Beiträge von sonnenblume1a

    Hallo!

    In einigen Beiträgen wurde darüber diskutiert, ob es einen weiterbringt, wenn man darüber nachdenkt, warum die Eltern trinken. Die einhellige Meinung war, dass es sinnlos ist.

    Ich habe auch viel darüber nachgedacht und muss für mich persönlich sagen, dass es mir hilft und mich ruhiger macht, wenn ich mir die Gründe meiner Mutter für ihr Trinken überlege. Sie ist aber auch schon 22 Jahre tot, sicher kann man das nicht so sehen, wenn die Eltern noch leben.

    Meine Mutter war eine zutiefst unglückliche Frau, immer fremdbestimmt, sie konnte aus ihrem Leben nicht das machen, was sie sich gewünscht hat. Sie wollte einen Beruf lernen, was ihr Vater nicht erlaubt hat. Dann wollte sie nicht so viele Kinder, das hat sie leider oft zu mir gesagt (bin die jüngste). Dann wollte sie auch nicht dort leben, wo sie eingeheiratet hatte usw. Sie war eine lebenslustige Frau und eine gute Mutter, die leider sehr früh gebrochen wurde. Ich weiß, dass sie uns Kinder sehr geliebt hat.

    Und wenn ich da so drüber nachdenke, dann hilft mir das Wissen, dass sie mich geliebt hat und ich ihr nicht egal war. Nur hatte sie nicht das Umfeld, das ihr geholfen hätte, es wurde von allen Seiten (Großeltern, Tanten, Onkel) nur vertuscht.

    Ich bin meiner Mutter im Wesen sehr ähnlich und ich bin froh, dass ich heute ganz andere Möglichkeiten habe, mein Leben selbst zu gestalten. Das hatte sie nicht, und das macht mich traurig. Traurig, dass ein Leben so vertan wurde.

    LG Sonnenblume

    Hallo Lavandula!

    Es ist auch meist nur die eigene Interpretation. Habe z.B. in den letzten Tagen viele gute Kontakte gehabt, bin zu zwei Feiern eingeladen und habe unerwarteten Besuch bekommen. Damit geht es mir auch gleich viel besser. Aber doch irgendwie erschreckend, wie man auf Bestätigung von außen "angewiesen" ist.

    Dabei hat man soviel eigene innere Stärke, nicht zuletzt aus dem, was man in der Familie erlebt hat. Schließlich hat man seine Kindheit überlebt und ist nicht daran zugrunde gegangen, so sehe ich das an guten Tagen. Und dann kann ich auch zuversichtlicher sein, auch wenn mein Leben im Moment ziemlich verfahren ist.

    Was ich manchmal so überlege: Kann man alles, was im eigenen Erwachsenenleben schief läuft, auf die schlimme und belastende Kindheit zurückführen? Ich denke machmal, dass das vielleicht ein bequemer Weg ist, so als eine Art Ausrede vor sich selbst. Oder liege ich damit falsch?

    Ich habe mich in den letzten Tagen mal gezwungen, mich auch mal an schöne Erlebnisse aus der Kindheit zu erinnern. Die sind ja hinter den schrecklichen Erlebnissen sehr verschüttet, aber das hat mir gutgetan. Es sind alles Erlebnisse aus der früheren Kindheit, als ich das Drama um meine Mutter noch nicht so mitbekommen habe. Aber trotzdem war es schön, auch mal wieder das glückliche Kind in mir zu finden.

    LG Sonnenblume

    Hallo Lavandula!

    Leider ist es bei mir so, dass ich nur ganz schlecht alleine sein kann. Ich fühle mich dann oft ganz schrecklich einsam und ausgeschlossen. Das ist ein ganz diffuses Gefühl, gar nicht richtig greifbar, ich kann es auch an keinem Ereignis dann festmachen.

    Wer kennt das auch: Man redet mit jemand, den man gut leiden kann. Derjenige ist z. B. anderer Meinung oder kritisiert einen vielleicht, vielleicht gibt er auch eine Antwort, die man nicht erwartet hat, und schon denkt man, dass derjenige einen gar nicht mag. Mir geht das so und das hat mir auch schon Probleme eingebracht. Oder ich melde mich dann bei demjenigen nicht mehr, und bin dann erstaunt und erfreut, dass der andere sich wieder bei mir meldet. Kennt ihr das auch?

    LG Sonnenblume

    Hallo Auf dem Weg!

    Ich habe auch das Problem, dass ich den Kontakt zu meinem (Ex)Freund nicht abbrechen kann. Es geht einfach nicht. Irgendwie habe ich immer noch die Hoffnung, dass es doch weitergeht, oder ganz anders wieder beginnt. Vielleicht geht es dir auch so. Ich will, dass er mich versteht und mich gern hat und ihn auf keinen Fall verlieren. Dabei will ich die Beziehung, so wie sie war, auf keinen Fall zurück.

    Dass eine Entscheidung für den Auslandsjob keine Entscheidung gegen euch ist, leuchtet mir auch nicht ganz ein. Ich versteht dich gut, dass du so verzweifelt bist. Einen guten Rat habe ich aber auch nicht, kann mir ja selbst keinen geben. Da kann man auch nicht sagen, höre auf dein Bauchgefühl, weil Gefühl und Kopf in der Liebe eben manchmal nicht zusammengehen.

    Liebe Grüße Sonnenblume

    Hallo!

    Möchte mich hier mal einklinken. Ich habe auch gerade eine kraftraubende Beziehung hinter mir. Vor ein paar Wochen habe ich das Ende verkündet, rein vom Kopf her, meine Gefühle sprechen eine andere Sprache. Da war dann nach ein paar Tagen das Gefühl, alles verloren zu haben, die Gegenwart und die Zukunft. Seelisch ging es mir da ganz schlecht. Jetzt bin ich ruhiger geworden, auch durch das Lesen hier, und habe festgestellt, dass ich alle meine Hoffnungen auf einen besseren seelischen Zustand in ihn projeziert habe. Also Zukunft mit ihm, dann wird alles gut. Jetzt weiß ich, dass es auf mich selber ankommt, dass ich mich mit mir auseinandersetzen muss, sonst werden meine Probleme, sprich Depressionen, kein Selbstvertrauen, viele Selbstzweifel, nie gelöst. Richtig loslassen kann ich aber trotzdem noch nicht, er war ein Teil meines Lebens und davon will ich mich noch nicht ganz und gar trennen. So ein radikaler Schlussstrich macht mir unheimlich Angst, es ist ein Stück Vertrautheit, an das ich mich noch klammere. Und ich brauche die Gewissheit, dass er mich noch mag und dass wir uns "gut" sind. Mit jemandem, der mir wichtig ist, im Streit auseinandergehen und dann nicht mehr miteinander reden, ist der reinste Horror für mich.
    Meine Mutter habe ich das letzte Mal morgens vor der Schule gesehen und da gab es eine kleine Unstimmigkeit, und als ich mittags nach Hause kam, war sie schon im Krankenhaus und ich habe sie nie mehr wiedergesehen. Vielleicht liegt es daran.

    LG Sonnenblume

    Hallo regentropfen!

    Ich habe mehrere ältere Geschwister, aber wir haben nie über das Alkoholproblem unserer Eltern gesprochen (Eltern verstorben). Ich sehe aber an meinen Geschwistern, dass sie auch heute noch darunter leiden (siehe Merkmale EK). Da ich die jüngste bin weiß ich auch nicht, wie es zu Hause war, als meine Geschwister Kinder waren. Darüber denke ich oft nach, wann alles so schlimm geworden ist.
    Auch mit dem Rest der Familie wurde, zumindest mit mir, nie darüber gesprochen. Meine Bindungen an die restliche Familie war auch nie sehr stark.
    Unter uns Geschwistern gibt es eine gute Verbundenheit, wir stehen alle immer in Kontakt, aber ich empfinde es trotzdem so, dass unsere gemeinsame Vergangenheit zwischen uns steht. Es gibt eben etwas Unausgesprochenes. Ich habe das auch bei jedem Treffen im Hinterkopf. Trotzdem würde ich nie von mir aus etwas sagen, auf keinen Fall dran rühren.

    LG Sonnenblume

    Hallo!

    Vielleicht noch ein Merkmal eines EK: Misstrauen anderen Menschen gegenüber, sogar Vertrauten oder Verwandten. Ich kann nur wenigen Menschen wirklich vertrauen. Bei den meisten denke ich, sie spielen mir Sympathie nur vor und lauere förmlich auf Anzeichen für meine Annahme. Und gehe dann hinterher in Gedanken immer wieder so eine Begegnung durch. Ich hasse das selbst, aber warum sollte MICH jemand mögen? Ich finde mein Verhalten selbst völlig irrational.

    LG Sonnenblume

    Hallo!

    Es stimmt, dass man selbst etwas für sich tun muss. Ich bin auch in einer Sportgruppe, das macht mir sehr viel Spaß. Manchmal muss man sich einfach mal aufraffen, andere anrufen, um sich zu verabreden, selbst aktiv werden. Das fällt mir oft schwer, da ich denke, die anderen würden nur mir zu Gefallen was mit mir unternehmen. Das das so ja nicht stimmt, weiß ich auch, nur irgendwie ist das so festgehakt in meinem Kopf. Das ist dann wohl seltsames Verhalten.

    Es tut wirklich verdammt gut, sich hier auszutauschen und über seine Probleme reden zu können.

    LG Sonnenblume

    Hallo Ihr!

    Es tut gut, mal über alles sprechen zu können und jemanden zu haben, der zuhört bzw. liest. Ich habe ja noch nie wirklich mit jemandem darüber geredet, ich glaube, man kann auch anderen Leuten, die sowas nicht erlebt haben, seine Geschichte gar nicht zumuten.

    Meine Mutter selbst ist in ihren letzten Lebensjahren richtig verwahrlost, keine Körperpflege mehr, die Sachen wurden nicht oft gewaschen, die Wohnung war dreckig. Ich habe mit 13 Jahren angefangen, meine Wäsche teilweise alleine zu waschen, weil ich nicht mehr mit dreckigen Klamotten rumlaufen wollte. Sie selber hat sich gar nicht gepflegt, ich habe mich in der letzten Zeit geekelt vor ihr. Wenn ich das so schreibe, empfinde ich das fast als Verrat an ihr und dass man sowas nicht sagen sollte, aber ich habe diese Empfindungen auch nach zwanzig Jahren noch.

    Einmal kamen drei Mädchen aus meiner Klasse zu mir, ich bin aus allen Wolken gefallen, weil ich ja sonst nie jemanden mit nach Hause gebracht habe, und habe mich dann maßlos geschämt, wie es bei uns aussieht. Außerdem war es abends und da war meine Mutter meistens so betrunken, dass sie nicht mehr richtig sprechen konnte.

    Was ich kaum aussprechen, besser nur denken kann, ist, dass ich erleichtert war, als sie gestorben ist, es war, als ob eine Riesenlast von mir abfiel. Als ich dann selbst Kinder hatte, habe ich eine Mutter sehr vermisst, aber nicht meine eigene, sondern eine richtige Mutter. Ihr versteht sicher, was ich damit meine.

    Hat jemand von euch Erfahrungen mit einer psychotherapeutischen Behandlung? Ich habe jetzt eine begonnen, hatte letzte Woche das Aufnahmegespräch und erhoffe mir viel davon.

    LG Sonnenblume

    Hallo Auf dem Weg!

    Bei mir was es so, dass meine Mutter irgendwann so fertig war, dass Sie sich gar nicht mehr angemessen um mich kümmern konnte. ZB für saubere Kleidung sorgen, überhaupt für ausreichend Kleidung sorgen, sich für die schulischen Belange interessieren, die Wohnung sauber halten. Das gab es alles nicht mehr. Es gab auch keine vernünftigen Gespräche mehr, ich war nur noch auf Abwehr.

    Was mir aufgefallen ist an meinem Verhalten ist, dass ich total harmonisüchtig bin. Ich möchte mich immer mit allen gutstellen, allen gefallen, und nie anecken oder auffallen. Ich versuche, es immer allen recht zu machen, was man natürlich nicht schafft. Dann suche ich zuerst Schuld und Fehler bei mir. Sich da ein anderes Verhalten anzutrainieren ist schwer.

    LG

    Hallo Ihr!

    Das ist wirklich super interessant, was ihr zur Definition eines EKAs schreibt.

    Trifft fast alles auch auf mich zu. Man hatte sich dem Alkohol unterzuordnen, immer das Gefühl, erst kommt der Schnaps und dann alles andere. Ständig war man in Hab-Acht-Stellung, weil man nie wusste, was im nächsten Moment passieren kann. Bei mir ist es heute noch so, dass ich sehr unruhig bin, beim erzählen von einem Thema zum nächsten springe und mich schon gar nicht mehr auf die Antwort des anderen konzentrieren kann. Ich habe auch wenig Geduld, alles muss immer schnell schnell gehen.

    Dann fehlt mir und sicher vielen von euch ein gesundes Selbstvertrauen. Meins ist irgendwo im Keller, da ja man ja vermittelt bekommen hat, das man nicht wichtig ist.

    LG

    Hallo!

    Habe erstmal viel gelesen bei euch und mich in vielem wiedergefunden.

    Meine Eltern waren beide Alkoholiker, beide sind verstorben. Meine Mutter vor 22 Jahren, ich war damals 15. Mein Vater vor ein paar Jahren. Während ich mit meinem Vater einen versöhnlichen Abschluss finden konnte, da er die letzten Jahre nicht mehr getrunken hat, kann ich das mit meiner Mutter nicht. Ich kann ihr nicht verzeihen und habe immer noch soviel Wut in mir trotz der langen Zeit, die vergangen ist. Und je älter ich werde, desto schlimmer wird es.

    Ich habe schon lange depressive Phasen, angefangen hat das schon als Kind. In den letzten Jahren ist es aber mehr geworden, auch weil sich in meinen privaten Verhältnissen viel geändert hat.

    Über die Verhältnisse bei uns zu Hause wurde und wird nie in der Familie gesprochen. Ich habe mehrere ältere Geschwister, aber das Thema ist zwischen uns absolut tabu. Ich hatte nicht mal meinem damaligen Mann jemals davon erzählt. Immer nur gute Sachen über meine Kindheit.

    Was mich besonders belastet ist, dass ich es nie geschafft habe, mir einen guten Freundeskreis aufzubauen. Schon als Kind, als ich dann gewusst habe, was bei uns los ist, habe ich nie andere Kinder mit nach Hause gebracht und ich kann bis heute nicht unbefangen auf andere Leute zugehen. Ich leide sehr darunter, da ich eigentlich ein geselliger Mensch bin, aber zuviel Nähe kann ich auch nicht zulassen. Es ist zum schreien, aber über mehr als lockere Bekannte komme ich nicht hinaus. Dabei fühle ich mich oft einsam, auch wenn ich es vielleicht gar nicht bin. Ich fühle mich irgendwie vom Leben ausgeschlossen. Vielleicht hat einer von euch die gleiche Erfahrung gemacht.

    Meine Kinder kommen langsam in das Alter, in dem ich sie eigentlich über meine Familie, über ihre Großeltern, nicht mehr anlügen möchte. Aber ich weiß nicht, ob das richtig ist und ich Ihnen das zumuten kann. Das ist auch so ein Problem, dass ich ständig an mir und meinen Entscheidungen zweifle. Ich mache einen Plan und stoße ihn dann doch wieder um. Ich habe mir etwas überlegt, aber vor der Ausführung muss ich mich noch bei anderen vergewissern, dass das auch richtig ist, was ich machen will. Ich stecke voller Selbstzweifel.

    Liebe Grüße Sonnenblume1a