Hallo,
@ Gotti
Ja, so ist es wohl. Ich ziehe es mittlerweile auch durch und denke diesbezüglich gesund egoistisch. Leute, von den ich weiss, dass sie in meiner Gegenwart trinken würden und so mein Suchtgedächtnis wecken würden, meide ich nun.
Das ist auf der einen Seite schade, auf der anderen Seite auch wieder nicht, da ich auf bestimmte Leute durchaus verzichten kann, wie du schon sagst Gotti.
Auch habe ich mittlerwiele kein Problem mehr damit, klipp und klar zu sagen, dass ich keinen Alkohol trinke und gut ist.
Am Anfang suchte ich nach Ausreden wie "Ich trinke momentan nichts, da ich ein wenig gesünder leben möchte" etc.
Danke für deinen Beitrag.
@ Pittchen
Das von dir genannte Beginnen und Annehmen neuer Rituale ist schon hart, vor allem aufgrund der immer wieder auftauchenden Gedanken an frühere Kompensationsmöglichkeiten:
Traurigkeit, schlechte Gefühle, Unsicherheit - - - Trinken.
Über einen für mich großen Erfolg bin ich allerdings sehr froh und auch ein wenig stolz.
Ich schaffe es mittlerweile immer, mir einen bestimmten Zustand, der ungefähr 1 Jahr zurück liegt, in mein Gedächtnis zu rufen, wenn ich mich bei dem Gedanken an Alkohol erwische.
An diesem Tag vor einem Jahr ging es mir sehr, sehr dreckig, geprägt von einem massiven depressiven Zustand nach einer durchzechten Nacht.
Auch einige andere für mich negative Sequenzen rufe ich in dieser Form wieder ab.
Bevor also der Saufdruck intensiver wird, meine Gedanken an das Trinken immer stärker werden, denke ich intensiv an den erwähnten "Katerzustand" und an meine damaligen Gefühle.
Als Ergebnis kommen mir dann der Saufdruck und das auslösende Gefühl schwächer vor und einige Zeit später ist er verschwunden.
Komme ich dann immer noch nicht richtig runter, gehe ich laufen, sodass der körperliche "Schmerz" den Saufdruck aussticht.
Für mich ein Fortschritt, da ich früher die schlechten Erinnerungen schnell verdrängt habe und die positiven und kurzfristigen Wirkungen des Alkohols in meiner Erinnerung verankert waren.
Darüber hinaus hilft mir persönlich auch die körperliche Veränderung. Die Kombination aus Nicht-Trinken, gesünderer Ernährung und mehr Sport führt aus logischen Gründen zu einem besseren Aussehen und vor allem, das wichtigste für mich, zu einem besseren Körpergefühl.
Da ich ein relativ eitler Mensch bin, ist das verbesserte Aussehen auch eine wichtige Energiequelle und Hilfe auf meinem Alkohol-freien Weg.
@ Magnus
Vielen Dank für deinen Beitrag.
Deine Aussage:
"Denn niemals möchte ich mehr so sein, wie vor eineinhalb Jahren..."
kann ich vollkommen nachvollziehen. Diesen Satz sage ich mir auch immer wieder.
Die Isolation bzw. Einsamkeit ist schon so eine Sache. Ich persönlich bin an sich immer ganz gut mit der Einsamkeit klar gekommen, merke aber natürlich auch, dass ein wenig mehr soziale und emotionale Nähe besser für mich wäre.
Mittlerweile spüre ich allerdings, dass ich ruhiger, offener und aktiver mit Menschen zurecht komme, da meine Gedanken, Gefühle und meine Selbsteinschätzung klarer und geordneter sind als in meiner Alk-Zeit.
In dieser Zeit war ich vielleicht auf Partys bis zu einem gewissen Alkohol-Pegel viel aktiver und offensiver, was aber nur auf die Wirkung der Droge zurückzuführen war. Innerlich fühle ich mich immer noch unsicher und am nächsten Tag umso mehr.
Zumal ich dann irgendwann vor jeder kleinen Herausforderung (Familienfeiern, Gespräche in der Uni, Anrufe bei Behörden, Treffen mit Freunden) getrunken habe, um lockerer zu sein. Ein fataler Trugschluss, da ich nicht ruhiger wurde, sondern noch aufgeregter und dann noch mehr trank, sodass natürlich auch die beteiligten Personen gemerkt haben müssen (auch gerochen haben müssen), dass ich auf Alk war.
Im Endeffekt ein absolutes Armutszeugnis, sich einer Droge so auszuliefern und das ganze soziale Leben von dieser abhängig zu machen.
Ich habe für mich akzeptiert und erkannt, dass ich im Gegensatz zu anderen Menschen in der zwischenmenschlichen Entwicklung immer ein wenig später zündete. Auch in meinem jetzigen Alter bin ich noch nicht so weit wie andere Menschen in meinem Alter. Das hängt aber auch mit Erfahrungen in meiner Kindheit und meiner Prägung zusammen.
Nun ist mir aber klar, dass ich mich nur ohne Alkohol weiter entwickeln kann und ich merke die kleinen und feinen Fortschritte.
Daraus resultiert auch, dass ich nicht mehr diesen Druck und diesen Krampf emfinde, unbedingt allen gefallen zu müssen und unbedingt etwas Bestimmtes darstellen zu müssen.
Ich gehe mittlerweile deutlich lockerer durchs Leben und freue mich jeden Morgen, ohne Kater und ohne Angstzustände aufzuwachen.
Dir auch weiterhin einen erfolgreichen Weg!
Beste Grüße