Hallo Uwe,
alles Gute für die OP und die Reha-Zeit.
Ich freue mich auf ein "Wiederlesen".
LG Manfred
Hallo Uwe,
alles Gute für die OP und die Reha-Zeit.
Ich freue mich auf ein "Wiederlesen".
LG Manfred
Hallo zerfreila, Uwe, Melanie und Karl,
vielen Dank für Eure Beiträge.
Das Thema „benutzen, brauchen, missbrauchen“ wird mich weiter beschäftigen.
Je länger und je tiefer ich in mich hineinhorche, desto spürbarer wird für mich die Quelle meiner „seelischen Verknotungen“:
Es ist das frühe Gefühl der Verlassenheit.
Von Beginn an hatte ich dieses Gefühl: „Ich bin allein auf der Welt“.
Wenn ich von Anfang an gewusst hätte wer „Ich“ ist, dann wäre das ja o.k. gewesen, konnte ich aber nicht wissen, und weiß ich auch heute nur zum Teil.
Seit ich trocken bin, bin ich dabei die „Verknotungen“ zu ent-wickeln. Ich befinde mich also in einem stetigen Ent-wicklungsprozess.
Vieles von dem, was ich in den letzten 20 Jahren getan habe, waren „Schutzmaßnahmen“, wie auch meine Alkoholsucht letztlich eine Schutzmaßnahme war.
Es war der Schutz vor dem Spüren der Wunde, die die frühe Verlassenheit hinterlassen hat.
Und Vieles, was ich in meinem Leben getan habe, dass waren, bei genauerem Hinspüren und Hinsehen, Abwehr- und Verdrängungsmaßnahmen, die offenbar notwendig waren um überhaupt weiterleben zu können; um nicht von diesem Schmerz (und auch der Wut) überwältigt zu werden, um nicht diese Fragmentierung, dieses nicht vorhandene „Ich“ spüren zu müssen.
Dass es diese früh verlassene Kind in mir gibt, das habe ich zwar immer irgendwie gespürt, aber ich hatte häufig keine entsprechende Antwort darauf.
Lange Zeit habe ich unbewusst immer auf eine Antwort von „Außen“ gewartet bzw. hatte einen idealisierten Anspruch an meine Gegenüber (Menschen und Institutionen).
Diese „Gegenüber“ sollten mir endlich, endlich das geben, was meine Mutter mir nicht geben konnte.
Ich bin derweil mit meiner Verwundung eher vaterspezifisch heroisch umgegangen. Im Sinne von: Ich kann Alles aushalten. Mir ist keine Aufgabe, Herausforderung zu viel, etc.
Mir selbst eine gute „Mutter“ sein, das fällt mir immer noch schwer.
In diesem Zusammenhang fällt mir übrigens auf, dass, in der Summe, die hier schreibenden Frauen (im Alkoholikerbereich) dieses „sich selbst eine gute Mutter sein“ etwas besser hinbekommen als die Männer.
Mag auch sein, dass das nur meine Wahrnehmung ist, weil ich für Beiträge dieser Art (des sich selbst eine gute Mutter sein) besonders sensibilisiert bin.
Nochmal zurück zum „benutzen, brauchen, missbrauchen“:
Meine Sensibilität auch für dieses Thema, hat auch mit der fehlenden „guten Mutter“ zu tun.
Für mich hat sich der Kontakt mit meiner Mutter immer so angefühlt, dass ich für ihr Wohlbefinden verantwortlich bin.
Heute weiß ich, dass sie es nicht getan hat um mir bewusst zu schaden. Sie hat es aus ihrer Lebensgeschichte heraus nicht besser hinbekommen.
Bei mir hat es in jedem Fall deutliche und langfristige Spuren hinterlassen, die sich u.a. darin äußern, dass ich oft sehr schnell bereit bin etwas für andere zu tun, in der Hoffnung ich würde dafür etwas „Gutes“ zurückbekommen.
Zusätzlich hat sich das noch noch mit meiner „Schuld“ vermengt, Alkoholiker geworden zu sein. Ich hatte von Beginn meiner Trockenheit an das Gefühl, dass ich etwas wieder gut machen muss.
Für die Arbeitgeber beispielsweise, die ich nach meiner Trockenheit hatte, war diese Disposition nahezu ideal.
Rückblickend betrachtet habe ich mich dort zu oft benutzen und missbrauchen lassen. Es war auch dort immer mit der Hoffnung verknüpft, dass ich doch endlich, endlich das „Gute“ bekomme, das meine Mutter mir nicht geben konnte, und ich mir selbst auch nicht.
Ich schrieb oben etwas von der „Quelle meiner seelischen Verknotungen“.
Heute spüre ich so langsam, dass genau diese „Quelle“ auch der Ausgangspunkt für etwas Neues, etwas Klares, etwas Ursprüngliches, etwas Kostbares ist.
Es klingt möglicherweise etwas befremdlich, aber wäre ich nicht süchtig geworden, und hätte ich mir meine Alkoholkrankheit nicht eingestanden, dann wäre mir dieser Zugang zu meiner Quelle möglicherweise verborgen geblieben.
Es war ein weiter und langer Weg bisher, und er war und ist häufiger auch beschwerlich. Und aus der entdeckten Quelle sprudelt auch nicht jeden Tag frisches, klares Quellwasser.
Aber ich bin froh, dass ich die Quelle entdeckt habe. Hierhin kann ich jeden Tag gehen und dafür sorgen, dass sie möglichst klar und kostbar wird, dass sie fließend bleibt, dass sie mich im guten Sinne nährt.
Ich weiß, dass es paradox klingt, aber:
Die Quelle meiner seelischen Verknotungen ist das Kostbarste was ich habe.
LG Manfred
Hallo Melanie,
Danke für Deine Erfahrungen.
Die Frage „Was brauche ich?“ ist für mich nicht immer leicht bzw. sofort zu beantworten.
Ich brauche häufig erstmal ein wenig (innerer) Ruhe und Distanz um herauszufinden, was da gerade auf mich einwirkt.
Sind es alte Botschaften, Prägungen und Konditionierungen oder sind es aktuelle Botschaften, Wünsche und Bedürfnisse.
Für dieses Sortieren der gesamten Einflüsse brauche ich Zeit.
**********************
"Ich bin keiner von den Menschen, die sich saufen lassen, noch habe ich es umgekehrt nötig."
Dieser Satz von OF beschäftigt mich noch.
Auch hier geht es ja um das „brauchen“ bzw. „missbrauchen“.
Die Fragen, die sich für mich daraus stellen, sind:
In welchem Maße und auf welche Weise brauche ich in der Selbsthilfe ein Gegenüber?
Welche Bedürfnisse erfülle ich mir in der Selbsthilfe?
Da ist individuell sicher sehr unterschiedlich, und verändert sich möglicherweise auch im Laufe der Zeit.
Wie ist es bei mir?
Was hilft mir?
Mir hilft es, wenn ich vor anderen Menschen aussprechen kann/darf, was mich im Inneren beschäftigt.
Mir hilft das Aussprechen bzw. Schreiben beim Sortieren (siehe oben).
Wenn ich etwas vor anderen Menschen ausspreche bzw. schreibe, dann hat es für mich ein höheres Maß an Verbindlichkeit, als wenn ich es „nur“ in meinem Kopf sortiere oder in ein persönliches Tagebuch schreibe.
Und: In dem Moment, in dem ich etwas anderen Menschen mitteile, teile ich es auch mit ihnen.
In welcher Weise es geteilt wird, dass weiß ich in einem schriftlichen Medium allerdings erst, wenn ich ein Feedback erhalte.
Mir hilft es beispielsweise, wenn jemand mir von seinen Erfahrungen erzählt, wenn mir jemand das anvertraut, was ihn im Innersten beschäftigt.
Weil ich dann nicht mehr mit dem Gefühl unterwegs bin, dass ich der Einzige bin, der seelische Verknotungen hat, auch wenn sie sich in ihrer Ausprägung unterscheiden.
Jetzt ist mit dem Aussprechen/Schreiben der inneren Konflikte vor anderen Menschen auch immer ein Risiko verbunden.
Da, wo Fragen, Ratschläge, Kommentare, etc. möglich sind, da muss ich auch mit diesen rechnen und einen Umgang damit finden.
Mir hilft eine Selbsthilfegruppe auch dadurch, dass ich sie wie einen Spiegel lese/höre.
Bei allem, was ich lese/höre, frage ich mich: In welchem Maße kenne ich das auch von mir, und wie gehe ich damit um bzw. bin ich damit umgegangen?
Um auf den Satz von OF zurückzukommen, frage ich mich also:
In welchem Maße gebrauche, benutze, missbrauche ich Menschen?
Oder anders gefragt: In welchem Maße genüge ich mir selbst? In welchem Maße kann ich mich selbst aushalten?
Einen schönen, trockenen Sonntag allerseits!
Manfred
Hallo zusammen,
mir fällt da gerade ein Satz ein, der das oben Geschriebene für mich zusammenfasst:
Nur Du allein schaffst es, aber Du schaffst es nicht allein.
Nach meiner Erfahrung ist es ein Kernsatz der Selbsthilfe, den ich zwischenzeitlich auch mal wieder vergessen hatte. ![]()
Schönes Wochenende allerseits!
LG Manfred
Hallo kleiner Uwe,
schön, Dich kennen zu lernen.
Schlaf gut und träum was Schönes.
Und Morgen entdecken wir dann die Welt auf ein Neues. ![]()
LG Manfred
PS.:
Bei genauem Hinschauen ist mein "inneres Kind" (der kleine Manfred) wohl mein bester "Ratgeber", auch wenn er/es manchmal ganz schön anstrengend ist. ![]()
Hallo Matthias,
mein letzter Beitrag war jetzt keine "Streichelaufforderung".
Ich bin ja für die Streicheleinheiten meines "inneren Kindes" verantwortlich.
Trotzdem freue ich mich, wenn meine Worte Deine volle Aufmerksamkeit haben. ![]()
Schöne Grüße nach Chemnitz.
Manfred
PS.:
Solltest Du mal wieder in den hohen Norden fahren, dann können wir ja mal ein Treffen hier in Hamburg vereinbaren, sofern Du Zeit und Lust hast.
Hallo Melanie und Uwe,
vielen Dank für Eure Beiträge.
Melanie, mir gefällt Dein Beitrag ausgesprochen gut.
Für mich klingt er sehr „bodenständig“. Und das ist für mich Träumer und Illusionisten eine gute Ergänzung. ![]()
Es stimmt: Mein (das) Leben ist nicht einfach bzw. es fällt mir häufiger schwer, es anzunehmen, mit allen alten Prägungen und neuen Herausforderungen.
Es ist etwa so, wie Uwe schrieb: gelingt mir, gelingt mir nicht, gelingt mir …
Hallo Matthias,
Zitatich bin auch üüüberhauptgaaarnich neugierig, ich will nur alles genau wissen - vor allem bei leuten die mir sympatisch sind.
Dann ist ja gut. ![]()
Es gibt Momente bei mir, in denen lasse ich mich ungern „interviewen“.
Das ist wie bei Kindern, die wollen auch nicht ständig die vielen Fragen der Erwachsenen beantworten (ist so meine Erfahrung).
Sie (die Kinder) haben ja ihre Wahrnehmung und das was ihnen im Moment wichtig erscheint. Und das unterscheidet sich schon mal von der Welt der Erwachsenen.
Ich bin auch immer wieder mal im Modus meines „inneren Kindes“. D.h., dass ich darauf achte, welche Bedürfnisse sich da gerade melden, und wie ich damit als Erwachsener umgehe.
Das hat jetzt nicht direkt etwas mit Deiner Frage zu tun, sondern es fiel mir gerade ganz grundsätzlich zur Kommunikation (hier und anderswo) ein.
Ich höre häufig in der Kommunikation die „inneren Kinder“ mitsprechen. Mein „inneres Kind“ ruft beispielsweise häufiger: „Hallo, hier bin ich. Sieht mich jemand. Ich brauche mal eine Streicheleinheit.“
LG Manfred
Hallo Matthias,
ich habe ein wenig den Eindruck, dass Du Dir Sorgen um mich machst. Das brauchst Du nicht (vielleicht brauchst Du es für Dich, aber das weiß ich selbstverständlich nicht).
Ich wollte noch nie „gerettet“ werden, weder im nassen Zustand noch jetzt.
Ich kenne dieses Retter- bzw. Helfersyndrom ganz gut von mir.
Bei mir war es (und ist es gelegentlich auch heute) so, dass ich ein Gegenüber zum „retten“ brauchte, um mir damit ein gutes Gefühl zu verschaffen.
Ich habe für mich festgestellt, dass es ein schmaler Grad ist, zwischen Unterstützen und Begleiten auf der einen Seite, und auf der anderen Seite jemanden zu brauchen, dem ich meine Hilfe anbieten kann.
Wenn ich hier beispielsweise über mein allein sein und meine Einsamkeit schreibe, dann mache ich das, um es für mich zu reflektieren und zu sortieren.
Gern lese ich davon, ob andere Menschen diese Gefühle von Einsamkeit, Verlassen sein/werden, Verlust auch kennen, und wie sie damit umgehen.
OF schrieb beispielsweise bei Naomi:
"Ich nehme das Leben wie es kommt.
Ich habe gelernt "hinter" den verschiedendsten
Ereignissen, die das Leben hervorbringt "zu sein"."
Und Uwe schrieb gerade etwas bei TwoTimes von dem Faktor Zeit im Zusammenhang mit der Einstellung bzw. dem Umgang mit neuen Lebenssituationen.
Ich bin in der Verarbeitung von Verlust und Trennung offensichtlich ziemlich langsam bzw. habe mir für die Verarbeitung meiner frühen Ängste des Verlassenwerdens bisher nicht ausreichend Zeit genommen.
Durch heutige Situationen des Verlassenwerdens (und ähnliche Situationen in denen ich ein „Nein“ höre) wird offensichtlich die alte Wunde immer wieder „angesprochen“.
Seid mir das bewusst ist, kann ich besser damit umgehen, aber der alte Schmerz schwingt immer noch nach.
Hallo Marion,
"Und darum bin ich trotz dieser Traurigkeit glücklich."
Das klingt schön. Danke.
Einen schönen Restsonntag an alle Leser.
LG Manfred
Hallo zerfreila,
mein Ausgangspunkt war ja, dass ich dazu neige meine Einsamkeit/Leere mit irgendetwas zu füllen.
Und über den Begriff „füllen“ bin ich dann zu den weiteren Überlegungen gekommen.
Mir geht es dabei nicht um Erfüllung im Sinne von alltäglicher Glückseligkeit o.ä.
Mich interessiert die Frage:
Was bleibt von mir übrig, ohne Haus, Hof, Auto, Beruf, soziales Umfeld, etc.?
Wie gehe ich damit um, wenn ich ein „Nein“ höre?
Bin ich dann verlassen und verloren? Oder gibt es da ein inneres, tragendes Fundament?
Vielleicht hätte ich statt „Erfüllungsprozess“ besser schreiben sollen:
innerer Nachreifeprozess.
Schönes Wochenende und viel Spaß bei Deinem Regenspaziergang.
LG Manfred
Hallo MaryLou,
ZitatSchön, dass es dich gibt.
Dankeschön. ![]()
Hallo Matthias,
ich neige dazu meine Einsamkeit/ Leere mit irgendetwas zu füllen.
Das erfüllt mich aber nicht wirklich.
Mein Gefühl sagt mir, dass es für mich erfüllender ist, wenn ich mich nicht von außen fülle, sondern von innen.
Diesem inneren Erfüllungsprozess möchte ich weiter Raum und Gestalt(ung) geben.
Es hat etwas damit zu tun (so meine Ahnung und Intuition) mich von innen heraus anzunehmen.
Das lässt mich unabhängiger werden von äußeren Umständen und Einflüssen, die ich ja ohnehin nur sehr bedingt beeinflussen kann.
************************
Gestern habe ich meinen Vater den ganzen Tag bei einem Krankenhaustermin begleitet.
In vielen Untersuchungen und Gesprächen haben sich viele Dinge zum Positiven klären lassen.
Zwischendurch haben wir auch immer wieder mal zusammen gelacht.
Manchmal habe ich das Gefühl, dass zwischen uns ein gewisser Rollentausch stattfindet.
Ich bin gern ein fürsorglicher „Vater“ für meinen Vater.
Ich wünsche uns allen ein möglichst erfülltes Wochenende.
LG Manfred
Hallo Matthias und viola,
mich begleitet schon mein ganzes Leben lang ein Gefühl von Verlassenheit und Ausgeschlossen sein.
Mal ist etwas stärker, mal etwas schwächer.
Die Ursachen dafür sind mir bekannt.
Und ich verstehe auch, warum sie welche Auswirkungen auf mein Leben hatten und haben.
Verlassenheitsgefühle sind ein guter Nährboden für süchtiges Verhalten jeglicher Art.
Bei der Beschäftigung mit dem Thema „Verlassenheit“ bin ich auf ein Buch gestoßen, das ich denjenigen empfehle möchte, die sich auch für dieses Thema interessieren: „Verlassenheit und Selbstentfremdung“ von Kathrin Asper.
Im „Kern“ geht es für mich nach wie vor darum, mich meinem inneren, verlassenen Kind zu nähern, dass ich in seiner Bedürftigkeit spüren kann, aber dessen Bedürftigkeit mich manchmal auch überfordert.
***********************
Seit einiger Zeit habe ich auch verstärkt mit der Bedürftigkeit meiner älter und kränker werdenden Eltern zu tun. Parkinson und Krebs sind hier die Stichworte, auf die ich aber an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte.
Ich empfinde es gerade als große Herausforderung, den Umgang mit diesen genannten Bedürftigkeiten (meine und die meiner Eltern) in eine Balance zu bekommen.
Eins spüre ich aber ganz deutlich: Gerade jetzt ist es besonders wichtig, dass ich meine eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen verliere.
LG Manfred
Hallo Uwe,
Deine Nachtgedanken möchte ich gerne mit meinen Taggedanken ergänzen:
ZitatIm geschriebenen Text – durch Wortwahl, Darstellungsweise und Form – entsteht ein Bild von und vor mir.
Ich habe mich kürzlich gefragt:
Wieviel von dem was ich schreibe ist Inszenierung?
Wieviel Unmittelbares ist in meinen Texten?
Wieviel ist von mir statt über mich?
Ich weiß von mir, dass ich Sprache auch als eine Art Schutz einsetze. Schutz im Sinne von Abwehrhaltung gegenüber den Gefühlen, die ich nicht wahrnehmen möchte bzw. kann. Oder die ich nicht offenbaren möchte, da ich Angst vor der Reaktion meines Gegenüber habe.
Im therapeutischen Kontext beispielsweise dauert es manchmal eine ganze Weile bis ich mich ausgesprochen habe. Erst danach komme ich dann nach und nach zu den Gefühlen, die sich hinter all den Worten befinden.
Kürzlich hatte ich folgende Idee:
Wie wäre es, wenn wir, die wir hier schreiben, uns einmal treffen würden.
Keiner hätte vorher ein Bild von einem Anderen gesehen.
Wir würden uns dann mit ca. 10-15 Menschen in einem Raum treffen.
Wir wären dort ca. 2 Stunden zusammen.
Es dürfte nicht gesprochen werden.
Wir würden ausschließlich über Mimik, Gestik bzw. Körpersprache kommunizieren.
Das wäre sicher ein spannendes Experiment ;-).
Ich frage mich das häufiger:
Folge ich bei meinem Handeln (und auch Schreiben) einem gewissen Bild, das ich von mir habe (und an dem ich, aus welchen Gründen auch immer, festhalte) oder habe ich auch den Mut etwas zu offenbaren, was diesem Bild möglicherweise nicht entspricht?
Ich freue mich auf einen weiteren Austausch mit Dir.
LG Manfred
Hallo schnuffig,
vielen Dank auch für Deinen Besuch und Beitrag.
Hallo zusammen,
nachdem ich nun Eure Beiträge ein wenig auf mich wirken lassen habe, hier nun meine Antwort:
als ich mit dem Alkohol trinken begann (mit 14,15) habe ich nicht darüber nachgedacht ob und welche Spannungen ich damit ent-spannte.
Ich habe lediglich gespürt, dass ich ent-spannter wurde. Das ging so bis ca. Anfang 20.
Wenn ein anderes Mittel oder Verhalten dieselbe Wirkung gehabt hätte, dann wäre ich sicher danach süchtig geworden.
Mit Anfang 20 entwickelte sich dann dieser vermeintliche Schutzmantel und Ent-spanner Alkohol nach und nach zur Zwangsjacke und zum Spannungsverursacher.
Ich habe dann noch 10 Jahre gebraucht um zu akzeptieren, dass ich Alkoholiker bin (darüber habe ich ja schon geschrieben).
Als ich dann endlich aufhören konnte, da fühlte es sich wie eine große Befreiung an, als wenn eine schwere Last von mir abfiel, also eine Ent-lastung.
Ich war dankbar, dass ich auch ohne Alkohol leben konnte. Das erschien mir ja in den letzten 10 Jahren des Trinkens völlig unmöglich. In der letzten Zeit des Trinkens war es für mich unvorstellbar auch nur einen einzigen Tag ohne Alkohol zu leben.
Körperliche Beschwerden hatte ich damals nicht. Meine Ängste habe ich zwar damals auch schon gespürt, aber meine Zuversicht und mein Tatendrang waren um ein vielfaches größer.
Auch die von Uwe angesprochenen „Gegenstrategen“ Mut, Vertrauen und Demut habe ich damals in größerem Maße gespürt (Danke Uwe, dass Du sie nochmal ansprichst).
Ich kann gar nicht genau sagen, wann und wodurch sich die Gegenstrategen abgeschwächt haben. Es war ein schleichender Prozess.
Vieles hat sicher mit meiner Fixierung auf meine berufliche Situation zu tun.
Heute weiß ich, dass auch größtmögliches Engagement kein Garant auf eine beruflich gesicherte Existenz ist.
Und schon gar kein Garant auf ein angstfreies Leben.
Rückblickend betrachtet hatte mein ganzer beruflicher Ehrgeiz wohl überwiegend eine kompensatorische Funktion.
Er sollte mir, ohne das mir das in der Zeit bewusst war, Identität, Status, Einkommen, Zugehörigkeit, Aufmerksamkeit, Sicherheit und was ich sonst noch so alles an Bedürfnissen hatte, erfüllen.
Nach dem Motto: alles aus einer Quelle.
Das kommt mir irgendwie bekannt vor …
Ich bin damals gar nicht auf die Idee gekommen, dass es für unterschiedliche Bedürfnisse auch unterschiedliche Quellen gibt.
Ich wusste nicht mal, welche Bedürfnisse ich genau hatte, geschweige denn, wie ich mit diesen Bedürfnissen umgehen sollte.
Erst jetzt, nachdem die „berufliche Quelle“ nicht mehr zur Verfügung steht, wird mir nach und nach klarer, welche Bedürfnisse ich überhaupt habe, und welche Ängste ich in den letzten Jahren mit meinen so „wichtigen“ beruflichen Aufgaben kompensiert bzw. abgewehrt und verdrängt habe.
Es hat sehr viel mit der Angst zu tun verlassen zu werden bzw. zu sein, und mit der Angst ausgeschlossen zu werden bzw. zu sein.
Das sind, soweit ich das weiß, zwei Urängste des Menschseins.
Lebensgeschichtlich wurden diese Ängste bei mir eher verstärkt, sodass ich lange Zeit keinen gesunden Umgang damit finden konnte.
Erst jetzt traue ich mich diese Ängste überhaupt zu benennen und sie auch spürbarer werden zu lassen.
Letztlich läuft alles auf die Fragen hinaus: Wie gut komme ich mit mir alleine zurecht? Wie gehe ich mit meiner Einsamkeit um?
LG Manfred
Hallo Petra,
Deinen Beitrag habe ich erst jetzt gelesen.
Das hat sich wohl mit dem Schreiben meines Beitrages überschnitten.
Vielen Dank auch für Deine Rückmeldung. ![]()
Ich werde auch Deine Anregungen bei meiner ausführlichen Antwort mit einbeziehen.
Auch Dir einen schönen Sonntag!
LG Manfred
Hallo Matthias und Uwe,
vielen Dank für Euer Interesse und Eure Anregungen. ![]()
Ich arbeite gerade an einer Antwort.
Das kann noch etwas dauern, da ich beim Formulieren merke, wieviele Aspekte und Themen da bei mir angesprochen werden.
Ich möchte das gerne Alles in Ruhe auf mich wirken lassen und sortieren.
Ich wünsche uns allen einen schönen Sonntag!
LG Manfred
Danke Matthias. ![]()
In meinem ersten Beitrag habe ich etwas über Bedürfnisse und Gefühle geschrieben.
„Etwas“ fehlt noch: der Ort, an dem alles fühlbar wird: mein Körper.
Uwe schrieb kürzlich etwas (im Zusammenhang mit dem Rückfall von sogenannten „Langzeittrockenen“) über die „veränderten Lebenssituationen im Alter“, und über „Vereinsamung“ und „körperliche Schwächen“.
Ich nehme das mal zum Anlass um über meinen Umgang mit den o.g. Begriffen zu schreiben.
Vor über 30 Jahren brach ich mir den linken Oberschenkel. Ich bin damals im betrunkenen Zustand eine Treppe runtergerutscht, dann nach hinten übergefallen, und mit dem linken Bein auf ein weiteres Treppengeländer gefallen. Ich hatte dabei noch Glück, denn ich hätte mir auch das Genick brechen können.
Mit den Folgen dieses Sturzes habe ich noch heute zu tun.
Auf die vielen Behandlungsansätze in den letzten Jahren will ich an dieser Stelle nicht im Einzelnen eingehen.
Der Status quo ist: die Wirbelsäule ist stark „verbogen“; die Muskulatur ist aufgrund der jahrelangen Fehlhaltung unter ständigen Anspannung; das Iliosakralgelenk ist häufig blockiert; der gesamte Beckenbereich ist unter ständiger starker Anspannung. Auf die einzelnen Symptome möchte ich nicht im Einzelnen eingehen.
Die Beschwerden haben sich im Laufe der Jahre verstärkt, sind aber nicht so stark, dass ich Schmerzmittel nehmen muss.
Soviel zu den rein körperlichen Auswirkungen.
Zu den geschilderten körperlichen Anspannungen kommen psychisch bedingte Anspannungen hinzu.
Im Wesentlichen haben Anspannungen ja immer etwas mit Angst zu tun.
Jetzt ist das Eingeständnis „Angst zu haben“ ja nicht besonders populär. Es fällt mir auch leichter zu sagen, dass ich perfektionistisch veranlagt bin, obwohl das ja nichts anderes ist als Angst zu haben Fehler zu machen.
Wie ich es letztlich nenne, dass ist meinem Körper egal. Er reagiert bei Angst mit Anspannung. Der ist da unbestechlich.
Ein guter Indikator ist auch meine Atmung. Auch daran kann ich mittlerweile meine aktuelle Gefühlslage recht gut „ablesen“.
Ich nutze beispielsweise jetzt häufiger Situationen in denen ich warten muss um meine Atmung zu regulieren. Tiefes, bewusstes Atmen hilft mir um mich zu ent-spannen.
So kann ich beispielsweise das Warten an langen Schlangen an der Supermarktkasse gut für mich nutzen. Wenn ich will, dann kann ich mir ja auch lange Schlangen bewusst aussuchen ![]()
Für mich ist wichtig, dass ich alle diese körperlichen Signale ernst nehme und sie auch benenne. Erst dann habe ich die Möglichkeit sie auch bewusst zu verändern.
Bei mir gibt es „alte“ und aktuelle Ängste. Manchmal vermischen sie sich auch. Ich bin gerade in einem Prozess, in dem ich das sortiere.
Angstfreiheit ist ein starkes Bedürfnis von mir.
Welcher Anteil an meiner dauerhaften Muskelspannung nun seelisch (Psyche) oder körperlich (Soma) ist, dass kann ich im Einzelnen kann nicht genau sagen, aber ich weiß, dass ich in beiden Bereich ansetzen kann.
Ich kann mir vorstellen, dass das Alles für Einige viel zu differenziert ist. Ich habe mich damit in den letzten 20 Jahren auch nicht beschäftigt.
Aber jetzt ist offensichtlich für mich der richtige Zeitpunkt.
Und das hat sicher auch mit meinen aktuellen Lebensumständen zu tun:
1. Das deutlichere Spüren von körperlichen „Schwächen“ und Langzeitfolgen vergangener Fehlhaltungen.
2. Die Ungewissheit bezüglich meiner Einkommenssituation aufgrund schon länger andauernder Erwerbslosigkeit.
3. Die Ungewissheit bezüglich meines „sozialen Eingebundenseins“.
Trotz allem freue ich mich immer noch über mein „trocken sein“, und den vielen „kleinen“ Momenten, die ich dadurch bisher erleben durfte und noch erleben werde.
Morgen fahre ich mit meinem Vater zum Verkauf eines Grundstücks in den Osten der Republik.
Dieses Grundstück (mein Vater ist dort aufgewachsen, und ich hatte dort einige schöne Kindheitserlebnisse) wird nach 20 Jahren Auseinandersetzung innerhalb der Erbengemeinschaft nun endlich verkauft.
In den letzten 6 Monaten habe ich mich intensiv um den Klärungsprozess der zum Teil Jahrzehnte andauernden Konflikte gekümmert.
Selbstverständlich konnte ich die Konflikte nicht lösen, aber immerhin ist es mir gelungen, auf der formalen Ebene eine Einigung zu erzielen.
Ich glaube, dass ist mir deshalb gelungen, weil ich mich einerseits mit dem „inneren Kind“ der Beteiligten verbunden habe und andererseits den Einigungsprozess auf der rationalen Ebene voran getrieben habe.
Manchmal kann eine differenzierte Herangehensweise durchaus sinnvoll sein. ![]()
Ich wünsche uns allen einen möglichst ent-spannten Abend!
LG Manfred
Hallo MaryLou,
danke für Deine ausführliche Schilderung.
Schön, dass Du das Alles jetzt so empfinden und erleben kannst. ![]()
Ich befinde mich gerade in einem Prozess, in dem ich „lerne“, ohne viele der von Dir beschriebenen „Dinge“, mein Leben als Geschenk zu betrachten kann.
Es gibt sogar Momente, in denen es mir schon gelingt. ![]()
LG Manfred
Hallo Linde, MaryLou, anonymous, Matthias, zerfreila und Sonnenblume,
vielen Dank für Euren Besuch. ![]()
Zitat... die einfachen Dinge( für die man nicht kämpfen muss, die man jeden Tag geschenkt bekommt) und die glücklich machen dadurch, dass sie die eigenen Bedürfnisse erfüllen,
auch zu erkennen und zu würdigen.
Diesem Satz werde ich nochmal ein wenig nachspüren. Danke für die Anregung.
Was sind denn für Dich diese einfachen „Dinge“?
LG Manfred
Hallo Uwe,
alles Gute für Dich in der "Genesungsbürokratie".
Ich lese schon länger bei Dir, und mir gefällt was und wie Du schreibst.
Für mich klingt es insgesamt angenehm unaufgeregt.
LG Manfred
Hallo Uwe, Matthias, zerfreila, Linde, Viola und Samsara,
vielen Dank für Euren Besuch und Eure freundlichen Worte.
Schön, dass Ihr da seid. ![]()
Nachdem ich jetzt hier seit mittlerweile ca. 2,5 Jahren schreibe, fühle ich eine Verbundenheit mit den hier aufscheinenden Namen bzw. mit den Menschen, die sich dahinter befinden.
Kontinuität ist ja bei einem so flüchtigen Medium wie das Internet und einer Krankheit wie Alkoholismus/Sucht nicht selbstverständlich.
Kontinuierlich und beharrlich an einem Thema dranbleiben, mit der Bereitschaft auch mal die Perspektive zu wechseln, das war und ist für mich eine gute Grundlage um trocken zu bleiben.
Einen schönen Sonntag allerseits!
LG Manfred