Hab da mal ne Frage an Euch, weil ich darüber hier noch nichts direkt gelesen habe: Ist allgemeines Mitleid gegenüber meinem EX auch eine Art Abhängigkeitsverhalten? Darüber grüble ich noch etwas, ob ich deswegen noch an mir arbeiten muss.
Ich meine damit folgendes:
Mein EX ist vor 10 Jahren von weiters weg zu mir gezogen. Im Grunde war es im nachhinein gesehen auch eine Art weglaufen. Die Bekanntschaft zu mir kam ihm sozusagen nicht unrecht.
Er hat seinen Bruder, seinen besten Freund wie er sagt, verloren. Er starb sehr jung an einem Unfall. Seine Eltern machten ihm Vorwürfe, dass er nicht auf ihn aufgepasst hat.
Seine Kindheit ist von Schlägen des Vaters geprägt. Seiner Mutter konnte er nie vertrauen. Sein großer Bruder wurde immer bevorzugt.
Hier bei mir versuchte er sein Leben aufzubauen. Ich weiss aber auch nicht so recht, warum das bei ihm nie klappte. Meine Familie hat ihn eigentlich nie sturzbetrunken erlebt. Er hatte sich stets hilfsbereit gezeigt und war eher ein Geber als ein Nehmer. Aber dennoch fand er keinen Anklang.
Er hat hier und da Menschen kennengelernt, die er aber nie als Freunde halten konnte.
Ich denke mir, seine Gebereigenschaft hat diese Menschen irgendwie überfordert und eingeengt. Ja, wahrscheinlich merkten sie, dass er vielleicht schon krampfhaft nach Anerkennung und Liebe sucht.
Irgendwie tut mir das leid für ihn. Denn durch unsere Trennung geh ich ihm nun auch verloren. Er hat in der Tat keine Menschen hier um sich herum. Seine Eltern wohnen nun im Ausland und fordern ständig finanzielle Hilfe von ihm.
Das sind jetzt einfach mal Dinge, die ich abseits von der Alkoholabhängigkeit betrachte.
Wie auch zum Thema Alkohol, habe ich ihm auch zu diesen Problemen und Sorgen ständig geraten, sich Hilfe zu suchen. Riet ihm, seine Vergangenheit aufzuarbeiten. Hat er auch nicht gemacht. Stattdessen seine Sorgen im Alkohol ertränkt und dabei wie wohl jeder Alkoholabhänige nicht gesehen, dass Probleme auch schwimmen können.
Ich trennte mich ja, weil ich so einfach nicht mehr leben wollte mit dem Alk und mit dem Co-Verhalten. Ich weiss auch, dass ich ihn nicht mehr zurück haben will - die Liebe ist weg - das Mitleid, dass er alkoholabhängig ist, ist auch weg. Aber das Mitleid, dass er es nicht leicht im Leben hatte, ist irgendwie da. Auch wenn ich ihm dabei nicht helfen kann und das auch gar nicht will - hoffe ich einfach, er schafft es für sich allein!