Hallo Wilson,
Zitat
dieser Logik folgend habe ich entweder nur eine Chance "trocken" zu werden, oder aber gar erst den Anspruch, mich "trocken" nennen zu dürfen, wenn ich weitersaufe bis es mir viel schwerer fällt aufzuhören, als jetzt.
Erst mal das einfache: den Anspruch, dich trocken nennen zu dürfen, hast du, wenn du trocken bist, sprich nichts trinkst.
Jetzt das schwierige:
Der Begriff "Kapitulation", den ich benutzt habe, hört sich brutal an, schon klar. Gemeint ist aber, dass man gegen den Alk nicht gewinnen kann. Kämpfen macht dann keinen Sinn, man muss "einfach" sagen: Alk, du hast gewonnen, ich geh dir aus dem Weg (= kapituliere).
Aber du hast ja recht, du bist ja nur ein "Alkoholiker -light":
Zitat
Meine körperlichen Entzugserscheinungen sind weniger stark ausgeprägt, als ich erwartet hatte
Komisch. Bei 100 g Alkohol am Tag, also 4 Flaschen Bier oder 1 l Wein, dürfte es mit den Entzugserscheinungen wirklich nicht so weit her sein.
Deshalb hast du die große und nicht selbstverständliche Chance, schon jetzt, also weit vor dem ansonsten unausweichlichen Zusammenbruch, mit dem Alk aufzuhören.
Nutze diese Chance. Ich war, als ich etwa auf deinem Level war, zu blöd und habe die Gefahr, die du erkennst, nicht wahrgenommen.
Dieses Forum hier ist zwar super, aber kann sicher nur eine Ergänzung sein. Versuch mal in eine SHG reinzuschnuppern, es gibt sicher eine, die zu dir passt. (Von einer Therapie halte ich in deinem noch recht frühen Stadium nichts- zumal mir meine Therapiegruppe, i.G. zur SHG, herzlich wenig bringt).
Alleine, gegen dein trinkendes Umfeld, wirst du es nicht schaffen, "light" zu bleiben, sondern über kurz oder lang abschmieren. Und dann, das kannst du mir glauben, kannst du nicht mal eben locker ein paar Tage nichts trinken.
Die größte Lebenslüge des angehenden Alkis ist es, eine Saufpause mit Abstinenz zu verwechseln.
>> Jeder hier kam zu seiner Zeit an den Punkt, nicht mehr trinken zu wollen. Für mich war das am Dienstag, 18. August 2009. <<
Erinnert mich ein wenig an meine misslungenen Versuche, mit dem Qualmen aufzuhören.
Ich glaube nicht, dass die Mehrheit hier sich ein bestimmtes Datum ausgesucht hat, von dem an nicht mehr getrunken wird. Ich glaube vielmehr, dass sich dieses Datum den Alki ausgesucht oder besser gesagt, gefunden hat. Erst danach (meine Erfahrung, kann auch anders sein) tritt der eigene Wille ein.
Anders gesagt: solange man noch gleichzeitig die "wichtigsten" Dinge des Lebens (also, was man dafür hält) tun und saufen kann, wird man als Alki über Saufpausen nicht hinauskommen.
In der Suchtberatung hat mir der Therapeut ein schönes Beispiel für den Unterschied Alki / nicht Alki erzählt:
Wenn sich beide vornehmen (und es schaffen), die nächsten drei Monate nichts zu trinken, steht der Alki nach drei Monaten Trockenheit um 0 Uhr auf und zieht sich was. Der nicht Alki wird diesen "Stichtag" (an den der Alki drei Monate lang denkt) schlicht vergessen und vielleicht einige Wochen später ein Bier trinken.
Ich wünsche dir eine lange Nacht, die du vielleicht nutzt, um dir mal einige längere Threads im Forum durchzulesen.
Und ich wünsche dir weitere 24 trockene Stunden.
spiege