Beiträge von HansHa

    Zitat von Karsten

    ich hatte es am Anfang meiner Nüchternheit so gehalten, dass ich mich ausschließlich an Langzeittrockene gehalten habe.

    Hallo,

    so war und ist meine Einstellung auch. Und ich habe zusätzlich eingesehen, dass es etwas in mir gibt, was gegen mich arbeiten will - das Suchtgedächtnis. Da gibt es viele Beispiele für Verführungen, die es versucht, individuell auf jeden zugeschnitten, anzuwenden, um wieder an das Suchtmittel zu kommen. Es kennt uns eben am besten und weiß wie es uns beeinflussen kann. Und auch wie es es schafft, dass wir uns selbst belügen - unsere Handlungen und Gedanken zu rechtfertigen. Da brauchte ich dann eine andere Orientierung, da mein Gefühl nicht mehr richtig funktionierte. Das sind in dem Fall die Leute, die anscheinend alles richtig gemacht haben.
    Das Suchtgedächtnis ist natürlich keine eigenständige Persönlichkeit und auch nicht von mir abgespalten. Aber mir hat es geholfen einige Vorgänge zu verstehen.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von Hartmut

    von bis zu 98%


    Hallo,

    das ist eine Zahl, die ich aus der Therapie kenne. Da war jemand, der für eine Abschlussarbeit solche Zahlen zusammengestellt hat. Normalerweise werden diese nur max. 3 Jahre erhoben und dann auch nur durch Fragebogen, die die Reha-Einrichtung verschickt. Da werden dann nur die wieder eingegangenen Rückläufer für die Statistik berücksichtigt. Da macht sich die Statistik natürlich gut gegenüber den Kostenträgern.
    In diesem anderen Fall war das eine Langzeitbeobachtung von ehemaligen Patienten, die teilweise auch persönlich, bzw. am Telefon durchgeführt wurde. Dabei wurde die Zahl von 95 - 98% Rückfällen bei Pflichtversicherten in den ersten 5 Jahren ermittelt. Nach 5 Jahren ist diese Quote stark zurück gegangen. Die Zahl sagt auch nichts über die weiteren Verläufe nach den Rückfällen aus. Da es damals noch Leute gab, die bis zu 5 LZT'en (oder mehr) hatten, kann man davon ausgehen, dass die Zahl dadurch natürlich an Aussagekraft verliert. Außerdem gibt und gab es in den Einrichtungen der Pflichtversicherer auch einen relativ hohen Anteil von Leuten, die aus verschiedenen Gründen nicht freiwillig dort sind. Da kann dann sowieso von einer Rückfallquote von fast 100% ausgegangen werden.

    Für Privatzahler, bzw. -versicherte, die in anderen Einrichtungen untergebracht waren, ist von Anfang an ein eklatant höherer Wert ermittelt worden, der nur bis zu 50% Rückfälle in den ersten 5 Jahren beschrieb. Begründet wurde das u. a. mit der anderen Klientel.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat

    ich kenne keinen Gastwirt der trocken ist aber ich bin einer.

    Liebe Trinkpausianer,

    ich kenne auch Gastwirte, die eine Trinkpause gemacht haben. Manche einen Tag, eine Woche oder einen Monat. Einen kenne ich, der war sogar so "stark", dass er es zwei Jahre durchgehalten hat. Am Tag, an dem er seinen Führerschein wieder bekommen hat, hat er sich dann die Kante gegeben. Beim ersten Führerscheinentzug ist er ohne Pappe aber dafür mit Promille heimlich weitergefahren. Ist dann mal durch Zufall raus gekommen.
    Wenn Ihr das unter Trockenheit versteht, dann kenne ich so etwas auch.

    Wenn Ihr unter Trockenheit versteht, dass ihr Euch ohne Probleme und ohne Problembewusstsein in Gefahr begebt, z. B. Weihnachtsmarkt, dann ist das Eure Sache. Geht Ihr damit in einem Forum oder einer Selbsthilfegruppe hausieren und so etwas machen Leute nach, die solche ausgegossenen Sch...kübel für bare Münze nehmen, es nicht besser wissen können, dann hat dies nichts mehr mit Hilfe für andere zu tun. Und schon gar nicht damit, bei sich selbst zu bleiben, wie es dann zusätzlich noch gewünscht wird.

    So nun könnt Ihr Euch wieder darüber auslassen, wie gut Ihr seid und Euch künstlich über angebliche Bevormundung aufregen. Aber vielleicht denkt der eine oder andere ja auch mal nach.

    Das ist jetzt eine abschließende Meinung von mir. Weitere Antworten sind nicht zu erwarten. Schon gar nicht auf Göbeleien.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von hoppegarten

    Oder ein Weihnachtsfest steht an


    Was Du schreibst ist alles richtig. Aber wenn schon von Diziplin geredet wird, dann bitte in dem Sinne, dass ich sie brauche, um mir eine neue Sicht der Dinge rauf zu schaffen, mein Denken und Verhalten zu ändern. Und das zwangsläufig weil es mein einziger dauerhafter Ausweg aus der Sucht ist.
    Mit neuer Sicht meine ich vor allen Dingen zu lernen, Prioritäten zu setzen und zu erkennen, dass ich mich selbst belüge, wenn ich behaupte: "Es macht mir nichts aus." oder gleichwertiges.

    Zitat von Hartmut

    Muss ich dahin ?


    Hallo Hartmut,

    das ist es doch, was ich mit Normalität meine. Ich muss und will (sowieso) da nicht hin. Und ich brauche darüber auch nicht mehr nachzudenken. Es liegt für mich kein Verlustgedanke dahinter, in den ich mich hinein steigern könnte und der das Suchtgedächtnis animiert.

    Schönen Tag

    H.

    Hallo hoppegarten,

    sehr gut erkannt und noch besser aufgeschrieben. Aber eine kleine Kritik muss ich doch anbringen. Liegt wahrscheinlich nur an der Wortwahl.

    Zitat von hoppegarten

    immer durch eine strikte Selbstdiziplin


    Das Wort Selbstdiziplin erweckt bei mir den Eindruck, als wenn ich mich ständig wehren müsste, auf etwas verzichte oder den Zustand aushalte. So ist das aber nicht. Ich lebe mit meiner Krankheit und mir ist bekannt wo die Fallen lauern. Also brauche ich nicht mehr auf die Fallen lauern und in das trockene Leben ist in eine gewisse Normalität eingekehrt. Das ich mich weiter mit meiner Sucht beschäftige, gehört auch dazu.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von hoppegarten

    der Alkohol ist das prägende Element der Veranstaltung. Darum geht es.


    Hallo,

    genau so sehe ich das auch. Aber da kann ich (oder du) immer wieder darauf hinweisen - einige werden das nie kapieren oder ernst nehmen. Aber so ist der Mensch eben, erst musste ich bis zum Hals in der Sch... sitzen, bis ich gemerkt habe, dass ich was ändern muss. Sonst wäre ich schon tot.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von silberkralle

    kannste ja recherschieren - gibt ne menge leute di genau wissen was wir so angestellt haben


    Hallo,

    habe ich früher auch immer gemacht. Wenn ich aufgewacht bin, erst mal wieder in die Kneipe, um zu fragen, was eigentlich los war. Da waren dann schon andere, denen es genau so ging und wir haben dann gemeinsam sortiert.

    Nur mal so als Hinweis, dass das so eine Recherche auch höchste Gefahr bedeuten kann. Und was bringt es?

    Damit meine ich aber nicht, dass ich mich nicht bei meinem Nachbarn entschuldigen soll - und ihn vielleicht über meine Krankheit aufkläre - wenn ich seine Rosen "umgewalzt" habe, oder Ähnliches.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von preha

    Dennoch es bleibt dabei! Meinem Mann werde ich es nicht verbieten..Saufdruck hin oder her.

    Hallo,

    es geht nicht um das verbieten. Wenn er/sie es nicht von alleine einsehen, haben sie für mich, ohne jemanden spezielles was unterstellen zu wollen, auch ein Problem. Bei solchen Leuten habe ich nichts zu suchen und muss die Konsequenzen daraus ziehen. Wenn diese ein Kompromiss ist, der eindeutig sehr gefährlich ist und mich vielleicht nur eine Trinkpause machen lässt, muss ich mit der Sch... nicht noch andere anschmieren und sie mit in meinen Abgrund ziehen. Oder ist das gewollt???
    So was hat für mich in einem Forum für trockene Alkoholiker nicht zu suchen. Das ist dann eher was für "kontrolliertes Trinken".

    Schönen Tag

    H.

    Hallo,

    das mit dem körperlichen Entzug stimmt so nicht. Aber weil normalerweise nach 3 Tagen die starken Anzeichen verschwunden sind, tritt er oft in den Hintergrund. Es ist aber nicht zu vergessen, dass der körperliche Entzug absolut lebensgefährlich ist und keiner Aussagen über seinen Verlauf treffen kann. Ich habe Leute erlebt, die nach über einer Woche sonst keine weiteren Anzeichen mehr hatten, aber plötzlich Krampfanfälle bekamen.
    Mit den psychischen Folgen der Sucht muss ich mich zwangsläufig mein ganzes Leben beschäftigen. Deshalb treten sie nach dem körperlichen Entzug in den Vordergrund und erfordern in der ersten Zeit meine ganze Kraft.
    Das Erreichen des Tiefpunktes verbindet sich für mich mit der Erkenntnis, dass es so nicht weiter gehen kann. Ich erkenne das gesamte Lügengerüst, dass ich hauptsächlich für mich selbst aufgebaut habe. Und daraus konnte ich dann die Kraft für eine Änderung schöpfen, was nicht vielen Süchtigen gelingt, vor allen über längere Zeit.
    "Gut wegstecken" können alle Süchtigen, sonst wären sie ja nicht da gelandet. Es ist ein unheimlicher Kraftaufwand neben der Sucht ein "normales" Leben aufrecht zu erhalten. Deshalb geht der Abstieg in die Sucht auch immer weiter, weil die Kraft nicht mehr da ist. Ich habe z. B. 50 - 60 Stunden die Woche gearbeitet, nebenbei noch andere Sachen gemacht. Dann kam auch noch das Saufen dazu. Heute weiß ich gar nicht mehr, wann ich noch geschlafen habe. Und es geht immer weiter abwärts, was man dann nicht sehen will.
    Es wird ja gesagt, dass es Menschen mit und ohne Veranlagung zur Sucht gibt. Für mich heißt das aber nur, dass einige vielleicht leichter und schneller süchtig werden. Das es nur am "wegstecken" liegt, glaube ich nicht.
    Das Gefühl (Instinkt) beim Süchtigen funktioniert nicht mehr richtig, weil es durch den ständigen Gebrauch total auf das Suchtmittel "gepolt" ist. Das ist für mich auch ein Grund, warum es bei vielen mit der Trockenheit nicht klappt. Es gelingt ihnen eben nicht, das zu erkennen, erst mal dagegen zu handeln und neu zu lernen damit umzugehen.. Mit den Jahren der Trockenheit reguliert sich das wieder einigermaßen, aber ganz in Ordnung wird das nie wieder kommen.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von savina

    HansHa: Ein ganz alkoholfreies Umfeld werde ich kaum schaffen. Ich denke, es liegt aber auch an mir, dass ich nein sagen kann - und wenn jemand sein Glas Wein für sich trinkt, ist das sein Ding. Wichtig ist mir aber, dass mich niemand zu überreden versucht.


    Hallo,

    dann hast Du es immer noch nicht verstanden. Es geht nicht darum, was in dem Moment, wenn ich mit trinkenden Menschen in Kontakt komme, passiert, sondern um die langfristigen Auswirkungen. Wie oft höre ich von Leuten mit Rückfällen: "Ich weiß gar nicht wie das passiert ist." oder "Plötzlich hatte ich ein Bier in der Hand.".
    Da rächen sich für mich die in der Zeit davor gemachten Fehler. Für mich sind das Erfahrungen, die ich selbst machen musste. Aber das ist schwer weiter zu vermitteln, wenn der Gegenüber die Gefahr nicht erkannt hat. Das ist wie bei Diabetes: Bin ich erkrankt und halte mich nicht an Regeln, spüre ich nicht sofort die Auswirkungen, sondern kann das falsche Verhalten nur an meinen Blut-Messwerten erkennen. Aber irgendwann werden die Füße taub, die Zehe faulen ab, die Nieren versage u. s. w.. Bei der Sucht kann man das nicht messen. Aber ich muss mich nicht grundlos in Gefahr begeben und meine Trockenheit aufs Spiel setzen.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von brad

    Ich: "Ok dann Leute, ich muß los. Viel Spaß noch! Tschüss!"


    Hallo,

    und für mich war es das dann. Dort würde ich nie wieder auftauchen, wenn ich vorher noch nicht so schlau war.
    Da will mir jemand an mein Leben. Für mich ist ganz klar, wenn ich meine Krankheit nicht stoppen kann, werde ich daran sterben. Sucht ist die einzige Krankheit bei der ich das selbst beeinflussen kann.

    Schönen Tag

    H.

    PS: Deshalb wird ja auch immer "gepredigt", dass ich dort nichts zu suchen habe, wo es Alkohol gibt. Ich habe die Grundbausteine am Anfang konsequent eingehalten.
    https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…echternheit.php

    Zitat von brad

    tja du sprichst mir aus der Seele: die Blackouts sinds, die mich jetzt- nach 2 Monaten - noch fertig machen.


    Hallo brad,

    bei mir ist es besser geworden, als ich wirklich anerkannt habe, dass ich krank - süchtig - bin. Das sind für mich Auswirkungen der Krankheit. Dadurch konnte ich besser damit umgehen und akzeptieren was mit mir los ist und ich getan habe.

    Schönen Tag

    H.

    Hallo,

    Zitat von savina

    Das schönste Gefühl zur Zeit ist: ich wache morgens auf, fühle mich erholt (jetzt seit 3 Tagen schlafe ich wieder richtig) und denke: Wow, kein morgendlicher Selbsthass und -ekel, dass ich es wieder nicht geschafft habe am Abend zuvor. Ich habe keine Angst mehr, man könnte bei der Arbeit (m)eine Fahne riechen.


    Ich habe bis heute versucht mir dieses Gefühl zu erhalten oder mich mindestens gut daran zu erinnern. Wenn es beginnt in den Hintergrund zu treten, dann hat das Suchtgedächtnis leichtes Spiel und kann wieder die Oberhand gewinnen. So nach dem Motto: "War doch alles nicht so schlimm.".

    Zitat von brad

    Tja leider ist es nicht normal das man nichts trinkt.


    So habe ich früher auch gedacht und gefühlt, weil ich nur Leute kannte, die getrunken haben. Die anderen habe ich gar nicht bemerkt. Aber um so mehr sich mein soziales Umfeld geändert habe, um so mehr ist mir aufgefallen, dass es eigentlich genau umgekehrt ist.

    Schönen Tag

    H.

    Zitat von silberkralle

    das lass ich nich zu


    Hallo,

    da stimme ich Dir ja zu. Aber ist es nicht auch eine Art von Beherrschen, wenn ich es nicht zulassen will? Es wird immer so sein, dass meine Sucht Einfluss auf mich hat. Das meinte ich damit. Wahrscheinlich nur anders ausgedrückt als Du.

    Schönen Tag

    H.

    Hallo Frank,

    Zitat von FrankyFresh

    Ich finde es sehr gut, das Du immer wieder mal ''nachhakst'' und Vorsichtsschilder aufzeigst.


    Das sind nur eigene Erfahrungen und wenn ich dann hier lese, fallen mir bei anderen immer wieder die Fallen auf, die mich gefangen und gequält haben. Wenn dann jemand der Meinung ist, nicht mal darüber nachdenken und/oder mich persönlich angreifen zu müssen, lasse ich ihn weiter in seinem eigenen Saft schmoren. Es hat ja keinen Sinn, sich selbst mit den Problemen anderer aufzureiben. Das kann ich inzwischen ganz gut.

    Zitat von FrankyFresh

    Ich bin mir nicht zu sicher, wirklich nicht! Ich bin zu oft mit vermeintlicher Sicherheit,kein Problem mehr mit dem Alkohol zu haben, wieder auf die Schnauze gefallen :roll:


    Das ist auch gut so. Wenn es dem Esel zu gut geht....
    Außerdem zwingt die Unsicherheit mich immer wieder zum Nachdenken. Sie sollte bloß nicht die Überhand gewinnen.

    Zitat von FrankyFresh

    Ich drücke es mal so aus: Alkohol beherrscht mich seit nun bald 10 Monaten nicht mehr,


    Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Meine Sucht, also der Alkohol, wird mein Leben bis zum Ende begleiten, auf die eine oder andere Art. Auch wenn ich trocken bin, wird er mein Leben immer beeinflussen. Das bedeutet für mich auch, dass ich von ihm beherrscht werde, mindestens ein wenig und in einigen Situationen. Aber so lange ich trocken bin, kann das Suchtmittel nicht mehr die Herrschaft über mein gesamtes Leben erlangen. Und das funktioniert nur, weil mir bewusst ist, dass ICH niemals die Herrschaft über den Alkohol erlangen kann.
    Das ist für mich eine notwendige Einsicht, damit ich mich vor meiner Sucht und meinem Suchtmittel ergeben konnte - Für mich der einzige Weg in die dauerhaft zufriedene Trockenheit.

    Schönen Tag

    H.