Ich stimme dir großteils zu.
Ich fühle mich nicht so sehr verbittert, sondern eher desillusioniert und sehr, sehr realistisch. Ich habe die Lebenslüge, der ich lebte, deutlich erkannt.
Zitat
Du bist aber automatisch verstrickt - solange Du mit ihm zusammen bist. Nur Du kannst dazu beitragen, dass es Dir gut geht - kein anderer. Und wenn es Dir in Deiner eigenen Wohnung besser geht - warum bringst Du dann ein so großes Opfer und stellst Bedingungen, hegst Erwartungen? Sowas verstehe ich dann wieder nicht.
Ich möchte das so erklären. Nachdem nicht einmal andeutungsweise bis vor 3 Wochen die Erkenntnis da war, dass seine nicht mehr zu übersehenden Probleme vom Alkohol kommen (nein, ich kontrollierte nicht, ich weinte und flehte nicht, ich machte keine Szenen, es gab seinerseits keine Versprechungen, ich forderte natürlich auch keine, es gab vielleicht 4 ernsthafte Gespräche über dieses Thema im nüchternen Zustand), ergab sich folgende Situation:
Ich wurde als Ursache aller Probleme und als böser Geist hinausgeschmiessen. (meiner Erinnerung nach zum 3. Mal) Beim zweiten Mal kündigte ich meinen Auszug an. Beim dritten Mal packte ich am Morgen meinen Koffer. Nun hörte ich zum e r s t e n Mal, dass er sich an einen vergangenen Eklat nicht nur erinnerte, sondern mir in sehr ehrlich erscheinenden Worte sein Empfinden schilderte, dass das nicht persönlich gemeint war, sondern er all das, was da auf ihn wie eine dunkle Wolke einstürzt, wegschieben wollte. Er gestand zum e r s t e n Mal ein, dass er psychisch abhängig wäre.
Innerhalb einer Stunde waren von Seite aus Termine vereinbart und mir wurde von ihm mit guten Argumenten nähergebracht, dass er ein stabiles Umfeld brauchen würde, um diese ambulante Therapie durchzuziehen. Dieser für mich nun doch einsichtigen Begründungen konnte ich folgen.
Nun, kommt ein Co-Verhalten - ich nenne es allerdings ein rein menschliches Verhalten.
Ich gebe ihm und vor allem mir diese erste echte Chance., vom Alk wegzukommen. Ich bringe keine Opfer, ich lebe gern hier in dem Haus, Garten mit Tieren, eben mit allem, was wir uns hier mit gemeinsamer, jahrzehntelanger Arbeit und auch von mir verdientem bzw. eingebrachten Geld aufgebaut haben.
Es ist eine geringe Chance, dass das Experiment erfolgreich ausgeht. Nüchtern, so wie er jetzt ist, kann ich mir ein weiteres gemeinsames Leben durchaus vorstellen.
Auch ich habe meine Therapie in der Suchtberatung und es gibt Paargespräche mit beiden Therapeuten. Ich arbeite intensivst, fast Tag und Nacht, an meinen schlechten Strukturen, was Grenzziehung, Selbstbewußtsein und Kommunikation betrifft.
Ich tue meinen Teil und erwarte, dass er seinen Teil tut.