Promille zu schreien. Saufdruck eben....

    Hallo,

    ich sehe das anders:

    Nicht die Verführung durch den Geschmack verleitet zum Rückfall. Eigentlich ist der Rückfall schon passiert, im Unterbewusstsein, Suchtgedächtnis oder wo auch immer. Es wurden selbst gesetzte Grenzen überschritten und nur die Vernunft oder das Bewusstsein behindern den Zugriff auf Alkoholisches. Das hat dann mit "Aushalten" zu tun. Wer sich in diesem Fall keine Hilfe besorgt, wird wieder zum "richtigen Bier" greifen. Alles eine Frage der Zeit, die davon abhängt, wie viel Widerstand geboten wird.
    Ich habe gelernt, dass ich nicht zufrieden trocken leben kann, indem ich gegen den Alkohol kämpfe. Ich kann weder mit noch gegen den Alkohol leben, weil er stärker als ich ist. Also habe ich mich ergeben.

    Schönen Tag noch

    Zitat von Heidehof/Heiko

    und meine Nüchternheit stelle ich auch zu 100% über alles

    Hallo,

    dann würde ich mich zur nächsten Entgiftungsstation begeben und um Hilfe bitten, da der Rückfall ja schon da ist.

    Schönen Tag noch

    Zitat von uwe61

    Das Problem war und ist der letzte absturz.Da bin ich doch in der geschlossenen Psychatrie aufgewacht,und was ich dort erlebt habe macht mir sorgen,ich will auch nicht weiter darauf eingehen Sorry.


    Hallo Uwe,

    buche es unter Lebenserfahrung und behalte im Auge, was Du nicht mehr erleben willst. Also mir ist nach ähnlichen Erfahrungen aufgegangen, was ich tun muss, nämlich dass Trockenheit mein einziger Lebensweg sein kann. Das nächsten Glas wird mein Leben elend beenden.

    Schönen Tag noch

    Hallo Hessenmann,

    wenn Du Bier (egal welches) trinkst, bist Du nicht trocken, Du hast eine Phase des Aushaltens nicht zu trinken, vergleichbar mit den Pausen eines Quartalssäufers (Da werden die Pausen aber auch immer kürzer.). Ging mir früher oft so. Irgend wann ist es damit vorbei und der Alkohol wird wieder Dein "bester Freund". Mit nur einem Unterschied: Schlimmer als vorher und von Mal zu Mal wird es schlimmer.
    Ich würde mir schleunigst Hilfe in einer Suchtberatung holen.

    Schönen Tag noch

    Zitat von Spanijoggel

    Wer den Ausdruck Weichspüler im Forum nicht kennt:Das ist jemand der dem andern das Köpfchen streichelt,ihm gut zuredet, ihn lieb ermuntert.
    Da kommt dann auch der Ausdruck:Jemanden trocken streicheln wollen.

    Hallo,

    ich verstehe Deine Frage so, dass Du in der Hoffnung lebst, dass Du auf diese Weise helfen kannst. Oder streichelst Du Dich eigentlich selber am Kopf?
    Ich glaube, dass man andere Menschen eigentlich nur mit Denkanstößen und daraus erfolgter Erkenntnis weiter bringen kann. Das schließt natürlich sämtliche Arten von Zuwendung nicht aus. Zur richtigen Zeit, am richtigen Platz - das ist die Schwierigkeit zu entscheiden. Aber da stochern sogar die Profis oft im Dunkeln herum. Wir können uns einfach nur ein wenig Mühe geben und auf unser innere Stimme hören.

    Schönen Tag noch

    Hallo,

    ich habe zu meiner nassen Zeit auch immer wieder Perioden gehabt, in denen ich nicht getrunken habe, die aber immer kürzer wurden. Mein Therapeut hat diese Phasen als "Aushalten" bewertet. Ohne etwas an unserem Denken, Handeln und Fühlen zu ändern, ist eine zufriedene Trockenheit nicht möglich.
    Da gibt es auch noch einen schlauen Spruch zu:

    Wir müssen nicht lernen, es ohne Alkohol auszuhalten, sondern wir müssen lernen, uns selbst ohne Alkohol auszuhalten.

    Schönen Tag noch

    Zitat von GISMO_IS_BACK

    danke das du mir das gesagt hast ich weiß das es sehr schwer wird,aber ich meine ich habe eine ausbildung und ich denke du weißt,wie der Arbeitsmarkt aus sieht ich hoffe das ich das Packe 8)

    Hallo noch mal,

    womit wir wieder mal beim Thema Prioritäten wären. Unsere oberste Priorität muss sein, trocken zu bleiben. Dem ist alles andere unterzuordnen. Die Trockenheit ist der unterste Baustein, auf den wir unser Leben aufbauen und der sich durch unser ganzes Leben zieht. Erst als ich das erkannt hatte, konnte ich trocken und zufrieden werden. Das ist ein hartes Stück Arbeit, für das wir uns Unterstützung holen können, aber den Großteil müssen wir alleine bewältigen. Hoffnung alleine wird Dir nicht weiterhelfen.
    Und immer daran denken: Sucht ist die einzige tödliche Krankheit, deren Verlauf wir selbst stoppen können.

    Schönen Tag noch

    Hallo,

    auf die Grundbausteine wurdest Du ja schon hingewiesen. Zu dem Punkt alkoholfreies Umfeld gehört natürlich auch der Beruf. Ich kenne nur einen trockenen Alkoholiker, der in seinem Beruf als Koch weiter arbeitet, allerdings in einer Schulküche. Alle anderen, die in der Gastronomie blieben, sind nach einiger Zeit wieder auf die Nase gefallen.
    Das ist für mich ein Punkt, den Du bedenken solltest.

    Schönen Tag noch

    Zitat von nat27

    Dann kannst ja eine Partnerschaft an den Hut stecken??


    Hallo,

    Nein, nicht unbedingt. Aber statistische Tatsache ist, dass 80% der Partnerschaften in den ersten 2 Jahren der Trockenheit auseinander gehen. Alle Gründe dafür wird wohl keiner nennen können. Der wichtigste ist wahrscheinlich, dass sich die Gedanken- und Gefühlswelt des Süchtigen, aber auch des Co-Abhängigen wesentlich ändern. Auch die Neuformulierung von Lebenszielen werden eine Rolle spielen.
    Gar keine Chance hat eine Partnerschaft, wenn sich der Partner nicht an die Grundbausteine der Trockenheit hält, da trockenes Leben sonst nicht möglich ist. Daraus muss der Süchtige dann zwangsläufig Konsequenzen ziehen, um sich zu schützen.
    Es gehört dazu, dass sich der Partner mit der Krankheit beschäftigt, um mindestens ansatzweise eine Ahnung zu bekommen, was im Süchtigen vorgeht und wie er sich als Partner verhalten sollte. Auch der Aufbau eines Droh- oder Druckszenariums sollte tunlichst vermieden werden. Andererseits soll der Partner nicht Ersatz-SHG werden.
    Ich habe, nachdem ich trocken geworden bin, das Austragen von Konflikten (wie auch andere soziale Aktivitäten) erst wieder teilweise neu, weil anders, lernen müssen. Viele haben auch Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen und zu vertreten. Unter dem Gebrauch des Suchtmittels bin ich im Allgemeinen den Weg des geringsten Widerstandes gegangen, um mich weiterhin auf das vermeintlich Wichtigste in meinem Leben konzentrieren zu können.

    Schönen Tag noch

    Hallo,

    ich sehe dieses Thema so: Wenn sich in meinem Umfeld jemand nicht für meine geistige und körperliche Gesundheit interessiert und es auch nicht für nötig hält, sich über meine Krankheit zu informieren, muss ich davon ausgehen, dass eine enge Beziehung oder Bindung nicht gewünscht ist und verhalte mich entsprechend. Das bedeutet nicht, dass ich mutwillig einen Bruch herbeiführe, aber um mich selbst zu schützen, halte ich Abstand.
    Ich verlange von niemanden, der nicht süchtig ist, dass er Ersatz für eine Selbsthilfegruppe ist. Aber ich setze voraus, dass er meine Krankheit erkennt und meine Sucht respektiert. Dazu gehört u. a. auch, dass nicht versucht wird mich zum Trinken zu animieren oder Alkohol in meine Wohnung geschleppt wird.
    Außerdem gibt es da noch die praktizierenden Süchtigen. Die haben in meinem Leben sowieso nichts mehr zu suchen. Klingt radikal, aber in Endeffekt geht es mir dadurch besser.

    Schönen Tag noch

    Hallo,

    ich war in meiner ersten Zeit mal in einer SHG, in der bei den "Herren" anscheinend eine Wette lief, wer die meisten neuen Mädels "abschleppt". Das ist jetzt keine Unterstellung, aber so was gibt es auch.
    Deswegen und aus den schon genannten Gründen finde ich es o. k., wenn die Kontaktaufnahme erschwert wird.

    Schönen Tag noch