Beiträge von hoppegarten

    Hallo,

    gut, dass du mit dem Mist aufhören möchtest.
    Selbsthilfegruppen sind ja gut, allerdings solltest du vielleicht auch mal überlegen, deinen Arzt auf eine Überweisung zu einem Psychologen anzusprechen.

    Ich denke, dass Selbsthilfegruppen sehr helfen, um sich mit Betroffenen auszutauschen, um sich gegenseitig zu motivieren und um auf dem Weg zu bleiben.
    Allerdings ersetzen SHGs kein fundiertes Aufarbeiten psychologischer Probleme, durch die der erhöhrte Alkoholkonsum entstanden sein könnte.

    So kann das von dir erwähnte "Locker-Trinken" bzw. trinken, um überhaupt Mut für den Tag zu fassen, sicher nicht durch Selbsthilfegruppen allein gelöst werden, sondern der Ursprung dieser negativen Gefühle müsste beleuchtet werden, was möglich ist, wenn du diesen Ursprung mit professioneller Hilfe bearbeiten würdest.

    Dein großer Vorteil ist, dass du noch sehr jung bist und
    die Aufarbeitung von Problemen einfacher ist als bei einem Geist, der schon 50 Jahre auf dem Buckel hat und von diesen 20 Jahre durchgesoffen hat.

    Besten Gruß

    Hallo TooShy,

    ich befand mich über einen längeren Zeitraum in psychologischer Behandlung.
    In meinem Fall handelte es sich um einen Diplom-Psychologen mit der Spezialisierung Psychotherapie.

    Erster Anlaufpunkt war mein Hausarzt.
    Diesem stellte ich mein Anliegen dar und daraufhin überwies dieser mich an einen Neurologen.

    Mich wundert deine Aussagen, dass dein Hausarzt dir Antidepressiva verschrieben hat. Dies darf er an sich nicht, da die Verschreibung Neurologen obliegt.

    Nun gut, der Neurologe hat mir dann eine Liste von einigen Psycholgen in der Nähe gegeben.
    Wie Kaleu schon sagte, muss man nicht den erst besten wählen, sondern kann sozusagen testen.
    Ist dein Hausarzt aber der Arzt deines Vertrauens, wird er dir auch nur Psychologen nennen, von denen er etwas hält, obwohl der Hausarzt rein juristisch keine Empfehlungen aussprechen darf.

    Der Weg ist also üblicherweise:
    Hausarzt - Neurologe - Psychologe/Psychotherapeut.

    Grüße

    Auch von mir ein Lob für die Erkenntnis und die Einsicht.

    Wie viele Leute, die voll im Alkohol schwimmen, rennen immer noch durch die Gegend und belügen sich selbst, indem die Einsicht "ich habe eine Alkohol-Problem" möglichst weit weg geschoben wird.

    Fakt ist aber auch, dass bis zu dieser Einsicht meistens schon viele andere Menschen bemerkt haben, dass du ein Alkohol-Problem hast. Der Trinker neigt doch leicht zum Verdrängen dieser Tatsache. Ich kenne das von mir. Meine "Leute" haben immer gemerkt, wenn ich was getrunken habe und auch gemerkt, dass ich nicht mehr ohne konnte.

    Von daher weiss deine Frau wahrscheinlich schon mehr als du momentan annimmst und wird es Dir hoch anrechnen, es selbst erkannt zu haben.

    Besten Gruß

    Zitat von murmeltier


    Ich habe auch kein Problem wenn mein Partner mit seinen Jungs einen alkoholischen Abend verbringen will, nur darf halt auch keiner beleidigt sein, wenn ich da nicht dabei bin. Da sehe ich noch Handlungsbedarf, ich habe aber auch nicht das Bestreben mich ständig zu rechtfertigen.

    Natürlich ist deine Familie nicht dafür verantwortlich, dafür zu sorgen, dass du trocken bleibst. Du bist verantwortlich.

    Allerdings sollte dein Partner, wenn er dein Problem überhaupt verstehen sollte, darauf verzichten, mit seinen Fussball-Kumpels in deinem Reich, in deiner Privatheit die Zeit zu vollbringen.

    Das ist meiner Meinung nach ein Zeichen für Respekt und Verständnis.
    Ich denke, dass du auch kein Sekt-Frühstück bei dir im Haus vollziehen würdest, wenn dein Mann der Alkoholiker wäre, oder?

    Daher hast du ihm dein Ziel und deinen unbedingten Wunsch, nicht mehr zu trinken, entweder nicht intensiv klar gemacht, oder er nimmt es nicht ernst, was nicht in Ordnung wäre.


    Besten Gruß

    Zitat von Xenica

    und zweitens duldet nicht jeder Arbeitgeber, daß jemand zu spät kommt.

    Würde ich keinem raten, wenn er damit seinen Arbeitsplatz aufs Spiel setzt. Es geht ums Leben, wenn man wieder trinkt, aber man kann ja nein sagen, ohne seinen Chef zu verärgern

    Was hat denn bitte der Sektempfang einer Fortbildung mit der eigentlichen Fortbildungsmaßnahme zu tun?

    Ich kann mir keinen intelligenten und vernünftigen Arbeitgeber vorstellen, der seinem Angestellten einen Strick daraus dreht, nur weil dieser nicht am Sektempfang teilnimmt.

    Besten Gruß

    Ich antworte mit: "nein danke, ich trinke keinen Alkohol".
    Meiner Erfahrung nach kommen dann selten erneute Fragen, weil es heutzutage doch schon öfter vorkommt, dass Leute auf Alk verzichten.

    Sollte ein weiteres Nachhaken erfolgen, würde ich erneut sagen, dass ich keinen Alkohol trinke. Damit wäre die Sache für mich gegessen.
    Ich habe nicht das Bedürfnis, jedem Hansel zu erklären, weshalb ich keinen Alkohol trinke.
    Die für mich wichtigen Personen wissen es.

    Besten Gruß

    Hallo,

    problematisch ist, dass die anfängliche Euphorie, du schreibst "Stolz", irgendwann schwächer wird und dann ist professioneller Rat oder eine Gruppe wichtig, da die Gefahr eines Rückfalls sonst nahe ist.

    Auch solltest du Feiern etc. erstmal vollkommen meiden.
    Ich kenne einige trockene Alkoholiker, die Feiern, Geburtstage, Volksfeste etc. vollkommen und für immer aus ihrem Leben gestrichen haben.
    Pauschal ist das sicher nicht allen Betroffenen zu raten, aber in der Anfangszeit der Trockenheit schon.

    Hier wirst du von einigen Leuten gute Unterstützung erfahren, aber letztendlich steuerst nur du das Schiff in den sicheren Hafen oder eben in den Abgrund.

    Viel Erfolg!

    Hallo.

    Kann man das so pauschal sagen? In Fruchtsäften ist in vielen Fällen ein Teil Restalkohol enthalten. Somit auch in der Apfel-Schorle.

    Ich denke, jeder Betroffene muss das für sich entscheiden.

    Frohes Osterfest und besten Gruß.

    Hallo,

    es ist schon schwierig, ein Gespür für Nahrung mit Alk zu bekommen. Ich lese mir alles durch.
    Dennoch habe ich vorgestern Currywurst mit Curryketschup gegessen. Danach sah ich mir die Zusammensetzung des Ketschup an. "Branntweinessig" - ganz toll.

    Zeigt mir wieder, noch mehr darauf zu achten.
    Auf Kuchen vom Bäcker beispielsweise verzichte ich vollkommen. Auch wenn kein Alk vorhanden ist, sind meist bedenkliche Aromen beigefügt.

    Gruß

    Hallo,

    @ Gotti
    Ja, so ist es wohl. Ich ziehe es mittlerweile auch durch und denke diesbezüglich gesund egoistisch. Leute, von den ich weiss, dass sie in meiner Gegenwart trinken würden und so mein Suchtgedächtnis wecken würden, meide ich nun.
    Das ist auf der einen Seite schade, auf der anderen Seite auch wieder nicht, da ich auf bestimmte Leute durchaus verzichten kann, wie du schon sagst Gotti.
    Auch habe ich mittlerwiele kein Problem mehr damit, klipp und klar zu sagen, dass ich keinen Alkohol trinke und gut ist.
    Am Anfang suchte ich nach Ausreden wie "Ich trinke momentan nichts, da ich ein wenig gesünder leben möchte" etc.
    Danke für deinen Beitrag.

    @ Pittchen
    Das von dir genannte Beginnen und Annehmen neuer Rituale ist schon hart, vor allem aufgrund der immer wieder auftauchenden Gedanken an frühere Kompensationsmöglichkeiten:
    Traurigkeit, schlechte Gefühle, Unsicherheit - - - Trinken.

    Über einen für mich großen Erfolg bin ich allerdings sehr froh und auch ein wenig stolz.
    Ich schaffe es mittlerweile immer, mir einen bestimmten Zustand, der ungefähr 1 Jahr zurück liegt, in mein Gedächtnis zu rufen, wenn ich mich bei dem Gedanken an Alkohol erwische.
    An diesem Tag vor einem Jahr ging es mir sehr, sehr dreckig, geprägt von einem massiven depressiven Zustand nach einer durchzechten Nacht.
    Auch einige andere für mich negative Sequenzen rufe ich in dieser Form wieder ab.
    Bevor also der Saufdruck intensiver wird, meine Gedanken an das Trinken immer stärker werden, denke ich intensiv an den erwähnten "Katerzustand" und an meine damaligen Gefühle.
    Als Ergebnis kommen mir dann der Saufdruck und das auslösende Gefühl schwächer vor und einige Zeit später ist er verschwunden.
    Komme ich dann immer noch nicht richtig runter, gehe ich laufen, sodass der körperliche "Schmerz" den Saufdruck aussticht.

    Für mich ein Fortschritt, da ich früher die schlechten Erinnerungen schnell verdrängt habe und die positiven und kurzfristigen Wirkungen des Alkohols in meiner Erinnerung verankert waren.

    Darüber hinaus hilft mir persönlich auch die körperliche Veränderung. Die Kombination aus Nicht-Trinken, gesünderer Ernährung und mehr Sport führt aus logischen Gründen zu einem besseren Aussehen und vor allem, das wichtigste für mich, zu einem besseren Körpergefühl.
    Da ich ein relativ eitler Mensch bin, ist das verbesserte Aussehen auch eine wichtige Energiequelle und Hilfe auf meinem Alkohol-freien Weg.

    @ Magnus
    Vielen Dank für deinen Beitrag.

    Deine Aussage:

    "Denn niemals möchte ich mehr so sein, wie vor eineinhalb Jahren..."

    kann ich vollkommen nachvollziehen. Diesen Satz sage ich mir auch immer wieder.

    Die Isolation bzw. Einsamkeit ist schon so eine Sache. Ich persönlich bin an sich immer ganz gut mit der Einsamkeit klar gekommen, merke aber natürlich auch, dass ein wenig mehr soziale und emotionale Nähe besser für mich wäre.
    Mittlerweile spüre ich allerdings, dass ich ruhiger, offener und aktiver mit Menschen zurecht komme, da meine Gedanken, Gefühle und meine Selbsteinschätzung klarer und geordneter sind als in meiner Alk-Zeit.
    In dieser Zeit war ich vielleicht auf Partys bis zu einem gewissen Alkohol-Pegel viel aktiver und offensiver, was aber nur auf die Wirkung der Droge zurückzuführen war. Innerlich fühle ich mich immer noch unsicher und am nächsten Tag umso mehr.
    Zumal ich dann irgendwann vor jeder kleinen Herausforderung (Familienfeiern, Gespräche in der Uni, Anrufe bei Behörden, Treffen mit Freunden) getrunken habe, um lockerer zu sein. Ein fataler Trugschluss, da ich nicht ruhiger wurde, sondern noch aufgeregter und dann noch mehr trank, sodass natürlich auch die beteiligten Personen gemerkt haben müssen (auch gerochen haben müssen), dass ich auf Alk war.
    Im Endeffekt ein absolutes Armutszeugnis, sich einer Droge so auszuliefern und das ganze soziale Leben von dieser abhängig zu machen.

    Ich habe für mich akzeptiert und erkannt, dass ich im Gegensatz zu anderen Menschen in der zwischenmenschlichen Entwicklung immer ein wenig später zündete. Auch in meinem jetzigen Alter bin ich noch nicht so weit wie andere Menschen in meinem Alter. Das hängt aber auch mit Erfahrungen in meiner Kindheit und meiner Prägung zusammen.
    Nun ist mir aber klar, dass ich mich nur ohne Alkohol weiter entwickeln kann und ich merke die kleinen und feinen Fortschritte.
    Daraus resultiert auch, dass ich nicht mehr diesen Druck und diesen Krampf emfinde, unbedingt allen gefallen zu müssen und unbedingt etwas Bestimmtes darstellen zu müssen.
    Ich gehe mittlerweile deutlich lockerer durchs Leben und freue mich jeden Morgen, ohne Kater und ohne Angstzustände aufzuwachen.

    Dir auch weiterhin einen erfolgreichen Weg!

    Beste Grüße

    Hallo Morphling,

    mir ist eine Schlüsselaussage in deinem thread aufgefallen.

    "..., wohl wissend, dass ich alles haben kann, wenn ich es lassen kann. Aber ich kann es nicht."

    Du solltest verinnerlichen, dass du definitiv Gefahr läufst, alles zu verlieren, was Dir lieb ist, wenn du weiter trinkst.
    Du solltest auch verinnerlichen, dass deine Frau irgendwann nicht mehr die Türen für dich öffnet. Irgendwann ist Schluss und irgendwann ist alles zerstört.
    Ich spreche diesbezüglich aus persönlicher Erfahrung.

    So etwas wie "ich kann es nicht" gibt es nicht.
    Mit dieser Überzeugung wird Dir die beste Unterstützung (ob privat oder professionell) nichts bringen.

    Ich glaube, dass das Beenden einer Sucht mit der Selbsteinschätzung "ich kann nicht" nicht möglich ist.

    Die Rechnung ist an sich trivial, aber effektiv.
    Mit Alkohol ist nichts an deinem Leben selbstbestimmt.
    Dies ist nur ohne Alkohol möglich.
    Und dies liegt nur, wirklich nur in deiner Hand.

    Besten Gruß

    Hi Pittchen,
    sehe das auch so. Ich lehne mittlerweile gerne Dinge ab, die mir schaden. Primär ist das der Alkohol. Zudem aber auch Menschen, die mir nicht gut tun, was ich jetzt, nach einer gewissen Zeit des Trockenseins erst für mich eingesehen habe.

    Nur ist es schwierig, in bestimmten Situationen so krass vom Suchtgedächtnis "überfahren" zu werden.
    Das zeigt mir aber auch, dass ich in Zukunft auch Situationen vermeiden sollte, die mir nicht gut tun.

    Und das ist momentan definitiv noch der Freitagabend in der Stadt etc.
    Das hat auch weniger mit Verzichten zu tun, sondern viel mehr damit, dass ich von innen heraus einen starken Suchtdruck spüre. Nicht weil ich über den Alkohol aktiv nachdenke, sondern weil bestimmte Situationen in meinem Kopf noch zu sehr mit dem Trinken verknüpft sind.
    So war ich früher niemals am Wochenende unterwegs, ohne getrunken zu haben.

    Besten Gruß.

    Zitat von tegan71

    Ist das tatsächlich so? Zu der Zeit, in der ich Solo war und getrunken habe, dachte ich das auch so. Mittlerweile betrachte ich das aber aus einer anderen Perspektive.

    Hi,

    nein, es ist definitiv nicht so. Ich weiss ja nun, wie ekelhaft es ist, wenn mir ein stark alkoholisierter Mensch ins Gesicht haucht oder mich anspricht oder mir zu nahe kommt.

    Der Geruch widert mich an, auch wenn diejenige Person "nur" 2 Bier getrunken hat.
    Daher kann ich nun auch einige Frauen verstehen, die es als absolut ekelhaft empfinden, wenn sie in der Disse etc. von einem betrunkenem Typen angemacht werden.
    Das war mir so früher auch nie klar.

    Wie du schon sagst, habe ich die Situation sofort mit meinen alten Verhaltensweisen verknüpft. Früher habe ich dann immer was getrunken, entweder aus Unsicherheit oder um die an sich schöne Situation noch schöner zu machen, was natürlich immer nach hinten los ging.

    Dein Instrument, sich die negativen Erinnerungen öfter mal vor Augen zu halten, nutze ich auch und auch mir helfen diese Gedanken sehr.

    Besten Gruß

    Hallo,

    ich erlebte heute eine Situation, die mich ein wenig unsicher macht. Durch Zufall lief mir eine ehemals sehr bekannte Person aus meiner Trinkerzeit über den Weg. Diese Person hat mich nicht gesehen und es kam zu keinem Gespräch.
    Allerdings entstand kurz darauf ein extremer Saufdruck, mit dem ich in dieser Intensität nicht gerechnet habe.
    Das Suchtgedächtnis scheint mächtiger zu sein als ich bisher dachte.

    Mittlerweile war ich Laufen und es geht wieder.

    Dennoch hat mich die heutige Erfahrung doch ein wenig unsicher gemacht. Vor allem bezüglich eines geplanten Besuches eines alten Freundes aus meiner Trinkerzeit, der selbst nie getrunken hat und mich auch nicht aktiv zum Trinken motivieren würde.
    Wenn aber die heutige Situation mit einer für mich irrelevanten Person aus der Vergangenheit schon so eine Wirkung hat, sollte ich dann nicht bezüglich eines guten Freundes umso vorsichtiger sein?
    Könnte der Besuch eine Gefahr für mich darstellen?

    Übrigens war ich am Wochenende mal wieder in der Stadt und das zur rush-hour der Kneipen- und Partypeople.
    Diese Erfahrung lehrte mich, in Zukunft vollkommen darauf zu verzichten, mich unter betrunkene Menschen zu begeben.
    Zumal sofort der Gedanke aufkam "Schau dir die Mädels an, trink was und der Spaß ist da".
    Echt erschreckend. Ich bin sofort heim gefahren und konnte mich nur langsam beruhigen.
    So schnell sind alle schlechten Erinnerungen an das Saufen mit einem Klick weg und so schnell kann ein Rückfall eintreten, wenn nicht sofort gehandelt wird.

    Alles sehr komisch momentan. Da ist man relativ stabil und dann häuft sich alles.

    Besten Gruß