Beiträge von oldie

    Liebe Verena!

    Für mich war es, als ob mir plötzlich die Schuppen von den Augen fielen, und ich erkannte, welcher Lebenslüge ich gelebt hatte.

    Ich habe es inzwischen akzeptiert. Ich bin Realist geworden, aber ich habe meine Zeit dazu gebraucht. Es kommen wohl noch manchmal Erinnerungsfetzen, aber sie beunruhigen mich nicht mehr.

    Auch ich habe hin und wieder, - beim Lesen von Einzelheiten in Berichten hier - , dann zeitweise sogar gelacht. Siehste, das hast ihm auch geglaubt.

    Es geht mir inzwischen sehr gut mit dieser Erkenntnis und der Folgerung für mich daraus "Nie wieder!"

    Der Kopfsalat wird sich klären und Klarheit wird einziehen, liebe Verena.
    Das allein fühlt sich schon sehr gut an.

    LG oldie

    Es wäre unhuman, jemanden vorschnell zu verurteilen und in eine Schublad e zu tun.

    Die Antworten, die überall im Forum verstreut liegen, helfen mir zu erkennen, dass ich auf keine der seltsamen Vorwürfe, Schuldzuweisungen etc. mit Selbsterforschung und Schuldgefühlen zu reagieren brauche und dass Gespräche und die besten Kommunikationsmethoden nichts bringen werden.

    Das zu erkennen, war ein sehr wesentlicher Schritt - Danke an alle, die so ehrlich über ihre nassen Zeiten geschrieben haben und die nun den Angehörigen und Cos helfen.

    Nun, ich wußte von dieser Sucht nicht mehr als das, was da allgemein darüber geschrieben wurde.

    Das half mir wenig in der Erkenntnis, ob mein Mann ein Alkoholproblem hatte. Selbstauskünfte sind ja so eine Sache, und ich habe nie kontrolliert - ich wußte nur, er trank mehr und regelmäßiger als das, was ich noch als normal ansah und ich sah Charakteränderungen, Vergesslichkeiten und depressive Verstimmungen.

    Informiert euch über die Sucht, heißt es in den Ratgebern für Angehörige.

    Nun, da half es mir hier zu lesen um einordnen zu können. Nein, kein Alzheimer, nein keine reine Depression, nein keine nur im Charakter begründete emotionale Gewalt.

    Was nutzte es mir? Nun, ich weiß nun, was los ist.

    Was es mir bringt? Nun, ich weiß, was die einzige Chance für mich (und vielleicht für ihn -- nein kein Co - es dürfte menschlich human sein, sich Sorgen um den Partner zu machen) ist, um die paar Jahre, die ich noch habe, für mich friedlich und glücklich zu leben.

    Ich habe hier eine einzige Frage gestellt, ob auf dem langen Weg vom Genußtrinker zum Süchtigen nicht einmal ein Warnschild , wie bei mir es gewesen war, aufgetaucht sei.
    Darauf hat mir silberkralle geantwortet. Ich bedanke mich dafür.

    Für mich ist es richtig, dass die emotionale Trennung vom anderen allein von mir abhängt

    Es gibt aber auch eine verstandsmäßige Ebene und da habe ich eben Fragen, die ich am besten bei LZT aufgehoben weiß, so wie eben einige LZT allgemeine Fragen an die Angehörigen und Cos stellen und sich LZT bei der Diskussion beteiligen, ohne das diesen unterschoben wird, sie würden nach Rechtfertigungsgründen suchen.

    Mir geht es nicht um das Finden von Argumenten für eine Schuldzuweisung.

    LG oldie

    --- Ich werde in Zukunft die Vorschaufunktion verwenden.

    Also nochmals:

    "Aus meiner Sicht kommt man in seiner Co-Abhängigkeit des öfteren in Situationen, wo man scheinbar die Kontrolle verliert. Z.B. wenn er in deinem Beisein säuft. Und was machen die braven Cos dann?? Sie versuchen ihn davon abzuhalten...womit auch immer. Das er das dann irgendwann als Klammern bezeichnet und es ihm zu eng wird ist nur eine Frage der Zeit.
    Warts ab...es wird noch schlimmer xD"(Zitat von Verena)

    Meiner Erfahrung nach tritt diese "Rechtfertigung" und "Anklage" des "Klammern" immer auf, ganz gleich was der Angehörige tut oder nicht tut, ob er tatsächlich abzuhalten versucht oder nicht, ob er sich davon tatsächlich gefühlsmäßig abgrenzen kann oder nicht. Es gibt keinen Zusammenhang mit dem, was real geschieht.

    Daher ist es meiner Erfahrung nach unmöglich, mit oder neben einem Süchtigen ohne Einsicht in seine Sucht zu leben, ohne in diesen Strudel der Verstrickung gezogen zu werden. Es gehört offensichtlich zur Sucht, einen Schuldigen dafür zu suchen.... und da stellt sich als Angehöriger freiwillig zur Verfügung.... ganz gleich, was er tut, was und wie er redet oder ob er nicht redet, was er tut oder nicht tut.

    Für mich war das sehr, sehr wichtig zu erkennen.

    LG oldie

    Nein, da möchte ich dir, nici, heftig widersprechen.

    Ich brauche keine Absolution,

    aber ich brauche Verständnis nicht nur für meine Verhaltensmuster, die die Sucht des Abhängigen begünstigten, sondern genauso die Erkenntnis, wie Süchtige ticken.

    Und da scheint es ja mehr Gemeinsamkeiten und typische Muster zu geben als bei den Angehörigen.

    Genauso wie Hartmut Fragen an die Cos stellt, ist es zulässig und nützlich, Fragen an die Trockenen zu stellen.

    Ich finde an diesem Forum so toll, dass praktisch alle Angehörigen dieselben Verhaltensweisen und Grundmuster in verschiedensten Variationen schildern, sodass sich daraus eine Klärung der unerhörten Zweifeln, die mich ständig begleiteten, ergab und erst dadurch für mich effektives Handeln möglich war.

    Für mich persönlich war die wichtigste Erkenntnis, dass ich mich unglücklich mache, wenn ich die verbalen Eskapaden meines Mannes persönlich und wörtlich nehme.

    Das war vor ca. 5 Jahren mein Hauptproblem, weil ich mir nicht vorstellen konnte, mich in einem Menschen so lange so geirrt zu haben. Aufklärende Gespräche waren unmöglich, da ich mir alles nur eingebildet hätte.

    Heute, da er den (ernsthaften?) Versuch unternimmt trocken zu sein, ist Reden auf gleichen Niveau wieder möglich. Allerdings gehe ich nicht auf vergangene Eklate ein und nehme mir vor es nie/kaum zu tun. Wenn, dann spreche ich nur über im Rahmen der Paartherapie über meine damaligen Gefühle . Er war damals im Gefängnis seiner Alko-welt gefangen und war in diesem Sinn "nicht verantwortlich" dafür.

    Ich habe mir überlegt, ob ich dadurch nicht in Gefahr gerate die Vergangenheit zu vergessen und zu beschönigen.
    Ich habe einen Teller mit Steinen von einem griechischen Strand, wo ich während einiger Tage über mein Leben meditierte und mir vornahm, dass ich mich und meine Einstellung ändern muß, weil ich nur das tun kann. Die Steine sind Symbole für meine Vorsätze - mir z.B. mir eine Wohnung zu nehmen - ich habe sie oft in der Hand und bei mir.
    Ich weiß, es war arg, ich muß es mir Szenen und Details nicht immer wieder in Erinnerung rufen. Das würde mich runterziehen.

    Ich weiß, dass ich diesen nun ausgeführten Beschluß nicht aus Jux und Tollerei gemacht habe. Es war ein eindeutiger, überlegter Beschluß aus guten Gründe....Das muß ich mir immer im Bewußtsein erhalten, denke ich mir.
    Deshalb muß ich nicht jetzt mein Gedächtnis und meine Seele mit Übeltaten belasten, die eindeutig aus der Erkrankung stammen.

    Ich meine, Maggyxxx, es ist absolut falsch über irgendein Verhalten des Alki zu grübeln, Schuld suchen, sich - in Gedanken - zu rechtfertigen, sich tief verletzt fühlen, die Gedanken kreisen lassen...., in Gesprächen mit dem Alki echte Aufklärung zu erhoffen.
    Solange dass bei mir so war, konnte ich nicht aus meinem selbstgemachten Kerker ausbrechen.

    Zitat

    Zitat Hartmut
    Aber , ich danke dir auch für dieses Anschauung , denn auch bei verstanden werden, gehört Respekt vor dem anderen oder zu mindestens einen respektvollen Umgang dazu. Zuhören solange ich aufnahmefähig bin und wenn ich dann einen Hinweis gebe , das es nichts mehr bringt ,sollte von jedem, ohne das er sich nun auf den Schlips getreten fühlt , akzeptiert werden.

    Stimmt ... falls es aber mehrer Gesprächspartner gibt, muß das Aussteigen des einen ja nicht bedeuten, dass auch die anderen das Thema schon als ausdikutiert empfinden.

    Ich denke, es läuft alles auf ein Bewußtmachen und eine Verbesserung von Kommunikation, Kommunikationsstile und K.störungen bzw. K.fallen, etc. hinaus. Das sollte nie einseitig sein, aber es ist besser, einer verbessert sich auf diesem Gebiet als keiner von beiden. Ich arbeite jedenfalls intensiv daran.

    Mit diesen Handwerkszeug erscheint es mir möglich, meine Botschaft sowohl auf der Sach- als auch auf der Beziehungsebene in meinem Sinn rüberzubringen. Aber ich darf nicht erwarten, dass meine Ansichten in allen Punkten akzeptiert werden, das wäre ja verwegen. Ich diskutiere ja, das geht nicht mit mir allein, es sollte zumindest ein Verständnis der anderen Standpunkte erreicht werden.

    Was dann daraus wird, hängt ganz vom Thema ab.

    Ich werde jedenfalls nie wieder, vorschnell um des lieben Friedens willen oder weil ich angeschrieen werde ohne innere Zustimmung meine Meinung über Board werden und untertänigst zustimmen.

    Grazia,

    das war lange bevor mein Mann m.Meinung nach die Grenze überschritten hat.

    Deshalb frage ich mich, ob dieses blitzartige Wissen nicht auch die Alkis einmal hatten. Oder haben sie es gehabt und verdrängt?
    Es sind doch genügend Infos über die Gefahren von Alkohol vorhanden?

    Aber es stimmt, Cos sind sicher sehr gefährdet in irgendeiner Weise stofflich abhängig zu werden, um diesen Stress auszuhalten.

    Zeitweise fülle ich mein inneres Loch, das nur dann da war, wenn mein Alki da war mit Essen und praktisch immer mit Rauch. Wenn ich vom Alki weg war, hatte ich keinerlei derartigen Bedürfnisse.

    Ich konnte mich in einer Art Wohngemeinschaft unmöglich genügend abgrenzen - obwohl hier genügend Platz ist (selbst als das Saufen in weit entfernten Räumlichkeiten praktiziert wurde und ich in meiner alk-freien Wohnung den größten Teil des Tages allein verbrachte). Ich konnte mich mich nicht aus der Verstrickung ausreichend genug lösen - ich reiste viel und benötigte das als Erholung und Krafttanken. Dabei empfand ich den Kontrast zwischen mir draußen unter normalen Leuten mit normalen Problemen und mir drinnen, mitgefangen im Kerker der Sucht, immer ärger und ich erkannte, dass mein Reisebedürfnis vor allem eine Flucht war.

    Ich kann mir nicht mehr vorstellen mit einem trinkenden Partner zusammenzuleben.

    Ne, ich habe nie geglaubt, mein Säufer (bei dem ich ja bis vor kurzen nur vermutet habe, er sei Alkoholiker - mit allen immer wieder auftauchenden Zweifeln, ob das stimme) brauche mich, außer für seine Bequemlichkeit und für sonst nichts.

    Wie sollte ich aber wissen, dass er ein Säufer ist, wenn hier immer wieder betont wird, dass nur er selbst es von sich sagen kann?
    ...wenn ich keinen Überblick über den Alkoholverbrauch habe, wenn ich nicht kontrollierte und ausgoß.
    Wenn ich so gar nichts wußte über die Denke eines Alkoholikers.

    Ja, ich war Co, sonst wäre ich nicht so lange geblieben und hätte die Verantwortung für harmonischere Verhältnisse so willig übernommen.

    Zitat

    Ein Co verlängert unnötig die Phase bis zur Selbsterkenntnis des Säufers, weil er ihn deckt, unnötig bemitleidet, unnötig unterstützt usw...
    ....gesoffen würde auch ohne Co's, die Zeit bis zur Selbsterkenntnis oder bis zum Untergang wäre kürzer.
    (Zitat Jürgen)

    Damit bin ich einverstanden. Mit der anderen These ging ich nie konform.

    Co´s nähmen sich zu wichtig, sagst du. Möglich, dass das vorkommt. Was mich betrifft, nein, ich sah mich als zu unwichtig an und das Wohlbefinden des anderen und ein normales Familienleben als zu wichtig an.

    Ich stimme dir großteils zu.

    Ich fühle mich nicht so sehr verbittert, sondern eher desillusioniert und sehr, sehr realistisch. Ich habe die Lebenslüge, der ich lebte, deutlich erkannt.


    Zitat

    Du bist aber automatisch verstrickt - solange Du mit ihm zusammen bist. Nur Du kannst dazu beitragen, dass es Dir gut geht - kein anderer. Und wenn es Dir in Deiner eigenen Wohnung besser geht - warum bringst Du dann ein so großes Opfer und stellst Bedingungen, hegst Erwartungen? Sowas verstehe ich dann wieder nicht.

    Ich möchte das so erklären. Nachdem nicht einmal andeutungsweise bis vor 3 Wochen die Erkenntnis da war, dass seine nicht mehr zu übersehenden Probleme vom Alkohol kommen (nein, ich kontrollierte nicht, ich weinte und flehte nicht, ich machte keine Szenen, es gab seinerseits keine Versprechungen, ich forderte natürlich auch keine, es gab vielleicht 4 ernsthafte Gespräche über dieses Thema im nüchternen Zustand), ergab sich folgende Situation:

    Ich wurde als Ursache aller Probleme und als böser Geist hinausgeschmiessen. (meiner Erinnerung nach zum 3. Mal) Beim zweiten Mal kündigte ich meinen Auszug an. Beim dritten Mal packte ich am Morgen meinen Koffer. Nun hörte ich zum e r s t e n Mal, dass er sich an einen vergangenen Eklat nicht nur erinnerte, sondern mir in sehr ehrlich erscheinenden Worte sein Empfinden schilderte, dass das nicht persönlich gemeint war, sondern er all das, was da auf ihn wie eine dunkle Wolke einstürzt, wegschieben wollte. Er gestand zum e r s t e n Mal ein, dass er psychisch abhängig wäre.

    Innerhalb einer Stunde waren von Seite aus Termine vereinbart und mir wurde von ihm mit guten Argumenten nähergebracht, dass er ein stabiles Umfeld brauchen würde, um diese ambulante Therapie durchzuziehen. Dieser für mich nun doch einsichtigen Begründungen konnte ich folgen.

    Nun, kommt ein Co-Verhalten - ich nenne es allerdings ein rein menschliches Verhalten.
    Ich gebe ihm und vor allem mir diese erste echte Chance., vom Alk wegzukommen. Ich bringe keine Opfer, ich lebe gern hier in dem Haus, Garten mit Tieren, eben mit allem, was wir uns hier mit gemeinsamer, jahrzehntelanger Arbeit und auch von mir verdientem bzw. eingebrachten Geld aufgebaut haben.

    Es ist eine geringe Chance, dass das Experiment erfolgreich ausgeht. Nüchtern, so wie er jetzt ist, kann ich mir ein weiteres gemeinsames Leben durchaus vorstellen.

    Auch ich habe meine Therapie in der Suchtberatung und es gibt Paargespräche mit beiden Therapeuten. Ich arbeite intensivst, fast Tag und Nacht, an meinen schlechten Strukturen, was Grenzziehung, Selbstbewußtsein und Kommunikation betrifft.

    Ich tue meinen Teil und erwarte, dass er seinen Teil tut.

    Gut, deine Ansicht.

    Ich erwarte, dass, wenn ich bei meinem Mann bleibe, er trocken bleibt - ohne dass ich kontrolliere - das habe ich in vergangenen Jahrzehnten! nie getan (Ausnahme: vor kurzem eine Woche lang, da mir höhnisch gesagt wurde, ich wisse ja nicht wieviel er trinkt, also bilde ich mir alles nur ein), und werde es in Zukunft nicht tun.

    Kontrolle braucht es absolut nicht.

    Falls er wieder zu trinken anfängt, weiß ich, dass er in Kürze wieder auf seinem Pegel mit dem entsprechenden Verhalten ist.

    Wenn ich bereit bin, meinen Auszug in meine Wohnung zu verschieben, dann nur unter dieser einzigen Bedingung, von der ich - ohne gr. Hoffnung auf Erfüllung - erwarte, dass sie eingehalten wird.


    ICH möchte, dass es MIR gut geht - mein Alki und seine Probleme interessieren mich nur mehr am Rande und ich habe keine Lust mehr mich darin verstricken zu lassen.

    Ich war imstande vom Egoismus der Süchtigen etwas sehr wesentliches zu lernen. Damit fühle ich mich sehr wohl.