Beiträge von ossi2

    Ich nutze die Zeit bei meinen Eltern, um über mich, meine Beziehung zu meinem Mann und das ganze Drumherum nachzudenken...
    Zwei Dinge sind mir inzwischen bewusst geworden.
    Wir haben uns nie (!) gestritten, nie Themen ausdiskutiert. Obwohl wir schon Meinungsverschiedenheiten hatten - bestimmt. Gut, in meiner ersten Ehe gab es so viele laute Streitereien, dass ich nun froh war, dass das nicht mehr so ist. Aber nun denke ich, das kann doch so nicht sein! Heute denke ich, dass ich immer wieder zurückgesteckt habe, mich selbst belogen habe, indem ich zum einen das geglaubt habe (dass es bei uns keine Meinungsverschiedenheiten gibt) und zum anderen weil ich meine eigenen Empfindungen, Meinungen, Bedürfnisse nicht „durchgesetzt“ (mir fällt gerade kein besseres Wort dafür ein) habe. Ich habe nachgegeben, um ihn nicht aufzuregen, um ihm keinen Grund zum Trinken zu geben! :?

    Das andere, was mir aufgefallen ist: Gestern, während unseres kurzem Gespräches fragte er mich, ob er noch eine Chance hätte. Ich habe geantwortet: „Das liegt an dir.“ Jetzt denke ich, das war nicht die richtige Antwort. Alles was er nun anstellt (Therapie und so), tut er für mich, für unsere Ehe, nicht für sich! Womit er mich wieder mit in die Verantwortung holt. Das will ich nicht! Ich will nicht verantwortlich sein für sein Handeln!

    Wünsche allen ein schönes Wochenende!
    Ossi2

    Hallo,
    erst einmal bin ich froh, dieses Forum gefunden zu haben!
    Ich werde versuchen, kurz meine Geschichte zu erzählen, vielleicht erst einmal nur in groben Zügen:
    Vor fast 5 Jahren habe ich meinen Mann kennen gelernt. Aus Erzählungen weiß ich, dass das Thema Alkohol schon ewig vorher bei ihm ein Thema war. Drei Jahre bevor wir uns kennen gelernt haben, hat ihn seine 1. Frau verlassen. Während und nach der Trennungsphase hat er sehr viel getrunken, so viel, dass er eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (die1.) bekam. Dann hatte er eine neue Freundin, die ihm ziemlich deutlich vorwarf Alkoholiker zu sein. Seine Familie und seine Freunde hielten dies aber für übertrieben. Am Ende dieser Beziehung landete er mit einer sehr schweren Bauchspeicheldrüsenentzündung(die 2.) auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Soweit dazu, was ich weiß, bevor wir uns kennen lernten.
    Als wir nun uns fanden, waren wir sehr, sehr glücklich. Das Verliebtsein hielt sehr lange an. Dazu muss ich erzählen, wie wir leben. Wir haben uns in einer Single-Börse im Internet kennen gelernt. Ich wohne und arbeite in seinem Heimatort, seine Familie lebt auch noch hier. Er allerdings lebt seit fast 30 Jahren in einer in ca. 200km entfernten Großstadt. Dort arbeitet er seit 25 Jahren bei der selben Firma. Nach einem Jahr entschlossen wir uns ein gemeinsames Heim zu schaffen. Wir waren davon überzeugt, dass es nur hier in seinem Heimatort sein musste. Wir haben ein Haus gebaut und nach dem Einzug auch geheiratet. Er hat eine kleine Wohnung am Arbeitsort, kommt nur (mit Ausnahmen) am Wochenende nach Hause. Ja, so lebten wir genau ein Jahr. Was ich noch dazu sagen muss, wir haben in dieser Zeit beide gern Alkohol getrunken, er viel mehr als ich. Ich habe mir damals überhaupt keine Gedanken darum gemacht. Obwohl er mir erzählt hat, dass sein Hausarzt ihm empfohlen haben soll, nur Bier oder Wein zu trinken (nix „Hartes“), was ich heute natürlich nicht mehr glaube. Am Wochenende war die Wiedersehensfreude immer so groß, dass sie begossen werden musste. Und er trank nicht nur Bier oder Wein. Dann erlitt er in unserem Urlaub seine 3. Bauchspeicheldrüsenentzündung! Ich habe mit ihm gelitten, wie er sich da im Bett vor Schmerzen krümmte. Im Krankenhaus bekam er dann auch noch von allen anderen Besuchern (Familie und Freunde) das große Mitleid vermittelt. Dann passierte es: eines Nachts, noch im Krankenhaus, fiel er ins Delirium und landete in der „Geschlossenen“. Dort hatte ich ein kurzes, mich sehr schockierendes Gespräch mit der Stationsärztin. „…mindestens 1 Flasche „Hartes“ pro Tag über Jahre…das ist immer so, dass die Ehepartner das nicht wahrhaben wollen…suchen sie sich eine Selbsthilfegruppe…“. Also, was habe ich getan? Habe ihn bekniet, eine Therapie zu machen, habe mich im Internet schlau gemacht, habe alle möglichen Therapiemöglichkeiten (für ihn!)zusammen getragen usw.. Was macht er? Geht gleich nach der Entlassung wieder arbeiten, „er musste“! Danach habe ich immer wieder dies Thema angesprochen, er ist immer wieder ausgewichen, mit immer neuen Begründungen. Im letzten Jahr habe ich zwei Mal erlebt, dass er trank. Auf Nachfragen nach dem Warum, konnte er dieses und jenes nicht ertragen. In letzter Zeit hat er eigentlich nur noch „gejammert“, wie schlecht es ihm doch ginge (Trennung von zu Hause, Stress im Job usw.) Im Sommer hatte ich ihm einen Termin bei unserem Hausarzt besorgt, nachdem ich allein mit dem Arzt gesprochen habe, und von meiner Vermutung, dass er trinkt, erzählt habe. Dort hat er aber nur erzählt, wie abgeschlagen, ständig müde, kraftlos er sich fühlt. Der Arzt verschrieb ihm ein Antidepressivum.
    Und nun, vor 4 Tagen der große Knall. Die VIERTE Bauchspeicheldrüsenentzündung!!! Nach der 3. hat man ihm schon gesagt, dass er bisher riesiges Glück hatte, dass seine Leber sich wieder regenerieren konnte, er keine bleibenden Schäden davontrug, abgesehen von der schwer in Mitleidenschaft gezogenen Bauchspeicheldrüse. „Keinen Tropfen!“ von allen Seiten.
    Ja, nun zu mir: Für mich brach alles zusammen – wirklich alles. Der Boden rutschte mir unter den Füssen weg, ich war gelähmt vom Schock. Mein erster klarer Gedanke: nun ist Schluss! Ich wollte so nicht mehr weiter machen. Nur ein Hauch von Zweifel „…in guten, wie in schlechten Tagen…“ Meine Antwort: Die schlechten Tage hat er zu verantworten!, „Liebst du ihn überhaupt?“ Meine Antwort: Nein, diesen Mann liebe ich nicht! Ich liebe den Mann, den ich geheiratet habe, der er aber nicht mehr ist!
    So, heute wurde er aus dem Krankenhaus entlassen. Ich hatte mir meine Worte an ihn schon zurechtgelegt. „Ich kann mit dieser Angst, dieser Sorge, diesem Zweifel, diesem Misstrauen nicht mehr weiterleben.“ Ich kann momentan nicht mit dir unter einem Dach leben.“ So habe ich ihm das dann auch sagen können. Er fragte: „Habe ich noch eine Chance?“ Meine Antwort: „Das liegt an dir.“ Für mich kann ich diese Frage überhaupt nicht beantworten, ich fühle nur, dass ich jetzt weg muss von ihm. Er hat mir noch erzählt, dass er schon auf der Suchtstation war, man ihm aber dort geraten hat, über´s Wochenende nach Hause zu gehen. Ich bin zu meinen Eltern gegangen, die in der Nähe wohnen, höre aber immer wieder ihre Vorwürfe: Das ist doch dein Mann? Du musst ihm doch helfen! Er ist krank, er schafft das nicht allein! Ich bin ziemlich enttäuscht darüber, da ich gehofft habe, dass sie sehen, wie schlecht es mir geht, und sie mich unterstützen in meiner Entscheidung.
    Momentan kommen in mir immer häufiger die Zweifel, ob ich nicht zu vorschnell reagiert habe. Zumal er am Montag in die Klinik gehen will. Aber mein Gefühl gibt mir immer wieder Recht. Ich fühle, ich muss weg von ihm. Noch vor einer Woche habe ich ihn abgöttisch geliebt. Heute ist wirklich alles anders, ich spüre keine Liebe – nur Abwehr, Flucht, Abscheu.
    Ja, das soll´s erst einmal zu mir gewesen sein. Sorry, das war jetzt wohl doch keine Kurzversion.
    Ich hoffe auf eure Kommentare! Ich denke, ich suche Bestätigung für meine Entscheidung.
    Bis bald!
    Ossi2