Hallo Linde,
ich bin zwar kein EKA, aber ich möchte gerne meine Erfahrungen mit dem Denken und Fühlen beschreiben:
Ich bin ja unter recht dramatischen Umständen auf die Welt gekommen: dem Erstickungstod nahe durch Fruchtwasser in der Lunge, sofortige Trennung von der Mutter durch Verlegung in ein anderes Krankenhaus.
Danach in den ersten Lebensmonaten keinen Kontakt zur Mutter, da sie depressiv wurde und stationär behandelt werden musste. Betreut wurde ich in der Zeit von meiner Tante.
Ausgewirkt hat sich das – und auch die weiteren ersten Lebensjahre - so:
Seit ich denken kann, möchte ich mich nicht von meiner Mutter berühren lassen.
Seit ich denken kann, habe ich Albträume.
Seit ich trocken bin, sind mir nach und nach folgende Gefühle immer bewusster geworden:
Verlassenheitsgefühle, Verlustängste, Minderwertigkeitsgefühle, Wut – um nur ein paar aufzuzählen.
Seit ich diese Gefühle zuordnen kann, weiß ich besser damit umzugehen, aber weg sind sie damit nicht.
Sie wirken sich auch heute noch immer wieder auf meinen Alltag aus.
Z.B. in dem ich einen ziemlich idealisierten Anspruch an andere Menschen habe, insbesondere an „mutterähnliche“ oder „vaterähnliche“ Bezugspersonen.
Das gilt z.B. auch für meine Therapeutin, die ich ja nicht zuletzt aufgrund Deiner Anregung gefunden habe. Wir haben das auch schon thematisiert, sind aber noch am Anfang der „Beziehungsgestaltung“.
Die Gefühle gegenüber meiner Mutter (die mich just in diesem Augenblick aus dem Krankenhaus (kleine OP) anrief) und meinem Vater haben sich im Laufe der Jahre verändert. Insbesondere seit ich etwas mehr über ihre Lebensgeschichte weiß und besser verstehen kann, warum sie so sind wie sie sind.
Wie ich in Zukunft noch besser mit meinen Gefühlen und mir zurecht komme, dass wird u.a. der weitere Verlauf der Therapie zeigen.
Ich mag mich in jedem Fall heute mehr als früher. Und tief in mir drinnen glaube ich sogar, dass ich ein liebenswerter, einzigartiger Mensch bin. Aber das möchte ich am liebsten für mich behalten, damit es mir keiner wegnehmen kann …
Liebe Grüße
Manfred