Hallo Andrea,
jeder Mensch ist anders, jeder Süchtige auch. Es gibt keinen Königsweg in die Trockenheit. Ich kann nur versuchen mir Erfahrungen von Leuten anzueignen, die es geschafft haben. Irgendwann habe ich ein Gefühl dafür entwickelt wie es bei mir geht. Das bedeutet aber nicht, dass ich mir keine Mühe mehr geben muss und mich nicht mit dem Thema beschäftige, z. B. wenn ich hier schreibe, werde ich gezwungen nachzudenken und zu formulieren. Es ist aber nicht mehr ständig in meinem Denken präsent, was als "Frischling" so war. Also versuche ich anderen Süchtigen mitzuteilen, welche Erkenntnisse ich hatte und noch habe, um mir und anderen zu helfen. Was jeder damit macht, ist ihm ja selbst überlassen. Ich kann nicht ehrlich sein, wenn ich mir Gedanken darüber mache, ob sich jemand angegriffen fühlt und die beleidigte Leberwurst spielt.
Das mit dem selber belügen, ist ja eigentlich eine Schutzfunktion des menschlichen Gehirns und passiert ständig. Wenn es aber so weit geht, dass es krankhafte Züge annimmt und ich nicht mehr aus diesem Kreislauf herauskomme, ist Hilfe notwendig. Das muss ich erkennen und auch annehmen. Ich finde ein sehr bildhaftes Beispiel sind Magersüchtige, die den Zustand ihres eigenen Körpers nicht mehr einschätzen können. Nicht mal vor dem Spiegel.
Viele Therapeuten sind der Meinung, dass Sucht eine psychische Ursache hat. Deswegen finde ich es schon lohnenswert nachzuforschen. Ich bin da anderer Meinung, als viele Leute in Selbsthilfegruppen, die es geschafft haben, nur über diesen Weg trocken zu werden. Wahrscheinlich weil ich auch den Weg über die Therapie gegangen bin. Die Leute, die in meiner Gruppe über die SHG's trocken geworden sind, waren im ersten Jahr jeden Tag in einer Gruppe.
In den geschlossenen Bereich werde ich wohl nicht wechseln.
Schönen Tag noch